2. In der Winkelgasse

Als wir einen Tag danach einkaufen gingen, roch es schon nach Magie in der Luft. Ich betrat die Winkelgasse schon mit Herzklopfen. Alles war so überwältigend, auch nach dem ich nun schon öfter hier war.

Die Läden die sich an der langen Straße aneinander reihten, versteckt vor der Großstadt London, niemals gesehen von einem außenstehenden Muggel, zeigte die unterschiedlichsten Angebote. Magischen Zubehör, Besen, Bücher, Tiere, Zaubertrankzutaten, Einkaufsläden und so weiter.

Mein verträumtes Lächeln brachte die Zwillinge neben mir zum lachen.

„Ich geh dann mal…", fing ich an. „Zu Nikklas…" beendeten die Zwillinge gleichzeitig. Nikklas war ein kleiner Bücherladen, ziemlich am Ende der Winkelgasse. Es war ein Eckladen, alt und rustikal. Schief stand er wohl schon Ewigkeiten da, zwischen den noblen Läden. Wenn man den Laden betrat, roch man alte Bücher, einer meiner Lieblingsgerüche.

Unzählbare Massen an Bücher stapelten sich in Regalen die bis unter die 7 Meter hohe Decke reichten und jeder freie Zentimeter war belegt mit Bücherstapeln.

Hinter einem dieser, schaute ein kleiner, bebrillter Mann her. Als er mich erkannte lächelte er leicht. „Miss Cannfort, schön Sie zu sehen", begrüßte er mich und trat auf mich zu.

„Mr. Nikklas. Ich brauch meine Schulbücher... und was können Sie mir sonst noch so empfehlen?" Er suchte mir meine Bücher für mein 6. Schuljahr raus. Und dann fingen wir an zu Diskutieren und er suchte mir einige Bücher über Zaubersprüche und Geschichts- und Astronomiebücher raus. Zum Schluss verließ ich den Laden voll bepackt mit Büchern, und ich lächelte.

Die Zwillinge seufzten schwer als sie den Stapel sahen, denn sie wussten das mein Blick und ihre gute Erziehung sie dazu zwangen mir die Bücher abzunehmen. Ich verschwand noch schnell in die Eulerrei um Leckereien für meine Eule zu kaufen, die die Ferien über in Hogwarts blieb weil es zu auffällig wäre, wenn eine Eule andauernd zu mir in eine Muggel Siedlung fliegen würde. Zwischendurch tat sie es trotzdem, ich glaube sie vermisste mich immer ein wenig.

Als wir aus dem Zaubertrankzutatenladen kamen konnten wir die gesamten Bücher und anderen Einkäufe in die verzauberte Tragetasche packen die durch Magie vergrößert wurde.

Wir lachten und setzten uns in ein Restaurant wo ich mit den beiden zu Mittag as.

Unter dem Tisch legte Fred eine Hand auf eins meiner Knie und lächelte mich verschmitzt an. Ich rollte mit meinen Augen, musste es aber erwidern. Fred hatte früh Spaß daran gefunden mit mir zu Flirten, weil er wusste wie empfindlich ich drauf reagierte.

Es war nie wirklich mehr zwischen uns beiden gewesen, aber eine Spannung war schon da. Trotzdem war es schön, jemanden zu haben, wo man sich anlehnen konnte. Wir hielten den Blickkontakt bis George sich räusperte. Er wusste natürlich am besten was zwischen uns war, vielleicht sogar besser als Fred und ich. Ich brach den Blickkontakt, fing mich wieder und wandte mich dann George zu, der so ein wissendes Grinsen auf dem Gesicht hatte.

Fred und George waren nie schlecht in der Schule, sie waren wirklich Intelligent, nur steckten sie ihre Energie in Dinge die, die Schule nicht unbedingt Guthieß. Wenn ich meine Abende mit den beiden und Lee Jordan verbrachte, in Ecken von Hogwarts die, die wenigsten Schüler oder Lehrer kannten und Streiche plante und Scherzartikel erfand fühlte ich, als hätten wir vier, eine eigene, kleine Welt.

Oft hatte ich mich in den letzten Jahren, in den Schlafraum der Jungs geschlichen oder mit den Zwillingen bis zum frühen Morgen vorm Kamin gesessen und geredet und gefeiert. Wir hatten einen Zugang zur Küche gefunden, schon in unserem zweiten Jahr und seit dem freuten sich nicht nur die Hauselfen jedes Mal wenn wir kamen. Ich liebte die Zeit, den Unterricht, die kleinen Geheimnisse und das Leben an Hogwarts.

Ich war ein sehr aufmerksamer Mensch, ich bemerkte jede Veränderung in meinem Umfeld, jede Stimmung, jede Kleinigkeit, ich erkannte Schwächen schnell, genauso wie Stärken. Ich war ein sehr genauer Mensch. Trotzdem verhielt ich mich manchmal total Paradox. Ich war Spontan und Leidenschaftlich und vor allem Unberechenbar. Das machte mich aus und deswegen verstand ich mich mit den Jungs so gut. Ich war wie ein Puzzelteil, ich holte sie runter wenn sie zu sehr abhoben oder die Grenze nicht sahen und sie zeigten mir ihre Welt, wo es weder Regeln noch Grenzen gab. Wo alles offen und alles möglich war. Die Zwillinge waren die loyalsten Menschen die ich kannte. Nie hatte ich diese absolute Freundschaft irgendwo anders gesehen. Ich konnte vor den Prüfungen noch so durchdrehen und noch so gemein werden, sie blieben ruhig und waren immer für mich da. Sie waren zwar Tunichtgute und zwar die schlimmsten die wohl je Hogwarts besucht hatten, aber sie waren nie böse oder fies. Nur Rebellisch. Das reizte mich.

Als wir an dem Abend am Fuchsbau ankamen freute ich mich sehr auf das Essen von Mrs. Weasly, danach das warten das alle ins Bett gingen und dann chillen vor dem Kamin vielleicht mit ein oder zwei Butterbier. Der Fuchsbau war einer der tollsten Orte die ich kannte auf dieser Welt. Es war so unkonventionell.

„Laura! Wie geht's es dir?", fragte Mrs. Weasly als sie mich sah. Sie umarmte mich und wies mich ins Haus. „Sehr gut, voller Vorfreude auf Morgen, danke noch einmal das ich mitkommen kann. Mrs. Weasley", ich setzte mich an den großen Tisch wo schon die Geschwister von den Zwillingen, Hermine Granger und Harry Potter saßen. „Gut, gut. Du hast hoffentlich Hunger mitgebracht!", erwiderte sie. „Oh ja." Ich begrüßte alle am Tisch und musste lächeln als mich Ron, der jüngste Bruder mich anstarrte. Er hatte eine Schwäche für mich, schon solange ich in den Ferien zu besuch kam. „Augen in ihr Gesicht... das, sind nicht ihre Augen.", zischte Fred Ron zu und schlug ihm leicht auf den Hinterkopf, der gesamte Tisch musste lachen, nur Ron lief total rot an. „Sei nicht so gemein", flüsterte ich ihm zu, er grinste nur. „Stimmt er kann da ja im Grunde auch nichts für…", er biss sich auf die Lippe und musterte mich. Ich schlug ihm auf die Schulter und wand mich dann Ginny, der einzigen Schwester zu die mich fragte wie meine Ferien waren.

Ein paar Stunden später saß ich mit Hermine und Ginny am Feuer. Hermine fragte mich eine menge über den Unterrichtsstoff den man in der vierten Klasse durchnimmt.

„Aritmatik ist super, aber auch wirklich anstrengend. Ihr werdet eine Menge mehr lernen als im dritten Jahr. Alte Runen geht in die ähnliche Richtung aber über Wahrsagen kann ich dir leider nichts sagen, ich hab nicht viel von dem Kram gehalten und hab es auch nie gewählt."

Hermine hing an meinen Lippen. Sie war eine von denen die wirklich interessiert waren an allem was mit der Magie zu tun hat und auch noch dazu begabt waren. Ich mochte sie.

„Kleines, steh mal auf.", ich tat wie mir geheißen, Fred setzte sich auf meinen Platz und ohne dass ich mich unterbrach und Hermine weiter von den Fächern erzählte, setzte ich mich wieder auf seinen Schoß.

„Fred, lenk sie nicht ab.", seufze Hermine ernst als er anfing mit meinen Haaren zu spielen und ich durcheinander kam. Fred hob die Hände und lächelte. Ich konnte es nicht verneinen. Er war total attraktiv, in jeder Hinsicht. Ich war nicht die einzige die das so sah. Sein halber Jahrgang sah das ähnlich. Das verschmitzte Lächeln, die grünen Augen und das mittellange rote Haar. Seine große, trainierte Figur und das unnahbare, weil er nie wirklich Interesse an jemanden gezeigt hatte, brachte die Mädels in seiner Umgebung zum seufzen.

Ganz davon abgesehen das er der Rebell war. Und das Beste – es gab zwei von ihnen. Kaum einer machte einen Unterschied, es waren immer nur die Zwillinge, selbst die Lehrer waren sich nie sicher mit wem sie sprachen. Ich war wirklich eine der wenigen zusammen mit Lee die, die beiden Unterscheiden konnten. Trotzdem.. es war sehr Oberflächlich. Ich konnte an der Art wie sie sich bewegten und verhielten Unterscheiden. Fred war selbstbewusster und bestimmter. Ich konnte mich besser mit ihm streiten.

Er war der Anführer der beiden, und die beiden waren die Anführer der Schule.

Das die beiden so gut Aussahen, so beliebt waren, half mir eher weniger. Die Mädels waren neidisch und die Jungs hatten Angst mich anzusprechen weil sie davon ausgingen das einer der Jungs mit mir ausging. Trotzdem war Ich immer freundlich, half jedem bei den Hausaufgaben und war immer da. Das Problem war nur, das ich die Jungs ein Stückweit noch unnahbarer machte. Mädchen aus unserem Jahrgang, wie zum Beispiel Angelina Johnson die solange ich denken kann hinter Fred her ist, redeten nicht mit mir, und warf mir jedes Mal wenn ich in der Nähe war böse Blicke zu. Das war schade, aber mir im Grunde egal.

Als die Mädels ins Bett gegangen waren rutschte ich von seinem Schoß und legte mich auf das Sofa lang hin. Total satt gefuttert und zufrieden mit der Situation ließ ich mir den Bauchkraulen und fühlte mich wie eine kleine Katze.

„Fred", seufzte ich. Er schaute mich fragend an. „Wir sollten das nicht machen. Wir gehen zu weit…", im Gegenteil zu meinen Worten streckte ich mich und seufzte Genüsslich unter der Berührung.

„Wir machen doch gar nichts.", stellte Fred grinsend fest.

„Du weißt das ist Unfair.", antwortete ich.

„Kleines, du weißt das ich nichts machen würde was du nicht willst." Ich nickte nur. Natürlich wusste ich das. Doch ich gab mich dem Moment meiner Selbstsucht hin, und ließ es zu das Fred mich streichelte und an sich ran zog. Das kam wirklich selten vor. Es war nicht so als würden wir tagtäglich miteinander kuscheln und Zweisamkeiten genießen. Wirklich nicht, wir waren nur angetrunken und glücklich, nach so langer Zeit mal wieder unter uns zu sein. Denn das waren wir, egal was sonst noch, und was wir nicht verstanden, wir waren die besten Freunde.

Ich merkte wie er mitten in der Nacht aufstand und mir noch über die Wange strich. Ich tat aber so als würde ich schlafen und ließ ihn mit einem kleinen seufzen gehen.