o~O~o~O~o Kapitel 2 o~O~o~O~o
Der Feind in meinem Haus
"Das Gästezimmer ist gleich ob-. . ."
"Ich weiß, wo die Gästezimmer sind, Dummkopf!"
"Äh, klar. Natürlich." Nervös kratze ich mir am Nacken und überlege dabei, ob das wirklich eine gute Idee von mir war sie mitzunehmen.
Aber wo hätte sie sonst hingehen können? Zurück zu diesen Mistkerlen, die sie vor wenigen Minuten noch brutal vergewaltigt haben? Wohl kaum.
Was die Malfoys betrifft, sie denken noch immer Bella sei tot. Es wäre zu viel, wenn sie plötzlich vor ihrer Haustür stehen würde. Außerdem haben sie sich von ihrem Todesser Dasein komplett gelöst, Bellatrix würde sie da nur wieder mit reinziehen.
Schweigend mustere ich sie von unten bis oben, was sie mir gleichtut.
"Ist irgendwas?" Harsch durchbricht ihre dunkle Stimme die Stille.
Zögerlich greife ich nach einem Taschentuch und drücke es ihr in die Hand.
"Du solltest vielleicht das Blut im Gesicht beseitigen."
Grummelnd wirft sie das Tuch weg und läuft in die Richtung der Treppe, die in den ersten Stock führt.
"Master Potter, mit wem sprichst du?" Der dunkle Flur wird durch einen Lichtstrahl, der aus der Küche heraustritt, erhellt.
Kreacher tretet langsam hervor und starrt abwechselnd zu mir und Bellatrix, verlegen etwas zu der Situation zu sagen.
"Mistress Black, was für eine Ehre sie in später Stunde in diesem Haus zu treffen."
Augenblicklich leben die Gemälde an den Wänden auf und tausende von Augenpaaren wenden sich zu uns.
"Kleine Bella!" Walburgas donnernde Stimme ertönt freudig durch den düsteren Flur.
"Hallo, Tante." Genervt will sie sich von ihren Verwandten abwenden und die Treppe hinaufsteigen, doch soweit kommt sie nicht, ehe sie wieder angesprochen wird.
"Du hast dir also endlich dein Erbrecht zu eigen gemacht und schmeißt diesen elenden Potter Jungen heraus!"
"Hey, ich stehe zufällig auch noch hier!" Schallendes Gelächter bricht aus, doch niemand schenkt mir wirklich Aufmerksamkeit. Dabei sind das sogar auch meine entfernten Verwandten, traurige Sache.
"Ja ja, in Prinzip schon. Ich werde ihn schon irgendwie los." Lässig schleicht Bellatrix die Treppen hoch und verschließt sich im Badezimmer.
Es wird langsam wieder still im Flur, man hört nur noch den Wind, der draußen heulend durch die Landschaft zieht.
"Ich glaube es wird langsam mal Zeit für ein paar neue Bilder, was denkst du Kreacher?"
"Wage es nicht, du elendes Halbblut!" Genervt verdrehe ich die Augen, während meine Hände nach dem Mantel an der Garderobe greifen und ihn über Walburgas Gemälde werfen.
Mein nächster Halt ist in der Küche, wo ich mir ein Brot schmiere. Die ganze Aufregung ließ mich etwas hungrig zurück.
Plötzlich höre ich ein lautes 'Plopp' hinter mir.
"Master Harry! Du bist zurück und hast einen Gast mitgebracht!"
Nala's piepsige Stimme ertönt hinter mir und erfüllt den ganzen Raum.
"Schön dich wiederzusehen, Nala." Ihre großen, blauen Augen schauen mich freudig an.
"Soll ich das Gästezimmer herrichten, Master?"
Zögernd denke ich kurz nach, doch die beiden haben heute schon genug getan und benötigen auch mal ihren Schlaf.
"Nein, der Gast wird es sich selbst einrichten. Übrigens heiße ich Harry, kein Grund für einen Titel Nala."
Eifrig nickt sie mit ihrem kleinen Kopf und wartet scheinbar auf irgendeine Aufgabe.
"Sag Kreacher, dass für heute nichts mehr ansteht. Geht ins Bett, ich komme alleine zurecht."
Nickend verbeugt sie sich zum Abschied und verschwindet in ihre kleine Schlafkammer.
Langsam kehrt Ruhe ein, was ich nach all der Action nur willkommen heißen kann.
Meine Beine führen mich automatisch zur Couch, im Wohnzimmer, wo ich mich entspannt drauf niederlasse und kurzerhand auch schon einnicke.
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Mein Schlaf wird unterbrochen, da irgendetwas in der Küche poltert. Müde suche ich meine Brille vom Boden auf, die mir im Schlaf von der Nase gerutscht ist.
'Wie spät es wohl ist?'
Ich wage einen Blick auf die große Wanduhr, mitten im Raum, deren vergoldeter Zeiger gerade auf Punkt Vier Uhr schlägt.
Gähnend stehe ich von der Couch auf und möchte nur noch in mein Bett, jedoch nicht ohne zuvor noch nachzusehen, wer gerade dabei ist die Küchenausstattung zu vernichten.
"Nala? Kreacher, was macht ihr da?" Das Poltern wird abrupt leiser, als ich meine Stimme erhebe und in die Küche hereintrete.
Der Anblick lässt mich erstarren und vor Schreck aufschreien.
"Bellatrix?!"
"Ja?" Die Stimme von ihr klingt ruhig und gelassen, während sie sich etwas auf ihrem Brot schmiert.
Verwirrt beobachte ich sie dabei, dann wird mir wieder alles klar.
"Nichts, ich habe-. . .mich nur gerade kurz gewundert, wieso du in meiner Küche stehst."
"Du hast mir angeboten die Nacht hier zu bleiben, schon vergessen? Außerdem hatte ich hunger und du hast tief und fest geschlafen."
"Seit wann macht sich eine Hexe wie du selbst was zu essen?"
"Na, seit ich Kreacher oder deinen anderen dummen Elf nicht finden konnte."
"Nala. Nur zur Info, die beiden werden mit Respekt behandelt, auch von dir."
"Pff, sonst noch ein Wunsch? Wenn ja, nerv deine zwei kleinen Freunde damit."
"Wie dem auch sei, pack die Sachen wieder weg. Ich leg' mich hin."
Nickend beißt sie in ihr Brot rein und winkt mich mit der freien Hand aus dem Raum heraus.
Nicht mal einen Tag und ich verabscheue sie jetzt schon, aber irgendetwas hat sie an sich, was mich fasziniert. Diese Frau steckt einfach voller Geheimnisse.
'Vergiss es Harry, denk nicht mehr über diese schreckliche Frau nach!'
Ich will gerade die Lichter im Wohnzimmer löschen, als ich einen donnernden Schmerz am Kopf spüre und zu Boden falle.
"Was zum-. . ." Meine Worte werden durch eine Hand erstickt, die fest meinen Mund zudrückt.
"Hast du wirklich gedacht, ich komme mit dir und mache eins auf Happy Family mit dir und deinen Elfen? Ha, noch immer der selbe naive Junge, Potter!"
Wütend versuche ich Bellatrix von mir zu reißen, doch sie presst mir ein Küchenmesser an die Kehle.
"Gib mir deinen Zauberstab. Das ist alles was ich will, vielleicht lasse ich dich dann sogar am leben."
Ich schüttele meinen Kopf, was nur dazu führt, dass sie ihr Messer tiefer in mein Fleisch drückt und ich spüren kann, wie warmes Blut von meinem Hals hinab läuft.
Schreiend lässt sie ihr Messer fallen, als ich mit aller Kraft in ihre Hand beiße, die meinen Mund verschlossen hat. Blitzschnell richte ich mich auf und spucke dabei das bittere Blut von ihr aus meinem Mund.
Bevor sie reagieren kann reiße ich sie herunter und drücke sie grob an ihren Schultern am Boden fest.
"Lass mich los, nimm deine Hände weg!"
"Warum? Damit du mich wieder angreifen kannst? Ich biete dir mein Haus an und du attackierst mich, was stimmt nicht mit dir?"
"Du hast ihn getötet, du dummer Junge!"
"Was interessiert dich das noch? Er wollte nur Macht, wenn er gesiegt hätte, wärt ihr als nächstes tot gewesen!"
"Das stimmt nicht, sei still, du Lügner!"
"Er hatte für niemanden etwas übrig, außer für sich allein. Du belügst dich selbst, wenn du es nicht genauso siehst."
"Nein, da irrst du dich! Er konnte lieben, er liebte mich!" Mit aller Kraft reißt sie sich los und steht stolz vor mir.
Ohne zu zögern, halte ich ihr meinen Zauberstab entgegen.
"Voldemort konnte nicht lieben, er war seit seiner Geburt immun gegen jeglicher Zuneigung."
Ich halte meine Stimme möglichst gedämpft, als ich ihren schmerzlichen Blick sehen kann. Er war der einzige Mensch, denn sie geliebt hat und ich bin derjenige, der ihn ihr genommen hat.
Hilflos schlingt sie ihre Arme um ihren Körper und verliert dabei eine winzige Träne, die ihre Wange hinab läuft.
"Okay, Bellatrix. Ich musste es tun, dass weißt du. Ich werde mich nicht dafür entschuldigen die Zauberwelt vor einem Tyrann beschützt zu haben. Aber es tut mir dennoch Leid, dass ich dir jemanden genommen hab, den du liebst. Ich weiß, was es für Schmerzen sind."
"Das ändert rein gar nichts!" Wieder versucht sie mich zu Boden zu bringen und meinen Zauberstab an sich zu nehmen.
"Incarcerus!" Augenblicklich schlingt sich ein Seil um ihren zierlichen Körper und lässt sie auf den kalten Fußboden fallen.
"Gute Nacht, Bellatrix." Rufe ich ihr über meine Schulter entgegen, während ich ermüdet vom Kampf die Treppe heraufsteige.
"Binde mich los, Potter! Sofort!"
"Morgen vielleicht." Rufe ich zu ihr hinunter, dann schließe ich meine Tür und versiegel sie zusätzlich mit einem Schutzzauber.
'Bei ihr weiß man's ja nie.'
Meinen Zauberstab lege ich unter mein Kopfkissen und meine Brille griffbereit auf meinem Nachttisch.
Im selben Moment als mein Kopf das Kissen berührt, falle ich auch schon in einen tiefen Schlaf.
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Warmes Sonnenlicht kitzelt meine Haut und holt mich unweigerlich aus meinen Schlaf. Gähnend strecke ich mich und krieche aus der warmen Bettdecke raus. Ein kurzer Blick auf meine Uhr verrät mir, dass es bereits nach Mittag ist.
Zügig sammele ich mir passende Klamotten aus dem Schrank und verschwinde ins Bad.
Ich wasche mir mein Gesicht und begutachte mich ein wenig im Spiegel, dabei bemerke ich Kratzspuren an meinen Schultern und streiche mit meinen Fingern über die Wunde am Hals.
'Ich muss Shacklebolt unbedingt noch kontaktieren.' Die ganze Zeit kreist sich dieser Gedanke um meinen immer noch schmerzenden Kopf.
Als ich die Treppe hinuntersteige, ertönt schon Nala's fiepsige Stimme aus der Küche.
"Master-. . .Äh Harry, dass Essen ist bereit zum Servieren."
"Ist gut, Nala. Ich komme sofort."
Ich mache jedoch Halt, als ich Bellatrix schlafenden Körper auf dem Fußboden liegen sehe.
Ihre zerzausten Haare sind noch feucht und das Seil ist noch immer eng um sie gewickelt. Keine besonders bequeme Position.
Vorsichtig löse ich das Seil von ihr und streiche ihr das Haar aus dem Gesicht.
'Völlig weggetreten.'
Ich zögere für einen Augenblick, doch ich bringe es nicht über mich sie einfach liegen zulassen.
Nervös umklammere ich ihren Körper und lege sie behutsam auf die Couch im Wohnzimmer, welches mit der Küche verbunden ist.
Bevor ich mich zu meinen Hauselfen geselle, nehme ich noch eine Decke und lege sie um sie herum.
'Schlafend sieht scheinbar jede Person halbwegs unschuldig aus.'
Murmele ich langsam vor mir hin, während ich mich an den Küchentisch begebe.
"Kreacher, hast du den Tagespropheten?"
"Hier, Master Harry."
"Danke. Setzt euch doch." Zögerlich setzen sich Kreacher und Nala auf die freien Stühle, es tut mir Leid zu sehen, wie die kleinen Wesen ihr Leben lang unterdrückt wurden.
"Was tun wir mit unseren Gast, Master Harry?"
"Ich werde den Orden informieren müssen, ihnen erzählen, wie die ganze Situation überhaupt entstanden ist."
"Wenn sie flieht?" Ängstlich schielt Nala zu der schlafenden Gestalt auf der Couch herüber.
"Ich habe einen Schutzzauber über dieses Haus gelegt, den wird sie ohne Magie nicht durchbrechen können."
"Aber sie kann uns trotzdem weh tun." Aufgelöst klimpert sie mit ihren großen Augen und zieht an ihren langen Ohren, etwas das Dobby immer getan hat, wenn er in Panik war.
"Okay, ganz ruhig Nala. Sie wird uns nichts tun, verstanden?"
"Da wäre ich mir nicht so sicher."
Eine Stimme erklingt aus dem Wohnzimmer, kurze Zeit später erhebt Bellatrix sich von der Couch, stützt sich mit ihren Armen an der Rückenlehne ab und grinst düster zu mir herüber.
"Keine Sorge, Nala. Bellatrix mag es nur gerne zu provozieren, wenn sie sich bedroht fühlt."
Ruhig genehmige ich mir einen Schluck von meinem Kaffee und ahme ihr sarkastisches Lächeln nach.
"Ich fühle mich von niemanden bedroht."
"Wie dem auch sei, vielleicht solltest du etwas essen. Bevor Shacklebolt nachher auf die Idee kommt dich sofort in eine Zelle zu sperren."
Tatsächlich erhebt sie sich von der Couch und gesellt sich langsam zu uns an den Tisch, natürlich nicht ohne einen angewiederten Blick zu Nala und Kreacher zu richten.
Schweigend sitzen wir zusammen, während die Zeit vergeht.
"Willst du das noch immer tragen?"
Fragend zieht Bellatrix eine Augenbraue hoch und schaut zu sich hinunter.
"Seh' ich so aus, als hätte ich meinen halben Kleiderschrank mitgebracht?"
"Oben steht ein großer, alter Schrank. Ich denke, dass war im Zimmer deiner Tante, als ich hier das erste Mal drinnen war führte Sirius mich durch alle Räume. Allerdings ist er fest verschlossen, also bin ich nicht sicher, was sich darin verbirgt. Vielleicht findest du was Brauchbares, falls du ihn öffnen kannst."
Ihr Kleid ist völlig zerfetzt und übersät mit kleinen Blutflecken. Ihr scheint es dennoch nichts auszumachen, wie auch, sie trug immerhin für vierzehn Jahre schon ein und dasselbe Hemd.
Stumpf erhebt sie sich von ihrem Stuhl und wandert die Treppe hinauf. Um sicherzugehen, dass sie nicht wieder irgendetwas Hinterhältiges plant, folge ich ihr in näherer Entfernung.
Unschlüssig steht Bellatrix vor dem großen alten Holzschrank und begutachtet die feinen Details, goldene Schnörkeleien, die das Schloss zieren. Beim näheren Hinsehen bemerke ich, dass es Schlangen sind, die mit giftgrünen Smaragdsteinen dekoriert sind.
"Was machst du da?!" Geschockt starre ich auf ihren blassen Arm, an dem frisches Blut hinunter läuft. Bellatrix hat sich mit ihren langen Nägeln einen kleinen Riss in den Unterarm gezogen.
"Davon hast du keine Ahnung, solche Mechanismen sind von Reinblüter entwickelt worden und auch nur für Reinblüter zugängig."
Langsam wischt sie mit ihrem Daumen das Blut vom Arm und lässt es langsam in das Maul der Schlange tröpfeln.
Staunend stelle ich fest, dass nach und nach die Smaragdsteine zu leuchten beginnen. Die Schnörkeleien bewegen sich und bilden leuchtende Buchstaben.
"Toujours Pur." Laut lese ich die leuchtende Schrift vor und frage mich, was es bedeuten könnte. Fremdsprachen waren nie meine Stärke.
"Immer rein." Übersetzt Bellatrix stolz und öffnet langsam die Schranktüren.
Neugierig blicke ich über ihre Schulter und schaue die Kleider an, die sie der Reihe nach aus dem Schrank greift.
Im oberen Regal im Schrank erkenne ich viele verschiedene Gegenstände, unter anderem eine alte Spieluhr.
"Fass' das nicht an!"
"Aua, ist ja gut!" Schnell ziehe ich meine Hand weg, als sie mir einen ordentlich Schlag verpassen will.
"Was ist das? Wieso darf man die nicht anfassen, ist doch nur eine Spieluhr?"
"Spürst du das nicht?" Meine Hand zuckt als Bellatrix sie ergreift und sie zu der Spieluhr führt, doch ehe ich sie berühren kann hält sie still.
Ein plötzliches Kribbeln dringt in meine Hand und kurze Zeit später spüre ich es am ganzen Körper, jedoch beginnt das Gefühl sich in stechenden Schmerz zu verändern und düsteres Geflüster hallt durch meinen Kopf.
"Okay, okay. Hör auf, bitte!" Mit aller Kraft ziehe ich meine Hand weg und starre sie entsetzt an. Statt ihre Hand ebenfalls wegzuziehen hält sie sie weiterhin an die Spieluhr heran und fängt an zulachen.
"Schwarze Magie, Potter. Ist wohl eine Nummer zu groß für Hogwarts neuen Superhelden." Stolz lässt sie sich nieder und streicht sanft ihre Finger über die verschiedenen Stoffe, die sich auf den Fußboden gesammelt haben.
"Vielleicht bringt es nichts dich zurück nach Azkaban zu schicken, ich meine die Vorstellung wie dir ein Dementor die Seele aussaugt ist zwar zufriedenstellend, doch ich denke, dass selbst die Angst hätten dir zu Nahe zu treten."
"Ist das etwa eine andere Art zu sagen, dass du mich gerne hier behalten würdest?" Lasziv stützt sie sich mit den Armen ab und schaut zu mir herauf.
"Nein, dass ist eher eine Art zusagen, dass du noch verrückter bist, als bekannt ist. Jetzt such' dir was zum Anziehen, der Besuch trifft jeden Moment ein."
Kaum sind die Worte ausgesprochen klingelt es auch schon an der Tür. Zügig laufe ich die Treppe herunter, aber nicht ohne vorher Bellatrix einen Blick zu zuwerfen und mit strengen Blick auf den Kleiderhaufen vor ihr zu zeigen.
"Harry!" Freudig stürmt Tonks durch die Tür und küsst mich auf die Wange.
"Guten Tag, Harry. Schön dich so-. . .lebendig zu sehen." Shacklebolt wirft mir ein kurzes Lächeln zu, bevor er sich unsicher im Haus umsieht.
"Sie ist oben, zieht sich um." Antworte ich ihm in einen nervösen Ton. Die ganze Situation ist noch immer schwer zu begreifen und Bellatrix hat bis jetzt nicht wirklich dazu beigetragen, dass ich die Entscheidung nicht bereue.
"Okay, am besten setzen wir uns erst einmal und warten bis sie kommt."
Shacklebolts ruhige Stimme besänftigt sofort alle Gemüter, die sich jetzt alle im Wohnzimmer sammeln und sich um den großen Ecktisch drum herum setzen. Nala kommt auf wackeligen Beinen mit einem großen Tablett auf uns zu und serviert allen eine heiße Tasse mit Tee.
"Danke Nala." Antworte ich ihr höflich.
"Soll ich Mistress Black holen?"
"Nein, ist schon gut. Ich werde sie holen gehen." Erst schaue ich auf die Uhr, dann fällt mir auf, dass sie schon viel zu lange oben ist. Kein gutes Zeichen.
"Entschuldigt mich kurz." Leise erhebe ich mich von meinem Platz und laufe die hölzerne Treppe hinauf.
"Bellatrix?" Ihr Name entflieht so einfach von meinen Lippen, fühlt sich jedoch jedes Mal wie Gift auf der Zunge an.
Vorsichtig laufe ich an jedem Raum vorbei und schaue nach wo sie sich aufhalten könnte.
Vor der Gästezimmertür komme ich zum Stehen und schaue durch den dünnen, offenen Türspalt.
Mein Blick überprüft die linke Seite des Zimmers, die völlig seelenlos ist. Nervös wandere ich weiter zur rechten Seite und bleibe verdutzt stehen, als ich sie sehen kann. Vor dem Spiegel. Beim Anziehen. Halbnackt.
Sofort distanziere ich mich von der Tür und will unentdeckt bleiben, doch leider vergebens. Meine Hand rutscht vom Türrahmen ab und reißt beim kläglichen Versuch des Festhaltens die Kerze an dem Kerzenhalter an der Wand von der Fassung.
"Verdammt." Murmele ich so leise wie es nur geht, als die Kerze meinen Arm streift und sich eine kleine Flamme durch mein Hemd brennt.
Hektisch klopfe ich diese aus und hebe die Kerze vom Boden auf.
"Da geht der Spanner in Flammen auf." Vor mir öffnet sich die Tür und eine lächelnde Bellatrix blickt mir direkt in die Augen.
"Wenn du schon gaffst, dann kannst du mir auch helfen." Sie dreht ihren Rücken zu mir hin und tippt auf den Reißverschluss, der sich gefährlich niedrig an ihrer Kehrseite befindet.
Ich kann mich gerade zwar nicht selbst sehen, aber ich würde wetten, dass mein Gesicht einen gefährlich verräterischen Rotton angenommen hat.
"Ja, ähm, klar doch." Nervös greifen meine zitternde Finger nach dem Verschluss und ziehen ihn bis nach oben zu ihrem Nacken.
"Fertig?"
"Jab, bereit für mein Interview." Lässig lässt sie ihre Haare wieder über ihre Schultern fallen und schreitet elegant die Treppe hinunter, direkt ins Wohnzimmer.
Sie lässt sich gegenüber von Shacklebolt auf der Couch nieder, stolz als wäre es ein Thron.
"Guten Tag, Miss Black. Wie sie sicherlich wissen, hat Harry uns kontaktiert, um über die jetzige Situation aufmerksam zu machen und eine optimale Lösung zu finden."
"Was ist die Lösung? Eine Zelle im Drecksloch, auch bekannt als Azkaban oder lieber gleich die Erlösung durch den Todesfluch?" Erwartungsvoll schaut sie die drei Auroren vor sich an und wartet auf eine Antwort.
"Der Todesfluch wäre für Ihresgleichen ein Zeichen der Barmherzigkeit, die Sie nicht verdienen." Antwortet Proudfoot durch knirschenden Zähnen. Er vergaß nie, was den Longbottoms wiederfahren ist und was Bellatrix beinahe mit Tonks angestellt hätte.
Das Letztere völlig ruhig da sitzt überrascht mich daher ein wenig, doch ihre Augen folgen gebannt den Gesichtszügen ihrer grausamen Tante.
"Proudfoot, bitte. Wir wollen unsere Unterhaltung nach Möglichkeit ambitioniert halten."
Trotzig verschrenkt er die Arme vor der Brust und schaut auf den Fußboden, um die Wut in seinen Augen zu verbergen.
"Wie wir herausgefunden haben, sind weitere Todesser wieder ins Tageslicht getreten und haben sich mit einzelnen Greifern vebündet."
"Kann sein." Gleichgültig zuckt Bellatrix mit den Schultern und greift nach ihrer Tasse mit Tee.
"Ihnen ist hoffentlich bewusst in welch einer Lage Sie sich derzeit befinden, es wäre also nur von Vorteil, wenn Sie mit uns kooperieren würden."
Shacklebolts Stimme wird energischer und auch seine Körperhaltung spannt sich an.
Er versucht immer und immer wieder auf Bellatrix einzureden, doch sie hält komplett dicht.
"Also gut, vielleicht wäre es besser, wenn wir unser Gespräch ohne die Anwesenheit von Miss Black fortführen würden."
Stumm geben wir unser Einverständnis durch ein Nicken bekannt, was Bellatrix zum Grummeln bringt, während sie sich von der Couch erhebt.
Genervt stapft sie die Treppe nach oben in ihr Zimmer.
"Harry, du hast die Situation zwar grob geschildert, aber wir sind uns immer noch nicht im Klaren, weshalb du sie hier her gebracht hast und sie nicht direkt dem Ministerium überliefern wolltest."
Diesmal erhebt Tonks ihre Stimme und schaut mich dabei erwartungsvoll an. Doch ich bin mir nicht sicher, ob ich ihnen die ganze Geschichte sagen sollte.
Bellatrix wollte es ihnen nicht sagen, wahrscheinlich unter anderem aus Schamgefühl, da kann ich das nicht einfach erzählen.
'Sie ist gerade nicht hier Harry, außerdem müssen sie es wissen. Na los, erzähl' schon.'
"Es fing an, als wir das drei Besen verlassen haben und ich mit Ron, Hermine und Neville die Straßen entlang lief, um mir anzusehen, was sich in den Jahren veränderthat. Unsere Gespräche wurden plötzlich unterbrochen, als wir laute Stimmen aus einer Gasse hörten-. . ."
Mein Mund verstummt als mir die Bilder wieder durch den Kopf gehen, die ich eigentlich verdrängen wollte.
"Was ist in der Gasse passiert Harry?" Tonks streichelt sanft über meine Hände, die ich vor mir zusammengefaltet habe, während ich nichtssagend auf den Boden blicke.
"Es waren um die fünfzehn Mann, sie standen um ein sich streitendes Paar herum. Neville und ich gingen näher heran und erkannten sofort Greyback und Bellatrix."
"Diese Bestie lebt also auch noch, welch eine Schande."
"Shh, Proudfoot. Lass Harry bitte zu Ende erzählen."
"Neville wollte gehen, weil es zu viele waren, doch ich wollte wissen, ob sie sich über irgendwelche Pläne unterhalten würden. Stattdessen eskalierte der Streit und Fenrir bedrohte Bellatrix. Er hat ihren Zauberstab gebrochen, sie war ihm also völlig unterlegen. Als er einen Moment unaufmerksam war hat sie ihren Kopf gegen seine Nase geschlagen und rannte aus der Gasse, um zu apparieren. Doch ehe sie fliehen konnte, hielt er Bellatrix fest und schlug sie zu Boden."
"Dann hast du ihr geholfen?"
Schuldbewusst erhebe ich meinen Kopf und starre in die Augen von Tonks, die mich aufmuntert anlächelt.
"Nein. Also, ich wollte helfen, aber wir standen in deren Blickfeld. Ich konnte nicht riskieren, dass meinen Freunden etwas passiert. . .-"
"-. . .Sie haben sie mit Schmerzen, blutend und gebrochen zurückgelassen, jeder einzelne von ihnen hat ihr das angetan. . .Als es endlich vorbei war, konnte ich nicht anders, als ihr zu helfen."
Meine errötenden Augen starren wieder in die Leere, dabei spüre ich, wie die drei mich fixieren, unwissend darüber, was sie sagen könnten und ob sie etwas sagen sollten.
"Was passiert ist, ist nicht deine Schuld."
"Ich bin jetzt ein Auror, ich hätte so etwas verhindern müssen."
"Harry, hör mir zu. Du hast Neville, Ron, Hermine und deren Kind beschützt. Heldenttaten erfordern Opfer, du hättest es nicht verhindern können."
"Sie hat mich gesehen-. . ." Mein Kopf neigt sich wieder nach oben, um Tonks in die Augen blicken zu können.
"-. . .Bellatrix wusste, dass ich da war und zugesehen habe. Aber sie verriet mich nicht, also konnte ich sie auch nicht wieder zu diesen Mistkerlen gehen lassen."
"Denkst du, dass hätte sie gemacht?"
"Wo sollte sie sonst hin? Als ich Bellatrix fragte, wich sie mir aus und meinte, sie würde mir keinen Ort nennen, wo die Todesser sich derzeit aufhalten. Zugegeben hätte sie es zwar nie, aber Bellatrix wusste nicht, wo sie bleiben sollte. Ich sah's in ihrem Blick."
"Wir sollten uns gut überlegen, was wir mit ihr machen. Ich meine, sie könnte uns von Nutzen sein."
"Denkst du, sie würden anfangen nach ihr zu suchen?" Fragend schaut Proudfoot zu Tonks herüber.
"Nein, nicht unbedingt, aber sie könnte uns eventuell zu ihnen führen, bevor irgendein übler Plan umgesetzt werden kann."
"Als ob sie einen ihresgleichen verraten würde, schon vergessen, Bellatrix ist seine loyalste Dienerin gewesen."
"Es benötigt eine gewisse Zeit. . ."
"Was meinst du?"
". . .Ihr Vertrauen." Ruhig schaut Tonks zu Proudfoot herüber, als sie ihren Tee trinkt und die Tasse dann wieder abstellt.
"Niemand ist im Besitz von ihrem Vertrauen, bis auf die Malfoys und selbst die genießen es nur eingeschränkt."
"Da magst du recht haben, aber denkt mal nach; Bellatrix wäre nie mit dir mitgekommen, Harry, du warst und bist vermutlich noch ihr größter Widersacher. Ich kenne meine Tante nur zu gut, dieses Verhalten wäre mir ganz neu."
"Was denkst du, wäre der Grund für ihr fremdartiges Verhalten?"
"Angst, Harry. Bellatrix war dabei, als du Voldemort besiegt hast. Ein Siebzehnjähriger besiegt den mächtigsten dunklen Zauberer unserer Zeit, dass hat sie nicht vergessen."
"Angst? Wohl eher Wut, gestern hat sie versucht mich deswegen umzubringen!"
"Genau das sage ich ja, in Wahrheit hat sie Angst, weil sie genau weiß, dass du ein mächtiger Zauberer geworden bist und das wiederrum macht sie wütend."
"Angst oder Wut hin und her, wenn Bellatrix eine Bedrohung für Harry darstellt muss sie weg."
"Ich hatte die Situation unter Kontrolle. Möglichweise hat Tonks sogar recht, dass war schließlich auch mein erster Gedanke, weshalb ich ihr geholfen habe. Angenommen, die Todesser haben bereits einen Plan, dann müssen wir ihn rechtzeitig stoppen. Die einzige Anlaufstelle, die wir haben ist Bellatrix."
". . .Wenn Todesser in einer Sache gut sind, dann ist es wie man am besten unentdeckt bleibt, seit dem verlorenen Krieg erst recht."
Proudfoots Einsicht überrascht mich, wenn es nach ihm gehen würde, wäre Bellatrix jetzt schon längst bei lebendigen Leib verbrannt worden.
"Wenn ich die Schlussfolgerung aus diesem Gespräch ziehe, ist es folgende Lösung, in der Bellatrix Black nicht an das Ministerium ausgeliefert wird und demnach erst unter aller strengster Beobachtung bleiben wird, habe ich richtig verstanden?"
"Wir sollten ihr ein Zeitfenster geben, wenn es Harry gelingen sollte ihr Temperament etwas zu zügeln, dann kriegen wir vielleicht wirklich Zugang zu ihr."
"Wartet ein Moment. . .Wenn es mir gelingen sollte?. . .Sie soll also hier bleiben, bei mir?"
"Es wäre nicht sehr sinnvoll die Malfoys mit ihrer Anwesenheit zu belasten, sie haben sich gerade an ihren neuen Lebensstil gewöhnt, Bellatrix würde nur für Chaos sorgen. Aber es liegt natürlich an dir Harry, wenn du dich von ihr bedroht fühlst weisen wir sie erst einmal nach Azkaban ein, doch von dort werden wir keine Informationen von ihr erhalten."
Ich weiche Shacklebolts fragenden Blick aus und starre stattdessen zur Treppe. Kann man es riskieren sie hier zubehalten? Was ist, wenn sie mich wieder angreifen will? Aber Bellatrix hat keinen Zauberstab, viel bewirken kann sie nicht. . .
"Von welchem Zeitfenster sprechen wir hier?"
"Das ist allein deine Entscheidung, Harry."
Wieder zögere ich und denke noch einmal über alles nach. Ich muss nur nein sagen, dann wäre ich sie endlich los. Wären da nicht nur diese entsetzlichen Bilder von der gestrigen Nacht. . .
"Zwei Wochen, nicht mehr und nicht weniger. . ."
Langsam nickt Shacklebolt mit seinem Kopf und denkt vermutlich auch noch einmal über den Vorschlag nach.
"Erstatte uns Bericht darüber, wie jeder Tag verlaufen ist. Bellatrix wird dieses Haus nicht verlassen und ihr wird sämtlicher Umgang in Form von Magie untersagt. Sollte sie sich nicht daran halten, ist Azkaban ihr nächster Halt."
"Ich werde es ihr-, ähm,. . .ausrichten."
"Es wäre besser, wenn Bellatrix von alledem nichts mitbekommt, um Manipulation zu vermeiden. Richte ihr lediglich aus, dass wenn sie sich nicht benehmen sollte ihre Zelle auf sie wartet."
"Ich wünsche dir gutes Gelingen Harry. Dennoch erwarte ich nicht sonderlich viel seitens Bellatrix."
"Ich denke, dass tut niemand wirklich." Grinsend nicke ich den Kopf und drücke Shacklebolt zum Abschied die Hand.
Nachdem sich alle erhoben und disappariert sind räume ich zusammen mit Nala das Geschirr weg und lese den Tagespropheten zu ende.
"Es ist seltsam ruhig hier, ich schaue mal nach, was die da oben anstellt."
Nalas große Augen starren mich ängstlich an, sie hat sich noch nicht damit angefreundet, dass wir ab jetzt für eine gewisse Zeit einen Bewohner mehr im Haus haben.
"Es ist alles gut Nala, keine Panik."
Oben im Flur angekommen, fällt mir schon gleich auf, dass Bellatrix Zimmertür offen steht und sie sich nicht mehr darin befindet.
'Wo steckt diese Irre bloß?'
Meine Frage wird schon gleich durch ein knarrendes Geräusch beantwortet, dass über der Decke zu hören ist.
Verwirrt schaue ich herauf und entdecke nach langem Starren eine Dachbodenluke aus der dimmerndes Licht scheint.
'Ein Dachboden? Der ist mir bis jetzt nie aufgefallen.'
Durch einen ungesagten Zauberspruch beschwöre ich eine Leiter herbei und steige zweifelnd die Stufen hinauf.
Unwissend darüber, was mich dort oben gleich erwarten wird drücke ich die Luke offen.
"Bellatrix?" Ich halte meinen Zauberstab fest in meiner Hand, bereit für jeden Angriff.
Doch sie sitzt nur still da und starrt in eine dunkle Kiste mit verschiedenen Gegenständen darin.
"Was machst du hier oben?"
"Das war Narzissas lieblings-Puppe." Statt meine Frage zu beantworten, hält sie eine verstaubte Puppe in der Hand und kämt ihr mit den Fingern die Haare wieder glatt.
Vorsichtig nähere ich mich ihr und setze mich ebenfalls auf den staubigen und knarrenden Boden.
Ihr Blick ist völlig leer, als wäre sie unter Hypnose.
"Was ist das hier für ein Raum?" Diese Frage scheint ihre Aufmerksamkeit zu erwecken, denn die Leere in ihren Augen verschwindet, als sie sich mir zuwendet.
"Das war unser Versteck, als wir noch Kinder waren. Weißt du, es war nicht immer leicht Mitglied in einer reinblütigen Familie zu sein und wenn uns diese gespielte Freundlichkeit und diese sinnlosen Feste zu viel wurden, dann gingen wir hier oben auf den Dachboden; niemand wusste scheinbar, dass er existiert."
"Du und deine Schwestern?"
"Ja, nicht zu vergessen Sirius. Hier, die hat er selbst gemacht." In ihrer Hand hält sie eine Kette, an der ein selbstgeschnitzter Anhänger aus Holz hängt. Ein Wolf.
Sie schaut zu der Kette, dann fixiert sie sich wieder auf mich.
"Wölfe faszinierten ihn schon immer, eigentlich jedes Wesen, was dir im verbotenen Wald entgegenkommen könnte. Deshalb war er auch der beste Freund von Lupin, er versuchte ihn zu verstehen, statt sich wie alle Anderen zu fürchten."
Es ist nach wie vor unangenehm mit Bellatrix über Sirius zu sprechen, doch es ist gleichzeitig interessant zu hören, was sie als Kinder alles zusammen gemacht haben. In ihren Augen sah ich im ersten Moment sogar ein wenig Reue, aber das war sicherlich nur eine Einbildung.
"Remus wurde von Greyback gebissen, stimmt's?"
In der nächsten Sekunde bereue ich meine Frage auch schon. Beim Hören des Namens zuckt Bellatrix zusammen und erinnert sich scheinbar an den Vorfall in Hogsmeade zurück.
"I-Ich, ähm-. . .hätte nicht fragen sollen."
"Spar dir dein Mitleid für andere auf; und ja, er hat Lupin gebissen."
'Toll gemacht, Potter. Gerade noch eine anregende Unterhaltung geführt und du löscht schon wieder das kleinste Stück Vertrauen!' Wütend über mich selbst, denke ich nach, wie ich das Gespräch wieder aufleben lassen kann.
"Was war dein lieblings Spielzeug denn? Ich nehme nicht an, dass es eine Puppe war."
"Nein." Grinsend wendet sie sich wieder der Kiste zu und kramt ein wenig darin herum.
Glücklich zieht sie einen völlig zerfransten Teddy aus der Kiste und gibt ihn mir nach langem Zögern in die Hände.
"Das ist Boomer."
"Toller Name." Lachend nehme ich den Teddy näher unters Auge.
Sein linkes Knopfauge fehlt, daher wurde ein unechter Augapfel in den Stoff hinein genäht, was ein zugegeben echt verstörender Anblick ist. Zusätzlich wurde ihm ein Mund geschnitten, in dem spitze Zähne eingeklebt wurden.
Angewiedert drehe ich den Teddy in Bellatrix Richtung zurück, die ihren einstigen Begleiter liebevoll beäugelt.
"Wieso wundert mich das nicht Dr. Frankenstein?"
"Noch besser ist sein Inhalt, schau." Mit ihrem Finger fährt sie über die dicke Naht auf dem Bauch des Teddys und greift herein.
"Deshalb nahm ich ihn überall mit hin." In ihrer Hand hält sie magische Knallerbsen und wirft diese weiter weg von uns auf den Boden, um deren Funktion zu testen.
Ein Knall folgt dem Nächsten, als sie den hölzernen Boden berühren.
"Jetzt macht der Name auch Sinn."
"Meine Mutter hat sich immer gewundert, wo ich die Dinger versteckt habe, sie hat immer das ganze Zimmer durchsucht."
"Es stand also früh fest, dass du das schwarze Schaf der Familie bist, hm?"
"Seit Anbeginn meiner Geburt." Stolz erhebt sie sich und nimmt den Teddy mit sich, als sie die Treppe hinuntersteigt.
"Du kannst wirklich schlafen mit diesem Ding in deinem Bett?" Lachend lehne ich mich an ihren Türrahmen an und beobachte wie sie den Teddy auf ihr Bett legt.
"Klar, mein treuer Begleiter schon viele Jahre hinweg."
"Du bist wirklich verrückt."
"Das sind die besten Menschen."
Eine Stille kehrt ein, in der wir uns einfach nur gegenseitig anstarren. Sie sitzt tiefenentspannt auf ihrem Bett und versucht scheinbar durch mich hindurch zu schauen.
"Was hälst du davon, wenn ich etwas zu essen mache und wir zusammen einen Film schauen?"
"Film? Ist das so ein Muggelding?"
Stimmt, ganz vergessen. Sie kennt so etwas bestimmt gar nicht.
"Es dient zur Unterhaltung anderer. Muggel, die etwas anderes verkörpern und das wird dann auf einem Fernseher übertragen."
"Etwas anderes verkörpern? Leiden diese Muggel an Schizophrenie?"
"So könnte man es auch betrachten, ich such uns ein paar heraus, dann kannst du eine Wahl treffen."
Nickend wendet sie sich mir ab und befasst sich wieder mit ihrem Horror-teddy.
Leise lehne ich die Tür an und gehe die Treppe herunter.
Kreacher sitzt am Küchentisch und schaut sich mal wieder alte Fotos der Familie Black an, während Nala auf dem Boden liegt, malt und dabei tausende Papierblätter quer über den Boden verteilt.
Ein Bild fliegt mir direkt vor die Füße und als ich es sehe, kann ich ein Lachen kaum verkneifen.
Es ist eine verunstaltete Version von Bellatrix, die kopfüber schwebend über den Fußboden hängt und flucht, während eine lachende Elfe im Hintergrund zu sehen ist.
Beim näheren Hinschauen merke ich, dass so gut wie alle Bilder von Bellatrix handeln, die durch verschiedene Zaubersprüche verletzt oder gefoltert wird.
Als Nala mich endlich bemerkt, lässt sie vor Schreck den Stift fallen und sucht nach den passenden Worten.
"Master Harry, es tut mir Leid. Ich bin ein böser Elf, böse Nala, böse, böse,-. . ."
Augenblicklich muss ich aufgrund ihres Verhaltens an Dobby denken, sie hat die Art von ihrem Elfenbruder.
"Nein, Nala. Alles ist gut, hör auf dich mit dem Buch zu schlagen." Ich nehme ihr das Buch aus den Händen, nachdem sie noch immer nicht aufhört und sammele die Blätter vom Boden auf.
"Pack sie weg, bevor Bellatrix deine kleinen Kunstwerke sieht."
"Ja, Master Harry." Reuevoll nimmt Nala mir den Stapel aus der Hand und bringt sie in ihr kleines Zimmer zurück.
Mich zieht es derweil in die Küche, wo ich gleich schon am überlegen bin, was Bellatrix mögen könnte.
"Kreacher? Du weißt sicherlich, was Bellatrix gerne mag, oder?" Genervt schaut er von seinem Fotoalbum hinauf, doch sein Blick wird schnell wieder milder.
"Sie bevorzugt die Französische und Italienische Küche, Master. Soll ich etwas zubereiten?"
"Nein, heute wollte ich das Essen machen, aber danke für den Hinweis. Dann werde ich mal ein paar von diesen Dingern hier durchwälzen."
Nachdem ich mir eins von Kreachers Kochbüchern geschnappt habe, setze ich mich ebenfalls an den langen Esstisch und suche etwas Passendes heraus.
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"Nette Schürze." Grinsend steht Bellatrix plötzlich neben mir und lehnt sich gegen die Küchentheke.
"Ich muss zugeben, dass es nicht schlecht riecht, bleibt nur abzuwarten wie es schmecken wird."
"Also, erstens kannst du dich glücklich schätzen, dass du überhaupt etwas bekommst und zweitens ist es definitiv besser als Gourmetküche à la Azkaban."
"Oh, tut mir Leid. Da hab ich wohl das Ego des neugeborenen Chefkochs getroffen."
"Überzeug dich doch einfach selbst."
Vorsichtig tretet sie mir näher und nimmt den Löffel entgegen, den ich ihr hinhalte.
"Nicht schlecht, dass kenne ich irgendwie. . .Poulet au Riesling, extra etwas Französisches für mich gekocht?"
"Tja, es gibt einen Muggelspruch, der besagt, dass der Gast König sei. Selbst wenn du der Gast sein solltest."
Halbherzig stecke ich ihr den Löffel in den Mund, damit sie nicht mehr gegenkontern kann.
"Und. . .Kann ich deinen unangebrachten Forderungen gerecht werden?"
"Für das erste Mal ist es gar nicht so übel."
"Gut, dann kannst du ja den Tisch decken."
"Was soll ich?" Entsetzt schaut sie mich an und verschrenkt die Arme vor der Brust.
"Den. Tisch. Decken. Nala zeigt dir auch, wo du das Geschirr findest."
"Ja, genau. Deine kleine Elfe kann dann auch gleich den Tisch decken, denn dafür sind die da."
"Was habe ich zum Thema Respekt gesagt?"
"Was du gesagt hast interessiert mich herzlichst wenig." Sturr steht sie an der Küchentheke und bewegt sich kein Stück, schaut stattdessen trotzig auf den Boden wie ein kleine Kind.
"Los jetzt, ich bitte dich nicht noch einmal drum."
"Was willst du sonst tun? Mich ohne Abendessen auf mein Zimmer schicken?"
"Ach, mir fällt schon eine passendere Bestrafung ein." Provozierend halte ich ihr meinen Zauberstab entgegen.
"Was willst du tun? Mir zeigen, dass du doch den Crucio beschwören kannst?"
"Glaub mir, es gibt noch andere fiese Sprüche als nur den Cruciatus-Fluch."
Aus der Spitze meines Zauberstabes erscheint bereits ein giftiges Grün, doch dann fängt Bellatrix endlich an zu kooperieren und flieht regelrecht aus der Küche und durch die große Wohnstube.
"Nala, komm her und hilf mir beim Tisch decken, sofort!" Höre ich sie noch quer aus dem Flur herausschreien.
Zufrieden über die gewonnene Diskussion stecke ich meinen Zauberstab wieder weg und wende mich wieder dem Essen zu.
'Angst, Harry. Bellatrix war dabei, als du Voldemort besiegt hast. Ein Siebzehnjähriger besiegt den mächtigsten dunklen Zauberer unserer Zeit, dass hat sie nicht vergessen.'
Augenblicklich schießt mir Tonks Stimme wieder durch den Kopf.
'Sie hatte eben tatsächlich Angst, dass ich ihr weh tun würde. Es ist irgendwie ein gutes Gefühl, wenn die gefürchteste Hexe Großbritanniens Angst vor einem hat.'
Aus dieser Situation lässt sich definitiv einen Nutzen ziehen.
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Als ich aus der Küche herauskomme ist der Tisch bereits perfekt geeckt worden, sie hat sogar daran gedacht für vier Personen zu decken, was mich unweigerlich zum Lachen bringt.
Zusammen mit Kreacher sitzt sie vor dem großen Kamin im Wohnraum und wärmt ihre Hände. Abends wird es immer besonders kalt in diesen großen Räumen.
"Nimm dir eine Decke, wenn dir kalt ist. Ihr könnt euch auch schon an den Tisch, dass Essen ist fertig."
Als Bellatrix aufstehen will distanziert sie sich regelrecht von mir und läuft ohne groß etwas zu sagen zum Stubentisch und wickelt sich in einer warmen Decke ein.
Ich geh derweilen zurück in die Küche und serviere das Essen auf die Teller.
"Ich helfe dir, Master Harry." Nala schnippt mit den Fingern und lässt die Teller in das Wohnzimmer schweben.
Zusammen setzen wir uns hin und fangen an zu essen.
"Hier, ich hab uns ein paar Filme herausgesucht."
Neugierig reißt Bellatrix mir die DvD-Hüllen aus der Hand und begutachtet die jeweiligen Covers.
"Ein Clown? Was soll daran angsteinflößend sein?" Gelangweilt hält sie mir die Hülle entgegen, nachdem sie den Inhalt durchgelesen hat.
"Das ist ein Klassiker, außerdem würdest du dich mit dem echt gut verstehen, der terrorisiert nämlich auch gerne Kinder und tötet sie."
"Red' doch kein Unsinn, ich habe noch nie ein Kind getötet; war zwar immer kurz davor aber habe es nie zu ende bringen können."
"Wie gütig von dir."
"Hier ist eine Puppe drauf, mal im Ernst, ihr Muggel habt echt vor Allem Angst, stimmt's?"
Genervt nehme ich ihr die DvD von Saw aus der Hand und mache die Hülle auf.
"Weißt du was, wir schauen uns den an und dann kannst du ja die Methoden bewerten, die Muggel zum Foltern benutzen."
"Oh, wow. Ich bin schon ganz gespannt." Erfreut gespielt hebt sie die Hände in die Luft.
"Versprich' mir nur etwas."
"Was denn?"
"Komm' bloß nicht auf die Idee, eine dieser Szenen nachzuspielen!"
"Mach den Film an."
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Als wir alle mit dem Essen fertig sind räume ich den Tisch ab, dabei hilft mir Nala wieder und rennt schnurstracks in die Küche.
Der Film ist erst seit wenigen Minuten zu ende und spaltet die Meinungen, während Bellatrix fasziniert jede Folterung angeschaut hat und dabei kommentiert hat, wie man es hätte besser machen können, ist Nala völlig verschreckt und hat sich tief in ihrer Decke verkrochen als sie wieder aus der Küche herausrannte.
Kreacher scheint das auch alles weniger interessiert zu haben, er ist in der Hälfte des Films eingeschlafen.
"Muggel sind doch nicht so unschuldig, was?"
"Bitte, dass war doch noch harmlos." Lässig greift Bellatrix mit einer Hand zu den Süßigkeiten, die ich auf den Tisch gestellt habe und lehnt sich in die Couch zurück.
"Es gibt noch weitere Teile, wenn du mehr Inspiration brauchst."
"Ich habe viel mehr eine Frage an dich."
Neugierig stelle ich die Popcorn Schüssel zurück auf den Tisch und wende mich ihr zu.
"Na dann, sprich dich aus."
"Was passiert jetzt? Ich meine Shacklebolt und seine tollkühne Crew sind bestimmt nicht gekommen, um bloß ihr Mitleid für deine neue Wohngenossin zu bekunden."
'Okay, Konzentration. Desto weniger Bellatrix weiß, umso besser.'
"Weißt du, in der Muggelwelt gibt es so etwas wie ein Reintegrationsprogramm. Einer kriminellen Person wird die Chance gegeben, sich wieder dem sozialen Umfeld anzupassen."
"Du hast es ihnen erzählt, nicht wahr?"
"Wie kommst du jetzt darauf?"
"Weil mir so eine Chance nie gegeben worden wäre, wenn nicht aus einem Hauch von Mitleid. Sie hätten mich direkt getötet, genauso wie du es wahrscheinlich gerne möchtest. Angenommen das wäre nicht so ausgegangen, dann hätten Neville und du auf den richtigen Moment gewartet und mich getötet. Hab ich nicht recht?"
"Wäre gut möglich."
Unsere beiden Blicke starren völlig leer in das knisternde Feuer im Kamin. Halte ich es wirklich zwei Wochen mit ihr aus? Noch bis vor ein paar Tagen hätte ich sie mir tot gewünscht und jetzt? Hat sich daran überhaupt etwas geändert? Wenn ja, wieso?
"Ich wollte ihn nicht töten, jedenfalls nicht so, nicht dort."
"Wen-. . ." Ich verstumme wieder, plötzlich weiß ich ganz genau über wen sie gesprochen hat und das macht mich unglaublich rasend vor Wut.
"Er wollte ein Duell, wie damals als wir noch Kinder waren. Wir wollten wissen, wer der Stärkere von uns beiden ist, er hat sich überschätzt."
"Du hast dich appariert und ihn mit dem Todesfluch getötet! Was war daran noch ein unschuldiges Duell zwischen Cousin und Cousine? Du hast dein eigenes Familienmitglied getötet, ich dachte immer die Blacks halten so viel von ihrer Reinblütigen Abstammung!"
"Ich habe ihn nicht durch den Fluch getötet, du dummer Junge! Es war ein Schocker, okay? Ich konnte nicht wissen, dass er durch diesen Schleier fällt!"
"Wozu rechtfertigst du dich eigentlich noch? Du hättest ihn so oder so getötet, schließlich hast du ihn gehasst!"
Unser lautstarker Streit weckt den schnarchenden Kreacher, der sich schnell aufrappelt und aus dem Wohnzimmer flüchtet.
"Er war ein Teil der Familie, und ja, sie stehen alle unter meiner Gnade! Ich hätte ihn nicht getötet, es war ein Unfall!"
"Dann sag mir eines, wenn dein Lord dich aufgefordert hätte ihn zu töten, hättest du ihn ohne mit der Wimper zu zucken umgebracht oder-. . ."
"-. . .hättest du aus Respekt vor der Familie gezögert und ihn dann erst getötet?"
Ich versuche meine Tränen zu unterdrücken, um nicht vor dieser Frau jegliche Schwäche zu zugeben.
Stattdessen verhärten sich meine Gesichtszüge und meine Augen versuchen sie in Flammen aufgehen zu lassen.
Mein Plan scheint aufzugehen, denn sie zerbricht langsam daran. Ihre braunen Augen werden glasig und frische Tränen laufen an ihren Wangen herunter.
". . .Ich weiß es nicht. . ."
Langsam nähert meine Hand sich ihrem Gesicht, was sie augenblicklich zusammenzucken lässt. Bellatrix atmet erleichtert aus, als sie spürt wie ich ihre Tränen mit meinem Daumen wegwische.
"Er hat dich zerstört, ist dir das eigentlich bewusst. . ."
Ihr fester Griff umschlingt meine Hand und stößt sie von sich.
Ohne ein weiteres Wort zu verlieren stampft sie die Treppe hinauf und knallt ihre Tür zu.
'Das wird noch ein ganz hartes Stück Arbeit werden.'
"Alles in Ordnung, Master Harry?"
Unsicher kommt Nala aus ihrem Versteck und krabbelt neben mir auf die Couch.
"Frauen sind nicht einfach." Seufze ich und trinke einen kräftigen Schluck von meinem Feuerwhiskey.
"Wir sollten ins Bett gehen, morgen wird wieder ein langer Tag." Ich stelle das Glas zurück auf den Tisch und trage Nala auf den Arm zurück in ihr Zimmer.
"Schlaf jetzt und denke nicht mehr über den Film nach, dass war nicht echt." Langsam schauen ihre großen Augen aus der Bettdecke hervor, die sie über ihren Kopf gezogen hatte.
"Ich werde es versuchen, Master Harry."
Leise knipse ich das Licht aus und laufe nach oben in das Badezimmer, um mir erst einmal frisches Wasser über mein Gesicht laufen zu lassen.
Danach gehe ich in mein Zimmer und suche mir passende Klamotten heraus, denn ab Morgen steht wieder Arbeit an. Hoffentlich verläuft alles gut, schließlich ist Bellatrix dann den ganzen Tag alleine mit Nala und Kreacher.
Verzweifelt versuche ich wenigstens ein paar Stunden Schlaf zu kriegen, aber dieser Gedanke kreist mir immer wieder durch den Kopf und dem folgen verschiedenste Szenarien, die möglicherweise passieren könnten.
Huhu,
ich bin gespannt wie die Geschichte hier ankommen wird, denn normalerweise nutze ich überwiegend das deutsche Portal FanFiktion.de um meine Geschichten zu veröffentlichen.
Jeden Montag und entweder Freitag oder Sonntag ( Also an jeden Anfang und Ende der Woche ) werde ich ein neues Kapitel hochladen.
Genießt das Wochenende,
Liebe Grüße
