Ja, ich update, bis mich jemand findet. So, es geht weiter, mit ein bisschen mehr PoV-Wechsel, aber dafür wird's auch rumtreiberischer.
Disclaimer: Alles aus dem Potterversum gehört Mrs Rowling,
ich verdiene kein Geld mit dieser Geschichte
Warnings: Keine, außer ein bisschen Slash, don't like, don't read
Sternschnuppen
– Kapitel 2: Zusammen ist man weniger allein –
Das war doch nicht wahr! James stand kurz davor, seine beiden Freunde am Arm zu packen, zu schütteln und anzuschreien, sie sollten sich wegen etwas so dämlichem, etwas so banalem gefälligst nicht so anstellen. Es war der erste Tag nach zwei Monaten, in denen sie sich nicht gesehen hatten und die beiden schmollten wegen so einer Nichtigkeit.
Er fragte sich, ob es wohl unklug wäre, seine Wut an Snape auszulassen. In die roten Zahlen zu kommen, bevor das Schuljahr überhaupt anfing, konnten sie sich nicht leisten. Wütend trat James gegen die Außenwand der Kutsche, dann lief er in Richtung Schloss. Er wollte nicht allzu nass werden.
Lily verabschiedete sich am Eingang der Großen Halle von ihnen und zog Mary mit sich, obwohl die eigentlich nicht wollte. James fragte sich, ob Sirius wohl wirklich nichts merkte oder es einfach nur cool fand, so zu tun, als ob.
Beim Essen saß James neben Sirius und Remus gegenüber. Langsam begann er, sich zu fragen, ob da nicht doch mehr dahinter steckte. Warum sonst sollten sie sich so seltsam benehmen. Sirius quatschte ihn mit sinnlosem Zeug voll und Remus starrte vor sich hin und malte mit dem Finger gedankenverlorene Muster auf die Tischdecke. Weißes Leinen. Es schien, als seien James und Peter die letzten vernünftigen Menschen der Welt. Auf das Gerede des Schulleiters gab James auch nicht mehr viel. Einigkeit von innen heraus, hahaha. Als ob die nicht alle schon Todesser wären. Die Unterarme sollten sie kontrollieren, nicht das Gepäck.
Als die Schüler später in ihre Schlafsäle geschickt wurden, hielt Sirius James am Arm zurück.
„James? Können wir reden?" Er nannte ihn nie James, nie.
„James? Können wir reden?"
Das war's. Er hatte es getan. Es war die richtige Entscheidung gewesen, dass wusste er. Aber trotzdem würde es schwer werden. Oh, Merlin, wie sollte er James in die Augen sehen, wenn er…es aussprach.
„Klar." James machte sich Sorgen. Er hörte es an seinem Tonfall. Natürlich, Sirius hatte ihn bei seinem richtigen Namen genannt.
Inzwischen war es im Gemeinschaftsraum leer geworden. Nur die beiden Jungen standen noch dort. Sirius wurde leicht nervös und glücklicher Weise schien sein Freund das zu merken.
„Was ist los?", fragte er, setzte sich auf ein Sofa und sah ihn an. Sirius setzte sich dazu, öffnete den Mund – und schloss ihn wieder.
„Komm, bitte, sag's mir", bat James. „Du machst mir Angst. Sind es deine Eltern?"
„Nein", flüsterte Sirius, mit trockenem Mund. Er hätte nie gedacht, dass James das glauben würde. „Nein, nichts von der Seite." James sah spürbar erleichtert aus, aber nicht beruhigt.
„Was dann?", drängte er sanft.
Sirius holte tief Luft. „Ich bin verliebt, Krone."
James lachte ein bisschen. „Was ist so schlimm daran? Obwohl ich zwar immer dachte, ich wäre der Romantiker von uns beiden, aber…"
„Du verstehst nicht", sagte Sirius verzweifelt. „Ich bin verliebt in Moony."
James entglitten die Züge. „Aber…aber…all die Mädchen", schloss er etwas lahm. Sirius zuckte die Schultern.
„Ich weiß doch auch nicht", sagte er unglücklich.
„Vielleicht verwechselst du da was" fragte James. „Ist es nicht vielleicht mehr wie bei uns? Brüderlich?"
„Nein", seufzte Sirius. „Es ist ganz anders mit dir. Du bist mein bester Freund. Bei Moony…ich sehe ihn an und finde ihn wunderschön. Ich würde sterben für ein Lächeln von ihm. Ich…ach, Krone, ich weiß doch auch nicht."
James legte ihm einen Arm um die Schultern.
„Und jetzt hab ich alles verbockt", jammerte Sirius. „Nicht das ich je eine Chance gehabt hätte."
„Tatze, das…das wird schon", sagte James hilflos. Sirius spürte ein Brennen in den Augenwinkeln.
„Nein. Das wird nicht", sagte er erstickt. „Allein schon, weil… irgendwann wird er sich…ein Mädchen suchen." Sirius blinzelte. Auf gar keinen Fall durfte er jetzt anfangen zu weinen. Obwohl es doch zum Heulen war.
„Aber vielleicht…siehst du, man darf nicht aufgeben. Ich hab bei Lily ja auch nie aufgegeben. Egal, wie oft sie gesagt hat dass sie mich hasst."
„Und es funkt ja auch so zwischen euch", sagte Sirius mit einem leisen Lächeln.
„Ich mache Fortschritte."
„Aber, Krone, Lily steht eben auf Jungs", meinte Sirius. „Sei doch realistisch."
„Du kriegst doch jeden rum", sagte James zuversichtlich.
„Meinst du, er wird wenigstens wieder normal zu mir?"
„Natürlich. Unsere Freundschaft wirft doch so leicht nichts um." James lächelte Sirius aufmunternd zu. Dieser begann langsam sich besser zu fühlen. James konnte das. Er verurteilte ihn nicht, er fand die richtigen Worte.
„Lass uns schlafen gehen", sagte er jetzt. „McGonagoll killt uns, wenn wir morgen zu spät kommen."
„Das tut sie sowieso", grinste Sirius und wurde dann wieder ernst. „Aber, Krone, bitte sag niemandem was."
„'Türlich nicht." Und Sirius fühlte sich, als sei ihm ein ganzer Berg von der Seele genommen.
Nach dem Gespräch mit Sirius änderte sich für James natürlich alles. Er hatte ja gewusst, dass da irgendwas war, aber das hatte er nun wirklich nicht erwartet. Außerdem erklärte das nicht, was mit Remus selbst war…Er konnte es nicht wissen. James war es nicht aufgefallen, ehe Sirius etwas gesagt hatte, hatte er es nicht einmal vermutet. Obwohl natürlich jetzt einige Dinge plötzlich Sinn ergaben. Dinge, die James über den Sommer aufgefallen waren. Wie Sirius Blick plötzlich glasig wurde, wie er auf einmal glücklicher erschien, sobald ein Brief von Remus gekommen war (Nur, hatte er sowieso glücklicher ausgesehen, seit er von seinen Eltern weg war. Dämliche Schwarzmagier.) und natürlich die Szene im Zug…
Sirius hatte so traurig ausgesehen. Einen Moment hatte James fast gedacht er stände kurz davor in Tränen auszubrechen. Hatte er nicht welche weggeblinzelt? James hatte ihn einfach aufmuntern müssen. Er selbst hegte wenig – konnte man schon von Hoffnung sprechen? –, dass Remus Sirius Gefühle erwiderte. Konnte man ihm nicht immer von der Stirn ablesen, wie er sich fühlte? Also auch, was er fühlte? War da ein Unterschied?
Und natürlich war da auch die Sache mit Lily. Sie hatte sich ihm gegenüber im vergangenen Jahr sehr verändert. Vielleicht würde sie ihm endlich eine Chance geben? Sie musste doch wissen, dass er kein schlechter Mensch war. Wie viele Vierzehnjährige retteten schon ihren erklärten Erzfeind vor Werwölfen? Gut, von dem Werwolf wusste Lily glücklicherweise nichts, aber…Trotzdem. Und sie musste doch auch bemerkt haben, dass er sich nicht allen Menschen gegenüber so verhielt, wie bei Snape. Er war schließlich kein schlechter Mensch, verdammt. Ihm war nur öfter mal – langweilig.
Sirius lag an diesem Abend wach. Er hatte über vieles nachzudenken. Was James gesagt hatte, klang beinahe zu schön um wahr zu sein. Du kriegst doch jeden rum…Es hatte so geklungen, als sei das eine Herausforderung, ein Spiel. Aber Sirius wollte Remus gar nicht besitzen. Es wäre wundervoll, logisch, aber viel wichtiger war, was Remus selbst wollte. Er sollte glücklich sein. Sirius glaubte, dass James das auch wusste. Warum sonst, hätte er Lilys ersten Freund geduldet? Zumindest, bis er herausgefunden hatte, dass dieser Ravenclaw sie betrog. Und selbst dann noch, hatte er alles auf seine Kappe genommen, nicht gewollt, dass sie davon erfuhr und unglücklich wurde (sie hatte es trotzdem herausgefunden).
Sirius drehte sich auf die Seite und blickte zu Remus Bett herüber. Der andere Junge ließ die Vorhänge immer offen, er schlief besser, wenn Mondlicht ins Zimmer fiel. Welche Ironie.
Jetzt konnte Sirius das schlafende Gesicht in aller Ruhe betrachten. Remus Haare hatten die Farbe von Haselnüssen, noch extremer, als es bei James Augen der Fall war. Es viel ihm jetzt ins Gesicht und überdeckte die Augen. Wenn er sie öffnete, hatten sie die Farbe von dunklem Honig, eingerahmt von ebenso dunklen Wimpern, die Sirius immer wieder in ihren Bann schlugen (die Augen, nicht die Wimpern. Obwohl…). Sein Blick wanderte über die niedliche, leicht angestupste Nase. Remus rieb sie immer, wenn er nachdachte. Und darunter schmale Lippen, mit sehr ausgeprägtem Lippenherz, verblüffend rot, auf der leicht braunen Haut. Remus sah immer so aus, nicht nur im Sommer, aber dafür wurde er auch nicht dunkler. Wenn man es recht bedachte, hätte ihm die aristokratische Blässe, die im Winter von Sirius Besitz ergriff, aber auch nicht gestanden. Auf der dunkleren Haut, fielen die tausend Narben nicht so sehr auf. Sirius glaubte dennoch, jede von ihnen zu kennen und die Nacht in der sie entstanden war…Remus murmelte etwas und bewegte sich im Schlaf. Sirius stellte sich vor, wie es wäre, jetzt rüber zu gehen und zu Remus ins Bett zu kriechen und seine Arme um den Anderen zu legen, um ihn zu beruhigen und seinen Schlaf zu bewachen, wie vorhin im Zug. Und dann selber einzuschlafen, mit dem warmen Körper in den Armen und so auch wieder aufzuwachen und vor dem Frühstück vielleicht noch einen Guten-Morgen-Kuss abzustauben…Stopp! Er musste dringend aufhören sich solche Dinge vorzustellen. So perfekte Vorstellungen würden die Realität nur noch schlimmer machen. Morgen musste er sich unbedingt bei Remus entschuldigen. Ihn auch noch als Freund zu verlieren wäre mehr, als er verkraften könnte.
„Moooooony!" Er hasste sie alle. „Moooooony!" Korrektur: Er hasste James.
„Was?"
„Steh auf." Er wurde gerüttelt, weigerte sich aber, die Augen zu öffnen. „In zehn Minuten ist Frühstück." Remus stöhnte und schlug die Decke zurück. Ohne seine Freunde eines Blickes zu würdigen, verschwand er im Bad.
Ein paar Minuten später, auf der Treppe (die Rumtreiber hatten den Schlafsaal ganz oben):
„Wo ist die Falle?", fragte Remus und versuchte den Blick von Sirius Muskeln zu nehmen.
„Welche Falle?", fragte James verwirrt.
„Ähm, was habt ihr denn gestern noch gemacht?", meldete sich nun Peter.
„Uh…öh…geplant", murmelte James. Remus hörte kaum zu. Er versuchte immer noch (vergeblich) seine Blicke zu zügeln.
„Und wie lautet der Plan?", fragte er.
„Der Plan, ja…", stammelte Sirius. „Party. Der Plan lautet Party."
„Wann?", fragte Peter. „Ne große?"
„Nach Vollmond", sagte Sirius. Vollmond war nächste Woche Montag. Heute war Mittwoch. „Also…in einer Woche. Nur wir vier. Raum der Wünsche. Gepanschtes Butterbier." Oh, sehr genauer Plan. Typisch. Warum waren Umhänge eigentlich so unförmig?
„Euch ist schon klar, dass ich den ganzen Dienstag im Krankenflügel bin? Wir können Mittwoch nicht Party machen", wandte Remus ein. „Schon gar nicht, wenn ich mich Donnerstag noch mit euch in den Unterricht schleppen soll."
„Freitag dann. Aber diesen", sagte James, als sie durch das Portätloch stiegen.
„Kriegen wir bis Freitag Feuerwhisky?", fragte Peter skeptisch.
„Nicht viel", sagte James. „Aber wer hat gesagt, dass wir einen Komasauf veranstalten wollen?" An dieser Stelle warf er Sirius einen seltsamen Blick zu. Remus fragte sich, was die beiden gestern wohl besprochen hatten.
„Krone, ich glaub nicht, dass wir bis Freitag…", fing er an, aber der fuhr ihm dazwischen.
„Wenn nicht, dann nicht." Sie betraten die Große Halle. James murmelte Sirius noch etwas zu, das verdächtig nach „Notfallplan" klang. Remus kniff die Augen zusammen, entschied dann aber, dass es besser war, wenn er es nicht wusste. Dann rauschte McGonagoll herüber und gab ihnen ihre Stundenpläne, was bedeutete, dass Party-bezügliche Gespräche eingestellt werden sollten.
„Oh, Merlin. Doppelstunde Zaubereigeschichte", sagte Sirius.
„Wann?", fragte Remus abwesend. Er musste aufhören zu starren. In Ermangelung einer Alternative sah er auf seinen Stundenplan.
„Jetzt." Dreistimmiges Stöhnen war die Antwort auf Sirius Verkündung.
„Und danach Kräuterkunde. Na, das geht ja", stellte James fest.
„Heute Nachmittag ist Verteidigung", sagte Remus, der inzwischen den Stundenplan überflogen hatte. „Das heißt entspannter Tag für euch, oder?"
„Jep", bestätigte Sirius. James grinste.
„Oh nein", stöhnte Peter. Obwohl er sich entschieden hatte, mit seinen Freunden eine Aurorenausbildung zu machen, wusste jeder, dass er eine echte Niete in Verteidigung war.
Als sie die Eingangshalle durchquerten, um zum Geschichts-klassenzimmer zu gelangen, bemerkte Remus eine Gestalt, die sich auffällig unauffällig in Richtung der Kerker zu schleichen versuchte. Ein winziges Bisschen hoffte er, dass er der Einzige blieb, der auf die Gestalt achtete, die sich nun, soweit wie möglich von ihnen entfernt, eilig an der Mauer entlang zur Treppe schob.
Blieb er natürlich nicht.
„Hey, Schniefelus", rief James, der Remus Blick (und er fühlte sich ein Bisschen schuldig) gefolgt war, mit einer grausamen Singsang-Stimme. Auf der anderen Seite der Eingangshalle, fror Snape mit dem Rücken zur Wand fest, sah aus als wünschte er sich nichts sehnlicher als ein Teil von selbiger zu werden und fingerte nach seinem Zauberstab. Die Schüler, die sich zwischen ihm und ihnen befanden machten eilig Platz und ließen ihren Blick, auf sämtlichen Stufen des Interesses, zwischen ihnen hin und her wandern. „Wie war dein Sommer?"
Instinktiv hatten die vier Jungen eine bestimmte Aufstellung angenommen. Man konnte es mehr oder weniger als Angriffsposition ansehen, allerdings wies es auch Teile eines Rituals auf. Einerseits war das natürlich kein Wunder, bei etwas, dass seit fünf Jahren eifrig praktiziert wurde (und immer grausamere Züge annahm), andererseits löste dieser Umstand in Remus das furchtbare Gefühl der Schuld aus. Nicht, das es nicht immer wieder lustig war, aber unterschwellig war ihm sehr wohl bewusst, wie falsch ihr Verhalten war.
Das dynamische Duo, wie Mary James und Sirius vor kurzem getauft hatte (sie trugen den Namen mit Stolz), stand vorne, die Zauberstäbe im Anschlag. Rechts und links und außerdem ein Bisschen weiter hinten, standen Remus und Peter, wie eine Mischung aus moralischer Unterstützung und Cheerleader. Remus sah gern weg, sowohl um sein Grinsen zu verstecken, als auch um noch einen letzten Rest Vertrauensschülerwürde zu bewahren. Er hoffte inständig, Dumbledore würde ihm nicht auch noch das Schulsprecheramt aufzwingen. Dann hätte er nächstes Jahr endlich keine Zusatz-Verpflichtungen mehr. Neue Vertrauensschüler und irgendein Ravenclawschulsprecher, sollten die doch sehen, wie sie diese beiden Chaosspezialisten „In den Griff"-bekamen.
„Petrificus Totalus", sagte Sirius, schon fast gelangweilt, als Snape seinen Zauberstab halb in der Luft hatte. Der kippte nach vorne weg und landete, mit dem Gesicht voran, auf dem harten Steinboden.
Die Menge lachte, Peter klatschte und Remus bemühte sich ein ernstes Gesicht zu machen. Er hätte jetzt gerne ein Buch gehabt, um es zu verstecken (und um später ganz ungryffindorisch zu behaupten, er wäre ganz in die Handlung versunken gewesen und habe gar nicht gemerkt, was um ihn herum passiert war), aber leider hatte er sein Neues in der Eile im Schlafsaal gelassen.
„Aber Tatze", sagte James, mit unterdrücktem Lachen, gespielt ungehalten. „Jetzt kann er mir gar nicht mehr antworten."
„Krone", meinte Sirius ernst. „Nur intelligente Wesen besitzen die Fähigkeit zu sprechen. Du glaubst doch nicht, etwas für Menschen Verständliches würde aus seinem Mund kommen?"
Snape ist klug. Vielleicht sogar klüger als du, wollte Remus sagen, aber er traute sich nicht und außerdem war er viel zu beschäftigt nirgendwohin zu sehen, nicht auf Snape, nicht auf Sirius und schon gar nicht auf die grölende Menge, die jetzt begann unartikulierte Laute auszustoßen, denn dann müsste er vielleicht doch lachen und er wollte sich doch aus diesen – Zusammenstößen raushalten.
„Hast Recht", brachte James, von Lachern geschüttelt, heraus. „Jedenfalls war er nicht intelligent genug um nach hinten zu fallen. Oder meinst du, diese Nase macht so ein Übergewicht?"
Erneutes Grölen aus der Menge und Remus fragte sich, wie laut Sirius wohl eigentlich brüllte, dass man seine Antwort noch verstehen konnte: „Ich weiß nicht. Meinst du er weiß, wie man das schreibt?"
„Intelligent? Oder Nase?"
Remus war fast überzeugt, dass Sirius noch „Übergewicht" antwortete, aber das konnte man über das ausbrechende Gelächter hinweg tatsächlich nicht mehr hören und auch Remus musste an sich halten um nicht zu glucksen. Man konnte förmlich sehen, wie Snape gegen den Fluch ankämpfte, aber natürlich war es zwecklos.
Wenigstens etwas Gutes fand sich an dem Lärm, er rief nämlich gleich mehrere Professoren auf den Plan, wofür Remus nur bedingt dankbar war, denn er war sich der Verletzung seiner Vertrauensschüler-plfichten durchaus bewusst. Ganz abgesehen davon, dass man ihn (nicht ganz unberechtigt) der Mittäterschaft bezichtigen würde.
Vielleicht könnte er sich damit herausreden, dass Professor McGonagoll ihm seine Pflichten abgenommen hatte.
„Mr Potter! Mr Black!", herrschte sie, während Professor Flitwick sich hinter ihr um Snape kümmerte (Es wurde festgestellt, dass er sich nicht die Nase gebrochen hatte, was aber noch eine Verbesserung gewesen wäre, wie Sirius später bemerkte.). „Erklären sie mir, was sie hier tun!"
Vielleicht auch nicht. Die Verwandlungslehrerin schien nicht in der Stimmung zu sein, in der man mit ihr diskutieren wollte.
„Aber Professor", sagte James beherzt. „Sehen sie das nicht? Wir unterhalten die Schüler." Selbige hatten es übrigens auf einmal sehr eilig, in den Unterricht zu kommen.
„Oder, um es mit ihren Worten zu sagen, wir stellen einen Mitschüler öffentlich bloß", kommentierte Sirius trocken. Wie konnten die nur jetzt noch so eine dicke Lippe riskieren? Irrsinniger Weise stellte Remus fest, dass ihm das gefiel. Er schob es darauf, dass ihm bei Sirius sowieso alles gefallen würde, war sich aber nicht sicher, ob das in diesem Fall zutraf.
Professor McGonagoll schien mehr oder weniger sprachlos.
„Was ich Sie übrigens noch fragen wollte, Professor", wechselte James jetzt geschickt das Thema. „Warum steht Zaubereigeschichte noch auf unseren Stundenplänen? Ich war bisher der Ansicht, wir hätten dieses Fach abgewählt. Tatsächlich meine ich mich zu erinnern, wurden sowohl Peters S als auch Remus A, als ‚nicht ausreichend' quittiert."
An dieser Stelle färbe sich nicht nur Peter, sondern auch Remus quietschrot. Alles was er zu seiner Verteidigung zu sagen hatte war, dass die beiden Os die unerklärlicherweise auf James und Sirius Zeugnissen gestanden hatten (nebenbei bemerkt, hatten da nur Os gestanden, aber sich darüber aufzuregen hatte Remus jetzt keine Zeit) auf seinen Notizen begründet waren.
„Wie bitte?", fragte McGonagoll und riss den Stundenplan aus James Hand. „Oh, tatsächlich…Nun, gehen sie erstmal in den Unterricht, ich werde sie dann später deswegen aufsuchen…was für ein Irrtum…" Und damit entfernte sie sich.
„Das war brilliant", verkündete Sirius und hielt die Hand hoch damit James einschlagen konnte. Danach klatschten die beiden noch Peter und Remus ab, der ausnahmsweise (oder zumindest versuchte er sich einzureden das es eine Ausnahme war) hundertprozentig mir Sirius einer Meinung war. Er fühlte den warmen, festen Händedruck seines Freundes, für den er lieber mehr als nur ein Freund wäre und irgendwie war alles wieder normal.
Ah, das hatte gut getan. UND sie hatten kein Nachsitzen bekommen. Aber, liebe Güte, McGonagoll sollte sich wegen Mr Ich-wasche-meine-Haare-nicht, nicht so anstellen. Ihre Shows hatten doch Unterhaltungswert, fand Sirius. Außerdem machte er Fortschritte mit Remus. Was die Versöhnung anging, verstand sich. Ob er mehr wagen wollte, stand noch nicht fest. Sie hatten sich abgeklatscht und er hatte Sirius angelächelt(!). Der saß jetzt hier, in Zaubereigeschichte, wo er eigentlich nicht sein sollte, und starrte Remus Rücken an, so intensiv, dass er glaubte, der andere Junge müsse es fühlen. Schließlich riss er ein kleines Stück Pergament ab, dass er eh nicht benutzte (Die Prüfungen in diesem Fach wurden seit je her nach dem Prinzip: Remus Notizen lesen, bestanden), nahm seine Feder und schrieb:
Es tut mir Leid.
Der Zettel landete direkt vor Remus auf dem Tisch. Dieser Faltete ihn auseinander, las und kritzelte dann etwas. Dann warf er sich ein neues Stück Pergament über die Schulter. Sirius fing es auf und las:
Dir muss nichts leidtun. Oder gibt es etwas, das ich wissen müsste?
Sirius riss ein weiteres Stück von seinem Pergament ab und antwortete:
Wegen neulich im Zug meine ich. Es tut mir Leid, dass du dich schlecht gefühlt hast.
Zurück kam:
Ich habe mich nicht schlecht gefühlt. Dir muss nichts leidtun. Ich verzeihe dir.
Obwohl Sirius wusste, dass das gelogen war, zog sich sein Herz freudig zusammen, als er die letzten Sätze las. Er schrieb:
Also sind wir Freunde?
Antwort:
Natürlich sind wir Freunde, Idiot! Wir hören doch nicht wegen so was dämlichen auf Freunde zu sein.
Sirius riss noch ein Stück, von dem inzwischen arg lädierten Pergament ab, zögerte und schrieb dann:
Ich liebe dich.
Er zerriss das Pergament in tausend kleine Fetzen. Stattdessen schrieb er nur:
Natürlich nicht. Merlin, du hast keine Ahnung, wie erleichtert ich bin.
Und lächelte glücklich, als er zur Antwort las:
Doch.
Später, in der Pause, wurden sie von Professor McGonagoll angewiesen, die ersten beiden Mitwochstunden, aus ihrem Stundenplan zu streichen.
„Sie haben natürlich Recht", sagte sie. „Für eine Aurorenausbildung ist Zaubereigeschichte mehr als überflüssig."
Tja, auch die stellvertretende Schulleiterin machte Fehler.
Mittwochmorgens zwei Freistunden. Halleluja.
„Hat eigentlich schon jemand gesagt", fragte Remus nun. „Dass das die beste Ausrede war, die du je erfunden hast?"
„Und das aus dem Mund des Vertrauensschülers", rief Sirius. „Darauf müssten wir sofort trinken."
„Keine Chance", sagte James. „Wir sparen für Freitag."
Aber Sirius hörte ihm gar nicht zu. Er hatte Remus kameradschaftlich einen Arm um die Schultern gelegt und war vollzeit beschäftigt damit, zu Ignorieren, wie gut sich das anfühlte.
„Und übrigens, hab ich jemals schlechte Ausreden erfunden?", fügte James eingeschnappt hinzu. Daraufhin lachten sie alle und versicherten ihm, wie grauenvoll und haarsträubend seine frühen Ausreden gewesen waren, bis er, tödlich beleidigt, dazu ansetzte sie alle einfach stehen zu lassen, aber dann entdeckte er Lily Evans und vergaß alles andere. Sirius dankte spontan allen Göttern, die ihm einfielen, dass er sich nicht so aufführte. Irgendwie war schon alles wieder normal.
Übrigens übernehme ich keine Verantwortung für die Millionen Rechtschrieb- und Grammatikfehler, die ich zweifelsohne gemacht habe. Ich hoffe natürlich, dass es euch trotzdem gefällt.
