Alle Charaktere und sämtliche Rechte an ‚Arrow' gehören CW Network, Berlanti Productions, DC Entertainment und Warner Bros. Television. Die folgende Geschichte dient keinerlei kommerziellen Zwecken, sondern wurde nur zum Vergnügen geschrieben. Eine Verletzung des Copyrights ist nicht beabsichtigt. Alle weiteren Personen gehören der Autorin.
Ich wünsche Euch viel Spaß beim Lesen. Über Rückmeldungen von Euch freue ich mich.
Kapitel 2
„Da unten liegt etwas."
Shado griff zu ihrem Fernglas, konnte aber zwischen dem Treibgut am Strand nicht genau erkennen, was es war. Nur, dass es nicht das übliche Treibgut war. Slade und Oliver konnten den Gegenstand ebenfalls nicht identifizieren. Aufs höchste angespannt kletterten die drei zum Strand hinunter.
„Lebt sie noch?"
Slade gönnte der Gestalt nur einen kurzen Blick, bevor er sich wieder der Umgebung widmete. Shado und Oliver drehten sie vorsichtig um.
„Verdammt!"
Das Entsetzen in Shados Ausruf brachte Slade dazu, sich wieder der Gestalt zuzuwenden. Sie entpuppte sich als junge Frau, vielleicht Mitte Zwanzig. Ihr Gesicht und das, was man von ihrem Körper sehen konnte, wiesen Spuren schlimmer Prügel auf.
„Lebt sie noch?"
Ungeduldig wiederholte Slade seine Frage.
„Ja, so gerade eben noch…"
Oliver konnte den Puls kaum noch fühlen und die Atmung war ziemlich flach.
„Sie ist total unterkühlt. Muss ewig im Wasser gewesen sein."
„Wir müssen sie sofort ins Lager bringen und sie versorgen."
„Nein."
„Slade! Sie stirbt, wenn wir uns nicht um sie kümmern!"
„Nein, sie könnte eine Falle sein. Wir lassen sie hier."
Oliver richtete sich auf, ballte die Fäuste und starrte Slade durchdringend an. Bevor die beiden ihre Meinungsverschiedenheit jedoch auf handfeste Weise klären konnten, mischte sich Shado ein.
„Sieh sie dir an, Slade. Sie ist keine Falle, bloß eine junge Frau, der etwas ziemlich Schlimmes geschehen ist. Ich werde sie in unser Lager bringen, ob es dir passt oder nicht."
Einen Moment starrte Slade sie an, dann zuckte er mit den Schultern.
„Wie du meinst. Aber ich nehme sie."
Slade beugte sich hinunter, um die Frau hochzuheben, als diese ihre Augen aufschlug.
…
Julia schlug die Augen auf und sah in ein grimmig blickendes Gesicht. Ein ziemlich dunkles Gesicht: dunkelbraune Haare, dunkelbrauner Bart und dunkelbraune Augen. Die dunkle Erscheinung und der finstere Blick hätten sie eigentlich ängstigen sollen. Aber da war etwas in diesen Augen, das wirkte fast sanft.
"Who are you? How did you come here? Why are you here?" (englisch = „Wer bist du? Wie bist du hergekommen? Warum bist du hier?")
Verständnislos sah Julia den Mann an. Sie wusste nicht, was er von ihr wollte. Außerdem war es viel zu anstrengend, die Augen offen zu halten. Mit einem leisen Seufzer gab Julia ihrer Erschöpfung nach und glitt wieder in die Bewusstlosigkeit.
…
Tief grüne Augen, wie die einer Katze, sahen ihn an. Für einen winzigen Moment wurde etwas tief in Slades Innerem von diesem Blick erschüttert. Er gab dieser Regung aber nicht nach.
„Wer bist du? Wie bist du hergekommen? Warum bist du hier?"
Die Frau schien ihn jedoch nicht zu verstehen. Bevor er weitere Fragen stellen konnte, flatterten ihre Augenlieder und sie wurde wieder bewusstlos.
„Lasst uns hier verschwinden. Wir sind hier viel zu exponiert."
Slade zog die Frau hoch und warf sie sich über die Schulter. Zu Olivers und Shados Überraschung ging er dabei ungewöhnlich sanft vor. Beide ließen diese Tatsache aber klugerweise unkommentiert.
Zügig machten sie sich auf den Rückweg.
…
Die junge Frau erwies sich als erstaunlich zäh. Shado hatte ihr die nassen Sachen ausgezogen und sie so lange abgerubbelt, bis die wachsbleiche Haut einen blassen rosa Schimmer aufwies.
Anschließend hatte Shado die Verletzungen durch die Schläge versorgt und sie dann warm eingepackt. In der Zwischenzeit bereitete Oliver nach Shados Anweisungen einen heißen Kräutersud
zu. Slade hatte Shado für eine Weile zugesehen und war dann mit ein paar unverständlich gemurmelten Worten verschwunden.
Oliver hatte mit einer Mischung aus Abscheu und Entsetzten den geschundenen Körper betrachtet. Sein Training auf dieser Insel mit Slade war immer hart und kompromisslos gewesen und hatte zu einer Menge Prellungen und auch Platzwunden geführt. Aber keiner von beiden hätte einer eindeutig wehrlosen Frau so etwas angetan.
…
Slade drehte seine Runden um das Lager um sicher zu gehen, dass es sich wirklich nicht um eine Falle handelt. Obwohl er inzwischen nicht mehr daran glaubte. Nicht, nachdem er den misshandelten Körper der Frau gesehen hatte. Auf Grund der Größe und Form der Hämatome musste es ein Mann gewesen sein, der sie so zugerichtet hatte. Jeder Mann, der einer Frau so etwas antat, verdiente einen schmerzhaften, langsamen Tod. Sie war nicht wie Shado, die sich wehren konnte und das auch tat. Diese Frau hatte niemals gekämpft. Ihre Hände waren weich und zart. Das war ihm aufgefallen, als er sie zum Lager getragen hatte. Ebenso wenig waren ihm ihre weichen Rundungen entgangen. Sie hatte ein paar Pfund zu viel, aber das betonte nur ihre Weiblichkeit. Erstaunt über diese Gedanken schüttete Slade den Kopf über sich selbst und konzentrierte sich wieder auf die Umgebung.
…
Julia öffnete die Augen. Der ganze Körper tat ihr weh, ihr Kopf dröhnte, aber ihr war nicht mehr kalt. Allerdings hatte sie keine Ahnung, wo sie war. Sie konnte sich nur noch an dieses dunkle Gesicht mit den intensiven Augen erinnern. Eine freundlich lächelnde Asiatin erschien in ihrem Blickfeld.
"Hey, you're finally awake! How do you feel? Are you still cold?" (englisch = „Hey, du bist endlich wach! Wie fühlst du dich? Frierst du immer noch?")
Julia verstand kein Wort. Aber die Stimme klang freundlich fragend und ein wenig besorgt. Julia versuchte, zu sprechen, aber lediglich ein schwaches Krächzen kam aus ihrer Kehle.
"Here, you have to drink this. Small sips, okay?" (englisch = „Hier, du musst das trinken. Kleine Schlucke, okay?")
Die Asiatin hielt ihr einen Becher an die Lippen. Langsam trank Julia etwas von dem Inhalt. Es schmeckte seltsam, aber nicht unangenehm. Als sie den Becher geleert hatte, nickte die Asiatin ihr zu.
"Very good. You will soon be better. Try to sleep that will help you." (englisch = „Sehr gut. Dir wird es bald besser gehen. Versuch, zu schlafen, dass wird dir helfen.")
Verständnislos den Kopf schüttelnd, schlief sie wieder ein.
…
„Sie hat kein Wort von dem, was du gesagt hast, verstanden."
„Ich weiß. Aber ich habe gehofft, dass meine Stimme ihr Vertrauen und Sicherheit gibt. Das hat funktioniert, sie hat den Kräutersud ohne Widerstand getrunken."
„Sobald es ihr besser geht, müssen wir einen Weg finden, wie wir uns mit ihr verständigen können."
„Ich bin sicher, das werden wir auch, Oliver. Mach dir keine Gedanke darüber."
Als sie ein Geräusch hörten, drehten sich beide kampfbereit um. Es war jedoch nur Slade, der von seiner Runde zurückkehrte.
„Wie geht es ihr?"
„Sie wird sich erholen. Im Moment schläft sie, nachdem sie etwas getrunken hat."
Slade nickte, während er die Frau ansah.
„Hat sie irgendetwas gesagt?"
„Nein, und ich bin mir ziemlich sicher, dass sie mich nicht verstanden hat."
„Okay, ich bin wieder draußen."
Verblüfft sahen Shado und Oliver ihm nach.
„Was…?"
„Lass ihn, Oliver. Es ist alles in Ordnung."
Slades seltsames Verhalten und Shados kryptische Bemerkungen verwirrten Oliver. Aber er kannte Shados Gesichtsausdruck und wusste, dass sie keine seiner Fragen beantworten würde. Also seufzte er bloß tief. Das entlockte Shado immerhin ein leichtes Schmunzeln.
…
‚Mir ist nicht mehr kalt.' Dies war Julias erster Gedanke, als sie wach wurde. ‚Wo bin ich?', war ihr zweiter. Langsam drehte sie ihren Kopf in verschiedene Richtungen, konnte aber auf Grund des herrschenden Dämmerlichts nichts klar erkennen.
"You're safe." (englisch = „Du bist sicher.")
Julia erinnerte sich an die Asiatin. Sie hatte ihr etwas zu trinken gegeben.
"We found you at the beach. You were very cold and obviously someone has beaten you up pretty bad. I took care of your injuries. I'm sorry, but I think you will get some scars." Die Asiatin lächelte. "Well, but that's not so important for now. You slept about 36 hours, so you need to eat and drink. Especially to drink." (englisch = „Wir haben dich am Strand gefunden. Du warst unterkühlt und offensichtlich hat dich jemand ziemlich schlimm zusammengeschlagen. Ich habe mich um deine Verletzungen gekümmert. Es tut mir Leid, aber du wirst ein paar Naben zurückbehalten." Die Asiatin lächelte „Nun, das ist im Moment nicht so wichtig. Du hast ungefähr 36 Stunden geschlafen, daher musst du essen und trinken. Besonders trinken.")
Julia hatte das Gefühl, Watte im Kopf zu haben, obwohl dieser immer noch dröhnte. Irgendwas sagte ihr, dass sie diese Frau verstehen sollte. Aber klar und überlegt denken war Julia im Moment nicht möglich. Langsam griff sie nach dem Becher, der ihr hingehalten wurde. Ihre Hand zitterte so sehr, dass Julia den Becher beinahe fallen ließ. Die Asiatin griff zu und half ihr.
„Danke."
Mit langsamen Schlucken trank Julia. Der Geschmack kam ihr bekannt vor.
„Das hier hast du mir schon mal gegeben, nicht? Als ich das erste Mal hier wach geworden bin."
Fragend sah Shado ihre Patientin an, da sie kein Wort verstand. Aber die Stimme klang sowohl unsicher wie dankbar.
"I don't know, what you are saying. But don't worry, everything will be all right." (englisch = „Ich verstehe nicht, was du sagst. Aber mach dir keine Gedanken, alles wird wieder gut.")
"Don't tell her lies. Here, nothing will be all right." (englisch = „Erzähl ihr keine Lügen. Hier wird nichts wieder gut.")
Slade war ins Flugzeugwrack zurückgekehrt und hatte Shados letzte Sätze mitbekommen. Julia sah ihn mit großen Augen an.
„Ich kenne Sie!"
Diese Augen würde Julia niemals vergessen können. Zögernd, ein wenig ängstlich, lächelte sie den Mann an. Ebenso zögernd lächelte dieser zurück.
"How are you? Better, I hope. Can you tell me your name? Do you know, how you came to this island?" (englisch = „Wie geht es dir? Besser, hoffe ich. Kannst du mir sagen, wie du heißt? Weißt du, wie du auf diese Insel gekommen bist?")
Julia runzelte die Stirn. Seine Stimme war rau, sein Tonfall eine Mischung aus ruppig und sanft. Sein Auftreten, seine Erscheinung hätten ihr Angst machen sollen, stattdessen fühlte sich Julia in seiner Gegenwart sicher. Aber da war noch die Sache mit der Sprache. Unerklärlicherweise hatte Julia das Gefühl, ihn zu verstehen. Das Nachdenken verstärkte noch ihre Kopfschmerzen. Für einen Moment schloss sie ihre Augen.
…
„Sie schläft schon wieder?"
Ein wenig irritiert sah Slade auf die junge Frau hinunter, bevor er sich an Shado wandte.
„Ich bin mir nicht sicher, aber sie könnte eine Gehirnerschütterung haben. Sieh dir ihre Prellungen im Gesicht an. Jemand hat hart und erbarmungslos zugeschlagen. Außerdem konnte ich eine große Beule an ihrem Hinterkopf fühlen."
„Sollte sie dann nicht besser wach bleiben?"
„Wenn sie in einem Krankenhaus wäre, Oliver, sicher. Aber hier? Sie ist erschöpft, war unterkühlt und ein Gefühl sagt mir, dass sie eine Weile nichts oder nichts Vernünftiges gegessen hat. Wahrscheinlich hat sie keine Kraft, um wach zu bleiben." Shado sah Slade an und versuchte, ihn zu beruhigen. „Sie ist nicht mehr bewusstlos, sondern schläft. Außerdem wird sie von selbst wach. Auch wenn sie nicht versteht, was wir sagen, so reagiert sie auf uns."
„Was bedeutet?"
„Slade, sie wird gesund werden. Gib ihr Zeit. In ein paar Tagen ist sie sicher so weit, dass wir uns um eine Verständigung kümmern können."
Mit ausdrucksloser Miene wanderte Slades Blick zwischen Shado und der Unbekannten hin und her. Dann nickte er schließlich.
…
Shado sollte Recht behalten. In unregelmäßigen Abständen wurde Julia wach. Jedes Mal bekam sie einen Becher mit dem Kräutersud gereicht. Von Mal zu Mal konnte sie die Augen ein wenig länger aufhalten. Schließlich versuchte Julia das erste Mal, sich aufzusetzen.
"Good, really good! You become stronger. But you have to eat something. Drinking alone isn't enough." (englisch = „Gut, sehr gut! Du wirst stärker. Aber du musst etwas essen. Trinken alleine reicht nicht.")
Mit einem aufmunternden Lächeln hielt Shado Julia einen Teller hin. Diese war sich nicht sicher, was darauf war. Es sah nach einem Eintopf aus, allerdings undefinierbarer Herkunft. Sie schüttelte den Kopf.
"You must eat. Now. It's better, than it looks." (englisch = „Du musst essen. Jetzt. Es ist besser, als es aussieht.")
Slade nahm Shado den Teller aus der Hand. Fürsorglich hielt er Julia den Löffel hin.
"Come on. Only a few bites." (englisch = „Komm schon. Nur ein paar Bissen.")
Julia starrte ihn an. Sie ignorierte den Teller und den Löffeln, denn plötzlich klärte sich ihr Kopf. Julia hatte verstanden, was Slade zu ihr gesagt hatte.
"English! You are speaking English! I can understand you!" (englisch = „Englisch! Ihr sprecht Englisch! Ich kann euch verstehen!")
…
Slade war nicht weniger überrascht als Julia. Schließlich gewann seine praktische Seite die Oberhand.
„Gut, wenn das so ist. Hier", er hielt ihr den Löffel hin, „du musst etwas essen, wenigstens ein paar Bissen. Okay?"
Ein schwaches Grinsen erschien auf Julias Gesicht.
„Okay."
…
Tatsächlich schaffte Julia es, den Teller komplett zu leeren. Aber die Anstrengung, sich aufzusetzen und zu essen, ließ sie direkt einschlafen.
„Na, so etwas." Verblüfft sah Slade die schlafende Julia an.
Oliver grinste. Diese Seite an Slade kannte er nicht. Er hatte in dem Australier immer nur den harten, kompromisslosen Kämpfer gesehen. Aber mit dieser jungen Frau ging er so sanft und freundlich um, dass Oliver manchmal dachte, er hätte einen komplett anderen Mann vor sich.
Slade entdeckte das Grinsen in Olivers Gesicht und konterte mit einem eisernen Starren.
„Lassen wir sie schlafen. Und wir beide", jetzt erschien ein sardonisches Grinsen auf Slades Gesicht, „wir beide werden trainieren. Dein Job als Krankenpfleger ist hiermit beendet."
…
Als Julia das nächste Mal wach wurde, war sie alleine, konnte aber von weiter entfernt Stimmen vernehmen. Vorsichtig richtete sie sich auf. Ihr ganzer Körper schmerzte und ein bisschen schwindelig war ihr auch. Aber nach wenigen Augenblicken ließ der Schwindel nach und Julia sah sich neugierig um.
„Ein Flugzeugwrack? Wow…"
„Nicht gerade die typische Unterkunft."
Slade kam herein, ein paar Vögel in der Hand, gefolgt von Oliver und Shado. Julia warf einen Blick auf die Tiere und ihr Magen knurrte laut. Um Slades Mundwinkel zuckte es, während Shado und Oliver laut lachten. Julia lief vor Verlegenheit rot an. Nachdem Slade die Vögel beiseitegelegt hatte, setzte er sich Julia gegenüber hin.
„Es ist an der Zeit, dass wir ein ernstes Gespräch führen. Darüber, wer du bist und wie du hierhergekommen bist."
Julia sah in Slades jetzt wieder ausdrucksloses Gesicht. Langsam nickte sie.
„Mein Name ist Julia Schmidt und ich bin Deutsche."
Am Anfang stockend, immer wieder nach Vokabeln suchend, berichtete sie von der gewonnenen Kreuzfahrt, dem Ausflug auf der Dschunke und dem Sturm. Als sie bei der Ankunft auf dem Schiff ankam, verstummte Julia. Sie vermied es, Slade anzusehen, wusste auf einmal nicht mehr, wohin mit ihren Händen. Sanft griff Slade nach ihnen und hielt sie fest.
„Schon gut, wir haben die Verletzungen durch die Schläge gesehen. Du musst nicht darüber sprechen, wenn du nicht willst."
Aber Julia schüttelte den Kopf. Ohne ihren Blick zu heben, sprach sie weiter. Allerdings klammerte sich Julia an Slades Händen fest, wie eine Ertrinkende an einem Stück Treibholz. Schließlich kam sie an dem Punkt an, als sie über Bord sprang. Julia sprach so leise, dass sich die drei anstrengen mussten, um sie zu verstehen.
„Ich sah am Horizont Land und habe nicht lange überlegt. Ertrinken schien mir die bessere Alternative zu dem Schicksal, dass der Kapitän für mich vorgesehen hatte. Wie lange ich geschwommen bin, weiß ich nicht mehr. Ich kann mich auch nicht daran erinnern, das Ufer erreicht zu haben. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass ich euch mein Leben verdanke."
Langsam hob Julia ihren Blick und sah nacheinander alle ernst an.
„Wenn ihr euch nicht im mich gekümmert hättet, wäre ich bestimmt an dem Strand gestorben. Danke."
„Schon gut." Shado trat heran und drückte sanft ihre Schulter. „Du solltest dich weiter ausruhen. Ich wecke dich, wenn das Essen fertig ist."
Ein Blick von ihr in Richtung der beiden Männer brachte diese dazu, das Wrack zu verlassen.
…
Es dauerte nicht lange, da schlief Julia wieder und Shado folgten den beiden hinaus. Schweigend setzte sie sich zu ihnen und half beim Rupfen der Vögel. Oliver sprach als erster.
„Glaubst du immer noch, dass sie eine Falle ist, Slade?"
„Nein. Sie scheint einfach nur vom Pech verfolgt zu sein."
„Julia muss stundenlang geschwommen sein, wenn sie die Insel nur am Horizont sehen konnte. Kein Wunder, dass sie so unterkühlt und erschöpft war." Nachdenklich sah Shado zu dem Wrack hinüber. „In ihr muss eine Menge Überlebenswille und eine gehörige Portion Sturheit stecken, sonst hätte sie nicht durchgehalten. Ich glaube nicht, dass ihr dies bewusst ist."
„Wenn du Recht hast, Shado, wird ihr das hier noch nützlich sein."
Oliver musterte Shado und Slade.
„Das alleine wird hier nicht reichen, Kleiner. Du solltest das am besten wissen."
