Sirius stöhnte. Mit einem Ruck hatte er sich zu James auf das Bett gelegt.

Beide starrten an die Decke des Himmelbettes mit den rot-goldenen Vorhängen.

Jeder hing seinen Gedanken nach und es war eine angenehme, verständnisvolle Stille die zwischen den beiden Freunden herrschte.

„Dann James,", das benutzen von James Vornamen verdeutlichte die Ernsthaftigkeit mit der Sirius sprach. „ hast du ein gewaltiges Problem."

Angesprochener nahm das mit einem krampfhaften und müden Lächeln zur Kenntnis.

„Wow, wow, wow… Jungs was für eine Laus ist euch denn über die Leber gelaufen?"

Sirius stöhnte gequält auf, was James wieder herzhafter Lachen ließ.

„Moony, steck dir deine schlauen Muggelsprüche in deinen Kessel. Wir führen gerade ernsthafte Männergespräche."

James Lachen wurde lauter und ein Grinsen schlich sich auf Sirius Gesicht, erfreut über die positiven Gefühlsregungen seines Freundes.

Der hagere und blasse Junge pfiff einmal anerkennend durch die Zähne ehe er sich in einen, mit Klamotten vollbepackten Sessel fallen ließ.

„Solch Worte aus deinem Mund, Padfoot. Wusste gar nicht das ‚ernsthaft' in deinem Wortschatz überhaupt existiert. Scheint mir als würdet ihr erwachsen werden."

Mit einem Satz war Sirius auf den Beinen, sein Gesicht schreckensverzerrt.

„Benutz dieses Wort nie wieder in Zusammenhang mit mir."

Remus kicherte nur und wand sich dann an James.

„Deine Mutter hat Pfannkuchen gemacht und ich bin ganz schön hungrig von der Reise, kommt ihr mit runter?"

James nickte zaghaft und rappelte sich auf, Sirius rieb sich freudig über den Bauch, „Männergespräche machen verdammt hungrig" und Remus holte auf diesen Kommentar hin aus um dem großgewachsenen Jungen einen leichten Schlag in den Nacken zu verpassen.

„Aua, Moony du Masochist.", jaulend rieb sich der älteste der drei den Hinterkopf.

„Memme.", murmelte Angesprochener um daraufhin Richtung Küche loszuflitzen.

Der in seinem Männerstolz verletzte Sirius im Spurt und fluchend hinterher.

James trottete leise hinter ihnen her, mit einem Mundwinkel in die Höhe gezogen, den anderen schlaff hinunterhängend, vergrub er die Hände in der Hosentasche.

„He Jamie was ist denn mit dir los?"

James Mutter lächelte ihn liebevoll an und eine angenehme Wärme schien von ihren Augen aus zugehen. Der geschlagene Junge zuckte nur mit den Schulter und setzte sich an den Küchentisch neben einen schmatzenden Sirius. James Mutter häufte zwei Pfannkuchen auf den Teller ihres Sohnes und betrachtete ihn eingehend.

Sirius der ihren Blick bemerkte, deute mit seiner Gabel auf James und begann mit vollem Mund zu erklären:

„Jamie hat Liebeskummer."

„Man spricht nicht mit vollem Mund, Sirius.", tadelte BLAAA ihn, dann wand sie sich weiter an ihren Sohn, „schon wieder Lily?"

Sirius lachte pikiert auf.

„Schon wieder? Immer noch."

Remus warf ihm einen warnenden Blick zu und nickte zu James hinüber der immer mehr in sich zusammenzusacken schien.

„Ich weiß nicht was ich noch machen soll.", flüsterte dieser kaum hörbar.

„Schenk ihr Blumen oder irgendwas anderes auf das Mädchen so stehen.", gab Sirius fachmännisch hinzu doch Remus schüttelte verzweifelt mit dem Kopf.

„Padfoot, James kann Lily nicht noch mehr Blumen schenken."

„Und die Haarbrosche hat sie auch zurück geschickt.", James Stimme war brüchig und Remus zog scharf die Luft ein.

„Oh ich wusste nicht… deshalb das Männergespräch…"

Niedergeschlagen und ohne den Blick zuheben nickte der junge Potter.

„Also James, ich sehe das so. Lily weiß nicht was sie an dir verpasst. Aber du machst es ihr ja auch ziemlich einfach. Natürlich hält sie dich für eingebildet und pompös wenn du ständig Streiche spielst und andere Schüler grundlos verhext.", James hatte den Mund geöffnet um seiner Mutter zu widersprechen, doch diese bedeutete ihm zuzuhören. „Zeig ihr das du dich für sie ändern kannst. Zeig ihr wie viel sie dir bedeutet."

Remus nickte zustimmend und Sirius Gesicht verzog sich zu einer angeekelten Grimasse. James glaubte zuhören wie sein bester Freund etwas von „Weichei", nuschelte aber auch für James schienen die Worte seiner Mutter Sinn zu ergeben.

Er würde um sie kämpfen und ihr zeigen was sie an ihm verpasste. Er würde erwachsen werden, auch wenn das Sirius ganz bestimmt nicht gefallen wird.

James versank gerade in einer seiner Traumwelten in welchen er und Lily durch die Weltgeschichte Hand in Hand spazierten, sich glücklich anlächelten und … als mit einem gewaltigen Poltern etwas gegen das Küchenfenster raste.

Sirius der die braune, gefiederte Matsche, welche jetzt langsam am Fenster entlang rutschte schon erkannte, hob skeptisch eine Augenbraue in die Höhe.

„Ich sag doch immer das die Hogwartseulen schon viel zu alt für ihren Beruf sind.", dabei schnalzte er tadelnd mit der Zunge wie Professor McGonagall es zu tuen pflegte.

Remus aber war sofort aufgesprungen um ihre Hogwarts Briefe hineinzuholen.

James Umschlag war ungewöhnlich schwer und während Sirius sich schon wieder schmatzend seinen Pfannkuchen widmete, ging Remus seinen Brief mit dem beigefügten Vertrauensschülerabzeichen noch einmal durch.

Unachtsam warf James seinen Brief, ungeöffnet neben das Marmeladenglas was ihm von seiner Mutter einen pikierten Blick einbrachte.

„Willst du ihn den gar nicht aufmachen?"

James schüttelte nur den Kopf und widmete sich wieder seinen Pfannkuchen nachdem er seiner Mutter deutlich gemacht hatte das ‚eh nur das übliche Trara samt Quidditchkapitänsabzeichen drin wäre'.

„Lass mal sehen.", sagte Sirius während er mit seinen verschmierten Fingern nach dem edlen Umschlag fischte. Mit seinem marmeladenverschmierten Messer hebelte er das Hogwartssiegel vom Umschlag und machte sich über den Inhalt her.

„Sirius. Der Brief! Voller Marmelade...", entsetzt schüttelte Elisa ihren Kopf mit der waghalsigen Hochsteckfrisur, ein kleines Lächeln nie ihre Mundwinkel verlassend.

Doch Sirius winkte bloß ab und las sich durch James Brief.

„Bla bla blaaaa, würde sie gerne zum Candelligthdinner in mein Büro einladen... bla bla bla."

Remus holte erneut zum Schlag aus, als er etwas neben dem Kapitänszeichen aufblitzen sah.

Sirius der schon in Deckung gegangen war, lugte zwischen seinen Armen hervor.

Mit geweiteten Augen deutete Remus immer wieder auf den Umschlag was James nur mit der Stirn runzeln ließ.

„Was? Hat Gonnie mich etwa ehrlich zum Candelligthdinner eingeladen? Die Frau kann mir einfach nicht widerstehen.", er gluckste leise über seinen eigenen Witz, verstummte aber sofort als er den Blick seiner Mutter sah.

Mit einem Mal, wie aus heiterem Himmel, brach der Blacksprössling in schallendes Gelächter aus. Er jappste nach Luft und hielt sich den Bauch.

„Daaaahaaaa.... haha... oh ...haaa.", Sirius kreischte förmlich vor Lachen und fiel seitlich von seinem Stuhl. Dabei riss der die Tischdecke mit sich und samt Tischdecke Teller, Besteck, Blumen und sämtliche Sorten von Marmelade. Einer der halbangegessenen Pfannkuchen landete auf seinem Kopf, was ihn noch mehr lachen ließ.

Elisa war aufgesprungen und versuchte mit einigen Zaubern das Unheil wieder rückgängig zu machen aber gegen Sirius Lachanfall war nichts auszurichten.

„Was hat er denn?", fragte James, die Gabel mit einem Stückchen Pfannkuchen immer noch auf dem Weg zu seinem Mund haltend. Er stopfte sich den letzten Bissen in den Mund und begann misstrauisch darauf rumzukauen.

Remus der sich wieder gefasst hatte und dessen Gesichtszüge ein amüsiertes Grinsen trugen antwortete ihm.: „ Er scheint die Tatsache das Dumbledore dich zum Schulsprecher ernannt hat äußerst amüsierend zufinden."

Bei den Worten Schulsprecher, passierte vieles gleichzeitig.

James verschluckte sich so sehr an seinem Pfannkuchen das Remus aufspringen musste um ihm auf den Rücken zuklopfen. Elisa war mit einem entzückten Schrei aufgesprungen um den von Remus jetzt fallengelassenen Brief durchzulesen und Sirius, ja Sirius der lachte noch mehr bei Remus Worten.

Als James an diesem Abend in seinem Bett lag, Sirius direkt neben ihm weil er wie er meinte ‚einmal im Leben die Ehre haben wollte mit einem Schulsprecher in einem Bett zuschlafen'.

Remus lag in einem magischen Luftbett neben den Beiden.

Sirius schnarchte leise vor sich hin, ein überaus amüsiertes Grinsen sein Gesicht nie verlassend.

Remus wälzte sich von einer Seite zur Anderen. In einigen Tagen würde Vollmond sein und in den Nächten davor war der junge Werwolf immer besonders unruhig.

James hatte sich zur Seite gedreht, die Augen geöffnet und nicht in der Verfassung einzuschlafen. In den letzten Wochen fiel es ihm immer schwerer einzuschlafen. Sirius hatte einmal scherzhaft gemeint das läge sicherlich daran, dass James seinen verehrten Rotschopf jetzt fast einen ganzen Monat nicht mehr gesehen hatte.

James hatte das einfach hingenommen und nichts geantwortet. Das Sirius ins Schwarze getroffen hatte wollte der junge Potter ihm nicht unbedingt auf die Nase binden.

James plagten Erinnerungen an das letzte Schuljahr. Eine unglaubliche Wut stieg gelegentlich in seinem muskulösen Körper auf. Der Schmerz in seinem Bauch schien ihn von innen zu zerfressen. Es gab Erinnerungen von denen er so schnell nicht loskommen würde.

Es war ein sonniger Freitag. Die Sonnenstrahlen die in das Klassenzimmer von Professor Flitwick fielen zeigten die Staubteilchen die in kleinen Kreisen durch den Raum glitten.

James saß träumend hinter Lily Evans. So nah, das er ihren blumigen Duft in der Nase spürte. Nur mit viel Willenskraft konnte er sich davon zurückhalten der Schönheit vor ihm durch die dicken, dunkelroten Locken zufahren. Leise seufzte er, was ihm von Sirius einen angewiderten Blick einbrachte. Als es zum Ende der Stunde läutete, war das Klassenzimmer in nur wenigen Sekunden leergefegt. Es war Wochenende und keiner der Schüler wollte länger als nötig in dem staubigen Klassenzimmer verbringen. Nur Lily Evans packte langsam und sachte ihre Utensilien zusammen anstatt sie, wie alle anderen, einfach in ihre Tasche zu werfen. James der sich an solchen Tagen nie beeilte, in der Hoffnung auf ein Wort mit Lily, kramte nun auch langsam seine Sachen zusammen.

Eine seiner Federn fiel im aus der Hand und als er sich nach dem aufheben wieder aufrichtete waren Lily und er nicht mehr alleine im Raum.

Amos Diggory der arrogante Schnösel mit seinen aalglatten Haaren und dem Zahnpastagrinsen stand vor Lily, sich räuspernd und die Hände knetend.

„Ich, also Lily... ich wollte dich fragen, morgen ist das letzte Hogsmeadwochenende vor den Ferien... und ich wollte dich fragen... also ich weiß das es ziemlich spät ist, aber... also ich wollte dich fragen ob du mich begleiten würdest?"

James lachte innerlich über diesen kläglichen Wurm vor ihm.

Er selbst hatte Lily bereits vor der Stunde gefragt doch sie hatte ihn –wie sooft- mit der Begründung abgespeist sie würde bereits mit ihren Freundinnen gehen.

Doch zu James unglaublichen Entsetzten lächelte Lily. Kein kalter Blick, wie er ihn vorhin bekommen hatte. Keine wütenden Funken die aus ihren Augen sprühten. Ein liebevoller Blick und ein Lächeln das James an ihr so liebte, auch wenn er nie der grund dafür war.

Lily, die sich sehr wohl klar über James Anwesenheit war, durchströmte ein unglaubliches Glücksgefühl. Der Junge in den sie schon seit Anfang ihres sechsten Schuljahres verliebt war fragte sie nach einem Date. Und der Junge der sie schon seit sechs Jahren nervte und hinterherlief würde mit ansehen wie sie zu Amos ‚Ja' sagen würde. Er würde endlich kapieren das er nie, NIEMALS, eine Chance bei ihr haben würde.

Als James sah wie sich Lilys zarte, rote Lippen zu einem ‚Ja' verformten, brach für ihn alles zusammen. Ein riesiger Kloß wie er ihn noch nie in seinem Leben hatte, bildete sich in seinem Hals. Sein Magen krampfte so sehr das er sich abstützen musste um nicht vornüber zufallen. In seinem Kopf drehte sich alles und Tränen des unglaublichen Schmerzen drückten gegen seine Augenlider. James war kotzübel und er war sich sicher, sich jeden Moment übergeben zumüssen.

Durch Lilys Kichern wurde er wieder in die Realität zurückgeholt und die schmerzte noch mehr. Amos hatte sich vorgelehnt und Lily einen Kuss auf die Wange gegeben. James wollte ihm sein dämliches Grinsen vom Gesicht schlagen, aber er fand keine Kraft dafür.

So schnell er konnte kramte er seine letzten Federkiele zusammen und konnte dabei nicht umher das ihm stumme Tränen über die Wangen liefen. Ganz leise und doch so qualvoll.

Während er, die Luft anhaltend nach draußen rannte, schwirrten in Lilys Kopf die Fragen und besonders die Gefühle. ‚Hatte James etwa geweint?' und was war das für ein grausames Gefühl in ihrer Magengegend? Mitleid? Schuldgefühle?

Wenn James an diesen Nachmittag dachte verkrampfte sich immer noch sein ganzer Körper.

Und jedes Mal war da der riesige Kloß den er nicht los wurde.

Er würde mit ansehen müssen wie Amos seine Lily nächstes Jahr, küsste. Wie er ihr sanft durch die Haare fuhr. Wie er den Arm liebevoll um sie legte und wie er ihr einen sanften Kuss auf die Stirn drückte.

Die schmerzhafteste Erkenntnis war jedoch nicht das all dies Amos tuen könnte, sondern das jeder Junge es möglicherweise tuen könnte. Jeder, mit Ausnahme von ihm.

Er würde niemals der Mann an Lilys Seite sein.