Ihre Bleibe lag in der Innenstadt, und es sah House ähnlich, dass er durch den nächtlichen Verkehr halsbrecherisch auf den ständig wechselnden Mittelspuren schwenkte, der in New York nie stillzustehen schien. Chase klammerte sich an ihn; Wagen sausten rücksichtslos eng an ihnen vorbei und rissen ihn einmal fast vom Sitz.
Obzwar er schon lange in den USA lebte und New York im Vergleich zu anderen Staaten nur ein Katzensprung entfernt war, hatte es ihn noch nie nach Manhattan gezogen. Wenn er ehrlich war, waren ihm die allgemeinen Lobeshymnen auf das nie schlummernde New York unverständlich.
Der Krach und die Hektik hätten ihm auf Dauer geschadet. Melbourne war kein Dorf, aber an dieser kreischenden, lärmenden Kulisse konnte es sich nicht messen.
Allerdings – für zwei Tage hatte es durchaus seinen Reiz. Leuchtreklame, Gebäude und Straßen, die er von Postkarten oder Bildbänden her kannte wie den Times Square, flossen in grell zuckenden Lichtblitzen an ihnen vorbei.
Zielstrebig lenkte House die Honda hinter das Hotel Four Seasons in der East 57th Street und parkte.
„Sind Sie noch da? Die Leute rasen wie die Irren in dieser Stadt. Da wird einem schmerzlich bewusst, dass man nur ein Landei ist."
Chase staunte und nahm House' Arm an, ohne weiter darüber nachzudenken, während er an dem Backsteingebäude empor sah, das mit dem Star-Spangled Banner, der kanadischen Flagge und noch zwei weiteren geschmückt war, die er in der Dunkelheit nicht benennen konnte.
„Das ist unser Hotel?"
„Hm. Ich bin auch ein bisschen traurig darüber, dass das Hilton ausgebucht ist. Da hielt John Lennon seine legendäre Bett-Pressekonferenz mit Yoko Ono. Ich hätte Ihnen gerne diese Suite reserviert und ein bisschen Love and Peace mit Ihnen propagiert. Ohne Reporter."
„Oh nein ... nein." Er schluckte und fasste die Tasche um seine Schulter fester, während House sich seinem Tempo anpasste und ihn langsam vorwärts bugsierte. „Das meinte ich nicht. Es ist so ... vornehm. Perfekt. Viel zu teuer."
„Nichts ist zu teuer für Sie, Chase."
Vor Rührung weinte er beinahe. House schnalzte ihm einen Kuss auf die Wange.
„Hey. Heulen Sie nicht, Sie machen mich nicht arm. Geht alles aufs Spesenkonto. Ich habe die Tour als Fortbildungsseminar in Cuddys schlaues Buch eintragen lassen."
Jetzt lachte er doch auf. Es war gemein, aber der Gedanke an das entsetzte Gesicht der sparsamen Klinkverwalterin erheiterte ihn.
Als sie die Eingangshalle betraten, blieb ihm der Mund offen stehen. Sie war komplett aus cremefarben meliertem Marmor, der Boden zeigte ein kompliziertes Sternmuster in dunklerem Braun. Alles blitzte so sehr, dass er beinahe erwartete, sein Spiegelbild in den mächtigen Säulen zu entdecken.
Aufgrund der späten Stunde war der Portier nicht anwesend, und House betätigte die Tischglocke. Soviel zurStadt, die niemals schlief.
Die nachlässig gekleideten Gäste missbilligend beäugend schob sich ein korpulenter, extrem schwitzender Mann hinter die Theke. Unter seinen Achseln glänzte der Stoff seines Anzuges dunkler.
„Sie wünschen, Sir?"
„Dr. House. Wir haben reserviert. Superior-Zimmer für zwei Personen. Ich glaube, Kingsize-Betten gehören zum Standard?"
Die nahezu haarlosen Brauen des Dicken schnellten in die Höhe und die wabbeligen Doppelkinne in Chase' Richtung. „Verzeihen Sie, ich will nicht indiskret erscheinen, aber sind Sie – ist das Ihr...?"
„Mein Sohn", erklärte House, während er das Registrierungsformular ausfüllte; Chase zappelte herum und schenkte dem Mann hinter der Theke ein unsicheres Lächeln. „House Junior. Es hat alles seine Richtigkeit. Und Sie, mein Lieber, sollten zum Arzt gehen. Ihre übermäßige Transpiration hat nicht nur Auswirkungen auf das Wohlergehen der Gäste, sondern auch auf ihr schwer pumpendes Herz. Ändern Sie Ihre Diät und treiben Sie Sport, nicht zu exzessiv, langsam steigern. Und den Sex mit den Nutten einschränken. Den nächsten Ratschlag gibt es nicht mehr für umsonst."
Damit nahm er den Schlüssel entgegen und warf ihn beim Gehen ein paar Mal geschickt in die Luft.
„Einundzwanzigster Stock, Zimmer 1352!" rief der Portier ihnen nach, der vor Verwirrung seine hochgeschlossene Hemdbrust lockerte. Chase grinste. Vor allem, weil House ihn als seinen Sohn ausgegeben hatte, was ihn richtig stolz gemacht hatte. Trotzdem bezog er sich auf den Portier.
„Das war nicht fein, House."
„Die Wahrheit zu sagen und den armen Kerl vorm sicheren Herzinfarkt zu bewahren? Chase! Sie sind kein guter Arzt, wenn Sie sich scheuen, jemanden zu retten, der offensichtlich gesundheitliche Probleme hat. Oder sind Sie angesäuert, weil Sie nicht blutsverwandt sein möchten mit einem Mistkerl wie mir? Ich dachte, es schmeichelt Ihnen. – Oh-oh." Er hielt inne. „Wir werden den Lift nehmen müssen." Daran hatte er nicht gedacht. Zu dumm. Und der unparteiische Liftboy, der Sicherheit vermittelt hätte, lag schon längst in der Falle.
„Ich fahre zuerst und warte auf Sie. Wäre das ein Deal?"
„Das ist lächerlich", murmelte Chase, insgeheim jedoch froh darüber, dass er ihm diesen Vorschlag unterbreitete.
„Entweder machen Sie sich lächerlich – was keiner außer mir erfahren wird -, oder Sie vertrauen mir und wir fahren gemeinsam."
Er wollte vertrauen. Und überraschte House, indem er kurz bevor sich die Tür schloss, durch den Spalt witschte, den House mit dem Gehstock vergrößerte.
„Sind Sie sicher?" fragte er. „Ich kann den Fahrstuhl anhalten wie in der Klinik. Vielleicht tue ich es. Die Versuchung ist groß."
Schweigend lehnte sich Chase gegen die Wand, die Tasche lagerte er zu seinen Füßen. Wie einen Schutzwall. House beobachtete das Pulsieren seiner Halsvene, seinen plötzlich jagenden Atem, den er zu beherrschten suchte. Sein Teint durchblutete sich erst stark, um dann zu erblassen, und er bemerkte einen feinen Schweißfilm auf der Oberlippe. Aus dem Lautsprecher rieselte dezent eine synthetische Instrumentalversion von Smoke gets in your Eyes, so ergötzlich wie benutztes Klopapier. Allein aus diesem Grund hätte er die Treppen vorgezogen. Doch das Zimmer hätte er erst Morgen früh erreicht.
„Ruhig atmen", sagte House, wobei er sich bemühte, nicht zu teilnahmsvoll zu klingen. „Ich bin weit weg von Ihnen."
„Kommen Sie nicht näher", flüsterte Chase, geistig nicht mehr wirklich bei sich. „Bitte."
Die Anzeige über der Tür zeigte die achte Etage an. Es ging viel zu gemächlich für jemanden, der kurz davor war, die Nerven zu verlieren. Und denjenigen, der es mit ansehen musste.
„Ich tue alles, was Sie wollen", entgegnete er begütigend. „Aber jetzt hören Sie mir einen Moment genau zu; um einen Gefallen muss ich Sie bitten. Atmen Sie ruhig, ganz langsam. Sie werden sonst hyperventilieren."
Um ihn bei der Zwerchfellatmung zu unterstützen, müsste er ihn anfassen, und das würde Chase jetzt nicht gestatten. Zwischen dem vierzehnten und fünfzehnten Stock tat Chase etwas gänzlich Unvermutetes, das House erstarren ließ: er drückte auf den Standby-Knopf. Sein Kopf sank ergeben an die Spiegelwand hinter ihm. Der Schweißausbruch ließ sein Haar strähnig wirken, die Augen lagen tief in den Höhlen und verliehen ihm in den ungünstigen Lichtverhältnissen das Aussehen eines Toten. Armer Junge. Dass er sich so quälte, es so schlimm war, mit ihm eine Minute in einer Kabine auszuharren, erschütterte House. Er wollte ihm nicht wehtun, und er hätte es nicht einmal, wenn Chase ihn auf Knien darum angefleht hätte. In nächster Zukunft würde er wohl selbst auf verbale Anspielungen verzichten müssen, mit denen er Chase zu necken pflegte.
„Helfen Sie mir", bat er, kaum verständlich unter Hecheln und Keuchen. „Ich bekomme keine Luft mehr."
„Ich werde Sie berühren müssen", gab House zu bedenken.
„Wenn Sie nur-... House! Ich ersticke ..."
In letzter Minute schob er die Tasche beiseite und fing ihn auf, ehe er an der Wand entlang zu Boden gesackt wäre. Seine Muskeln verhärteten sich, und er fuhr House an die Kehle, in die er sich verbiss.
Einen Augenblick durchfuhr ihn ein Schmerz, der furchtbar und erregend zugleich war. Er ließ ihn gewähren, weil es Chase Sicherheit gab, er ihn so quasi bewegungsunfähig machte. In Panik geratene Menschen waren doch nur Tiere, resümierte er fast amüsiert.
„Ssscht ... Keine Angst. Sie kennen das, Chase. Es tut nicht weh. Ich helfe Ihnen nur. So, wie Sie mir mit meinem Bein helfen. Es ist nichts dabei. Alles okay."
Als er die Hand fest auf Chase' Bauch legte und die andere an seinen Rücken, zuckte der Jüngere zurück und japste. Er schlug mit dem Hinterkopf heftig gegen den Spiegel, wobei er House einen Moment losließ, um dann wieder zuzuschnappen. Ein unbezähmbares Tier. Sein kleiner, verängstigter, ungestümer Wombat.
Behutsam stimulierte er die Tiefenatmung des Anderen und spürte, wie er sich zunehmend entkrampfte. Der Druck an seinem Hals flaute ab, sowie Chase leichter atmen konnte. Wahrscheinlich würde er Hämatome als Andenken davontragen und die nächsten Wochen bis zum Kinn hochgeknöpfte Hemden.
Ernsthaft verletzt hatte er ihn nicht; da er ihn trotz seiner Kopflosigkeit noch erkannte. Das war großes Glück. Während seiner Absenzen war Chase zu allem fähig.
„Es ist besser jetzt, oder? Stehen Sie sicher? Dann gehe ich wieder."
Chase' Stirn traf seine Schulter. „Nein. Bleiben Sie. Ich muss das zulassen."
Trotz der ihn schüttelnden Angst war es gut, hinter der großen Gestalt seines Chefs völlig zu verschwinden. Keiner würde ihn sehen, nicht einmal die Überwachungskamera. Die hoffentlich nicht funktionierte oder eine Attrappe war.
„Und dafür gleich die harte Tour anvisieren. Sie sind ein Buch mit sieben Siegeln. Geben Sie sich doch Zeit."
Er schluchzte auf, als House den Knopf nach oben betätigte, ohne den Körperkontakt zu unterbrechen. Undeutlich sprach er in House' Mantel. „Sie sagten ... ich habe ... keine."
„Um zu vergessen. Nicht um sich wild auf mich zu werfen. Sie verlangen zuviel von sich. Machen Sie kleine Schritte. Vorhin haben Sie meinen Arm akzeptiert, um sich von mir beim Gehen helfen zu lassen. Es ist Ihnen gar nicht aufgefallen, richtig? So möchte ich Sie sehen. Nicht so überhitzt. Wenn es Ihnen gelingt, eine Berührung nicht mehr überzubewerten, sind Sie viel weiter, als wenn Sie mit mir ringen. Verstehen Sie das? Sie haben nicht verloren, weil ich Sie hier nicht nagle. Wenn Sie es möchten, holen wir's irgendwann nach. Aber nicht unter solchen Bedingungen. Falls Sie jetzt exgehen in Ihrer Hysterie, bin ich schuld. Okay, Sie hätten einen schönen Tod, denn ich wäre lieb zu Ihnen, aber ist es das wert?"
Vor Schreck über seine vulgäre Offenheit wurde Chase noch fahler. House küsste seine Nasenspitze, ehe er sich von ihm löste.
„Wir sind da. Und ich bin müde."
Er machte eine aufmunternde Kopfbewegung zum Gang hin. Chase raffte die Tasche hoch und hakte sich bei House unter.
Das vollständig in Marmor gehaltene Bad überwältigte ihn. Er kam sich vor wie die beeindruckte Unschuld vom Land, als er seine Sachen dort ablegte.
Den bronzegerahmten Spiegel mied er, was schwierig war, da er überdimensional über dem Porzellanwaschbecken mit der goldenen Armatur prangte. Doch er wusste, dass er miserabel aussah, dass er abgenommen hatte und nur noch ein Schatten seiner selbst war. Die optische Bestätigung brauchte er nicht.
Ein erstauntes „Oh!" ausstoßend setzte er sich auf den Wannenrand. House trat ein, bereits in Shorts und T-Shirt.
„Ich möchte ein Bad nehmen", rief Chase aufgeregt und drehte schon den Hahn auf. Laut protzigem Hinweis sollte sich die Wanne in einer Minute gefüllt haben. Er schaute auf die Uhr, um zu prüfen, ob man da nicht schwindelte und heiße Luft versprach.
„Es ist spät."
Der Einwand war kein ernstgemeinter.
„Und?"
House hob kapitulierend die Achseln.
„Sie lassen sich nicht davon abbringen, hm? Na schön. Baden wir."
Das wasserfeste, verchromte Wandradio, das er nach exakt sechzig Sekunden aufdrehte, spielte dieselbe entseelte Musik wie im Fahrstuhl. Blue Bayou diesmal. Zum Davonlaufen. Doch er ließ es an, weil es fast besser wirkte als Valium.
Seltsamerweise hatte ein Bad von jeher einen beruhigenden Effekt auf Chase, obwohl er sich damit House nicht weniger auslieferte als in einem stecken bleibenden Lift. Wahrscheinlich hatte es mit dem Ritual des Reinigens zu tun, dass er House' Anwesenheit auf einmal nicht mehr bedrohlich empfand. House erinnerte sich daran, wie er ihn an jenem Tag festgehalten hatte, als er ihm - weinend in der Wanne sitzend – gestanden hatte, ihm das Haus zurückkaufen zu wollen und dabei unbeabsichtigt und blauäugig diese dumme Sache angekurbelt hatte.
Es war ein schrecklicher Moment gewesen, doch Chase verknüpfte damit scheinbar so etwas wie Geborgenheit. Nach der langen Zeit im Dunkeln und des Schmerzes hatte er in einem heißen Bad Erleichterung und in House einen verständnisvollen Freund gefunden. Er schlief beinahe in der Wanne ein.
Im Gegensatz zu Chase, der von einem einlullenden Bad angenehm ermüdet und von Diazepam gefällt neben ihm schlummerte, lag er noch lange wach. Die Höhe des Wolkenkratzers hatte den Vorteil, dass der Lärm der Martinshörner und dem Straßenverkehr nicht mehr zu vernehmen war, aber es war ihm beinahe zu ruhig. Auf der Seite liegend war er Chase zugewandt, der ebenfalls die Seitenlage eingenommen hatte. Als er sich leise seufzend umdrehte, wagte es House, ihm über das Haar hinab über die Wirbelsäule bis zum Kreuz zu streichen. Er fühlte sich so gut, so jung an, dass House erschauderte. Der Tag war aufregend genug gewesen: er wälzte sich zur Fensterfront und versuchte, ein wenig auszuruhen.
oOo
Nach dem ausgiebigen Frühstück, das ihnen aufs Zimmer gebracht wurde, begann House mit der Schönheitspflege. Er schien Stunden das Badezimmer zu besetzen, um es danach als moderner Peter Cushing wieder zu verlassen. Bartlos, im Anzug, streng wirkend mit der markanten Physiognomie und nach Rasierwasser duftend. Obwohl ihn Chase schon einmal so gesehen hatte, war er doch wieder konsterniert von der Metamorphose seines Chefs. Sogar eine ordentlich gebundene Krawatte trug er. Das hatte er an ihm noch nie gesehen. Und einen anderen, noch edleren Zwirn als den Nadelstreifenanzug. Dunkel wie seiner. Dass sie denselben Gedanken gehabt hatten, war fast unheimlich. Oder hatte er seinen gesehen und daraufhin einen ähnlichen gewählt? Wie auch immer, bis auf die Krawatte und das weiße Hemd (Chase trug ein dunkelblaues) glich sich ihr Aufzug beinahe aufs Haar.
„Wow", sagte er und pfiff durch die Zähne. „Sind Sie das, House?"
„Heute ist der große Tag, Chase. Sie sind dran. Wenn Sie Hilfe benötigen, rufen Sie."
„Ich brauche Hilfe", gestand er offen, noch ehe er etwas allein versucht hatte. Schon im Bett hatte er bitter enttäuscht festgestellt, dass seine Beine schmerzten. Aufrecht stehen war eine Tortur.
„Muskelkater", schwächte House lapidar seine Besorgnis ab. „Den werden Sie heute Abend noch stärker spüren. Keine Angst, das ist normal."
Vor dem Spiegel stellte er sich hinter ihn wie schon in seiner Wohnung, um seinem Bartschatten zuleibe zu rücken. Chase schloss die Augen.
„Ich habe Sie eingeschüchtert gestern", murmelte House, während er ihm Kinn und Oberlippe einseifte. Tatsächlich erlebte Chase die Rasur in Kombination mit der etwas rauhen Stimme an seinem Ohr als etwas ungeheuer Sinnliches. Als wäre das eine Art Vorspiel. Vertrauensvoll und ein wenig schwummrig sank er gegen House, was ein Fehler war. Das Zittern, das ihn durchbebte, blieb House nicht verborgen. Er legte den freien Arm quer über Chase' heftig atmende Brust.
„Sie sind immer noch ein Nervenbündel und wollen sich das Gegenteil beweisen. Warum müssen Sie auf Biegen und Brechen darüber hinwegkommen? Es wird Ihnen sowieso nicht gelingen, also können Sie es auch bleiben lassen." Sanft hob er sein Kinn an.
Wollte er eine Antwort? Es schien ihm unklug, da das scharfe Messer eben seinen Kieferbogen schliff. Doch als House die Klinge säuberte, wanderte sein Blick in den Spiegel. House spürte ihn offenbar auf geheimnisvoll telepathische Weise, den er hob die Lider und begegnete ihm im Glas. Es fiel ihm schwer, den durchdringenden Augen standzuhalten, wenngleich der Blickkontakt nicht direkt erfolgte.
„Sie sind grausam. Sie wollen mir keine Chance geben, damit fertigzuwerden. Gefalle ich Ihnen etwa so, wie ich jetzt bin?"
„Ihre Therapie ist es, die mir nicht gefällt. Hören Sie auf mit dem Diazepam. Das wäre ein erster Schritt. Auf den ersten Blick ein kleiner, zugegeben, aber ein großer für Sie. Sie müssten sich Ihren Alpträumen stellen und der Tatsache, dass ich neben Ihnen schlafe. Es würde mich sehr freuen, wenn Sie das schaffen würden."
Allein die Vorstellung war schrecklich. Nicht so sehr die Angst vor House. Er würde das Schlafmittel nicht nehmen, wenn er befürchten müsste, dass der sich unbemerkt an ihm verging. Und wenn überhaupt, dann wäre House derjenige, dem er... zu beschämt, es auszudenken, versandete der Rest seiner Gedanken im Nichts.
Es waren die Träume. So real, dass er jede Nacht nach dem Erlebnis im Lift schreiend aufgewacht war. Und House ihm sogar gewaltsam in Wasser aufgelöstes Diazepam eingeflößt hatte. Allerdings hatte er wohl nicht damit gerechnet, dass Chase sich selbst damit versorgen würde, und zwar mit mehr, als für ihn gut war. Um die Suchtgefahr des Medikaments wusste er, doch es war momentan das Einzige, das half.
„Ich kann nicht aufhören. Sie müssten das doch verstehen ..."
„Mehr als Sie denken. Darum habe ich meinen Vicodinkonsum reduziert. In der Hoffnung, in Ihnen einen strebsamen Nachahmer zu haben. Sie sollen nicht von heute auf morgen auf Ihre Helfer verzichten. Nur sie einschränken, bis Sie das Zeug entbehren können. Mit der Zeit wird das erreichbar sein, weil die Träume weniger werden, weil Anderes in Ihr Leben tritt, das Vorrang hat vor dem, was mit Ihnen geschehen ist, auch wenn Sie es sich jetzt noch nicht vorstellen können ..."
Plötzlich kam ihm eine Erleuchtung, die ihn heiß durchzuckte. Das Rasiermesser ließ er in der Luft hängen.
„Wollen Sie mich sein?"
„Was?" Ungläubig betonte er das Wort, etwas zu stark, um überzeugend zu wirken.
„Sie wissen, wie ich das meine. Junge Leute suchen nach Idolen, und da Chase senior in dieser Hinsicht schmählich versagt hat, haben Sie sich mich ausgesucht."
Chase schnaubte mit einer Geringschätzung, hinter der er seine Emotionen versteckte. Jetzt musste er sich zusammennehmen. Etwas sagen, das ihm wie Blei über die Lippen kam.
„Wer will schon ein misanthropischer Krüppel sein?"
„Sie sind auf dem besten Weg dazu", entlarvte ihn House, das Messer am Handtuch abwischend. Die nächsten Sätze klangen voller Inbrunst, und er drückte ihn sogar nachdrücklich an sich. Ihre Blicke trafen sich jetzt nicht mehr. Er ahnte, weshalb. House war kurz vorm Weinen. Das schockierte ihn mehr als der Sinn seiner Rede.
„Das dürfen Sie nicht, Chase. Sie wissen nicht, was Sie sich damit antun. Was Sie mir damit antun. Ich will kein Abziehbild von mir in der Klinik herumhumpeln sehen, und auch nicht bei mir zuhause. Wenn Sie darauf bestehen, ein seelisches und körperliches Wrack zu sein, müssen Sie fort von mir. Ich brauche Robert Chase, seine Frische, seine Jugend, sein federnder Gang und sein hübsches Gesicht mit dem Strahlelächeln. Keine zweite Ausgabe von mir. Ich habe mit mir selbst schon genug um die Ohren. Wir zerfleischen uns gegenseitig, wenn Sie sich entschließen, mir nachzueifern. Und dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis wir in Depressionen versumpfen und uns um die nächste Morphiuminjektion prügeln. Ich will stolz auf Sie sein, nicht Sie am Leben vorbei hinken sehen. Es mag Ihnen merkwürdig vorkommen, doch ich würde mich als kompletter Versager fühlen, wenn Sie Ihren Willen zu kämpfen aufgäben wie ich es vor langer Zeit getan habe."
Angesichts dieser Eröffnung fiel Chase aus allen Wolken. House reichte ihm das Handtuch, damit er sich eigenhändig vom restlichen Schaum befreien konnte. Nachdem er fertig war, legte House ihm ein frisches um die Schultern.
„Bleiben Sie hier. Ich hole einen Stuhl."
Was gab das jetzt? Verdutzt nahm er mit House' Hilfe auf dem hohen Lederhocker Platz, den der aus dem Barbereich im Wohnzimmer anschleppte.
„Meine Mutter hat mir immer einen Topf aufgesetzt, aber dafür müsste ich jetzt zwanzig Stockwerke in die Küche hinuntersausen. Das ist mir zu anstrengend. Außerdem wäre es ein Verbrechen an Ihnen."
Eine Schere schnippelte in seinem Nacken. House machte sich an seine Haare!
Er drehte sich um. „House!"
Als sei überhaupt nichts dabei, bewegte ihn House an der Schulter in die Ursprungsposition zurück.
„Geradeaus nach vorne sehen und nicht bewegen. Die Klingen sind scharf. Aber keine Sorge, ich kann damit umgehen. Habe schon empfindlichere Dinge als Haare geschnitten, Sie dürfen mir glauben."
„Unter Anästhesie", brummte Chase, den es jedoch wider Willen erfreute, dass House ihm soviel Beachtung schenkte. Beim Schneiden war er vorsichtig, fast bedacht und trotzdem bewundernswert routiniert. In weniger als zehn Minuten verpasste er ihm einen locker fallenden Schnitt.
Mit neuer Frisur sah er noch jünger aus, falls das überhaupt möglich war. Aber nicht mehr so feminin. Er hatte die Haare nicht zu kurz geschnitten, da es ihm um jede Strähne leid tat, die auf dem Boden landete und dem Mülleimer zum Opfer fallen würde. Am liebsten hätte er sie in einem albernen Anflug von Rührseligkeit eingesammelt und mit nach Hause genommen, um sie in einem persönlichen Schrein aufzubewahren.
Lange betrachtete sich Chase im Spiegel. Endlich konnte er hineinsehen. Es war ihm aufgefallen, dass er ihn mied, aus welchem Grund auch immer, obwohl er nach House' Dafürhalten keinen hatte. Wäre er so gutaussehend, würde er vor Aufgeblasenheit nicht mehr gerade gehen können und daher den halben Tag damit beschäftigt sein, sich anzuhimmeln. Gut, dass das Wort Eitelkeit in Chase' Vokabular nicht existierte.
House fragte nicht, wie es ihm gefiel oder ob er zufrieden war. Ihm schien sein Werk perfekt, das war die Hauptsache. Aber auch Chase mochte den Haarschnitt, der ihn lebhafter wirken ließ. House riss ihn aus seiner angenehmen Gedankenlosigkeit, mit der er sein Spiegelbild musterte.
„Wenn Sie sich an sich satt gesehen haben, könnten wir den Tag noch zu einer kleinen Sightseeingtour nutzen. Ich dachte an einen Abstecher nach Greenwich Village. Da wimmelt es nur so von männlichen Frischfleischjägern. Das käme Ihren Überwindungsambitionen doch zugute, oder irre ich mich?"
Bisweilen war er wirklich roh. Chase schüttelte verzagt den Kopf. Zwar war es vermutlich übertrieben, was man sich über das Viertel erzählte, doch er hatte nicht die Courage, sich davon persönlich ein Bild zu machen.
Seinen Zögling imitierend zitterte House mit der Unterlippe, der auf seiner herumnagte und ein kleines Lächeln trotzdem nicht verbeißen konnte. Als Imitator war House unschlagbar. Wie in allem. „Bittebittebitte. Wir geben uns als Paar aus; in meinen Händen ist Ihr bezaubernder Arsch sicher. Und falls uns doch eine böse Tunte angreift halte ich sie Ihnen mit dem Stock vom Leib."
„Ich möchte nicht", sagte Chase. „Wirklich nicht. Und ich gehe nicht, egal was Sie sagen."
Die Scham, als Homosexueller gebrandmarkt zu werden, wäre zu groß, doch das würde sein antireligiöser Chef nicht verstehen. Anders als die Angst in seinen Augen.
House' Blick wurde weicher, verlor jeglichen Spott, als House das kurze Haar zauste und nun doch ein wenig kritisch angesichts seiner Kreation grimassierte.
„Es ist Ihr Tag", lenkte er ein. „Sie bestimmen."
„Ich möchte nichts planen bis auf die Oper. Wir bummeln einfach durch die Straßen und sehen, was auf uns zukommt."
„Der Plan hätte von mir sein können. – Aber bevor es losgeht: ich glaube, ich muss noch mal kurz an Ihr Haar."
Ein paar einzelne Strähnen zurechtstutzend stellte er sich vor ihn. Chase starrte auf sein ungewohnt gebügeltes Hemd, bevor er hinaufsah in die konzentrierte Mimik seines Chefs, und fühlte einen Kloß im Hals.
„House", flüsterte er. „Wenn ich Sie enttäuscht habe – das wollte ich nicht. Sie werden immer ein Vorbild sein. In dem, was Sie für andere tun. Was Sie für mich tun. Und ich will kämpfen. Ihretwegen. Wenn Sie es damals nicht geschafft haben, vielleicht schaffen wir es gemeinsam. Es ist nie zu spät, etwas zu ändern."
„Nein", erwiderte House mit vor Ergriffenheit tiefer Stimme. „Das haben Sie mir gezeigt."
Wie hypnotisiert hob Chase die Hände und löste House' Krawatte. „Sie haben sie verkehrt gebunden", sagte er. Sie war korrekter gebunden als er es gekonnt hätte. House' Atem ging rascher, seiner ebenfalls.
„Ich wusste, dass irgendwas nicht stimmt", flachste House. „ Binden Sie sie mir? Ich lasse mich gern belehren, was Etikette betrifft. Da haben Sie mir einiges voraus, fürchte ich."
Irgendetwas stimmte auch nicht mit Chase. Draufgängerisch schlang er die Krawatte um House' Nacken und zog ihn damit zu sich her, obwohl House angenommen hatte, er wolle sie neu knoten. An Strangulation dachte er hoffentlich nicht. Auf einmal schien ihm das nicht einmal undenkbar. Sein Körper schüttete eine Überdosis Adrenalin aus. Bis man ihn entdecken würde, wäre er vermutlich tot und Chase hinter allen sieben Bergen. Nein, das war absurd. Der Junge bewunderte ihn. Und er war nicht kriminell. Aber unberechenbar, mitunter sogar verstörend irrational.
Halbgeöffnete Lippen trafen fast wild auf seine, bevor seine Finger von der Krawatte ließen, über die Knöpfe des Hemdes flogen und sie flink öffneten.
„Whoa", bremste House. „Hey! Chase ..."
Er drückte das Gesicht an House' nackte Brust. Seine samtweichen Lippen saugten leidenschaftlich an seiner Haut, der Brustwarzenregion, zupften spielerisch an den Haaren.
Es kam so unerwartet, dass er aufstöhnte. Nun war House der Überrumpelte, doch er spielte mit, packte Chase' Haar und zerrte daran, um ihn dann wieder an seine Brust zu pressen.
Er würde ihm nicht in die Augen sehen können, nicht jetzt. Die Angst, die eben noch darin gewohnt hatte, schien wie mit einem Fingerschnippen verpufft. Chase setzte vorsichtig Zunge und Zähne ein, wie um ihn zu provozieren, ihn auf die Spitze zu treiben, und das im wahrsten Sinn des Wortes. Jackett und Hemd zog er ihm nebenher vollständig aus.
Nachdem der erste Aufruhr sich gelegt hatte, wurden seine Liebkosungen sanfter und bedachter, aber gerade darum noch reizvoller für den Älteren, der ihn losließ. Er sollte nicht glauben, dass er ihn zu etwas zwang. Hoffentlich würde er ihn nicht erschrecken oder mit einer unbedachten Äußerung oder Bewegung verletzen. Im Bemühen, sich die Aufwallung nicht anmerken zu lassen, hob er den Kopf und knirschte mit den Zähnen.
Mit fast träumerischer Versunkenheit küsste der Junge den Hals, die Brust und den Bauch. Er ging nicht tiefer, doch das war auch nicht nötig. House starb beinahe vor Wonne. Jetzt schon.
„Großer Gott", keuchte er und wühlte gegen den Strich in dem blonden Schopf. „Sie machen mich wahnsinnig."
Er musste aufpassen. Trotz seiner Ermahnung an sich selbst packte er Chase und zerrte ihn vom Barhocker. Einen Augenblick schwankten sie in einem innigen Aneinanderklammern; House stolperte ein paar Schritte rückwärts und rettete sich auf die weiche Sitzlandschaft im Wohnzimmer, wo er mit Chase niedersank, der auf ihm liegen blieb. Allein die Konstellation war so erregend, dass Chase gar nichts weiter hätte tun müssen. Abwartend verharrte House. Sich treiben zu lassen war neu für ihn. Aber schön.
Kontemplativ bearbeite Chase seinen Kiefer und die Halsvene mit den weichen Lippen und sachten, aber saugenden Bissen, die Hämatome hinterlassen würden, wie um ihn zu markieren. Strich über sein Haar. Aufseufzend schloss House die Augen. Es fiel ihm schwer, die Hände unten zu lassen, und so kreuzte er die Arme nur ganz leicht in Chase' Rücken. Prompt entschlüpfte Chase ein protestierendes Wimmern, und er löste seine Umarmung schnell wieder.
Oh, er marterte ihn, indem er ihm nicht erlaubte, ihn anzufassen!
Die einfühlsamen, an seinen Seiten hinunterfahrenden Hände verbrannten ihn innerlich. Automatisch winkelte er das linke Bein an, um es besitzergreifend um Chase zu schlingen, ihn ganz nahe zu spüren. Diesmal intervenierte er nicht.
Überrascht stieß House die Luft aus den Lungen, als der Jüngere seinen Gürtel löste und die Hose öffnete.
„Sie müssen das nicht tun. Er steht ... Eine ganze Weile schon ..."
Das verhaltene, dunkle Lachen an seiner Kehle auf diese Bemerkung ließ ihn wohlig erzittern. Er meinte, die Welt hörte auf, sich zu drehen. Nur Chase war da, so real, so körperlich, dass er froh war, sich auf das Verbot konzentrieren zu müssen, ihn nicht zu berühren, auch wenn es an Folter grenzte. Sonst hätte er komplett den Verstand ausgeschaltet und Chase mit Haut und Haaren vernascht.
Selig vor Glück rollten seine Augäpfel nach oben, als er die Lider schloss. Im nächsten Moment setzte Chase sich abrupt auf; sein Bein rutschte herab, und er fühlte sich beinahe gestört in seinem Taumel. Und er mochte es nicht, dass Chase sich von ihm physisch distanziert hatte, dessen Stimme ihn ins Hier und Jetzt zurückholte.
„Halten Sie mich."
Der australische Akzent, der ihn so sehr entzückte, war beinahe zuviel, als er ertragen konnte in seiner momentanen Verfassung. Er jagte ihm eine Gänsehaut über den Rücken.
Um seine Mundwinkel spielte ein berauschtes Lächeln. Für Chase hätte er jetzt sogar den Vatikan angefackelt, wenn er ihn darum gebeten hätte.
Er richtete den Oberkörper auf, Chase auf dem Schoß. Als er die Lippen auf die Drosselgrube presste, hielt Chase ihn mit der Hand auf seinem Brustbein zurück.
„Nur halten."
Erschöpft von der Mäßigung seiner Erregung tat er es. Er umfing ihn mit der ganzen Kraft, die er bisher gezügelt hatte. Chase bettete den Kopf an seiner Schulter, beschwichtigte ihn nur mit seiner Anwesenheit. Was ein Paradoxon war. Schließlich war er es, der für Aufregung sorgte, die er nichtsdestoweniger gerne ausgehalten hatte.
Allerdings machte er ihn sofort wieder scharf, indem er die Zähne leicht in den Kapuzenmuskel grub. Fast erschrocken hob House den Kopf.
Chase fing ein verräterisches Schaukeln an; sein Becken kippte vor und wieder zurück, der flache Bauch drängte sich bei jeder Vorwärtsbewegung gegen House.
Er wagte es, die Hände unter Chase' Po zu legen und ihn in seinem beständigen Rhythmus zu unterstützen. Erstaunlicherweise blieb Chase soweit friedlich, abgesehen davon, dass er sich wohl zu Tode schämte, da er die Erregung, in die ihn House' Nähe versetzte, nicht steuern konnte. Schlimmer, er sie selbst heraufbeschworen hatte.
House umfasste den schlanken Nacken, in dem die frisch geschnittenen Haare klebten, und bedeckte ihn mit Küssen. Er fühlte sich ihm plötzlich nicht nur physisch sehr nahe. Und er ahnte, was es ihn gekostet hatte, die Initiative zu ergreifen und sich dennoch gehenzulassen. Was er im Übrigen gut machte.
Am liebsten hätte er aus purer Lust die dezent gebräunte Haut zerkratzt. Stattdessen begnügte er sich damit, den Hals und den Nacken zu streicheln. Zu seinem Leidwesen hatte Chase den Anzug noch an. Andererseits war es Schicksal, dass er sich nicht hatte entkleiden lassen. House hätte sich vergessen. Allein ihm so nahe zu sein, dass sich ihre Düfte, ihre Ausdünstungen vermischten, war aphrodisisch. Und den Gedanken, dass Chase ihn trotz seiner Angst in der Hand hatte, fand er höchst interessant. Stimulierend.
Keine zwei Minuten erlebte er den Genuss, seinen Musterdoktor primitiven Trieben nachgeben zu sehen, wie der es genannt hätte. House fühlte Feuchtigkeit durch die Hosen dringen und konnte nicht sagen, wo sie ihren Ursprung hatte, bei ihm oder Chase. Vielleicht bei ihnen beiden, denn er spürte erneut eine Welle der Erregbarkeit durch sämtliche Muskeln und Sehnen ziehen und drückte Chase' Gesicht hart an seinen Kehlkopf, um nicht aufzubrüllen, als ein wonnevolles Pulsieren seinen gesamten Körper heftig vibrieren ließ, bevor er sich nicht länger zurückhalten konnte. Durch Chase lief ein heftiges Zittern.
Sie kamen beinahe synchron, ohne direkten Hautkontakt. So etwas hatte er noch nie erlebt. Den vollkommenen Sex in Klamotten. Obwohl er wahrhaftig nicht darauf gehofft hatte, mit Chase intim zu werden, war es gut gewesen.
Mit einem gequälten und zugleich erlösten Stöhnen stellte Chase seine geschmeidigen Bewegungen ein.
„Es ist in Ordnung", hörte House sich heiser sagen, als der Junge sich an House festklammerte, lautlos zu weinen begann und etwas murmelte, das wie eine Entschuldigung klang. Tränen der Reue tropften aus seinen Lidern auf House' Nacken und die Schulter. „Sie dürfen Lust empfinden. Auch mit mir. Ich erzähle es niemandem."
