K A P I T E L 2

-Treffen nach Einbruch der Dunkelheit-

Ginny hatte keine Probleme damit, eine Eule mit dem Ort und der Entfaltung des Raums der Wünsche zu schicken, aber sie fühlte eindeutig, wie sich ein Schleier der Verlegenheit über sie senkte, als sie sich Neville und Luna nur eine Woche später näherte, um ihnen von dem Plan zu erzählen.

Luna schien über Ginnys Vorschlag kein bisschen überrascht; es war ein Wunder, dass Luna keine Spitzennoten in Wahrsagen hatte, so gut, wie sie immer alles zu wissen schien, bevor es passierte.

„Also ist es so ziemlich wie die D.A.", endete Ginny in der Hoffnung, dass der Bezug zu Harry die beiden mehr anspornte, als es ihre fürchterliche Rede tat. Neville blickte zu Luna, die lächelte und fragte: „Hast du dir all das selbst ausgedacht?"

„Naja … nein", gab Ginny zu und bereitete sich auf den schwierigen Teil vor. „Eigentlich … war es zum Teil Zabinis Idee", sagte sie hastig, während sie in Erwartung ihrer Reaktionen ihre Augen zusammenkniff. Sie enttäuschten sie nicht.

„Zabini? Blaise Zabini?", fragte Neville ungläubig. Sogar Luna blickte leicht überrascht. „Wie kannst du ihm vertrauen? Er ist … er ist einer von Malfoys alten Freunden! Er ist auf der Seite von … von Du-Weißt-Schon-Wem!", brauste Neville auf. Er wirkte überrascht über seine eigene Kühnheit. Sein Gesicht strahlte jedoch eine solche Entschlossenheit aus, die nichts ähnelte, was Ginny jemals zuvor bei ihm gesehen hatte.

„Es ist nicht, wie du denkst ...", erklärte Ginny. Sie verlagerte unbehaglich ihr Gewicht, obwohl sie diese Reaktion erwartet hatte. „Ich denke, dass er wirklich ... Leuten helfen möchte."

Es war ziemlich offensichtlich, dass Ginny ihren Worte selbst nicht glaubte, als sie sie sagte, denn sie kamen ihr nicht leicht über die Zunge. Luna räusperte sich.

„Ich vertraue deinem Urteil, Ginny", sagte sie ruhig. „Du warst meine erste Freundin und ich weiß, dass du uns in nichts Gefährliches hineinziehen würdest. Wenn du denkst, Zabini ist vertrauenswürdig, dann ist das ausreichend für mich. Wann fangen die Treffen an?"

„Diesen Donnerstag um neun Uhr", meinte Ginny, dankbar, dass Luna es akzeptierte. „Es ist am selben Ort, dem Raum der Wünsche."

Neville, der bis jetzt noch immer verstimmt geguckt hatte, blickte Ginny scharf ins Gesicht, als ob er gerade von Neuem über die Verwendung von Harrys altem Klassenraum protestieren wollte, doch Ginny sah ihn mit einer Art von ernster Verzweiflung an und er hielt den Mund.

„Geht das für dich auch in Ordnung, Neville?", fragte Ginny.

Neville betrachtete seine Füße. „ ... Ja." Aber dieses Wort hatte einen hohlen und entfernten Laut wie ein Nickel, der in einen leeren Becher geworfen wurde. Er sah noch immer unglücklich aus und mied Ginnys Blick.

„ ... Also dann", sagte Ginny. Sie zwang sich dazu, ihre Augen von seiner bemitleidenswerten Haltung loszureißen und versuchte, ihre Stimme, in Erinnerung an McGonagall, lebhaft klingen zu lassen. „Der Unterricht startet um neun Uhr, diesen Donnerstag. Bis jetzt gibt es keine Regelung nach Unterrichtsende für uns Sechstklässler, also kommt einfach nach dem Abendessen. Verbreitet die Nachricht."

„Gut", meinte Luna ruhig, während Neville nur nickte.

„Gut", wiederholte Ginny. Wann war es so schwierig geworden, mit ihren zwei besten Freunden zu sprechen? Sie ging einen Schritt zurück. „Ich werde dann noch anderen Bescheid geben ..." Und verließ den Raum durch das Portraitloch.

Ginny erschauderte innerlich, als sie sich von ihren zwei Freunden entfernte. Es lief schlimmer, als sie erwartet hatte, trotz Lunas Akzeptanz. Und die anderen Gryffindors würden ihre Skepsis viel offener zur Schau stellen als diese zwei.

Ginny war nicht klar gewesen, dass es so viel Charisma brauchte, um die Leute von so etwas wie der Gründung eines Verteidigungskurses zu überzeugen. Sie musste an ihren Überzeugungstaktiken und Fähigkeiten, eine Rede zu halten, arbeiten, bevor sie alte Mitglieder für diese merkwürdige neue D.A. rekrutierte.

'Es ist alles seine Schuld', dachte Ginny verärgert, als Blaises arrogantes Gesicht in ihren Gedanken auftauchte. 'Wenn er sich nicht selbst solch einen fürchterlichen Ruf über die letzten fünf Jahre aufgebaut hätte, würden die Leute seinem Klub bereitwilliger beitreten … und ich würde kein Außenseiter sein, weil ich ihn unterstütze.'

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Der Donnerstag kam diese Woche so schnell, dass Ginny sich fragte, ob es wirklich so etwas wie Zeitbrechungen gab. Es könnte für Zauberer möglich sein, richtig? Vielleicht gab es einen Weg, die Zeit zu beschleunigen, sodass jemand einen gewünschten Moment schneller erreichte … aber kein Lehrer hatte das jemals vorher erwähnt.

Ginny näherte sich dem Raum der Wünsche. In ihrem Bauch schlängelten sich Würmer der Furcht, wie um das leckere Abendessen, dass sie vor einer Stunde gegessen hatte, zu ärgern. Sie hatte sich überlegt, dass sie ein bisschen früher auftauchen sollte, um den Raum für die Klasse einzurichten, obwohl sie kaum wusste, was sie, soweit es die Beteiligung betraf, erwarten sollte. So viele von den alten D.A.-Mitgliedern hatten entweder ihren Abschluss gemacht oder ihr Studium in Hogwarts abgebrochen und Ginny wusste, dass ihre Plätze sehr wahrscheinlich von, wen auch immer Blaise mitbrachte, eingenommen werden würden. Blaise natürlich, hatte sich nicht darum gekümmert, Ginny zu informieren, wie viele Leute er eingeladen hatte, geschweige denn, wer sie waren - was sie unendlich ärgerte, aber sie konnte jetzt nichts dagegen tun.

Ginny bog um die letzte Ecke und stand vor dem leeren Streifen einer Stelle an der Wand.

'Ich brauche einen Platz, um Magie zu praktizieren … irgendwo, wo ich nicht gefunden werden kann …', dachte sie, während sie vor der Wand hin und her lief. Ein Türknauf erschien. Ginny drehte ihn und betrat wieder einmal den Raum der Wünsche.

Der Raum war ruhig, so, wie sie ihn in Erinnerung an die Tage, als die D.A. sich für gewöhnlich hier traf, hatte: Bücher über die Verteidigung gegen die Dunklen Künste säumten die Wände, Kissen und zusammenklappbare Tische waren in einer Ecke gestapelt und der Raum war durch das beinah schummrige Glühen von eingelassenen Fackeln an der Wand beleuchtet. Aber zu Ginnys Überraschung befand sich bereits jemand im Raum.

Blaise blickte auf, als er die Tür sich öffnen hörte, und runzelte leicht die Stirn, als er Ginny sah.

„Du bist spät dran", sagte er. Heftig schloss er das Buch, welches er still durchgeblättert hatte, und stellte es zurück in das Bücherregal. „Du musst früher kommen, um dich vorzubereiten. Ich nahm an, dass du, da du einverstanden warst, diesen Klub mit mir zu gründen, ein wenig Verantwortung als Lehrer übernehmen würdest."

Ginny sah Rot. Was für einen großartigen Anfang sie gerade hinlegten.

„Aus keinem geringeren Grund bin ich hier", gelang es ihr in einem gefährlich ruhigen Ton kontrollierter Wut zu sagen. „Ich dachte, du könntest hilfsbereit genug sein, mir eine Liste mit all den Teilnehmern, die du rekrutiert hast, zu schicken, so wie ich es für dich getan habe!"

„Das ist irrelevant", sagte er, „Ob du zwanzig oder zwei Leute unterrichtest, du musst vorbereitet sein."

„Hast du irgendwas für heute im Sinn?", unterbrach Ginny ihn. Sie fühlte, dass, wenn sie diese Richtung der Konversation fortfuhr, sie ihre Beherrschung verlieren und ihn verhexen könnte - was kontraproduktiv wäre. „Irgendwelche Zaubersprüche, mit denen du anfangen wolltest?"

Blaise lächelte seltsam. „Ich dachte, wir geben ihnen ein herzliches Willkommen", sagte er leichthin. Er stolzierte langsam dahin, wo die Kissen gestapelt waren.

„Dann sicher gehen, dass sie die grundlegenden Zaubersprüche ausführen können, so wie den Stupor. Danach bin ich für alles offen. Hast du eine Vorliebe?

„Ja", sagte Ginny. Sie entschied sich auf der Stelle. „Ich denke, wir sollten den Protego wiederholen."

„Den Schildzauber?" Blaise hob eine Augenbraue.

„Ja. Der Schildzauber, der ungewollte Leute fern hält. Ich denke, das ist ziemlich nützlich, meinst du nicht?" Ginny hob unschuldig eine Augenbraue, obwohl sie innerlich Zufriedenheit beim Anblick von Blaises Gesichtsausdruck fühlte: Er hatte die Anspielung nicht überhört, darüber war sie sich sicher. Doch aus was für einen Grund auch immer spielte er mit.

„Ich schätze, das ist eine gute Idee", sagte er und sein Gesicht entspannte sich. „Auch wenn es ein elementarer Spruch ist; ich konnte ihn schon im zweiten Jahr. Andererseits weiß man nie; einige Schädel der Leute sind so dick, dass ich überrascht bin, dass sie ein Ende vom Zauberstab vom anderen unterscheiden können."

Bevor Ginny antworten konnte, öffnete sich die Tür und Neville und Luna traten ein.

„Ich konnte das erste Mal nicht hineingelangen, ich weiß nicht, was mit diesem Raum nicht in Ordnung ist-", sagte Neville gerade, bis er Blaise erblickte und abrupt stoppte.

Blaise grinste Ginny wissend an, als ob er sagen wollte: „Verstehst du, was ich meine?", was Ginny vor Ärger erröten ließ. An ihre Freunde gewandt sagte sie: „Setzt euch irgendwo hin. Wir werden uns unterhalten, bevor wir irgendetwas anfangen.

Mit einem Schlenker ihres Zauberstabs brachte Ginny die zusammengeklappten Tische in den Ecken zum Fliegen und ließ sie zu einem Platz auf dem Boden gleiten, mit vier Stühlen an jedem Tisch. Neville und Luna setzten sich und Blaise, der leicht überrascht über dieses Stückchen Magie schaute, drehte seinen Rücken zu den Neuankömmlingen und beschäftigte sich wieder mit dem Bücherregal.

Während der nächsten Viertelstunde strömten die Leute zögerlich herein … Nach Neville und Luna waren die einzigen Leute von der alten D.A., die auftauchten, Lavender, Zacharias Smith und die Drei von Rawenclaw: Anthony Goldstein, Terry Boot und Ginnys Ex-Freund Michael Corner. Ginny runzelte die Stirn. So vieles hatte sich geändert. Während einige Mitglieder der ehemaligen D.A. die Schule aufgrund ihres Abschlusses verlassen hatten, hatten solche wie die Patil Zwillinge, Hannah Abbott, Justin Finch-Fletchley and die Creevy Brüder ihr Studium in Hogwarts abgebrochen, um die Verfolgung Muggelgeborener zu vermeiden oder weil ihre Eltern es als sicherer eingestuft hatten.

Anstelle dieser Leute jedoch waren eine Anzahl von zögerlichen Unterschülern von Gryffindor, Hufflepuff und Ravenclaw und natürlich eine Handvoll von ungefähr sieben Slytherins, die, vermutete Ginny, von Blaise eingeladen wurden, erschienen.

Der einzige Slytherin, den Ginny halb wiedererkannte, war ein dünner, blasser Junge, den Ginny als Theodore Nott kannte. Der Sohn eines bekannten Todessers.

Ginny erschauderte unfreiwillig, als sie Platz nahm; warum in aller Welt war er hier, wenn sein Vater noch immer für Voldemort arbeitete? Gab es eine Chance, dass sein Vater aus Angst bei Voldemort war und dass er im Geheimen die Methoden des Dunklen Lords ablehnte? Oder war Theodore einfach nur nicht wie sein Vater?

Ginny blickte zu Blaise, der ihre Reaktion zu beobachten schien. Als sie ihre Aufmerksamkeit auf ihn lenkte, lächelte er auf eine fiese, amüsierte Art. Vielleicht hoffte er gerade, sie wurde von seinen Freunden aus der Fassung gebracht.

Da sie sich weigerte, ihm diese Befriedigung zu gewährleisten, riss sie ihren Blick von seinen Augen los und ging kühn einen Schritt vorwärts.

Obwohl sie wenig Erfahrung mit dem öffentlichen Reden hatte, schien jeder darauf gewartet zu haben, dass sie begann; sobald sie es tat, erstarb das dumpfe Geschwätz und Ginny fühlte Nervosität über die auf sie gerichteten Augen.

Beim Überfliegen des Raumes sah sie, dass, wie erwartet, die Schüler komplett getrennt waren. Die Gryffindors, Rawenclaws und Hufflepuffs waren zusammen auf der Seite nahe der Tür versammelt, während die Slytherins ein isoliertes Knäuel in der Nähe des Kamins bildeten. Sie alle beobachteten sie mit dem gleichen ausdruckslosen Ausdruck.

Ginny räusperte sich.

„Willkommen", sagte sie, während sie sich auf Luna und Neville konzentrierte, „zu dem ersten Treffen des diesjährigen Verteidigungskurses. Behält man die jüngste Wende der Geschehnisse im Ministerium in Hinblick auf die Bildung im Gedächtnis, dachten Zabini und ich, dass es eine gute Idee wäre, wenn-"

„Es ist ein Verteidigungskurs, genauso wie es klingt", unterbrach Blaise in einem gelangweilten Ton, „wir sind Schüler, die praktische Erfahrungen mit den Dunklen Künsten haben und wir werden euch lehren, euch selbst zu verteidigen." Blaise verkürzte Ginnys Rede auf diese Wörter.

„Ja, Dankeschön, Zabini", sagte Ginny knapp, verärgert über seine Unterbrechung. „Wie ich sagen wollte, wir werden anfangen, die grundlegenden Verteidigungszauber zu wiederholen-"

„Angefangen mit Stupor", fügte Blaise hinzu. Es schien aus keinem anderen Grund, als Ginny zu ärgern, indem er abermals unterbrach.

„Richtig", sagte Ginny. „Danke für diese Ergänzung, Zabini."

Es gab Gekicher in der ganzen Klasse. Es war ziemlich offensichtlich für die Schüler, dass es zwischen Blaise und Ginny Spannungen gab, und einen Wettkampfsgeist.

„Jedenfalls", fuhr Ginny fort, „beabsichtigen wir, diesen Verteidigungskurs das ganze Jahr laufen zu lassen. Am Anfang werden wir ein paar grundlegende Sprüche wiederholen, die euch Zeit verschaffen, wenn ihr es mit einer schwarzen Hexe oder einem Zauberer zu tun habt. Allerdings, wenn das Jahr fortschreitet, möchte ich euch in die fortgeschrittenere Magie, ebenso wie in das Studium der stummen Zauber einführen."

Ginny bemerkte, dass einige der Slytherins angefangen hatten, untereinander zu flüstern, was sie störte. Bevor sie jedoch irgendetwas dagegen tun konnte, schnippte Zabini mit seinen Fingern und sie wurden sofort still.

„Zeigt etwas Respekt gegenüber euren Autoritätspersonen", sagte er kalt zu den Slytherins, die gesprochen hatten. Sie blickten sauer über die Zurechtweisung, schienen es aber nicht zu wagen, eine freche Antwort zu geben.

Zabini blickte sich um und ging einen Schritt vorwärts, sodass er nun neben Ginny stand. „Ich möchte beginnen, indem ich ein paar grundlegende Regeln festsetze", verkündete er umherschauend. „Erstens: Jeder hier wird die Lehrer, Ginny und mich, mit Respekt behandeln." Er pausierte, um die Slytherins, die gesprochen hatten, anzugucken. „Zweitens", fuhr er fort, „werdet ihr allen Entscheidungen, was die Struktur der Klassen oder Arbeitsplanung betrifft, die entweder von Ginny oder mir selbst getroffen werden, befolgen. Und drittens -" Er schien für eine Millisekunde Nott anzublicken. „Drittens: Die Nachricht, dass dieser Klub existiert, darf diesen Raum nicht verlassen."

„Warum? Wir tun doch gerade nichts Verbotenes!", platzte ein Hufflepuff-Drittklässler nervös hervor.

„Regel vier", sagte Blaise und drehte sich zu dem Jungen, „keine unangebrachten Äußerungen."

Der Junge starrte zurück , gab aber unter Blaises Blick klein bei und schaute weg. Blaise entspannte sich.

„Ich weiß, wir machen nichts Verbotenes", sagte er ruhig, während er die Manschette seiner perfekten Roben begutachtete. „Nicht jetzt, jedenfalls. Aber trotzdem, was meint ihr, würde ein von Umbridge geleitetes Ministerium über Schüler in Hogwarts denken, die einen Verteidigungskurs gründen? Ich verlasse mich darauf, dass sich viele von euch an Umbridges Jahr als Lehrerin in Hogwarts erinnern?"

Stille.

Blaise trat zurück. Er sah sehr zufrieden mit sich aus. „Das ist alles. Wir können anfangen."

Ginny, die sich bis zu diesem Punkt eher ignoriert fühlte, fand sich zurück im Mittelpunkt.

'Wieso kann ich auf diese Weise keine Aufmerksamkeit verlangen?', fragte sie sich reumütig. Obwohl sie es hasste zuzugeben; sie hatte wahrscheinlich noch ein oder zwei Dinge von Blaise zu lernen, sofern es das Leiten einer Klasse betraf.

„So … ordnet euch zu Paaren", verkündete sie nun, da die Klasse wieder ruhig war. „Nehmt ein Kissen von der Ecke und wir werden zuerst den Stupor üben. Wenn ihr ihn alle gut bewältigt, können wir heute zum Schildzauber übergehen."

Es gab eine starre Pause, dann begann jeder sich langsam zu bewegen, seinen Partner zu wählen und Kissen zu sammeln. Ginny beförderte die Tische zurück in die Ecke, um mehr Raum zu schaffen und beobachtete leicht erstaunt, wie die Leute ihren Anweisungen gehorchten und mit dem Stupor anfingen.

„Was nun?", murmelte sie.

„Patrouilliere und geh sicher, dass sie es richtig machen", erwiderte Blaise und ließ Ginny zusammenzucken; sie hatte nicht bemerkt, dass sie es laut gesagt hatte.

Blaise schien ein Auge auf Neville und Luna zu haben; er begann auf den Bereich zuzusteuern, wo sie arbeiteten, und umkreiste die Gruppen in dieser Gegend.

Widerwillig drehte sich Ginny zu der anderen Seite des Raums, die Blaise unbeaufsichtigt gelassen hatte: Größtenteils die Slytherins.

Ginny sammelte ihren Mut, trat zu der Gruppe und begann ihren Fortschritt zu überwachen. Glücklicherweise schienen die meisten von den Slytherins den Stupor zu beherrschen, vielleicht weil sie älter und erfahrener waren. So gelang es ihr meistens, zu vermeiden, mit ihnen zu sprechen, abgesehen von ein paar Hinweisen. Sie konzentrierte sich eher auf eine Gruppe junger Rawenclaws in demselben Bereich.

Für ungefähr eine halbe Stunde verlief alles relativ gut, bis sie zu den Schildzaubern übergegangen waren und Ginny einen leisen Tumult von der anderen Seite des Raumes kommen hörte. Als sie herüber blickte, sah sie Blaise bedrohlich näher zu Luna und Neville rücken, während er etwas sagte, was sie nicht hören konnte. Neville schaute aufgebracht. Ginny ging schnell und schnurstracks auf das Trio zu.

„Was geht hier vor?", fragte sie sofort, als sie ankam. Sie blickte Blaise an, der sicherlich der Auslöser des Problems war.

„Nichts", sagte Blaise, „Ich habe Longbottom hier gerade nur erklärt, wie er seinen Zauberstab richtig bewegen muss, damit er den Zauberspruch korrekt ausführen kann." Er drehte sich zu Neville um. „Du sollst ihn vorsichtig halten; es ist ein Zauberstab, kein Speer."

Blaise imitierte, was Neville mit seinem eigenen Zauberstab getan hatte, während er seine Arme albern schwenkte. Die Slytherins auf der anderen Seite des Raum lachten ein wenig. Neville errötete zornig.

So war das also. Blaise stellte Neville vor der ganzen Gruppe bloß.

„Das braucht niemand, Zabini", sagte Ginny warnend. „Sag einfach, was falsch ist und geh weiter."

„Das mache ich. Ich sagte gerade nur, dass er seinen Zauberstab nicht halten sollte, als wäre er ein Clown -"

„Er ist kein Clown!"

„Hör mal, Ginny, ich kümmere mich darum", rief Blaise aus. „Geh und hilf den anderen -"

„Sag ihr nicht, was zu tun ist", brüllte Neville.

Blaise fuhr Neville an. „Und du, bleib still bis ich dir weitere Anweisungen gebe!"

„Neville, komm mit mir", sagte Ginny und nahm seinen Arm. „Üb' in meiner Zone."

Sie führte Neville und Luna zur anderen Seite des Raumes, ohne Blaise anzublicken, der sie wütend beobachtete. Der Raum war vorübergehend still geworden.

„Ungefähr so ...", erklärte Ginny, während sie Neville zeigte, wie er seinen Zauberstab richtig hielt.

Als Ginny zu unterrichten begann, fing der Rest der Gruppe wieder an, sich zu bewegen und zu reden. Blaise blieb alleine auf der anderen Seite des Raumes zurück. Er zuckte mit den Schultern und ging weiter.

„Das tut mir Leid, Neville", sagte Ginny sanft. „Er hätte das nicht tun sollen, das war nicht in Ordnung -"

Neville nickte, ohne sie überhaupt anzuschauen. Er konzentrierte sich gerade auf seinen nächsten Zauberspruch. Luna mied ihren Blick ebenso.

„Nun, ich denke, du machst es jetzt auf jeden Fall richtig", sagte Ginny hilflos und schlenderte davon. Eine Woge des Zorns gegen Blaise überfiel sie; sie würde mit ihm reden müssen.

Als der Kurs eine Stunde später endete, schienen die meisten Leute ziemlich erfreut über den Fortschritt, den sie gemacht hatten, trotz der spannungsgeladenen Anweisungen. Sie besprachen, sich am folgenden Dienstag zur gleichen Zeit zu treffen und verabschiedeten sich dann für die Nacht.

„Sollen wir auf dich warten, Ginny?", fragte Luna, als alle Anstalten machten zu gehen. Sie stand an der Tür mit Neville.

„Nein, schon in Ordnung. Ich werde noch aufräumen. Ich seh' euch später", sagte Ginny.

Luna nickte und sie und Neville waren die Letzten, die den Raum verließen. Ginny und Blaise blieben zurück und räumten auf.

Blaise legte schnell alle Kissen zurück, ohne mit Ginny zu sprechen, und Ginny stellte die Bücher zurück, die vom Regal gefallen waren, als sie von schlecht gezielten Zaubersprüchen getroffen wurden.

Schließlich, als nichts blieb, als die Fackeln auszulöschen, fühlte Ginny, dass sie nicht länger still sein könnte.

„Also, warum hast du das getan?", fragte sie vorsichtig. Sie ließ sich nicht anmerken, wie wütend es sie gemacht hatte.

Blaise nahm sich seine Zeit zu antworten. Er löschte erst drei Fackeln. „Was getan?", fragte er schließlich ausdruckslos.

„Neville so zu behandeln."

„Ich habe ihn unterrichtet."

„Du weißt, über was ich rede! Tu nicht so!", fuhr Ginny ihn frustriert an. Sie warf ihr Haar über ihre Schulter und drehte sich, um Blaise das erste Mal ins Gesicht zu sehen. Ihre braunen Augen glühten vor Frustration. „Er ist bereits unsicher und du nutzt das aus! Du behandelst ihn, als wäre er ein Idiot und das ist er nicht!"

„Ist das ein Unterschied dazu, wie du meine Freunde behandelst?", fragte Blaise. Seine Augen funkelten. „Du hast sie den ganzen Abend gemieden, als ob sie Gift wären, hast sie kaum angeguckt.

„Das ist was ganz anderes!", rief Ginny, verletzt durch diese Bemerkung. „Ich hatte keine schlechten Absichten gegenüber deinen Freunden. Du hast Neville das angetan – du hast das getan ..." Ginny suchte nach den richtigen Worten. „Du hast das extra getan, um ihn zu verletzen. Weil er einer meiner besten Freunde ist!"

„Das ist lächerlich." Blaises Stimme war kalt.

„Es ist wahr! Du warst gemein zu ihm und ein mieser Lehrer obendrein!"

„Oh ja, natürlich war ich das!", sagte Blaise. Seine Stimme begann sich mit Wut und anderen Gefühlen, die Ginny nicht benennen konnte, anzureichern. „Natürlich! Weil nichts, was ich tue, jemals richtig ist, zumindest sofern es dich betrifft."

„Nun, wenn du darüber redest, wie wir die Klasse leiten, dann liegst du verdammt richtig", erwiderte Ginny. „Gib zu, dass du ihn schlecht behandelt hast. Gib es zu!"

„Also ist Longbottom der neue Potter, ist es nicht so?", fragte Blaise vernichtend.

„Ich - was?" Ginny wurde von dieser Bemerkung völlig aus dem Konzept gebracht. „Worüber redest du? Wechsel nicht das Thema!"

„Ich habe keine Zeit dafür", sagte Blaise. Er richtete seinen Zauberstab auf die vorletzte Fackel und löschte sie. „Ich gehe."

Die verglommene Fackel ließ Ginny und Blaise allein in einem sonderbaren Halbdunkel zurück. Blaise sah wirklich ziemlich unheimlich im Schein der letzten Flamme aus, die tanzende Schatten auf sein Gesicht warf. Obwohl er gesagt hatte, er würde gehen, stand er da und blickte Ginny noch einen Moment länger an.

Ginny holte schaudernd Luft. „Vergiss es. Wir brauchen einen neuen Plan. Es kann nicht so wie heute weitergehen. Wir werden niemals dazu fähig sein, mit der Klasse fertig zu werden, wenn du – wenn wir uns weiterhin gegenseitig das Leben schwer machen", sagte Ginny mit so weit kontrollierter Stimme, wie sie aufzubringen vermochte. „Von nun an, lass uns die Stunden im Voraus planen, sodass wir nicht dahin gelangen – uns gegenseitig zu unterbrechen oder so etwas."

„Geht in Ordnung." Seine Augen brannten sich in ihre, bevor er sich umdrehte. Er verließ den Raum und ließ Ginny allein zurück.

Die Tür knallte hinter ihm zu. Ginny ließ ihr Gesicht in ihre Hände fallen. Sie fragte sich, wie sie Neville und Luna nun ins Gesicht blicken sollte, nun, da Zabini sich genauso verhielt, wie sie sie zu überzeugen versuchte, dass er es nicht tun würde. Wieso musste Blaise alles so verdammt schwierig machen?

Ginny verbrachte weitere zehn Minuten allein im Raum, unfähig, das Bild von Blaises Gesichtsausdruck, bevor er gegangen war, aus ihrem Kopf zu bekommen. Schließlich löschte sie die letzte Fackel mit einem Stoß ihres eigenen Zauberstabs und verließ den Raum der Wünsche.