Autornote: So meine Liebe und hier kommt auch schon der zweite Teil.

Teil 2

„Dies war ein wirklich kritischer Punkt in Albus Schullaufbahn. Ich ahnte bereits, was auf den jungen Albus zukommen würde und folgte daher Drakewood, der Albus vor sich her scheuchte, in sein Büro", begann der alte, kahlköpfige Zauberer zu erzählen.

Dumbledore, Sie sind eine Schande für diese Schule!", wetterte Drakewood, die Hände auf der Kante seines Schreibtisches abgestützt und seinen Schüler über einen Berg von aufgestapelten Pergamentrollen hinweg ansehend. „Noch niemals, solange ich hier schon Schulleiter bin, ist mir ein derart verkommener Schüler wie Sie untergekommen. Es mangelt Ihnen an jeder sittlicher Reife, an Disziplin und Ernsthaftigkeit; mit anderen Worten; Ihnen fehlen die wichtigsten Voraussetzungen um ihre Ausbildung hier zu beenden. Begriffe wie Anstand, Gehorsam und Achtung sind Ihnen völlig fremd und es vergeht kein Tag, an dem Sie nicht das ethische Gedankengut dieser Schule mit Füßen treten."

Der rothaarige Junge vor dem Schreibtisch schrumpfte immer mehr zusammen, während er mit zusammengekniffenen Lippen auf seine Hände starrte und Tofty fühlte eine jähe Aufwallung an Mitgefühl für diesen begabten Jungen, der leider ganz und gar nicht der Norm entsprach.

Verzeihen Sie, Direktor", wandte sich Tofty, eine Atempause Drakewoods nutzend, an den Schulleiter. „Mich persönlich würde sehr interessieren, was der Grund für diese…Entgleisung war."

Drakewood ließ ein lautes Schnauben hören und nickte. „Antworten Sie, Dumbledore, was haben Sie sich dabei gedacht?"

Ich…ich…wollte sicherlich nicht für Unruhe sorgen, es war nur ein…", nuschelte Albus, ehe er wieder verstummte. So gerne er auch Tofty zuliebe den Grund genannte hätte, er konnte es nicht, ohne Vivian in Schwierigkeiten zu bringen.

Sie dachten wohl, dass dies ein besonders gelungener Scherz wäre, der dem Gestrigen die Krone aufsetzen könnte!", brauste Drakewood auf.

Nein, das sollte kein Scherz sein…", versuchte Albus zu erklären, doch Drakewood hörte seinem Erklärungsversuch erst gar nicht zu.

DAS LEBEN UND DIE SCHULE IM BESONDEREN IST ABER KEIN SCHERZ! NICHTS VON ALLEDEM WAS WIR HIER TUN, HAT ETWAS MIT SPAß GEMEINSAM! SIE SIND HIER UM ZU LERNEN; DAMIT AUS IHNEN EIN ANSTÄNDIGER ZAUBERER WERDEN KANN, DOCH VERMUTLICH IST DIES IN IHREM FALL VERGEBLICHE LIEBESMÜHE! SIE SIND UND BLEIBEN EIN VERKOMMENES SUBJEKT!"

Bitte! Es tut mir leid, es war unüberlegt und dumm von mir", sagte Albus leise und blickte hilfesuchend zu Tofty.

Ich denke das Beste wird sein, wenn ich Sie der Schule verweise. Ihre Anwesenheit hier hat in den letzten fünf Jahren genug Unruhe unter ihren Mitschülern hervorgerufen und ist nicht weiter zu verantworten", erklärte Drakewood und zog ein frisches Pergament aus seiner Schreibtischschublade.

Bei allem nötigen Respekt, Direktor", wandte sich nun Tofty an seinen Vorgesetzten. „Doch ich glaube, was unserem jungen Albus hier fehlt, ist ein Vorbild; eine Person an der er sich orientieren kann. Und wenn ich mich nicht täusche, so ist es doch neben unserem Lehrauftrag, ein besonderes Anliegen dieser Schule, dass wir den jungen Menschen hier Halt und Ausrichtung geben. Wenn wir hier versagen, welcher Autorität sollten sich diese jungen, orientierungslosen Menschen dann anschließen, wer leitet sie, wenn nicht wir?"

Tofty hatte sehr leise, doch eindringlich gesprochen und seine Worte verfehlten nicht die beabsichtigte Wirkung. Es war Drakewood deutlich anzusehen, welch inneren Kampf er in diesen Sekunden mit sich selbst ausfocht. Natürlich, einerseits wäre er mehr als erleichtert gewesen, diesen rebellischen Schüler endlich los zu sein, doch wie er insgeheim zugeben müsste, würde es sicher nach Außen den Anschein vermitteln, als hätte hier die Schule, beziehungsweise ihre Lehrkörper versagt; eine Unmöglichkeit, die niemals in Frage käme solange er hier Direktor war.

Nun gut", brummte er nach einer langen Pause des Nachdenkens und zog tief die Luft ein, während er sich in seinen Stuhl zurückfallen ließ und Albus mit einem grimmigen Blick bedachte. „Ich werde Gnade vor Recht walten lassen, doch sei dir gewiss, ein weiterer Fehltritt und du wirst deine Koffer packen."

Albus atmete sichtlich auf und schenkte Tofty einen dankbaren Blick. „Vielen Dank, Sir!"

Schon gut", knurrte Drakewood ohne zu bemerken, dass diese Worte nicht an ihn gerichtet waren. „Denke immer daran, dass dies deine letzte Chance ist und… such dir eine Person, der es sich lohnt nachzueifern."

Das werde ich", versicherte Albus mit einem dankbaren Lächeln zu Tofty.

Haben Sie sich schon Gedanken gemacht, was Sie mit Ihrer Zukunft anfangen wollen… was aus Ihnen später mal werden soll?", fragte der Schulleiter in schwerem Ton und einer Miene der anzusehen war, wie wenig er sich selbst eine Zukunft für den Jungen vorstellen konnte.

Ja, das habe ich, Sir. Ich weiß ganz genau was ich später einmal werden will", entgegnete Dumbledore und blickte dem alten Zauberer fest in die Augen."

Gut, dann fassen Sie dieses Ziel ins Auge und konzentrieren Sie sich fest auf den Weg der bis dahin vor Ihnen liegt. Es liegt allein an Ihnen, ob Sie diesem Ziel nahe kommen."

Albus nickte während er versuchte das aufsteigende Grinsen zu verbergen.

So und nun nimm die Beine in die Hand und verschwinde, ehe ich es mir doch noch anders überlege", seufzte Drakewood und wedelte ungeduldig mit der Hand.

Albus sprang erleichtert vom Stuhl hoch, doch noch ehe er die Tür erreicht hatte, hielt ihn der Schulleiter noch einmal zurück.

Dumbledore!"

Ja, Sir?"

Was wollen Sie später einmal werden?"

Schulleiter! Ich möchte Schulleiter von Hogwarts werden!" Die Augen des jungen Albus Dumbledores funkelten bei diesen Worten und tief in seinem Inneren fühlte es sich wie ein Schwur an, den er in diesem Augenblick ausgesprochen hatte. Drakewood schnappte nach Luft, doch noch ehe er seine Sprache wieder gefunden hatte, war Albus bereits aus dem Büro gestürmt. Er hatte gerade den steinernen Wasserspeier erreicht, als er Drakewoods aufgebrachte Stimme hörte, die etwas von Anmaßung und Respektlosigkeit brüllte.

Ja, irgendwann werde ich Schulleiter sein und dann werden sich hier viele, sehr viele Dinge verändern", sagte er leise und zwinkerte dem Wasserspeier zu, ehe er sich vergnügt auf den Weg zu seiner ersten Unterrichtsstunde begab.

„Haltet mich jetzt bitte nicht für hochtrabend, doch in diesem Augenblick wusste ich, dass dieser Junge irgendwann einmal Schulleiter in Hogwarts werden würde. Ich sah es an dem entschlossenen Glitzern in seinen Augen. Natürlich vergingen noch sehr viele Jahre, bis es soweit war und niemand, unser Freund Albus am wenigsten, ahnte, wie viele Kämpfe und persönliche Tragödien noch vor ihm liegen sollten." Tofty seufzte schwer und ein Ausdruck von Wehmut legte sich über seine runzeligen Züge. „Ja, das Leben ist mit unserem Freund nicht immer sanft umgesprungen, aber vermutlich war das nötig, um aus ihm den großartigen Schulleiter zu machen, der er bis zu seinem Ende war."

„Ja, es war sein Lebenstraum Schulleiter in Hogwarts zu werden", nickte Silas lächelnd. „Und er wurde zu einem Segen für diese Schule und seine Bewohner."

„Es gibt nicht viele Menschen, die einen Lebenstraum haben und noch weniger, die ihn sich irgendwann dann auch erfüllen können", sagte Ammon nachdenklich, ehe er den Kopf schief legte und McGonagall anlächelte. „So still, meine Liebe? Sicherlich können auch Sie uns etwas erzählen, schließlich kannten sie unseren lieben Albus ja auch schon eine ganze Zeit lang."

„Sechzig Jahre um genau zu sein", erklärte Minerva und blickte überrumpelt auf.

„Das ist eine lange Zeit", nickte Ammon und füllte erneut die Gläser, ehe er die leere Flasche zur Seite stellte.

„Ja, allerdings", stimmte Minerva nachdenklich zu. „Doch ich bin keine gute Geschichtenerzählerin, das überlasse ich gerne Ihnen."

„Sehr schade", grinste Silas. „Ich hätte gerne einmal eine neue Geschichte gehört."

„Ich bedauere, doch damit kann ich leider nicht dienen", entgegnete Minerva mit einem leisen Lächeln, das sich plötzlich auf ihrem sonst so strengen Gesicht einstellte.

„Erinnern Sie sich noch an Ihre erste Begegnung mit Albus?", fragte Tofty und Minerva hatte den leisen Verdacht, dass er sehr wohl wusste, wie diese Begegnung ausgesehen hatte.

„Oh ja, natürlich", stöhnte sie kurz auf und verzog peinlich berührt das Gesicht.

„Bitte erzählen Sie uns davon", sagte Silas, während er ihr mit einem charmanten Lächeln zuprostete.

„Wenn Sie meinen", seufzte Minerva ergeben und nippte gedankenverloren an ihrem Glas.

„Es war mein erster Unterrichtstag in Hogwarts; ich war elf Jahre alt und entsetzlich aufgeregt. Unsere erste Stunde hatten wir im dritten Stock bei Professor Salvandy und zwei Mädchen aus höheren Jahrgängen hatten uns beim Frühstück erzählt, dass dieser Lehrer sehr streng war und großen Wert auf Pünktlichkeit legte.

Tja und so beeilten wir Erstklässer uns, um möglichst schnell nach oben zu kommen. Wir hatten das Klassenzimmer gerade erreicht, als ich mit Entsetzen feststellen musste, dass ich in der Aufregung meine Schultasche in der Großen Halle stehen gelassen hatte. Ich rannte also zurück und holte sie."

Über das Gesicht der strengen Lehrerin huschte ein melancholisches Lächeln, während sich die vertrauten Erinnerungen vor ihren inneren Augen zu Bildern formten …

Mist, Mist, Mist! Wie kannst du nur so schusslig sein", zeterte die elfjährige Minerva mit sich selbst, während sie atemlos die Treppen nach oben hastete. „Jetzt fehlt nur noch, dass du auch dein Buch im Schlafsaal vergessen hast."

Ohne das Tempo zu verlangsamen, riss sie die Büchertasche von der Schulter, um den Inhalt zu überprüfen. „Merlin sei Dank, das Buch ist da! Federn und Pergament auch! Tinte? Wo ist das Tintenfass? Ich hab es doch ganz sicher hineingesteckt."

Verzweifelt zog sie die Bücher aus der Tasche, klemmte sie sich unter den Arm und suchte in den tieferen Regionen ihrer Tasche nach dem vermissten Tintenfass.

Puh, da ist es!", stöhnte sie erleichtert auf, als ihr linker Fuß plötzlich in der Stufe, die sie in diesen Moment betreten hatte, versank.

Oh! Nein!"

Minerva verlor das Gleichgewicht, ruderte mit den Armen und versuchte sich am Treppengeländer festzuklammern. Es dauerte jedoch einige verhängnisvolle Momente bis es ihr gelang, dort wieder Halt zu finden. Panisch musste sie zusehen, wie sich der Inhalt ihrer Tasche entleerte und zusammen mit den Büchern in einem hohen Bogen über das Geländer nach unten flog und polternd aufschlug.

Hoppla!", erklang eine überraschte Stimme von dort, wohin sich ihre Schulutensilien gerade verflüchtigten.

Mit Entsetzen musste Minerva zusehen, wie die Bücher einem hoch gewachsenen Zauberer in smaragdgrüner Robe auf den Kopf fielen, ehe er mit einer kaum wahrnehmbaren Bewegung seines Zauberstabs einen Regenschirm heraufbeschwor, um sich so von dem übrigen Gegenständen zu schützen. Fassungslos starrte sie über das Geländer nach unten auf den ihr unbekannten Mann mit dem rosafarbenen Regenschirm in der Hand, der in diesem Augenblick den Kopf hob und zu ihr nach oben blickte.

Zukünftig ein bisschen vorsichtiger, junge Dame!"

Minervas Entsetzen steigerte sich in bis dahin nie gekannte Dimensionen – der Mann lächelte sie freundlich an.

Unfähig etwas zu sagen und mit einem Fuß noch immer in der Stufe gefangen, sah sie zu, wie der Zauberer den Regenschirm zusammenklappte und verschwinden ließ, ehe er mit langsamen Schritten zu ihr nach oben kam.

Eine Trickstufe", erklärte er schmunzelnd, während er ihr freundlich die Hand entgegenstreckte.

Eine…was?", stotterte Minerva ohne die dargebotene Hand zu ergreifen.

Die Stufe auf die du eben getreten bist, bezeichnet man hier als Trickstufe und es ist zu empfehlen, diese einfach zu überspringen."

Ohh", hauchte sie mit verzweifeltem Blick, der von ihrem eingeklemmten Fuß zu den verloren gegangenen Schulsachen und schließlich zu diesem fremden Zauberer wanderte.

Ich gehe doch nicht fehl in der Annahme, dass du hier nicht bis zum Mittagessen ausharren möchtest", zwinkerte er verschmitzt und bot ihr noch einmal seine Hand an und diesmal griff sie hastig zu.

Mit einem Ruck zog er sie aus der Stufe, behielt aber ihre Hand in der seinigen. „Du bist Minerva McGonagall, wenn ich mich nicht täusche", sagte er und beobachtete sichtlich amüsiert ihre Verlegenheit.

Minerva nickte zaghaft und besah sich den Mann genauer und plötzlich fiel es ihr wie Schuppen von den Augen. Sie hatte ihn bereits am Abend zuvor am Lehrertisch gesehen. Dieser Mann mit dem langen kastanienbraunen Haaren und den noch längerem Bart war kein anderer, als Albus Dumbledore, ihr Lehrer in Verwandlung und gleichzeitig Hauslehrer von Gryffindor. Ihr Atem ging stoßweise, während sie sich noch immer am Geländer festklammerte und hart gegen die aufsteigenden Tränen ankämpfte.

´Jetzt ist alles aus, jetzt muss alles aus sein, noch bevor es richtig begonnen hat. Niemand wirft seinen Lehrer einen Stapel Bücher an den Kopf ohne dass…´ Minervas Gedanken versiegten, sie war nicht fähig diesen schrecklichen Gedanken weiter zu führen.

Na komm, Minerva! Ich denke, du solltest dich beeilen, zum Unterricht zu kommen", sagte Dumbledore ruhig und zog erneut seinen Zauberstab.

Mit dem Bewusstsein, was nun unweigerlich folgen musste kniff Minerva die Augen zusammen, doch die erwartete Bestrafung blieb aus.

Halte doch bitte mal deine Tasche auf", hörte sie Dumbledore sagen und riss erschrocken die Augen wieder auf.

Na ich denke, du solltest nicht ohne deine Schulsachen bei Professor Salvandy erscheinen", schmunzelte ihr Hauslehrer und ehe sie sich versah, schwebten ihre Bücher zu ihr empor.

Mit einer hastigen Bewegung riss sie die Tasche auf und beobachtete fasziniert, wie sich ein Buch nach dem anderen ordentlich in ihre Tasche legte. Es folgten Pergament, Federn und diverse andere Utensilien, bis schließlich auch das Tintenfass heranschwebte. Dumbledore fing es in der Luft auf und betrachtete es kritisch. Das Glas hatte durch den Aufprall einen Sprung bekommen, durch welchen nun ein feines Rinnsal an Tinte nach außen drang und sich in dicken Tropfen auf der Treppe verteilte. Seufzend zog Minerva ein Taschentuch aus der Tasche ihrer Robe, als Dumbledore lächelnd mit seinem Zauberstab das Glas berührte. Noch ehe Minerva blinzeln konnte, hatte sich der Riss geschlossen und für Dumbledore bedurfte es nur eines kleinen Schlenkers des Zauberstabs und auch die Verunreinigungen durch die Tinte waren beseitigt.

Vielen Dank", hauchte sie und blickte mit einer Mischung aus Dankbarkeit und Ehrfurcht zu ihm auf.

Gern geschehen!", nickte Dumbledore und zwinkerte ihr verschwörerisch zu.

Nun aber hurtig!"

„Es war ein denkwürdiges Zusammentreffen", seufzte Minerva McGonagall, während sie sich heimlich eine Träne aus dem Augenwinkel wischte, „und ich erinnere mich noch genauso gut an den Tag, als ich viele Jahre später als Lehrerin an die Schule zurückkehrte. Es war eine Ironie des Schicksals, dass wir uns genau auf jener bedeutungsvollen Treppe wieder trafen. Ich war so nervös wie damals, an meinem ersten Schultag. Mit einem Stapel Bücher unter dem Arm kam ich die Treppe nach unten, als Albus mir begegnete und von ihm ein heiteres „Hoppla" erklang. Ich war so erschrocken darüber, dass ich um ein Haar noch einmal in diese Trickstufe getreten wäre. Selbstverständlich tat ich es nicht und dieses Mal behielt ich die Bücher auch fest im Arm, doch Albus hatte bereits einen bonbonrosafarbenen Regenschirm in der Hand und grinste mich an.

Ich wollte nur Vorsorgen treffen", lachte er und zwinkerte mir wie damals zu. „Hin und wieder regnet es genau an dieser Stelle Bücher."

„In diesen Augenblick wusste ich nicht, ob ich lachen oder ihn verhexen sollte, doch als er meine Hand ergriff und mich glücklich lächelnd ansah, wusste ich, dass dies der Beginn einer wunderbaren Freundschaft wurde", seufzte Minerva.

Die vier alten Männer um sie herum lachten und Minerva McGonagall konnte nicht anders, als mit einzustimmen. Unerwartet war dieser staubige und unwirtliche Raum erfüllt von einer ganz eigenen Magie, wie sie nur ein Albus Dumbledore zu seinen Lebzeiten heraufbeschwören hatte können und tief in Minervas Herzen machte sich ein warmes, glückliches Gefühl breit, welches für den Augenblick Schmerz, Trauer und all die düsteren Gedanken an die Zukunft vertrieb.

Und plötzlich glaubte sie eine leise Stimme zu hören, die ihr zuflüsterte:

„Glaubst du, die Toten, die wir lieben verlassen uns je ganz? Glaubst du, es ist ein Zufall, dass wir uns in Zeiten der größten Not am deutlichsten an sie erinnern? Er lebt in unser weiter und zeigt sich am deutlichsten, wenn wir ganz fest an ihn denken."

Es war sehr spät am Abend als sich Minerva McGonagall auf den Weg zurück nach Hogwarts machte. Mit einem leisen Lächeln gedachte sie noch einmal der vielen Geschichten aus Albus Leben, die sie an diesem Tag gehört hatte. Sie hatte Hogsmead schon lange hinter sich gelassen, als ihr noch einmal die Worte in den Sinn kamen, mit denen Albus vor einigen Jahren seine Schüler in Hogwarts begrüßt hatte: „Schwachkopf! Schwabbelspeck! Krimskrams! Quiek! Danke sehr!" Und nicht weniger deutlich erinnerte sie sich noch des beklemmenden Gefühls, welches sich dabei in ihrer Brust breit gemacht hatte. Sie blickte in die erschrockenen und verstörten Gesichter der Erstklässer und wusste, dass sie Dumbledore vermutlich für verrückt hielten.

„Oh Albus, du verrückter alter Narr!", lachte sie während ihr gleichzeitig Tränen die Wangen hinab rannen, doch diesmal ließ sie ihnen ungehindert ihren Lauf. „Von all den Menschen, die mir bisher in meinem Leben begegnet sind, gab es keinen, der wie du Genialität und Verrücktheit so wundervoll in sich vereinigen konnte."

Sie hatte das weiße Grabmal am See erreicht und legte nun mit einem schweren Seufzen ihre Hand auf den kühlen, weißen Marmor.

„Albus Percival Wulfric Brian Dumbledore, mein treuer, aufopferungsvoller Freund, mein Mentor, mein weiser Ratgeber; unser aller Fels in der Brandung und…." Minerva atmete tief ein, während ihre Finger zärtlich über den glatten Stein strichen. „…du warst und bist so viel mehr, doch mir fehlen die Worte um dies alles zu beschreiben."

Für einen winzigen Moment wollte sie noch erklären, dass sie ihn vermisste, doch sie zog überrascht die Hand zurück, als ihr bewusst wurde, dass es in diesem Augenblick nicht stimmte. Sie vermisste ihn nicht, weil er noch immer bei ihr war. Er lebte weiter, in den Erinnerungen und in den Gedanken der Menschen. Sie hatten ihn nicht wirklich verloren…

Die Toten, die wir lieben, verlassen uns nie ganz!

Ende