Dank an:
Pima: Pima-Panda, du liegst halbwegs richtig mit deinen Vermutungen, aber ich will noch nicht zu viel verraten. +Obstteller vernascht+ schade, ist nicht unser Sevvie-Mäuschen!
Cyberrat: Adonis ist gut! Wirklich gut! Lies einfach weiter, hab mich tierisch über deinen Kommi gefreut.
MomoSnape: Meine Lieblings-Beta! Knuddel und Küsschen!
EnttarntEin halbes Jahr zuvor ...
Oh, wie sehr er diese Treffen hasste. Abgrundtief! Severus Snape, Lehrer an der Hogwarts-Schule für Hexerei und Zauberei hasste es, tief in den Schmutz gebeugt zu knien und dem Dunklen Lord seine Ehrerbietung zu zeigen.
Voldemort schritt die Reihen seiner treuen Todesser ab. Er liebte es, sie winselnd und sich fürchtend im Staub liegen zu sehen. Heute waren mal alle gekommen, Malfoy, McNair, Snape und Pettigrew, der sowieso nie die Seite seines Herrn verließ. Alle waren sie da. Gut, das Spielchen konnte beginnen. Ein hämisches Grinsen spiegelte sich in seinen roten, schlangenähnlichen Augen wider.
„Ich will, dasss ihr mir genau zzzuhört: Harry Potter musss sssterben! Wer mir ssseinen Kopf bringt, den erhebe ich in meinen engsssten Kreisss!"
Innerlich verdrehte Snape die Augen. Das sagte der Dunkle Lord eigentlich bei jedem Treffen. Entweder forderte er den Tod des Goldjungen, oder er forderte die Folterung irgendeiner unschuldigen Familie. Er fragte sich manchmal, welcher Teufel ihn geritten hatte, für Dumbledore zu spionieren.
Nicht, dass er Dumbledore nicht dankbar für die zweite Chance wäre, nein, auf keinen Fall. Er war nicht undankbar, nein, keineswegs, er war sogar überaus dankbar, dass Dumbledore ihm diese Möglichkeit angeboten hatte. Er konnte so versuchen, seinen guten Namen reinzuwaschen, der sehr gelitten hatte.
Voldemort hob das Treffen auf und Severus apparierte vor die Tore Hogwarts, froh, dass es diesmal ohne Schmerzen vorbei gegangen war. Normalerweise machte sich Voldemort einen Spaß daraus, seine Gefolgsleute zu quälen, warum heute nicht, verstand der Tränkemeister zwar nicht, war aber froh darüber, denn meistens war er derjenige, der zu leiden hatte. So nah an den Jungen-der-leider-immer-noch-lebte ran zu kommen, ohne ihm zu schaden, das durfte nicht ungestraft bleiben.
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Seufzend betrat er das Gelände und schlug gleich den Weg zu seinen privaten Gemächern ein, er hatte keine Lust, jemandem zu begegnen. Kaum hatte er das Schloss betreten, als ihm schon drei Personen auffielen, die hier um diese Uhrzeit nichts zu suchen hatte.
„Natürlich! Das unsagbar dumme, goldene Trio!" Spott triefte aus seiner Stimme und die Angesprochenen sahen ihn an. Harry und Ron sahen zu Boden, während Hermione versuchte, zu erklären.
„Äh ... wir ... wollten ..." Die Augen verdrehend brachte er sie zum Schweigen. „Sparen Sie sich das! Um diese Uhrzeit haben Sie im Gemeinschaftsraum zu sein. Keine Ausflüchte. 20 Punkte Abzug für Gryffindor und nun aus meinen Augen."
Bevor Harry und Ron irgendetwas Falsches sagen konnten, hatte Hermione diese am Kragen gepackt und zog sie fort.
„Jungs, das war eine blöde Idee, Hagrid zu besuchen. Wir hätte wissen müssen, dass Snape hier rumgeistert, oder wenigstens den Tarnumhang mitnehmen sollen!", schimpfte sie, als sie vor dem Portrait der Fetten Dame das Passwort murmelten.
Das Portrait schwang zur Seite und die drei kletterten in den engen Durchgang. Hermione stieg auch sofort die Treppen zu ihrem Zimmer hinauf. Die beiden jungen Männer sahen ihr kopfschüttelnd nach.
„Sie hat ja Recht, wir hätten wirklich den Umhang nehmen sollen." Harry sah seinen Freund an. „20 Punkte! Wir haben gerade 20 Punkte verloren!" Ron konnte es immer noch nicht fassen. Sie hatten beim Abendessen doch deutlich gesehen, wie sich ihr Professor an den Arm gegriffen hatte, zu Dumbledore gesehen hatte und mit einem Nicken verschwunden war. Normalerweise dauerten diese Treffen länger, das wussten beide.
„Egal, ich geh schlafen", murmelte Harry und stieg die Treppen zum Schlafsaal hoch. Ron folgte wenige Minuten später, auf Snape schimpfend und legte sich brummig ins Bett.
Am nächsten Morgen schien die Sonne und Hermione saß schon angezogen im Gemeinschaftsraum, auf Harry und Ron wartend, ihren roten Riesenkater auf dem Schoß. Es dauerte auch nicht lange, und die beiden Gryffindors kamen verschlafen aus dem Schlafsaal.
„Ist noch viel zu früh, um zu lernen, Mione. Was soll das?" Schlecht gelaunt und unausgeschlafen warfen sich die beiden jungen Männer in die Sessel neben ihre Freundin. Hermione lächelte. „Wenn wir einen guten Platz in der Bücherei haben wollen, sollten wir früh dort sein. Die anderen Schüler lernen auch schon für die Abschlussprüfungen." Sie strich über Krummbeins Fell. Ron hatte nicht vergessen, was dieser Kater mit seiner Ratte angestellt hatte, auch wenn die Ratte ein Mann gewesen war und musterte das Vieh argwöhnisch.
Hermione bemerkte seinen Blick und grinste. „Ach, Ron, immer noch sauer auf Krummbein?" Rons Blick wurde mörderisch und er grunzte eine Zustimmung. Schulterzuckend stand die junge Hexe auf. „Was solls. Lasst uns gehen."
Hermione ging voran, Harry und Ron trotteten hinterher. Unterwegs trafen sie auf andere Schüler, die alle in Richtung Bibliothek strebten. „Seht ihr, alle lernen schon." Harry und Ron warfen sich genervt Blicke zu.
In der Bücherei angekommen, belegten sie einen Tisch in der Nähe der Fenster. Schnell bog sich der Tisch unter der Last verschiedener Bücher, alle zu unterschiedlichen Themen und sie diskutierten leise über Tränke und Verwandlungssprüche.
Irgendwann warfen Harry und Ron frustriert ihre Aufzeichnungen beiseite und sahen bockig aus dem Fenster. „Hermione, wir werden durchfallen ... wir lernen das nie!" riefen sie. Hermione verdrehte die Augen. ‚Warum immer so dramatisch?', dachte sie und musterte ihre Freunde eingehend. „Ach, Jungs, so schwer ist das nicht. Ihr werdet schon nicht durchfallen."
Versteckt hinter einem Bücherregal stand jemand und musste unwillkürlich über den Ausspruch der jungen Hexe schmunzeln. Sofort änderte sich sein Gesichtsausdruck wieder und er trat vor.
„Wenn Sie es bis jetzt noch nicht kapiert haben, ist bei Ihnen Hopfen und Malz verloren und Miss Granger verschwendet nur ihre ach so kostbare Zeit, in dem sie versucht, Ihnen die Kunst des Tränkebrauens in ein paar Wochen zu vermitteln. Zeit, die sie doch bestimmt dazu gebraucht hätte, um anderen mit ihrem unermesslichen Wissen auf die Nerven zu gehen." Seine Stimme triefte vor Spott und Harry und Ron wirbelten erschreckt auf ihren Sitzen herum, um ihren Meister der Zaubertränke an zu sehen.
Hermione dagegen schluckte eine bissige Bemerkung hinunter. Bei Snape wagte kaum jemand, auf so einen Angriff zu antworten. Also sah sie ihn nur wütend an und verkniff sich jede Bemerkung.
„Einen schönen Tag noch", die Robe hinter sich her wehen lassend und Bücher unterm Arm geklemmt, machte sich der Professor auf den Weg, die Bücherei zu verlassen.
„Was sollte das denn gerade?" Harry kochte nun mittlerweile auch vor Wut, während Ron immer noch sprachlos auf die zugefallene Tür starrte. Hermione winkte ab. „Egal, in ein paar Wochen sind wir ihn los, hoffe ich zumindest. Sie wandte sich wieder ihren Aufzeichnungen zu. Als wenn nichts geschehen wäre, begann sie, ihren Mitschülern verschiedene Tränke zu erklären und sie saßen beinahe den ganzen Tag über den Arbeiten.
Gegen Abend bemerkten alle, wie hungrig lernen machte und sie räumten ihre Sachen zusammen und gingen zum Abendessen in die Große Halle. Beim Essen unterhielten sie sich leise.
„Was glaubt ihr, warum das Treffen letztens so kurz war?" Schulterzucken als Antwort. Hermione musterte ihren Lehrer verstohlen. „Irgendwas war aber komisch, das müsst ihr doch zugeben. Normalerweise kommt er doch später zurück, meistens auch noch verletzt."
Nun sahen ihre Freunde sie an. „Woher weißt du das?" Kam es einstimmig aus zwei Mündern. „Ach, kommt schon, Jungs, ihr seid nicht die einzigen, die nachts durch das Schloss wandern. ich hab ihn mehrmals bei seiner Rückkehr gesehen, und er sah alles andere als frisch aus. Ich verstehe nicht, wie er das aushält."
Darauf wussten weder Harry, noch Ron eine Antwort und sie wandten sich wieder ihrem Essen zu. Hermione jedoch sah zum Lehrertisch. Snape saß auf seinem Platz, gelangweilt und hörte nur mit einem halben Ohr zu, was ihm Madam Hooch so erzählte. ‚Wahrscheinlich geht es um Quidditch', überlegte Hermione und musste schmunzeln. Madam Hooch war ein wandelndes Lexikon, wenn es um den Sport ging.
Plötzlich durchbohrten schwarze Augen die ihren und sie wurde rot, weil sie ertappt wurde, wie sie ihren Lehrer anstarrte. Sie sah auf ihren Teller.
Ein wenig überrascht war es nun an Professor Snape, seine Schülerin zu beobachten. Hermione Granger war zu einer hübschen, jungen Hexe herangereift, das musste er zu seinem Unwillen leider zugeben. Sie hatte es geschafft, ihre wilden, widerspenstigen Locken in ein weiches Gebilde zu bändigen. Ihre mandelförmigen, tief braunen Augen strahlten eine Ruhe und ein Wissen aus, das er selten bei so jungen Menschen gesehen hatte. Auch ihr Wissen war enorm. Ohne Zweifel, sie würde die Schule mit dem UTZ abschließen, komme, was da wolle.
Er spürte fragende Blicke auf sich und drehte seinen Kopf in die Richtung. Albus sah ihn schmunzelnd an, während Minerva ihn misstrauisch betrachtete. Er winkte ab und goss sich noch Kaffee ein.
Das Mal auf seinem Arm begann zu brennen und ein höllischer Schmerz durchzuckte ihn. Unauffällig sah er daraufhinab, ein weiteres Treffen kündigte sich an und er nickte Albus ernst zu und erhob sich von seinem Platz. Er brauchte kein weiteres Wort verschwenden, denn der Schulleiter wusste eigentlich immer, wann es soweit war.
Er verschwand schnellen Schrittes in seine Gemächer, nahm sich den Umhang und die Maske und trat den Weg zum Dunklen Lord an. Es wurde ein Treffen, das er nie vergessen sollte.
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Die Atmosphäre war anders, das spürte er, als er am Treffpunkt ankam. Feindselig, kühl. Unwillkürlich erschauderte er. Er beugte sein Knie und huldigte dem Lord, der auf seinem thronähnlichen Stuhl saß und ihn musterte.
„Ssseverusss, mir issst etwasss zzzu Ohren gekommen ... Sssag mir, bissst du mir treu?" Die Augen des Dunklen Lords durchbohrten ihn beinahe. Severus riss sich zusammen, befreite seinen Geist und sah auf.
„Mein Lord, natürlich bin ich Euch treu, wie kommt Ihr denn auf sowas?" Voldemort beugte sich vor. „Ausss einer sssicheren Quelle weißßß ich dasss Gegenteil ... du hassst mich und die meinen belogen ... dafür wirssst du bestraft werden, dasss issst dir doch klar? Man belügt mich nicht."
Severus wusste, sein letztes Stündlein hatte geschlagen. Wer hatte ihn verraten? Wer wusste von seinem Doppelleben? Wer?
„CRUCIO!" Voldemorts Fluch traf ihn unvorbereitet und er krümmte sich vor Schmerz zusammen. In Gedanken rief er nach Dumbledore.
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Albus saß gerade über einem Brief des Zaubereiministers, der mal wieder seine Hilfe benötigte. Den Kopf in die Hände gestützt ließ er seine Gedanken schweifen, als es energisch an seiner Tür klopfte. Harry trat ein und Albus wusste sofort, dass hier etwas nicht stimmte.
„Professor, Snape ist in Gefahr!" Albus sprang auf und lief auf den jungen Zauberer zu. „Was? Erzähl." Harry sah die tiefe Besorgnis in den Augen des Direktors. „Snape ..." – „Professor Snape, bitte." Unterbrach ihn Albus sanft. „Also gut, Professor Snape ist zu einem Treffen der Todesser gerufen worden, beim Abendessen, richtig? Nun ja, ich habe vor etwa 5 Minuten eine Art Hilferuf von ihm gespürt, na ja, eigentlich hat er mich Albus genannt, aber irgendwie ist sein Ruf wohl an mich geleitet worden. Er ist in Gefahr, jemand hat ihn verraten. Er wird gefoltert, das spüre ich." Albus fackelte nicht lange, drückte Harry sanft, aber bestimmt auf einen Stuhl. „Nimm Verbindung mit ihm auf und finde raus, wo er sich befindet. Ich weiß, du kannst das."
Harry konzentrierte sich auf seinen Professor. ‚Professor Snape, wenn Sie mich hören, wo sind Sie?'
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Snape lag am Boden, die Qual war unvorstellbar. Immer wieder durchzuckte ihn der Fluch, immer wieder durchlebte er den Schmerz. Voldemort hatte es wirklich geschafft, aus einem „einfachen" Folterfluch eine Qual zu machen. Eine kleine Pause, nur eine winzige Pause lang erholte er sich, bevor ihn der Fluch erneut traf.
„Todessser bisss in den Tod, mein Lieber!" Mittlerweile traf ihn der Fluch mit einer stählernen Klinge, die seine Haut aufritzte und aus zahlreichen Wunden blutete er schon. „Eine kleine Paussse, mein Bessster?"
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Ein Ruf drang in sein Gehirn. Es war Potter. Potter? Warum? ‚Wald!' Zu mehr war er nicht fähig.
Harrys Augen flackerten. „Er ist in einem Wald, er kann nicht mehr!" Albus schloss einen Moment die Augen. „Dann müssen wir los und unser Glück nur mit deiner Konzentration versuchen."
Mit einer Schnelligkeit, die Harry dem alten Direktor nicht zugetraut hätte, waren sie auf dem Weg. Harry konzentrierte sich mit aller Macht auf seinen Professor. Erstaunt bemerkte er die anderen Ordensmitglieder, die lautlos an ihrer Seite auftauchten, und er fragte sich, wie Dumbledore das wohl wieder hin bekommen hatte.
Harry wurde beinahe schlecht, in Gedanken sah er eine geschundene Gestalt. Zweifellos die Gestalt seines Tränkemeisters. Er würgte und hielt einen Moment inne. Er tat ihm leid und er wusste plötzlich, das Severus Snape ein solches Ende nicht verdient hatte. Ausgerechnet er trieb die Erwachsenen an, sich zu beeilen.
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Stöhnend wälzte sich die Gestalt auf dem Boden, sein Körper gehorchte ihm nicht mehr, sein Geist revoltierte, der Schmerz war zu stark, er konnte nicht fliehen, sich nicht bewegen, sich nicht erholen.
Kaltes Lachen drang an sein Ohr und er hob nur kurz den Kopf. „Noch mehr?" Der Schmerz kam zurück, noch stärker, noch kälter, als zuvor und er keuchte unter dem Schock laut auf. Es wurde dunkel um ihn, dunkler, als in der schwärzesten Nacht.
Nur ein kleines Licht strahlte ihn an, ein kleines, beruhigendes Licht und er war versucht, darauf los zu gehen. Hell und freundlich ermutigte es ihn, sich von seinem Körper zu lösen, als Geist hinauf zu schweben. Eine verschwommene Gestalt rief nach ihm und er war versucht, ihrem Ruf zu folgen. Er wollte Frieden.
Doch dieses Licht verwandelte sich in zwei mandelförmige braune Augen, die ihn tröstend ansahen. Eine beruhigende Stimme in seinem Kopf murmelte Worte des Trostes. Er war mit sich und der Welt im reinen, während er auf den Tod wartete.
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Die kleine Gruppe des Ordens sah zu Harry, der völlig in Gedanken versunken immer wieder auf einen neuen Weg zeigte. Von weitem erkannten sie einen Kreis, ein alter Steinkreis tat sich ihnen auf und sie schossen sofort Flüche in die Menge.
Die Todesser schrien erschrocken auf und flüchteten, Voldemort fluchte und verschwand in der Dunkelheit. Zurück blieb Severus Snape, zusammen gekrümmt und aus vielen grausamen Wunden blutend, mehr tot als lebendig.
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Grell schien ihm das Sonnenlicht ins Gesicht und er brummte Unverständliches. Er versuchte, sich auf die Seite zu rollen, aber es gelang ihm nicht, denn auf der Seite war Schmerz, unvorstellbarer Schmerz und er stöhnte laut auf.
Eine Hand tupfte seine Stirn mit einem feuchten, kühlen Tuch ab. „Vorsichtig, Professor, einige Rippen sind gebrochen, das dauert noch eine Weile, bis die verheilt sind."
„Wasser" Dieses eine Wort kam heiser über seine Lippen und sein Wunsch wurde erfüllt. Dann erst öffnete er die Augen. Nachdenklich blickten grüne Augen ihn an. Potter!
„Was ... was ist geschehen?" Harry nahm das als Aufforderung und setzte sich auf den Stuhl an seinem Bett. Severus begriff. Er lag im Krankenflügel.
„Nun, Professor, Sie sind vorgestern zu einem Todessertreffen gerufen worden. Das ist nicht besonders, das weiß die halbe Schule. Nur dieses Treffen war anders. Etwa zwei Stunden, nachdem Sie verschwunden sind, habe ich Ihre Stimme in meinem Kopf gehört. Sie haben nach Hilfe gerufen. Na ja, eigentlich haben Sie Professor Dumbledore um Hilfe gebeten, aber irgendwie sind Sie in meinem Kopf gelandet. Wir haben dann nach Ihnen gesucht, weil Sie uns nicht sagen konnten, wo genau Sie waren. Die anderen Todesser sind verschwunden, Voldemort auch und wir haben Sie zurück nach Hogwarts gebracht. Sie haben den ganzen gestrigen Tag mehr im Koma gelegen, als dass Sie geschlafen haben."
Severus sah ihn lange an. Er hatte Potter gerufen? Das konnte er sich nun wirklich nicht vorstellen. Aber er verspürte tiefe Dankbarkeit für den jungen Mann. Zaghaft streckte er die Hand aus und drückte die des Goldjungen. „Danke!" Dieses schlichte Wort aus seinem Mund war wie ein Geschenk des Himmels, so fand Harry und verabschiedete sich schnell.
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Hermione hatte denkbar schlecht geschlafen. Sie war mitten in der Nacht aufgewacht und wusste plötzlich an ihren Zaubertrankprofessor denken. Er war zu einem Treffen gerufen worden und irgendwas lief da verkehrt. Sie spürte seinen Schmerz, seine Sehnsucht nach dem Tod und wusste, sie musste ihn davon abhalten. Irgendwie war sie in seine Gedanken eingedrungen, obwohl sie keine Ahnung von Legilimentis hatte. Ihn von dem Licht fern zu halten, war schwer gewesen. Aber sie hatte es geschafft.
Nun saß sie in der Großen Halle, rührte gedankenverloren ihren Tee um und grübelte vor sich hin. Sein Platz war leer, ebenso der von Harry. Nur Dumbledore war guter Laune. Sie war drauf und dran, ihn zu fragen, was geschehen war. Nur wollte sie nicht neugierig erscheinen. Sie kämpfte einen stillen Kampf und verlor...
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Harry rannte aus dem Krankenflügel. Er wollte nur weg. Was er gesehen und gehört hatte, verstörte ihn zutiefst. Professor Snape war auf dem Weg der Besserung, das hatte Madam Pomfrey gesagt. Er rannte in seinen Gemeinschaftsraum, stürmte die Treppen zum Schlafsaal hoch, schnappte sich seinen Feuerblitz und verschwand nach draußen. Fliegen lenkte ihn ab, Fliegen war toll. Er flog über die Ländereien, den See, den Wald. Erst, als die Sonne hoch am Himmel stand, gab er den Versuch auf, nicht an die Geschehnisse zu denken und bremste ab, landete und ließ sich ins Gras fallen.
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Ihre Füße brachten sie vor den Wasserspeier, der zu Dumbledores Büro führte. Sie starrte ihn an und der Wasserspeier starrte zurück. „Ist der Schulleiter da?" Ihre leise Frage ließ den Wasserspeier in die Höhe gleiten. Sie nahm dies als Aufforderung und stieg die Treppe hinauf.
An der Tür zögerte sie, ihre Hand zum Klopfen erhoben. Doch das brauchte sie nicht, denn die Tür öffnete sich automatisch und Dumbledore winkte sie hinein.
„Was kann ich für dich tun, Hermione?" Er bot ihr einen Platz an. Sie setzte sich und knetete ihre Hände in ihrem Schoß. „Zitronenbonbon?" Er bot ihr die Schale an. Sie schüttelte verneinend den Kopf. „Professor? Kann ich Sie etwas fragen?" Dumbledore schmunzelte. „Nun, das hast du bereits, aber frag mich noch etwas."
„Ich weiß, Professor Snape liegt verletzt im Krankenflügel und ich weiß auch, was geschehen ist. Er wollte sterben, und ich habe ihn irgendwie davon abgehalten." Albus sah sie prüfend an, beugte sich vor und bedeutete ihr, weiter zu sprechen. „Er hat ein helles Licht gesehen, ein warmes, beruhigendes Licht. Doch dann ist er zurückgekommen und ich frage mich, wie ich das geschafft habe. Ich meine, ich habe doch keine Ahnung, wie ich das bewirkt habe, ich weiß nur, dass ich es bewirkt habe." Sie verstummte und sah den Schulleiter an. Dumbledore verschränkte die Hände, nachdenklich. „Das, meine Liebe, kann ich dir nicht sagen. Vielleicht brauchte er einen kleinen Anreiz, um unter den Lebenden zu verweilen." Sie nickte und lächelte ihn erleichtert an.
„Darf ich Sie noch etwas fragen?" Dumbledore nickte der jungen Hexe zu. „Wer hat ihn verraten?" Ihre Stimme war leise, aber der alte Zauberer konnte sie gut verstehen. „Nun, sagen wir es mal so, wir hatten vor Kurzem ein kleines Rattenproblem hier in Hogwarts." Hermione sah auf und verstand plötzlich.
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Severus lag in seinem Bett und grübelte über das Geschehene nach. Er wusste, er hatte diese Augen schon irgendwo gesehen, nur konnte er sie nicht einordnen. Der Heilungsprozess schritt voran und er wurde unausstehlich. Madam Pomfrey wuselte immer in seiner Nähe herum und füllte ihn mit verschiedenen Tränken ab. Seine Rippen heilten, seine Schnittwunden schlossen sich und am nächsten Tag konnte er das Krankenzimmer verlassen. Er humpelte zwar noch ein wenig, aber immerhin konnte er laufen.
Wann immer es ihm möglich war, dachte er an diese Augen, diese wunderbaren Augen und diese sanfte Stimme, die ihn zurückgeholt hatte. Er konnte sich nicht erinnern, wem sie gehörte.
Allerdings wusste er, wer ihn verraten hatte. Eine kleine Ratte namens Peter Pettigrew. Wann immer sein Mal brannte, ignorierte er es. Er erschien nie wieder auf einem Treffen, denn das wäre sein sicheres Ende. Und er wagte nicht zu hoffen, diesmal mit dem Leben davon zu kommen. Allerdings hoffte er, diese Augen wieder zu sehen.
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Harry hatte niemanden erzählt, was der Tränkemeister in seinem Koma von sich gegeben hatte. Dabei brannte es ihm auf der Seele, jemanden zu sagen, das seine beste Freundin den Mann von sterben abgehalten hatte. Warum, das konnte er sich nicht erklären. Severus hatte von braunen Augen und einer sanften Stimme gesprochen, ohne es zu wissen. Harry kannte nur eine Person, auf die beides zutraf, und das war Hermione Granger.
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So, das Vorgeplänkel ist hiermit abgeschlossen. Ab jetzt fängt die richtige Geschichte an.
Seid so lieb und betätigt doch den Button mit den reviews.
Eure Angel
