Kapitel 2: Ein Hoch auf das Brautpaar
„Ich sagte doch: Ich weiß es nicht!", fahre ich Sam gereizt an. Ich habe es ihm ja nicht schon etwa eine Millionen Mal erklärt.
„Aber irgendwas musst du doch wissen!", hackt Sam nach.
Ich seufze. „Da ist nichts, Sam. Gar nichts."
„Du warst volle 2 Tage weg!", wirft er mir nun vor.
Seit 3 Stunden geht das nun so. Seit dem Moment, wo ich im Motelzimmer aufgetaucht bin.
Ich hasse Crowley dafür, dass er mich direkt ins Motelzimmer gebracht hat. So war es mir unmöglich, mir eine Ausrede einfallen zu lassen, warum ich 2 Tage weg war und nicht an mein Handy gegangen bin.
Nicht, dass ich gewusst hätte, dass ich 2 ganze Tage weg war, aber ich hatte nie vor gehabt Sam zu erzählen, dass ich Crowleys „Braut" bin und… dass ich mit ihm geschlafen habe. Niemals.
Doch Crowley hat es mir mit seiner Aktion unmöglich gemacht.
Sam war total besorgt, was ich ihm auch nicht übel nehme. Trotzdem bin ich als erstes duschen gegangen, ohne auch nur auf eine von Sams Fragen zu antworten.
Die Dusche hat mir gut getan. Es hat gut getan endlich Crowleys Sperma von mir zu waschen. Jedoch habe ich nicht das Gefühl ihn ganz los zu sein. Als würde etwas von ihm immer noch an mir haften.
Sam hat beschlossen mich erst duschen zu lassen und mich dann mit Fragen zu löchern.
Ich habe darüber nachgedacht, was ich ihm erzählen könnte, doch Cass hat mir die Entscheidung abgenommen.
„Du bist an Crowley gebunden", hat er uns auf seine ruhige Art mitgeteilt und mich gemustert. „Warum?"
Ich werde nie Sam Blick darauf vergessen. Dieser entsetzte Gesichtsausdruck.
„Ich weiß es nicht", habe ich ihnen gesagt, doch sie haben mir nicht geglaubt. Keiner von beiden.
Schließlich habe ich ihnen erzählt was passiert ist. Zumindest den Teil, den ich weiß. Ich habe ihnen erzählt, was Crowley mir gesagt hat und ich habe ihnen auch erzählen müssen, dass wir miteinander geschlafen haben.
Sam hat eine Weile gebraucht, um das zu verdauen. Ich denke er kann es immer noch nicht so wirklich fassen. Und mir geht es genauso. Er hat viele Fragen gestellt. Viele haben sich darum gedreht, warum ich das zugelassen habe. Wie ich nur mit Crowley schlafen konnte, einem Mann UND Dämon! Er ist doch der König der Hölle! Es fiel mir schwer ihm das zu erklären. Ich verstehe es ja selber nicht.
„Aber du hasst diesen Kerl, richtig?", hat Sam mich gefragt.
„Natürlich!", habe ich ausgerufen.
„Warum dann der… Sex?", hat er nachgehackt. Er klang verdammt wütend.
„Ich weiß nicht. Wenn er da ist, kann ich ihn nicht hassen", habe ich ihm und mir gestanden.
Sam war daraufhin eine Weile lang still. Das war nicht das, was er hatte hören wollen. „Aber irgendwas musst du doch wissen. Irgendwas, was das was er sagt belegt."
„Ich weiß NICHTS", habe ich Sam fast schon angebrüllt.
Und nun diskutieren wir seit geschlagenen 3 Stunden herum.
„Also, nochmal von vorne: du wachst auf und dann…?"
Sam wartet darauf, dass ich den Satz beende.
„Dann ist da Crowley, er sagt mir, dass wir in der Hölle sind und wir schlafen miteinander", leier ich herunter. Inzwischen habe ich keine Lust mehr auf diese Diskussion. Ich zögere nicht mal mehr zu sagen, dass Crowley und ich Sex hatten. Zu oft musste ich es jetzt schon sagen.
„Ihr ward einfach verheiratet? Willst du mir das damit sagen?", fragt Sam und schüttelt ungläubig den Kopf. Ich hasse, dass er mir nicht glaubt. Denkt er denn wirklich ich würde mich einfach so auf Crowley einlassen?
„Es ist mehr als das", geht Cass dazwischen. Er hat sich bisher sehr zurückgehalten. Er wirkt ziemlich enttäuscht und fokussiert sich gerade nur auf das Problem. Warum verstehen mich die beiden nicht? Es ist doch nicht meine Schuld, was passiert ist, oder?
Im Stillen muss ich dem Engel recht geben. Es fühlt sich anders an, als bloß „verheiratet". Ich fühle mich gebunden – an Crowley. Ich bin nicht mehr allein.
Sam sieht Cass fragend an. „Wie meinst du das?", hackt er nach.
„Kannst du es nicht sehen?", fragt Castiel und guckt verwirrt.
Ich bin beunruhigt. Was sehen?
Genau das fragt auch Sam.
„Dass zwischen Dean und Crowley eine Bindung besteht."
Nun ist Sam interessiert. Er will von Cass genau wissen, was für eine Bindung das ist, woran er das sieht und und und…
Cass fällt es schwer es Sam zu erklären. Er sieht es einfach. Als sei es ein Teil meiner Aura. Irgendwie gefällt mir das nicht und Sam offensichtlich auch nicht.
„Lässt sich der Bund denn irgendwie wieder lösen?", fragt er ihn dann und ich funkele meinen Bruder böse an. Wie wäre es, wenn er mich mal fragt, ob ich das überhaupt will? Immerhin geht es hier um mein Leben!
Sam bemerkt meinen Blick und sieht mich irritiert an. „Was ist?", fragt er.
Mir wird bewusst, was ich gerade gedacht habe. Wieso denke ich so einen Mist? Ich will doch von Crowley getrennt sein!
Ich winke ab. „Schon gut."
Sam betrachtet mich zwar noch etwas skeptisch, beschließt jedoch nicht weiter darauf einzugehen und wendet sich wieder Castiel zu.
„Ich weiß es nicht. Tut mir leid." Cass kann Sams fragen leider nicht beantworten, was ziemlich frustrierend und zugleich auch sehr entmutigend ist.
Sam ist sauer auf Cass, weil er uns nicht helfen kann und er ist sauer auf mich, weil ich mich in diese Situation gebracht habe. Dabei ist es nun wirklich nicht seine Schuld!
Wir sind auf dem Weg zu Bobby um dort gemeinsam nach einer Lösung zu suchen. Die Internetrecherche von Sam hat leider nichts ergeben. Was kein Wunder ist, immerhin wissen wir ja auch nicht wonach wir suchen sollen. Es könnte alles sein und ich bin leider keine besonders große Hilfe. Deswegen hat Sam vorgeschlagen Bobbys Bücher zu durchforsten. Irgendwelche Aufzeichnungen muss es ja geben.
Die Stimmung im Auto ist eisig. Sowohl Sam als auch Cass schweigen mich an. Ich drücke aufs Gas. Je schneller wir ankommen, desto besser.
Bobby hat wesentlich gefaster reagiert als Sam. Er bewahrt meistens einen kühlen Kopf, wenn wir nicht weiter wissen. Doch ich konnte Bobby nicht ansehen, als Sam ihm erzählt hat, was passiert ist, was ich getan habe. Ich konnte einfach nicht. Bobby ist wie ein Vater für mich. Ich muss nicht in sein Gesicht sehen, um zu wissen, dass er enttäuscht von mir ist. Doch er will uns… mir… helfen, so wie er es immer tut.
Seit Stunden suchen wir schon nach einer Lösung. Wir durchsuchen Bobbys ganze Bibliothek, die ganze Sammlung von Büchern, doch nichts. Es wäre auch viel leichter, wenn wir wüssten, wonach wir suchen sollten. Nach Hochzeit, Bündnis, Verbindung oder Braut? Das einzige was wir bisher gefunden haben, ist eine Art Zauber, die jemanden mit Gewalt an eine andere Person kettet, sodass diese nicht sterben kann. Sie teilen sich das Leben, oder so.
Meine Laune ist auf dem Tiefpunkt angekommen und ich will mich nicht weiter mit dem Thema beschäftigen. Im Moment ist es das letzte was ich will. Ständig schwingt der stumme Vorwurf der anderen mit, selbst wenn sie schweigen. Gerade jetzt will ich das geschehene einfach nur vergessen, doch ich kann nicht. Sam lässt es nicht zu. Immer und immer wieder stellt Sam mir weitere Fragen, um dieser… Verbindung auf den Grund zu gehen. Ich beantworte seine Fragen äußerst gereizt. Immerhin weiß ich ja nichts und das sollte er inzwischen begriffen haben!
Jetzt tut er es schon wieder. Ich weiß er meint es gut. Er will mir helfen, doch ich will meine Ruhe haben. Ich will einfach mal abschalten können und mal darüber nachdenken, was überhaupt passiert ist und was genau es bedeutet.
Mit Wucht fege ich das Buch, indem ich gerade geblättert habe, bei Sams Frage, vom Tisch und verlasse Türendknallend das Haus. Sollen die drei doch alleine weiter suchen!
Ich gehe zu meinem Baby und fange damit an, an ihr herumzuwerkeln. Das beruhigt mich ein wenig und ich komme zum nachdenken.
Ich weiß nicht, was ich von dieser Bindung halten soll. Ich weiß nicht mal mehr, was sie bedeutet. Aber eins ist mir klar: ich hasse Crowley. Er ist ein Dämon. Er ist unser Feind. Ich sollte nicht so für ihn fühlen, wie ich es im Moment tue. Ich sollte ihn nicht vermissen. Es sollte mich nicht ärgern, wie die anderen über ihn sprechen, wie sie mit aller Macht versuchen wollen uns zu trennen. Doch ich tue es. Ich werde das ganz sicher niemals zugeben, aber tief in mir drin weiß ich, dass es stimmt. Ich mag Crowley und das sollte nicht so sein. Warum also ist das so?
Egal wie viel ich darüber auch nachdenke, ich finde auf diese Frage keine Antwort. Fest steht, dass ich erst seit dieser Nacht so empfinde. Seit ich aufgewacht bin und Crowley da war.
Plötzlich höre ich flügelrauschen. Cass. Ich möchte jetzt keinen weiteren Vorwurf hören. Nicht auch noch von ihm.
„Ich möchte jetzt nicht reden", sage ich ihm ohne mich umzudrehen, bevor er etwas sagen kann.
„In Ordnung", antwortet Castiel, doch er geht nicht.
„Wirklich nicht."
Cass sagt nichts. Er bleibt still. Er nimmt mich beim Wort. Seine Anwesenheit ist schon Vorwurf genug für mich. Ich halte das Schweigen nicht lange aus. Dann drehe ich mich zu ihm um.
„Cass-"
„Ich möchte es verstehen, Dean", unterbricht er mich, bevor ich ihm sagen kann, dass er gehen soll, dass ich allein sein will.
„Dann bist du bei mir falsch. Ich habe euch alles gesagt, was ich weiß."
Cass nickt. „Das glaube ich dir. Aber wie konntest du dich auf ihn einlassen? Gott wollte, dass ich dich aus der Hölle hole, aber nicht damit du… sowas tust."
Er sagt es ganz ruhig, doch ich werde wütend.
„Dann sag mir doch, Cass: was hat Gott gewollt? Es ist mir verdammt noch mal egal was Gott will! Er soll seinen Arsch hier runter bewegen und die Sache in Ordnung bringen! Aber nein, dein Gott ist ja abgehauen!", fahre ich ihn an. Ich sehe wie es Castiel trifft und es tut mir im selben Moment schon wieder leid. Ich weiß doch, wie sehr es ihn mitnimmt, dass Gott sich nicht mehr kümmert.
Einige Sekunden ist der Engel still, dann sieht er mich an.
„Ich verstehe", sagt er und ist dann verschwunden. Ich bleibe allein zurück.
„Wir haben was gefunden", sagt Sam wenige Stunden später zu mir.
Ich finde, dass das gute Nachrichten sind und gehe zusammen mit Sam wieder zurück zum Haus.
„Wo ist Cass?", fragt er mich auf dem weg. Ich seufze.
„Wir haben uns gestritten", antworte ich und gehe ins Wohnzimmer wo Bobby schon auf uns wartet. Ich will jetzt nicht über Cass reden. Ich habe eh schon ein schlechtes Gewissen.
Ich sehe meinen Ziehvater erwartungsvoll an. „Sam sagt ihr habt was gefunden?"
„Nicht ganz. Aber wir kommen der Sache näher", sagt er uns sieht von einem dicken alten Buch auf.
Sam setzt sich neben Bobby und zieht ein anderes Buch zu sich heran. Ich setzte mich auch. Was kommt denn jetzt?
„Also", beginnt Sam, „wir haben nach verschiedenen Bindungen geguckt und noch ein paar alte Bücher von Bobby raus gekramt und darin folgendes gefunden. Zum einem gibt es da ein Bündnis zwischen Mann und Frau. Im Grunde genommen ist es wie eine Hochzeit, nur dass sie wirklich endgültig bindet ist und auch Gefühle… sagen wir… erzwingt."
Sam sieht mich an. Ich runzel die Stirn. „Und ihr denkt, das ist es? Crowley und ich haben geheiratet?"
„Nein", meint Bobby kopfschüttelnd. „Es trifft in so weit zu, dass bei dir – wie wir annehmen – ebenfalls Gefühle für Crowley erzwungen werden, jedoch hat Crowley gesagt, dass du seine Braut bist."
„Und das macht dich zu seiner Verlobten", ergänzt Sam, „Aber bei diesem Zauber gibt es keine Vorstufe, die eine Verlobung mit einschließt."
„Also können wir das schon mal streichen?", frage ich und bin mir nicht sicher, warum sie mir das erzählen, wenn es doch falsch ist.
Sam nickt. „Ja."
„Toll", meine ich frustriert, „Und jetzt?"
„Warte, es geht weiter", meint Sam, „Danach sind wir auf den Namen Victor Bransch gestoßen. Er lebte vor über hundert Jahren und hat wohl einen Dämon an sich gebunden. Angeblich konnte er so den Dämon in Schach halten, weil er über diesen Dämon stand und ihn quasi ‚besessen' hat. Der Dämon war sein Besitz."
„Interessante Methode einen Dämon an die Leine zu legen", meine ich und muss nun doch ein wenig grinsen. Sollten wir uns merken.
Bobby schüttelt den Kopf. „Es muss auch Konsequenzen für Victor Bransch gehabt haben, jedenfalls wird einem ausdrücklich davon abgeraten einen solchen Bund einzugehen."
„Gut, aber was hat das Ganze mit mir zu tun? Crowley ist nicht an mich gebunden. Ich bin an ihn gebunden-"
„Angeblich", unterbricht mich Sam, „Von Crowley wissen wir doch, dass er lügt."
„Er kennt meine Gedanken, Sam", meine ich etwas ungehalten. Wieder stört es mich, wie er über Crowley redet.
„Was?!", fragt Sam und sieht mich entgeistert an. „Er kann deine Gedanken lesen?! Warum hast du das nicht schon früher erwähnt? Das ist wichtig!"
„Ich war mir nicht sicher! Genauso gut hätte es auch nur Zufall sein können, dass er auf das reagiert, was ich denke!", versuche ich mich vor Sam zu rechtfertigen.
„Bei Crowley gibt es keine Zufälle!"
Sam flucht und schließlich weist Bobby uns beide zu Recht.
„Es gibt es wichtigeres, also reißt euch gefällixt zusammen! Wir müssen heraus finden, was genau passiert ist, um in Erfahrung bringen zu können, wie wir dieses Problem lösen. Da Dean es nicht weiß, gibt es nur noch eine Person, die uns unsere Fragen beantworten kann…"
Sam und ich sehen uns an.
„Crowley", sagen wir gleichzeitig und mein Herz macht einen Sprung vor Freude. Verdammter Mist!
