Freut mich, dass euch das erste Kapitel gefallen hat. Hier jetzt das nächste Kapitel für euch. Ist in Edwards POV. Eine große Herausforderung für mich. Das letzte Mal hatte ich ziemlich versagt, hoffe es ist diesmal etwas besser.
Alles gehört natürlich Stephenie Meyer!
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Edwards POV
Zeit.
Was ist die Zeit doch für ein seltsames Unterfangen. Je nachdem auf welcher Seite des Lebens man sich befindet, empfindet man sie ganz unterschiedlich.
Ist man glücklich vergeht sie wie im Fluge. Man nimmt sie kaum wahr. Ist sich ihrer nicht bewusst. Man genießt den Moment.
Stunden werden zu Minuten. Tage zu Stunden. Wochen zu Tage. Monate zu Wochen.
Doch ist man unglücklich, wird sie zum Fluch. Sie vergeht zäh, erdrückt einen nahezu. Sie lässt einen nicht los, hält einen gefangen.
Man denkt man hat schon Stunden in diesem Elend verbracht, doch waren es in Wirklichkeit nur einige wenige Minuten.
Zum Glück lässt jeder Mensch irgendwann einmal die Zeit hinter sich. Mit dem letzten Atemzug, den er nimmt, verliert die Zeit auch ihren Einfluss auf ihn.
Oh was beneide ich die Menschen darum. Ihr Elend findet irgendwann einmal ein Ende. Sie haben die Gewissheit, dass diese Qualen nicht ewig andauern. Sie haben diesen Trost.
Doch ich, ich habe nichts. Ich bin auf Ewig verdammt zu leben, auf Ewig verdammt die Qualen zu ertragen.
Alles war bedeutungslos. Die Welt war bedeutungslos.
Mein Leben war bedeutungslos.
Es gab für mich keinen Sinn mehr zu leben. Keinen Sinn mehr auch nur irgendetwas zu empfinden.
Denn ich musste meinen Lebenssinn verlassen, musste mich von ihm abwenden. Und mit ihm verlor alles an Bedeutung.
Bella.
Meine Bella, mein Leben. Wie sehr ich mich doch nach ihr sehnte.
Ich stellte sie mir vor. Ich sah ihr wunderschönes Lächeln, ihr Leuchten in ihren braunen Augen, die so tiefgründig waren und ihre erröteten Wangen.
Ich spürte ihre Aura, nahm ihre Finger auf mir wahr, roch ihren betörenden Duft, der mich so sehr nach Freesien erinnerte. Doch weckte er in mir nicht das Monster, sondern er besänftigte mich, gab mir ein Gefühl von Geborgenheit. Ein Gefühl von Heimat.
Bella.
Wie gerne würde ich sie jetzt in meine Arme schließen, sie küssen, sie nie wieder loslassen.
Ich könnte einfach zu ihr zurück.
Ich könnte sie um Vergebung bitten. Sie bitten mich wieder zu nehmen.
Dieser Gedanke war so tröstend, so heilsam. Allein dieser Gedanke ließ mich erschaudern und ein noch größeres Verlangen nach ihr wurde in mir wach. Es war wie bei einem Heroinsüchtigen, der nach Stunden endlich wieder die Aussicht auf einen Druck hatte. Er nahm mich ganz in Anspruch, bestimmte mein ganzes Denken.
Es war kaum zum aushalten.
Doch eben nur kaum.
Ich konnte meinem selbstsüchtigen Wesen nicht nachgeben, ich durfte nicht egoistisch handeln.
Ich musste stark bleiben.
Bella, mein Engel. Sie hatte ein normales Leben verdient. Sie verdiente Kinder, sie verdiente es, alt zu werden. Sie verdiente eine Seele.
Ich konnte sie ihr nicht nehmen. Konnte sie nicht zu so einem solchen Leben verdammen.
Konnte ihr nicht das nehmen, was sie ausmachte. Konnte ihr nicht wehtun.
Doch da ich den Volturi mein Versprechen gegeben hatte, hätte ich sie verwandeln müssen.
Ich weiß, dass auch sie dachte, dass sie das wollte. Doch sie dachte es eben nur. Ich bin mir sicher, dass sie es bereut hätte. Dass sie angefangen hätte mich zu hassen.
Und das hätte ich nicht ertragen können.
Daher hatte ich sie verlassen. Die Volturi waren keine Gefahr mehr für sie. Sie konnten sie nicht aufspüren, sie waren nicht fähig dazu.
Doch sie konnten uns finden. Sie konnten mich finden. Deshalb war es auch eine zu große Gefahr, dass ich in Bellas Nähe geblieben wäre. Ein zu großer Druck, sie irgendwann verwandeln zu müssen.
Mit meinem Fortgehen bewahrte ich sie davor. Schenkte ihr ein normales, glückliches und friedvolles Leben.
Und ich blieb zurück.
Blieb in Einsamkeit zurück und verzehrte mich nach ihr.
Das Wiederkommen der Volturi war alles, auf was ich hoffte. Ich hoffte so sehr darauf. Kein Tag verging, dass ich mich nach ihrem Erscheinen sehnte.
Denn wenn sie kommen würden und sehen würden, dass Bella nicht da war, dass sie nicht verwandelt war, würden sie sauer werden.
Und dann würden sie mich bestrafen. Würden mich umbringen.
Und damit würden sie mich endlich erlösen. Erlösen von dieser Existenz.
Ich würde jetzt schon gehen. Denn schließlich hielt mich nichts mehr auf dieser Welt zurück. Doch Alice bewachte mich mit Argusaugen. Wachte darüber, dass ich nicht auf dumme Gedanken kam.
Ich war gefangen. Ich war einsam. Ich war leblos.
Jede einzelne Sekunde war ein auswegloser Kampf. Ein Kampf, den ich immer mehr zu verlieren schien.
Meine Familie konnte mir keinen Rückhalt mehr geben. Sie verstanden mich nicht, sie wollten mich gar nicht verstehen.
Niemand wollte das.
Denn ich war ein Monster. Ein seelenloses Monster, dass seinem Engel immer wieder Qualen zugefügt hatte.
Wann würden die Volturi nur endlich kommen? Wann würden sie die Welt endlich von mir erlösen.
Ich war eine Bürde für jeden. Eine Gefahr für alle, die mir wichtig waren.
Jedem fügte ich Schaden zu, jeden verletzte ich.
Meine Familie litt unter der Trennung von Bella, Bella litt unter der Trennung von uns.
Was war ich doch für ein Monster.
Bella verdiente Besseres als das. Sie verdiente Besseres als mich.
Wie es ihr wohl ging, meinem Engel? Was sie wohl machte? Was wohl mit ihr passiert war?
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Puh, geschafft. Ein ganz schöner Kampf. Ich bin nicht wirklich zufrieden. Aber vielleicht hat es euch ja gefallen. Tut mir Leid, dass es so kurz ist, doch dafür wird das nächste extra lang werden.
Ich würde mich über Rückmeldungen freuen.
LG
Elisabeth
