Kapitel 2
Der Plan
Danke an unsere Reviewer!
Und weiter gehts...
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Lily konnte es nicht fassen. Potter und seine Kumpane waren längst weg, aber sie stand immer noch wie bestellt und nicht abgeholt im Korridor herum. Worauf hatte sie sich da nur eingelassen? Sie hatte sich tatsächlich auf ein Duell mit Potter eingelassen! Dem James Potter! Dem berüchtigtsten Frauenhelden der Schule! Sie konnte es sich unter keinen Umständen leisten zu verlieren. Nicht dass sie verlieren würde, schließlich wollte sie nicht von Potter angefasst werden.
Gib's zu, Lily, er sieht schon gut aus...
Von wegen, außerdem ist Aussehen nicht alles.
Was heißt gut, er sieht umwerfend aus.
Und das weiß er auch, das macht ihn ja so unausstehlich!
Du denkst doch nicht im Ernst an seinen Charakter, wenn er erstmal nah genug vor dir steht, dass dir sein Aftershave in die Nase steigt, oder?
Warum diskutiere ich hier überhaupt mit mir selbst? Dank Potter werd ich noch wahnsinnig...
Oh ja, allerdings... Ich weiß auch schon, auf welche Art...
Äh, hab ich mich gerade selbst beleidigt?
Lily schüttelte sich, um sich aus diesem Alptraum aufzuwecken. Es war Zeit sich zusammenzureißen und sich einen Plan zu überlegen. Sie würde Potter seine Grenzen zeigen und wenn sie dabei sterben würde!
Er würde sicher alle Tricks versuchen. Er war dafür bekannt, dass er eine unwiderstehliche Anziehungskraft auf Mädchen ausübte. Sie durfte ihn nicht zu nah rankommen lassen... Am besten holte sie sich erstmal Rat von ihrer besten Freundin Lorienne.
Die junge Hexe stand vor dem großen Spiegel im Mädchenschlafsaal und sah Lorienne skeptisch an.
„Ich weiß nicht, ist das nicht etwas zu gewagt?", fragte Lily zweifelnd. Sie sah ihr Äußeres sehr kritisch. Nie wäre sie auf die Idee gekommen, dass sie zu den hübschesten Mädchen in ganz Hogwarts zählte. Was sie einfach als simples, unattraktives rotes Haar sah, war in Wirklichkeit eine seidige, flammend kastanienfarbene Pracht, die ihr in vollen Wogen auf die Schultern fiel. Sie fand sich zu schlicht, dabei brauchte sie überhaupt kein Make-Up für ihre reine, elfenbeinhelle Haut. Und was sie als lästige Polster verachtete, wurde von der männlichen Schülerschaft als Kurven angesehen, die sich genau an den richtigen Stellen befanden. Alle, die sie nicht schon allein deshalb anziehend fanden, wickelte sie mit einem Blick ihrer strahlend jadefarbenen Augen problemlos um den kleinen Finger. Jeder außer ihr selbst wusste das.
„Ach, Quatsch, Li. Du siehst toll aus! Jetzt hab dich nicht so. Potter soll schließlich leiden. Er muss doch sehen, was ihm entgeht, wenn du ihn abblitzen lässt.
Das andere Mädchen nickte, schon etwas überzeugter.
Es sah tatsächlich nicht schlecht aus, aber sie wusste nicht, ob sie sich trauen sollte. Lorienne hatte ihr was aus ihrem eigenen Schrank zur Verfügung gestellt. Sie war modisch selbstbewusster als Lily, die außerhalb des Schlafsaals sonst eher konservative Kleidung bevorzugte. Sie trug einen Schulrock, der etwas kürzer gezaubert war als es üblich war, was ihre langen Beine verführerisch herausstellte. Jedenfalls sagte Lorienne das. Dazu hatten sie ein rotes Top mit Spaghettiträgern ausgewählt, das ihre Figur an den entscheidenden Punkten umschmeichelte.
„Potter wird verrückt werden, wenn er dich sieht", schwärmte Lorienne. „Behalt die Sachen, dir steht das viel besser als mir." Lorienne übertrieb schamlos, wie so oft, wenn es um ihr Aussehen ging. Sie hatte hüftlanges honigblondes Haar, ein Gesicht wie ein Engel und eine Traumfigur. Neben ihr kam sich Lily vor wie ein kleines Schulmädchen. Was sie ja auch war...
Lily beäugte sich noch mal kritisch. Das Top war unter ihrer Brust geschnürt, so dass es ihren Busen üppiger erscheinen ließ, als er eigentlich war. Es machte schon was her... Aber damit in die Öffentlichkeit?
Schließlich ließ sie sich doch überreden und testete ihr neue Waffe gegen Potter gleich beim Abendessen.
Wie erwartet, war ihr die Aufmerksamkeit aller in der Halle für den Rest des Abends sicher. Zuerst fühlte sie sich etwas unsicher, aber sie hob das Kinn, straffte die Schultern und feuerte sich innerlich an und schon bald gefiel ihr ihre neue Rolle gar nicht mehr so schlecht. Auch auf Potter hatte sie offensichtlich die erwünschte Wirkung. Er konnte den Blick nicht von ihr los reißen. Er sah sie auf eine Weise an, die ihr schon fast unheimlich war.
Mit einem etwas mulmigen Gefühl, wenn auch hochzufrieden mit sich, ging sie nach dem Essen zurück zu ihrem privaten Schulsprecherzimmer. In Momenten wie diesen wünschte sie sich, sie würde immer noch mit ihren Freundinnen im Gryffindor-Turm wohnen. Irgendwie fühlte sie sich beobachtet. Aber das musste sie sich einbilden... Oder nicht?
Sie beschleunigte ihre Schritte etwas, nur um sicherzugehen. An der Biegung in den Flur, an dem ihr Zimmer lag, stellte sie fest, dass sie mit ihrem Gefühl Recht gehabt hatte. Sie ging gerade um die Ecke, als sie in jemanden hineinlief. Schon wieder. Sie taumelte zurück und sah sich Potter gegenüber.
„Na, Lily, wohin so eilig?"
„Irgendwohin, wo du nicht bist", antwortete sie giftig.
Er sah sie schon wieder mit diesem unheimlichen Blick an.
„So abweisend? Und ich war mir sicher, du hättest dieses Outfit speziell für mich angezogen." Der Schwarzhaarige grinste anzüglich.
Lily ärgerte sich grün und blau, denn eigentlich hatte dieser Schleimbeutel damit auch noch völlig Recht.
„Ooooh, Lily", säuselte er, „tugendhaftes Erröten steht dir aber gut."
Lily kochte vor Wut. Von wegen tugendhaft. Dieser arrogante Idiot, dem würde sie es zeigen. Jetzt erst recht!
„Wie kommst du darauf, dass meine Kleidung mit dir zu tun hat?"
„Ach komm schon. Unter normalen Umständen wärst du viel zu prüde, um so was zu tragen." Er trat so dicht an sie heran, dass sie instinktiv einen Schritt nach hinten ging. Dadurch war sie zwischen ihm und der Wand eingesperrt. Grinsend nutzte er diese Situation sofort zu seinem Vorteil.
Wieder stieg ihr sein Aftershave in die Nase.
„Lily..."
„Potter..." Lily gab sich alle Mühe, ihre Stimme fest klingen zu lassen, aber es fiel ihr immer schwerer, sich zu konzentrieren. Dieses Aftershave hatte irgendwie eine hypnotischew irkung. Wahrscheinlich hatte er extra irgendwas reingemischt, damit er beim Aufreißen erfolgreicher war. Potters Gesicht war plötzlich nur noch Zenitmeter von ihrem entfernt. Lily schluckte.
„Du zitterst ja richtig."
Lily schnaubte. „Ich schüttele mich vor Ekel."
„Du kannst dich kaum noch beherrschen, was? Gib doch zu, dass schon deine Finger jucken, weil du mich am liebsten einfach packen würdest und..."
„...dich wiederholt an die nächstbeste Wand klatschen." Lily lächelte zuckersüß. „Das einzige, was ich im Moment packen möchte, ist mein Zauberstab." Leider kam sie an den beim besten Willen nicht heran, denn Potter hatte sie so in die Ecke gedrängt, dass sie die Tasche ihres Umhangs nicht erreichen konnte.
„Oh, du kannst gerne meinen haben." Wieder dieses triumphierende Grinsen. „Er ist in einwandfreiem Zustand. Sieh ihn dir wenigstens mal an, bevor du nein sagst." Er beugte sich so nah an ihr Ohr, dass sie seine Lippen sie berührten, als er sprach. „Diese Wette hab ich schon so gut wie gewonnen."
Damit drehte er sich abrupt um und ließ sie schwer atmend stehen. Er war schon fast um die Ecke, als Lily endlich ihre Sinne alle wieder bei sich hatte.
„Hey, Potter!"
„ Möchtest du doch meinen Zauberstab sehen?" Er zwinkerte ihr frech zu, aber sie sah inzwischen nur noch rot.
„Nein danke, lass mal stecken." Bevor er ihr die Worte im Mund herumdrehen konnte, fuhr sie fort. „Wir haben noch gar nicht darüber gesprochen, was ich kriege, wenn ich gewinne."
„Wenn du gewinnst?" Potter sah aus, als könne er sich das nicht in seinen absurdesten Träumen vorstellen.
„Das glaubst du ja nicht im Traum. Aber bitte. Wenn du wider Erwarten gewinnst und mich nicht bis zu den nächsten Ferien freiwillig angefasst hast, dann garantiere ich dir, dass ich dich nie wieder ansprechen werde. Wenn ich gewinne, hab ich meinen Preis ja automatisch."
„Wenn ich gewinne, Potter, dann krieg ich deinen Besen."
„W-wa-was?", stotterte der Schulsprecher entsetzt. Lily grinste boshaft. Jetzt hatte sie ihn. Seinen heiß geliebten Besen abgeben zu müssen, würde ihn so richtig fertigmachen. Er würde leiden wie ein Hund!
„Wenn du dir so sicher bist, sollte das doch kein Problem, oder? Potter?" Das letzte Wort betonte sie besonders übertrieben, um ihn zu ärgern.
Er fing sich schnell wieder. „Wie du willst. Abgemacht." Er wandte sich ab und ging den davon. Über die Schulter rief er ihr noch zu: „Du wirst mich anflehen, dich ranzulassen, wart's nur ab!"
Lily stampfte wutschnaubend zurück ihr Zimmer, entschied sich dann aber doch um und ging zum Gryffindor-Turm. Sie musste sich dringend mit Lorienne beraten.
Ihre Freundin wollte natürlich sofort alle Details von Lily wissen, als sie hörte, dass Potter sie im Flur abgefangen hatte.
„Das hat er gesagt?" Die Blonde hielt sich den Bauch vor Lachen.
„Das ist nicht witzig, Lori", zischte Lily.
„Ent-entschuldige", keuchte Lorienne, „du hast recht. Aber... ‚Willst du meinen Zauberstab sehen'? So was Bescheurtes hab ich ja noch nie gehört!"
„Schscht! Nicht so laut!" Lily gestikulierte wild, damit ihre Freundin nicht noch den gesamten Gemeinschaftsraum auf sie aufmerksam machte.
Lorienne fiel um ein Haar vom Stuhl, als sie erneut losprustete. „Das schreit nach Sofortmaßnahmen."
„Und die wären?" Lily war komplett ratlos. Sie hatte sich vorgenommen, Potter gar nicht erst an sich ranzulassen und dann hatte sie sich doch sofort von ihm in einem dunklen Korridor in die Ecke drängen lassen. Wie hatte sie nur so dumm sein können?
„Das ist doch ganz einfach. Am besten beweist du ihm, dass du nicht an ihm interessiert bist, indem du dich für jemand anderes interessierst."
Lily dachte einen Moment darüber nach. Natürlich. Potter hatte automatisch verloren, wenn sie einen anderen hatte. Dann würde er einsehen müssen, dass sie an ihm keinerlei Interesse hatte. Aber wer kam dafür in Frage? Es konnte nicht einfach irgendwer sein, es musste überzeugend sein. Am besten wäre jemand, mit dem sie Potter gleichzeitig noch eins auswischen konnte..."
„Fandest du nicht schon immer Remus so nett?" Lorienne hatte offenbar ihre Gedanken gelesen.
„Er ist sogar sehr nett. Und er ist richtig süß..."
„Dann frag ich mich, worauf du eigentlich wartest."
Ja, Potter würde schon sehen, dass sie von ihm nichts wollte...
