„Verzeihen Sie die Neugerde, aber sind Sie irgendwie mit Professor Potter verwandt?" mit der Frage hatte Louise nun wirklich nicht gerechnet. Doch sie antwortete ehrlich. „Möglich wäre es, aber keine Ahnung" sie zuckte mit den Schultern. Auf den fragenden Blick hin, erklärte sie dann mit ruhiger Stimme: „Ich bin bis ich sechs Jahre alt war hier in England aufgewachsen. Aus mir unbekannten Gründen bin ich bei irgendwelchen Muggeln aufgewachsen, die aber über Magie Bescheid wussten. Sie haben mir immer wieder gesagt, dass meine Mutter mich nicht wollte und deswegen bei ihnen abgegeben hat. Mein Leben bei diesen Menschen war nicht wirklich schön. Sie haben mich als Sklavin betrachtet, ich musste sie Herrschaften nennen und sie nannten mich Freak oder Missgeburt. Ich habe den Haushalt erledigt, mich um den Garten gekümmert, gekocht und die Hausaufgaben des Sohnes der Beiden erledigt. Trotzdem bin ich oft genug verprügelt worden, weil ich die Punkte auf der unendlichen Liste an Aufgaben nicht geschafft habe. Wenn ich Glück hatte, habe ich einmal am Tag was zu essen bekommen und, obwohl es drei Schlafzimmer gab, habe ich in einem Schrank gelebt. Duddykins brauchte ja ein zweites Zimmer für seine kaputten Spielsachen."

Severus hatte mit versteinertem Gesicht zugehört. Die Geschichte brachte seine eigenen Kindheitserinnerungen zurück, die auch nicht gerade schön gewesen war. Sein Mitgefühl für die junge Frau war ihm sogar anzusehen. „Und wie sind Sie dann nach Frankreich gekommen?" Als sie antwortete, war Louises Stimme hohl. „Eines Tages war es besonders schlimm. Er hatte einen Deal in seiner Firma vermasselt und natürlich wurde ich dafür beschuldigt. Also habe ich damit gerechnet, dass ich wieder verprügelt und dann ohne Essen in meinen Schrank geschmissen werde. Das Übliche also. Aber es wurde schlimmer. Er hat für die Schläge einen Gürtel benutzt, mich halb bewusstlos geschlagen und… ...und dann hat er gesagt, dass ich als Entschädigung seine persönliche Hure werden würde." Severus war bleich geworden. „Oh Merlin" entkam es ihm. Dann wartete er ruhig, bis Louise sich beruhigt hatte. „Das einzig Gute war, dass bevor er das in die Tat umsetzen konnte, meine Magie eingegriffen hat. Das nächste, an das ich mich erinnern konnte war, dass ich in einen bequemen Bett aufgewacht bin und keine Schmerzen mehr hatte.

Das erste, was ich gesehen habe, war eine wirklich große Frau, die mir anfangs echt Angst gemacht hat. Ich hatte ja keine Ahnung von magischen Wesen und der magischen Welt im Allgemeinen.Heute weiß ich natürlich, dass Maman Halbriesin ist.

Sie erklärte mir meine magischen Ausbrüche während die anderen Lehrer das weitere Vorgehen berieten. Nachdem der Custos-Trank* sagte, dass ich keinen geeigneten Vormund habe – also negativ war - , hat Maman alles in Bewegung gesetzt um mich zu adoptieren. So wurde aus einem sechsjährigen namenlosen Mädchen Louise Destinée Maxime. Ich habe danach zwei Jahre gebraucht, um mich an ein normales Leben zu gewöhnen, vor allem, weil ich nachts immer wieder aufgewacht bin und gefleht habe, dass ich nicht geschlagen werde." „Nie wieder" sagte Severus bestürzt. „das lasse ich nicht zu!" und damit ließ er alle Zurückhaltung fallen und zog seine Schülerin in eine beschützende Umarmung, die zu seiner Freude auch erwidert wurde.

„Darf ich fragen, warum Sie wissen wollten, ob ich mit Professor Potter verwandt bin?" wollte Louise einigermaßen gefasst wissen. Als Antwort begann der dunkle Professor zu erzählen. Er berichtete von seiner Kindheit und wie er Lily damals kennengelernt hatte. „Ihr Spitzname war damals roter Kastenteufel, weil sie bei Ungerechtigkeit schon immer besonders heftig reagierte." berichtete er grinsend. Dann berichtete er von ihrer gemeinsamen Schulzeit in den verschiedenen Häusern und erwähnte auch, was zu ihrem Streit geführt hatte. „Auch wenn sie mir verziehen hat, haben wir nicht mehr viel miteinander zu tun. Sie hat sich echt verändert." beendete er den Bericht. „Wenn ich es richtig verstanden habe, habe ich nicht nur ähnliche Haare wie Professor Potter, sondern auch ein ähnlich feuriges Temperament."

„Das stimmt!" gab der schwarzhaarige Professor zu. „Wenn ich es mir richtig gemerkt habe, wurde bei Ihnen niemals ein Origo-Trank* verwendet, wenn Sie ihre Abstammung wissen wollen, können wir den gerne gemeinsam brauen." bot er an. „Soweit ich weiß, sind Sie in den Weihnachtsferien hier, dann hätten wir auch genügend Zeit." Louise überlegte und gab dann zu etwas über ihre leiblichen Wurzeln wissen zu wollen.

„Nach den Emotionen könnte ich einen Drink vertragen." murmelte Severus, „möchten Sie auch einen?" „Also echt Professor! Sie stiften mich an die Regeln zu brechen?" sie grinste. „Bin dabei!" Auch Severus grinste und holte zwei Gläser. „So lange es unter uns bleibt!" kommentierte er amüsiert. Louise beobachtete das belustigt. Sieht so aus, als würde ich grade die andere Seite Severus Snapes kennenlernen dachte sie. Ich mag beide seiner Gesichter dachte sie und wurde leicht rosa. Na super, ich bin wohl wirklich dabei mich in meinen Lehrer zu verlieben.

Sie stießen an und tranken langsam ihren Whiskey. Während des netten Gesprächs verging die Zeit wie im Fluge und am Ende des Tages hatten sie wirklich viele Gemeinsamkeiten entdeckt.

Diese Gespräche wurden in den folgenden Monaten zu einer Gewohnheit. Irgendwann saß Louise jeden Tag im Büro ihres Lehrers und diskutierte mit ihm über Tränke, Politik, Verteidigung und was ihnen sonst noch einfiel. So verging die Zeit bis zu den Weihnachtsferien wie im Fluge und ehe sie sich versahen, hatten sie die Möglichkeit den Origo-Trank zu brauen.

„Jetzt gebe ich noch unter ständigem Rühren die drei Runespoor Eier hinzu und dann muss das Ganze 45 Minuten abkühlen, bevor wir weiter brauen können" erklärte Severus das weitere Vorgehen und beobachtete seine begabte Schülerin. Diese schnitt die Stacheln eines Knarls klein, damit sie diese direkt nach der Wartezeit hinzufügen konnten. Sie brauten schon seit drei Tagen an dem Trank, da dieser immer wieder Kühlpausen brauchte. Aber bald hatten sie es geschafft. Der Origo-Trank war bei Weitem kein einfacher Trank. Er entsprach Meister-Niveau. Doch bei Louise Maxime hatte Severus keine Bedenken, dass etwas schief gehen würde. Sie hatte wirklich Talent.

Und dann hieß es warten. Schnell bemerkte Severus, dass bei seiner Schülerin irgendetwas nicht stimmte. Sie saß sehr angespannt auf dem Sofa, die sonst so fröhliche, fast immer singende Louise war fast nicht wiederzuerkennen. „Ich habe Angst!" gab sie auf seine Nachfrage hin zu. „Ich meine, meine Eltern haben mich willentlich bei denen abgegeben und mein Leben somit zur Hölle gemacht. Gleichzeitig bin ich extrem neugierig, wer sie denn waren und warum sie mich aufgegeben haben. Ich bin hin- und hergerissen. Und genau in dem Moment wurde Severus mit aller Deutlichkeit klar, dass diese junge Frau einen Weg in sein einsames Herz gefunden hatte und es war, als würde für ihn die Sonne wieder scheinen.

„Egal, wer sie waren und warum sie das getan haben. Sie haben jetzt eine Familie, die Sie liebt und auf die Sie sich verlassen können." Dankbar sah Louise ihren Professor an. „Was würde ich ohne Sie nur machen?" Es dauerte noch 35 Minuten, bis die Stacheln hinzugefügt werden konnten und sie hatten nichts mehr zu tun. „Unterrichten Sie eigentlich gerne?" fragte Louise neugierig. Sie hatte nämlich nicht das Gefühl, auch wenn er ein guter Lehrer war. „Sag doch im Privaten bitte Severus zu mir. Es mag alle überraschen, aber ich unterrichte gerne, aber die Unfähigkeit der meisten Schüler macht alles schwieriger. „Gerne Severus" erwiderte Louise „es ist bestimmt nicht leicht dieses Fach zu unterrichten!" Severus grinste. „Du hast ja keine Ahnung. Allerdings, wenn man dann eine so wunderschöne und talentierte Schülerin wie dich unterrichten darf sind es die kaputten Nerven definitiv wert." sie errötete. „Es ist aber auch keine Schwierigkeit sein Bestes zu geben, wenn man so einen gut aussehenden und kompetenten Lehrer wie dich hat!"

Nun waren beide rot und das war der Moment, in dem Severus entschied, dass er es einfach wagen musste. Er nahm Louises Hände in seine, sah ihr fest in die Augen und nahm seinen ganzen Mut zusammen. „Louise Maxime, erweist du mir, Severus Snape aus Altem und Ehrwürdigen Hause, die Ehre und erlaubst mir offiziell um deine Zuneigung und Liebe zu werben?" Er erwartete schon eine Abfuhr, doch sie überraschte ihn mit der traditionellen Antwort: „Ich, Louise Maxime aus Altem und Ehrwürdigen Hause, erlaube Severus Snape um mich zu werben." Als sich die Rothaarige dann an ihn lehnte, konnte er sich nicht mehr zurückhalten. Er zog Louises Gesicht zu sich und legte seine Lippen auf die ihren. Während dem Schmusen ihrer Lippen ging in ihren Körpern ein Feuerwerk an Emotionen ab und keiner wollte, dass der Kuss bald endete. Doch das Schicksal hatte andere Pläne und so wurde frisch gebackene Paar von einem unanständig lauten Geräusch gestört. Dem Zeitzauber. Es war an der Zeit die Knarl Stacheln zum Trank hinzuzufügen. Danach musste das Ergebnis noch zwei Stunden ziehen, bevor die letzte Zutat hinzugetan werden konnte.

Diese zwei Stunden nutzten die beiden zum Kuscheln, Küssen und für lange Gespräche. „Warum hast du meine Werbung eigentlich so schnell akzeptiert?" wollte Severus wissen. „Ich meine, ich bin alt genug um dein Vater sein zu können!" „Seit ich angefangen habe mich für Männer zu interessieren, hat kein gleichaltriger Junge mein Interesse geweckt. Ich habe mich schon immer mehr für ältere Männer interessiert und deine schwarzen Augen haben mich direkt in ihren Bann gezogen." Bei dieser Aussage konnte Severus nicht widerstehen und zog seine Angebetete in einen verlangenden Kuss.

Merlin er konnte sich glücklich schätzen, diese wundervolle Frau als Partnerin bezeichnen zu dürfen.

Unter dem Geplauder und den vielen geteilten Küssen verging die Zeit wirklich schnell und genau wie bei der letzten Wartezeit wurden die beiden beiden während eines Kusses durch den Zeitzauber gestört. „Was für ein Timing!" knurrte Louise gereizt. Dann schnappte sie sich das bereitliegende Messer und schnitt sich ohne zu zögern in die Hand. Das Blut fügte sie dem Trank hinzu und rührte einmal links herum um. Dann war der Trank fertig. Louise, die bis jetzt ruhig geblieben war, war nun die Nervosität deutlich anzusehen. Weswegen Severus das Ergebnis auf das bereitliegende Pergament goss und sie dann in den Arm nahm. Beide sahen das Ergebnis gleichzeitig. „Oh Merlin!" entkam es ihnen, als sie überrascht auf das Pergament sahen.

*Custos, lat. Für Vormund, der Trank gibt Auskunft, ob die getestete Person einen geeigneten Vormund hat

* Origo, lat. Für Herkunft, der Trank gibt Auskunft über Namen, Eltern, Geschwister, Paten und Titel der getesteten Person