Kapitel 2

Laughingstock

(Hermines POV)

Sie saß immer noch lachend in ihrem Auto, als ich aus meinem Schlafzimmerfenster schaute. Immer noch. Es war frustrierend, wie dumm ich mich fühlte. Ich hätte nach Hause apparieren sollen. Aber nein, ich berücksichtigte die Muggel, die mich umgeben hatten. Und ich war auch noch so rücksichtsvoll, mich bei ihr für das nach Hause bringen zu bedanken, obwohl ich am liebsten aufgrund ihres Kommentars im Erdboden versunken wäre. Sie hatte es nur gesagt, um mich wütend zu machen. Sie hatte es nur gesagt, damit es sich so anhörte, als würde sie über mir stehen. Weil sie wusste, egal was sie sagen würde, ich würde so handeln, als hasse ich sie.

Ich warf meine Tasche auf meinen Nachttisch, dabei nicht einmal meine Augen von ihr abwendend. Ich wollte hinunter nach draußen gehen, sie auffordern, dass sie ihre Klappe halten sollte und endlich nach Hause zu fahren … was nur ein paar Häuser weiter war.

Es war nicht nur ein Zufall. Es waren schon ein paar Jahre vergangen, seitdem Ron und ich uns getrennt hatten. Wegen den einen oder anderen Grund hatten sich Ginny und Harry zur selben Zeit getrennt. Nun, nein. Das nehme ich zurück. Sie hatten am selben Tag Schluss gemacht. Ich hatte mir nichts bei gedacht, bis ich Ginny ärgerlich und schnaufend durch den Fuchsbau laufen sah, als wir alle zu Besuch da waren. Alles was sie tat war, in den Garten zu schauen und weiterzulaufen. Also spähte ich nach draußen und sah meine beiden besten Freunde, wie sie sich küssten. Es war nicht das angenehmste, was man sehen konnte, doch ich konnte nicht verleugnen, für sie glücklich zu sein.

Harry und Ron gaben ein paar Wochen später ihre Beziehung bekannt und das war, als ich eine seltsame Stimmung zu spüren begann. Mr. und Mrs. Weasley waren angenehm überrascht. Bill, Charley, Percy und George waren ebenso froh darüber. Auch Ginny hatte sich schließlich beruhigt. Doch seit dem gaben mir die Leute nur diese Blicke.

Ich hatte es komplett vergessen, bis vor ein paar Monaten. George setzte sich zu mir, nachdem er mich völlig frustriert im Wohnzimmer gefunden hatte. Ginny ging mir aus dem Weg, und ich konnte nicht sagen, warum das so war. Schließlich verschwand sie, ohne mir ein Wort zu sagen, nachdem sie von Holyhead Harpies angeheuert wurde. Ihr Bruder erzählte mir, dass sich einige (und das nicht nur die Weasleys) fragten, ob wir etwas für einander empfanden.

Ich war empört! Ich meine, nur weil unsere Freunde uns verlassen hatten, um mit dem anderen zusammen sein zu können, bedeutete nicht, dass es bei uns genauso war. George lachte nervös und fragte mich, warum ich so wütend war. Ob ich homophob sei. Oder selber vielleicht unsicher wegen meiner eigenen Sexualität war. Er machte keinen Scherz. Ich antwortete ihm, dass ich mir nicht sicher sei. Bis zu diesem Tag war ich dankbar, dass George mein kleines Geständnis für sich behalten hatte.

An diesem Punkt stolperten Ron und Harry in den Raum hinein. Als sie mich bestürzt sahen, kamen sie zögerlich hinein und setzten sich. Das ist, wo das ganze Chaos startete.

Sie alle fragten mich ständig Sachen über mich selbst. Meine Unsicherheiten, meine Ängste, meine Unzulänglichkeiten, und so weiter. Ich sagte ihnen, dass ich keine Interesse an Frauen hatte, egal was war. Egal, wie sehr mich jemand verärgerte, ich glaubte nicht, dass da irgendeine Anziehungskraft auf mich gab. Ron dachte natürlich, das wäre Nonsens.

Gerade als ich ihm meine Meinung geigen wollte, kam Fleur in den Raum hinein, stieß in mich und schlug mir die Taschentücher aus der Hand. Und meinen Stolz noch dazu. Sie schaute mich von oben herab an und wischte den Inhalt meiner Nase von ihrem Arm ab, schaute mich verärgert an und ging weiter.

Harry und Ron spekulierten weiterhin laut drüber, ob sie möglicherweise einen Mann für mich finden sollten (Fleurs Bann schien die beiden nicht mehr anzuziehen), oder vielleicht irgendwo anders hinzuziehen. Doch George schaute mich nur an. Er bemerkte, wie verwirrt ich war, als Fleur in den Raum hinein kam. Er sah mich erröten und wie ich meine Zähne zusammen biss, aber vor allem sah er, wie mir die Tränen kamen, als sie den Raum verließ. Sie erwischte mich zu einer schlechten Zeit. Nun, Fleur zu sehen war zur jeder Zeit schlecht. Sie machte mich immer wütend, wenn ich so viel über sie nachdachte und ich war wütend, weil sie sich deswegen nicht entschuldigte.

Ich war wütend, weil sie so schön war. Und das war es, als ich es bemerkte. Ja, als ich sie bemerkte. Ich bedaure es, mit jeder Membran meines Seins, doch ich wette mit Ihnen, sie wäre stolz auf sich selbst, wenn sie es wüsste. Nicht beleidigt, nicht verletzt, oder besorgt darüber, warum ich es tat. Sie würde nur zufrieden sein, dass sie mich so verrückt machen konnte, doch sie würde sich nicht drüber sorgen, warum. Es war alles, was sie sehen wollte, alles andere konnte leicht in einem See voller Männer und aufwendigen Touren vergessen werden .

Und hier war sie, direkt vor meinem Haus in ihrem Auto. George hatte nur vorgeschlagen, dass ich hier hin ziehen solle. Harry und Ron kamen natürlich mit mir. George kam jede Woche durch das Flohnetzwerk zu Besuch und das war die einzige Zeit, in der ich es nicht Verleugnen konnte. Er machte sich Sorgen darüber, dass ich mit so vielen Männern Dates hatte und er dachte, es war einfach nicht gesund vor der Wahrheit wegzulaufen.

Und die einfache Wahrheit war, dass ich Fleur Delacour liebte.

Aber zur gleichen Zeit hasste ich sie. Sie war nur so rücksichtslos, so hochnäsig, verabscheuungswürdig … und erfolgreich. Im Berufsleben. Zu Schön um wahr zu sein. Und nicht in meiner Liga.

Ihr Lachen … es war so höhnisch, so spöttisch. So Fleur. Ich hielt meine Luft an, bis meine Venen drohten, aus meinem Hals herauszuplatzen. Meine Fäuste zitterten und ich fühlte mich buchstäblich am explodieren. Doch ich wollte sie nicht wissen lassen, dass sie die einzige war, die mich so wütend machen konnte. Sie hatte die ganze Welt in ihren Händen, und das nur aufgrund ihres guten Aussehens. Als ob Fleur sich die Mühe machen würde, sich bei jemanden für etwas zu bedanken oder sich zu entschuldigen, wenn sie etwas falsch machte. Aber ich störte mich daran, es ist halt so, wie ich bin.

Und sie lachte mich genau deswegen aus.

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Am nächsten Morgen kam Ron klopfend an meine Zimmertür, und sagte, dass Harry das Frühstück fertig gemacht habe. Ich war immer noch mürrisch, wegen der letzten Nacht und fühlte mich nicht nach frühstücken. Ich sagte zu mir selbst, dass sei nur, weil ich kein Morgenmensch war.

Aber dann schlug mir alles andere ins Gesicht, als ich aus dem Bett aufstand. Ich stöhnte, wollte verzweifelt zurück in mein Bett und mich wieder hinlegen, doch es war Samstag. George machte sich wahrscheinlich schon auf den Weg hierhin. Ich stöhnte, als ich aus meinem Bett krabbelte und Klamotten aufpickte und ging ins Badezimmer, um meine Morgenwäsche zu erledigen.

Ich weiß, es war ironisch, dass ich nicht mit meinen beiden besten Freunden, die schwul waren, über mein kleines Problem sprach. Wir leben gemeinsam und ich sehe sie jeden Tag. Ich sehe George nur vier mal im Monat und trotzdem weiß er momentan mehr über mich, als sie es tun. Ich vermute, ich war sein letztes Standbein, als wir Fred verloren. Und als Ron und ich damals stritten, war er immer für mich da. Ich versuchte ihn dazu zu bringen, das Geschäft weiter laufen zu lassen und ich half ihm sogar dabei, neue Produkte zu erfinden.

Doch ich konnte ihn nie fragen, ob er mit uns wohnen wollte, denn ich wollte, dass er in der Nähe seines Geschäftes und seiner Familie blieb. Er brauchte ihre Unterstützung, er sollte sich nicht in den Problemen einer 27jährigen versteckten Lesbe ertränken. Ich mochte es nicht, der Wahrheit entgegen zu blicken, doch ich kam nie drum herum, wenn er hier hin kam. Aber wenn er nicht hier ist, bin ich relativ sicher davor. Harry und Ron hatten keine Ahnung, was vor sich ging, denn leider waren sie zu sehr mit sich selbst beschäftigt.

Sie konnten es nicht merken, wie sich ihr bester Freund nervös oder wütend fühlte, wenn sie drüber grübelten, was Fleur die Straße weiter unten tat. Dann passierte es, dass ihnen Sprüche wie "Lasst uns Mal Fleur auf der Arbeit überraschen!", "Ich frage mich, wie es Fleur geht. Ich wette sie würde die Wände hoch gehen, wenn sie wüsste, dass wir nur ein paar Blöcke entfernt von ihr wohnen", "Verdammt, Bill müsste es immer noch fühlen. Der arme Kerl.", "Ich habe Fleur wieder einen neuen Mann nach Hause bringen sehen. Er sah ziemlich nett aus, wisst ihr? Oh, es war nicht so gemeint!" entsprangen.

Es war nie "Hermine, bist du dir sicher, dass du uns nichts erzählen möchtest?" oder "Warum sagst du immer einfach ja zu Dates, wo du weißt, dass sie für Fleur arbeiten? Hat das etwas zu bedeuten?".

Aber wirklich, manchmal sitze ich einfach da und bin am überlegen, ob ich etwas sagen sollte. Ziemlich bald wäre mein Mund wie zugeklebt sein wegen dem Stress, unter dem ich stehe. Aber ich wünschte, mein Mund würde auch ohne Stress geschlossen bleiben. Vielleicht müsste ich George dann nicht erklären, was letzte Nacht los war. Seine Erkenntnisse konnte er aufgrund meiner letzten Dates machen. Ich hasste es, der Wahrheit entgegen zu blicken.

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Letztendlich schlich ich mich hinunter in das Wohnzimmer, wo Harry meinen Teller auf den Tisch gestellt hatte. Er und Ron kamen kurz danach mit ihren Platten, als ich mich hinsetzte. Sie beide saßen jeweils an einer Seite von mir und Ron zappte durch die Programme, um etwas vernünftiges zu finden, was wir schauen konnten.

Noch bevor ich meine Gabel in die Hand nehmen konnte, spazierte George durch das Flohnetzwerk hinein. Harry, Ron und ich lächelten ihn an, während er tief einatmete.

"Hmm. Riecht gut! Lasst mich raten. Harry hat gekocht?"

"Eh, ja." murmelte Ron vor sich hin. Harry lachte, als George seinen Kopf schüttelnd sich einen Teller holen ging. Traurigerweise war Harry der beste Koch von uns allen.

"Mum und Dad sagen euch Hallo, bevor ich es noch vergesse." schrie George aus der Küche.

"Okay, sag ihnen hey zurück, wenn du wieder zu Hause bist." rief Ron zurück. "Oh, Hermine, du musst dir diese Sendung mal anschauen, wenn es läuft."

"Wie heißt sie?"

"Will and Grace. Es wird in Amerika ausgestrahlt, und es läuft hier ab und an auf Englisch. Eine der Stars, ist eine Designerin, genau wie du. Nur das sie eine Innenarchitektin ist."

"Oh, in Ordnung." Ron strahlte mich an, als George sich auf die Liege setzte.

"Sieht gut aus, Harry. Danke dir."

"Kein Problem. Ron, würdest du dich bitte entscheiden?" beschwerte sich Harry, als wir begannen zu essen. Ron war mal wieder Multitasking.

"Was?" fragte er mit dem Mund voll mit Eiern. Harry und ich rollten mit unseren Augen, als er sich auch noch verschluckte. "Ich mag es, Franco weinen zu sehen und alles. Doch es wäre mir lieber, wenn ich etwas finden würde, was ich auch verstehen kann. Oder verstehen könnte, warum er weint."

"Offen gesagt, hatte ich dir schon vor ein paar Wochen gesagt, du sollst beim Kabelsender anrufen und nach Englischsprachigen Sendungen fragen. Selbst Hermine kann es kaum verstehen, und das will schon was heißen."

"Ruf du sie an!"

"Uhh…"

George lachte und schüttelte seinen Kopf, während er weiteraß und einer weiteren französischen Person im Fernsehen beim Weinen zusah. Ich verstand es nicht. Wenn Franzosen so ausdrucksvoll und emotional waren, warum ….

"Hermine?"

"George?"

"Willst du mir mit dem Abwasch helfen?"

"Normalerweise macht Ron … " Aber als ich realisierte, dass sich Ron und Harry sich zankten und ich im Weg war, seufzte ich, nahm ihre Teller und ging in die Küche. George folgte mir mit einem Lächeln auf dem Gesicht.

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Gerade als ich mit dem Abwasch anfangen wollte, richtete George seinen Zauberstab auf die Teller. Kurz darauf fingen sie an, sich selbst abzuwaschen und verschwanden dahin, wo sie hingehörten. Nun, ich vermute, er hat mich hier nicht hingelockt, um sich die Finger vom Wasser schrumpelig werden zu lassen.

"Du hast es ihnen immer noch nicht gesagt, was?"

"Nö …."

Ich seufzte und setzte mich auf die Ablage. Er nahm sich einen Barhocker und setzte sich mir gegenüber, immer noch lächelnd.

"Hast du Fleur wenigstens gestern Abend gesehen?"

"Ja … und es war wie erwartet. Armand sprach die ganze Zeit nur von ihr."

"Hat es dich verrückt gemacht?"

"Nein … eigentlich mochte ich es, dass er so hoch von ihr sprach. Doch als ich bemerkte, dass sie hinter mir saß, wurde ich wütend. Dann begann er, drüber zu brabbeln, wie er sie dazu bringen versuchte mit ihm und seinem Date einen Dreier zu haben. Fleur fand es heraus und stürmte hinaus und das zur selben Zeit wie ich."

"Er ist so gefeuert."

"Das schlimmste daran war, dass er mir vorschlug, mich mit einzubeziehen. .. Also einen Vierer zu haben."

George lachte laut und ich verbarg mein Gesicht in meinen Händen. Er atmete tief durch und schüttelte seinen Kopf.

"Nun, Fleur hätte so oder so nicht zugesagt. Was passierte danach?"

"Ich wollte nach Hause apparieren. Doch dann sah ich Fleur über den Parkplatz zu ihrem Auto laufen. Sie fuhr mich nach Hause … und … oh meine Güte."

"Was?"

"Ich hatte komplett vergessen, dass wir uns in ihrem Auto für eine Weile angestarrt hatten. Sie merkte nicht einmal, dass die Ampel schon ein paar Mal umgesprungen war. Ihr Ausdruck war so leer und … und … "

"Wunderschön?"

Ich seufzte, massierte mir meinen Nasenflügel und nickte ihm zu. Er verschränkte seine Arme und schaute mich besorgt an.

"Hermine, was hast du vor? Ich meine, willst du weiterhin zu diesen Dates mit diesen Männern gehen? Es ist, als würdest du mit aller Gewalt versuchen, etwas zu sein, was du nicht bist."

"Was soll ich tun, George? Es ihr sagen? Sagen ´Fleur! Ich hab dich praktisch die letzten Monate verfolgt, weil ich mich in dich verliebt habe? Ich möchte mit dir schlafen?´ Also echt."

"Ich denke nicht, dass du so weit gehen musst. Außer du willst es… " sagte er mit einem leisen Lachen. Ich grinste ein wenig und hielt ein Lachen zurück.

"Hier siehste. Du musst dich ein wenig entspannen!"

"Aber jetzt ernsthaft! Was soll ich machen? … Sie hasst mich, George."

"Und du hasst sie. … Doch du verfolgst sie."

"Du bist echt eine Hilfe … "

"Hey! Jetzt hör doch mal zu. Was ist daran falsch, ehrlich zu ihr zu sein? Das schlimmste, was du bekommen könntest, wäre eine Abfuhr und einen kalten Blick. Doch am Ende wärst du dann nicht so wütend wegen dem was wäre wenn"

"Doch ich will sie nicht einmal mögen. Ich mag das überhaupt nicht. Warum hatte sie zur selben Zeit im selben Raum sein müssen?"

"Schicksal?"

"George…."

"Was? Ich hab dir geantwortet!"

"Ich weiß … "

"Was willst du hören, Hermine?"

Ich dachte eine Weile drüber nach. Da gab es keinen leichten Ausweg aus dieser Sache. Ich würde es ihr entweder sagen oder für immer stumm bleiben müssen. Ich dachte drüber nach, wie sie mich angestarrt hatte. Ich ließ meine Abwehr fallen und fühlte all diese Empfindungen wieder, fühlte mich nach ihrem Blick hungern. Ich war auf ihre Barmherzigkeit angewiesen. Sie hatte mich unter Kontrolle und sie hatte genügend Sinn dafür, mich da raus zu holen und mich wieder daran zu erinnern, dass sie die Kontrolle über meine Emotionen hatte. Sie entschied sich, dass es Zeit war, wieder zurück zu kommen und sich weiter zu bewegen. Doch ein Teil von mir wünschte sich, sie wieder sehen zu können. Irgendwie, irgendwann …

Auch wenn sie mir ins Gesicht lachen würde, ich wollte sie sehen, sie hören …

"Ich will einfach nur ihre Stimme hören."