Kapitel 2: Die neue Assistentin
Zwei Wochen später.
„Lizzie, wollen Sie nicht auch zu der Besprechung, wir könnten zusammen gehen", meinte Dr. Romano als er an der Aufnahme der Chirurgie ankam. „Ich bin weder Ober- noch Chefärztin", erinnerte sie ihn ohne von ihrem Krankenblatt aufzusehen.
„Ach ja Sie haben ja recht, vielleicht sollten Sie lieber einen Anfängerkittel tragen um Verwechselungen zu vermeiden!" Der Oberarzt ging weiter, ohne ein weiteres Wort zu verlieren.
Elizabeth sah ihm mit einer Art verzweifelten Genervtheit nach und schüttelte den Kopf. In diesem Moment kam Peter zur Aufnahme.
„Hast du Zeit? Ich könnte dich im OP gebrauchen", meinte er und wedelte mit einem Krankenblatt vor ihrer Nase herum. „Ich würde wirklich alles tun um in den OP zu kommen, aber Dale lässt mich lediglich Dränagen ziehen oder Zugänge legen, seine Laborwerte holen, überwachen und OP Vorbereitungen treffen, er wird es nie erlauben!"
„Vielleicht solltest du zu Anspaugh gehen und ihn bitten dich einem anderen Assistenzarzt zuzuweisen", erwiderte er. „Es ist keiner frei." „Vielleicht mach er bei dir eine Ausnahme versuch es wenigstens." „Na von mir aus ich werde gleich nach dieser Besprechung zu ihm gehen."
Es war zwei Woche her, seit dem Tag an dem Dr. Anspaugh Susan den Lob als Chefärztin zugesichert hatte. Jetzt war sie in Marks Begleitung auf dem Weg zu einer, ihrer Meinung nach, peinlichen Besprechung in der sie allen Oberärzten und Chefärzten vorgestellt werden sollte.
„So eine Zirkusveranstaltung!", fluchte Susan als sie aus dem Fahrstuhl traten. „Reg dich ab, wird schon nicht so schlimm werden!", meinte Mark auf dem Weg zum Besprechungsraum.
„Hey Doug, ein 16 jähriger kommt rein mit multiplen Schusswunden, hast du Zeit?", fragt Carol den Kinderarzt, der gerade die Reflexe eines 8 jährigen testete. „Ja ich bin gleich da", antwortete er und stand auf, „Ich bin gleich zurück", sagte er zu der Mutter des Kindes und folgte Carol aus dem Behandelungsraum heraus. Die Sanitäter kamen gerade mit der Trage herein.
„Brain McNail, 16 Jahr, Blutdruck palpatorisch 100, multiple Einschusswunden in Thorax und Abdomen, Herzfrequenz 8." „In die 3!", rief Doug.
„Auf mein Kommando: 1, 2, 3!"
Als die Besprechung geendet hatte trat Anspaugh zu Susan. „Susan ich würde Sie gerne noch sprechen", meinte Anspaugh als alle anderen Oberärzte und Chefärzte den Raum verließen, „Gehen wir in mein Büro."
Susan folgte dem Personalchef aus dem Raum und in Richtung Fahrstuhl. „Dr. Anspaugh!" Elizabeth kam auf die beiden zu, „Ich habe eine Bitte, es ist wichtig!"
„Können Sie sich kurz fasse?" „Sicher, ich habe ein Problem mit meinem vorgesetzten Assistenzarzt", berichtete sie während die drei in den Fahrstuhl traten.
„Welcher Art ist das Problem?" „Er lässt mich Dränagen ziehen, Laborwerte abholen und solche Sachen..." „Das ist bei AIPlern normal", entgegnete er.
„Sie meinten doch letztens noch, dass Dr. Corday bereits über solche Handlangerdienst bereits hinaus ist", mischte sich Dr. Lewis ein. „Sicher aber wir haben keinen Assistenzärzte, die bereit wären sich mit einem Assistenten zu Befassen oder hätten Sie Zeit und Interesse?" Susan überlegte einen Moment.
„Ja warum nicht, immerhin haben Sie mir das Leben gerettet", antwortete sie an Elizabeth gewandt. „Und was ist mit Operationen? Ich brauche einen Chirurgischen – Oberarzt."
„Ich habe einen weiteren Kurs während meiner Zeit in Phönix belegt und bin mittlerweile für Chirurgie und Notfallmedizin zugelassen", erwiderte Susan mit einem Lächeln.
„Es wäre toll, wenn das möglich wäre, ich würde mich sehr freuen!", bedankte sich die Chirurgin. Anspaugh nickte zustimmend und sagte: „Ich werde Dr. Edson davon in Kenntnis setzten."
„Jerry was hast du für mich?", fragte John Carter, der am Empfang ankam und sich über den Tresen zu dem Notaufnahme Koordinator lehnte.
„Ich hätte hier einmal irgendwie schwach und schwindelig hinter Vorhang 3, Dr. Carter", antwortete er und reichte dem Assistenzarzt ein Krankenblatt. „Danke, aber hast du nicht etwas interessanteres für einen motivierten, jungen, gutaussehenden, zukünftigen Oberarzt?"
„Für einen motivierten, jungen, gutaussehenden, zukünftigen Oberarzt könnte ich sicher etwas interessanteres finden aber für Sie gibt's nur das."
„Jerry du wirst nie mein Lieblings Laufbursch!", erwiderte Carter und trank einen Schluck Kaffee. „Ich bin kein Laufbursche sondern Notaufnahme Koordinator und falls sie es noch nicht wissen, Dr. Lewis ist zurück!"
„Du machst Witze!"
„Ich glaub's nicht, Sie wussten das wirklich noch nicht, wo leben Sie denn, auf dem Mond!"
„Hör auf mich zu verarschen, Jerry!"
„Hey Carter!"
Der Assistenzarzt wirbelte geschockt herum als eine ihm wohlbekannte Stimme hinter ihm erklang. Susan Lewis kam, von Elizabeth Corday gefolgt, auf ihn zu. „Susan, Hi... wieso... wie... schön dich mal wieder zu sehen!" Susan umarmte ihn herzlich zur Begrüßung. „Was machst du hier?"
„Carter du lebst wirklich auf dem Mond!", lachte Elizabeth, die diese Frage nun schon mindestens zehn Mal in Susans Gegenwart gehört hatte.
„Das habe ich auch schon gesagt!", stimmte Jerry zu. „Carter auch wenn du der letzte auf der gesamten Station bist der es erfährt, aber ich habe die Chefarztstelle der Notaufnahme bekommen",
Susan, Elizabeth und Jerry lachten alle Drei und Carter fühlte sich ziemlich verarscht.
Auf der Chirurgischen war Peter Benton auf der Suche nach seiner Freundin, die sich gerade in der Notaufnahme amüsierte.
„Dale!", rief Peter dem Assistenzarzt zu um ihn daran zu hindern in den Fahrstuhl einzusteigen. Er wandte sich um. „Weißt du wo Elizabeth ist?", wollte Dr. Benton wissen.
„Sehe ich so aus wie ihr Aufpasser!", fragte er mit genervter Miene. „Sie ist deine Assistentin, du wirst doch wohl wissen wo sie ist!", entgegnete der Chirurg ungehalten.
„Nicht mehr!", meinte er und wollte ihn den Fahrstuhl einsteigen.
„Was heißt nicht mehr!"
„Sie war bei Anspaugh und hat darum gebeten einem anderen Arzt zugewiesen zu werden, weil sie, wie sie sagte, über Laufburschendienste bereits hinaus sei."
„Womit sie völlig Recht hat, wem ist sie jetzt unterstellt?"
„Der Chefin der Notaufnahme, Dr. Lewis, soviel ich weiß, darf ich jetzt gehen?"
„Ja, ja..."
In der Zwischenzeit hatte sich der 16 jährige Junge mit den Schussverletzungen zu einem größeren Problem entwickelt, was dringend weiter Ärzte erforderte.
„Wir brauchen hier einen Chirurgen!", rief Doug Haleh zu, „Das Herz schlägt wieder aber er muss dringend in den OP sonst verblutet er!"
Die Krankenschwester verließ schnellen Schrittes den Raum und lief zum Empfang.
„Dr. Corday, Doug braucht einen Chirurgen in der 1!" Elizabeth sah Susan an, weil sie gewöhnlich die Erlaubnis des Vorgesetzten gebraucht hätte.
„Worauf warten Sie noch?", fragte die Chefärztin und griff nach zwei OP – Kitteln, einen reichte sie ihrer Assistentin, während sie rasch ihren Weg in die 1. machten.
„Was haben wir?", fragte Susan. „16 Jähriger mit multiplen Schussverletzungen in Thorax und Abdomen, vermutlich sind Leber und Milz getroffen, er hatte ebenfalls ein Loch in der rechten Herzkammer, wir haben es genäht, intubiert, Blutdruck 20 zu 60, Herzfrequenz 40. 600 ml aus der Thorax Dränage. Er ist stabil!" „Gut, Sie können sich schon waschen gehen, ich bringe ihn hoch!", meinte Susan zu Elizabeth.
Nachdem der Patient aus dem Raum gebracht worden war, standen nur noch Doug und Carol im Behandelungsraum.
„Doug, mir ist übel!", sagte sie Oberschwester plötzlich und suchte Halt an dem Waschbecken.
„Was!", fragte er entgeistert.
Noch bevor Carol ihm etwas antworten konnte verlor sie das Bewusstsein.
„Hey Mark hilf mir mal!", brüllte Doug seinem besten Freund zu. „Was denn?", fragte der Oberarzt und lief zum Behandelungsraum 1. Erschrocken sah er Doug, der die Ohnmächtige Carol auf dem Arm hatte und sie in den Raum nebenan brachte, da in der 1 zurzeit keine Liege war.
„Was ist passiert?", wollte er wissen und hörte ihr Lunge ab.
„Sie hat über Übelkeit geklagt und dann das Bewusstsein verloren!", berichtete Doug aufgebracht. In diesem Moment öffnete sie langsam wieder die Augen.
„Hey Carol!", begrüßte er sie, „Wie fühlst du dich?"
„Ich weiß nicht, was ist passiert?"
„Du hattest das Bewusstsein verloren, aber es scheit dir gut zu gehen. Ich habe da so ne Idee, vielleicht sollten wir neben einem großen Blutbild einen Schwangerschaftstest machen", meinte Mark und legte sein Stethoskop zurück um seinen Hals.
Elizabeth und Susan hatte den Jungen im OP abgeliefert und machten sich jetzt auf den Weg zum Waschen um ihn dann operieren zu können.
„Ich könnte mir vorstellen, dass es ziemlich deprimierend sein muss sich von einer jüngeren Anweisungen geben lassen zu müssen", meinte Susan als sie den Waschraum betrat.
„Sie können sich nicht vorstellen, wie deprimierend es war sich von Dale oder Romano Anweisungen geben lassen zu müssen", antwortete Elizabeth mit einem Lächeln. Susan trat an ein Waschbecken und riss ein Bürstenpäckchen auf.
„Hört sich ganz so an, als wären die beiden wirklich furchtbar."
„Das sind sie!"
„Hey wer operiert in Raum 4?", fragte Dr. Romano wenig später vor dem OP eine Krankenschwester die ihm gerade über den Weg lief.
„Sie sollten auf den Plan sehen", antwortete diese, „Ich glaube es ist Dr. Corday."
„Ohne Oberarzt? Alle mit Ausnahme von mir sind selbst im OP."
Die Schwester zuckte mit den Schultern und ging weiter. Romano griff nach einem Mundschutz und betrat den OP.
„Lizzie, wer erlaubt Ihnen hier ohne Oberarzt zu operieren?", wollte er wissen. „Sieht es so aus, als ob Dr. Corday ohne Oberarzt operiert?", fragte Susan im gleichen vorwurfsvollen Ton wie der Oberarzt.
„Wer sind Sie?", entgegnete Romano, der sie nicht erkannte, er hatte sie ja auch erst einmal gesehen.
„Dr. Lewis und ja ich habe eine chirurgische Lizenz, würden Sie jetzt die Güte besitzen meinen OP zu verlassen?" Darauf war er nun wirklich nicht gefasst gewesen und Elizabeth konnte nur schwer ein Lachen unterdrücken.
„Aha, hätten Sie etwas dagegen wenn ich einsteige?", wollte er wissen, als er sich wieder gesammelt hatte.
„Lassen Sie sich nicht aufhalten", erwiderte Dr. Lewis.
Peter, der immer noch auf der Suche nach Elizabeth war, kam inzwischen in der Notaufnahme an, wo ihm der Oberarzt entgegen kam.
„Mark weißt du, wo Susan und Lizzie sind?", wollte Peter wissen.
„Gibt's die beiden jetzt nur noch im Doppelpack?", entgegnete Mark grinsend, „Ich habe keine Ahnung, aber..."
„Ja, ja schön, wenn du sie siehst sag mir Bescheit." Mark zuckte mit den Schulter als Peter genervt abzog, dann ging auch Mark weiter in den Behandelungsraum in dem Carol lag.
„Hi Carol, hi Doug", meinte Mark mit einem breiten Grinsen als er den Raum betrat.
„Was ist mit mir los?", wollte Carol wissen.
„Du hast nichts, was eine Frau in deiner Lage nicht haben sollte", antwortete Mark.
„Und wieso der Ohnmachtsanfall?", hackte Doug nach.
„Carol, du bist schwanger!"
