~ Kapitel 1: „Im Alltag passiert überall nichts, aber das mit Höchstgeschwindigkeit..."*
Es ist zur Abwechslung einmal schönes Wetter mitten auf der Grand Line und auf den sanften Wogen schaukelt ein gelbes U-Boot gemütlich vorwärts. Am Heck hat es ein kleines Lateinersegel gesetzt und vorne am Bug ein großes, schwarzes Rahsegel mit einem roten, Smiley-ähnlichen Piratensymbol.
Unter diesem vorderen Segel und an Deck des Schiffes steht ein Eisbär im orangefarbenen Overall, welcher das gleiche Symbol wie das Segel auf der linken Brustseite trägt. Der weiße Bär lehnt träge an der Reling, hat verträumt die Augen geschlossen und genießt offenbar die frische Seeluft, die ihm sanft um die Nase weht. Seine Ohren lauschen dem Flattern des Segelstoffs im Wind und den wenigen Möwen, die um die Masten kreisen. Da betritt ein braunhaariger Mann in einem zu dem des Bären passenden weißen Overall und mit türkisfarbener Ballonmütze lässig das Deck. Der Eisbär dreht den Kopf gerade so weit, um die Quelle der Schritte aus den Augenwinkeln sehen zu können.
Eisbär: „Oh, Shachi." (gelangweilt) „Du bist es nur."
Shachi: (etwas beleidigt) „Hey, was heißt hier 'nur'? Wen hast du denn erwartet, Bepo?"
Bepo: „Ach, niemand besonderes. Ich dachte nur, der Käpt'n will schon wieder, dass wir abtauchen." (er seufzt melancholisch)
Shachi: „Hmm, dachte mir schon, dass du hier oben an der frischen Luft bist, nach der ganzen Zeit unter Wasser."
Bepo: (brummt zustimmend) „Warum bist du eigentlich hier?"
Shachi: „Ich wollte dich nur fragen, ob die Insel schon zu sehen ist."
Bepo: (prüft noch einmal den Horizont und anschließend den Lock-Port) „Nichts zu sehen, aber wir sind noch auf Kurs."
Shachi: (kratzt sich nachdenklich am Hinterkopf) „Okay, dann gehe ich mal runter gucken, ob Radar schon was auf dem Schirm hat."
Bepo: (verträumt) „Meinetwegen." (er gähnt herzhaft)
Shachi schüttelt beim Anblick des dösenden Kameraden grinsend den Kopf und geht wieder unter Deck. Gemütlich und mit den Händen in den Hosentaschen schlendert er die Gänge entlang und steigt einige Leitern hinunter bis er in einen Abschnitt unterhalb des Wasserspiegels kommt. Er folgt dem engen Gang in Richtung Bug und betritt den letzten Raum, in dem ein riesiges Bullauge auf Bugseite den Blick ins Meer ermöglicht. Der Rest des Zimmers ist mit zahlreichen piependen und leuchtenden Geräten ausgestattet, vor denen ein Junge mit orange-roten Haaren und Sommersprossen sitzt. Passend zu Shachi ist auch er in einem weißen Overall gekleidet. Doch seltsamerweise trägt er in dem schwach beleuchteten und recht ruhigen Raum eine Brille mit getönten Gläsern und dicke Kopfhörer. Shachi tritt langsam von hinten an den Jungen heran und tippt ihm auf die Schulter.
Junge: (erschrickt und dreht sich um) „Shachi!" (nimmt die Kopfhörer ab) „Ich – ich hab dich gar nicht kommen gehört!"
Shachi: (grinst) „Ja, ja, ich werd' immer besser."
Junge: „Träum' weiter. An mich heranschleichen, wenn ich die Dinger nicht aufhabe, das schaffst du eh nie."
Shachi: (etwas enttäuscht) „Ich weiß. Unserem 'Radar' entgeht halt nichts." (klopft ihm brüderlich auf die Schulter) „Naja, egal. Zeig mal, ob du schon was auf'm Schirm hast!"
Radar: (wendet sich einem der Bildschirme zu) „Oh, äh...wie's der Zufall so will hab ich das." (er zeigt auf einen Punkt am oberen Rand des Bildschirms, der sich piepend und langsam der Mitte nähert) „Wir müssten bald da sein."
Shachi: „Bepo konnte oben bis eben noch nichts erkennen."
Radar: „Das dürfte sich jeden Moment ändern." (scheint hinter Shachi nach jemandem Ausschau zu halten) „Wo ist eigentlich Penguin? Ihr hängt doch sonst immer zusammen rum."
Shachi: „Penguin? Der ist grad' in der Kombüse am Werkeln."
Radar: (freudestrahlend) „Wirklich? Was gibt's denn heute?"
Shachi: (zuckt gelangweilt mit den Achseln) „Da musst du ihn schon selbst fragen gehen." (Radar seufzt missmutig) „Naja, ich geh dann mal dem Käpt'n Bescheid sagen."
Radar: „Okay, grüß' ihn von mir."
Shachi: (lacht kurz laut auf) „Du könntest ruhig mal öfter hier unten rauskommen."
Radar: (abwehrend) „Du weißt, dass ich das nicht mag."
Shachi: „Ja, ja, schon gut. Wenn ich ganz lieb bin, frag' ich für dich vielleicht danach nochmal Penguin was es heute gibt." (Radar atmet freudig auf) „Vielleicht aber auch nicht." (er grinst frech)
Radar: (beleidigt) „Du bist so fies."
Der sommersprossige Junge macht Anstalten wütend aufzustehen, als Shachi aber schon lachend die Tür hinter sich zuschlägt.
Zur gleichen Zeit befindet sich der junge Mann namens Penguin, der praktischer Weise eine Mütze mit seinem Namen darauf trägt (und wie es der Zufall will ebenfalls einen weißen Overall), eine Etage über den beiden: in der Kombüse des Schiffes. Aus den großen Bullaugen kann man das ruhige Meer und den wolkenlosen Himmel sehen. Neben Penguin, der mit seinen Armen auf einer Arbeitsplatte lehnt, steht ein hochgewachsener Mann im Arztkittel. Er gehört ganz offensichtlich zur Gattung der Fischmenschen. Besonders die matt-blaue Hautfarbe und die lange gelbe Rückenflosse lassen darauf schließen.
Penguin: (scheinbar trübselig in Gedanken) „Oh Mann, was soll ich nur damit anstellen?"
Fischmensch: „'Ne ganze Menge: wie wär's mit Rata-Toast?" (kurzes Schweigen während dem er Penguin anstarrt, der ihn aber nicht beachtet) „Toast Bolognese?" (Penguin seufzt schwer) „Toast Suey?"
Penguin lässt mit einem zweiten verzweifelten Seufzen und einem dumpfen 'PLONK' den Kopf auf die Arbeitsplatte fallen.
Penguin: (mit dem Gesicht auf der Platte) „Eher nicht."
Fischmensch: (tut so als würde er kurz überlegen) „Toastsuppe?"
Penguin: (richtet sich ruckartig auf) „Chat! Das hilft mir nicht weiter. Du weißt unser Käpt'n hasst Brot."
Chat: „Schon mal getestet, ob es hypochondrisch ist?"
Penguin: „Ob es was ist?"
Chat: „Hypochondrisch. Medizinischer Fachbegriff für 'eingebildet'. Vielleicht mag er es nur nicht, wenn er weiß, dass es Brot ist."
Penguin: „Ich hab's bisher noch nicht ausprobiert, nein."
Chat: „Du könntest die Toastscheiben aneinander binden, in den Ofen schieben und sagen ,Heute gibt's Hackbraten!'."
Penguin: (lächelt gezwungen und seufzt) „Ich überlege ernsthaft so was zu tun."
Chat: „Wir könnten natürlich auch ein paar Leute zum Angeln zusammentrommeln, aber ich glaube die Hackbraten-Strategie ist da sicherer."
Penguin: (jubelt kurz auf und knufft Chat an der Schulter) „Das ist es, Mann!"
Chat: „Okay, ich hol den Toast."
Penguin: „Nein, Chat, das Angeln meine ich! Ich hab gesehen, dass wir noch einige Angeln da haben. Ich geh gleich die anderen holen."
Mit diesen Worten eilt Penguin aus der Kombüse, um Leute zum Angeln ran zu schaffen und Chat folgt ihm etwas entspannteren Schrittes.
Genau in diesem Moment eilt auch der Eisbär Bepo von Deck und in Richtung der Kajüte des Käpt'n. Dort angekommen pocht er gehetzt an die Tür, wartet aber nicht das „Herein" von drinnen ab. Der Käpt'n, ein junger schwarzhaariger Mann, mit gelb-schwarzem Hoodie und hellen Jeans, sitzt gerade an seinem Schreibtisch. Seine Mütze, eine flauschige, weiße Mütze mit dickerem Saum und braunem Fleckenmuster am Rand, liegt auf seinem Bett, als hätte er sie locker dort hin geworfen. Als er seinen Navigator hinter sich reinkommen hört, dreht er sich gelassen zu ihm um.
Bepo: (etwas außer Atem) „K-Käpt'n, da ist dichter Nebel, direkt voraus!"
Der Angesprochene springt ohne zu antworten auf und schnappt sich seine Mütze und ein langes Nodachi1. Rasch läuft er mit Bepo auf's Deck und prüft selbst neugierig den Horizont. Tatsächlich hängt dichter Nebel wie eine Wand inzwischen fast direkt vor dem Schiffsbug.
Käpt'n: „Sag' der Mannschaft Bescheid."
Bepo: „Aye, Aye!" (er rennt los)
Käpt'n: (ruft ihm hinterher) „Und frag Radar, ob die Insel in diesem Nebel liegt."
Bepo: (sieht sich im Gehen um) „Aye, Ay – autsch!" (er kracht mit Shachi zusammen)
Shachi: „Hey, Bepo, pass' doch auf wo du hinläufst!"
Bepo: (übertrieben niedergeschlagen) „'Tschuldigung."
Käpt'n: „Shachi! Warst du unten bei Radar?"
Shachi: (entdeckt jetzt erst den Kapitän) „Oh, Käpt'n! Ja, ja ich war grad unten bei ihm. Er hat die Insel bereits auf'm Schirm. Direkt voraus."
Käpt'n: (grinst abenteuerlustig) „Dann sollten wir uns wohl auf einen Landgang vorbereiten."
1 besonders langes, einschneidiges, japanisches Schwert
~ Kapitel 1 Ende ~
* Titel-Zitat von Elmar Kupke
