Kapitel 2. Fluchtversuch
Inzwischen war eine halbe Stunde vergangen, C18 sah neben sich, Cell schien endlich eingeschlafen zu sein. Das fand sie ziemlich erleichternd, denn sie dachte nur noch an eins: die Flucht. Und die konnte sie nur ergreifen, wenn dieser Fischkopf endlich schlief! Doch Vorsicht ist besser als Nachsicht: um festzustellen, ob er auch wirklich im Land der Träume war, wollte sie lieber noch mal auf Nummer sichergehen.
Sie streckte langsam die Hand nach ihm aus, berührte ihn sanft. Nichts, doch plötzlich fuhr er leicht hoch, murmelte etwas.
Für einen Moment lang dachte sie, sie hätte ihn geweckt und fuhr zusammen. Ein paar Sekunden später merkte sie jedoch, dass er wirklich schlief.
Erleichtert atmete sie auf, schlich sich aus dem Zimmer, legte die Tür leise an.
„Das wäre geschafft! Jetzt muss ich nur noch irgendwie aus diesem Haus kommen ohne dass er was merkt", dachte sie. Das ganze Wohnzimmer war dunkel, und es war der einzige Weg zur Tür. Langsamen Schrittes ging sie voran, bis sie plötzlich wegen einem Knacksen anhielt. Sie blieb wie ein Soldat still stehen, wagte dann schließlich einen Blick auf ihre Füße. Sie war auf ein paar Chips getreten.
Genervt schüttelte sie die Chips von ihrem Fuß ab. „Dieser Kerl ist nicht nur gemein, er ist auch total unordentlich!", dachte sie.
Gerade wollte C18 weitergehen, da hörte sie etwas hinter sich. Es hörte sich ganz nach einem Schritt an, sie hatte einen schlimmen Verdacht. Langsam drehte sie sich um, doch da war nichts. Erleichtert wollte sie weitergehen, doch sie knallte gegen etwas.
Gegen Cells Brust. Sie fiel auf den Boden, Cell blickte vergnügt auf sie runter, grinste natürlich wieder. C18 sah erschrocken zu ihm hoch, und er hatte auch wieder einen Spruch parat. „Du kannst es wohl gar nicht mehr bis morgen abwarten, was?"
C18 kroch langsam nach hinten, stieß schließlich gegen eins der Sofas an.
Und Cell beugte sich langsam zu ihr runter.
Ein paar Etagen weiter unten, im Müllcontainer, bewegte sich etwas. Seru und Schnurri kamen rausgekrabbelt, spotzten und sprangen heraus.
Schnurri entfernte eine Bananenschale aus ihren Haaren, Seru hingegen hatte mit einer alten Coladose in ihrem Ausschnitt zu kämpfen.
Sie regte sich auf, warf die Arme in die Höhe. „Ich hatte fast was gesehen! Und dann lande ich in diesem gottverdammten Müllcontainer! Warum muss solche Scheiße immer mir passieren?!", schrie sie ungehalten in die Nacht.
„ICH wollte im Fernsehen Tatort gucken!", schrie Schnurri zurück, um sich zu verteidigen und Seru Vorwürfe zu machen.
Gerade wollte Seru sie anschnauzen und es wäre zum Streit gekommen, da unterbrach sie ein lautes Kreischen.
Serus Blick schnellte sofort zu Cells Schlafzimmerfenster. „Mann, was geht da ab?! Das muss ich sehen!", rief sie. Schnurri hielt sie auf. „Spinnst du? Ich will nicht noch mal im Müll von vorgestern landen! Lass uns hochgehen, Tatort läuft noch'ne Weile!", sagte sie.
Seru jedoch ließ sich nicht aufhalten. „Komm schon, dann verpassen wir doch den ganzen Spaß!", meinte sie nur, doch Schnurri hatte noch ein Ass im Ärmel.
„Wenn du da jetzt hochgehst ruf ich Frau Morgenroth und sag ihr, dass du dich um ihren Garten für die nächsten acht Jahre kümmern willst!"
Seru erstarrte, denn bei der alten Frau Morgenroth konnte man nie nein sagen. Dann kam sie einem nämlich wieder mit ihren rührenden Geschichten von ihrer traurigen Vergangenheit, sodass man sie vor lauter Mitleid einfach nicht allein lassen kann.
Seru seufzte. „Okay! Aber das holen wir nach!", sagte sie. Schnurri grinste. „Meinetwegen! Aber jetzt schlagen wir uns den Bauch mit Peperoni-Chips voll und gucken Krimis!", sagte sie und lief mit Seru zu ihrer Zimmernummer.
C18 schlug Cell währenddessen auf die Brust, um ihn sich von ihr fernzuhalten. Doch für ihn fühlte sich das eher wie Streicheleinheiten an, sodass er sie problemlos hochheben und auf das Sofa tragen konnte.
Sie rückte gleich von ihm weg, doch Cell konnte sie festhalten und zu sich ziehen. „Komm her, du geile Braut!", sagte er, was C18 nur noch empörter aussehen ließ.
Er zog sie auf seinen Schoß, wickelte seinen Schwanz um sie. C18 drückte sich von ihm weg, doch das half nichts. Cell presste sie an sich, rieb seine Wange an ihre.
C18 ekelte sich immer mehr von ihm, versuchte sich jedes Mal aus seinem Griff zu befreien, doch sie hatte keinen Erfolg.
Dann tat er etwas, was ihr komplett die Sprache verschlug: er zerrte an ihren Klamotten.
Sie merkte, dass er sich dabei ziemlich unerfahren anstellte, und sie nicht richtig von ihr runterbekam. C18 sah sich das eine Weile an, fing dann an zu grinsen.
„Warte, ich helfe dir!"
Cell grinste, genau darauf hatte er gewartet. Sie krempelte sich langsam ihre Träger runter, merkte jedoch eine Sekunde später, was sie da eigentlich tat.
Sofort zog sie alles wieder hoch, sprang von ihm hoch und wollte ins Schlafzimmer gehen.
Doch Cell wollte noch etwas. „Bleib stehen!"
Sie drehte sich um, sah ihn halb erstaunt, halb nervös an. Er winkte sie mit seinem Finger zu sich, grinste sie vielsagend an. Dann sagte er, was er wollte.
„Küss mich!"
C18 seufzte, dieser Kerl gab wirklich nie auf. Etwas unfreiwillig beugte sie sich zu ihm runter und drückte ihm einen Kuss auf die Wange. Als sie wieder von ihm zurückwich, half er nach indem er sie zu sich runterzog und noch mal küsste.
Sie sprang auf und lief Richtung Schlafzimmer, stellte jedoch noch eine Regel auf.
„Keine weiteren Grabschereien!"
Cell spielte enttäuschter kleiner Junge, sah ihr nach. Als sie im Schlafzimmer war, lehnte er sich zurück und dachte nach. „Hm, irgendwie muss man diese störrische Raubkatze doch willig machen können! Nur leider hab ich keine Ahnung von so was! Ich werde morgen einen Profi aufsuchen, der mir helfen kann!"
Er folgte ihr ins Schlafzimmer, immer mit dem festen Gedanken, dass er jemanden um Hilfe bitten musste.
