Ich weiß es hat ewig gedauert, aber hier ist endlich der zweite Teil der Story.


{Kaptel2 -Zwei Opfer}

Das leise klackern einer Schreibmaschine war zu hören und der Windstoß, der durch das halbgeöffnete winzige Fenster hereindrang, war ein Segen für die stickige Luft in dem Büro. Wenn gleich ein kalter. Die Tür schlug mit einem sachten dumpfen Aufprall an der hinter ihr liegenden Wand an, etwas das immer passierte, wann immer einer von ihnen hinein- oder hinausging. Und es wurde langsam deutlich, wie einem bereits der dunkle Fleck auf Höhe des Türknaufes verriet. Doch heute hatte der Engländer kein Auge dafür. Auch kein Ohr. Schon beim Eintreten war dem erst letztlich neu ernannten Inspektor die Bitterkeit im Gesicht anzusehen, auf seinen Lippen lag ein Seufzer und unter seinen Augen trug er die Müdigkeit der vergangenen Nacht mit sich. Vor einer Stunde war er Müde und ungekämmt am Tatort angekommen, nur um mit einem Horrorszenario begrüßt zu werden. Eine weitere Leiche. Ein weiteres Opfer des Whitechapel-Mörders wie sie ihn in ihren Akten noch immer nannten. Wobei sich auch dort langsam die Bezeichnung Leather Apron einschlich. Ein Name dem ihm die Zeitungen gegeben hatten. Wegen der unbestätigten und schwammigen Aussage eines vermeidlichen Zeugen, der nicht nur glaubte den Mörder gesehen zu haben – er hatte Ausgesagt nicht einmal den Mord beobachtet zu haben – nein, der zudem auch noch genau die lederne Schürze die er trug erkannt haben wollte. Die Zeitungen waren natürlich beeindruckt und so wurde der Mörder langsam aber stetige zu Leather Apron, der Lederschürze. Wie auch immer er nun genannt wurde, für Arthur war es nicht mehr als Ein Pseudonym hinter dessen eigenwilligen Namen sich ein Mensch verstecken musste dessen bestialische Morde, ihn an diesem Morgen dorthin geführt hatten. Ihn. Seine Kollegen. Das Yard.

Das Opfer eine dunkelhaarige Frau, die ihrem langen, glatten, schwarzen Haar nach aus dem östlichen Ausland stammte, hatte auf dem Boden gelegen, in der unmittelbaren Nähe eines Tors das zu einen Hinterhof führte. Das dazu gehörige Gebäude hatte die Nummer 29 in der Hanbury Street. Das unmittelbare Nachbargebäude die 27. Dort lebte ein Mann namens Toris Laurinaitis, der aussagte, denn Anliegenden Hoff um etwa 5:30 Uhr beteten zu haben. Außerdem wolle er Geräusche gehört haben. Allerdings nichts das ihn veranlasst hätte nachzuschauen. Vor dem Opfer waren die wenigen Habseligkeiten, die sie bei sich gehabt haben musste, ordentlich aufgereiht. Erst hatte der Engländer befürchtete die Polizei habe dies getan, doch mit dieser Annahme hatte er falsch gelegen, sie waren genauso aufgefunden wurden.

Zwei Pillen.Ein zerrissener Umschlag.Ein Stück Stoff.Ein Kam.

Wofür genau die zwei Pillen waren, musste der Polizeiarzt herausfinden und leider waren auch den zerrissenen Umschlag keine wichtigen Informationen zu entnehmen. Das Stück Stoff hingegen war ausgesprochen fein gearbeitet, wahrscheinlich ausgesprochen teuer gewesen und - obgleich er kein Fachmann für so was war – wahrscheinlich ein Stoff den man Musselin nannte. Der Kam war nicht weiter ungewöhnlich. Dennoch, alles musste genauestens Notiert werden. Arthur hatte es selber gemacht, nachdem er sich bereits vorher angewöhnt hatte die Arbeit der anderen ohnehin zu überarbeiten. Er war Perfektionist und er wollte diese Morde aufgeklärt wissen. Bis ins aller letzte Detail. Trotz der Müdigkeit die ihm noch immer die Glieder schwer machte hatte er schließlich auch mit der genauen Untersuchung der Leiche begonnen.

Weiblich.Eine Ausländerin.Wahrscheinliches Alter zwischen 25 und 30 Jahren.Die Leichenstarre hatte noch nicht eingesetzt.Der linke Arm wurde über die Brust gelegt.Die Beine waren angezogen, beide Füße fest auf dem Boden ruhend.Das Gesicht geschwollen und zur rechten Seite gedreht.Der ganze Körper furchtbar verstümmelt.

Verstümmelt … doch vor allem tot. Er seufzte und hatte seinen Stift einen Moment und nur wenige Zentimeter über dem Papier ruhen lassen. Der Engländer sollte es eigentlich gewöhnt sein. Oder eher ihn. Den Tod. Er war ein Teil seines Lebens geworden als sein Vater sich - …der Brite schüttelte den Kopf und beugte sich anschließend etwas tiefer über die Frau.

Er hatte den Blick in seinem Nacken gespürt, die Gänsehaut die seinen Körper überkam als dieser durchdringende Blick aus den verflixten grünen Augen seines verflixten Vorgesetzten ihn getroffen hatte. Natürlich hatte er es nicht gesehen, er stand mit dem Rücken zu ihm, doch Arthurs erweiterte Sinne nahmen solche Kleinigkeiten immer war. So natürlich auch den Fakt das ihn dieser blick genau in dieser einen Sekunde getroffen hatte, als seine Gedanken für diesen winzigen Moment zu seinem Vater gewandert waren. Warum genau da? War das tatsächlich Zufall? Und wenn nicht wie konnte er gewusst haben … nein, diese Fragen hatten nichts mehr mit dem Fall zu tun, nichts mit dem Opfer und dem Mörder. Er würde ‚ihm' jetzt nicht den Erfolg lassen und sich betroffen umdrehen oder genervt reagieren, weil sein Vorgesetzter offensichtlich schon wieder Zeit hatte in der Gegend herum zu starren. Nein! Arthur würde seine Arbeit machen und er würde sie gut und gründlich machen – wie immer!

Fakten: 1. Am Hals der Frau war ein tiefer Schnitt, er war sehr tief und umschlang ihren Hals wie eine tiefrote Kette. Er reichte von einem Punkt unterhalb ihres Ohres, über die gesamte vordere Länge des Hales bis zum Nacken und hatte die Haut an der Schnittstelle leicht ausgefranzt, ihre Struktur beinahe gänzlich auseinander genommen. Die Todesursache und der Grund warum diese Frau keine Chance auf Rettung gehabt hatte. Wahrscheinlich war der Schnitt so tief das er die Stimmbänder getroffen hatte. Ein effektiver weg jemanden zu töten, das Opfer starb schnell entweder an dem Blutverlust oder an Ersticken, wenn die Luftröhre getroffen würde und zusätzlich brachte man sie so zum Schweigen. Keine Hilferufe, keine Schreie, keine Störungen während der Leather Apron seinem Handwerk nachging. Das er fast so akribisch auszuführen schien wie Arthur das seine. Fast.

2. Ein weiterer Schnitt verlief quer über den Unterkörper der Frau. Die Haut war ebenso wie am Halls leicht beschädigt, wahrscheinlich stamme sie also von der gleichen Klinge. Allgemein betrachtet: ein langer grader Schnitt, waagerecht ausgeführt von links nach rechts. Soweit man es erkennen konnte. Dazu kamen mehrere schnitte die senkrecht zur Körpermitte ausgeführt wurde. Es mussten mindestens vier gewebeschichten durchdrungen wurde sein, ebenso die Bauchdecke … und mindestens eines der Organe wurde entnommen … und das alles im Dunkeln dieser abgeschiedenen Gasse.

3. Auf dem hölzernen Lattenzaun der den Hinterhof von dem Danebenliegenden trennte waren Blutspuren. Die Spuren dort und die am Boden um die Leiche herum stimmten mit den Wunden und der Position des aufgefundenen Körpers überein, es blieb also kein Zweifel, dass dort der Tatort gewesen war.

Sie hatten deutliche Hinweise, langsam aber sicher auch einen klaren Rhythmus und dennoch gab es noch immer keine direkte Spur vom Täter an sich. Und das, das war leider Fakt Nummer 4.

Auch jetzt in ihrem Büro hatte Arthur noch immer keinen neuen Ansatzpunkt gefunden. Resigniert hatte er sich mit einem, beabsichtigt kurz gezogenen, Tee hinter seinen Schreibtisch gesetzt und wieder und wieder seine Notizen durchgeblättert ohne einen einzigen Satz wirklich zu lesen. Er wusste was dort stand, er hatte es geschrieben, er hatte es selber gesehen. Doch es half einfach nicht.

Die Grünenaugen gaben es auf Zeile für Zeile über die ordentliche Handschrift zu huschen, die sich so deutlich von dem strahlenden Papier abhoben, wie das Blut auf der blassen Haut des Opfers. Stattdessen wanderten sie auf die andere Seite des Raumes und beobachten den Mann der am anderen Schreibtisch saß, konzentriert einen der Berichte abtippte und offensichtlich die Zigarette, die ihm locker im Mundwinkel hing, lange vergessen hatte. Daan Vock. Der Holländer hatte nicht aufgesehen als Arthur den Raum betreten hatte, er sah eigentlich nie auf und so sah er auch nicht auf als die Tür jetzt ein weiteres Mal geöffnet wurde. Die Tür schlug dabei im Übrigen nicht wieder gegen die Wand. Dennoch verpasste es Arthur wie üblich einen kleinen Schock als der Blonde beladen mit einigen wirr durcheinander geratenen Papieren – die er im Gehen zu ordnen versuchte – in der Tür stand. Dieser unangenehme Schmerz fraß sich mit der Geschwindigkeit eines Blitzschlages durch Arthurs ganzen Körper und blieb in seiner Brust hängen. Er hatte es versucht zu ignorieren, er hatte versucht seinem Unterbewusstsein klar zu machen das das blonde Jüngelchen nicht der war für den er ihn leider immer wieder hielt. Alexander.

Ja, Alexander, sein Bruder …doch der hatte jetzt nichts mit ihrem Fall zu tun, nichts mit ihnen, die sie doch auserwählt waren, den derzeit gefürchtetsten und bekanntesten Mörder Londons zu schnappe. Sie: drei gesetzestreue und verantwortungsbewusste Mitglieder der Sonderabteilung des Scotland Yards. Nicht zu vergessen waren natürlich die Constables, die ihrer Abteilung zugeteilt waren und leider auch der Chief Inspektor der sie Anführte ... zumindest offiziell.

Zuerst war da Daan Vock, ein Holländer oder eher der Sohn eines Holländischen Kaufmannes, der wie so viele in London hängengeblieben war. Soviel Arthur wusste war Daan nämlich in London Geboren und nicht drüben auf dem Kontinent. Und sein Vater… sein Vater war vergangenes Jahr gestorben. Laudanum Rausch, was Arthur natürlich offizielle nicht wusste. Aber es war ohnehin egal, Er war ein guter Polizist, recht ordentlich, immer ruhig, konzentriert und vor allem gerecht. Und das war alles was Zählte. Auch wenn der Engländer von vorneherein wusste dass irgendwas an seiner Personalakte nicht stimmte. Er wusste es, weil sie genauso einfach und einfarbig war wie die Seine. Es gab nichts an dem man hängen blieb, nichts an das man sich irgendwie erinnern konnte. Sie war einfach Schwarz weiß. Weiß das Papier, schwarz die Schrift ohne wirklichen Inhalt: Eine Personalakte ohne Person. Wahrscheinlich waren sie alle so, sie die so geheimen und verschwiegenen Mitglieder des Sonderkommandos, alle außer einer: Luke Churchland. Abgesehen davon das das Bürschchen viel zu jung war um Geheimnisse, wie Arthur sie hatte, in seinem Leben unter zu bringen und zum anderen war allgemein bekannt das er von der Straße kam und seinen vorherigen Lebensunterhalt mit dem stehlen verdient hatte.

Einen Moment verzog sich Arthurs Gesicht, er hätte so was niemals gemacht, er würde so was niemals machen. Stehlen war falsch … aber wenn es keinen anderen Weg gab? Was war mit ihm? Was tat sein Bruder? Wo auch immer er war, würde er stehlen um voran zu kommen? Würde er-…Nein! Niemals!

Im Grunde war es Arthur gewesen, der den Blonden Jungspund überhaupt erst seine neue Arbeitsstelle beschert hatte. Es war auf einer überfüllten Straße gewesen auf der die Beiden zusammen gestoßen waren. Zufällig wie der Engländer glaubte und beabsichtigt wie Luke wusste. Während sich Arthur noch, wie es sich für einen Gentleman wie ihn gehörte, dafür entschuldigte, verwechselte er Luke das erste Mal mit seinem Bruder. Doch ihm blieb keine Zeit um diesen Fehler zu bemerken, denn der Jüngere hatte die Flucht bereits ergriffen und vielleicht wäre das die Stelle gewesen an der Arthur sich hätte fragen müssen warum. Tat er natürlich nicht. Flink wie ein Wiesel hatte der blonde Neuseeländer sich zwischen den Leuten hindurch geschoben, hatte hacken geschlagen und diverse Abkürzungen genommen. Der Engländer war ihm gefolgt. Angetrieben von der Hoffnung endlich wieder diesen einen Teil seiner Familie zurück zu bekommen. Er hatte den blonden Jungen in einer kleineren Seitenstraße eingeholt und da der Weg in eine Sackgasse führte war die Verfolgungsjagt damit vorbei gewesen. Zu seiner Enttäuschung und Überraschung handelte es sich bei Luke nur um einen kleinen Streicher und es stellte sich zu allem Übel auch noch heraus, dass dieser ihn bei ihrem ‚zufälligen' Zusammenstoß kurzerhand um seine Brieftasche erleichtert hatte. Das peinlichste daran war das Arthur es nicht gemerkt hatte, bis er das braune abgewetzte Leder in der Hand des jungen gesehen hatte. Das Ende von Lied war, das er ihn kurzerhand mit zum Scotland Yard geschleift hatte und dieser Dort anstelle irgendeine Art Strafe zu erfahren, eine feste Anstellung in ihrer Abteilung bekommen hatte.

Aber Wahrscheinlich hätte er es einfach Ahnen müssen. Ja, eindeutig.

Naja wenigstens hatte sich der Junge gemacht und inzwischen war er ein nicht mehr weg zu denkender Teil des Teams. Das einzige Problem war nur Er. Allistor Scott, der Chief Inspektor ihrer Abteilung, der abgesehen davon das er ihren eigenwilligen Zirkus hier zusammen gestellt hatte, wenig Tat war irgendwem weiterhalf. Arthur leerte seine Tasse, stand auf und ging auf den Jüngeren zu, der immer noch mit dem Stapel Papiere zu tun hatte.

»Sind das die Ergebnisse des Polizeiarztes?« fragte er, die Hand schon nach ihnen ausgestreckt. Luke nickte.

»sind eben fertig geworden, sie haben sich Unten extra beeilt« Beeilt, na toll, das hieß sie hatten ihre Arbeit wieder schlampig gemacht. Arthur sah auf die Papiere in seiner Hand hinab und überflog sie schnell. Scott, so viel stand fest, würde das ohnehin nicht machen.

Die Leiche war wahrscheinlich schon mindestens zwei Stunden Tod ehe sie gefunden wurde, was den Todeszeitpunkt auf etwa 4:00 Uhr Nachts Legte. Bella Maes war um 3:40 Entdeckt wurden. Eine parallele, außerdem erklärte dies, dass die Leichenstarre bereits angefangen hatte einzusetzen. Er nickte zwischen durch immer wieder, zum einen weil die Leute Unten ihre Arbeit offensichtlich doch besser gemacht hatten als Arthur erwartet hatte und zum anderen weil dies seine Eigenen Theorien nur noch bestätigten.

Es war eine ausgesprochen kühle Nacht gewesen, eine Kälte die sich bis weit in den Morgen gezogen hatte und die offensichtlich dafür gesorgt hatte das der Körper schneller abkühlte. Und die Wunde? Der Engländer lass weiter, seinen Vorherigen Gedanken gang damit einfach Abschließend. Die Selbe Waffe, sowohl bei dem Schnitt am Hals auch bei dem am Unterleib. Es musste eine scharfe, dünne Klinge sein, mindestens acht Zentimeter lang, eventuell, wahrscheinlich, sogar länger. In seinem Kopf ging Arthur eine Liste durch, einen Katalog: Schneider, Metzner, Kirschner. Sie alle benutzten in ihrem Beruf Messer und Klingen in den verschiedensten Formen und längen. Konnte einer von ihnen ein Mörder sein? Beim weiterem überlegen sprangen seine Gedanken zu Verletzungen die er gesehen hatte, Schnitte, versehentliche Amputationen. Als angehender Arzt hatte der Engländer vieles gesehen und auch Verletzungen die durch ein Bajonett entstanden waren. Käme ein Bajonett als Tatwaffen in Frage? Wahrscheinlich nicht. Warum auch sollte eine Solche Waffe verwendet werden.

Seine Augen bleiben an einer Randnotiz hängen

‚Hinweise auf anatomische Kenntnisse' ... Anatomische Kenntnisse, das sprach für einen Arzt oder einen Chirurg… die Elite ihrer fortschrittlichen Gesellschaft. Und so jemand sollte Leather Apron sein? Nein, das konnte einfach nicht sein und viel mehr noch, es durfte nicht so sein.