2. Die Auswahl
Sie nahmen am Gryffindor Tisch Platz und schauten sich um. Wie jedes Jahr viele bekannte Gesichter, die der vorigen Siebtklässler fehlten natürlich und die Erstklässler waren noch nicht angekommen.
Der Tisch der Lehrer war noch nicht vollständig besetzt. Direktor Dumbledore hatte bereits Platz genommen, und einige andere, aber Professor McGonagall noch nicht, sie war wohl im Begriff die Erstklässler zu holen, Lupin war ebenfalls noch nicht da, Hagrid kam grad bei der Tür herein, aber Severus Snape fehlte erstaunlicherweise ebenfalls.
Da ertönte ein Rauschen im Saal, die Geister erschienen aus den umliegenden Wänden, und schwebten über ihre Köpfe hinweg. Der fast-kopflose Nick verharrte hinter Nevilles Sitz, bis dieser etwas nervös zur Seite rutschte um dem Hausgeist Platz zu machen.
Da trat McGonagall auf, gefolgt von einer Horde Erstklässler, welche nun ganz verschüchtert vorn standen und darauf warteten, was wohl jetzt passieren würde. Harry konnte sich noch gut an seine Zweifel ob dieser Auswahlzeremonie erinnern, als er selbst vor nunmehr fünf Jahren das erste Mal in Hogwarts war.
Ganz hinten nach den Kleinen, hatten sich Jim, Jules und Claire platziert, sie schienen in einen Streit verwickelt und warfen sich gegenseitig ziemlich böse Blicke zu. Hermine kommentierte: „Ein höchst seltsames Trio, ich war anfangs der Meinung, dass die drei eng befreundet wären, aber jetzt sieht es eher so aus, als wäre das doch nicht der Fall."
Ob sich die drei wohl bewusst waren, dass so mancher Schüler überaus interessiert bzw. verwundert zu ihnen hinübersah? Vor allem die Mädels warfen immer wieder verstohlene Blicke in Richtung der Zwillinge, und Claire wurde ob ihrer Narbe von fast allen angestarrt. Vom Tisch der Slytherin schaute Draco Malfoy betont desinteressiert drein, um dann aber in eher lautem Ton ein „Wie kann man sich nur mit so einer Narbe in die Schule trauen? Also das ist ja wohl wirklich eine Zumutung!" einzuwerfen, was ihm von Crabbe und Goyle ein zustimmendes Grinsen und von Ginny einen wütenden Blick einbrachte.
Albus Dumbledore erhob sich und begrüßte seine Schüler: „Es freut mich sie wieder und sie" er lächelte den verschüchterten Neuen zu „zum ersten aber nicht zum letzten Mal in Hogwarts begrüßen zu dürfen. Ein neues Schuljahr hat begonnen und nun sollt ihr wissen in welchem Haus ihr es verbringen sollt!" Er nahm wieder Platz und Professor McGonagall begann die Namen auf ihrer Liste vorzulesen:
„Andress, Mary", ein kleines blondes Mädchen trat vor und setzte den Hut auf den Kopf „Hufflepuff" verlautbarte der Hut.
„Avory, George" –"Ravenclaw"
"Brown, Beatrice" – "Gryffindor", Harry klatschte mit den anderen Schülern seines Hauses um die Neue an ihrem Tisch zu begrüßen. Und so ging es weiter bis
„Wood, Maxwell" – „Gryffindor!" – Harry sah verblüfft auf den Jungen, der tatsächlich einige Ähnlichkeit mit Oliver Wood zu haben schien.
und zuletzt:
"Zaza, Pete" – Slytherin
Jetzt waren nur noch seine drei Mitreisenden nicht zugeteilt. McGonagall wandte sich an die Schüler: „Ausnahmsweise haben wir heute auch noch die Einteilung von drei neuen älteren Schülern vorzunehmen, die bisher die Schule in Beauxbatons besucht haben.
„Aquila, Claire" – die aufgerufene trat vor, setzte sich auf den Hocker, stülpte den Hut über den Kopf und dann passierte einige Zeit gar nichts, es war bereits verwundertes Gemurmel ringsumher zu vernehmen als der Hut verlautete: „Gryffindor, wenn's denn nun sein muss"
Claire übergab den Hut an „Nero, Jim" und kam süffisant grinsend auf Harry und die anderen Sechstklässler aus Gryffindor zu, „Ist bei euch vielleicht noch ein Plätzchen frei?" Es folgte ein Sesselrücken, da war auch Jim schon bei ihnen, der auch nach Gryffindor geschickt worden war und dann auch Jules, dem es gleich ergangen war.
„Du hast doch wohl den Hut nicht irgendwie beeinflusst?", Harry konnte sich diese Frage an Claire zu richten nicht verkneifen, zu sehr erinnerte ihn das Gehörte an seine eigene Auswahl. „Aber wie könnt ich denn. Wo denkst du hin. Ich hab den Hut doch angefleht mich nach Slytherin zu schicken. Ich wollte doch schon immer mal wissen wie ..., ehem, das lassen wir mal besser. Nein ich bin hocherfreut hier bei euch sein zu dürfen und mich nicht neben Blondlöckchen setzen zu müssen." Dabei sah sie zum Tisch der Slytherins und ihr Ausdruck war eher als ernst zu bezeichnen, als sich ihr Blick für einen kurzen Augenblick mit dem Dracos traf.
Jim und Jules schienen bei ihren Worten einen Hustenanfall bekommen zu haben, Jim konnte aber noch : „Claire erinnere mich, dass ich dich dazu noch was fragen will!" von sich geben.
In diesem Moment ertönte von vorn die Stimme des Hutes erneut:
„Wie jedes Jahr, so hab ich nun,
euch zugeteilt zu eurem Haus,
ich kann jetzt ruhig wieder ruhn,
und hab ein Jährchen wieder Paus.
Doch hört noch kurz mich einmal an
Ich hab euch was zu sagen
Darauf will ich verstummen dann
Und sein lassen das Klagen
Ich sehe Unheil, sehe Schmerz
Ich fühle eure Tränen
Mir wird dabei ganz weh ums Herz
Und euch kostets ein Gähnen?
Seid wachsam sag ich, haltet ein
Schaut ganz genau doch hin
Wer angibt euer Freund zu sein
Ist's wirklich ein Gewinn?
Doch seid ihr sicher, habt gewählt
So haltet fest den einen
Denn hör ich schon die halbe Welt
Recht bitterlich stark weinen
Es kommt ne graue Zeit herauf
Wir sollten sorgsam wachen
Dann können wir vielleicht darauf
Doch wieder fröhlich lachen.
Nun verstummte der Hut und Professor McGonagall ergriff ihn um ihn beiseite zu räumen.
Hermine sah ziemlich besorgt zu Harry, diese Worte klangen wie im Jahr davor doch sehr nach einer wohlüberlegten Mahnung.
Albus Dumbledore erhob sich aufs Neue, die Worte des Hutes scheinbar ignorierend: „ Ich möchte noch Professor Lupin als zurückgekehrten Lehrer für die Verteidigung gegen die dunklen Künste begrüßen, Professor Trelawney und Firenze werden sich heuer die Stunden in Wahrsagen teilen, und Hagrid wird wieder die Pflege magischer Geschöpfe übernehmen. Und jetzt sollten wir doch wirklich mit dem Mahl beginnen!"
Er klatschte in die Hände und die Tische deckten sich wie jedes Jahr wie von selbst und es erschienen die leckersten Sachen, welche die Hauselfen in den Küchen im Keller zubereitet hatten. Es begann nun wieder ein allgemeines Geraune, Hände reckten sich zu den vollen Schüsseln und es begann ein Schmatzen und Tratschen ringsumher.
Harry bemerkte nun erst, wie hungrig er schon war und langte kräftig zu. „Wo is'n eigentlich Snape?", Ron brachte diese Worte mit vollem Mund hervor, „is ja sonst nich seine Art beim Begrüßungsmahl nich da zu sein. Vielleicht unterrichtet er ja heuer nich mehr?" Diese Frage klang äußerst hoffnungsvoll, aber Hermine meinte: „Da würde ich nicht drauf zählen, das hätte Dumbledore wohl auch anfangs erwähnt."
Selbst Harry wollte nicht allzu darauf bauen, dass Snape nicht mehr hier wäre. Gottseidank hatte er bei den Prüfungen Ende des vorigen Schuljahres besser abgeschnitten als sonst in Zaubertränke, und konnte dieses Fach auch heuer belegen, falls er wirklich Auror werden wollte, und er war nach wie vor fest dazu entschlossen, brauchte er dieses Fach ja leider.
Aber er wollte jetzt nicht an den Potionsmaster denken, sondern es sich schmecken lassen.
Nach dem Festmahl erhob sich Dumbledore noch einmal. „Ein neues Schuljahr hat nun begonnen, und wie mittlerweile allgemein bekannt sein dürfte, haben wir besondere Vorkehrungen zu treffen um, zu verhindern dass ihr in Gefahr kommt. Fürs erste sind Besuche in Hogsmead verboten"
Sofort setzte laut hörbare Entrüstung ein. „auf dem Freigelände werden Wachen zusätzlichen Dienst verrichten und ihr dürft das Schloss in der Nacht nie ohne ausdrückliche Erlaubnis verlassen. Und das gilt für alle Schüler hier!" Harry kam es so vor, als ob Dumbledore speziell zu ihm und seinen Freunden herübersah, aber sein Blick glitt scheinbar genauso bewusst über Claire und die Zwillinge. „Aber alles andere Wichtige werdet ihr in den nächsten Tagen erfahren. Ich denke jetzt ist es Zeit in eure Schlafsäle zu gehen."
Hermine und Ron waren bei den ersten, die sich erhoben, um die Erstklässler zu begleiten, „Das Passwort für unsere Tür heißt: Abendwind" raunte Ron Harry noch vorher zu. Auch die anderen erhoben sich und machten sich auf den Weg zu den Schlafsälen. Claire ging genauso drauflos, als wäre sie schon ewig in Hogwarts, wohingegen Jim und Jules ihr eher zögerlich folgten. Es war Neville, der sie darauf ansprach: „Warst du wirklich noch nie hier?" „Nein, war ich nicht, aber Lee hat mir doch alles geschildert. Mal sehen ob ich mich aufgrund seiner Beschreibungen zurecht finde." Und tatsächlich fand sie zielstrebig den Weg zu ihrem Turm.
Im Aufenthaltsraum hielt sich heute fast keiner mehr auf, alle strömten den jeweiligen Weg zu ihrem Schlafsaal zu. Hermine kam auf Claire zu „Ich nehme ja mal an, du schläfst in meinem Zimmer" „Damit rechne ich doch schon" gab diese zurück und hakte sich bei Hermine unter. „Ist wohl schon Zeit sich zurückzuziehen" Sie winkten den Jungs noch kurz zu und stiegen dann die Treppen zu ihrem Zimmer hoch.
Jim und Jules sahen ihnen grinsend nach „Als ob Mylady jetzt schlafen könnte", Jim schüttelte zweifelnd den Kopf, „na ja zeigt ihr uns euren bzw. unseren Schlafsaal", bat er an Ron und Harry gewandt. Und richtig in ihrem Zimmer standen dieses Jahr 7 Betten, wo vorher nur 5 waren. Trotzdem war für den Einzelnen nicht weniger Platz da der Raum magisch vergrößert worden war.
Das Gepäck lag vor ihren Betten, Hedwig schuhute aufgebracht in ihrem Käfig und Harry öffnete ihn und ließ sie zum Fenster hinausfliegen. Sie übernachtete lieber in der Eulerei als in seinem Schlafsaal.
Harry entsann sich Remus' Worten und erkundigte sich bei den Zwillingen: „ Professor Lupin hat gesagt ihr spielt ganz gut Quidditch?"
„So leidlich" antwortete Jim, „Falls ihr noch Mitspieler braucht könnt ihr es ja mit uns versuchen."
Jules wandte ein; „Er will damit sagen, dass wir unheimlich gern mitspielen würden. Bisher waren wir noch jedes Jahr in der Schulmannschaft – und – diese hat auch noch jedes Jahr den Pokal erkämpft." Ein leichter Anflug von Stolz ließ sich ob dieser Worte nicht leugnen.
„Das ist aber leider nicht bloß unser Verdienst."
„Hab ich ja auch nicht behauptet, aber zumindest haben wir die Spiele nicht versaut." Jules schaute seinen Bruder verärgert an. „Ihr werdet euch sowieso selbst ein Bild machen."
„Uaaahh," vom anderen Ende des Raumes erklang Deans lautes Gähnen: „also heute werdet ihr ja wohl nicht mehr spielen, ich für meinen Teil wär dazu auch zu müde. Das heißt wohl Katzenwäsche und ab ins Bett."
„Ich schließ mich an", Neville fielen sowieso schon fast die Augen von allein zu. Er hatte Jim oder Jules noch einige Fragen stellen wollen, aber dafür war wohl auch am nächsten Tag noch Zeit.
Seamus, Jim und Jules taten es ihnen gleich und gingen in die angrenzenden Waschräume. Ron hielt Harry zurück: !"Was hältst du von den drei Neuen?" „Ich weiß nicht so recht. Aber es scheint auf jeden Fall ein interessantes Schuljahr zu werden. Remus Lupin als Lehrer für die Verteidigung gegen die dunklen Künste. Ich darf wieder Quidditch spielen, drei neue Schüler und - uaaah - du verzeihst für alles andere ist wohl wirklich morgen auch noch Zeit." „OK, ich schließe mich der Mehrheit an. Ich werde bloß das Gefühl nicht los, die Zwillinge zu kennen – irgendwie kommen sie mir einfach bekannt vor!?" Ron und Harry beeilten sich um selbst auch in die Betten zu gelangen. Davor warf Harry noch einen Blick aus dem Fenster, war da nicht eben etwas vorbeigeflogen, es hatte den Anschein gehabt als wäre jemand auf dem Besen draußen in der Nacht.
Da spürte er eine Hand auf seiner Schulter, und Jules sprach zu ihm „Denk dir nichts dabei. Du bist nicht die einzige Person hier, die gerne fliegt."
„Aber ich fliege im Normalfall tagsüber. Du weißt wer das da draußen gewesen ist?"
„Nein das hab ich nicht gemeint. Da musst du mich wohl falsch verstanden haben. Sicher jemand vom zusätzlichen Wachpersonal." Jules wandte sich ab und ohne sich noch einmal umzudrehen, schlüpfte er unter seine Decke.
„Ich hatte wohl recht mit meiner Vermutung?" raunte Jim seinem Bruder noch zu, dann wurde es endlich ruhig und auch Harry legte sich in sein Bett, glücklich wieder in Hogwarts zu sein und neugierig auf das kommende Schuljahr.
