2 Lügen im Ministerium
Alastor
Moody trat aus einem der Kamine und war verdammt nervös. Er ging
durch die Eingangshalle des Zaubereiministeriums, um sich mit seinem
Chef, Rufus Scrimgeour, zu treffen. In seiner Tasche steckte die
Geburtsurkunde seiner Tochter. Es war eine Fälschung, aber eine
verflucht gute und Moody wollte gar nicht wissen, woher Dumbledore
die so schnell bekommen hatte. Er hoffte nur, dass sein Chef ihm
glauben würde.
Er, Alastor Moody, und eine Tochter!
Er,
der Einzelgänger, der Bluthund, wie ihm einige nannten, weil er
nie einen davon kommen ließ.
Er, der Verrückte, der nie
einem Kampf aus dem Weg ging und hinter jeder Ecke einen
Schwarzmagier vermutete.
Er hatte fast so viele Orden in seiner
Aurorenlaufbahn bekommen wie er Narben auf seinem Körper hatte.
Er wusste, er würde eines Tages im Kampf sterben und genauso
wollte er es auch. Zu Hause im Schaukelstuhl sitzen und auf den
Sensenmann warten war nicht sein Stil.
Und jetzt hatte er sich
von seinem Freund zu dieser Schnapsidee überreden lassen! Albus
war Schuld, wenn es schief ging. Albus, der in allem und jedem das
Gute sah. Wie bei Hagrid, dem Halbriesen. Er lies ihn in Hogwarts als
Wildhüter arbeiten obwohl Hagrid der Schule verwiesen worden war
weil er für den Tod einer Schülerin verantwortlich gemacht
worden war. Aber Albus glaubte an dessen Unschuld.
Und jetzt,
grade in diesem Moment war da dieser Junge, wie hieß er doch
gleich… Lupin, ja Remus Lupin, Schüler in Hogwarts und – er
war ein Werwolf. Aber Albus tat alles, damit der Junge seine
Ausbildung bekam.
Und jetzt Sarah, nein, ihr Name war jetzt
Serina.
Er war ein Auror verdammt, jemand der gegen dunkle Mächte
und finstere Wesen antrat um sie unschädlich zu machen. Und
jetzt sollte er die Verantwortung für genau so ein Wesen
übernehmen? "Der alte Mann muss verrückt geworden
sein!" dachte Moody.
Sie war jetzt ebenso ein Wesen. Durch
den Biss war sie zu einem Halbvampir geworden.
Dadurch war es ihr
möglich, Magie anzuwenden, obwohl sie eigentlich eine Muggel
war. Ihre Magie war stark, noch effektiver würde sie allerdings
sein, wenn sie ihre andere Gestallt annahm, doch das hatten sie noch
nicht ausprobiert. Dafür war sie, wie ihre vampirischen
Verwandten, gegen einige Flüche gänzlich Immun.
Natürlich
wäre sie, richtig ausgebildet, eine wertvolle Verbündete in
Kampf gegen das Böse. Aber das Risiko war hoch, sehr hoch. Nicht
nur, wenn sie sich der anderen Seite zuwenden würde. Was, wenn
alles auffliegt? Dann wäre sein Leben wertlos. Er würde
nach Askaban geschickt werden, oder noch Schlimmer, er würde
seinen Posten in der Aurorenabteilung verlieren!
Alastor
musste sich konzentrieren. Wenn er das hier wirklich glaubhaft
durchziehen wollte, durfte er sich nicht von solchen Gedanken
beeinflussen lassen. Er schüttelte den Kopf und verbannte so
alles, was ihn von seiner nun folgender Aufgabe ablenken könnte.
Er stand vor der Tür seines Vorgesetzten und holte noch
einmal tief Luft. Jetzt war es zu spät für seine Zweifel.
Er hatte sein Wort gegeben und das würde er auch halten, er
würde es schon schaffen. Er klopfte und trat in das Büro.
--- --- ---
Rufus
Scrimgeour saß hinter seinem Schreibtisch und sah auf. „Moody!"
sagte dieser erstaunt. „Was treibt Sie denn hier her? Ich dachte,
Sie haben heute ihren freien Tag?"
Alastor zwang sich zu einem
lächeln, ging durch das Zimmer zum Schreibtisch und setzte sich
auf den Stuhl davor.
„Guten Morgen, Rufus." Erwiderte er mit
rauer Stimme. „Ja hab ich, aber es gibt da ein Problem über
das ich mit Ihnen reden muss." Er holte Luft um sich zu sammeln und
fuhr fort. „Ich brauche Urlaub, bis Anfang September. Und das ab
sofort."
Scrimgeour sah ihr erstaunt an, und so erzählte
Alastor die Geschichte die er mit Dumbledore ausgearbeitet hatte.
Von einer alten Jugendliebe und deren Folgen. Das diese Frau ein
Kind, sein Kind geboren und alleine großgezogen hatte und nun
ganz plötzlich verstorben war. Das er sich nun um sein Kind,
seine Tochter, kümmern müsste und er darum Urlaub bräuchte.
Damit sie sich einleben und er sie im September nach Hogwarts
schicken könnte, da sie bisher zu Hause unterrichtet worden
war.
Scrimgeour hörte ihm aufmerksam zu, nickte hin und
wieder verständnisvoll sagte aber nichts. Er kannte Moody seit
dieser als Kadett bei der Aurorenzentrale angefangen hatte. Er
wusste, wie ehrgeizig dieser Mann war. Er hatte diesen Mann kämpfen,
töten und selbst schwer verletzt gesehen. Er konnte sich diesen
Mann nicht als Vater vorstellen.
Moody, Alastor Moody und ein
Kind?
Das passte seiner Meinung nach nicht zusammen. Er sah in
Moodys vernarbtes Gesicht und stellte sich vor, wie es auf ein
Mädchen, das grade seine Mutter verloren hatte, wirken müsste.
Aber er sagte nichts darüber, was er dachte. Was wusste er schon
über diesen Mann, das nichts mit der Arbeit zu tun hatte? Er sah
in Moodys Augen und erkannte, wie Ernst ihm dieses Anliegen war.
Wieder stellte er sich das Mädchen vor, insgeheim hoffte er,
dass sie nicht allzu viel Ähnlichkeit mit ihrem Vater hatte.
Stellte sich vor, wie allein und verloren sie sich fühlen musste
und das sie jede Hilfe bräuchte, die sie kriegen konnte. Doch
darüber sagte er nichts.
Er versprach, dass er es irgendwie
einrichten würde. Es waren sechs Wochen, die er auf seinen
besten Mann verzichten sollte, aber das würde er schon irgendwie
hinbekommen. Und wenn er die restlichen Auroren Doppelschichten
schieben lies.
„Im Notfall bin ich natürlich sofort zur
Stelle." sagte Moody, der wusste, dass sein Anliegen alles
durcheinander brachte und fast unmöglich war. Doch er hatte
gewonnen. Sie hatten auf Rufus Mitgefühl gebaut und sie hatten
richtig gelegen. Es widerstrebte ihm, diesen Mann derart anzulügen,
Scrimgeour vertraute ihm blind und er nutzte dieses Vertrauen
aus.
Aber er hatte es Albus etwas versprochen, er wusste selber
nicht wieso. Es war so schon schwierig genug in seinem Job und jetzt
hatte er auch noch die Verantwortung für ein Kind, einen
Teenager.
Was hatte sich Albus nur dabei gedacht?
Sein Freund
war schon immer Recht komisch gewesen, aber er konnte dem Mann
einfach nichts abschlagen.
Erleichtert verließ er das
Büro. „Das wäre geschafft." dachte er. „Doch das
Schlimmste kommt erst noch auf mich zu!"
Er würde sich mit
Albus treffen und ins Krankenhaus zurückkehren.
„Das
Mädchen hat ja keine Ahnung was ihr noch alles bevor steht."
Seine Gedanken kreisten um das kleine Geschöpf, das da nun
ganz alleine war und auf ihn wartete. Sie hatten Serina noch nicht
alles gesagt, was sie wussten. Er dachte an das, was sie ihr
verschwiegen hatten, und dass es seine Aufgabe sein würde, es
ihr zu sagen.
Sie darauf vorzubereiten.
Ihm wurde ganz anders
bei dem Gedanken, denn er hatte keine Ahnung, wie er das anstellen
sollte.
Zum ersten Mal in seinem Leben war Alastor Moody ratlos.
