2. Wonderfull World - Sam Cook

Der Spätnachmittag war heiß, die Sonne brannte vom Himmel. Schon lange hatten Lewis und Hathaway ihre Jacketts ausgezogen und sich über die Unterarme gelegt. Der jüngere Mann hatte die Ärmel seines hellblauen Hemdes hochgekrempelt und noch einen Knopf geöffnet, wohingegen sein älterer Kollege gerade einmal die Krawatte gelockert hatte.

Anne ging zwischen ihnen und lauschte begierig den Erklärungen der beiden Männer. Die drei hatte alle wichtigen Sehenswürdigkeiten abgeklappert und sie hatten ihrer Begleitung auch so manchen Geheimtipp gezeigt, der in keinem Reiseführer stand. Sie hatten….

Hinter sich gebracht…besichtigt, bei…vorbeigesehen und einen Besuch abgestattet.

Es war ein ausgelassener Nachmittag, Anne war amüsant, eine außerordentlich charmante Gesprächspartnerin und sie war irgendwie wie dieser Sommertag: strahlend, warm und ausgelassen.

Sie flatterte zwischen den beiden Männern umher wie ein Schmetterling, sie hörte aufmerksam zu, stellte intelligente Fragen sparte aber auch bei passender Gelegenheit nicht mit beißendem Spott. Sie war wie eine warme Brise, die Lewis Herz erwärmte, und auch Hathaway schien unter ihrem Bann zu geraten.

Gegen sieben Uhr ließ sie sich auf die einzig freie Bank im Umkreis fallen, steckte die Beine aus und schüttelte den Kopf.

„Ich gehe keinen Schritt mehr", verkündete sie, „mir tun die Füße weh und ich habe unglaublichen Hunger."

„Ich glaube", entgegnete Lewis mit einem Blick auf seinen Kollegen, „ da können wir etwas dagegen unternehmen…"

Hathaway blickte auf seine Armbanduhr und nickte.

„Du musst allerdings noch um zwei Ecken gehen", teilte er ihr mit.

„Und dann…"

„Dann", James machte eine dramatische Geste und deutete Richtung Street, „erreichen wir unser Pup."

„Gibt es da was zu Essen?"

„Soviel, dass es sogar verkauft wird", Robert hielt ihr beide Hände hin um sie von der Bank zu ziehen.

„Wenn das so ist", sie grinste und griff zu. Mit einem Sprung war sie auf den Beinen und fiel dem verdutzten Detectiv-Inspector in die Arme, „auf geht´s…"

Hathaway schmunzelte, als er Lewis´ große Augen sah und bot Collins seinen Arm an. Mit einem breiten Grinsen harkte sie sich bei beiden ein.

Die Berührung ihrer Hände sendete angenehme Schauer durch seinen Körper, erinnerte ihn daran, dass er ein Mann war, mit allem was dazugehörte – eine Erkenntnis, die er schon seit Jahren nicht mehr erfahren hatte…Robert Lewis bemerkte, wie die körperliche Nähe dieser fremden Frau immer angenehmer wurde, er spürte, dass er unter dem Blick ihrer faszinierend-blauen Augen beinahe wie ein Schuljunge errötete…

Verdammt Robbie – wies er sich zurecht – du benimmst dich wie ein pubertierender…

„Wir sind da", verkündete Hathaway und öffnete die schwere, alte Eichenholztür.

Anne zog den Kopf ein und huschte unter dem ausgestreckten Arm des blonden Mannes hindurch in den Pup. Lewis blickte in das irritierte Gesicht seines DS´, grinste, nahm ebenfalls den Kopf zwischen die Schultern und schlüpfte an Hathaway vorbei. Da der Sergeant bereits einen halben Schritt nach Vorne gemacht hatte um ebenfalls einzutreten streiften die beiden Männer dicht aneinander vorbei.

Ein Prickeln breitete sich von der Stelle aus an der sie sich berührten, Robert verharrte kurz in seiner Bewegung, dann füllte wieder Luft seine Lungen und er folgte Anne Collins´ schlanker Gestallt an einen freien Tisch in einer Ecke.

Was zum Teufel ist los mit dir? – fragte er sich irritiert – du benimmst dich, als wärst du komplett notgeil…


„Ist der gut?" Fragte Anne und blickte auf den abgewetzten Holztisch.

„Ja, klar", entgegnete Lewis und zog einen Stuhl heraus um ihn ihr anzubieten.

Mit einem warmen Lächeln nahm sie platz.

„Schon recht voll hier", stellte Hathaway fest als er zu ihnen stieß.

„Es ist heiß", bemerkte Robert und setzte sich, „die Leute dürsten nach Flüssigkeit."

„Ich auch…und nach Nahrung", verkündete Anne.

Mit einer schnellen Bewegung ergriff sie den bierfleckigen Zettel, der die Speisekarte darstellte.

Schweigend nahm James Hathaway seinen üblichen Platz direkt neben seinem Inspektor ein. Sie saßen dicht neben einander, berührten sich nicht.

„Na, was wollt ihr essen?", wollte eine dralle Blondine mit kurzgeschorenen Haaren und Ringen an jeder freien Stelle ihrer beiden Ohren wissen.

„Gibt eigentlich nur Toast", fügte sie gleich an, noch bevor einer der dreien den Mund öffnen konnte, „Frank, der Koch ist ein Penner, der hat sich vorhin krank gemeldet…hat noch ´nen Kater von Gestern…"

„Ja, dann Toast", Anne hob resignierend die Schultern, „mit irgendwas drauf, bitte"

„Is´ ok…und ihr Jungs?"

Lewis sah Hathaway von der Seite her an, sein Sergeant grinste, er schien Spaß zu haben, also wohl keinen richtigen Hunger so wie er.

„Ich schließe mich an", kapitulierend hob er beide Hände.

„Ich auch", nickte James, „und drei Bier?"

Robert nickte.

„Wein?" Bat Anne und es war mehr eine Frage.

„Getränke gehen heute schneller wenn ihr die an der Theke holt…bin ganz allein"

„Verstehe", sagte DI Lewis und erhob sich, „ein Wein, zwei Bier, kommt gleich."

Schweigend blickten Collins und Hathaway dem dunkelhaarigen Mann nach wie er sich einen Weg durch die immer mehr anwachsende Menge bahnte, die die Theke belagerte.

„Ihr seit mehr als nur Kollegen", stellte Anne unvermittelt fest und blicke James an.

Er hob beide Brauen.

„Er ist mein Inspector, ich lerne von ihm."

„Freitags nach Dienstschluss, in einem Café…in einem Pup…"

„Er ist…", er zuckte die Schultern und sah wieder zu Lewis, der immer noch auf die Getränke wartete.

„…er lässt mich sein wie ich bin…"

„…das ist gut…", auch Anne blickte zu Lewis. Sie legte ihre Hand auf James´ Arm.

Herrliche Wärme ging von dieser zarten Hand aus, breitete sich in James Hathaways Körper aus. Er beobachtete die agile Gestallt seines Vorgesetzten während er die zarte Berührung auf seiner Haut genoss, vorsichtig strich Annes Daumen über seinen Unterarm…ein leichtes Schaudern durchfuhr ihn als seine Gedanken zu der Situation an der Tür zurückkehrten, was war da los gewesen?