Kapitel 1: Mit Kindesaugen
Es klopfte an der Tür. Nicht zum ersten Mal, doch der Mann, der am hohen Fenster stand und in den herbstlichen Garten hinausschaute, zuckte nicht einmal mit der Wimper.
"Sir, Sie können sie nicht ewig hinhalten."
"Ich weiß."
Mit einem schweren Seufzen drehte er den Kopf zur Seite und schaute auf die Flagge, die dort im Ständer aufgestellt schlaff herunterhing. Er berührte den glatten Stoff, strich über einen der roten Streifen und fuhr mit dem Finger einen Stern nach.
"Haben Sie auch einmal geglaubt, dass dieses Banner für etwas stehen würde?" fragte er schwermütig. "Dass das Recht auf Leben, Freiheit und das Streben nach Glück für alle Amerikaner mehr als leere Worte wären?"
"Ich bin Kanadier."
"Ach ja, richtig. Wie konnte ich das nur vergessen?"
Langsam drehte er sich um und schaute auf den Mann, der dort vor ihm stand. Er musste fast schmunzeln. Jeder Amerikaner, der diesen Raum betrat, nahm Umwege in Kauf, um ja nicht auf das Siegel des Präsidenten zu treten, das den Teppich zierte. Der stoische Leibwächter stand jedoch mitten darauf. Es war unmöglich festzustellen, was sich hinter den dunkelgrünen Gläsern seiner Sonnenbrille abspielte. Die Stirn lag in tiefen Falten, doch das musste nichts heißen. Für Kermit Griffin, den Mann mit der schallgedämmten Desert Eagle im Brusthalfter, war dies der Dauerzustand.
Es klopfte wieder. Eine Frauenstimme rief nach dem Präsidenten. Sie fragte, ob alles in Ordnung sei. Wie in Zeitlupe ging er um den massiven Schreibtisch herum und setzte sich auf den ledernen Sessel. Er fuhr sich noch einmal mit der linken Hand durch die kurzen silbergrauen Haare, dann nickte er.
"Lassen Sie sie rein."
Der Leibwächter ging hinüber zur Tür und schloss auf. Draußen stand die Vizepräsidentin und sah ihn fragend an, doch er zuckte nur kurz die Achseln. Das Kamerateam eilte ins Oval Office. Sie hatten nicht mehr viel Zeit. In wenigen Minuten würde die Liveschaltung beginnen, und nicht nur die Nation wartete gebannt darauf, was der Präsident in seiner Ansprache verkünden würde - die ganze Welt hielt den Atem an.
Es war so weit. Er atmete noch ein letztes Mal tief durch und schaute auf seine Notizen, dann gab er dem Kameramann ein Zeichen und dieser drückte auf den Aufnahmeknopf.
"Bürgerinnen und Bürger der Vereinigten Staaten von Amerika, hier spricht John Sheridan - der Mann, den Sie zum Präsidenten gewählt haben. Vor drei Jahren haben Sie Ihr Vertrauen in mich gesetzt. Ich habe Ihnen versprochen, mein Amt nach bestem Wissen und Gewissen auszuführen und mit Gottes Hilfe die Verfassung unseres Landes zu bewahren, zu beschützen und zu verteidigen. Heute jedoch steht mein Versprechen, mein Amt auszuführen, mit dem Schutz unserer Verfassung im Konflikt. Darum habe ich Ihnen zwei Dinge zu verkünden. Wie Sie alle wissen, fand heute Morgen die Abstimmung über das Gesetz zur Registrierung und Kennzeichnung unserer Mitbürger statt, die über außergewöhnliche, man könnte sagen übernatürliche Fähigkeiten verfügen. Dem Gesetzesvorschlag wurde mehrheitlich zugestimmt. Das ist die erste Ankündigung, und hiermit bin ich meiner Amtspflicht nachgekommen. Kommen wir zur zweiten. Dieses Gesetz widerspricht unserer Verfassung. Es widerspricht allem, woran ich glaube und wofür ich mich mein Leben lang eingesetzt habe. Es widerspricht meinem Gewissen. Darum ... sehe ich mich, so leid es mir auch tut, gezwungen, mit sofortiger Wirkung mein Amt niederzulegen. Denn ich kann und werde nicht als Oberhaupt eines Staates fungieren, der Bevölkerungsgruppen ausgrenzt, aus welchen Gründen auch immer. Das ... ist alles, was ich zu sagen habe."
Er griff sich ans Revers und entfernte den Pin mit der amerikanischen Flagge, den er dort trug. Nachdem er die Anstecknadel auf die Mitte des Schreibtischs gelegt hatte, erhob er sich und trat aus dem Bild heraus. Der Kameramann hielt noch eine Weile drauf. Vielleicht dachte er, es sei ein schlechter Scherz und Präsident Sheridan würde sich gleich wieder hinsetzen. Vielleicht war er aber auch nur so benommen, dass er einfach vergessen hatte, dass die Kamera noch lief. Vizepräsidentin Simms tippte ihm auf die Schulter.
"Nun machen Sie schon aus."
Das Kamerateam baute schweigend ab. Eine junge Frau mit elektronischem Notizbuch in der Hand und Stecker im Ohr trat nervös vor.
"Mr. President ..."
"Der bin ich nicht mehr. Bitte wenden Sie sich an Ms. Simms, wenn Sie Fragen haben."
Mit diesen Worten verließ er den Raum, ohne zurückzublicken. Kermit Griffin folgte ihm eilig, nachdem er schnell noch einen der Leibwächter vor der Tür angewiesen hatte, auf die Vizepräsidentin Acht zu geben.
"Sir, warten Sie!" Er musste große Schritte machen, um den Präsidenten einzuholen. "Was sollte denn das? Wollen Sie vielleicht, dass die ganze Welt mit dem Finger auf Sie zeigt? Sollen alle glauben, Sie wären selbst registrierungspflichtig?"
"Das wäre ein Irrglaube."
"Schon, aber was ist mit Ihrem Sohn? Haben Sie mal an ihn gedacht?"
Unvermittelt blieb John Sheridan stehen und fuhr herum. Seine Augen waren hart.
"Sollte irgendjemand David verraten, egal wer ..."
"Dann werde ich es sicher nicht sein!" entgegnete sein Gegenüber. "Aber hier gehen viele Menschen ein und aus. Es wäre mehr als naiv zu glauben, dass außer uns niemand über ihn Bescheid weiß. Wären Sie im Amt geblieben, hätte man derartige Anschuldigungen vielleicht als Verleumdung abtun können, aber unter diesen Umständen wird Ihnen niemand glauben."
"Sie würden sich also wünschen, dass ich weiterhin das Amt des Präsidenten ausführe, den Verfassungsbruch gutheiße und die Bevölkerung obendrein anlüge?"
"Ich würde mir wünschen, dass Sie einen weniger konflikthaften Weg gewählt hätten, Ihrer Missbilligung in dieser Angelegenheit Ausdruck zu verleihen. Es ist meine Aufgabe, Sie und Ihre Familie zu beschützen, und das haben Sie mir gerade verdammt schwer gemacht!"
"Tut mir leid, aber es musste sein. Und was geschehen ist, ist ohnehin geschehen. Es ist müßig, darüber zu diskutieren."
"Dann hören Sie wenigstens jetzt auf mich, was den nächsten Schritt angeht. Kommen Sie nur nicht auf die Idee, Ihre Stimme noch weiter in dieser Sache zu erheben. Wenn Sie David beschützen wollen, rate ich Ihnen: Bringen Sie ihn weg von hier und verschwinden Sie möglichst schnell und unauffällig in der Versenkung, sonst wird er der Leidtragende sein."
"Es gibt nichts, was ich lieber täte. Aber wohin sollen wir gehen? Welcher Ort auf dieser Welt wird noch lange sicher für ihn sein? Amerika mag den Anfang gemacht haben, aber Sie wissen genauso gut wie ich, dass die anderen Länder schon bald nachziehen werden, es ist nur eine Frage der Zeit. Die normalen Menschen fürchten sich. Sie haben Angst davor, dass Telepathen ihre intimsten Gedanken lesen, dass Empathen ihre Gefühle manipulieren ..."
"Fragen Sie Ihren Sohn. Lassen Sie ihn entscheiden, wohin Sie ihn bringen."
"David? Ich bitte Sie - der Junge ist erst zehn!"
"Aber mit seinen Fähigkeiten könnte er längst wissen, was geschehen wird."
Das Argument war nicht von der Hand zu weisen. Sie machten sich auf die Suche und fanden David in der Bibliothek. Dort saß er auf dem Boden, umgeben von Atlanten und selbst gezeichneten Karten, und hinter ihm hingen an einer Stellwand zahlreiche Skizzen und Notizen, die meist nur aus ein oder zwei Wörtern bestanden. Sein Smartphone lag vor ihm auf dem Boden und projizierte ein dreidimensionales Bild des Präsidentensiegels in den Raum, während leise die Nationalhymne spielte. In der rechten Hand hielt er einen Stift, in der linken sein Asthmaspray, das er offenbar gerade im Einsatz gehabt hatte. Sofort bereute John, dass er so ganz ohne Vorwarnung diese öffentliche Ansprache gehalten und damit seinem Sohn offensichtlich einen Schreck eingejagt hatte. David schaute zu ihm auf. Er hatte die gleichen Augen wie sein Vater - sie konnten mal blau, mal braun, oder wie jetzt auch grün wirken. John hockte sich zu ihm.
"Ist alles in Ordnung?"
David schüttelte den Kopf. Er war noch sehr jung, doch er hatte schon immer großes Interesse an der Welt außerhalb seiner vier Wände gezeigt und setzte sich durchaus auch mit erwachsenen Themen auseinander. Daher begriff er mitunter Dinge auf eine Weise, wie man es von einem Jungen seines Alters nicht erwartet hätte. Außerdem las er viel, sowohl historische Geschichten als auch Science-Fiction-Romane, und aus beiden Quellen wusste er, dass das, was sein Vater da eben verkündet hatte, nichts Gutes bedeuten konnte.
"Was passiert jetzt mit mir?" fragte er. "Müsst ihr mich jetzt anmelden? Werde ich eingesperrt? Geben die mir eine Uniform, krieg ich was auf die Stirn tätowiert oder spritzen sie mir was, damit ich meine Träume nicht mehr habe?"
"Wir werden dich nirgendwo anmelden, und niemand wird dir irgendetwas antun."
John raufte seinem Sohn liebevoll die Haare, legte den Arm um ihn und zog ihn zu sich heran. In diesem Moment betrat auch Davids Mutter den Raum. Ihr besorgter Blick traf den ihres Mannes, der nach beruhigenden Worten suchte.
"Wir werden von hier weggehen", sagte er. "Weit weg, wo uns niemand kennt und wo niemand von deinen Träumen weiß."
"Du meinst, wir machen eine Expedition?"
David klang sofort interessiert. Er liebte solche Abenteuer, die er normalerweise allein in den Räumen und Fluren des Weißen Hauses erlebte, die er sich dann als exotische Paläste des Orients oder finstere Pyramidengänge vorstellte. John lächelte.
"Ja genau, eine Expedition."
"Wohin gehen wir?"
"Wohin möchtest du denn?"
"Nach Kanada", schoss es sofort aus dem Jungen heraus. "Dahin."
Er griff nach einer der bunten Karten, auf die er mit einem dicken roten Stift ein X gemalt hatte. Kermit sah genauer hin.
"Das ist mitten in den Rockys. Auf jeden Fall schön abgelegen, aber um diese Jahreszeit auch arschkalt, wenn ich das mal so sagen darf. Da haben sie von Oktober bis April Winter!"
"Es war Ihre schlaue Idee, David entscheiden zu lassen, wohin die Reise geht", erinnerte John ihn amüsiert.
"Ich und mein loses Mundwerk. Sag mal, Dreikäsehoch, warum willst du ausgerechnet dahin? Warum nicht Hawaii oder sonst irgendwo, wo's schön warm ist?"
David runzelte die Stirn. "Ich weiß nicht. Ich hab davon geträumt. Ich hab ein Haus gesehen, an einem riesigen See. Da hab ich mich sicher gefühlt."
"So? Na schön. Ich hab Kontakte aus meiner unrühmlichen Vergangenheit, die mir noch einen Gefallen schulden. Ich besorg uns ein Transportmittel."
"Uns?" echote John. "Sie müssen nicht mitkommen. Das betrifft Sie nicht."
"Also erstens hab ich Kanada überhaupt nur verlassen, um für Sie zu arbeiten, und wenn es hier nichts mehr für mich zu tun gibt, dann will ich wieder nach Hause, und zweitens ..." Er schaute auf David herab. "Doch, es betrifft mich sehr wohl."
Als er die Bibliothek verlassen wollte, griff die First Lady nach seinem Arm.
"Danke, Kermit."
Mit einem kurzen Nicken sagte er: "Wir bringen den Jungen in Sicherheit. Versprochen."
Er sprach mit einer solchen Überzeugung, dass man kaum an seinen Worten zweifeln konnte. Dennoch ließ sich die Sorge einer Mutter nicht so einfach beilegen, auch wenn sie sich bemühte, sich nichts anmerken zu lassen, solange David noch dabei war.
"Schätzchen, gehst du bitte schon mal auf dein Zimmer und suchst das Nötigste zusammen?"
"Mach ich", sagte er und fing an, seine Zettel aufzusammeln.
"Müssen die wirklich alle mit?"
"Ja, die sind wichtig. Hm ..." Stirnrunzelnd fragte er: "Kann ich auch einen Atlas mitnehmen oder gehören die alle zum Haus?"
"Du hast doch eine Karten-App auf deinem Handy."
"Aber was ist, wenn es da kein Netz gibt? Oder wenn der Akku leer ist und die keinen Strom zum Aufladen haben?"
"Wir verreisen nach Kanada, nicht ins Mittelalter. Du wirst den Atlas nicht brauchen."
"Na gut."
Mit den Armen voller Papiere und Stifte ging David hinaus. Seine Eltern schauten ihm nach. Erst als er sicher sein konnte, dass David weit genug weg war, wandte John sich an seine Frau.
"Hab keine Angst, Phoebe. David wird nichts passieren."
"Kannst du mir das garantieren? Wenn uns jemand findet ..."
"Kermit sorgt schon dafür, dass uns niemand verfolgen kann."
"Das wird auch gar nicht nötig sein. John, wir sind auf der ganzen Welt bekannt. Wir müssen nur eine Stadt betreten und sofort werden sie uns auf den Fersen sein."
"Dann gehen wir eben in keine Stadt, sondern ganz weit raus aufs Land." John nahm sanft ihr Kinn zwischen Daumen und Zeigefinger. "Du weißt doch, ich würde nie zulassen, dass David oder dir etwas zustößt. Vertrau mir einfach."
"Immer wenn du das sagst, geht erst recht etwas schief. Was, wenn dir etwas zustoßen sollte?"
"Dann würde Kermit euch beschützen. Aber mir wird nichts passieren. Es wird alles gut." Er beugte sich zu ihr herab und küsste sie. "Ich liebe dich."
"Ich liebe dich auch."
Er grinste schelmisch. "Tust du mir dann einen Gefallen? Ich muss noch ein paar Dinge regeln, bevor wir aufbrechen. Vor allem muss ich mit Karen reden. Ich fürchte, ich hab ihr einen ziemlichen Schlamassel überlassen. Könntest du schon mal meinen Koffer packen?"
"Gerne. Dann kann ich endlich deine grauenhafte karierte Anglerjacke entsorgen."
Sie lächelte. John zog die Augenbraue schief, doch seine Mundwinkel zuckten.
"Dann vergiss doch bitte auch, den Rentierpulli von deiner Mutter zu packen."
"Nichts da, der kommt mit. Du hast Kermit doch gehört: Es ist kalt in Kanada."
Er rollte mit den Augen, ehe er sie noch einmal kurz küsste und dann hinausging. Phoebe ging ins Schlafzimmer und machte sich daran, möglichst schnell die Koffer zu packen. Es war nicht leicht, in so kurzer Zeit zu entscheiden, was sie einpacken und wovon sie sich trennen sollte. Die Einrichtung zurückzulassen störte sie nicht. Schließlich hatte sie immer gewusst, dass sie nicht ewig hier leben würden. Es war eine Residenz und kein Zuhause, und so hatte sie dort auch gelebt. Es waren vielmehr die kleinen Dinge, wegen derer sie sich grämte: Fotos, Andenken, Schmuck ... Denn sie wusste, sie konnten nichts von alledem mitnehmen. Nur das Nötigste, genau wie sie es David gesagt hatte. Dicke Pullover, warme Hosen, bequeme Winterschuhe ...
"Mom?"
David stand an der Tür. Er trug einen vollbepackten Rucksack mit sich und seine Hosentaschen beulten sich nach außen.
"Du lieber Himmel, was hast du denn alles eingesteckt?"
"Och, nur so ein paar von meinen Lieblingssachen ..."
"Lass mich mal bitte sehen."
Er blickte schuldbewusst drein, während er seine Taschen leerte und den Inhalt des Rucksacks aufs Bett kippte. Gegen Wasserflasche, Taschenlampe und Kompass hatte seine Mutter nichts einzuwenden. Sie schüttelte jedoch etwas den Kopf, als das weitere Gepäck aus den Taschen purzelte: Actionfiguren, Spielzeugautos, ein paar Bücher, mehrere Kuscheltiere ...
"Schatz, es tut mir leid, das ist viel zu viel. Das können wir nicht alles mitnehmen."
"Aber du nimmst deine alte Puppe mit, oder wie? Und Dad seine Cowboys?"
"Nein. Die lassen wir auch zurück."
David sah sie mit großen braunen Augen an. "Aber Dad arbeitet doch schon so lange an der Modellstadt! Und ... und die Puppe hat Anna gehört ..."
Phoebe musste schlucken. "Ja, ich weiß. Aber viel wichtiger ist, dass wir dich in Sicherheit bringen. Was wir besitzen ist längst nicht so wichtig, wie dass wir drei zusammenbleiben."
David zog die Stirn in Falten, aber er nickte. "Okay, Mom. Ich tu alles wieder zurück."
Während er begann, die Sachen einzusammeln, fiel ihr Blick auf einen alten, mittlerweile ziemlich kahlen Teddybär, den auch sie schon als Kind gehabt hatte. Sie nahm ihn hoch und entdeckte darunter einen Bilderrahmen. Das Foto darin zeigte sie und John im letzten Urlaub am Strand. Beide strahlten glücklich in die Kamera. David hatte dieses Foto gemacht, und es war ihrer Ansicht nach das schönste Bild, das es von ihnen beiden gab. Sie seufzte schwermütig.
"Warte, David. Ich hab bisher noch kein Handgepäck. Wenn wir die Sachen auf beide Taschen verteilen, kannst du alles mitnehmen."
Doch er schüttelte den Kopf. "Ich brauch das alles gar nicht. Die Autos können hier bleiben und ... und die Figuren muss ich auch nicht alle mitnehmen, nur ein paar."
Er fing an zu sortieren, bis er einen kleineren Stapel mit Dingen hatte, von denen er sich beim besten Willen nicht trennen konnte. Dazu gehörten auch das Foto und der Bär, ebenso etwas zu schreiben und seine heißgeliebte Han-Solo-Figur.
"So. Jetzt ist auch noch Platz für Annas Puppe und ein paar von Dads Cowboys", sagte er.
Gerührt nahm Phoebe ihn in den Arm und küsste ihn aufs Haupt. "Ich hab dich sehr lieb, Schätzchen."
"Ich dich auch, Mom."
Er ging hinaus, die Arme voll mit Spielzeug, das er auf sein Zimmer zurückbrachte, während Phoebe sich eine Träne aus dem Gesicht wischte.
Eine halbe Stunde später war es so weit. Es war alles auf einmal furchtbar schnell gegangen. Kermit hatte einen unauffälligen Kombi vorgefahren, eine typische Familienkutsche. Karen Simms stand im Türrahmen und sah zu, wie die vier ihr Gepäck im großen Kofferraum verstauten, ehe Phoebe sie dann zum Abschied umarmte.
"Wollen Sie wirklich nicht noch bleiben?" meinte die Vizepräsidentin. "Vielleicht wird doch alles gar nicht so schlimm, wie Sie denken, oder das mit David kommt nie raus."
Als Antwort darauf zückte Kermit sein Handy und zeigte ihr die neuesten Gerüchte, die seit einer Stunde im Internet kursierten. Sie erschrak, wie schnell es gegangen war und wie viele Leute bereits jetzt danach schrien, Sheridan solle den ersten Schritt machen und seinen Sohn registrieren und chippen lassen.
"Oh mein Gott ..."
"Es tut mir wirklich leid, dass wir Sie mit dem ganzen Mist allein lassen", entschuldigte John sich noch einmal bei ihr.
"Nein, ist schon gut. Gehen Sie nur, kümmern Sie sich um Ihre Familie. Ich wünsche Ihnen alles erdenklich Gute, John."
"Danke, Ihnen auch."
Jetzt stand nur noch Kermit bei ihr, und ihn sah sie besonders eindringlich an.
"Passen Sie gut auf die drei auf, ja?"
"Na klar. Lassen Sie sich nur nicht unterkriegen, Karen. Und denken Sie dran: Wir sind nicht aus der Welt. Wenn Sie mal Hilfe brauchen, rufen Sie mich. Jederzeit."
"Das werde ich mir merken." Sie zögerte kurz, dann setzte sie hinzu: "Passen Sie bitte auch auf sich auf, Kermit."
"Machen Sie sich um mich mal keine Sorgen. Unkraut vergeht nicht."
"Glauben Sie, wir werden uns nochmal wiedersehen?"
Langsam streckte er die Hand aus und strich ihr eine Strähne hinters Ohr.
"Oh yeah."
