Danke, SharonandAndy und Glistening Sun, für eure Reviews. Hab mich sehr gefreut.:)

Hier also das nächste Kapitel, ich hoffe, es gefällt euch.

Chapter 2

Langsam machte Andy die Schritte zum Wagen hin. Sein Blick verließ dabei nie die kleine, blutverschmierte Hand, die unter dem Wrack hervor lugte.

Er nahm nur am Rande wahr, dass Brenda sich der Stelle näherte. Sie brauchte etwas länger dafür, sich mit ihren Pumps durch den weichen Schlamm zu kämpfen. Während er in die Knie ging, streckte er langsam die Finger aus. Kurz bevor, er das schmale Handgelenk von Sharon Raydor berührte, hielt er inne. Er hatte Angst. Natürlich ging sie ihm auf die Nerven, so wie jedem anderen auch. Aber… Was, wenn er jetzt keinen Puls mehr spüren würde? Davor hatte er große Angst.

Er holte noch einmal tief Luft, bevor er zwei Finger über ihr Handgelenk legte. Er merkte gar nicht, dass er den Atem anhielt. Doch als er allmählich ein schwaches Pulsieren unter seinen Fingerkuppen spürte, stieß er die Luft erleichtert aus.

„Sie lebt! Sie lebt, Chief."

Mit großen Augen wandte er sich zu Brenda um, die schließlich den schlammigen Hang hinter sich gelassen hatte. Doch Brenda sah ihn nicht an, ihre Augen waren an das Wrack vor ihr geheftet.

„Großer Gott!"

Wie angewurzelt blieb sie stehen.

„Chief! Wir müssen sie hier raus holen!"

Andy wandte sich erneut um. Ohne über seinen teuren Anzug nachzudenken, warf er sich bäuchlings in den Schlamm und sah in das Wrack hinein. Er konnte nicht viel erkennen. Er sah Raydors Haare und er sah Blut. Ihre Knie lagen fast auf ihrem Kopf auf, da der Wagen auf dem Dach liegen geblieben war. Andy schluckte. Es würde nicht einfach werden, sie zu befreien. Aber er wollte nicht auf die Feuerwehr warten. Sie würden zu lange brauchen, weil die Straßen so voll waren. Was, wenn sie bis dahin nicht mehr lebte? Was, wenn sie jetzt schon nicht mehr atmen konnte?

Andy dachte kurz über die Optionen nach und entschied sich erstmal zu der offensichtlichsten. Er griff nach dem Türgriff und versuchte, die Tür zu öffnen. Doch egal, wie sehr er daran rüttelte und zog, sie war zu verformt und bewegte sich keinen Zentimeter. Schnaufend ließ Andy von der Tür ab. Er wischte sich gerade die Augen, als er ein Geräusch hörte. Er richtete sich auf und sah über den Wagen hinweg auf die andere Seite. Dort kniete seine Vorgesetzte und zog an der Beifahrertür, die sich letztlich öffnen ließ.

„Chief!"

Erleichtert lief Andy um das Wrack herum und fiel neben Brenda zu Boden. Sie machte ihm Platz und er öffnete die Tür schließlich ganz. Es war schwierig und mühsam, aber es funktionierte.

Kurz sah er zu seiner Chefin.

„Chief, gehen Sie auf die andere Seite und versuchen Sie, ihren Gurt zu öffnen. Ich halte sie fest, damit sie sich nicht noch schwerer verletzt."

Brenda nickte und stand auf. Andy schob sich soweit es ging in den Wagen hinein. Jetzt konnte er dem Captain ins Gesicht schauen. Von ihrer kalten Maske war nichts mehr zu sehen. Sie hatte die Augen fest geschlossen und an ihrer Stirn klaffte eine Platzwunde. Ihr Kiefer begann anzuschwellen und ihre Haare klebten an ihrem Kopf, wo sie blutdurchtränkt waren. Was ihm am meisten Sorgen machte, war allerdings die B-Säule, die gebrochen war und sich leicht in ihren Rücken gebohrt hatte. Sie würden sie zwar dennoch befreien können, aber das Verletzungspotenzial war groß.

Vorsichtig legte er ihr einen Arm über die Brust und den anderen über die Hüfte. Dann nickte er Brenda zu. Sie streckte ihren Arm durch das zerbrochene Fenster und tastete nach dem Sicherheitsgurt, der Raydor in dem Wrack gefangen hielt. Als der Gurt sich löste, wechselte Andy die Position seiner Arme. Mit dem einen hielt er sie fest, den anderen schob er unter ihren Kopf und umfasste ihre Schulter.

„Chief, Sie müssen die Säule nach oben drücken, sonst kann ich sie nicht raus ziehen."

Brenda sah ihn zweifelnd an.

„Sind Sie sicher? Was, wenn ich noch mehr kaputt mache?"

„Chief, sie atmet kaum noch. Wir müssen sie hier raus holen. Und zwar schnell."

Brenda zögerte noch zwei Sekunden, umfasste dann aber die Säule mit beiden Händen und nickte.

„Auf drei. Eins, zwei, drei."

Andy zog den Captain vorsichtig in seine Richtung, während Brenda die Säule mit großer Mühe von der verletzten Frau weg stemmte. Das Geräusch, als sich das Metall von Raydors Körper löste, war zwar Übelkeit erregend, aber Andy fiel es danach leicht, den Captain aus dem Wagen zu ziehen. Brenda lief wieder auf die andere Seite des Wracks und half ihrem Kollegen, Sharon Raydor auf dem Boden abzulegen. Andy nahm danach ihren Kopf in seine Hände uns legte ihn in den Nacken. Dann beugte er sich zu ihr hinab und legte seine Wange an ihren Mund. Ihre Atemzüge wurden immer deutlicher.

Andy sah in ihr Gesicht, während ihre Augenlider zu flattern begannen. Als sie plötzlich schwach zu husten begann, schob er seinen Arm erneut unter ihren Kopf, um es ihr etwas leichter zu machen.

„Captain?"

Langsam zwang sich Sharon, ihre Augen zu öffnen. Ihr Blick ging wild umher und ihr Gesicht war schmerzverzerrt. Andy nahm seine freie Hand und legte sie an Sharons Wange.

„Schhh, ist schon gut. Alles wird gut."

Sie stöhnte vor Schmerzen und fixierte ihren Blick dann auf Andys Gesicht. In ihren Augen konnte er sehen, wie sehr sie litt und welche Angst sie hatte. Er wusste nicht, wie er sie weiter beruhigen sollte. Er sah hilfesuchend zu Brenda, doch sie zuckte nur mit den Schultern und sah ihn ebenso hilflos an. Er wandte sich wieder zu Sharon. Sie streckte die Hand aus. Er ergriff sie und sie umklammerte seine Hand immer fester. Dann beugte er sich noch etwas nach vorn, um ihr Gesicht vor dem unaufhörlichen Regen zu schützen.

Plötzlich hörte man die Sirenen der eintreffenden Rettungskräfte. Provenza würde sie hier runter führen.

Sharon wollte ihm etwas sagen, das sah er ihr an. Aber sie schien es nicht zu können. Er drückte ihre Hand einmal.

„Ist schon gut, Hilfe ist unterwegs. Sie haben es gleich geschafft."

Ihr Blick war so verzweifelt. Aus ihrem Augenwinkel erkämpfte sich eine einzelne Träne den Weg nach draußen. Sie schien ihm unbedingt etwas mitteilen zu wollen, aber er konnte nur den Kopf schütteln. Er hoffte nur, sie würde es schaffen. Aber dass sie bei Bewusstsein war, war doch ein gutes Zeichen, oder etwa nicht?

Bei dem Klang von näher kommenden Stimmen und Schritten, hob Andy seinen Blick und sah seinen Partner tollpatschig den Hang hinunter klettern. Hinter ihm folgten Sanitäter, Feuerwehrleute und Kollegen. Erleichtert atmete Andy auf.

Er wollte Sharon ein beruhigendes Lächeln zuwerfen, doch als er sich wieder ihr zuwandte, waren ihre Augen geschlossen. Ihre Hand in seiner war erschlafft und ihr Brustkorb hob sich nicht mehr in dem Versuch, den dringend benötigten Sauerstoff aufzunehmen.

Geschockt betrachtete er die kleine, zierliche Hand in seiner. Es war die gleiche Hand, die auch aus dem Wrack hervor geragt hatte. Sie war immer noch blutverschmiert und wieder reglos.

TBC