Luke setzte sich in einem Schneidersitz auf den kalten Boden seiner Zelle. Dann schloss er die Augen und konzentrierte sich auf die Macht. Langsam ließ er sich in der Macht versinken, von ihr tragen. Automatisch nabelte er sich von allen äußeren Einflüssen ab. Er hörte nichts, er sah nichts, er roch nichts.
Da war nur noch die Macht, durch die er alles kristallklarer wahrnahm, als er es mit seinen Sinnen konnte. Er fühlte die Leben in dem Gebäude, ihre Bewusstsein, ihre Stimmungen. Aber auch die anorganischen Strukturen hallten in der Macht wieder, die Wände, die Computer, die Droiden. Alles hatte sein eigenes Wesen, die unbelebten Dinge ein konstantes, unveränderliches. Aber die Lebewesen veränderten sich ständig, pulsierten, wechselten scheinbar die Farbe mit jedem neuen Gedanken, den sie taten.
Luke wusste, dass er den Geist seiner Kidnapper mit Hilfe der Macht manipulieren konnte, aber es waren zu viele, um sie alle zu beeinflussen. Außerdem gab es immer wieder Personen, deren Wille so stark war, dass er eine unüberwindliche Barriere darstellte. Daher beschränkte er sich vorerst auf das Beobachten.
Da, eine düstere Präsenz, erfüllt von der dunklen Seite der Macht, und doch nicht begabt in der Macht. Elrika, finstere Hoffnungslose. Er versuchte sich auf ihr Bewusstsein besonders zu konzentrieren. Ihr Geist schillerte förmlich in Schmerz und Wahnsinn.
Behutsam tastete er nach ihr, schaffte er es ihre Psyche zu verändern? Er zog ein wenig, versuchte seinen eigenen Geist näher heranzubringen und ihre Gedanken mit jenen Gefühlen zu überdecken, die er auf sie projizieren wollte, Hoffnung und Frieden.
Plötzlich fühlte er sich zurückgeworfen, wie von einer unsichtbaren Faust geschlagen. Er war gegen eine geistige Wand gerannt. Elrika war zu stark, trotz allem, um sich manipulieren zu lassen.
Luke stoppte damit, irgendetwas tun zu wollen. Ohne eigenen Willen begann er sich treiben zu lassen, als Teil einer dichten, nebeligen Suppe.
„Fertig."
Anakin musste sich eingestehen, dass der Schmuggler ziemlich nützlich war. Er war es, der die Codes für den Hotelcomputer besorgt hatte, und er war es auch, der sein Kostüm erhandelt hatte. Allmählich verstand er, wie Solo die Fertigkeiten von Leia und Luke im Krieg ergänzen konnte.
Dennoch weiß ich noch nicht, wie loyal er meiner Tochter ist.
R2 verband sich mit dem Computer und nach kürzester Zeit liefen die Aufnahmen auf dem großen Monitor ab.
„Sie wirken alle sehr ... gleichförmig", meinte Leia. Tatsächlich trugen alle die gleiche Ausrüstung und waren Menschen. Die Männer und Frauen trugen das Haar militärisch kurz, was darauf schließen ließ, dass sie dazu gezwungen wurden es regelmäßig zu stutzen.
„Die Uniformen sollten eine Identifizierung ermöglichen", bemerkte Anakin.
„Irgendwas an denen kommt mir verflucht bekannt vor", murmelte Han. Er warf Chewie einen neugierigen Blick zu, da er immerhin fast alles in seinem Leben in Gesellschaft dieses Wookiees erlebt hatte.
„Knoorwrof", knurrte Chewie zustimmend.
Als die Aufzeichnungen zuende waren, sahen sie sich die Daten von neuem an, wieder und wieder.
„Poodoo, ich komm einfach nicht drauf", fluchte Han.
„Es ist mir vielleicht möglich die Informationen zu extrahieren, die in Ihrem Unterbewusstsein gespeichert sind", bot Anakin an.
Han reagierte auf diesen Vorschlag reichlich geschockt.
„Was? Mynockpisse, nein! Leia, sag ihm, dass wir das nicht wollen!"
Leia wirkte nachdenklich und unschlüssig. Sie blickte zwischen Han und Anakin hin und her.
„Wie riskant ist es?", fragte sie Anakin.
„Das kommt darauf an, wie groß der innere Widerstand des Subjekts ist. Solo müsste seine Antipathie und sein Misstrauen überwinden", brummte Anakin.
Han reagierte darauf ziemlich feindselig, er machte eine abwehrende Geste. „He, he! Moment mal, warum schiebt ihr das gleich auf mich ab? Chewie käme doch genauso in Frage."
Vielleicht habe ich ihn überschätzt.
Leia seufzte. Warum mussten sich aber auch wirklich immer alle wie Kinder verhalten? Wie oft schon war sie genötigt gewesen, Han und Luke deren Blödheiten auszureden.
Anakin erwiderte: „Ich war in die Versklavung von Kashyyyk involviert, seine Antipathie mir gegenüber ist daher größer. Außerdem sind die Gehirne der eigenen Spezies leichter zu lesen."
Leia fügte beruhigend an: „Nur die Ruhe Han, noch ist nichts beschlossen. Wir diskutieren lediglich die Möglichkeiten."
Han wusste nicht, was er auf diese bestechenden Argumente antworten konnte, also schwieg er düster.
Schließlich fragte er: „Und wenn ich trotzdem inneren Widerstand habe?"
„Dann werden Sie vielleicht Schäden am Gehirn erleiden", antwortete Anakin neutral.
„Ist doch egal. Wenn der Narr sich wehrt, soll er doch die Konsequenzen erleiden."
Anakin war da anderer Meinung. Manchmal zahlte es sich doch aus, auf die Eigenheiten anderer Rücksicht zu nehmen. Außerdem gab es bei einem Fehlschlag die gewisse Gefahr, dass er die Informationen nicht mehr extrahieren konnte.
„Solo ist von Wert, er ist nur etwas sturer, als gut für ihn wäre."
„Er ist nur ein cleverer Schmuggler. Solche wie ihn gibt es zu Tausenden. Jeder ist austauschbar, Lord Vader. Ihr habt Euch selbst doch früher auch für ersetzbar gehalten."
„Und wie, verdammt noch mal, soll ich meine Antipathie überwinden? Soll ich sie Chewie zum Fressen geben, oder was?"
Anakin dachte nach. Die eigenen Aversionen zu überwinden war nichts, was er als Sith je gebraucht hatte. Er erinnerte sich weiter zurück, an seine Zeit als Jedi, obwohl er es damals auch nie geschafft hatte, seine Abneigungen zu bändigen. Dann fiel ihm der Jedi-Kodex ein und er hatte die Antwort.
„Man muss seine Ignoranz durch Wissen ersetzen, Unverständnis durch Verständnis."
Sidious lachte keckernd in seinem Kopf.
„Habt ihr keine Vorschläge, die auch funktionieren könnten, Lord Vader?"
„Vielleicht wäre es überzeugender, wenn ich selbst daran glauben könnte", gab Anakin zu.
Han lächelte abfällig. „Also das ist ja wohl der größte Poodoo, den ich je gehört habe!"
Leia schien da nicht der gleichen Meinung zu sein. „Er hat vielleicht nicht ganz unrecht, Han. Man kann seinen Hass auf jemanden nur überwinden, wenn man sich die Gemeinsamkeiten mit der verhassten Person vor Augen führt."
Han starrte die schwarze Gestalt an, die für ihn nichts weiter als ein ungeheuerliches Monster darstellte. Er konnte sich einfach nicht vorstellen, wie er diese Kreatur in Ordnung finden sollte.
„Okay, ich werde es versuchen. Aber ich habe keine Ahnung, wie es funktionieren soll."
„Ich werde versuchen dir zu helfen", bot Leia freundlich an. „Ich weiß nicht viel über ihn, aber ich weiß, dass er vor langer Zeit ein ehrenwerter Mann war."
Anakin entschied, dass es jetzt an der Zeit war C3PO's Erinnerungen zu reaktivieren. Eigentlich wollte er es auf einen Zeitpunkt verschieben, bei dem sich Luke wieder in Freiheit befand, da er sich im Moment nicht mit seiner schwierigen Vergangenheit auseinandersetzen wollte. Aber die Erinnerungen des Droidens konnten Solo helfen.
Curran Kleiber betrat mit seinem Kollegen den Raum. Skywalker war schon wieder eingeschlafen, und schon wieder waren sie damit beauftragt ihn wach zu schocken. Es war keine angenehme Aufgabe, eigentlich sogar eher eine regelrechte Drecksarbeit. Und sein Sold war bei weitem nicht hoch genug, um dies hier abzudecken.
Curran war ein sehr intelligenter Mann, jedoch waren all seine Ambitionen am Ende seiner Pubertät gestorben.
Er hatte sich zu einem Zyniker entwickelt, sogar einem regelrechten Nihilisten, und er war dahinter gekommen, dass ihn Reichtum oder Ruhm nicht interessierten. Und er wollte auch kein Märtyrer werden, letztendlich wurde man das ohnehin nur wegen eines Verlangens nach Anerkennung.
Auch hatte er sich unbewusst nie erlaubt, blind und rettungslos der Liebe zu verfallen, eine Tatsache, die er tief bereute, aber was sollte er schon dagegen tun? Und ohne Liebe war ihm die Gründung einer Familie freilich ebenfalls verwehrt.
Seine Leidenschaft war die Kunst und die Phantasie. Irgendwann, vor langer Zeit, hatte er begonnen Traumwelten zu entwickeln. Fiktive Welten, in denen alles möglich und alles von Bedeutung war.
Ihm fiel nicht schwer Realität und Fiktion auseinander zu halten, dennoch war ihm die Fiktion eindeutig lieber. Die Stelle als Wachposten hatte er genommen, um eine ruhige Kugel schieben zu können. Tatsächlich driftete er mehr durch das Leben, als dass er es tatsächlich lebte.
Er stupste Luke Skywalker an, den Mann, den er ungeheuerlich faszinierend fand, lebte er doch so, wie Curran selbst nur in seiner Phantasie leben konnte. Skywalker rührte sich nicht.
Curran seufzte tief und aktivierte das Elektroschockgerät. Er drückte es kurz auf Skywalkers Rücken, aber es gab keine Reaktion. Ja, nicht einmal das leiseste Zucken.
Curran musterte Skywalker. Dieser saß in seinem Schneidersitz da und hatte den gelöstesten Gesichtsausdruck, den man sich vorstellen konnte, als befände er sich in einer anderen Realität. So sehen mich wohl die anderen, wenn ich wieder einmal vor mich hin träume.
Wieder verwendete Curran das Gerät, wieder nicht die geringste Regung.
„Ich weiß etwas", sagte der andere Wächter und watschte den jungen Jedi ab. Dessen Kopf wurde von dem Schlag natürlich durchgerüttelt, was aber nicht dazu führte, dass er die Augen öffnete. Skywalker behielt noch immer diesen jenseitigen Gesichtsausdruck, nur dass sich jetzt die Anzeichen eines zukünftigen Hämatoms auf der Wange abzeichneten.
„Ich denke nicht, dass das etwas hilft. Offensichtlich befindet er sich in einer Art Jedi Trance", meinte Curran ziemlich obergescheit. „Er ist sozusagen nicht hier", fügte Curran an.
„Ach was! Ich will keinen Anpfiff abkriegen, du etwa, Curran? Wenn wir einen Schlafenden nicht wieder auf die Beine bekommen, halten die uns bestimmt für komplett inkompetent."
„Ist mir egal", erwiderte Curran gelangweilt.
„Also manchmal kapiere ich dich echt nicht, Curran. Dir geht wohl alles am Arsch vorbei, was? Ich möchte jedenfalls keine Stockschläge oder Soldkürzungen."
Curran schwieg, er hatte keine Erklärung für sein Verhalten, die andere akzeptieren konnten. Sein Kollege gab Skywalker noch ein paar Watschen, was bei Curran nur kühle Verachtung erweckte.
„Verdammter Jedi! Wach auf, du Nerfhirte!", schrie dieser dann. Doch auch das half nichts. „Oh man, ich glaube, du hast recht. Vielleicht können wir es ihnen ja irgendwie verklickern."
Damit verließen sie Skywalker. Curran beschloss einen Plan zu entwickeln, um von hier zu verschwinden. Wenn er später draußen war, würde er der Rebellion von Skywalkers Gefangenschaft erzählen, weil Luke Skywalker eines der wenigen Dinge war, die Curran tatsächlich interessierten.
Dann driftete er wieder in seine Phantasiewelten ab.
„Worum geht's?", fragte Han skeptisch. Er erwartete instinktiv, dass Anakin irgendetwas diabolisches vorschlug.
„Ich habe C3PO ein sekundäres Speichermodul eingebaut, für den Fall, dass ohne meine Zustimmung eine Speicherlöschung vorgenommen wird. Ich kann daher seine alten Erinnerungen wieder reaktivieren."
Leia schien von dieser Idee regelrecht begeistert. Für sie bedeutete es, dass sie mehr über ihre Mutter und Großmutter erfuhr. Und Leia war schon immer eine sehr familiäre Person.
„Die Erinnerungen aus der Zeit der Republik?", erkundigte sie sich aufgeregt.
Anakin ignorierte sie und wandte sich an den Droiden: „C3PO, Reaktivierungscode: ‚Jiipiee, ich habe das große Boonta Rennen gewonnen!'"
Peinlicher geht es kaum. Unglaublich, dass ich einmal dieser Junge war!
„Ohne mich wärt Ihr es geblieben", bemerkte die verhasste Stimme höhnisch.
Anakin biss seine Zähne zusammen.
C3PO deaktivierte sich selbst. Nach kurzer Zeit leuchteten seine Augen wieder auf.
„Oh, ich kann mich plötzlich wieder an alles erinnern!"
„An alles?" fragte Leia fasziniert. „Kannst du dich auch an meine Mutter erinnern?" Ihre Augen strahlten regelrecht.
„Natürlich, sie war eine Zeit lang mein Eigentümer. Ich werde Ihnen alles erzählen, was Sie wissen wollen, Prinzessin."
„Ich werde inzwischen im Holonet nach Informationen suchen", verabschiedete sich Anakin indifferent und ging, sein Umhang elegant über den Boden gleitend.
Leia spähte ihm hinterher. Es kam ihr fast so vor, als ob ihr leiblicher Vater nicht an all die alten Ereignisse erinnert werden wollte. Was auch immer damals passiert war, es hatte bei jeder Partei Schmerz verursacht und lag in einem nebulösen Mantel des Schweigens.
„Ich hab kein gutes Gefühl bei der Sache", brummte Han. Er wusste, dass alten Staub aufzuwirbeln meistens keine gute Idee war. Da kamen immer Dinge ans Licht, die besser begraben bleiben sollten.
Ich hätte niemals nach den Sal-Solos suchen dürfen. Das hat mir nichts als Scherereien gebracht.
Leia grübelte in ihrem Zimmer, sie musste all diese Informationen erst einmal verarbeiten. Was ihr am meisten Kopfzerbrechen bereitete war die Tatsache, dass aus C3PO's Erinnerungen nicht hervorging, warum ihr Vater der dunklen Seite verfallen war, es gab nur die Andeutung von potentiellen Gründen, aber keine Fakten.
Offenbar hatte es Differenzen zwischen Anakin Skywalker und den Jedi gegeben, auch hatte sich Anakin mit seiner Heirat in eine Zwickmühle manövriert.
Warum auch immer es passiert ist, er hat es jedenfalls selbst gewählt.
Außerdem verstand sie nicht, warum ihre Mutter gestorben war, eigentlich war sie ja vor der Geburt gesund gewesen.
Wer hat sie umgebracht?
Trotzdem freute sich Leia sehr über diese neuen Informationen. Zumindest wusste sie jetzt mehr über die Person Padmé Amidala, und auch über ihre Großmutter Shmi Skywalker, beides warmherzige, aufopferungsvolle Frauen. Leia war sehr stolz darauf, mit ihnen verwandt zu sein.
Han saß da und dachte an Anakin Skywalker, weil er schließlich von Leia mit ihren unglaublich subtilen Waffen dazu gezwungen wurde.
So übel kommt mir dieser Anakin Skywalker gar nicht vor – für nen Jedi. Wenn ich den mit dem alten Fossil vergleiche, das Luke damals ausgegraben hat...
Diese Typen im Jedirat, mit denen er sich gestritten hat, kommen mir ziemlich wie sabbernde Wasserköpfe vor. Verweichlichte Greise, die ständig irgendeine Grütze vom Auserwählten und Willen der Macht gelabert haben.
Anakin war ein tollkühner Draufgänger und ausgezeichneter Pilot gewesen, jemand der immer nur im Jetzt lebte. Han erinnerte das ziemlich an sich selbst, war er doch auch ein ausgezeichneter Pilot und Draufgänger.
Aber irgendwas ist da passiert.
Darth Vader war kein tollkühner Draufgänger, soviel stand fest. Risikofreudig ja, aber definitiv niemand, der sich so kopfüber in die Gefahr stürzte, wie es bei Anakin der Fall gewesen war.
Also muss er verdammt schnell abgekühlt sein, sonst hätte er wohl keine Sekunde im Imperium überlebt. Wie wird man innerhalb von ein paar Tagen eine neue Person?
Han fielen ein paar von Lukes Sprüchen über die dunkle Seite ein, aber er schob sie sofort wieder beiseite. Er weigerte sich schlicht daran zu glauben, dass eine sogenannte „dunkle Energie" so einen Einfluss auf einen haben konnte.
Man brauchte keine mythische Kraft, um ein Bösewicht zu sein.
HypnoseAnakin konzentrierte sich. Was er hier vorhatte war nicht moralisch, er machte sich da gar nichts vor. Aber es war ein Opfer, das gebracht werden musste.
Der Zweck heiligt die Mittel.
„Wie wahr, wie wahr", krächzte die verhasste Stimme.
Schon wieder der.
„Es liegt immer noch im Bereich des Akzeptablen", argumentierte Anakin. Jedi hatten ähnliches und schlimmeres schon Tausende von Malen getan, warum sollte es also diesmal verpönt sein? Zudem es ja auch einem guten Zweck diente.
Und trotzdem verspüre ich Zweifel. Es ist die Angst vor dem Fall, die mich verunsichert. Und Sidious weiß genau, dass seine Zustimmung mich nur noch mehr beunruhigt.
„Vor langer Zeit gab es einmal einen Jedi namens Revan. Für die Republik kämpfend wurde er von dieser bitter enttäuscht, als die Mandalorianer ihm ihre Schwächen aufzeigten. Er erkannte, dass die Republik gestürzt werden müsse, und um dies zu erreichen, verschrieb er sich dem Orden der Sith."
Anakin schwieg, er kannte die Geschichte von Darth Revan sehr gut, hatte sie studiert. Ein großer Mann, ihm selbst nicht unähnlich, zerrissen zwischen Egoismus und Idealismus.
„Er wandte sich allerdings wieder dem Licht zu", argumentierte Anakin dann.
Sidious konnte diesem Argument sichtlich nur wenig abgewinnen, er verzog säuerlich das Gesicht: „Ja, und zwar nachdem seine Persönlichkeit vernichtet wurde. Sein neues Ich rettete tatsächlich die Republik, doch zu welchem Preis? Noch Jahrhunderte nach dem Krieg gab es Unruhen in der Galaxis."
Das weiß ich.
„Euer Größenwahnsinn hat der Galaxis auch nicht gerade gut getan", erwiderte Anakin kämpferisch. „Die dunkle Seite verzehrt alle Ideale so lange, bis nichts mehr da ist, das der Galaxis dienen kann."
Sidious lächelte weise: „Nur, wenn man sich verzehren lässt. Wer so schwach ist die Kontrolle zu verlieren, ist selbst schuld."
Anakin schüttelte den behelmten Kopf. Sidious streichelte doch nur sein Ego, gaukelte ihm vor, dass er derjenige sein könnte, welcher der Versuchung widerstand.
„Jeder denkt, dass er der Auserwählte sei. Doch am Ende verschlingt die dunkle Seite sie alle", sprach er abfällig.
Sidious verschwand.
Endlich konnte Anakin mit seiner ursprünglichen Handlung fortfahren. Subtil erfasste er Solos Bewusstsein. Und jetzt, ganz vorsichtig und unauffällig, projizierte er Gefühle der Sympathie auf Solo. Ja, es klappte. Solos Gefühle ihm gegenüber verbesserten sich ein wenig. Wo vorher reine Verachtung residierte, existierte jetzt lediglich Abneigung. Anakin stoppte, denn er wusste genau, wie weit er gehen durfte.
Danach freute er sich, dass sich seine Fähigkeiten in der hellen Seite der Macht verbesserten.
Luke trottete missmutig vorwärts. Er wusste, dass Bocken ihm nichts außer einem Hieb mit dem Lauf eines Blasters einbrachte, daher machte er lieber mit. Vorsichtig schielte er durch die Gegend, aber die Macht teilte ihm ohnehin mehr über seine Umgebung mit, als es seine Augen taten.
Schließlich betrat er den Leseraum, in dem er das erste Mal Elrika getroffen hatte. Der Raum hatte sich nicht verändert, er sah genauso aus wie damals. Elrika saß in einem Drehsessel und wirkte dabei relaxt. Sie stützte ihr Kinn auf die rechte Hand und betrachtete Luke.
Sie will schon wieder mit mir reden, sonst wäre ich nicht hier. Warum eigentlich? Reicht es ihr nicht mich zu foltern?
Töten kann ich sie wohl nicht, sonst bin ich selber schnell eine Leiche.
Elrika sprach: „Mich beschäftigt seit kurzem eine Frage, die ich mir selbst nicht beantworten kann."
„Tatsächlich?", fragte Luke etwas steif.
„Ich möchte Sie mit meinen Worten nicht quälen, Skywalker, also entspannen Sie sich. Was ich Sie fragen möchte, sollten Sie nicht als Vorwurf betrachten."
Warum versucht sie mir immer ihre Motivationen darzulegen? Will sie, dass ich sie verstehe, ihre Beweggründe akzeptiere? Wird sie etwa von ihren inneren Schuldgefühlen so aufgefressen, dass sie bei mir Vergebung sucht?
Elrika fuhr fort: „Ich möchte wissen, ob Sie sich jemals mit jenen beschäftigt haben, die sie töteten. Haben Sie ihre Geschichten studiert, oder Gedenkfeuer entzündet?"
Luke schüttelte den Kopf. „Ich bin kein Unmensch. Aber wenn ich das getan hätte, hätte ich nie im Krieg weiterkämpfen können. Mich hätten dauernd meine eigenen Schuldgefühle heimgesucht." Er schwieg kurz, nachdenklich, dann erklärte er entschuldigend: „Ich hatte immer vor, mich mit den Toten zu beschäftigen, sobald die Kämpfe für mich vorbei sind."
Elrika spielte sich mit einer Haarsträhne, die ihr aus dem Pferdeschwanz lugte, ließ sie durch die Finger gleiten.
„Zweifelten Sie je an sich?"
„Natürlich", entgegnete Luke energisch. „Ich habe nach einem Kampf immer über meine Taten nachgedacht. Nur so kann man sicherstellen, dass man nicht auf die dunkle Seite abrutscht." Dann gab er etwas entmutigt zu: „Naja, eigentlich sollte ein Jedi immer vor der Tat Überlegungen anstellen. Darauf habe ich manchmal vergessen."
Luke erinnerte sich.
„Und jetzt, junger Skywalker, wirst du sterben!"
Warum zur Hölle habe ich damals mein Laserschwert weggeschmissen?
„Es ist mir wichtig, dass Sie sich jetzt damit beschäftigen. Falls Ihre Macht Sie nicht von hier rettet, sind die Kämpfe ohnehin für Sie vorbei."
Die Macht ist mein Verbündeter, ich kann auf sie vertrauen.
„Hmm, okay, ich schätze, da habe ich keine Wahl."
Elrika aktivierte einen riesigen Bildschirm an der Wand. Man sah sogleich das Gesicht eines jungen, sommersprossigen Soldaten und dessen eingeblendeten Namen. Luke schwieg und betrachtete den Toten etwas melancholisch.
Eine ganze Weile ging es so weiter, wortlos beäugten Luke und Elrika gemeinsam die Bilder der Toten, eines um das andere. Luke war sehr betroffen, denn er wusste, dass hinter jedem einzelnen Bild eine Familie stand, Leute, denen die Toten etwas bedeuteten, die ihn oder sie vermissten. Und die Toten selbst, ihnen war die Möglichkeit genommen worden, jemals wieder irgendetwas zu tun, vielleicht nach der Zeit im Imperium ein neues Leben zu beginnen.
Krieg ist etwas furchtbares. Es ist gut, dass er bald vorbei sein wird.
Vielleicht verdiene ich ja, was mit mir passiert.
Nach mehreren Stunden deaktivierte Elrika den Bildschirm und drehte sich Luke zu. „Ich denke, dass ist jetzt genug." Dann meinte sie warnend zu Luke: „Vergessen Sie niemals jene, denen Sie Schmerzen zufügten, andernfalls werden Sie sich irgendwann in einen dunklen Schatten Ihrer selbst verwandeln."
„Ja, ich weiß", entgegnete Luke verwirrt.
Warum will sie mir das beibringen? Diese Frau ist doch verrückt! Gerade noch wollte sie mich zerstören, und nur ein paar Stunden später möchte sie mich plötzlich zu einem besseren Menschen machen!
„Bitte bringt ihn wieder zurück in seine Zelle", kommandierte sie den Wachen.
Luke wurde zurück in seine Zelle gebracht, wo er sich bemühte das Gesehene zu verarbeiten.
Han läutete, die Tür öffnete sich leise zischend. Er trat mit einem Gesichtsausdruck ein, der Bände sprach, als wäre er ein Tier, das zur Schlachtbank geführt würde.
„Bringen wir's hinter uns", sprach er die schwarze Gestalt mit der grausigen, furchteinflößenden Maske an.
Das hat ja nicht sehr lange gedauert. Nun, Solo wird schon wissen, was er tut.
„Sie wirken angespannt", stellte Anakin fest. „Setzen Sie sich." Er wies mit einer Hand auf den Sessel.
Han platzierte seinen Hintern auf einem Sessel und beobachtete Anakin mit verborgener Unsicherheit. Dieser hockte sich vor ihn hin, bei weitem näher, als Han es bequem war. Han konnte förmlich den Hauch seines Atems spüren, was ihm alle Haare auf den Armen aufstellte.
„Schließen Sie Ihre Augen", befahl Anakin mit einer ungewöhnlich ruhigen und weichen Stimme.
Han war zunächst nicht gewillt, der Forderung nachzugeben. Im ersten Moment wollte er sogar fragen, was der Poodoo sollte. Stattdessen starrte er Anakin in die Maske, welche unentwegt zurückstarrte.
Bald löste sich Hans Widerwillen in Rauch auf, ohne dass er so recht verstand, warum. Irgendetwas in seinem Unterbewusstsein sagte ihm, dass es richtig war nicht zu kämpfen. So eine Art Gefühl.
„Vor Ihnen sehen Sie eine lange Treppe, die in einen gemütlichen Keller führt", erzählte Anakin mit einer gelassenen aber festen Stimme.
Han wunderte sich, warum Anakin ihm eine Kellerstiege beschrieb. Doch dann konzentrierte sich Hans Bewusstsein automatisch auf Anakins Atmen, auf das stete ein-aus, ein-aus. Er stellte sich eine Treppe vor. Er stand darauf ganz oben und lauschte dem fremden, monotonen Atmen.
„Sie gehen eine Stufe hinunter. Wie fühlen Sie sich?"
Han wirkte plötzlich viel ruhiger, als hätte ein gewisser Gleichmut von ihm Besitz ergriffen. „Ich fühle mich entspannt", antwortete Han.
„Sie gehen jetzt die Treppe hinunter und mit jedem Schritt werden Sie noch entspannter", suggerierte Anakin mit zum Ende des Satzes hin tieferen Stimme.
Es dauerte nicht lange, bis Han in eine hypnotische Trance fiel. Anakin freute sich, seine meditativen Techniken erwiesen sich als erstaunlich wirksam.
So viel zu dem „ich beherrsche nur Kampf und Krieg", was manche Leute mir nachsagen.
Anakin konzentrierte sich und drang subtil in Hans Unterbewusstsein vor. Es gab praktisch keinen Widerstand. Mit ungeheuerlicher Geschwindigkeit arbeitete er sich durch die Erinnerungen, unglücklicherweise wusste er ja nicht, in welchem Zeitraum von Hans Gedächtnis die Informationen verborgen lagen.
Ich könnte jetzt alles mit ihm machen...
„Sichert Euch seine niemals endende Loyalität! Macht ihn zu Eurem Werkzeug, er würde es nicht einmal merken! Nur wer bereit ist andere zu beherrschen hat Macht über sein eigenes Schicksal."
„Nein, das hat er nicht verdient."
„Ihr schwächt Euch selbst", schimpfte Sidious mit Verachtung.
Vielleicht, aber Stärke ist nicht alles, auch wenn der Geschmack der Macht ein sehr süßer ist.
Schließlich fand Anakin, wonach er suchte. Er prägte sich alles ein und beließ es dabei. Natürlich wäre es ihm möglich die Erinnerungen in Solo wachzurufen, aber das würde für den Schmuggler nur ein zusätzliches Risiko bedeuten.
Dann zwickte er Solo, um ihn aus seiner Trance zu erwecken. Han reagierte jedoch nicht und blieb liegen. Anakin war nicht allzu beunruhigt, vermutlich benötigte Solo einfach noch ein bisschen Zeit, bevor er wieder aufwachte.
„Wie ist es gelaufen?", erkundigte sich Leia sofort nervös.
„Ich habe die Informationen, jedoch ist er noch nicht wieder erwacht."
Leia stürmte an Anakin vorbei in das Zimmer, in dem Han scheinbar schlafend auf dem Sessel lag. Der Schmuggler sah in diesem Zustand erstaunlich jung aus, vielleicht weil seinen Zügen die Härte fehlte.
„Han!", schrie sie laut und mit nackter Angst in der Stimme.
Sie liebt ihn wirklich.
Han rührte sich nicht, er zeigte nicht die geringste Reaktion. Anakin folgte Leia in das Zimmer und legte ihr beruhigend eine Hand auf die Schulter. Der sanfte Körperkontakt fühlte sich ungewohnt an. Leia drehte sich um und riss sich sofort los. Anakin wurde von einem zornigen Blick regelrecht durchbohrt.
„Wenn Sie Han etwas angetan haben, werden Sie es bereuen!", drohte sie heftigst erbost.
Anakin war etwas überrascht von der Intensität ihrer Reaktion, seiner Meinung nach übertrieb seine Tochter.
Er erläuterte beschwichtigend: „Dass er eine Weile schläft ist eine natürliche Nebenerscheinung, die bei dieser Technik hin und wieder auftritt. Noch besteht kein Grund zur Sorge, trotz der Tatsache, dass es sich um Solos Schädel handelt."
Leias Nervosität verringerte sich ein bisschen. „Es tut mir leid, ich dachte nur, etwas wäre schiefgelaufen", entschuldigte sie sich mit gepresster Stimme. Sie entschuldigte sich sichtlich nicht gerne bei ihm.
„Du liebst ihn." Anakin bemerkte, dass er seine Tochter zum ersten Mal mit Du ansprach.
„Ja", gab Leia zu. „Ich weiß eigentlich gar nicht warum! Er ist manchmal so ein sturer Hohlkopf!"
Anakin dachte darüber ein wenig nach. „Solo hat sein Herz am rechten Fleck", entschied er. „Er ist loyaler, als er sich gibt."
Das stimmt, warum sonst sollte er solche Opfer für Luke erbringen?
„Ja", bestätigte Leia erfreut. Irgendwie bedeutete es ihr etwas, dass ihr leiblicher Vater es auch so sah. Es war für Leia eine Art Garantie, besonders in Anbetracht dessen, wie misstrauisch Anakin von Natur aus war. Luke hatte ihr ebenfalls versichert, dass er so über Han dachte, aber Luke war viel vertrauensseliger als Leia, manchmal bis hin zur Naivität.
Sie ist mir so ähnlich, erstaunlich, dass ich sie früher nicht erkannt habe.
Curran saß in der Speisehalle. Er konnte nicht einfach so von hier verschwinden. Im Moment durfte niemand den Palast verlassen und Curran war alles andere als dumm. Er hatte so seine Vorstellung davon, was passierte, wenn es dennoch jemand versuchte.
Elrika Cavella war wahnsinnig. Curran selbst mochte ja vielleicht auch verrückt sein, aber in Gegensatz zu Cavella behielt er immerhin die Kontrolle. Es gab eben solchen Wahnsinn und solchen Wahnsinn.
Und Curran hatte keine Lust, von einem Blaster erschossen zu werden. Es musste doch irgendeinen Weg geben die Wachen, die bei den Eingängen postiert waren, zu überwinden.
Currans Aufmerksamkeit wurde plötzlich von dem Gespräch nebenan angezogen.
„Mja, und da sagt doch dieser Psychopath Tseyn, dass sie dem armen Kerl bald etwas abschneiden wollen. Ich weiß ja, dass er ein Terrorist ist und so weiter, aber trotzdem..."
„Das findest du beunruhigend?", fragte Likerra mit einer verschwörerischen Stimme.
„Es geht das Gerücht um, dass Lord Vader auf Atzerri gesichtet wurde. Und es ist ja bekannt, wie fanatisch der nach Luke Skywalker gesucht hat."
Eine dritte Stimme mischte sich ein: „Also komm, Likerra, Lord Vader Sichtungen gibt's doch überall. Das glaubt doch inzwischen kein Gamorreaner mehr. Wenn er noch lebt, warum soll er sich dann bitte auf Atzerri rumtreiben?"
Likerra antwortete entschuldigend: „He, möglich ist es. Ich finde es jedenfalls auffällig, dass Luke Skywalker auch auf Atzerri war, als unsere Söldner ihn geschnappt haben. Ist schon ein komisches Timing."
„Moment", mischte sich Curran interessiert ein. „Was wollen die genau mit Skywalker machen?"
Der erste Sprecher antwortete: „Sie wollen ihm Stück für Stück Körperteile abschnippeln, so lange, bis von ihm gar nichts mehr übrig ist." Der Sprecher verzog angeekelt das Gesicht. „Also, falls ich mich einmal räche, werde ich meinem Opfer nur einen Blasterschuss zwischen die Augen geben, soviel steht fest."
Curran kratzte sich bedächtig an der Nase und log dann: „Er ist ein Mörder und Verbrecher, er verdient, was ihm passiert." Curran war nur recht, wenn seine Vorgesetzten diese Meinung aufschnappten.
Der erste Sprecher sah Curran mit so einem komischen Blick an: „Weißt du, Curran, manchmal weiß ich nicht, ob du überhaupt noch ein Mensch bist."
Curran ignorierte ihn. Die dachten doch nur, dass er kein Mensch war, weil er sein stilles Kämmerchen der Gesellschaft anderer bevorzugte!
Jedenfalls war sein geheimer Held in großer Gefahr.
Han erwachte.
„Autsch, mein Kopf." Dann sah er Anakin mit einem wilden Blick an. „Was haben Sie mit mir gemacht?", fragte er höchst irritiert und gereizt.
„Ich habe Sie hypnotisiert, Solo. Dadurch nahm ich Ihnen die Möglichkeit sich selbst zu verletzen." Anakin klang so trocken wie ein Mittag auf Tatooine.
Hans Schlagfertigkeit kehrte sofort wieder zurück. „Ach ja? Ein Kanister Ale hätt's genauso getan", spielte Han patzig Anakins Fähigkeiten herunter.
„Ihre Leidenschaft für nutzlose Konversation erstaunt mich immer wieder. Ich weiß jetzt, woher Sie die Aggressoren kannten."
Han schluckte die Beleidigung hinunter, schwor sich aber, dass er das Wortduell gegen Anakin irgendwann gewinnen würde. Han Solo ließ sich schließlich nicht von so einem Aas ins Bockshorn jagen!
Plötzlich bekam Han von Leia einen Kuss auf die Lippen gedrückt, den er nur allzu gerne erwiderte. Als sich ihre Lippen trennten, begann Anakin zu sprechen: „Die Uniformen der Angreifer entsprechen jenen der Vegati Söldner, die ihr Hauptquartier auf Kuat haben."
Han erinnerte sich wieder: „Ahhh Kuat, erinnere mich wieder."
„Ja, Ihre Ware wurde damals im Namen Ihres Auftraggebers von den Vegati Söldnern in Empfang genommen." Die winzige Nuance in Anakins Stimme drückte deutlich sein Missfallen aus. „Allerdings waren damals auch Nichtmenschen unter den Söldnern. Entweder, die Vegati änderten ihre Aufnahmebedingungen, oder unser Feind hatte ganz spezifische Ansprüche."
„Wrroof hneeerii."
Han übersetzte: „Chewie sagt, dass damals ein Wookiee mit von der Partie war, mit dem er geredet hat."
„Knrrooll reeehoo lrrootuiii."
„Chewie hat sich bei ihr erkundigt, wie es denn so ist, bei den Söldnern zu arbeiten und sie hat geantwortet, dass es niemals langweilig wird. Aber mehr hat er leider nicht gefragt."
„Dann ist unsere nächste Station wohl Kuat", meinte Leia grüblerisch. „Ich befürchte, dass die Söldner uns nicht freiwillig Informationen über ihre Auftraggeber geben werden." Leia fiel ein, dass Kuat schon seit jeher eine imperiale Welt war. Noch dazu eine wichtige.
Han grinste schief. „Umso besser, dass ist genau die richtige Art Abenteuer für Han Solo."
Leia ließ das so nicht sitzen. „Wenn dein Ego noch größer wäre, würde dein Kopf zerplatzen!", entgegnete sie feurig.
Han grinste nur noch breiter und nahm eine noch verwegenere Körperhaltung an, sodass er schon fast vom Stuhl rutschte.
Anakin sagte: „Kuat ist eine strategisch extrem relevante Kernwelt. Wir müssen mit Unruhen rechnen."
Intermezzo 1 – Uzzas EndeMit aller Ruhe wischte sich der neunzehnjährige Junge die schwarzen Haare aus dem hübschen Gesicht. Vom Aussehen her würde niemand vermuten, unter welch schäbigen Umständen der Junge überlebte. Als kleinkriminelles Gangmitglied konnte er sich soviel erstehlen, wie er zu einem vernünftigen Überleben brauchte.
Kurz verschwendete er einen Gedanken an seine Eltern, die wegen ihres beträchtlichen Schuldenbergs in allen Belangen ihres Lebens sparen mussten, obwohl sie jeden Tag hart arbeiteten. Uzza musste oft besorgt beobachten, wie abgearbeitet beide schon waren, dass die Arbeit sie langsam aber stetig kaputt machte. Und jedes Mal hasste er die Gesellschaft, die ganze Welt, mehr dafür. Jene, die Tag für Tag die Möglichkeiten der Armen zerstörten, um ihnen dann ein paar Krümel vor die Füße zu schmeißen. Als „Spenden" bezeichneten sie diese Demütigungen.
Endlich kam er in der schäbigen kleinen Hütte an, welche die Gang als „Hauptquartier" benutzte. Wie jede Behausung auf dem „prächtigen Juwel" Nal Hutta, waren auch hier die Außenwände mit dem Schleim des schlammigen Bodens bedeckt. Angeblich enthielt die Erde des Planeten zuviel von einem gewissen Mineral, was den Pflanzenwuchs behinderte.
Kimbra war bereits da und saß relaxt in einem Sessel. Als Uzza Tseyn sie erblickte, leuchteten seine Augen kurz auf. Er lächelte schüchtern. Kimbra war zwar nicht seine erste Freundin, doch die einzige, die er auch tatsächlich liebte. Mit allen anderen war er nur zusammen gegangen, weil er sie fesch und sympathisch fand.
„Hallo Uzza!", begrüßte ihn das Zabrak-Mädchen mit den kleinen, aber ziemlich spitzen Hörnchen freundlich. So wie immer nahm sie die Initiative in die Hand und küsste ihren Liebsten. Er erwiderte den Kuss, genoss ihren zarten, süßen Mund. Moment mal, er schmeckte tatsächlich etwas Süßes.
„Ich habe gerade ein Kulobi verputzt." Sie deutete auf eine Box, die geöffnet dalag. Darin lagen tatsächlich mehrere dieser köstlichen Röllchen, deren fruchtige Füllung einem so herrlich auf der Zunge zerschmolz. Sie zwinkerte neckisch. „Willst du auch eins?", stellte sie die rhetorische Frage.
Uzza langte schon zu. Eifrig nahm er sich gleich zwei Stück. Kimbra lächelte. Ihr Liebster hatte zu etwas Süßem noch nie nein gesagt. Dann jedoch fielen ihr wieder ihre persönlichen Sorgen ein. Sie ließen ihr einfach keine Ruhe. Nicht, solange ihr Bruder noch lebte. „Ellto hatte einen Rückfall. Ich habe ihn erwischt, während er sich aufs Klo verziehen wollte, um sich das Zeug reinzuziehen."
„Drecks Zeug", kommentierte Uzza und legte ihr tröstend einen Arm um die Schulter. Da er ein Einzelkind war, konnte er es sich nicht vorstellen einen glitzerstimsüchtigen Bruder zu haben. Doch es war ganz sicher furchtbar.
„Manchmal wünschte ich, er wäre tot", gestand sie tonlos. „Ich ertappe mich immer wieder bei dem Gedanken, dass es dann wenigstens ein Ende hätte." Ein paar dicke Tränen kullerten ihr über die Wangen. Dann schrie sie plötzlich: „Ich hasse ihn! Wie kann er bloß so ein Idiot sein! Er macht alles kaputt!"
Uzza drückte seiner heißblütigen Schönen einen Kuss auf die Wange. Wie war doch der Spruch? Wenn ein Mensch wütend wird, erbebt eine Stadt. Wenn ein Zabrak wütend wird, erbebt ein ganzer Planet. „Komm, ich glaube, es regnet heute nicht. Das sollten wir ausnutzen."
Sie verließen das Gebäude und gingen zu ihrem Lieblingsteich. Es handelte sich dabei nur um eine grüne Lacke, die rundherum mit ein bisschen dürftigem Gestrüpp bewachsen war. Doch zumindest gab es überhaupt Vegetation, keine Selbstverständlichkeit auf Nal Hutta.
Mit den dicken Profilen ihrer Schuhe rutschten sie auf dem schlammigen Boden kaum, obwohl es sehr glitschig und feucht war. Sie hielten Händchen und auf einmal war die Welt für Uzza wieder in Ordnung. Er flüsterte ihr etwas schweinisches ins Ohr, woraufhin sie sofort ein wenig kicherte.
Schließlich hatten sie ihren Lieblingsplatz erreicht. Eine kleine, metallene, lehnenlose Bank vor dem Wasser. Da sie für einen Tlanda til nicht die rechte Höhe hatte (und für einen Hutten schon gar nicht), war sie sogar frei.
Die beiden sahen auf das Wasser. Die viel größere Kimbra lehnte sich verschmust gegen ihren Freund. Als sie ihm so nahe war verspürte Uzza, dass seine Erregung zunahm. Er hoffte, dass sich in seiner Hose nicht allzu schnell etwas regte. Sehnsüchtig begannen sie heiße Küsschen miteinander zu tauschen, während seine Hand abwechselnd ihren Hintern und ihren Busen liebkoste.
Dadurch bemerkten sie nicht, dass sich jemand von hinten näherte.
Eine klirrend hohe, harte und weibliche Stimme sprach: „Du! Kerl! Runter von der Kleinen!"
Das Paar schrak zusammen und drehte sich um. Da, hinter der Bank stand eine Devaronianerin, die mit einem Blaster auf sie zielte. Ein brauner Haarschopf prangte auf ihrem Kopf statt Hörnern, wie es bei den weiblichen Exemplaren dieser Spezies üblich war. Mit zwei Blastern und einem Handgelenksapparat, der offensichtlich dazu diente kleine Giftpfeilchen zu schleudern, war sie schwer bewaffnet. Außerdem trug sie eine dicke, blaue Rüstung.
„Keine Bewegung, oder ich knall euch ab!", drohte sie. Denn Uzza und Kimbra trugen beide einen deutlich sichtbaren Blaster in einem Holster am Oberschenkel. Wo die Hutten regierten, durfte man sich Unvorsichtigkeiten nicht erlauben. Schon gar nicht, wenn man ein Dieb war. Daher trug hier fast jeder einen Blaster, der etwas auf sein Leben hielt. Uzza und Kimbra erstarrten, da der kalte aber dennoch bestimmte Tonfall der Devaronianerin nichts gutes verhieß.
„Dein Bruder schuldet Tolta dem Hutten viel Geld. Und er sagt, er kann es nicht bezahlen. Deswegen zahlst du es jetzt."
Uzza verfluchte die Hutten innerlich. Immer machten sie Probleme, in ihrer unersättlichen Gier nach Macht und Credits.
„Gar nichts werde ich tun, du Schlampe!", erwiderte Kimbra zornig. Uzza merkte, dass sein Herz sehr stark pochte. Nicht seinetwegen, er hatte eher große Angst um seine Geliebte. Es waren Leute schon aus viel geringeren Gründen erschossen worden. Und diese Devaronianerin wirkte wie eine Frau, die schon mehrere Morde begangen hatte.
„Vielleicht müssen wir ihm ja nur demonstrieren, was passiert, wenn er nicht bezahlt. Zum Beispiel durch seine Schwester. Also, hast du jetzt Credits, oder nicht?"
Uzza spürte, wie seine Hände zitterten. Er wollte nach seinem Blaster langen, doch die Geldeintreiberin beobachtete sie beide viel zu aufmerksam. Falls er sich bewegte, schoss sie bestimmt sofort.
„Ich werde zahlen!", erklärte er nervös, obwohl er das Geld vermutlich gar nicht besaß.
Irgendwie werde ich es schon zusammenkratzen.
„Gar nichts wirst du!", erwiderte Kimbra. „Wenn wir jetzt zahlen, werden sie uns immer wieder erpressen."
In Uzzas Magen bildete sich ein harter, kalter Klumpen. Außerdem schmeckte er etwas Säuerliches, es fühlte sich an wie Sodbrennen.
„Na gut", meinte die Devaronianerin. „Du hast deine Entscheidung getroffen." Sie schoss.
Als Uzza reagierte, war es bereits viel zu spät. Er sah zu Kimbra, die röchelnd von der Bank gerutscht war, und jetzt hingeklatscht halb auf der Bank, halb auf dem Boden lag. Ein riesengroßes, schwarzverkohltes Loch prangte in ihrer Brust. Sofort breitete sich ein entsetzlicher Gestank aus, der von verbrannten und verkohlten Fleisch und Blut. Kimbra röchelte gurgelnd und immer leiser. Uzza war so geschockt, dass er sich außerstande fühlte die Devaronianerin zu attackieren.
„Die ist hinüber", kommentierte die Devaronianerin ungerührt. „Mach keinen Unfug, Kleiner", warnte sie Uzza. „Ich behalte dich immer noch im Auge." Sie begann sich langsam rückwärts fortzubewegen, mit dem Blaster weiterhin auf Uzza zielend.
Einstweilen stürzte Uzza zu Kimbra. Er wagte nicht, sie hochzuheben, weil er fürchtete, dass er ihr dann Verletzungen zufügte. Er begriff noch nicht, dass sie keine Überlebenschance mehr hatte.
Er streichelte ihr Gesicht und küsste sie auf die Stirn, so außer sich, dass es ihm nicht einmal in den Sinn kam die Rettung zu rufen.
Plötzlich sagte Kimbra etwas, es war nicht mehr als ein gurgelndes Flüstern: „Uzz, hör nicht auf ... zu käm...pfen." Danach wurden ihre Augen ganz blank, ein letzter Hauch entrang sich ihrer Kehle, bevor sie mit grauenhafter Endgültigkeit erstarrte.
Uzza sah auf sie herab und fühlte, dass etwas in seinem Inneren zerbrach. Eine schreckliche Leere breitete sich in ihm aus und vernichtete die wenige Hoffnung, die zuvor immer noch in seinem Herzen gewohnt hatte. Er blickte auf das, was von Kimbra noch übrig war.
Das ist nicht meine Kimbra! Das ist nur ein toter Sack. Kimbra ist tot.
Er beschloss, dass es in dieser grausamen Galaxis keinen Sinn hatte zu lieben. Er hatte einem Lebewesen seine ehrliche und inbrünstige Liebe gegeben, doch was hatte es ihnen am Ende gebracht? Die wenigen schönen Momente konnten den Kummer nicht aufwiegen, der ihr gemeinsames Leben dauernd heimgesucht hatte. Letztendlich hatten ihnen ihre jämmerlichen Gefühle nichts als Wunden zugefügt.
Und er wusste, spürte, dass er jetzt nicht mehr Uzza war. Dieser Junge war tot. Das Einzige, was übrig blieb, war der unpersönliche Tseyn.
