Wow, danke für die vielen, lieben Reviews!

Teil 2 kommt sogleich:


The Letter

BELLA

Edward,

Ich schreibe diesen Brief schon jetzt, da ich Angst davor habe, dass mit dem immer fortschreitenden Alterungsprozess nicht nur meine Haare grauer und meine Falten tiefer werden, sondern auch meine Erinnerungen an dich verblassen.

Als wir uns damals trennten und ein jeder seinen eigenen Weg des Lebens beschritt, hast du immer von dem Richtigen gesprochen, von dem einzig Richtigen, was man in einer Situation wie der unseren hätte tun können. Aber wenn dem so ist, wenn es so richtig war, warum wünsche ich mir dann jedes Mal, wenn ich an einem weiteren trostlosen Morgen erwache, dass du neben mir liegst? Dass du die goldenen Augen auf mich gerichtet, meinen Schlaf mit dem üblichen Interesse beobachtet hättest...

Die ganze Zeit danach dachte ich an dich, wann immer es mir möglich war, in der Hoffnung, du wärst nah genug um zu hören, wie ich dich in Gedanken rufe, wie ich dich immer wieder anflehe: Komm zurück zu mir!

Ich bin über 60 Jahre alt und ich werde wohl noch älter sein wenn – falls wir uns wieder sehen und doch schwärme ich noch immer von dir, wie ein pubertierender Teenager, fühle mich jung und gesund, wenn du mich in meinen Träumen besuchst um mich mit gewohnter Leichtigkeit auf deinen Rücken zu schwingen und mit mir davonzulaufen, wohin auch immer deine schnellen Beine uns tragen würden.

Mein Leben scheint ohne dich an Farbe verloren zu haben. Grau und eintönig ziehen die Tage an mir vorbei, werden zu Wochen, zu Monaten und schließlich zu Jahren.

Ich habe Angst, dass du mich nicht wieder erkennst, dass ich mich zu sehr verändert habe, dass du nicht mehr derselbe bist.

Und obwohl die Zeit als unser größter Gegner zwischen uns steht, muss ich einfach daran glauben, dass wir einen Weg finden, dass es trotz alledem nicht vorbeisein kann.

Ich liebe dich, Edward Cullen, ich habe dich immer geliebt, und werde dich immer lieben.

Ich warte,

Bella.

EDWARD

Während ich mir die von ihr geschriebenen Zeilen wieder und wieder durchlese, spüre ich Jaspers besorgten Blick auf mir. Er wartet auf einen Ausbruch meines unvorhersehbaren Temperaments.

„Wo ist sie?", frage ich ohne mir die Mühe zu machen, ihn dabei anzusehen. Der ruhige klang meiner Stimme verrät nicht, wie ich mich in dem Moment fühle, meine Gesichtszüge könnte niemand deuten – doch in mir treibt ein Orkan sein Unwesen.

Das ist keine gute Idee.

„Woher hast du das?", ungeduldig halte ich das Blatt Papier in die Höhe und lasse dabei meine Augen durch den Raum gleiten, vermeide es ihn anzusehen und starre schließlich aus dem Fenster, ohne durch den Dreck hindurch auch nur irgendwas erkennen zu können – ich weiß, so groß und dick ich auch die Mauer um meine Gefühle, meine größten Geheimnisse errichtet habe – meine Augen würden mich verraten.

„Ein Junge aus der Stadt", erwidert Jasper vorsichtig, ich weiß, er ist darauf bedacht, nicht zuviel zu sagen. „Sie muss ihm Geld dafür gegeben haben. Er meinte, . . .", er hält inne, doch es ist zu spät: denn obwohl er seinen Satz unvollendet lässt, kann ich ihn hören.

Sie ist im Krankenhaus.

Und ich fange an zu laufen.