Seit seine Mutter gestorben war hatte James keine gebügelten Hemden mehr gehabt und ehrlich gesagt… verstörte es ihn doch etwas, dass Lily seine Hemden bügelte. Ohnehin schien sie anfänglich eine kleine Vorliebe fürs Hausmütterchen spielen entwickelt zu haben. Sirius meinte, das könne man ausnutzen und kümmerte sich um gar nichts mehr. Lily beschwerte sich darauf gleich, dass er nie etwas mache und Sirius gab die passende Antwort: Dass sie ja nicht wolle, dass er etwas mache. Er mache es ja nicht richtig. Blah, blah… Wobei er blah, blah natürlich laut aussprach.
James' Lösung mit einem Hauselfen anzukommen war wohl auch nicht die richtige gewesen, denn Lily schien sich in ihrer Hausfrauen-Ehre gekränkt zu fühlen und bewies, dass sie wunderbar Türen knallen konnte.
Sirius sah sich als Held der Stunde und tat das Einzige, was seiner Meinung nach James' Beziehung rettete. Er zog wieder in die Wohnung, die er von seinem Onkel Alphard geerbt hatte und nahm den Hauselfen gleich mit. James fand das jetzt noch nicht so berauschend. Er war allein mit Lily, benahm sich dabei meistens wie ein Vollidiot und vermisste seine Waffeln am Morgen. Die hatten Sirius und der Hauself nämlich gerne gemacht und Lily… hatte gerne mal ein Haar im Teig.
Dabei hatte er sich das so schön vorgestellt! Sie alle vier zusammen. Sirius, Lily, der Hauself, Snuggle,… und er selbst natürlich. Jetzt verbrachte Sirius seine Abende mit Remus und Peter, die Beide in London wohnten und James hockte hier in der walisischen Pampa, wo Dumbledore gleich um die Ecke wohnte und es auch sonst nur nach alten Leuten roch. Lily ausgenommen natürlich.
Also, ja. Er wollte eine Party. Eine fette Party und was eignete sich da besser, als eine Hochzeit? Natürlich, gar nichts! Der schöne Nebeneffekt war natürlich, dass sie das Klingelschild von Potter und einem krakeligen Sirius Black darunter nicht mehr in Potter/Evans ändern mussten.
„Das ist äußerst unromantisch.", meinte Remus, als James das seinen drei Freunden nach einem Ordenstreffen im Tropfenden Kessel erzählte. Lily hatte sich abgesetzt, um irgendwas in Muggellondon zu besorgen. Merlin sei Dank musste er da nicht mit. Am Ende wollte sie Schuhe kaufen. Uh…
„Ich find's cool!", grinste Sirius. „Macht ihr Erdbeersahne-Torte?"
„Ist ja auch praktischer.", murmelte Peter, der vor Müdigkeit fast vorne überklappte. Seine Freundin nahm ihn ziemlich in Beschlag. Armes Dickerchen. Schon ganz dünn geworden. „Wegen dem Klingelschild. Lily will sicher nichts schreiben, sondern so ein richtiges aus Metall und das kostet."
„Na ja, Gold hab ich ja.", grinste James.
„Hah, hast du dir die Preise für Klingelschilder in letzter Zeit mal angesehen, Krone?" Sirius zog sich eine senkrechte Linie über den Hals. „Da ist ne Hochzeit billiger. Wann denn?
„Ich dachte so an nächsten Sommer.", meinte James und kratzte sich am Kopf.
„James, entschuldige wenn ich Sirius und deine Planung unterbreche, aber hast du Lily schon gefragt?", wollte Remus wissen und James verzog die Mundwinkel.
„Öh… Ja. Als sie eingezogen ist. Und sie hat ja gesagt, ne?" Er schaute zu Sirius, der zustimmend nickte und grinste Remus dann an. „Vielleicht hat sie ja genug mit meinen dreckigen Socken zu tun und Sirius ist doch arbeitslos."
„Berufs-faule-Socke.", warf Peter ein und Sirius knuffte ihm in die Seite.
„Petey schmollt, weil er der einzige ist, der arbeiten muss."
Remus errötete sichtlich und wollte schnell zu einem anderen Thema als den Potter'schen Almosen, die er bekam und nach langem hin und her angenommen hatte. „Hör mal, James. Ich glaube, das hat sie nicht wirklich ernst gemeint. Wahrscheinlich dachte sie, du hättest einen Scherz gemacht."
Verwirrt zog James die Augenbrauen zusammen. Als ob er das einfach so raushauen würde… Na ja… so… etwa.
„Frag sie noch einmal, mit Kerzen, Rosen. Romantisch eben. Ein Ring. So wollen Frauen das.", sagte Remus sanft lächelnd und malte sich im Hinterkopf wahrscheinlich schon die Hochzeit aus.
Stöhnend rollte James mit den Augen. „Grandios… Dabei könnte alles so einfach sein."
„Ah!", meldete Sirius sich wieder zu Wort. „Soll ich dir Snuggle leihen? Er bereitet Alles für dich vor und…"
„Sirius.", sagte Remus strafend. „James sollte das selber machen. Es muss von Herzen kommen und nicht von deinem Hauselfen."
Sirius öffnete den Mund, klappte ihn wie ein Fisch wieder zu und verschränkte die Arme vor der Brust. „Jaah, aber Snuggylein hab ich ja von James. Kommt doch irgendwie von Herzen."
„Is' übrigens ein dämlicher Name.", warf Peter wieder ein.
„Wie auch immer…" James stand auf und grinste Remus an. „Ich sollte öfter auf dich hören, ja. Sirius? Gehen wir Ringe kaufen? Immerhin bist du mein Trauzeuge."
„Oh, hört, hört!" Sirius grinste breit und sprang auf. „Ich werde Papa… äh, Trauzeuge!"
„Papa? Haben wir was verpasst Sirius?", fragte Peter, der im Gegensatz zu Remus kein Stück enttäuscht war. Das war klarer, als ein frisch von Snuggle geputztes Glas, dass Sirius das übernehmen würde.
„Ja, Sirius' unbändigen Kinderwunsch…", murmelte Remus leicht verletzt, aber er versuchte sich nichts anmerken zu lassen. Sirius war doch so unzuverlässig und dann… Ach, auch egal… Vielleicht brauchte Lily ja eine männliche Brautjungfer.
„Keine Sorgen, Tatze." James legte seinem besten Freund einen Arm um die Schulter. „Ich schenk dir unsern Erstgeborenen."
„Oho!" Bösartig grinsend legte Sirius die Fingerkuppen aneinander. „Frisches Fleisch!" Diabolisch lachend ließ er sich aus der Wirtstube ziehen.
James schaute noch einmal zurück, ob Remus ihnen vielleicht nach war. „So… Wann kann ich mir Snuggle ausleihen?"
Sirius lachte nur noch lauter.
Es war kalt, schneite und schon dunkel, als James allmählich einen Krampf im Knie bekam, weil Snuggle um ihn herum dekoriert hatte. Im Nachhinein war ihm eingefallen, dass er gar keine Ahnung hatte, wann Lily nach Hause kam und er sich vielleicht später hätte positionieren sollen. Die dicken, weißen Flocken legten sich auf die Fensterbank, erleichterten den Weg für die Eisblumen noch und wurden durch den Kerzenschein zum glitzern gebracht.
James hatte den leisen Verdacht, das Lily ihn für die vielen verstreuten Rosenblätter vierteilen und an jedes der Hogwartshäuser verteilen würde. So eine Sauerei… und die umherfliegenden Kerzen würden sicher gleich die Vorhänge in Brand setzen. Gut, gut… aber er hatte zur Not ja noch die Möglichkeit sich Sirius' Hauselfen erneut zu borgen, um das wieder in Ordnung zu bringen.
Der Himmel schien sogar noch dunkler geworden zu sein, als Lily endlich die Tür hinter sich ins Schloss donnerte. Die dunkle Wollmütze zog sie sich im Flur, für James durch den Durchgang gut sichtbar, vom Kopf, zerzauste das vom Schnee feuchte, dunkelrote Haar so nur noch mehr und verschmierte sich die Wimperntusche, als sie sich schniefend über die Augen wischte. Sich vor Kälte schüttelnd, die Wangen noch stark gerötet und müde blinzelnd drehte sie sich James zu und zog eine Augenbraue hoch.
„Ähm…" James zuckte bei dem lauten Hatschi zusammen, ließ sich aber nicht aus seinem Konzept bringen. „Schatz. Hi. Komm doch mal her."
„Was immer es ist, James… kann es nicht noch warten?", näselte sie. Ein weiterer Nieser bahnte sich seinen Weg nach oben und entlud sich explosionsartig. Selbst Lily zuckte zusammen und presste beide Hände gegen den Kopf, weil sie dachte, der müsse jeden Augenblick explodieren. „Wie sieht es hier überhaupt aus?", krächzte sie und ließ die Hände wieder sinken. „Weißt du eigentlich, wie gefährlich es ist, hier Kerzen schweben zu lassen? Das ganze Haus könnte in Flammen aufgehen. Und wieso kniest du auf dem Boden, zwischen … was ist das überhaupt?" Sie kniff die geröteten Augen zusammen, in der Hoffnung, das verschwommene Bild würde sich schärfen. Fehlanzeige. Selbst ihren Freund erkannte sie nur an seinen Umrissen. Sie wollte nur noch zwei Dinge: Ein heißes Bad und ihr Bett.
Langsam verzog James die Mundwinkel und wandte den Blick ab. Remus hatte doch gesagt, das würde Lily gefallen und unter ‚gefallen' verstand er wirklich etwas anderes…
„'S ist nichts, Schatz.", sagte er emotionslos und suchte eine Erklärung für das Chaos. „Sirius und ich… haben Muggelfußball geschaut." Er deutete auf den Fernseher, den Lily bei ihrem Einzug mitgebracht hatte. „Ich räum grad auf…" Er klang leicht genervt, fand aber, dass er dazu auch berechtigten Grund hatte.
Lily entging der genervte Unterton nicht. Was sie im Moment aber viel mehr interessierte, wieso schauten sich zwei erwachsene Männer Fußball bei Kerzenschein an und riskierten damit, das Haus abzufackeln? Und wieso mussten sie das Wohnzimmer dabei so verwüsten?
„Wieso bist du so genervt? Du bist es doch nicht, der nach einem langen Tag bei Eis und Schnee nach Hause kommt und sein Wohnzimmer in einem solchen Zustand vorfindet. Wieso müsst ihr euch Fußball bei Kerzenschein ansehen und einen solchen Schweinestall hinterlassen?" Ihre Stimme klang ruhig, aber eisiger, als das Wetter draußen. Ein weiteres Niesen unterbrach ihren Redefluss kurzzeitig. „Ich hatte mich so darauf gefreut nach Hause zu kommen, ein heißes Bad zu nehmen und eventuell noch ein bisschen mit dir auf der Couch zu lümmeln. Aber wie es aussieht, kann ich das heute vergessen."
„Ehrlich gesagt, ist es mein Wohnzimmer und wenn ich hier Fußball bei Kerzenschein mit meinem besten Freund sehen will, dann mach ich das.", raunte James, stand auf und verschränkte die Arme vor der Brust, wobei er die kleine Ringschachtel in der Faust verbarg. „Du führst dich schlimmer als meine Mutter auf…"
Lily sah ihn verletzt an. Hätte er sie geohrfeigt, es hätte nicht noch weher tun können. „So siehst du das also. Vielleicht war es ja ein Fehler bei dir einzuziehen." Sie versuchte den dicken Kloß, der sich in ihrem Hals gebildet hatte, runter zu schlucken, doch es gelang ihr nicht. Sie spürte, wie ihr Tränen in die Augen stiegen, doch die Blöße, vor ihm zu weinen, wollte sie sich jetzt nicht geben. „Wenn du gestattest, würde ich jetzt gerne deine Badewanne in deinem Haus benutzen und mich dann in das Bett zurück ziehen, welches du mir freundlicherweise zur Verfügung gestellt hast.", sagte sie mit zittriger Stimme und ohne eine Antwort abzuwarten, wandte sie sich ab und eilte die Treppen nach oben ins Badezimmer. Sie schaffte es noch, die Tür hinter sich zu schließen und Wasser in die Wanne zu lassen, bevor sie sich heftigen Schluchzern hingab.
James schnaubte und fuhr sich durch das rabenschwarze Haar, brachte es noch mehr durcheinander und scherte sich einen Dreck darum. „Frauen…", murmelte er. Mussten immer überreagieren. Aber Merlin, er musste sich das nicht antun. Er war Lily jahrelang hinterher gelaufen, sie würde sich wohl denken können, wie sehr er sie liebte. Wenn er das weiter so peinlich breittreten musste, während sie sich fast noch peinlicher aufführte, dann hatte er wohl einen Fehler gemacht. Grummelnd schrieb James nicht einmal einen Zettel, bevor er Sirius' Hauselfen das Chaos bereinigen ließ und sich mit etwas Flohpulver in den Eberkopf verabschiedete.
Er brauchte jetzt Alkohol!
Es war aber auch ein beschissener Tag gewesen. Da irrte Lily stundenlang durch die Winkelgasse, auf der Suche nach einem Buch über Quidditsch, welches sie für James besorgen wollte, dann fing es an zu schneien und zu allem Überfluss war sie auch noch Severus über den Weg gelaufen, der sie fast peinlich anfleht hatte, sie möchte ihn doch anhören.
Lily verließ gerade Florish and Blotts, als eine Stimme ihren Namen rief. Sie wandte sich nach rechts, in die Richtung, aus der die Stimme kam und erblickte ihn. Severus rannte förmlich auf sie zu. Lily drehte sich um und wollte in die andere Richtung davon laufen, doch er hatte sie bereits eingeholt und hielt sie am Arm fest.
„Lily. Bitte warte. Hör mich an."
„Lass sofort meinen Arm los, Severus. Du kannst mir nichts sagen, was für mich von Interesse wäre." Sie versuchte sich aus dem Griff zu befreien, doch Severus ließ nicht los.
Warum sie letzten Endes doch noch stehen geblieben war, konnte Lily im Nachhinein nicht mehr sagen. Vielleicht war es sein verletzter Blick, vielleicht auch das flehen in seiner Stimme, als er sie noch einmal gebeten hatte, ihn anzuhören. Mit verschränkten Armen und sturem Blick stand sie vor ihm und er redete. Das Beide durch die immer dicker werdenden Schneeflocken völlig durchnässten, schien ihn nicht zu kümmern. Erst, als Lily ihm erzählte, dass sie inzwischen bei James wohne und auch gedenke, ihn zu heiraten, versteinerte sich seine Miene und er verabschiedete sich.
Lily saß in der Wanne mit dampfenden Wasser, schniefte vor sich und fuhr sich mit nassen Händen durch die roten Haare. Jetzt musste sie sich auch noch mit James streiten und das wegen... wegen was eigentlich? Ja gut, er hat ein paar Kerzen durch die Wohnung schweben lassen. Ist ja eigentlich romantisch. Und er hat mit Black das Wohnzimmer auf den Kopf gestellt. Was soll's. Er kann es ja wieder aufräumen. Männer und Fußball... ihr Vater war da nicht viel anders gewesen. Und... oh Gott, sie hatte sich benommen, wie ihre Mutter. Sie wollte gerade aus der Wanne springen und zu James eilen, um sich zu entschuldigen, da fiel ihr wieder ein, was er da unten gesagt hat. ‚Sein Wohnzimmer... Sein Haus...' Wollte er sie eigentlich wirklich hier haben? Vielleicht bereute er ja inzwischen, dass er mit ihr zusammen gezogen war. Vielleicht würde er ja lieber wieder mit Sirius zusammen wohnen wollen. Lily ließ sich wieder in die Wanne, deren Wasser schon langsam kalt wurde, sinken und seufzte laut auf.
Wie das immer so ist, wenn man in der Badewanne liegt, stört etwas oder jemand. In diesem Falle jemand der an der Tür regelrecht Sturm klingelte. James musste diesen irren doch auch hören. Warum, bei Merlins ungewaschener Unterhose, machte er nicht auf? Lily entstieg genervt der Wanne, schlüpfte in ihren roten Bademantel und eilte die Treppe hinunter. Der Spinner schien die Türklingel gar nicht mehr loslassen zu wollen. Sie riss die Tür auf. „Sag mal spinnst du?", polterte sie los, bevor sie noch richtig erkannt hatte, wer ihr jetzt gegenüber stand. „Black, was willst du hier? Vorhin was vergessen?", fragte sie schnippisch, trat zur Seite und bedeutete mit einer übertrieben ausladenden Geste ihres Arms, er möge doch eintreten.
Leicht abgelenkt von Lilys kurzem Bademantel hörte Sirius erst gar nicht auf zu klingeln, schreckte bei einem erneuten Schnauben des Rotschopfs hoch und wackelte eher unfreiwillig mit den Augenbrauen. Das war bei ihm Alles automatisch. „Cheerio, Evans!" Genau wie der Klaps auf ihren Hintern. „Ups, sorry." Gespielt schüchtern legte er sich eine Hand vor den Mund. „Ist dir nicht kalt?", fragte er ganz unschuldig, als Lily wie zu Stein erstarrt da stand und ihn aus großen, grünen Augen anschaute. Geduldig wartend bis das Mädchen sich von der Ehre seines Besuches erholt hatte, beschäftigte Sirius sich solange damit, den Kopf schief zu legen, als ein kleiner Windhauch den Bademantel zum Flattern brachte.
Lily warf wütend die Tür ins Schloss, zog ihren Bademantel enger um den Körper, verschränkte die Arme vor der Brust und starrte ihr Gegenüber zornig an. Wo zum Teufel war James? Normalerweise kam der doch sofort angerannt, wenn er die Stimme seines besten Freundes im Haus hörte. Gott, Männer konnten so widerlich sein. Wie Sirius da stand, den Kopf so schief gelegt und fast anfing zu sabbern. „Was willst du, Black?", zischte sie und hob fragend eine Augenbraue.
„Uh, da hat aber jemand schlechte Laune.", grinste Sirius. „Wärst du James, würde ich dich jetzt auch mal knuddeln."
Während Lily die Zweideutigkeit dieses Satzes wohl zu verstehen versuchte, verfluchte Sirius seine enge Hose, wo er die kleine Schachtel nicht herausbekam.
„Denk mal, gefällt ihm besser, wenn du ihn trösten gehst." Er legte das schwarze Samtschächtelchen neben eine Blumenvase im Flur und steckte die Hände in die Hosentaschen. „Frauen können so unsensibel sein, manchmal.", seufzte er, während Lily einen Blick auf den Gegenstand zu erhaschen versuchte. „Wenn du ihm aber das Herzchen brechen willst, dann bin ich gerne bereit ihm meine Couch anzubieten. Stört ihn hoffentlich nicht, dass das auch mein Schlafplatz ist…" Sirius kratzte sich am Hinterkopf. „Wie dem auch sei… Ich hoffe du machst das Richtige mit dem Teil." Er deutete mit dem Kinn nach hinten. „James macht ne harte Zeit durch und er hatte wohl gehofft, das seine Seelenverwandte…" Das leichte Würgen konnte er sich nicht verkneifen. „…ihn besser verstehen würde. Hör mal…" Den typischen hochmütigen Gesichtsausdruck eines Blacks aufsetzend musterte er Lily von oben. „James ist nicht so tough. Wenn du ihn verletzt, egal ob unabsichtlich oder nicht, dann…" Langsam lehnte er sich vor und war sich dem Aufblitzen seiner Augen durchaus bewusst. „…zeig ich dir den Slytherin in mir." Er ließ die Augenbrauen hüpfen und schob sich an Lily vorbei. „Mit denen kennst du dich ja aus." Die Tür wieder öffnend blieb Sirius kurz im Türrahmen stehen, drehte sich aber nicht um. „Eberkopf. Mach einfach kein Drama." Einfach mal auf Lilys Verstand hoffend, ließ Sirius die Tür hinter sich zufallen und verschwand in der Nacht.
Lily stand, wie vom Donner gerührt da und starrte auf das Schächtelchen. Vorsichtig, so als ob es kaputt gehen könnte, nahm sie es in die Hand und öffnete es. Ein Diamantring kam zum Vorschein. Die freie Hand auf den Mund schlagend, starrte Lily den Ring an. Tränen stiegen ihr in die Augen. „Scheiße!", nuschelte sie in die Hand. Wollte James ihr vorhin vielleicht einen Antrag machen? Und sie hatte alles versaut. „Echt toll gemacht, Evans.", sagte sie zu sich selbst, legte das Kästchen wieder zurück auf die Kommode und rannte nach oben. So schnell war Lily noch nie fertig angezogen. Die Haare föhnte sie nur kurz an, eilte nach unten, schnappte sich den Ring, lief nach draußen und apparierte nach Hogsmeade vor den Eberkopf. Sie riss die Tür auf und stürmte die fast leere Bar. James saß mehr schlecht, als recht auf einem Barhocker und hielt sich an einem Whiskey-Glas fest. Er schien schon einiges getrunken zu haben. Lange würde er bei der Schieflage nicht mehr auf dem Hocker sitzen. Lilys Magen zog sich unangenehm zusammen. Sie strich sich eine noch nasse Haarsträhne hinters Ohr und ging, nicht mehr ganz so mutig wie eben, auf ihren Freund zu, der sich gerade noch einen Feuerwhiskey bestellte. Sie stellte sich neben ihn, legte ihm eine Hand auf die Schulter und verhinderte somit, dass er wirklich fast vom Hocker gerutscht wäre. Mit, vom Alkohol glasigen Augen, sah James sie an. „Es … tut mir so leid, James.", stammelte sie.
James bekam kaum mit, dass ihn jemand ansprach, schwankte gefährlich, rutschte zur Seite und wurde dieses Mal nur durch Lilys Oberarm, an dem er sich anlehnen konnte, auf seinem Stuhl gehalten. Lilys Stimme hörte sich wabberig in seinem Schädel an und im ersten Augenblick hielt er sie für Sirius.
„Schmätzchen?" Hoppla! Tätzchen sah aber… strange aus. Das Kichern unterdrückend befand James, dass es besser war, sein Glas anzustarren.
Aberforth Dumbledore stellte James ein weiteres Glas Feuerwhiskey hin. „Für mich auch einen.", wandte sich Lily an ihn und setzte sich neben James. Dieser saß durch Lilys Weggang schon wieder sehr bedenklich auf seinem Hocker. Seufzend rückte sie näher an ihn ran. Er missbrauchte sie auch sofort als Stütze.
Aberforth stellte ihr ebenfalls ein Glas der bernsteinfarbenen Flüssigkeit hin. „Gehört der zu dir, Rotschopf?"Lily nickte und schüttete das Glas auf Ex hinunter. Sie verzog angewidert das Gesicht. Aberforth lachte. „Ist nichts für zarte Gemüter, Kleine."
Lily schüttelte sich kurz, was ein böser Fehler war. James wandte sich ihr zu und sah sie böse an. „Bischt ja gar nischt, Tät… Schmä… Schi…" Er hickste und betrachtete seinen Satz damit als abgeschlossen, sowie vollkommen verständlich. „Schei…ben…kleischter."
Lilys verwirrter Blick entging ihm, interessierte ihn aber auch nicht. Immerhin hatte er nur… irgendwas gesagt, an das er sich schon wieder nicht erinnern konnte. Der Geruch von Shampoo und Seife schlängelte sich fast sichtbar den Weg in seine Nase, brachte James zum Schielen und schließlich zum Würgen. Uh, das hielt man ja nicht aus!
Sich eine Hand vor den Mund haltend drehte James sich herum, hielt sich mit einer Hand an Lilys Knie fest, damit er nicht herunterfiel und brachte gerade noch ein schwammiges „Hausche" raus, bevor er kurzerhand seinen Mageninhalt präsentierte. Aberforths Lieblingsziege sei Dank hatte er nicht Lily getroffen und wie Aberforth verlauten ließ, mache das auch gar nichts, seine Lieblingsziege würde sich da liebend gerne drum kümmern… Also… James verzog die Mundwinkel. Also würde die Ziege jetzt wohl… Lily vollkotzen? Uäh!
„Isch mussch… heim…" Das wollte er sich nämlich nicht antun!
Lily zahlte die Zeche, während James von seinem Hocker rutschte und fast auf den Knien gelandet wäre, hätte er sich nicht noch an Lily festgeklammert. Angeekelt sah die ihren Freund, der noch etwas von dem Ausgespuckten am Mundwinkel kleben hatte, an. Sie zog ein Papiertaschentuch aus ihrer Hosentasche und wischte James das Gesicht sauber, bevor sie sich ebenfalls auf die Beine stellte, sorgsam darauf bedacht, nicht in das zu treten, was James ihr freundlicherweise vor die Füße gespuckt hatte. James legte ihr einen Arm um die Schulter und lag mit seinem ganzen Gewicht auf ihr drauf. Einen Arm um seine Taille gelegt, versuchte sie sich beide irgendwie einen festen Stand zu verschaffen. „Komm James. Ich bring dich hier raus.", murmelte sie und versuchte den Weg einigermaßen gerade zurück zulegen. Draußen angekommen, machte James sich von ihr los, um auch noch den Rest seines Mageninhaltes an der Häuserwand zu verewigen.
Lily stand jetzt jedoch vor einem neuerlichen Problem. Wie sollte sie James nach Hause bekommen. Das Zauberergesetz verbot es, dass unter Einfluss von Alkohol appariert werden durfte. Selbst die Mitnahmen von Betrunkenen wurde bestraft. Flohpulver kam auch nicht in Frage, würde James doch bei dem Herumgewirbel sämtliche Kamine vollspucken. Vielleicht würde Aberforth ihr einen Besen leihen. Doch Lily beschlichen starke Zweifel, ob sie James auf dem Besen halten und diesen nach Godric's Hollow fliegen könnte. Völlig überfordert mit der Situation, sah sie auf James hinab, der sich inzwischen auf den Boden gesetzt hatte und breit grinsend zu ihr rauf sah. Lily schüttelte den Kopf und fuhr sich durch die roten langen Haare. Zu allem Überfluss musste es jetzt auch wieder zu schneien anfangen. Sie umschlang sich selbst mit den Armen und versuchte das Zähneklappern zu unterdrücken.
„Haaaaaaaaatschi!" Das hatte ihr jetzt gerade noch gefehlt. Warum hatte sie auch nicht daran gedacht, einen Mantel über zuwerfen.
„Gesundheit.", rief eine Stimme hinter ihr.
Lily fuhr herum. „Professor Dumbledore.", rief sie überrascht. „Was machen sie denn hier?"
„Das gleiche könnte ich sie auch fragen, Miss Evans." Sein Blick fiel auf James. „Mr. Potter, warum sitzen sie denn auf dem Boden?"
„Lily will müch nich' heiratten und da hab isch ne Menge… Zeug getrunken. Glaub, das war… ähhh… Alkohol.", sagte James und brachte den Schulleiter dadurch zum Glucksen. „'S is' wahr… Oder, Schatz? Schaaaatz? Sie hassscht misch, Pro…Pro… Dumby." Schwankend kippte James urplötzlich zur Seite und blieb schnarchend liegen.
