2. Kapitel - Halsketten

"Draco, was haben dir deine Eltern zum Thema Muggel gesagt? Dein Vater wäre so wütend, wenn er dich mit dem Mädchen hätte reden sehen." Die Nanny starrte Draco an, als sie Malfoy Manor betraten.

Draco flitzte in den Wohnraum und kletterte auf die Couch. "Papa wird nichts davon erfahren, wenn du ihm nichts sagst. Wenn du es Papa sagst, sag ich ihm dass du mich zu diesem Muggelort gebracht hast!" Er lächelte sie arrogant an.

'Was für eine undankbarere, verwöhnte Göre', dachte sich die Nanny wütend als sie in die Küche ging. "Wenn ich das nächste Mal Besorgungen mache bleibst du mit den Hauselfen zu Hause!"

Draco stand von der Couch auf und starrte seine Nanny an. "Hör auf mir zu sagen, was ich machen soll. Warte, bis mein Papa rausfindet, wohin du mich mitgenommen hast."

"Sprich nicht in diesem Ton mit mir, Draco", schimpfte ihn die Nanny. "Du bist erst fünf, also zeig etwas Respekt."

Draco schaute seine Nanny an, bevor er stampfend in sein Zimmer verschwand. Er knallte die Tür zu und kletterte auf sein Bett. Er fühlte sich verwirrt und wütend.

'Was ist so schlimm an Muggeln?', fragte sich Draco. Er drehte sich auf die Seite und beobachtete die Bäume, die sich mit dem Wind bewegten. 'Ich hab vergessen, warum Vater gesagt hat, dass Muggel schlecht sind.'

Er setzte sich auf und dachte nach, wie er seinen Muggelfeund wieder sehen könnte.


Am nächsten Tag fragte Hermine ihre Mutter, ob sie mit ihr zur Arbeit gehen könnte.

"In Ordnung, Hermine. Aber bleib im Kinderbereich", sagte Mrs Granger zu Hermine.

Hermine nickte und holte sich schnell ein Buch. Sich sah sich im Kinderbereich um, ob sie Draco irgendwo sehen konnte, aber sie fand ihn nicht.

'Vielleicht kommt er später', dachte sich Hermine. Sie setzte sich auf ihre Bank und began zu lesen.

Aus Sekunden wurden Minuten und Minuten wurden zu Stunden. Hermine konnte nicht anders, als immer zum Eingang zu gucken, um zu sehen, ob er kam.

"Hermine, Liebling" Mrs Granger fand Hermine zwischen einem Haufen Büchern. "Komm, meine Arbeit ist zu ende. Lass uns heim gehen."

Hermine sah ihre Mutter an und nickte. Schnell sah sie sich im Kinderbereich nochmal um und konnte nicht anders, als enttäuscht zu sein, da sie Draco heute nicht gesehen hatte. Sie nahm die Hand ihrer Mutterund lief mit ihr nach draußen.

Wochen vergingen, doch Draco ließ sich nie im Buchgeschäft blicken. Hermine wurde so wütend, weil er sein Versprechen nicht hielt, dass sie aushörte, auf ihn zu warten. Als sie einen weiteren Tag mit ihrer Mutter mitkam, sah sie zum Eingang und setzte sich dann auf ihre Lieblingsbank. Sie öffnete ihr Buch und sah sich die Bilder an, bevor sie zu lesen anfing.

"Was liest du da, Herminnee?", fragte eine Stimme.

Hermines Kopf schoss hoch. Draco kam auf sie zu, ein zufriedenes Lächeln auf den Lippen. Hermine war glücklich, er war da. Sie lächelte zurück.

"Wo warst du?", fragte sie während sie ihm etwas Platz machte.

Draco runzelte die Stirn. "Es war schwer, zurück zu kommen. Ich musste meinen Hauselfen fragen, ob her mit mir her appariert, weil ich nicht weiß wie es geht."

Hermine sah Draco eine Sekunde lang an, bevor sie in Lachen ausbrauch "Hauselfen? Elfen gibt es nicht!"
Er sah das lachende Mädchen an und verschränkte seine Arme. "Doch, gibt es. Du bist ein Muggel, deswegen kannst du sie nicht sehen."

Sie rollte mit den Augen. "Ja, natürlich", kicherte sie und sah Draco an. "Deine Augen sind ganz silberich und grau. Mhh.. Ich mag das."

Draco grinste. "Danke. Deine Augen sind Kakafarben. Außerdem: Sind deine Haare immer so buschig?"

Hermine sah ihn kurz an und widmete sich dann wieder ihrem Buch.

Er sah auf das Buch in ihren Händen und fragte: "Um was geht es diesem Buch?"

Hermine schloss das Buch und zeigte ihm den Einband. "Es ist über Magie."

Dracos Gesicht strahlte. "Magst du Magie?"

Sie schüttelte ihren Kopf und lachte. "Sowas wie Magie gibt es nicht, Drake."

Er sah sie stirnrunzelnd an, sagte aber nichts. 'Sie ist ein Muggel. Sie weiß es nicht', dachte er sich im Stillen.

Sie fingen an zu reden, während sie im Buchgeschäft herumwanderten. Draco dachte, es wäre lustig, Hermine zu ärgern, indem er ihr jedes Buch, das sie nahm, wegschnappte und wieder ins Regal stellte. Natürlich machte das Hermine traurig und sie kommandierte ihn weiter herum. "Tu dies nicht, tu das nicht."

Ein paar Wochen zogen ins Land und Draco hatte es dank seiner Hauselfen geschafft, sie zu sehen. Er mochte Hermine als Freund und konnte immernoch nicht verstehen, warum Muggel so böse waren. Hermine war nett zu ihm, sogar lustig. Manchmal kommandierte sie ihn herum und nervte ihn, weil sie tat als würde sie alles besser wissen. Aber er tat was sie wollte.

Eines Tages, als Mrs Granger Hermine sagte, sie würden gehen, erklärte Hermine Draco, er solle sie am Park treffen.

"Siehst du den Park dort drüben?" Sie schob Draco aus dem Laden raus und zeigte auf den Park auf der anderen Straßenseite.

"Ja", murmelte er, von der Sonne geblendet.

"Komm um 1 dort hin", sagte sie, als sie ihm das letzte Mal winkte.

Draco nickte und verschwand schnell mit den Hauselfen.

"Der junge Herr darf nicht mit dem Feind reden", sagte der Hauself, nachdem sie zum Manor appariert waren.

Draco sah den Hauself an. "Sie ist kein Feind, sie ist mein Freund." Er stampfte nach oben und versteckte sich in seinem Zimmer.

"Da bist du ja!", seufzte Hermine und rannte auf Draco zu. Er saß auf einer Schaukel und wartete auf sie.

"Du hast lang gebraucht." Draco sah sie an, rutschte von der Schaukel und kam auf sie zu.

Hermine wedelte herablassend mit der Hand. "Ich bin da, oder? Lass uns spielen. Immer am selben Ort zu sein ist langweilig."

Draco nickte und folgte ihr durch den Park. Sie schaukelten, rutschten und begannen Löcher im Sandkasten zu graben.

"Was willst du sein, wenn du groß bist, Drake?", fragte Hermine während sie einen Haufen Sand zusammenschob.

Draco zuckte mit den Schultern. "Ich will ein Quidditchspieler werden. Papa hat mir einen Spielzeugbesen gekauft, aber der fliegt nicht so hoch."

Hermine sah Draco belustigt an. "Quidditch?"

Draco sah auf und grinste. "Das ist mein Lieblingssport. Was ist mit dir?"

Hermine arbeitete weiter an ihrem Sandhaufen. "Keine Ahnung. Aber ich kanns kaum erwarten, dass die Schule losgeht."

Draco nickte. "Ich auch! Ich geh entweder auf eine Schule, die Durmstrang heißt oder auf eine namens Hogwarts. Papa will, dass ich nach Durmstrang geh aber Mama denkt, es ist zu weit weg."

"Hmm", brummte Hermine abwesend. Sie wusste nicht, was das für Schulen waren. Sie stand auf und schöpfte etwas Wasser in einen Eimer, den sie gefunden hatte. Sie ließ das Wasser auf den Sand tröpfeln und versuchte eine Sandburg zu bauen. Draco folgte ihr und schüttete noch mehr Wasser in den Sand um ihr zu helfen.

Als sie fertig waren, lehnte sich Hermine zurück und lachte. "Unsere Burg sieht hässlich aus."

Draco lachte mit. "Wenn ich einen Zauberstab hätte, könnt ich sie schöner machen."

Hermine lachte weiter; sie dachte, es wäre ein Witz gewesen. "Ja! Hey, wartest du kurz? Ich will dir was geben."

Draco nickte und sah Hermine hinterher, als sie zu ihrem Haus lief. Dann sah er wieder auf ihre Kreation und zerstörte sie mit seinem Fuß. Er hörte Schritte und sah, wie Hermine auf ihn zu lief.

"Du hast unsere Burg kaputt gemacht", japste Hermine als sie in den Sandkasten sah.

Draco zuckte mit den Schultern. "Was wolltest du mir zeigen?"

Hermines Wut verblasste und wurde durch ein Lächeln ersetzt. Sie steckte ihre Hände in ihre Tasche und holte eine einfache silberne Kette mit blauer Perle hervor und gab sie Draco.

"Eine Mädchenkette?", murrte Draco, während er auf die Kette sah.

"Das ist keine Mädchenkette, Drake! Das ist eine Freundschaftskette. Guck", sie zog eine Kette hervor, die vorher unter ihrem Shirt versteckt war. Sie sah aus, wie Dracos, nur dass sie eine pinke Perle hatte. "Siehst du? Meine ist pink, für Mädchen. Deine ist blau, für Jungs. Wenn du sie trägst, ist das ein Zeichen für unsere Freundschaft."

Draco starrte erst das Mädchen, dann die Kette an. Er mochte die Kette nicht sonderlich, aber seine Mutter hatte ihm immer gute Manieren beigebracht. "Danke." Er legte sie an und versteckte sie unter seinem T-Shirt, wie Hermine zuvor.

Sie strahlte ihn an. "Immer, wenn wir sie jetzt ansehen, denken wir an unseren ersten besten Freund!"

Draco grinste. "Beste Freunde."

Draco sah Hermine zu, wie sie im Sand spielte und er fühlte sich unheimlich glücklich, sie als Freund zu haben. Sie genossen die Anwesenheit des anderen bis Hermines Mutter sie rief.

"Willst du morgen wieder spielen?", fragte Hermine während sie aufstand und sich den Sand abklopfte.

"Okay." Draco nickte lächelnd.

Hermine strahlte ihn an. "Ich seh dich dann hier am Sandkasten." Sie rannte zu ihrer Mutter und winkte Draco nochmal zum Abschied.


"Wo warst du, Draco?", fragte Lucius Malfoy seinen Sohn, der gerade eben mit seinem Hauselfen ins Manor appariert war.

"Nirgends", sagte Draco kurz. Er hatte Angst vor dem, was sein Vater sagen würde.

Lucius runzelte die Stirn und wandte sich dem Hauselfen zu. "Wohin hast du meinen Sohn gebracht?"

Der Hauself schaute ängstlich zwischen Lucius und Draco hin und her.

"Twinky? Ich hab dich was gefragt. Antworte mir", befiehl Lucius mit kaltem Unterton.

"Meister, der junge Herr wollte, dass ich ihn zu einem Muggelort bringe. Er hat dort ein Mädchen getroffen", erwiderte der Hauself namens Twinky, während sie sich langsam vor ihrem Herren verbeugte.

Draco schluckte leise, als Lucius seine Aufmerksamkeit auf ihn richtete. "Twinky du bringst ihn nirgends mehr hin. Wenn doch, wirst du bestraft, verstanden?"

Twinky nickte und verbeugte sich ein weiteres Mal.

"Jetzt geh, ich muss meinem Sohn eine Lektion beibringen". Lucius schickte Twinky fort und als sie gegangen war, drehte er sich zu Draco um.

"Du verbrüderst dich mit Muggeln?", fragte Lucius. "Was habe ich dir über sie gesagt?"

"Sie war wirklich nett, Papa", erwiderte Draco, den Kopf gesenkt. "Sie war gar nicht schlimm."

"Nicht schlimm? Draco, Muggel sind Wilde", Lucius schnappte nach Luft. "Ich verbiete dir, mit diesem unverschämten Mädchen, das sicher dein Gehirn vergiftet hat, zu reden. Du darfst nur noch dort hin, wenn wir in der Muggelwelt etwas zu erledigen haben. Aber du wirst sie nie wieder sehen."

Draco fühlte sich, als hätte er einen Knoten im Bauch. Er mochte Hermine, sie war sein einziger Freund. Aber er hatte Angst vor dem, was sein Vater tun würde, er wollte ihn nicht enttäuschen.

"Okay, Papa", sagte Draco, den Kopf noch immer gesenkt.

Lucius seufzte schwer. "Ich habe ein paar Freunde, die Kinder in deinem Alter haben. Ich glaube, die haben einen besseren Einfluss auf dich."

Draco nickte. "Ja, Papa."

Wie aufs Wort läutete plötzlich die Türglocke. Ein Hauself erschien vor der Tür und öffnete sie.

"Ah! Genau richtig", begrüßte Lucius seine Freunde. Er stand auf und stellte die Kinder seinem Sohn vor.

"Draco, wo bleiben deine Manieren? Stell dich den Kindern vor", Narcissa sah ihren Sohn finster an, als sie die Treppe heruntereilte um die Gäste zu begrüßen.

Draco sah die 4 Kinder, die auf ihn zugingen, an und sagte: "Hallo, ich bin Draco."

Ein junges Mädchen mit schwarzen Haaren und einem rundlichen Mopsgesicht kicherte. "Ich bin Pansy."

Ein Junge, der etwas größer als Draco war, grüßte ihn ebenfalls. "Goyle."

Der zweite Junge trat vor Draco und nickte. "Crabbe."

Der letzte Junge mit dunkler Haut und schwarzem Haar grinste ihn an. "Blaise."

Als Draco seine neuen Spielgefährten kennengelernt hatte, nahm er sie mit in sein Zimmer, wo sie mit seinem Spielzeug spielten.

"Ist das ein Besen?", fragte Blaise, der auf den Besen auf dem Bett starrte.

Draco strahlte. "Ein Spielzeug. Aber Papa sagt, wenn ich gut bin, krieg ich einen echten."

"Oh, Draco", kicherte Pansy und stupste den Besen an. "Du hast so ein Glück."

Nachdem sie angefangen hatten zu spielen, mochte Draco sie immer mehr. Sie verstanden mehr von Magie als Hermine und er musste nichts vor ihnen verstecken.

"Ewww, ein Muggel?", fragte Pansy und verzog ihr Gesicht vor Ekel. "Du solltest nicht mit einem Muggel befreundet sein, Draco."

Draco sah von seinem Spiel auf. "Das haben meine Eltern auch gesagt. Aber warum?"

Blaise setzte sich neben seinen neuen Freund. "Sie sind unsere Freundschaft nicht wert. Ich bin sicher dieses Mädchen wird alles über dich vergessen. Sie kennt keine Magie."

"Ganz davon abgesehen, dass wir zaubern können und sie nicht. Wie kommen die ohne Magie nur aus?", grinste Goyle, während er versuchte auf Dracos Spielzeugbesen zu fliegen.

"Es gibt ein paar Hexen und Zauberer, die in Muggelfamilien geboren wurden", erklärte Crabbe Draco, der Goyle bei seinen Flugversuchen zusah.

"Aber sie verdienen das nicht! Mama sagt sie sind Schlammblüter. Sie haben nicht das Recht, die Fähigkeit zu zaubern zu haben", erklärte Pansy. "Manche von ihnen wissen nicht einmal, dass sie zaubern können, bis sie ihren Hogwartsbrief kriegen."

"Wirklich?", fragte Draco, der plötzlich an Hermine dachte.

"Ja. Deswegen werden sie Schlammblut genannt. In ihren Venen fließt Dreck", fügte Blaise hinzu. "Muggel und Zauberer sollten sich nicht verbünden."

"Kein Wunder, dass Papa wütend auf mich war", seufzte Draco, als er es endlich verstand.

"Keine Sorge, Draco. Wir kommen immer vorbei, wenn du spielen willst", munterte Pansy ihn auf, als sie seinen traurigen Gesichtsausdruck sah.

"Okay", erwiderte Draco, der sich deutlich besser fühlte.


Wochen und Monate vergingen, doch er hat Hermine nicht mehr besucht. In diesen Monaten gab es Momente, in denen er sie sehen wollte. Doch er konnte nur an das denken, was seine Familie und Freunde ihm erzählt haben. 'Muggel sind es nicht wert. Ich bin ein Reinblüter und die haben kein magisches Blut in sich.' Pansy, Blaise, Crabbe und Goyle waren gute Freunde. Wenn er mit ihnen zusammen war, glaubte er, dass Muggel Wilde und Schlammblüter dreckig waren. Wenn er mit ihnen Zeit verbrachte, dachte er immer weniger an Hermine, bis er sie schließlich vergas.

Hermine jedoch vergas ihn nie.

Mittlerweile war ein Jahr vergangen, seit sie den blassen Jungen das letzte Mal gesehen hatte. Eines Tages, als sie sich vor ihrem Spiegel umzog, fiel ihr ihre Freundschaftskette auf. Sie rollte die Perle zwischen den Fingern hin und her und konnte nicht anders, als wieder wütend zu werden. Sie wollte die Kette abnehmen, doch auf halben Weg zum Verschluss blieben ihre Hände in der Luft stehen. Sie wollte ihren ersten besten Freund nicht vergessen. Ein paar Tränen rollten leise über ihre Wangen, als sie sich vorstellte, dass Draco sie vergessen hatte. Sie zog ihren Schlafanzug an und kroch unter die Bettdecke. Sie wusste nicht, dass sie ihn am nächsten Tag wieder sehen würde.