Und hier gleich Kapitel eins, um dem Ganzen ein wenig Leben zu geben! An dieser Stelle eine Runde Bestechungs-Butterbier, damit ihr alle schön weiterlest und mich mit Reviews zuspamt ^^
Kapitel 1
Die große Halle hatte sich mit Schülern, Geistern und Lehrern gefüllt. Obwohl die Abwesenheit Dumbledores wie eine dunkle Gewitterwolke über den Gemütern der Anwesenden hing, war die Stimmung dank den Geistern, die von Professor McGonagall dazu aufgefordert worden waren, einige Kunststücke zu vollführen, relativ gelockert.
Nach der Verteilung der neuen Schüler auf ihre Häuser, begann das Festmahl. Einige der älteren Schüler wandten sich immer wieder unauffällig dem Lehrertisch zu, an dessen einem Ende der bei den meisten Schülern verhasste und von allen gefürchtete schwarz gekleidete Mann saß. Auf der anderen Seite zog eine gänzlich gegensätzliche Person ihre Aufmerksamkeit auf sich. Eine junge Frau, von vielleicht höchstens 25 Jahren, mit kurzem dunklen Haar, welches im Licht der tausend Kerzen in den verschiedensten Farbnuancen von dunkelbraun über lila zu schwarz schimmerte. Ihre helle Haut machte der blassen Snapes alle Konkurrenz, allerdings wirkte sie bei ihr natürlich und weniger durch mangelnde Sonneneinstrahlung bedingt. Zudem fiel ihre Kleidung stark auf, die von der asiatischen Mode beeinflusst schien, denn neben den flachen Schuhen und der weiten Stoffhose aus schwarzer Seide trug sie unter der Robe ein langes eng anliegendes Hemd aus fliederfarbener Seide, mit Stehkragen und einer seitlichen Knopfleiste aus kleinen kugelförmigen Knöpfen.
Nachdem das Essen beendet war, erhob sich die Direktorin und sofort kehrte Schweigen im Saal ein. Die Schülerschaft wartete gespannt auf die Ansprache, die sonst immer von Dumbledore gehalten worden war.
Sie verlief ruhig, mit den üblichen Warnungen den verbotenen Wald betreffend und der Regelung für die Hogsmeadewochenenden. Nur an einer Stelle schienen die Anwesenden wirklich aufzuhorchen.
"Nun zu den Änderungen das Lehrpersonal betreffend. Wie Sie vielleicht schon wissen, hat uns Professor Slughorn verlassen. Professor Snape wird statt seiner wieder den Unterricht für Zaubertränke halten." Ein Raunen ging durch die Reihen der Schüler. "Außerdem haben wir eine neue Lehrkraft in diesem Schuljahr, da Professor Snape nicht zwei Fächer gleichzeitig unterrichten kann. Bitte begrüßen Sie mit mir Professor Eleonora Bellecourt, die in diesem Jahr Verteidigung gegen die dunklen Künste unterrichten wird." Tosender Applaus brandete durch die Halle, als sich die junge Frau am Ende der Lehrertafel erhob und kurz verneigte.
Professor McGonagall hob die Hände und langsam nahm der Lärmpegel wieder ab. "Professor Bellecourt wird außerdem einen Wahlkurs anbieten, den Schüler ab dem vierten Schuljahr besuchen können. Hierbei wird Sie denjenigen von Ihnen, die daran teilnehmen, eine sehr alte Art der Magie, die an eine Kampfkunst der östlichen Kultur erinnert, nahe bringen. Der Kurs findet jeden Samstag von neun bis elf statt. Damit erkläre ich das Fest für beendet und wünsche Ihnen allen eine erholsame Nachtruhe, damit Sie für Ihren ersten Schultag körperlich wie geistig fit sind. Gute Nacht."
Kaum war die Ansprache beendet, wogte der Lärm wieder auf, Stühle wurden gerückt, Ferienerlebnisse ausgetauscht. Die meisten Gespräche drehten sich jedoch um die neue Lehrkraft und die Tatsache, dass Snape allen Gerüchten und Hoffnungen zum Trotz noch an der Schule unterrichtete.
Snape hatte den Raum durch die Tür hinter dem Lehrertisch verlassen und machte sich zügig auf den Weg in seine Räume. Die allgemeine Erleichterung, dass er nicht weiter Verteidigung gegen die dunklen Künste unterrichtete war geradezu greifbar gewesen. Nicht, dass es ihn weiter interessiert hätte, was diese Bälger von ihm hielten, doch seine Niederlage gegenüber McGonagall und deren Befriedigung, ihm damit eins ausgewischt zu haben, schmerzte fast körperlich. Er hatte kaum die erste Biegung erreicht, als er jemand seinen Namen rufen hörte. Sehr leise zwar, aber dennoch so deutlich, dass er abrupt stehen blieb. Als er sich umdrehte, um zu sehen, wer seinen schnellen Abgang durchkreuzte, zuckte er kaum merklich zusammen, denn die Person, die er dem leisen Rufen nach noch einige Meter entfernt erwartet hätte, stand nun nur wenige Zentimeter vor ihm. Er blickte in die strahlend grünen Augen der neuen Lehrerin in Hogwarts.
"Guten Abend Professor Snape! Leider hatten wir noch keine Gelegenheit, uns einander vorzustellen. Ich bin Professor Eleonora Bellecourt!" Mit einem freundlichen Lächeln hielt sie Snape die Hand entgegen. Dieser blickte erst verwundert auf die ihm dargebotene Hand, ehe er in säuerlichem Tonfall erwiderte: "Ich bin mir sicher, dass es einen guten Grund hat, dass wir bis jetzt nicht persönlich miteinander gesprochen haben und eben dieser kommt gerade, um Sie aus meinen Klauen zu befreien. Guten Abend." Mit diesen Worten wandte er sich um und verschwand in den Gängen Hogwarts. Im selben Moment eilte Professor McGonagall auf Eleonora zu und blieb, leicht außer Atem, vor ihr stehen.
"Eleonora! Da sind Sie ja, ich habe Sie schon überall gesucht! Hoffentlich hat Professor Snape Sie nicht allzu grob behandelt, er ist manchmal ein wenig schwierig. Aber jetzt kommen Sie doch mit auf eine Tasse Kakao in meinem Büro!" Eleonora sah ihre Vorgesetzte mit leichter Verwirrung im Blick an. Sie wurde aus den Gedanken dieser Frau einfach nicht schlau. Zwar hatte sie von den Gerüchten gehört, dass dieser Professor Snape den alten Direktor getötet haben sollte, aber dass sie deswegen nicht mit ihm reden sollte oder wohl eher durfte, machte keinen rechten Sinn. Auch konnte sie bei McGonagall keine vernünftige Begründung finden. Sie zuckte nur mit den Achseln und ergab sich in ihr Schicksal. Eine Tasse Kakao vor dem Schlafengehen konnte nicht schaden.
Snape war in seinen Räumen angekommen. Schwer atmend lehnte er sich gegen die Tür und schloss die Augen. Verdammte McGonagall! Nicht nur, dass sie ihm den Posten als Lehrer in VgddK genommen hatte, sie hatte auch noch eine blutjunge Anfängerin eingestellt! Noch dazu eine Frau! Nicht, dass er ein Problem mit weiblichen Lehrkräften hatte, aber für dieses Fach! Völlig fehlplaziert, egal was sie für Kampftechniken beherrschen sollte! Kein Wunder, dass Minerva versuchte, sie von ihm fernzuhalten. Lange würde es dieses Mädchen nicht in seiner Nähe aushalten, sobald sie näher Bekanntschaft mit ihm gemacht hatte. Und doch wollte er mit ihr reden. Irgendetwas in ihren Augen hatte ihn stutzen lassen, hatte seine Aufmerksamkeit geweckt. Er konnte es noch nicht zuordnen, aber es behagte ihm ganz und gar nicht.
Zwei Stunden, nachdem McGonagall Eleonora aus dem Gang in ihr Büro entführt hatte, verließ sie dieses wieder, noch verwirrter als zuvor. Manchmal konnte ihre Gabe wirklich eine Qual sein. Die Gedanken dieser Frau waren einfach nur durcheinander. Wenn es nach ihr ginge, würde man solch einen zerstreuten Menschen nicht in solch ein wichtiges Amt einsetzen. Doch nach allem, was sie herausfiltern konnte, lag diese Zerstreutheit hauptsächlich am Verlust Dumbledores. Scheinbar gab es einige ungesagte Dinge, die mehr als nur belastend auf der Seele der alten Frau lagen. Doch damit konnte sie sich jetzt nicht beschäftigen. Es gab einen anderen Menschen, mit dem sie sich heute noch auseinandersetzen wollte. Zielstrebig wanderte sie die vielen Treppen hinunter in die Kerker und klopfte verhalten an die ausladend wirkende Eichentür.
Snape konnte und wollte noch nicht schlafen. So nahm er sich den Lehrplan für das kommende Jahr vor, welchen er selbst zusammengeschrieben hatte und demnach bereits im Schlaf herunterbeten konnte. Dennoch, lieber eine sinnfreie Arbeit, statt sich mit Gedanken auseinanderzusetzen, die er jetzt ganz und gar nicht gebrauchen konnte. Als er dann zum vierten Mal die Bestandsliste für die Versuche der nächsten Wochen durchging und ihm weitere Dinge, die zu seiner Zerstreuung beitragen konnten, fehlten, klopfte es an seine Tür. Durch einen einfachen Zauberspruch konnte er die Frau auf der anderen Seite erkennen. Ob ihn das nun positiv oder negativ stimmen sollte, wusste er noch nicht. Seufzend erhob er sich aus seinem Stuhl, streckte die versteiften Glieder und begab sich zur Tür.
"Was möchten Sie denn um diese Uhrzeit noch von mir? Hat die Direktorin versäumt Ihnen Gespräche mit mir ausdrücklich zu untersagen?!" Er hob eine Augenbraue, blieb weiter in der Tür stehen und machte keine Anstalten, diese Position aufzugeben, um Eleonora einzulassen.
"Entschuldigen Sie bitte, wenn ich Sie so spät noch störe Professor, aber ich hätte dann doch gerne noch das ein oder andere Wort mit Ihnen gewechselt. Und um auf Ihren unnötigen Kommentar einzugehen, nein, mir wurde ein Gespräch mit Ihnen nicht ausdrücklich untersagt. Auch wenn ich mir sehr sicher bin, dass die Direktorin nicht gerade erfreut darüber sein würde, dass ich hier auftauche." Sie legte den Kopf schief und zeigte Snape wieder dieses entwaffnende scheue Lächeln, dass sie ihm bereits vorhin im Gang geschenkt hatte. Dieser gab sich geschlagen und ließ die junge Frau in sein Büro.
"Dann wollen wir hoffen, dass Minerva nichts von Ihrem nächtlichen Besuch erfährt. Wir wollen doch nicht, dass sie Sie an die Kette legt." Er trat nach ihr durch die Tür, verschloss diese und bot ihr den Stuhl gegenüber seines Schreibtisches an.
"Setzen Sie sich."
Nachdem er sich selbst gesetzt hatte, sah er sie fragend an. "Also?"
Eleonora wirkte zerstreut und blickte ihn nur verwundert an.
"Professor, Sie sind zu mir gekommen, um zu reden, dann machen Sie jetzt bitte den Mund auf und werden los, was Sie zu sagen haben! Meine Zeit kann ich auch mit weitaus wichtigeren Dingen verschwenden!" Langsam verging ihm die Geduld, von der er bekanntlich sowieso nicht besonders viel vorzuweisen hatte.
"Ich… Entschuldigung, es ist nur… an was denken Sie gerade?"
Jetzt war es an Snape, verwirrt zu sein.
"Bitte was?"
"An was denken Sie gerade?"
"Ich denke an gar nichts junge Frau. Ich warte darauf, dass Sie mir sagen, warum Sie um diese Uhrzeit hier unten auftauchen und wenn Sie weiterhin so schauen, als wenn Merlin selbst vor Ihnen sitzen würde, bringe ich Sie höchstpersönlich zu Madame Pomfrey!"
"Sie denken also an nichts? Dann bin ich beruhigt… " Eleonora schien sich sichtlich zu entspannen und nahm eine bequeme Position auf ihrem Stuhl ein.
"Also, weswegen ich hier bin… Ich hatte schon die Gelegenheit mit allen anderen Kollegen zu reden und Sie sind der einzige, der… nun ja, mir vorenthalten wurde." Wieder lächelte sie Snape an.
"Ich würde diesen Umstand gerne ändern"
"Das haben Sie hiermit jawohl getan, Sie wissen, wie ich aussehe und wo mein Büro ist. Dann können Sie jetzt ruhigen Gewissens gehen." Snape wollte sich gerade erheben und ihr die Türe öffnen, als ihn eine nicht definierbare Kraft zurückhielt. Etwas, das in auf den Stuhl zurück drückte.
"Was zum…" Er blickte wütend auf die Frau vor ihm.
"Professor Snape, ist es denn wirklich so schrecklich, sich mit einem anderen Menschen zu unterhalten? Dass Sie kein besonders netter Mensch sind, wusste ich schon, bevor ich die Anstellung hier annahm, Ihr Ruf eilt Ihnen voraus, was Sie sicherlich freuen wird. Dass Sie ein Todesser sind, weiß ich auch, genauso wie die Tatsache, dass Sie Professor Dumbledore getötet haben. Und dennoch bin ich nicht der Meinung, dass Sie ein schlechter Mensch sind." Das Lächeln war einem sehr ernsten Blick gewichen, der Snape kalte Schauer über den Rücken laufen ließ. Wer war diese Frau?
"Was zum Teufel wollen Sie von mir?"
"Respekt. Ich kann zwar nichts an dem Umstand ändern, dass ich nun das Fach unterrichte, welches Ihnen so am Herzen liegt, aber Sie können versichert sein, dass es mir leid tut, dass Sie diesen Posten durch eine Verkettung unglücklicher Umstände verloren haben. Was ich von Ihnen verlange ist, dass Sie mich als gleichwertig betrachten. Mir ist klar, dass Sie mich für eine blutjunge Anfängerin mit mangelnder Erfahrung halten, aber wie meine kleine Demonstration hier beweist, bin ich sehr wohl in der Lage, mit Ihnen mitzuhalten. Ich verlange von niemandem, dass er mich mag. Aber Respekt ist das Mindeste, was man unter Kollegen erwarten kann."
Snape wollte zu einer Erwiderung ansetzen, doch seine Zunge war wie gelähmt.
"Sie brauchen darauf nichts zu erwidern. Ich kann mir denken, was Sie zu sagen haben. Ich hoffe sehr, dass Sie Ihre Meinung mich betreffend ändern. Sie können gerne einer meiner Stunden beiwohnen, um sich von meiner Kompetenz selbst zu überzeugen. Gute Nacht."
Sie erhob sich und ging. Wenige Sekunden, nachdem die Tür hinter ihr ins Schloss gefallen war, konnte Snape sich wieder bewegen. Doch er blieb auf dem Stuhl sitzen, immer noch ungläubig auf die Tür starrend, noch nicht begreifend, was soeben geschehen war. Wer, zum Teufel, war diese Frau, die ihn wahnsinnig machte?
