Zusätzliche Warnings: Character Death, Vergewaltigungsversuch, Gefangenschaft

Neue Pairings für dieses Kapitel: Ray/Anna, vorgeschlagenes Oliver/Felicity/Ray, Ray/Oliver


Ray Palmer


Als männlicher Omega hatte man es auch im 21. Jahrhundert nicht leicht. Vielleicht deswegen, weil die Kombination aus männlich und Omega irgendwie unnatürlich erschien. Denn was war ein männlicher Omega heutzutage anderes als ein nicht-dominanter Mann? Und wurde diese Rolle nicht schon von den männlichen Betas zur Genüge erfüllt?

Früher waren männliche Omegas etwas ganz besonderes gewesen, denn sie dienten mehr als die Angehörigen aller anderen Geschlechter der Erhaltung der menschlichen Rasse. Denn männliche Omegas konnten unter gewissen Voraussetzungen ihr primäres Geschlecht wechseln und Nachwuchs gebären. Was für das Rudel ganz nützlich gewesen war, wenn aus irgendwelchen Gründen alle weiblichen Mitglieder verstorben oder gestohlen worden waren.

Im Laufe der Evolution jedoch hatten die männlichen Omegas diese Fähigkeit verloren. Heutzutage wurden nur noch sekundäre Geschlechter auf natürliche Weise gewechselt, und auch das kam selten genug vor. Der männliche Omega galt als das, was er zuletzt in der freien Natur wohl gewesen war: Das unterste Rudel-Mitglied, das im Notfall als Babysitter herhalten konnte, aber meistens nur für Konflikte unter den Alphas sorgte.

Ray war trotzdem gerne ein Omega. Ja, er hätte auf die Hitzen verzichten können, aber wozu gab es Unterdrücker? Doch wohl um eingenommen zu werden. Seit er volljährig geworden war, nahm Ray seine Hitzeunterdrücker regelmäßig ein und genoss alles andere an seinem Omegatum in vollen Zügen. Warum auch nicht? Sein Wesen entsprach dem des Omegas, das war kein Grund sich zu schämen, es war ein Grund stolz zu sein.

Ray war gerne unter Leuten. Er mochte andere Menschen, er war gerne mit ihnen zusammen. Er genoss die Gegenwart von Betas, wie jeder andere auch, aber er interagierte auch sehr gerne mit Alphas und anderen Omegas. Letzteres war ungewöhnlich. Es wurde als normal angesehen, dass Omegas die Nähe von Alphas suchten, das lag schließlich in ihrer Natur, doch die Gesellschaft sah nicht gerne mehrere Omegas gemeinsam an einem Ort.

Der Grund dafür lag in der Wirkung dieser Ansammlungen auf die anderen Geschlechter. Ein Überschuss von Omega-Pheromonen auf einmal ließ die Beschützer-Instinkte der Alphas Amok laufen und begann selbst weniger gefestigte Betas nervös zu machen. Natürlich gab es heutzutage Geruchsblocker, aber die meisten Omegas neigten dazu diese nicht zu benutzen. Im Gegensatz zu Alphas kommunizierten Omegas gerne über Gerüche. Ihre Nasen waren darauf ausgelegt subtile Unterschiede in den Gerüchen ihres Gegenübers wahrzunehmen umso dessen Gefühlslage erfassen zu können. Es lag in der Natur eines Omegas immer sofort zu wissen, was sein Gegenüber gerade empfand, um in der Lage zu sein diesem zu geben, was er oder sie gerade brauchte. Und fast automatisch gingen die Omegas davon aus, dass es den Angehörigen der anderen Geschlechter ebenso gehen musste, auch wenn die gesellschaftlichen Konventionen das vielleicht anders sahen.

Ray auf jeden Fall traf gerne auf andere Omegas, da er bei ihnen im Gegensatz zu Alphas und Betas aus genau diesen Gründen immer wusste, woran er war. Omegas hielten es nicht für nötig sich zu verstellen oder ihren Geruch zu maskieren, Omegas waren einfach sie selbst. Die meisten waren darüber überrascht, dass Ray freiwillig Zeit mit ihnen verbringen wollte, aber letztlich gefiel es ihnen, denn wer war nicht gerne in der Gegenwart von jemand, der ihn wirklich verstand?

Doch wie gesagt, Omega-Ansammlungen machten die Gesellschaft nervös. Geruch hin oder her, es war das alte Vorurteil, dass die Gesellschaft wirklich nervös machte, der Glaube daran, dass der Omega das schwache Geschlecht war. Omegas brauchten Schutz, das wusste jeder. Die Tatsache, dass Ray nicht gerade gebaut war wie jemand, der Schutz brachte, und diverse Selbstverteidigungskurse besucht hatte, machte keinen Unterschied. Der typische Alpha und der typische Beta mussten ihn nur riechen um zu beschließen, dass es ihre Aufgabe war ihn zu beschützen.

Und hier kam die tragische Ironie von Rays Leben zum Tragen: Ray war gerne unter Menschen, doch diese Menschen hatten ihn nicht gerne unter sich. Die Tatsache, dass sie ständig zu befürchten schienen, dass ihm etwas zustoßen könnte, trieb sie dazu seine Gegenwart in gleichen Maße abzulehnen wie herbeizusehnen. Die meisten längerfristigen Freundschaften mit Alphas und Betas in Rays Leben gingen deswegen irgendwann unweigerlich den Bach runter. Diese Leute wollten nicht, dass er ausging, weil sie es für zu riskant hielten, wollten zugleich aber auch nicht als die Sorte Mensch gelten, die Omegas „zu ihrer eigenen Sicherheit" einsperrten, also verschwanden sie zwangsläufig irgendwann von einem Tag auf den anderen aus Rays Leben, weil sie mit ihren widerstreitenden Gefühlen nicht klar kamen.

„Es liegt nicht an ihnen, es liegt an dir", hatte Sydney dazu einmal gesagt, „Du hast ja keine Ahnung davon welche Wirkung du auf andere hast." Ray war schon der Meinung, dass er eine Ahnung hatte, er verstand nur nicht, warum sein offenes Wesen gekoppelt mit seinem Geschlecht die meisten Leute unweigerlich abzustoßen schien. Jemand anderer wäre über diese Tatsache vermutlich verzweifelt, nicht aber Ray Palmer. Ray war eine Kämpfernatur.

Schon bei seiner Geburt wäre Ray fast gestorben, aber obwohl er als Omega-Frühchen auf die Welt gekommen war, und ihm niemand große Überlebenschancen eingeräumt hatte, überlebte er. Seine Eltern betete ihn an, sein Bruder Sydney hingegen, nun je weniger man über Sydney sprach, desto besser. Sydney war ein Beta, und er hatte nicht besonders viel für Ray übrig, was er diesen auch bei jeder Gelegenheit spüren ließ. Zuerst verletzte Ray das noch, dann irgendwann beschloss er, dass man nun mal nicht immer gewinnen konnte, und er sich von nun an genauso sehr für Sydney interessieren würde, wie dieser für ihn: Nämlich gar nicht.

Ray stellte sich schon früh als Genie heraus. Jeder wusste, dass er groß Karriere machen würde, und das obwohl er ein Omega war. Sydneys Abneigung gegenüber seinem Bruder wuchs deswegen nur noch mehr an.

Und dann, Ray war gerade acht, kam der Tag, der sein Leben für immer veränderte – der Autounfall, bei dem seine Eltern starben. Rays Großmutter übernahm die Pflege ihrer Enkelsöhne. Sie war wie Ray ein Omega – seine Eltern waren Betas gewesen, so wie Sydney – und zum ersten Mal wurde Ray dadurch bewusst wie die Gesellschaft einen alleinstehenden Omega behandelte. Es war einerseits verständlich, dass man die Palmer-Brüder ihrer Großmutter nicht wegnahm, denn immerhin galten Omegas als perfekte Elternteile, aber andererseits auch verwunderlich. Ein alleinstehender Omega, der zwei Kinder aufzog, von denen noch dazu eines ebenfalls ein Omega war?! Das war doch viel zu riskant!

Die Direktoren von Rays Schulen legten Oma Palmer immer wieder nahe sich doch bitte möglichst bald nach einem neuen Partner umzusehen, am besten nach einem Alpha. Und wenn schon nicht das, dann sollte sie sich doch bitte eine bessere Alarmanlage zulegen. Oder ein Rudel Wachhunde, je mehr, desto besser. Die Nachbarn fanden fast täglich Ausreden um vorbeizukommen, nur um zu sehen, „Wie es Oma Palmer" denn so ging. Und „ob alles in Ordnung sei, denn sie hätten einen verdächtig aussehenden Alpha durch die Straße schleichen gesehen". Fast jeden Monat tauchten fremde Männer auf, die Oma Palmer bis nach Hause verfolgten und ihr später Geschenke vor die Türe legten. Einmal ging Ray wegen solch einem Mann, der ihm besonders zudringlich zu sein schien, zur Polizei. Sydney machte ihn deswegen nachher die Hölle heiß und beschuldigte ihn es darauf angelegt zu haben sie beide in ein Kinderheim zu bringen. Wenn die Polizei den Eindruck bekäme Oma Palmer könne sich nicht gegen unerwünschte Verehrer zur Wehr setzen, würde sie sicher auch denken sie wäre nicht in der Lage Kinder aufzuziehen. Also ging Ray nie mehr zu Polizei. Letztlich war es auch nicht nötig, denn Oma Palmer konnte sich tatsächlich sehr gut gegen unerwünschte Verehrer zur Wehr setzen.

Von Oma Palmer lernte Ray alles über das Omegatum, was er heute wusste. Auch Dinge, die in der Sexualkunde in der Schule nicht durchgenommen wurden.

„Weißt du, Ray, das meiste, was man heute über Omegas sagt, ist erstunken und erlogen. Wir sind weder hilflos, noch hilfesuchend. Wir sind es doch, die sich in Wahrheit um die anderen kümmern. Der Alpha beschützt das Rudel, der Beta führt es, aber der Omega betreut es. Der Omega hält alles zusammen. Der Omega kümmert sich nicht nur um die Kinder, er kümmert sich auch um die Alphas und die Betas. Wenn du älter bist und auf erwachsene Alphas triffst, wirst du bald feststellen, dass sie es sind, die Hilfe brauchen. Um sie musst du dich besonders kümmern, weil sie immer unter so viel Stress stehen. Und die Betas, sie tun ihr Bestes, aber stell dir einmal vor, du müsstest immer dafür sorgen, dass alle miteinander auskommen. Irgendwann wärst du dann doch wohl am Ende deiner Kräfte angekommen, oder? Und das ist das Problem der Betas. Früher, da haben sie nur für Harmonie in ihrem eigenen Rudel gesorgt und mit den Betas der Nachbarrudel Deals geschlossen, die verhindern, dass sich die Rudel gegenseitig bekriegen, doch heute, in einer Zeit, in der wir nicht mehr in Rudeln, ja nicht einmal mehr in Triaden leben, in denen auf jedes Paar 2 1/2 Kinder kommen, da denken sie sie müssten alle dazu bringen friedlich zusammen zu leben. Und deswegen brauchen die Betas heutzutage fast genauso viele Liebe und Zuwendung wie die Alphas, Ray. Du musst sie unterstützen, wo du nur kannst. Und die Alphas musst du umsorgen als wären sie kleine Kinder, denn sie müssen immer stark sein, nur in Gegenwart eines Omegas können sie sich erlauben Schwäche zu zeigen, können sie die Maske fallen lassen. Alphas brauchen Fürsorge, aber auch eine strenge Hand. Vergiss das nie, Ray, bei aller Liebe, du darfst einem Alpha nie die Illusion lassen, dass er über dich bestimmt, denn letztlich bist du es, der über ihn bestimmt. Das ist einfache Biologie", erklärte Oma Palmer, „All diese misshandelten Omegas, sie haben vergessen, dass der Alpha für den Omega alles tut und nicht umgekehrt."

Ja, Ray hatte Oma Palmer Alphas dazu bringen sehen, dass sie ihr die Einkäufe nach Hause trugen, ihr die Regenrinne reinigten, ihren Garten umgruben, und andere unerwünschte Alphas von ihrem Grund vertrieben – und das alles ohne irgendeine offensichtliche Gegenleistung. Oma Palmer konnte definitiv mit Alphas umgehen.

Aber Ray frage sich, ob das nicht irgendwie die falsche Art war um mit Alphas umzugehen. Wäre eine ideale Beziehung nicht eine der Gleichberichtigung? Einmal stellte er Oma Palmer genau diese Frage, und sie meinte dazu nur: „Oh, Ray, du liest zu viele Artus-Geschichten. Nicht jeder Alpha ist Erec, und nicht jeder Omega Enide. Jede Beziehung auf dieser Welt ist eine ewige Verhandlung. Aber ja, ich denke, wenn man den richtigen Partner findet, dann ist es ein schöner Traum sich in dieser Beziehung hin zur Gleichberechtigung durch zu verhandeln."

Trotz ihrer fragwürdigen Einstelllung zu Beziehung, war Oma Palmer nach dem Tod seiner Eltern zunächst das einzig Positive in Rays Leben. Er stand unter Schock und zog sich zunehmend in sich selbst zurück. In seiner Freizeit las er Malorys „Le Morte d'Arthur" und setzte sich bald intensiver mit älterer Artusliteratur auseinander. Ansonsten widmete er sich meistens der Schule und seinem Ziel etwas mit seiner außergewöhnlichen Intelligenz zu machen, das für die Welt von Nutzen wäre. Ray wusste, dass er niemals ein Ritter werden würde, aber vielleicht könnte er der Welt trotzdem von Nutzen sein.

Dann entdeckte er „Star Wars" und wollte nicht mehr Arzt, sondern Wissenschaftler werden. Ray stieß weiter in die Science Fiction vor und begann auch Comics zu lesen. Er suchte auch wieder mehr Kontakt zu seinen Mitschülern, die von seinen neuen Hobbies zumindest mehr angetan zu sein schienen als von seinen alten.

Doch dann, mit vierzehn, erlebte er seine erste Hitze. Ihm war tagelang heiß und schwummerig, und wenn er reifer entwickelte Mädchen an sich vorbeigehen sah, dann starrte er ihnen hinterher, auch wenn er selbst nicht genau wusste warum. Und dann wurde es unangenehm, da seine unteren Regionen … begannen erregt zu sein. Ständig. Auch nachdem er Hand angelegt hatte. Oma Palmer erkannte schließlich, was mit ihm los war, und verbot ihm als erstes den Rest der Woche über in die Schule zu gehen. Dann setzte sie sich mit ihm hin und erklärte ihm, dass er gerade seine erste Hitze erlebte. „Dein Körper ist bereit zur Paarung. Das hier ist ein ganz natürlicher Prozess, Ray, du musst dir keine Sorgen machen, es geht vorbei. Das erste Mal ist das Schlimmste. Deine nächste Hitze wird nicht so schlimm sein", meinte sie.

Ray wollte dann wissen, warum sein Körper bereit zu Paarung war, wenn er doch keine Kinder bekommen könne, aber Oma Palmer verwies einfach auf weibliche Alphas. „Denen geht es auch nicht so toll, Ray, die Brunft ist nicht viel besser als die Hitze, was das Wollust-Problem angeht", behauptete sie, „Deswegen solltest du, wenn du feststellst, dass sich die ersten Hitzesymptome manifestieren nach Möglichkeit nicht mehr aus dem Haus gehen, nicht wenn du nicht neben einem fremden Alpha aufwachen willst. Und mit solchen Experimenten solltest du definitiv warten bis du volljährig bist."

„Aber kann ich denn nichts gegen diese Hitze tun, Oma? Das ist wirklich unangenehm…" Es war ihm zu peinlich ins Detail zu gehen, aber seine Oma war mit Sicherheit erfahren genug um zu verstehen, was er meinte. „Nicht solange sich dein Körper noch in Entwicklung befindet, nein, tut mir Leid, Ray", erklärte Oma Palmer, „Aber keine Sorge, du musst die Hitze nur alle zwei Monate erleben, und wie gesagt, im Laufe der Zeit wird es besser."

„Alle zwei Monate?!"

„Ausgenommen Stress-Hitzen natürlich. Und von Brunftpheromonen ausgelöste Hitzen."

Stress-Hitzen?! Von Brunftpheromonen ausgelöste Hitzen?!"

„Nun, immerhin hast du den Vorteil ein Mann zu sein. Omega Frauen haben ihren monatlichen Zyklus und ihre zweimonatlichen Hitzen", beruhigte ihn seine Oma, „Dagegen hast du es richtiggehend gut. Ich beneide dich fast schon. Ich kann es kaum abwarten die Wechsel-Jahre hinter mich zu bringen, dann hat der Spuk bei mir endlich sein Ende."

Ray fand nicht, dass irgendetwas an seiner Lage beneidenswert wäre. Zumindest nicht bis seine erste Hitze vorbei war.

Danach begannen seine Freunde sich ihm gegenüber seltsam zu verhalten. Bis jetzt war er in der Theorie in Omega gewesen, aber nun roch er nach Omega. Und war auch noch geschlechtsreif. Und so wurde Ray bald wieder einsamer als er es für möglich gehalten hätte.

Nach seinem Schulabschluss wandte Ray sich dem Ingenieursstudium zu, gab sich aber letztlich mit nicht weniger als drei Doktortiteln zufrieden. Wenn er die Welt schon zum besseren verändern wollte, dann musste er sich auch entsprechend ausrüsten um dieses Ziel erreichen zu können. Irgendwann nach Abschluss seines zweiten Doktorrats starb Oma Palmer. Sie war im Schlaf von einem Aneurysma dahingerafft worden, und Sydney ließ sich nicht auf ihrer Beerdigung blicken. Zur Testamentsverlesung kam er allerdings, hauptsächlich um sich mit Ray um den Besitz von Oma Palmers Haus zu streiten. Ray überließ ihm das Haus und beschloss für sich, dass er mit Oma Palmers Tod auch noch den letzten Rest seiner Familie verloren hatte.

Er wandte sich mit mehr Überzeugung als jemals zuvor seinem Ziel zu die Welt zum Besseren zu verändern. Er schloss sein Studium ab, gründete ein erfolgreiches Start-Up-Unternehmen und konnte bald zusehen, wie seine Firma die ersten Erfolge einheimste. Es war ungewöhnlich für einen Omega ein eigenes Unternehmen zu leiten und zu besitzen, doch Ray erinnerte sich an die Lektionen seiner Großmutter und verschaffte sich mit Hilfe dieser und seines wissenschaftlichen Hintergrunds bald den Titel eines erfolgreichen Geschäftsmanns und Unternehmers.

Schließlich lernte er Anna Loring kennen und lieben. Anna war ein Beta und im Gegensatz zu vielen ihrer Geschlechtskolleginnen verzichtete sie darauf vor Ray zu fliehen, als die Zeit gekommen war, stattdessen machte sie ihm einen Heiratsantrag. Ray war darüber überrascht, aber auf gute Art. Seine bisherigen Beziehungen hatten meistens mit den Worten „Ray wir müssen reden" geendet, und noch nie zuvor war der Satz mit „Ich finde, wir sind lange genug zusammen um den nächsten Schritt zu wagen" weitergegangen. Also sagte er natürlich ja.

Er überlegte sogar, ob er seine Hitzeunterdrücker absetzen sollte, nun da er eine feste Beziehung mit Zukunft führte, aber Anna war ein Beta und kein Alpha. Sie machte sich nicht aus Hitzepheromonen. Im Gegenteil: Betas reagierten auf den Geruch mit Ablehnung. Also setzte Ray seine Hitzeunterdrücker doch nicht ab, sondern machte weiter wie bisher. Letztlich war es egal, Hitzeunterdrücker schadete dem Sexleben eines Omegas nicht, sie halfen nur dabei es zu regulieren.

Eine Zukunft mit Anna stand auf jeden Fall fest. Bis zu dem Tag, an dem sie für immer verschwand. Als Slade Wilsons Mirakuru-Soldaten Starling City überrannten, gerieten Ray und Anna zwischen die Fronten. Slade Wilson war ein verrückter Alpha, der mit Hilfe des Mirakulu-Serums übermenschliche Kräfte erhalten hatte und eine Armee aus auf die gleiche Weise verbesserten Individuen aufbaute, mit denen er die Stadt bedrohte.

Am Tag des Angriffes waren Ray und Anna einfach nur unterwegs zu einem Restaurant gewesen, in dem sie gemeinsam essen und die Details ihrer Hochzeit besprechen wollten. Sie hatten nichts Böses geahnt. Und dann mit einem Mal wurden sie angegriffen. Ihre Angreifer rochen seltsam, irgendwie so als wären sie nicht ganz richtig, nur ein bisschen nach Alpha. Das reichte offenbar aus um Anna denken zu lassen, sie müsste Ray verteidigen. Seit Ray sie kannte, war sie nie in das alte Vorurteil verfallen, dass Omegas hilfsbedürftige Wesen waren, die beschützt werden mussten. Sie kannte Ray und wusste, dass er auf sich selbst aufpassen konnte, aber in diesem einen Moment schien sie das zu vergessen. Sie schien überhaupt alles zu vergessen, als sie das Knacken von Rays brechendem Bein hörte. Einer der Soldaten rang Ray nieder und brach ihm dabei sein Bein, und mit einem Mal hatte sich Anna auf den Angreifer gestürzt als wäre sie ein Alpha.

„Kleiner Beta", meinte der Soldat nur abschätzig und packte Anna am Genick, als wäre sie nichts weiter als ein aufreitender Hund. Er schüttelte sie ein wenig durch und ließ sich von ihren Flüchen und Drohungen nicht beeindrucken.

„Bitte", krächzte Ray, der immer noch am Boden vor den Füßen des Soldaten lag, „Bitte tun Sie ihr nichts."

Der Soldat lachte nur und meinte dann: „Aber das muss ich. Jemand muss die Betas daran erinnern, wo ihr Platz ist." Und mit der nächsten Handbewegung brach er Anna das Genick. Dann warf er sie zur Seite, als wäre sie eine Puppe. Vermutlich hätte er sich wieder Ray zugewandt, wenn einer seiner Kollegen ihn nicht darauf hingewiesen hätte, dass sie weiter mussten und er „gefälligst aufhören sollte mit dem Omega zu spielen".

Die Soldaten zogen weiter, und Ray robbte mühsam zu Annas verrenkt da liegendem Körper hinüber. Er tastete nach ihrem Puls, aber es war keiner zu finden. Sie war eindeutig tot. Jedes Leben war aus ihren Augen gewichen. Ray gab einen Klageschrei von sich, und danach erinnerte er sich an gar nichts mehr, bis er wieder im Krankenhaus aufwachte.

Seine Stresspheromone hätten Alphas von der anderen Seite der Stadt zu ihm locken können, sagte man ihm, er könnte von Glück reden, dass der Erste, der ihn erreicht hätte, ein aufrechter Bürger gewesen war. Doch Ray fand nicht, dass er Glück gehabt hatte, es kümmerte ihn nicht. Anna war tot. Das war das Einzige, das ihn kümmerte.

Doch selbst nach dieser Tragödie richtete sich Ray wieder auf. Er fand die Kraft weiterzumachen in seinem Inneren. Seine Zukunft sah nun vielleicht anders aus als er sie sich vorgestellt hatte, aber immerhin hatte er nach wie vor eine Zukunft. Und er beschloss dafür zu sorgen, dass er in dieser Zukunft nie mehr so hilflos wäre. Der Arrow und seine Mitkämpfer hatten durchaus die richtige Idee: Man musste das Böse in dieser Welt nicht gewähren lassen, man konnte zurückschlagen. Doch für einen Omega wie Ray war es nicht so leicht wie für diese Vigilanten dies auch zu tun. Also musste er einen Weg finden, der ihm erleichtern würde an den Kampf gegen das Böse teilzunehmen.

Und so entwickelte Ray seine Vision – seine Vision von einem besseren Starling City und seinem Beschützer – die Idee von Star City und the Atom.

Rays erster Schritt auf dem Weg zum Umsetzten seiner Vision bestand darin das brach liegende Unternehmen Queen Consolidated aufzukaufen und in Palmer Technologies umzuwandeln. Palmer Technologies versammelte die Besten der Besten und die Schlauesten der Schlauesten an einem Ort um Technologien zu erfinden, die das Leben der Menschen verbessern sollten. Und Ray wollte sich nicht mit weniger als den allerbesten der Schlauesten zufrieden geben, deswegen machte er es sich zu seiner persönlichen Mission Felicity Smoak für seine Firma zu rekrutieren.

Felicity war ein Beta und sie war umwerfend. Schlau, talentiert, sexy, witzig. Ray, der diesen Teil seines Lebens nach Annas Tod begraben hatte, hätte nicht gedacht, dass er noch einmal dazu in der Lage wäre romantisches Interesse an einer anderen Person zu entwickeln, aber Felicity erweckte sein Interesse an der Liebe wieder, und sie war ihm auch nicht nur in der Firma, sondern auch bei der Entwicklung des Atom-Exoskeletts einen unschätzbare Hilfe. Durch ihre Hilfe wurde the Atom schneller Realität als sich Ray hätte träumen lassen. Mit Hilfe des Anzugs wäre der Träger in der Lage zu fliegen, gepanzert zu kämpfen und mit den eingebauten Waffen auf seine Gegner zu schießen. Und dieser Träger sollte natürlich Ray sein, der dank Felicity bald ein richtiger Held sein würde.

Doch Felicity war nicht das, was sie zu sein schien. Sie hatte Geheimnisse vor Ray. Sie lebte ein zweites Leben, ein gefährliches Leben, geprägt von Verlust, an dem sie Ray zunächst keinen Anteil haben lassen wollte. Und sie konnte ihm nicht ihr ganzes Herz schenken. Was okay war. Auch Ray konnte ihr nicht sein ganzes Herz schenken, in einem Teil von diesem würde immer Anna leben. Doch der Bewohner von Felicitys Herz war noch am Leben und verbrachte immer noch viel Zeit mit ihr. Und sein Name war Oliver Queen.

Oliver Queen, der verschollene Beta, der nach fünf Jahren als Alpha in seine Heimatstadt zurückgekehrt war. Der Erbe von Queen Consolidated, der von Ray mehr oder weniger um seine Firma gebracht worden war. Oliver Queen, der auch Geheimnisse hatte, der Felicitiys Geheimnisse teilte. Denn Oliver Queen war der Arrow. Er war der Anführer dieses kleinen Teams aus Vigilanten, die gemeinsam versuchten Starling City zu einem besseren Ort zu machen. Nun, wenn Ray ganz ehrlich war, dann konnte er sehr gut nachvollziehen, warum Felicity ihr Herz an diesen Mann verloren hatte. Er sah nicht nur gut aus, er war ein richtiger Held. Und er war ein Alpha.

Warum also nicht? Triaden waren zwar aus der Mode gekommen, aber sie waren weder illegal noch unnatürlich – im Gegenteil, im Grunde waren sie die natürlichste Art von Beziehung überhaupt. Alpha, Beta, Omega – zusammen waren sie stärker. Der Hauptgrund, warum sich Rays bisherige Beziehungen auf Frauen beschränkt hatten, war der, dass Ray wusste, dass seine Großmutter das von ihm erwartet hatte. Sie hatte es nie ausgesprochen, aber Ray wusste, dass sie zu den Menschen gehörte, die fanden Männer sollten nur Beziehungen zu Frauen unterhalten. Doch sie war kein Teil seines Lebens mehr, und er konnte nicht den Rest seines Lebens damit verbringen sich zu fragen, was sie von seinen Entscheidungen gehalten hätte. Die Wahrheit war schlicht und einfach, dass er nicht wissen konnte, wie sie reagiert hätte, wenn er eines Tages einmal einen Mann mit nach Hause gebracht hätte. Und Oliver Queen war definitiv die Art Mann, die es wert war für ihn seine Großmutter zu schockieren.

Das Problem war nur, dass Oliver nicht besonders viel von Ray zu halten schien. Weder von Ray als Person, noch von the Atom. Ray wusste ja selber, dass seine Fähigkeiten als Held noch zu wünschen übrig ließen, ja, wenn er ehrlich sein sollte, dann war er erstaunlich schlecht darin ein Held zu sein, aber er hatte vor besser zu werden. Und wer überzeugt davon, dass Oliver ihn, sobald es ihm gelungen wäre ein besserer Held zu sein, mit ganz anderen Augen sehen würde. Er musste eben nur beweisen, dass er ein würdiger Partner für Oliver und Felicity wäre, dass es funktionieren könnte.

Die Zeit als Verbündeter von Team Arrow brachte Ray einiges. Er lernte wirklich ein besserer Held zu sein, und er lernte durch sie sogar den Superhelden von Central City kennen: Den ersten Meta-Menschen-Helden, der sich der Welt offenbart hatte: Den Flash. Der Flash war ein enger Freund von Felicity und im echten Leben ein forensischer Wissenschaftler namens Barry Allen. Ray mochte Barry, da er wie Ray selbst auch ein Nerd war, unglaublich nett war und Lebensfreude versprühte, und der ebenfalls ein Omega war. Was bewies, dass auch Omegas Helden sein konnten. Ray nahm an, dass er von Barry mindestens genauso viel lernen konnte wie von Oliver. Und das Team Flash von Star Labs bestand aus einigen der brillantesten Wissenschaftler, die Ray kannte. Mit ihnen arbeiten zu können war ebenfalls eine Freude.

Doch so sehr sich die Heldenkarriere von the Atom verbesserte, so wenig Fortschritte machte Ray bei Oliver. Der andere Mann schien sich einfach nicht für ihn erwärmen zu wollen.

„Nimm es ihm nicht übel, Ray", meinte Felicity, „Es ist nicht deine Schuld, es ist nun einmal so, dass Oliver nicht weiß, wie man mit Omegas umgeht. Er kennt zu wenige. Du hättest ihn früher mal mit Roy erleben sollen. Oder mit Barry. Er wird sich schon noch an dich gewöhnen."

Aber Ray wünschte sich nicht einfach nur, dass Oliver sich an ihn gewöhnen würde, er wollte, dass Oliver ihn mochte. Nachdem es aber nicht so aussah, als ob das so bald geschehen würde, musste Ray schließlich sogar Felicity aufgeben, da sie Oliver mehr liebte als ihn und offenbar lieber nur mit Oliver zusammen wäre, wenn sie die Wahl hätte. Ganz im Sinne von „Wenn du jemanden liebst, dann lass ihn gehen" gab Ray sie frei und redete sich zugleich ein, dass es ja nur vorrübergehend war. Er würde sie zurückbekommen. Wenn er sich endlich als würdig erwiesen hätte, dann würde er mit Felicity und Oliver zusammen sein.

Doch dazu kam es nie. Stattdessen wurde Ray entführt und monatelang gefangen gehalten, bis es ihm irgendwie gelang Felicity wissen zu lassen, dass er noch lebte. Team Arrow rettete ihn schließlich nach Monaten der Gefangenschaft, in denen er von aller Welt für tot gehalten worden war, aus den Fängen von Damien Darkh und Hive. Darkh, ein magischer begabter Alpha mit Weltherrschaftsambitionen, wollte Rays Geheimnisse und seinen eigenen Atom-Anzug, doch Ray verweigerte ihm jede Kooperation. Nachdem der Anzug nun auch in der Lage war zu schrumpfen, war er noch mehr davon überzeugt, dass die dahinterstehende Technologie niemals einem Mann wie Darkh in die Hände fallen durfte.

Sechs Monate lang musste Ray ohne Hitzeunterdrücker auskommen, und zum ersten Mal seit er 21 geworden war erlebte er wieder Hitzen. Zumindest schien Damien Darkh kein Freund von sexueller Gewalt zu sein und auch seine Männer besser unter Kontrolle zu haben als es bei Slade Wilson der Fall gewesen war, ansonsten hätte Rays Gefangenschaft um einiges unangenehmer ausfallen können als es der Fall war. So wurde er immerhin versorgt und nicht belästigt. Trotzdem hielt er sich nur mit dem Gedanken aufrecht, dass Oliver und Felictiy kommen würden um ihn zu retten. Dass sie ihn nicht so einfach aufgeben würden. Mit jedem Tag, der verging, an dem sie nicht kamen, schwand seine Hoffnung mehr dahin, bis er irgendwann auf die Idee kam, dass sie ihn für tot halten könnten. Dabei hätte er gedacht, dass sie vielleicht spüren würden, dass er noch lebte.

Nach seiner Rettung blieb er zunächst einmal weiter offizielle tot. Felicity hatte die Leitung von Palmer Technologies übernommen und machte ihre Sache gut, warum sollte sie nicht einfach weiter machen? Seine eigene Effizienz als Firmenchef war wegen seinem Omegatum sowieso immer schon von allen in Frage gestellt worden.

Und was den Rest betraf: Alle, auf die es ankam, wussten, dass er noch lebte. Und ja, er machte sich die Mühe Sydney eine Nachricht zu hinterlassen, in der er ihm mitteilte, dass er nicht tot war. Nicht, dass er annahm, dass das einen besonders großen Unterschied für Sydney machen würde - allem Anschein nach hatte dieser nicht besonders stark um ihn getrauert.

Tatsächlich schien niemand um ihn getrauert zu haben. Felicity und Oliver hatten ohne ihn weitergemacht, als Paar zusammen gelebt ohne einen Gedanken an ihn zu verschwenden, wie es schien. Und hinterlassen hatte Ray dem Rest dieser Welt auch nichts. Ja, sie hatten die Stadt in Gedenken an ihn in Star City umbenannt, aber nach allem, was in den letzten Jahren in Starling passiert war, war es kein Wunder, dass die sich die Stadtbewohner einen Imagewechsel wünschten. Ray war nicht naiv genug um sich vorzumachen, dass sie den Namen der Stadt wirklich seinetwegen geändert hatten. Und seine Firmen und Erfindungen, was hatten die schon wirklich bewirkt? Nicht besonders viel. Wenn Ray wirklich tot gewesen wäre, für die Welt hätte es keinen besonderen Unterschied gemacht. Er war nicht der Flash, der sogar einen eigenen Tag von seiner Heimatstadt gewidmet bekommen hatte. Er war nicht einmal Vixen, eine neue Heldin aus Detroit, der er gemeinsam mit Team Arrow-Mitglied Black Canary alias Laurel Lance unter die Arme griff. Vixen und der Flash bewirkten Dinge. Genau wie Oliver und sein Team - ein Team, zu dem Ray nicht wirklich gehörte, wie sich nun zeigte, denn es war wunderbar ohne ihn zurechtgekommen.

Natürlich war ihm klar, dass er sich durch seine Entführung in Olivers Augen nicht gerade als würdig erwiesen hatte. Oliver und Felicity schienen sich seinetwegen schuldig zu fühlen, aber sie hatten sich verlobt und plante ihre Hochzeit – zu zweit. Ray sagte sich, dass es noch nicht zu spät war, dass er immer noch eine Chance hatte, da es auch Triaden-Hochzeiten gab, doch nichts deutete darauf hin, dass sein Alpha und sein Beta ihre Zukunft mit ihm planten, sie schienen nur ihre Zukunft miteinander zu planen. Ohne den Omega.

Und das obwohl Felicity recht behalten hatte, Oliver war inzwischen viel netter zu ihm. Nun, da er ihn nicht mehr als Konkurrenz einstufte, war er regelrecht fürsorglich. Ray tat immer noch sein Bestes um ihm zu beweisen, dass er ein guter Held und ein guter Omega sein konnte. Obwohl er eigentlich überall anders sein wollte, als dort, wo Hive war, half er Oliver bei seinem Kampf gegen die Organisation nach wie vor – zumindest begann er damit, sobald er sich von seiner Gefangenschaft genug erholt hatte um sich wieder wie Ray Palmer zu fühlen und nicht mehr wie ein halb-verrückter gefangener Omega ohne Hitzunterdrücker. Das Mittel wieder zu haben alleine reichte schon aus um dafür zu sorgen, dass sich Ray wieder besser fühlte. Und als Atom Gutes zu tun, half dabei ebenfalls.

Trotzdem war er zuerst unsicher, was er tun sollte, als Rip Hunter ihn ansprach und ihm eine Zukunft als Legende versprach. Ray wollte ihm helfen und die Zukunft retten, aber zugleich war er sich nicht sicher, ob er es wirklich drauf hätte. War Atom in Wahrheit nicht nur ein Traum gewesen, geboren aus der Trauer um Anna? Warum sollte Captain Hunter ausgerechnet den Helden auswählen, der sich nicht einmal selbst retten konnte? Der Schutz durch seine Alpha- und Beta-Freunde brauchte? Ja, es gab Omega-Helden, aber vielleicht war nicht jeder Omega zum Helden gemacht. Ray war nicht Barry, soviel war ihm selbst klar.

Oliver schien der Meinung zu sein, dass er mit dem Mann aus der Zukunft gehen sollte, wenn er das wirklich wollte, aber nach dem, was mit Felicity passiert war, wurde Ray den Verdacht nicht los, dass Oliver in Wahrheit einfach nur froh wäre Ray außerhalb Damien Darkhs Reichweite zu wissen, und sich vor allem deswegen nicht offen gegen die Idee aussprach.

Daher fragte Ray ihn schließlich noch einmal nach seiner Meinung, nachdem er sich zuvor Zeit genommen hatte, um noch einmal Felicity zu sehen (und umsonst anzubieten ihretwegen zu bleiben – sie waren zwar nicht mehr zusammen, aber es kam ihm falsch vor sie gerade jetzt im Stich zu lassen, das widersprach seiner Omega-Natur. Sie machte zwar gute Miene zum bösen Spiel und rollte zielsicher in ihrem neuen Rollstuhl umher, doch sich an eine Behinderung gewöhnen zu müssen, konnte niemanden leicht fallen. Trotzdem sagte sie ihm nicht, dass er bleiben sollte, was ihn irgendwie verletzte. Er hätte alles für sie getan, und sie schien nichts mehr von ihm zu erwarten).

„Was hältst du wirklich von dieser ganzen Sache, Oliver?", wollte er wissen.

Dieser zuckte die Schultern. „Ich bin mir nicht sicher, ob diesem Rip Hunter zu trauen ist, aber Sara wird mit dabei sein, halte dich nur an sie, sie wird auf dich achtgeben", meinte er, „Hör auf das, was sie sagt, dann sollte alles gut gehen." Sara Lance war Laurels Schwester und die andere Canary. Sie war ein Alpha, und offenbar vertraute ihr Oliver genug um sich darauf zu verlassen, dass sie Ray beschützen würde. Ray war sich nicht sicher, was er davon halten sollte, dass sich Oliver offenbar mit ihr über Ray unterhalten hatte.

„Und es stört dich gar nicht, dass ich einfach so gehe?", fragte Ray dann und hasste sich selbst für diese Frage, „Oder willst du mich los sein?"

Oliver wirkte für einen Moment verwirrt. „Nein, Ray, so ist das nicht", versicherte er ihm dann, „Ich weiß, dass ich es dir nicht immer leicht gemacht habe, aber ich bin nun mal nicht gut mit Omegas. Und ich war eifersüchtig. Aber du hast dich in der letzten Zeit als Atom sehr verbessert, und wir könnten deine Hilfe gegen Darkh sehr wohl gebrauchen. Aber der Alpha in mir will dich natürlich lieber weit weg von ihm und seinen Geistern wissen. Dagegen kann ich nichts tun, und das weißt du auch."

„Aber wenn ich dir so wichtig bin und endlich würdig als Held …" Ray musste es einfach wissen bevor er ging. „Warum wolltest du mich dann nie?"

Oliver wirkte für einen Moment vollkommen erstaunt. Dann meinte er wenig eloquent: „Oh."

Es folgte kurzes peinliches Schweigen, bevor Oliver langsam meinte: „Ich – um ehrlich zu sein, Ray, bis eben wusste ich nicht mal, dass du mich wolltest. Ich meine, Felicity…."

„Oliver, unser gesamtes Gesellschaftssystem beruht auf dem Prinzip der Triade! Das ist es, was ich wollte!", erklärte Ray ungläubig, „Wusstest du das wirklich nicht?"

Oliver schüttelte nur den Kopf. „Es tut mir Leid", räumte er ein, „Ich bin offenbar wirklich nicht gut mit Omegas. Ich weiß nicht, was ich sagen soll…"

Ray seufzte. „Schon gut", meinte er dann, „Zumindest weiß ich jetzt, dass es nicht meine Schuld ist. Meine Großmutter wäre so enttäuscht, im letzten Jahr habe ich mich irgendwie in genau die Art von Omega verwandelt, auf die sie immer herabgesehen hat. Der Verzweifelte, der alles für seinen Alpha tut, nur um ein bisschen Zuneigung abzubekommen." Ray lachte bitter und schüttelte den Kopf. „Und mein Alpha hat es nicht einmal bemerkt."

„Ray, es tut mir so leid. Du weißt, dass das nur meine Schuld ist, nicht - ganz und gar nicht - deine, oder? Ich bin hier eindeutig der kaputtere von uns beiden", behauptete Oliver beruhigend.

„Natürlich bist du das. Ich bin vielleicht ein furchbares Omega-Klischee, aber du hast fünf Jahre auf einer einsamen Insel oder weiß Gott wo sonst verbracht, und kamst als geruchsblinder Alpha von diesem Abenteuer zurück. Es ist mir ein absolutes Rätsel wie du jemals jemanden abbekommen konntest. Was musste Felicity tun damit dir klar wird, dass sie dich mag? Ist sie nackt bei dir zu Hause aufgetaucht?", gab Ray mit leichter Ironie zurück.

„Nein, aber sie war noch nie besonders subtil, wenn es darum ging Männer, die ihr gefallen, anzustarren, aber das weißt du ja selber am Besten", erwiderte Oliver leichthin.

„Pass auf sie auf, ja? Sie tut so stark, aber sie braucht dich jetzt mehr als denn je", bat Ray ernst.

Oliver nickte und umarmte Ray dann plötzlich mit einem Mal, was vollkommen uncharakteristisch für ihn war. „Ich werde für sie da sein, aber pass du auf dich auf, ja? Hör auf Sara und vergiss nicht, dass du jederzeit zurückkommen kannst, wenn irgendetwas schief laufen sollte", schärfte der Bogenschütze Ray während der Umarmung ein.

Dieser nickte. „Ja, Alpha", versprach er, „Ich werde es nicht vergessen. Nichts davon."

Aber es war vorbei, gerade als es angefangen hatte, das wusste Ray. Oliver Queen war der Alpha, der niemals sein Alpha sein würde, dazu verliefen ihre Leben von nun auf zu unterschiedlichen Pfaden.

Doch mit Captain Hunter und der Waverider erwarteten Ray neue Gefühlsverwirrungen, mit denen er nicht gerechnet hätte. Wie sich herausstellte, was es gar nicht so leicht die Zukunft zu retten, und außerdem war die ganze Geschichte mit der Legende, die er in der Zukunft darstellen würde, erstunken und erlogen. Und das, obwohl Ray doch wirklich so gerne etwas erreichen wollte. Sydney würde etwas erreichen, wie es schien. Während Ray vergessen sein würde. Nun, vielleicht könnte er zumindest Rip dabei helfen seine Familie zu retten, wenn er schon im Großen nichts bewirken konnte, dann vielleicht im Kleinen. Als Omega verstand Ray wie wichtig die Familie war. Und er selbst erhielt eine neue Familie, ein neues Rudel, und das ganz durch Zufall.

Zuerst machten sie es ihm nicht leicht. Sara Lance war kühl zu ihm und Professor Martin Stein, der ebenfalls von Rip rekrutiert worden war, erinnerte sich nicht mehr an seinen brillanten Studenten, und das obwohl er Rays Lieblingsprofessor gewesen war! Gehe ich wirklich so durchs Leben? Hinterlasse ich bei niemanden einen bleibenden Eindruck?!

Doch als einziger offizieller Omega an Bord des Schiffes hinterließ er zwangsläufig einen Eindruck bei den anderen. Natürlich nahm er nach wie vor seine Hitzeunterdrücker, aber diese wurde zunehmend unzuverlässig. Sie waren noch nicht lange auf ihrer Mission unterwegs, als Ray gemeinsam mit dem Alpha Mick Rory in einem russischen Gulag landete, wo er sich sogar, nachdem er sich für Mick hatte verprügeln lassen, von diesem immer noch hauptsächlich Vorwürfe anhören musste. „Wir müssen hier raus, wenn du nicht bald vergewaltig werden willst, mein Hübscher, und wir brauchen Geruchsblocker, du stinkst nach Vor-Hitze", meinte Mick, „Das kommt davon, wenn man sich mit den Wachen anlegt."

„Ich habe das für dich getan, Mick", jammerte Ray, der etwas mehr Dankbarkeit erwartet hätte – das hier war wie Oliver hoch Zwei. Er tat etwas um einem unnahbaren Alpha zu zeigen, dass er ihm würdig war, und der Alpha hatte nichts als Kritik für ihn übrig, „Und es ist nicht meine Schuld, dass ich ein Omega bin und noch nie im Gefängnis war! Da würde jeder andere auch eine Stress-Hitze kriegen!" Er maß Mick kritisch. „Willst du nicht etwas näher kommen?"

Als Antwort rückte Mick etwas weiter von ihm weg. „Dein Timing ist schrecklich, Schmalzbubi", meinte er nur, „Das hier ist nicht der richtige Ort für so etwas. Oder die richtige Zeit. Nimmst du keine Hitzeunterdrücker?"

„Ja, doch, aber die wirken wohl nur bedingt. Zuviel Stress. … Mick, hat dir schon mal jemand gesagt, dass du einen sehr interessanten Geruch besitzt?!" Ray näherte sich Mick vorsichtig an, als wäre dieser ein scheues Reh, das mit der falschen Bewegung verscheucht werden könnte, und schenkte ihm seinen besten Schlafzimmerblick.

„Du lässt das besser, wenn du weißt, was gut für dich ist. Das letzte, was du jetzt brauchst ist ein brünftiger Alpha. Leg dich hin und ruh dich aus, du bist verletzt", meinte Mick mühsam beherrscht.

„Es würde mich nicht stören, wenn du dieser Alpha wärst", korrigierte ihn Ray und hatte überhaupt keine Lust sich hinzulegen – zumindest nicht alleine, „Du könntest dich ja mit mir hinlegen. Ich habe deine Prügel kassiert, du könntest wenigstens dankbar genug sein um mich zu halten bis ich einschlafe." Die Vor-Hitze war Rays Kuschelzeit. Und Mick war ein großer starker Mann – er musste ein wunderbarer Kuschelpartner sein.

„Ach du meine Güte. Ja, schon gut, ich mach's. Leg dich hin und ich tue meinen Teil", seufzte Mick. Er stellte sich tatsächlich als guter Kuschelpartner heraus. Zu Schade, dass Ray sich dieses in den Armen gehalten werden durch Prügel hatte erkaufen müssen.

Nach dem Gulag schluckte Ray noch einen Hitzeunterdrücker, da er gesehen hatte wie Beta Jax die Nase über seinen Geruch rümpfte. Mick starrte ihn zwar manchmal an, ging aber auf Abstand. Und kurz darauf verriet er die ganze Crew des Schiffes an Zeitpiraten. Ray war mehr wütend als verletzt. Immerhin bot er nicht jedem an mit ihm kuscheln zu dürfen! Und er ließ sich auch nicht für jeden verprügeln. Mick war wirklich wie Oliver hoch Zwei.

Kendra war nicht viel besser. Sie war ein Alpha mit Problemen, aber offenbar war das Rays Typ Alpha. Und sie schien ihn wirklich zu mögen. Aber sich auf eine Beziehung mit ihr einzulassen stellte sich bald als großer Fehler heraus. Kendra gewann zunehmend ihre Erinnerungen an ihre früheren Leben zurück und damit auch ihre Erinnerungen an die früheren Inkarnationen ihres verstorbenen Seelenverwandten Carter. Hörte nicht jeder gerne von seiner Partnerin, dass man für sie parktisch der Seiten-Omega war?

Nach der ganzen Sache mit Felictiy und Oliver und dem Debakel mit Mick hätte Ray es besser wissen müssen als sich noch einmal auf jemanden einzulassen. Oder vielleicht hätte er sich einfach nicht auf Kendra einlassen dürfen. Doch die anderen am Schiff waren auch keine Option gewesen. Rip ging es darum seine Familie zu retten, Martin seinerseits konnte sich nicht nur nicht an Ray erinnern, sondern war auch noch glücklich verheiratet. Jax war ein Freund, aber mehr auch nicht. Sara hatte ihn verlassen, genau wie Mick zuvor. Sie hatte ihn einfach mit Kendra alleine zurückgelassen und war zurück zur Liga der Assassinen gegangen, als sie zu dritt in den 1950'ern gestrandet waren. Gideon war eine körperlose A. I. und so verzweifelt war Ray nun auch wieder nicht. Und Leonard Snart ….

Zuerst hatte Ray gedacht, er würde mit ihm flirten, weil er sich etwas davon versprach, aber dann hatte er von Mick erfahren, dass Leonard bereit gewesen war ihn im Gulag zurückzulassen. Dann begann er zu vermuten, dass Leonard hauptsächlich deswegen mit ihm flirtete, weil er Sara ärgern wollte oder vielleicht auch Rip. Und schließlich fand er sich damit ab, dass Captain Cold scheinbar einfach gerne flirtete, aber nichts dahinter stecken musste. Wie in Rays Fall offenbar.

Also blieb nur Kendra. Er fand sie hübsch und er wusste, dass sie ihn gutaussehenden fand, das sagte zumindest Professor Stein. Zuerst sagte sie ihm noch, sie hätte kein Interesse, aber im nächsten Moment spielten sei ein verheiratetes Paar und lebten zwei Jahre ungewollt so zusammen. Und in den 50'ern gab es keine Hitzeunterdrücker. Trotzdem wollte Ray sie nicht nur aus Anstand heraus um ihre Hand bitten. Er liebte Kendra, das tat er wirklich. Er liebte sie so wie er einst Anna geliebt hatte. Zumindest dachte er, dass das der Fall sein müsste, bis er Anna wiedersah. Danach musste er sich eingestehen, dass seine Gefühle für Kendra anders waren als jene, die er für Anna gehegt hatte und offenbar immer noch hegte, aber in der Liebe gab es kein besser oder schlechter, nur anders. Zu diesem Zeitpunkt hielt er ihre Beziehung noch für gesünder als seine Besessenheit von Oliver oder seine schmerzende Enttäuschung darüber, dass Felicity, Mick, Leonard und Sara ihn alle nicht genug wollten um ihn wirklich zu wollen.

Doch seiner Verlobung mit Kendra fühlte sich zunehmend falsch an. Immer wieder versicherte Kendra sie würde ihn lieben, und immer wieder wollte er ihr auch glauben, aber letztlich schlich sich zunehmender Zweifel in sein Herz, der am Ende auch bestätigt wurde. Die zukünftige Version von Carter stellte das in Fleisch und Blut gehüllte Ende seiner Beziehung zu Kendra dar, das wusste er. Aber vielleicht war das ganz gut so. Offenbar war es Rays Schicksal zu sterben, durch Carter hätte Kendra dann wenigstens noch jemanden, den sie lieben konnte.

Der Gedanke daran sterben zu müssen, gefiel Ray natürlich nicht. Er gefiel auch sonst niemanden, am allerwenigsten Mick, der ins Team zurückgekehrt war und seinen Verrat wieder gut machen wollte. Doch Ray sagte sich: Wenn er schon sterben musste, dann würde er wenigstens sterben, während er etwas Gutes tat. Für Leute, an denen ihm etwas lag.

Da er ein Omega war, und da er Ray war, und es letztlich immer so war, machte er sich keine Illusionen darüber, dass er sein Team mehr liebte als dessen Mitglieder ihn. Er wusste das und er akzeptierte es. Trotzdem, um sie zu retten würde er gerne sterben.

Aber Mick hatte nicht vor ihn sterben zu lassen. Und Leonard hatte nicht vor Mick sterben zu lassen. Sie spielten die Alpha-Beta-Omega-Version von russischem Roulette mit dem Oculus, und wie so oft im echten Leben auch trug der Beta den Sieg davon – letztlich war es Leonard Snart, der für das Team sterben durfte.

Ray fragte sich nachher, ob Mick es jetzt wohl bereute ihn gerettet zu haben, da ihn diese Tat Leonard gekostet hatte. Ob Freund, Bruder oder Liebhaber, es war offensichtlich, dass Leonard der Mensch gewesen war, der Mick am meisten auf dieser Welt bedeutet hatte. Und nun war er weg, dafür war Ray noch da.

Und nun nachdem Leonard für ihn – für sie alle – gestorben war, war es für Ray klar, dass er das Team nicht im Stich lassen konnte, und dass er Mick noch weniger im Stich lassen konnte. Er schuldete es Leonard sich an seiner Stelle um Mick und den Rest des Teams zu kümmern. Zum Glück schloss sich beides nicht gegenseitig aus, denn sie alle brauchten ihn. Rip, dem es ihm nicht gelungen war seine Familie zu retten. Sara, die Laurel verloren hatte. Jax und Martin, die in ihrer Rolle als Firstorm genau wie in ihren Rollen als Mechaniker der Waverider und teameigener Nuklearphysiker nur dann wirklich aufgehen konnten, wenn sie die Betas in diesem Team sein konnten.

Wer ihn nicht brauchte war Kendra. Sie hatte Carter wieder. Ihren Mann in so vielen Leben zuvor und so vielen noch bevorstehenden Leben. Kendra brauchte ihn nicht. Sie brauchte Carter, und Carter brauchte sie, und Ray hatte nicht vor ihnen im Weg zu stehen. Ja, er war der Angeschmierte, er war ein Omega, der von seinem Alpha für einen Beta verlassen wurde - die alte Geschichte, vor der ihm seine Oma gewarnt hatte. Aber, er würde sich deswegen nicht verrückt machen. Er hatte sich lange genug wegen Kendra verrückt gemacht, und er würde genau jetzt damit aufhören. Immerhin hatte er das Ende kommen sehen. Also würde er es akzeptieren, genauso wie die Tatsache, dass ihm sein Schicksal gestohlen worden war.

Und er würde das tun, was nur ein Omega konnte: Er würde sein Rudel zusammenhalten, indem er sich um alle Mitglieder kümmerte. Er würde sie alle unterstützen. Denn er war der Omega – das war seine Aufgabe, und er machte sie gerne.


A/N: Und dieser Teil wurde sogar noch länger als der Sara-Teil.

Ich habe bereits einmal „Handle Alphas with Care and Cuddles" als Inspiration für diese Fic genannt. Meine Version von Oma Palmer stellt sozusagen eine Hommage an diese Fic dar, in der Ray auch eine starke Omega-Großmutter besitzt.

Nächstes Mal: Der dritte Prolog, immerhin ist es eine A/B/O-Fic, also muss es auch noch einen Beta-Prolog geben, also kommt Martin das nächste Mal dran.

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