Überrascht sah Sarah von ihrer Lektüre auf, als es so spät erneut klingelte.

Sie hatte sich gerade erst wieder mit ihrem Buch auf den Sessel gekuschelt, um sich ein wenig von ihren noch immer ganz aufgewühlten Gedankengängen abzulenken.

So viel Licht brannte im Haus gar nicht mehr. Von draußen müsste es eigentlich so aussehen, als würde sie schon schlafen.

Langsam stand sie auf und ging zur Tür. Wer konnte jetzt so spät noch etwas von ihr wollen?

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Sie brauchte einen Moment, bis sie den Mann vor sich erkannte.

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„John?", fragte sie ungläubig, als sie den blonden Arzt vor sich endlich identifizierte. „Mein Gott, was ist passiert?"

Eilig ließ sie ihn eintreten und verfrachtete ihn aufs Sofa. John sah beschissen aus.

Sie holte zwei Gläser mit Wasser aus der Küche und drückte ihm eins davon in die zitternden Hände als sie sich neben ihn setzte.

„John?", hakte sie sanft nach und strich ihm einige Tränen aus dem Gesicht.

Es musste etwas Furchtbares geschehen sein, wenn es diesen unglaublich starken Mann und Ex-Militär dazu brachte zu weinen. Sie hatte ihn noch nie weinen sehen und dies eigentlich auch nicht erwartet. Nun, außer vielleicht, jemand Geliebtes aus seiner Familie wäre gestorben.

Oh Gott, es war doch nicht wirklich jemand gestorben, oder?

John schüttelte den Kopf. Versuchte seine Hände still zu halten. Trank einen Schluck. Schwieg noch immer. Ließ sich von Sarah berühren. Und dann, plötzlich, erzählte er.

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Noch während John erzählte rutsche Sarah immer näher. Sie legte ihm einen Arm um die Hüfte, lehnte sich an ihn und ihren Kopf auf seiner Schulter ab. Schweigend hörte sie ihm zu, mit jedem Satz schien sie ihm etwas näher kommen zu wollen.

Als er endete schwiegen sie beide für einige Zeit.

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Plötzlich löste Sarah sich von John und drehte sich zu ihm.

„John?", fragte sie sanft und wartete darauf, dass er sich ihr zuwendete.

Sie beugte sich vor und küsste ihn.

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Perspektive 2: Sarah.