II. Sirius

Es war die dritte Woche in der das Schweigen zwischen ihnen anhielt. Und noch immer konnte Sirius den Grund dafür nicht verstehen. Sein Streich hatte niemanden verletzt, sondern das bewirkt was er haben wollte. Severus Gesicht war einfach köstlich als er den Werwolf erblickt hatte und noch so manches Mal konnte Sirius sich sein Gesicht dabei vorstellen. Oh, er hätte er dies doch nur irgendwie festgehalten. Sicherlich würde seine Erinnerung irgendwann blasser werden, aber für den Moment konnte er den Schrecken welchen den Slytherin erfasst hatte, regelrecht fassen. Wahrlich einer seiner besten Scherze.

Und so konnte er es einfach nicht verstehen, warum keiner der anderen Marauder das ebenso sah. Kopfschüttelnd hatte er seine Freunde am Bett von Remus stehen sehen, als dieser nach seiner Rückverwandlung zu schwach war um sich allein aufzurichten. Doch die Augen des Schülers hatten Bände gesprochen. Hart blickte das Bernstein ihn an, so wie es noch nie der Fall gewesen war und der Black war einen Schritt zurückgewichen. Er kannte seinen Freund wütend, weil er ihm die Hausaufgaben geklaut hatte oder andauernd Dinge nachfragte die er eigentlich wissen müsste, doch so hatte er ihn noch nie erlebt. Hätte er die Kraft für Worte gefunden, wären sie vermutlich nie so hart gewesen wie der Ausdruck in Remus Augen. Auch schienen die restlichen Marauder weniger begeistert von seinem Scherz und James hielt ihm eine gehörige Standpauke, während Peter nur nickend neben ihm stand, ab und zu ein paar Wörter einwarf. Wütend hatte der Animagus versucht sich zu verteidigen, seinen Freunden klar zu machen das für Severus nie eine Gefahr bestanden hatte. Er hasste den Schüler zwar, aber er war kein Mörder, wie es sie in seiner Familiengeschichte zu hauf gab und das seine Freunde glaubten er könne mit leichtem Gewissen jemanden das Leben nehmen, kränkte ihn fast noch mehr. Den Tag nach Vollmond hatte er mit keinem seiner Freunde ein Wort gewechselt, so unverstanden hatte sich der Black gefühlt. Es war ein verdammter Scherz gewesen, warum verstand das keiner. Auch Dumbledore schien nicht geneigt den Worten des Animagus irgendwelches Gewicht zukommen zu lassen und so hatte sich der Gryffindor zähneknirschend dem Nachsitzen ergeben. Den Aufsatz über moralisch richtiges Handeln musste er noch immer abgeben, aber so wirklich wollte ihm nichts dazu einfallen. Eine Entschuldigung fehlte ebenso. Er hatte versucht sich bei Moony für die Tatsache zu entschuldigen, das Severus mit ansehen musste, wie sich der Schüler zurückverwandelte, doch hatte der Black nicht damit gerechnet das dies so schnell geschehen würde. Die Identität von Remus sollte gewahrt werden und in den Augen des Animagus war dies der einzige Fehler den er begangen hatte.

Einige Male hatte Sirius versucht sich so etwas wie eine Entschuldigung abzuringen, doch musste man ihm angesehen haben, das er seinen Scherz noch immer für eine große Nummer hielt. Und dies war sie auch. Snivellus beäugte die Marauder nun mit noch mehr Angst als zuvor und dies war wenigsten für den Black ein Gewinn.

Remus aber hatte ihn immer mit einem bitteren Kommentar oder Blick abgewiesen und selbst die Zettel, welche sie sonst während des Unterrichts austauschten, blieben unbeantwortet oder wurden demonstrativ vor seinen Augen verbrannt. Ein Rückschlag den der Animagus nur schwer verkraften konnte und immer wieder versuchte er sein Glück, bis er es am Ende der ersten Woche einfach aufgab. Wütend hatte er Remus angefahren und ihn lauthals seine Meinung gesagt. Das dies nichts an ihrem Verhältnis ändern würde, hätte dem Black von vorneherein klar sein müssen, aber so konnte er sich wenigsten ein reines Gewissen einreden. Er hatte es versucht und es war nicht seine Schuld wenn der Andere nicht auf ihn hören wollte.

Erneut blickte er auf das leere Bett des vierten Marauders. Seit drei Wochen war dies nun schon leer, wann immer die anderen sich aus ihren Matratzen erhoben. Immer wieder musste Sirius seinen Kopf darüber schütteln. Sein Freund war schon immer derjenige gewesen der den Dingen aus den Weg ging und er wusste auch das er gegen den Black nicht ankommen würde. Also versteckte er sich vor ihnen. Fast hätte Sirius ihn als feige beschimpft, hielt aber den Mund, wollte er den Frieden mit James und Peter doch nicht wieder zerstören. Nur vage hatten sich die drei wieder zusammengefunden, dennoch war noch immer ein Keil zwischen ihnen. Unbeschwert wie vor dem Scherz konnten sie noch immer nicht miteinander umgehen, aber langsam schien sich Normalität einzufinden. Mit einem Wink seines Zauberstabes hatte Sirius schließlich die Papiere von Peter durcheinander gebracht und ihm lachend zugerufen, das er ihm ein Platz beim Frühstück freihalten würde.

Er hatte nicht damit gerechnet das James den kleinsten Marauder bei dem Durcheinander helfen würde und so hatten die drei schließlich zusammen zur Großen Halle gefunden. Prongs hatte ihm mit einem Fallzauber den kühlen Steinboden küssen lassen, was wohl als Rache für Peter galt und mit einem Lachen hatte der Black diese Strafe akzeptiert, wusste er doch das dies eines ihrer ältesten Spiele war.

Lachend betraten sie die Große Halle und der Geruch von frisch gebackenen Brötchen und aufgebrühten Kaffee stieg ihnen in die Nase. Oh, er mochte das Frühstück in Hogwarts. Das war mitunter ein guter Grund überhaupt um diese unwirtliche Zeit aufzustehen. Nicht der Unterricht, nein. Den hätte er auch lieber nur Nachmittags gehabt, aber das Essen war einfach unschlagbar. Selbst das abweisende Gesicht von Remus konnte ihn nicht davon abbringen dies zu genießen. Der Black wählte einige Plätze entfernt von dem Werwolf, welchem er nur einem kurzen Blick zuwarf. Er vermisste seinen Freund schon, doch hatte er sein Bestes getan um das Band zwischen ihnen wieder herzustellen. Es war kein leichtes einen guten Gesprächspartner zu finden, wie es Monny einer war und langsam glaubte Sirius innerlich zu bersten, soviel lag ihm auf dem Herzen. Keines der Mädchen, welche er in den letzten drei Wochen getroffen hatte, schien auch nur annähernd ein Verständnis für die Welt zu haben wie es Remus besaß. Er war mitunter der Einzige gewesen, dem er erzählt hatte wie nah ihm die Trennung mit seiner Familie ging. Auch wenn James das gesamte Drama weitaus näher mitbekommen hatte als der Werwolf, so war es Remus gewesen der ihm eine größere Stütze war als jeder andere. Er vermisste die vertrauten Gespräche bei Nacht, wenn die anderen Marauder längst schliefen und es soviel einfacher war von seinen Ängsten und Befürchtungen zu reden, wenn die Dunkelheit sie einfach in sich aufnahm. Seit drei Wochen herrschte nun aber eisiges Schweigen und Sirius musste sich wohl damit abfinden, seine Gefühle für sich zu behalten.

Mit Hunger griff er nach einem der Brötchen und füllte sich gleichzeitig die Tasse mit schwarzen Kaffee. Ein Elixier mit dem er nicht über den morgendlichen Unterricht hinwegkommen würde. Eine zarte Hand legte sich auf die seine und der Animagus blickte auf. Seine grauen Augen schauten geradewegs auf das Gryffindormädchen, mit dem er sich letzten Mittwoch getroffen hatte. Krampfhaft versuchte er sich an ihren Namen zu erinnern, kam aber nur soweit das er wohl mit einem S begann. Es hatte weich auf seinen Lippen geklungen, ebenso wie ihre Küsse. Dennoch wollte ihm nicht mehr zu ihr einfallen. Die langen dunklen Haare waren für diese Uhrzeit einfach zu gut frisiert und schon öfter hatte sich der Black gefragt wie früh sie aufstanden um dies zustande zu bringen. Ein Lächeln war auf ihren Lippen zu sehen und Sirius konnte nicht anders als dies zu erwidern.

„Du hast auf meine Eule nicht geantwortet." sprach sie nun mit leicht beleidigter Stimme und der Gryffindor erinnerte sich wieder warum er dies getan hatte. Zu hoch und eindeutig zu schrill war das Organ des sonst so bezaubernden Mädchens. Kein Wunder das er sich nicht lange mir ihr unterhalten hatte, sondern zum wichtigeren Teil übergegangen war. Leicht hoben sich die Schultern des Animagus als er eine Erklärung formulierte, die mit viel Schulstress und Qudditischtrainign zu tun hatte.

„Aber ich hatte dir doch gesagt, das ich dir gern bei deinen Aufsätzen helfe." erhob die Dunkelhaarige Einwand und schüttelte fast bedauernd den Kopf, als wäre ihr plötzlich aufgefallen das nur mit ihr gespielt wurde. Erneut wollte er zu einer Erwiderung ansetzen, kam aber nicht mehr dazu, waren doch schon die Tränen in den dunklen Augen auszumachen. Doch ehe Sirius den gesamten Schwall sehen konnte, welcher wohl die nächsten Stunden aus ihr hervor kommen würden, wandte sich die Schülerin an und rannte aus der Großen Halle. Nur kurz blickte der Black ihr nach, ehe er erneut die Schultern hob und sich mit neuem Elan über sein Frühstück hermachte. Er hatte genügend andere weiblichen Bekanntschaften die ihm dabei helfen würde, seine Hausaufgaben zu erledigen. Seit dem er nicht mehr mit der Hilfe von Monny rechnen konnte, musste er sich eben anderweitig helfen. Den Kommentar von Remus überhörte er gekonnt und auch den giftigen Spruch von Lily konnte ihn nicht aus der Ruhe bringen. James klopfte ihn sachte auf die Schulter, versuchte aber nicht allzu laut zu lachen, als er bemerkte das die Rothaarige nicht ganz so begeistert von dieser Aktion war. Noch immer schien Prongs es nicht aufgeben zu wollen, etwas mit der Schülerin anzufangen und immer dann wenn einer der beiden Freunde glaubte es würde klappen, schien Evans es sich doch anders zu überlegen. Sirius glaubte nicht wirklich daran das sein Freund irgendwann Erfolg haben würde, unterstützte ihn aber bei jedem neuen Versuch ihr Herz zu gewinnen.

Mit noch immer heiterer Stimmung hatte er sich schließlich von Prongs verabschiedet und sich zu den ersten Stunden des Tages aufgemacht. Zaubertränke stand auf den Plan und noch immer vermochte Sirius nicht wirklich den Sinn darin zu verstehen. Sollte er einmal ein Trank gebrauchen, würde er ihn sicherlich nicht selbst herstellen, sondern jemand dafür bezahlen es für ihn zu tun. Und dennoch verlangte man eine einigermaßen gute Note in diesem Fach um als Auror in Ausbildung zu gehen. Also quälte sich der Animagus durch diese Stunden und hatte wenigsten noch eine Freude darin gefunden als er noch mit Remus sprach. Doch nun schien es nur Strafe zu sein und die Tatsache das er den Werwolf als festen Partner für diese Stunden hatte, schien ihn auch nicht fröhlicher zu stimmen.

Mit einem Seufzer ließ er sich neben den stummen Werwolf nieder, welcher vermutlich erneut kein Wort sagen würde. Wie die letzten drei Wochen auch schon.
„Nun, sind wir auch gut vorbereitet? Eine weitere Stunde voller schweigender Kommentare. Ich kann es kaum erwarten." meinte er fast etwas zu höhnisch und konnte den Sarkasmus aus seiner Stimme nicht entfernen. Die letzten Wochen hatte sich der Animagus auf keine der Stunden vorbereitet, wusste er doch das Remus nicht die Absicht hatte durch diesen Kurs zu fallen und ihn von allen möglichen Fehlern abhalten würde. Er war seine Versicherung und auch selbst wenn er ihm in Moment hasste, es gab eine Note für den einen Trank den sie zusammen brauten und wenn Sirius diesen verpfuschen sollte, würde der Werwolf ebenso durch den Kurs fallen.

Müde verschränkte er die Arme hinter den Kopf und blickte auf den Trank den sie an diesem Tag zusammenstellen sollten.
„Euphorie-Trank." murmelte er schließlich und blickte nachdenklich auf die Tafel. „Ich wusste gar nicht das es so etwas gibt. Meinst du, er würde deine Zunge etwas lockern?" fragend blickte er zu dem Werwolf, welcher scheinbar immer noch dabei war ihn zu ignorieren. „Gut tun, würde es dir ja." Mit geschwungener Schrift begann Sirius sich die Zutaten auf ein Pergament zu schreiben, damit er später nicht immer wieder zur Tafel blicken musste. Sicherlich würde er dies nicht brauchen, da Remus die Tränke immer zu bereitet, aber so konnte er wenigsten sagen, das er irgendetwas getan hatte.

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tbc