Als ich meine Augen öffnete, war es dunkel. Und ich war gefesselt. Mit beiden Händen an eine Mauer. Fuck. Abgesehen von dieser unschönen Tatsache tat mein linker Flügel so unglaublich weh, war kaum auszuhalten. Verdammte Mistkerle, dachte ich. Schweinehunde, hatten mir ihn mir glatt gebrochen, auch noch an dieser Stelle. Bewegen ließ sich er sich auch nicht wirklich, zumindest nicht ohne, dass ich Schmerzen hatte.

Verdammt! Vor Wut haute ich mir aus Versehen den Kopf an der Wand an. Außerdem war diese Position nicht sonderlich bequem.

Da hatte ich echt wieder Glück gehabt. Verschleppt und an eine Mauer gefesselt, mit so nem tollen Flügel,der jetzt zu nichts zu gebrauchen war. Klasse. Wirklich toll.

Und aua...

Dann hörte ich wie eine schwere Tür aufging und es wurde hell, ich erkannte jetzt ein Verlies. Dunkle Steinmauern, in der einen Ecke lag ein Skelett. Wie einladend. Zwei Typen standen vor dem Gitter meines Kerkers.

„Na das Blondie, wieder wach?", fragte einer lachend und öffnete mit einem Schlüssel die Gittertür. Beide traten näher an mich ran, ich zog meine Beine an. „Bist ja sehr gesprächig.", sagte er und beugte sich zu mir runter, packte mich nicht ganz sanft am Kinn und betrachtete mein Gesicht. „Siehst gar nicht so aus wie einer von Kriegern des Anführers. Eher wie eine seiner Huren." Für diese Worte spuckte ich ihm ins Gesicht.

„Und du siehst aus wie ein Troll.", meinte ich und hatte dafür sofort eine sitzen. Knallte auch noch mit dem Kopf wieder gegen die Mauer.

„Komm schon Jillen, lass den Scheiß, wir haben Anweisungen.", sagte der andere Kerl und holte eine Spritze raus. „Halt seine Beine mal, nicht dass das Biest mich noch tritt."

Natürlich wehrte ich mich sofort, als sich die Hände auf meine Beine legten, aber bringen tat das nichts. Das waren diese typischen Kriegertypen, groß, stark und dumm wie Brot.

Die Spritze wurde an meinem Oberschenkel gesetzt, genau da wo meine Stiefel endeten und meine Hosen begangen. Ich hasste Spritzen und verzog deswegen das Gesicht, als die Spitze meine Haut durchstoß.

„So ich glaub das Zeug wirkt sofort, also mach die Fesseln ab."

Kaum, waren die Fesseln ab, schnellte ich hoch – der Flügel tat plötzlich doch nicht mehr so weh wie anfangs – schnappte mir den Dolch des einen Typen, den er an der Hüfte hatte und schnitt ihm die Kehle durch. Sein Körper fiel einfach zu Boden und Blut rann aus der Wunde. Der zweite Kerl konnte nicht so schnell reagieren und nach seiner Waffe greifen, da hatte er schon den Dolch in der Brust stecken. Mehrfach hintereinander. In sehr kurzen Abständen.

Hah geschafft!, dachte ich und dann verließ mich seltsamer Weise meine ganze Kraft. Der Dolch fiel mir aus der Hand und ich selbst ging zu Boden, konnte mich nicht rühren. Verdammt!

Egal wie sehr ich mich bewegen wollte, mein Körper reagierte einfach nicht drauf.

Verdammt, wenn ich gekonnt hätte, hätt ich meine Faust gegen Boden geschlagen.

Eine Weile passierte nichts, ich lag immer noch an der selben Stelle, kein Stück bewegt, neben mir die Leichen dieser Trottel. Bewegungsunfähigkeit war natürlich eine tolle Voraussetzung für meine Flucht.

Irgendwann, vielleicht zehn Minuten später, hörte ich wieder Schritte und dann stand ein Kerl vor mir, und wenn ich immer gedacht hatte mein Boss hätte protzige Klamotten getragen, so übertraf dieser Typ ihn mit seinem Fummel. Mit dem schwarz roten Mantel mit den Federn am Saum sah der Kerl irgendwie wichtig aus. Was noch wichtiger aussah war dieses monströse Schwert an seiner Hüfte. Naja ihr wisst schon was man über Männern mit großen Schwertern sagt.

Er war relativ jung, hatte feuerrotes Haar und er grinste mich an.

„Da schickt man seine Wachen los um einen Gefangen zu holen und die werden getötet.", sagte er und grinste mich noch immer an. „Wollte die schon bestrafen fürs Trödeln."

„Bist zu spät.", sagte ich. Er lachte leise.

„Wirst deinem Namen ja doch noch gerecht, Mello."

„Schön, da du mich ja bereits kennst, hast du sicher nichts dagegen mich freizulassen." Wieder lachte er, hockte sich vor mich hin und betrachtete mich. Normaler Weise mochte ich Blicke anderer auf mich aber das war mir jetzt doch verdammt unangenehm, so begafft zu werden. Wie ein Stück Fleisch.

„Nein, Nein Blondie. Ich hab noch Verwendung für dich."

„Ach ja?"

„Du wirst mir sagen, wo unsere Majestät ihren Schwachpunkt hat."

„Und was macht dich da so sicher, dass ich es dir sagen werde?"

„Ich kenne da ein paar Methoden, die andere zum reden bringen."

„Ich werd dir gar nichts sagen, da kannst du jetzt schon Gift drauf nehmen."

„Das werden wir ja noch sehen."

Er stand auf und zog mich am Arm hoch, und schlug mir anschließen ziemlich fest gegen mein Gesicht. Stieß mich dann wieder gegen die Wand und machte die Fesseln wieder um.

„Arschloch!", beschimpfte ich ihn. Zu mehr war ich momentan auch nicht fähig. Er knallte mir sofort noch eine. Doch das hielt mich nicht auf weiter zu machen, und ihn in allen Sprachen die ich kannte weiter zu beleidigen.

Er stand einfach nur vor mir und grinste mich an. Scheißkerl!

„Dafür werde ich dich später persönlich bestrafen, jetzt hab ich keine Zeit für dich."

Dann war er weg. Und ließ mich allein in diesem blöden Verließ, mit zwei stinkenden Leichen. Gut gestunken haben sie davor auch schon, aber vermischt mit Blut wurd es richtig eklig.

Aber lange blieb ich da eh nicht, als die Betäubung nachließ und ich wieder meinen Körper bewegen konnte, kamen erneut zwei Kerle. Diesmal welche von der schlaueren Sorte, sie machten mich los, nur um dann wieder anders zu fesseln und brachten mich in einen anderen Raum.

Kaum, dass ich den Raum betrat und mich umsah, wollte ich so schnell wie möglich weg, zu dumm dass das nicht im Rahmen meiner Möglichkeiten lag.

Ich wurde über einen Tisch gebeugt und festgehalten, damit ich nicht weg konnte. Das waren Scheißaussichten auf eine Flucht.

Es waren drei Typen im Raum, einer hielt mich auf dem Tisch und die anderen zwei waren hinter mir, sodass ich sie nicht sehen konnte. Ich hörte sie über die Auswahl des „Spielzeugs" reden, und schließlich entschiedenen die sich für eine Weidenrute. Toll, sah ich aus wie ne Kuh?

Wenn ich hier loskam, würd ich die in Stücke reiße!

Einer trat hinter mich, legte seine Hand auf meinen Oberschenkel. Ekel kam in mir hoch und Wut, reflexartig trat ich nach ihm und traf ihn dahin wo es wehtat. Er fluchte, die anderen lachten. Und ich war für einen kurzen Moment verdammt zufrieden, doch im nächsten Moment riss ich die Augen vor Schmerz auf schrie laut. Die Stelle zwischen Hose und Stiefel brannte wie Feuer, verdammt.

„Lass mich los!", schrie ich den Kerl der mich an den Armen festhielt an. „Lass mich sofort los!"

„Das hättest du wohl gern, Kleiner.", bekam ich als Antwort. Der Kerl vor mir grinste. Verdammt! „Es fängt doch gerade erst an."

„Warte.", sagte einer von denen und stellte sich vor mich, so dass ich ihn sehen konnte. „Du hast jetzt die Möglichkeit, die Informationen über den Herrscher rauszurücken ohne dass du weiter leiden musst. Oder wir werden dich so lange foltern, bis du sprichst."

„Ich sag euch gar nichts!"

Ich würde denen niemals das sagen, was sie wissen sollten. Nie.

Das einzige was sie meinem Mund entlockten waren Schmerzensschreie, aber sonst nichts. Und das änderte sich auch in den nächsten Stunden nicht. Klar, irgendwann fing ich an zu heulen, weil ich es nicht mehr ertrug. Blut lief mir an den Beinen runter. Und es tat so verdammt weh, ich wehrte mich nicht einmal mehr. Weil ich einfach nicht konnte, hätte der Typ mich nicht festgehalten wär ich hingefallen, mein Flügel tat wieder weh. Alles vermischt war das die reine Hölle, und dennoch hielt ich den Mund was meinen Anführer anging.

Ich nahm gar nicht war, dass noch jemand den Raum betrat. Erst als die Schläge aufhörten und die Stimme dieses Kerles in dem Mantel ertönte.

„Und?", fragte er.

„Nichts.", bekam er zu hören. Ich schluchzte laut auf, verdammt. „Will nicht reden."

Er beugte sich zu mir runter, um mir in die verheulten Augen zu sehen, und am liebsten hätte ich ihm irgendwas angetan im Moment. Fuck! Ich hasste diesen Zustand, total schwach zu sein war einfach scheiße!

Dieser verdammte Kerl strich mir über meine Wange. Und fasste dann meinen kaputten Flügel an.

„Ahhhhhhhhhhh!", mein Schrei hallte vermutlich im kompletten Untergrund wieder, so laut war er. Wieder schossen mir Tränen in die Augen. „H-Hund...", brachte ich dann hervor, ziemlich schwach. Aber immerhin.

„Was habt ihr denn mit seinem Flügel gemacht?", fragte er streng.

„Der war schon so." Klar, der war schon immer so. Idioten.

„Wenn ein Deava seine Flügel verliert wird er wieder zum Menschen, und verliert damit auch seine Erinnerungen! Verdammte Idioten seid ihr!", schrie er die Typen zusammen. „Und wenn er alles vergisst, vergisst er auch die Informationen über diesen Trottel aufm Thron, das heißt wir wären kein Stück weiter!"

„T-Tut uns Leid, Meister..."

„Los haut ab! Ich will euch nicht mehr sehen!"

Die drei Typen verschwanden schnell, ich wurde komplett auf den Tisch gelegt. Meine Flügel hingen runter und lagen teils auf dem Boden. Das tat alles grad so verdammt weh. Ich hab von Anfang an gewusst, dass diese Reise scheiße wird.

Der Typ fluchte noch etwas vor sich hin und ich hörte ihn wie er sich im Raum bewegte und dann stand er an meinem linken Flügel.

„Das wird jetzt gleich etwas wehtun.", sagte er. Ich lachte bitter. Als ob es mir was ausmachen würde, ob der Schmerz von der einen Wunde kam oder von einer anderen.

Ich hörte wie etwas aus Stahl einrastete(?), ich fühlte den Schmerz, der von dem Bruch ausging. Es fühlte sich so an als hätte er ihn mir komplett ausgerissen, ich konnte gar nicht schreien, es kam einfach kein Schrei obwohl es so verfickt wehtat. Mein geschwächter Körper ertrug nicht noch mehr und dann wurde alles schwarz.