Wie soll es jetzt weitergehen?
Hermine wachte an ihrem ersten Morgen als Lehrerin schweißgebadet auf. Severus war wieder da. Sie konnte es immer noch nicht glauben. Sie war nervös, nicht nur deswegen, sondern auch, weil sie in ein paar Stunden zum ersten Mal wissbegierigen Schülern gegenüber stehen würde. Sie zitterte am ganzen Körper. Zuerst ging sie heiß duschen, damit sie ihren Körper unter Kontrolle bekam. Nachdem sie sich ordentlich abgetrocknet hatte zog sie sich ihre Lehrerrobe an. Mit einem Blick auf die Uhr stellte sie fest, dass es auch schon Zeit für das Frühstück war. Nervös und aufgeregt betrat sie die große Halle. Es waren noch nicht viele Lehrer und Schüler da, Snape, Dumbledore und Sprout saßen schon am Lehrertisch. Bei den Slytherins, Ravenclaws und Hufflepuffs saßen auch schon Schüler, nur der Gryffindortisch war noch unbesetzt. Es hatte sich also nichts geändert. Sie konnte sich noch genau daran erinnern, dass sie zu ihrer Schulzeit immer die erste Gryffindor beim Frühstück war. Sie setzte sich auf ihren Platz und vermied es dabei Severus anzusehen. Sie wusste nicht, wie sie mit der neuen Situation umgehen sollte.
„Wie geht es dir? Hast du gut geschlafen?", hörte sie die Frage von links.
„Ich habe schlecht geschlafen, Severus." Das hätte sie ihm vielleicht nicht sagen sollen. Sie wollte eigentlich so wenig wie möglich mit ihm sprechen. Sie hatte Angst davor. Und irgendwie war ihr schon den ganzen Morgen so, als hätte sie etwas ganz wichtiges vergessen.
„Weil heute dein erster Tag ist? Keine Sorge, ich weiß dass du das mit links machst, Hermine."
„Danke." Aber diese Art der Aufmunterung brachte ihr nichts, sie hatte es ja selber schon versucht. Sie biss herzhaft in ihr Brötchen, doch merkte schnell, dass sie heute nicht viel essen würde können. Also trank sie nur ihren Kaffee und schob das Brötchen angeekelt von sich weg. Nun wurde die Halle zusehends voller. Es war ja auch nur noch eine halbe Stunde Zeit, bis der Unterricht begann. Und pünktlich wie immer traf auch die morgendliche Eulenpost ein. Viele Eulen flogen mit schweren Paketen durch die Luft um den Schülern vergessene Sachen zu bringen. Nachdem sie ihren Kaffee ausgetrunken hatte, stand sie auf und ging zu ihrem Klassenzimmer, um den Unterricht der ersten beiden Stunden vorzubereiten. Auf dem Weg dorthin begegnete sie Harry.
„Guten Morgen Mine. Bist du etwa schon mit frühstücken fertig? Du bist ja wie früher."
„Ja, guten Morgen Harry. Manche Gewohnheiten legt man eben nie ab", grinste sie ihn an. Er kam einen Schritt näher auf sie zu, damit nicht ihre ganze Umgebung zuhören konnte. Denn vor allem die Bilder bekamen schnell lange Ohren.
„Ich bin so aufgeregt!"
„Ich auch, Harry."
„Ach, du brauchst doch nicht aufgeregt zu sein. Du schaffst das doch im Schlaf. Aber ich habe jetzt zweite Klasse Gryffindor und Slytherin."
„Ok, du hast gewonnen." Sie wusste nämlich noch ganz genau, wie der Unterricht damals bei ihr mit den Slytherins war. Sie verabschiedete sich von ihm und setzte ihren Weg zum Klassenzimmer fort.
Auf ihrem Schreibtisch breitete sie ihre Unterlagen aus, setzte sich auf den Stuhl, stand wieder auf und schob die Unterlagen nochmal hin und her. Das ging fast die restliche Zeit bis zum Unterrichstbeginn so. Vor ihrem Klassenzimmer hörte sie schon die Stimmen der Schüler, die sie gleich unterrichten sollte. Endlich konnte sie sich aufraffen um die Tür auf zu machen, aber nicht ohne vorher noch einmal die Unterlagen auf ihrem Tisch zu verschieben. Nachdem alle Schüler einen Platz gefunden haben begrüßte sie die Klasse: „Guten Morgen, ich bin Professor Hermine Granger ihre neue Lehrerin im Fach Arithmantik…"
Die zwei Stunden Unterricht waren für Hermines Geschmack viel zu schnell vorbei. Das Unterrichten in dieser Klasse hat ihr sehr gut gefallen. Und nach den ersten holprigen fünf Minuten lief auch alles wie geschmiert. Die Schüler waren sehr interessiert und haben auch Spaß daran gehabt. Das freute sie. Nun hatte sie bis zur Mittagspause frei. Sie bereitete noch den Unterricht für den Nachmittag vor und setzte sich dann mit einem guten Buch in ihr Büro. Sie wollte für ihre Schüler, falls diese Fragen zum Unterricht hatten, ansprechbar sein. Es dauerte auch nicht lange, bis es an ihre Tür klopfte.
„Herein." Nebenbei legte sie ihr Buch beiseite. Es war aber kein Schüler, der ihr Büro betrat. Es war Severus.
„Hallo Hermine."
„Severus, ist etwas Bestimmtes? Ich wollte gerne meinen nächsten Unterricht vorbereiten."
„Sag mir nicht, du hättest das alles nicht schon fertig?", fragte er mit hochgezogener Augenbraue. Sie versuchte nicht ertappt auszusehen, damit ihre Ausrede nicht den Bach herunter floss. Das gelang ihr nicht ganz, also schüttelte sie resigniert den Kopf.
„Ich wollte dich sehen, mit dir sprechen, Hermine."
„Severus", sagte sie, als er um den Schreibtisch zu ihr herum kam: „Du kannst nicht einfach nach vier Jahren hier wieder auftauchen und meinen es sei alles so wie früher! Das geht nicht!" Er blieb daraufhin abrupt stehen.
„Es tut mir leid, wie oft soll ich das noch sagen?"
„Es ist aber nicht mit einem einfachen 'tut mir leid' getan!"
„Hermine." Er nahm ihre Hände in seine, doch sie entzog sich ihm wieder: „Nein, Severus. Nein." Sie spürte schon, wie ihr die Tränen in die Augen stiegen. Sie wollte jetzt auf keinen Fall das Heulen anfangen. Sie liebte ihn zwar noch, aber es konnte trotzdem nicht wie früher sein. Dafür war der Bruch viel zu groß.
„Bitte geh", forderte sie ihn auf. Er schaute sie an und ohne ein Wort drehte er sich um und verschwand aus ihrem Büro. Danach konnte sie die Tränen nicht mehr zurück halten und ließ ihnen freien Lauf. Warum war er nur so ein Arschloch. Warum war er gegangen! Warum? Sie wusste keine Antwort darauf und sie konnte ihn auch nicht verstehen. Und wieder kam in ihr das Gefühl hoch, etwas ganz Entscheidendes vergessen zu haben. Sie kam nur nicht auf Was.
Um den Kopf etwas freier zu bekommen entschied sie sich dazu einen kleinen Spaziergang zu machen. Ihr weg führte sie raus auf die Ländereien von Hogwarts geradewegs auf den Verbotenen Wald zu. Sie schlenderte am Rande der Bäume lang und versuchte an nichts zu denken. Was ihr auch einigermaßen gut gelang, bis sie zwischen den Bäumen eine schwarze Gestalt stehen sah. Unbewusst war sie zu dem Platz gegangen, an dem sie sich früher öfter mal mit Severus getroffen hatte. Und nun stand er hier. Als würde er wieder heimlich auf sie warten. Sie starrte ihn an. Und er starrte sie an. Sie konnte sich nicht rühren. Gerne würde sie jetzt umdrehen und wieder gehen, aber ihre Beine versagten ihr den Dienst. Ohne ein Wort kam Severus auf sie zu, legte einen Arm um sie, die andere Hand legte er in ihren Nacken und zog damit ihren Kopf zu sich heran. Wenige Zentimeter, bevor sich ihre Lippen berührten hielt er inne. Als er jedoch keine Gegenwehr von ihr spürte legte er seine Lippen sanft auf ihre. Mit seiner Zunge bat er zaghaft um Einlass, den sie ihm gewährte. Er zog sie noch ein Stück näher zu sich heran und sie schlang ihre Arme um ihn. Vorsichtig löste sie den Kuss, legte den Kopf an seine Brust und flüsterte: „Severus."
„Hermine", erwiderte er und bewegte sich nicht. Sie standen zehn Minuten so da, bevor sie sich aus seiner Umarmung löste. Fragend schaute er sie an. Sie lächelte, drehte sich um und ging wieder Richtung Schloss. Ihre Gedanken schwirrten in ihrem Kopf, sie versuchte sie einzufangen, doch es klappte nicht.
Severus, der ihr gefolgt war, hielt sie auf: „Hermine?" Sie drehte sich um.
„Sehen wir uns heute Abend, am See?" Sie antwortete ihm nicht, sie nickte nur und ging weiter. Es war ihr unmöglich auch nur irgendetwas in Worte zu fassen. Wieder in ihrem Büro setzte sie sich, schloss die Augen und lächelte. Und ihr wurde klar, dass sie ihm verzeihen kann.
Der Abend kam viel schneller, als sie gedacht hatte. Der Gong beendete ihre letzte Stunde und sie entließ die Schüler. Geschafft ließ sie sich in ihrem Stuhl zurücksinken. Auch wenn sie jetzt schlafen könnte, der Tag war ein voller Erfolg gewesen. Sie hatte die richtige Entscheidung getroffen, indem sie jetzt in Hogwarts unterrichtete. Sie Packte ihre Unterlagen ein und brachte diese in ihr Büro. Danach machte sie sich auf den Weg in die große Halle. Die Schüler saßen ausgelassen an ihren Tischen und erzählten sich gegenseitig von ihren Ferien. Auch am Lehrertisch war die Stimmung ausgelassen, doch eine Person fehlte ihr. Severus. Er war nicht da. Aber sie würde ihn ja eh gleich sehen. Beschwingt setzte sie sich auf ihren Stuhl.
„Na Mine, wie war dein Tag?", fragte Harry sie mit vollem Mund.
„Toll, es lief alles Super! Und wie war deiner?"
„Naja, wenn man mal davon absieht, dass Gryffindor und Slytherin mir meinen Klassenraum fast auseinander genommen haben… Waren wir früher auch so?"
Hermine blickte ihn ernst von der Seite an: „Harry, wir reden hier von Gryffindor und Slytherin…"
„Man sollte meinen, dass das Verhältnis der beiden Häuser sich jetzt, nach Voldemorts Tod, entspannt haben sollte."
„Potter, seit dem ist es schlimmer denn jeh", sagte Professor McGonagall von der anderen Seite.
„Schrecklich", mampfte Harry, bevor er sich die nächste Gabel in den Mund schob.
„Wie geht es Ron eigentlich?". Wollte Hermine von ihm wissen.
„Wenn du dich ab und zu mal bei uns gemeldet hättest, müsstest du mich das jetzt nicht fragen, Mine", meinte Harry vorwurfsvoll.
„Harry, es tut mir ja leid. Ich hab es vergessen."
„Du hast vergessen dich bei deinen Freunden zu melden? Zwei Jahre lang?", Harry wurde nun etwas sauer auf Hermine.
„Harry, es tut mir wirklich leid, ich hatte so viel zu tun, das Studium und so weiter…"
„Hm…", grummelte Harry, er wusste ja, wie Hermine sich benahm, wenn es ums Studium, oder Bücher ging. Er und Ron mussten sie ja nicht umsonst zu Beginn ihres Studiums zwingen raus zu gehen.
„Ron geht es gut. Er hat letztes Jahr im Ministerium in der Abteilung zur Führung und Aufsicht magischer Geschöpfe angefangen und ist jetzt mit Lavender verlobt." Doch Hermine hatte ihm schon nicht mehr zu gehört. Vor ihr war ein kleiner Kauz gelandet, der nun ihre ganze Aufmerksamkeit hatte. Sie kannte diese Eule und mit einem Schlag war ihr klar, was sie die ganze Zeit vergessen hatte. Sie band den Brief vom Bein der Eule ab und der kleine Kauz erhob sich und flog wieder davon. Wie paralysiert öffnete sie den Brief und fing an zu lesen:
Liebe Hermine,
Du hattest doch versprochen dich zu melden, wenn du in Hogwarts angekommen bist. Muss ich mir Sorgen um dich machen? Ich weiß ja, du hast bestimmt viel um die Ohren, aber ein kleines Lebenszeichen von dir wäre schon nett, oder muss ich dich besuchen kommen, um mich von deiner Gesundheit zu überzeugen?
Ich vermisse dich jetzt schon schrecklich. Und ich hoffe wir sehen uns bald wieder, immerhin will ich dich bei den Vorbereitungen dabei haben.
In Liebe, Nicolas.
Sie hatte Nicolas vergessen. Wie konnte ihr das passieren? Wie hatte sie es geschafft ihren Verlobten zu vergessen? Der Brief geleitete ihr aus der Hand und fiel auf den Tisch.
„Mine? Hey Mine? Was ist los?", Harry wedelte mit der Hand vor ihrem Gesicht herum.
„Ja? Ja? Was ist?", immer noch völlig benommen sah sie Harry an.
„Was ist los?"
„Ach, ich- ich hab nur einen Brief bekommen."
„Ja, das sehe ich", er nahm sich den Brief und überflog ihn: „Nicolas? Etwa der, von dem du damals erzählt hast? Dein Studienkollege?"
„Ja, ja, Nicolas", sie war immer noch völlig von der Rolle.
„Bist du mit ihm zusammen?", fragte Harry, obwohl es für ihn schon eine Tatsache war.
„Ja, ja, ich, Nicolas", antwortete Hermine zerstreut.
„Aber das ist doch toll!", antwortete Harry bevor es ihm wie Schuppen von den Augen viel: Snape. Aber wenn sie ihm noch nachtrauerte, warum war sie dann mit Nicolas zusammen? Plötzlich riss Hermine ihm den Brief aus der Hand und rannte aus der Großen Halle.
Wie konnte ihr das bloß passieren? Sie rannte in ihre Räumlichkeiten, schmiss sich auf ihr Bett und konnte die Tränen nun nicht mehr zurückhalten. Was war bloß los? All die Jahre vorher hatte sie kaum noch an Severus gedacht. Nicolas hatte es geschafft sie von ihrem Kummer abzulenken, Zu Beginn ihrer Studienzeit hatte sie fast nur wegen Severus geweint. Sie hatte ihn so schrecklich vermisst. Ein halbes Jahr später hatte sie Nicolas dann in der Uni-Mensa kennengelernt. Sie hat sich gut mit ihm verstanden und sich ab und zu zum Lernen mit ihm getroffen. Er studierte auch Arithmantik, war aber schon ein Semester weiter. Und irgendwie schaffte er es, sie auch ab und zu mal zum Lachen zu bringen. Er wurde ein guter Freund für sie. Sie konnte auch mit ihm über ihren Kummer sprechen, jedoch vermied sie es Severus' Namen zu nennen, Irgendwann gestand er ihr dann seine Liebe. Sie konnte sich aber nicht auf ihn einlassen. Ein Jahr hatte es gedauert. Während dieser Zeit hatte sie immer weniger an Severus gedacht. Sie verliebte sich in Nicolas und vergas Severus. Ihre Freunde hatte sie auch vergessen, sie hatte fast ihre ganze Vergangenheit vergessen einfach, weil sie mit Nicolas glücklich war. Das Ganze war eineinhalb Jahre her. Und während dieser Zeit hatte sie nie wieder an Severus gedacht. Bis sie nach Hogwarts kam. Sie hatte die Ländereien betreten und alle ihre Erinnerungen hatten sie wieder eingeholt, darüber hatte sie Nicolas vollkommen vergessen. Sie erinnerte sich an ihre Schulzeit, den Finalen Kampf, Severus und ihre Liebe zu ihm. Alles war mit einem mal wieder da. Als sie mit Harry über vergangene Zeiten gesprochen hatte, war ihr schmerzlich bewusst geworden, was sie damals mit Severus hatte. Für Nicolas hatte sie keinen Gedanken mehr übrig. Wie konnte ihr das passieren? Sie liebte Nicolas doch. Und Severus war wieder da. Aber, sie liebe jetzt Nicolas. Das tat sie doch, oder? Über all ihre Sorgen schlief sie so, wie sie da weinend auf dem Bett lag, drei Stunden später ein.
Gerädert wachte sie am nächsten Morgen auf. Als erstes sah sie den zerknitterten Brief neben ihr. Sie musste ihm wenigstens antworten und sich dann Gedanken darüber machen, wie es weitergehen sollte. Sie setzte sich mit rotgeschwollenen Augen an ihren Schreibtisch und verfasste eine kurze Notiz:
Nicolas,
mach dir bitte keine Sorgen, mir geht es gut.
Hermine.
Sie faltete den Brief. Danach verschwand sie im Bad, zog sich an und machte sich auf den Weg zur Eulerei um den Brief abzuschicken. Sie war froh, dass sie auf dem Weg dorthin niemandem begegnete. Das Schloss war noch wie ausgeschlafen, selbst einige der Portraits schliefen noch. Sie suchte sich einen Vogel aus, den sie dann auf den Weg zu Nicolas schickte. Sie stellte sich noch eine Weile ans Fenster und sah dem Vogel hinterher. Wie sollte es nun weitergehen? Ihr war klar, dass sie noch etwas für Severus empfand. Aber wie viel empfand sie für Nicolas? War es genug? Aber warum hatte sie ihn dann vergessen? Und Severus, er war wieder da. Aber er gehörte der Vergangenheit an. Sie war jetzt mit Nicolas zusammen, sie war mit ihm verlobt. Genau, so war es richtig. Nicolas war ihre Zukunft. Sie würde ihn jetzt nie wieder vergessen. Mit diesem Entschluss gefasst, wendete sie sich vom Fenster ab und wollte die Eulerei verlassen. Aber da stand jemand mit einem Brief in der Hand im Eingang.
„Warum bist du gestern nicht zum See gekommen?", fragte Severus sie.
„Ich hatte zu tun, es tut mir leid."
Er machte ein paar Schritte auf sie zu, doch sie wich ihm aus. Irritiert blieb er stehen: „Was ist?"
„Nichts, es ist nur… ich kann das nicht. Es tut mir Leid, Severus."
„Was heißt das, du kannst das nicht?"
„Ich- Severus, du warst vier Jahre weg, einfach weg. Da hat sich viel geändert."
„Für mich hat sich nichts geändert Hermine", er machte einen Schritt auf sie zu und streckte die Hand nach ihr aus.
„Für mich aber, ich bin verlobt", es war sehr schwer ihm das zu sagen, aber sie rang sich dazu durch. Severus ließ geschockt seine Hand sinken: „Verlobt?"
„Ja."
Seine Augen verdunkelten sich: „Du hast vorgestern noch gesagt, dass du mich liebst!"
„Da muss ich mich geirrt haben, es tut mir leid."
Er drehte sich ruckartig um und verließ die Eulerei. Sie war verlobt! Das konnte nicht sein! Wenn er den Grünschnabel erwischte, der meinte seine Hermine heiraten zu können, der konnte sich auf was gefasst machen. Warum sagte sie ihm, dass sie ihn noch lieben würde, war aber gleichzeitig mit einem Anderen verlobt? Er verstand die Welt nicht mehr. Das konnte sie einfach nicht ernst meinen. Er raste hinab in seine Kerker, schmiss die Tür an die Wand und den Brief, den er abschicken wollte, auf den Boden. Er hätte nicht wieder her kommen sollen. Das Beste wäre es gewesen, er wäre in Japan geblieben. Damit hätte er sich dieses Szenario erspart. Warum tat sie ihm das nur an? Von Wut getrieben tigert er in seinen Räumen auf und ab, bis der Unterricht begann. Die Tür des Klassenraums ließ er mit einem ohrenbetäubenden Lärm an die Wand knallen um seine erste Klasse in den Raum zu lassen. Er fühlte sich schon etwas besser, als er die verscheckten Gesichter der Zweitklässler sah.
Am Abend hatte er einen Entschluss gefasst. Er würde um Hermine kämpfen. Er wollte nicht umsonst nach England zurückgekehrt sein. Sein Weg führte ihn hinauf in die große Halle zum Abendessen. Hermine saß noch nicht am Tisch, er hoffte sie würde noch kommen. Er setzte sich auf seinen Platz und stierte die Tür an, ohne etwas zu essen. Er würde immer nervöser, weil sie einfach nicht kam. Als es ihm zu lange dauerte, sprang er auf und eilte mit wehendem Umhang aus der Großen Halle. Wenn er doch nur wüsste, wo sie ihre Räume hatte. Vermutlich irgendwo in der Nähe des Gryffindorturms. Er wusste nur, wo sie ihr Büro hatte, aber wahrscheinlich war sie da jetzt nicht mehr. Frustriert irrte er durchs Schloss und zog den Schülern eine unheimliche Menge an Punkten ab, für die banalsten Dinge. Wenn schon nicht alles so lief, wie er das wollte, dann sollte doch das wenigstens klappen. Er lief hoch zum Astronomie Turm und stellte sich an die Brüstung. Er bemerkte nicht, dass er dort oben nicht der einzige war.
Hermine saß mit angezogenen Beinen, in ihren Umhang eingewickelt da und hatte Feder und Pergament in der Hand. Sie war den ganzen Tag verzweifelt gewesen. Hatte sie sich richtig entschieden? Die Schüler hatten auch bemerkt, dass mit ihr etwas nicht stimmte. Der Unterricht lief heute gar nicht und sie selbst konnte sich auch überhaupt nicht konzentrieren. Der Brief den sie geschrieben hatte war fast fertig, es fehlte nur noch etwas. Plötzlich hörte sie ein rascheln auf dem Turm. Sie bewegte sich leise, um nachzuschauen, was das war. Severus stand an der Brüstung. Das konnte sie jetzt nicht gebrauchen. Sie wollte ihn nicht sehen. Nicht jetzt. Sie schrieb den Brief hastig zu Ende und wollte dann leise den Turm verlassen. Als sie schon fast durch die Tür war, drehte Severus sich um und entdeckte sie. Hermine blieb wie angewurzelt stehen. Ohne ein Wort ging er auf sie zu, riss sie an sich und küsste sie, als wenn es keinen Morgen geben würde. Hermine wehrte sich nicht. Als sie außer Atem voneinander abließen lächelte sie ihn an: „Ich muss in die Eulerei, kommst du mit?" Er nickte nur, verstand sie aber nicht. Warum ließ sie sich so von ihm küssen, wenn sie verlobt war? Vor kurzem hatte sie ihm noch gesagt, dass sie ihn nicht wollte. Hermine erging es ähnlich, eben wollte sie noch, dass er sie nicht sah, weil sie noch Zeit für sich brauchte, aber jetzt war sie glücklich. Auf dem Weg zur Eulerei sprachen sie kein Wort miteinander. Hermine band einer Eule den Brief ans Bein und schickte sie los. Sie schlang ihre Arme um Severus und küsste ihn.
Lieber Nicolas,
ich bin froh, dass es dich gibt. Du warst für mich da, als es mir schlecht ging. Du hast mir wieder beigebracht zu lachen. Dafür bin ich dir dankbar. Aber seit ich wieder hier auf Hogwarts bin, sind alte Wunden in mir aufgerissen. Es hat mich alles an damals erinnert. Ich musste mich schmerzlichst daran erinnern, dass dieser eine Mann für meinen Kummer verantwortlich war. Auch nach so vielen Jahren, die seitdem er verschwunden war, vergangen waren, taten die Gedanken daran unheimlich weh. Es ist etwas passiert. Mir ist hier klargeworden wie sehr ich dich liebe. Ich liebe dich für so vieles. Nur leider liebe ich dich nicht auf dieselbe Weise, wie du mich. Du bist für mich der große Bruder, das ist mir hier klar geworden. Plötzlich stand er da. Ich wusste nicht, ob ich nur träumte, oder ob es wirklich so war. Ich liebe Severus noch immer, aus tiefstem Herzen, das weiß ich jetzt.
Ich hoffe, du wirst mir eines Tages verzeihen können.
Hermine.
„Severus? Ich liebe dich."
ENDE
