2. Jekyll x Jasper – Unschuldige Küsse für unschuldige Männer

Jasper hätte schwören können, dass der Mistelzweig vorhin noch nicht da gehangen hatte. Dessen war er sich ganz sicher, als er und Henry gemeinsam hoch starrten und überlegten, wer das Teil da angebracht haben mochte.

„Äh … heißt das, wir müssen uns … ähm … küssen?", fragte Jasper, spielte mit seinen Fingern und starrte verlegen zu Boden.

Henry stieß einen Seufzer aus. Er glaubte zu wissen, wer den Zweig da oben aufgehängt hatte. Er würde sich später mit ihr unterhalten müssen.

„Es ist Tradition, dass die, die unter den Mistelzweig treten, einander küssen müssen, aber ich sehe nicht ein, warum wir nicht eine Ausnahme machen sollten", meinte er und verschränkte die Hände hinter dem Rücken.

Aber nur Sekunden später färbten sich Henrys Wangen mit einem warmen Rosa und ein Hoffnungsschimmer leuchtete plötzlich in seinen Augen auf.

„Es sei denn … natürlich … du willst mit der Tradition gehen?", fragte er neugierig.

Jasper sah von unter seiner Hutkrempe zu ihm hoch, mit gleichfalls geröteten Wangen und hoffnungsvoll funkelnden Augen. Er musste gestehen, dass Henry ein sehr gutaussehender Mann war … und dass er schon gern von ihm geküsst werden wollte.

„Wenn du willst, Henry", antwortete er eilig. Vielleicht klang er zu begeistert, aber nun, da sich ihm diese Gelegenheit bot, würde er doch nicht Nein sagen!

Darauf erstreckte sich ein breites Lächeln auf Henrys Gesicht und das Funkeln in seinen Augen intensivierte sich. Dann trat er einen Schritt auf Jasper zu, der es ihm gleichtat und zu ihm hinauf starrte.

„Wer von uns sollte anfangen?", fragte er neugierig, mit einem niedlichen Lächeln auf dem Gesicht.

„Hmm, nun, ich bin der Ältere, also wäre es wohl am besten, wenn ich anfange, Jasper", bot Henry gütig an. Er schien über diese Frage ernsthaft nachgedacht zu haben.

Nach einem Moment schlossen sich ihre Augen, Henry presste seine Lippen gegen Jaspers und küsste ihn zärtlich. Seine Lippen waren warm und etwas rau, doch das störte Jasper nicht und bald erwiderte er den Kuss. Ein starkes Verlangen ergriff von ihm Besitz und er presste sich an Henry und schlang die Arme um dessen Hals. Ein paar Sekunden der Überraschung vergingen, ehe er spürte, wie Henrys Lippen sich mit seinen bewegten und seine Arme sich um Jaspers dünne Taille legten und ihn festhielten.

„Ich liebe dich, Jasper", flüsterte Henry.

„Ich liebe dich auch, Henry", flüsterte Jasper zurück.

Nicht lange nach diesen Worten trennten sich die beiden voneinander und gingen schweigend getrennte Wege und lächelten selig vor sich hin. Es würde definitiv ein sehr frohes Weihnachtsfest für die beiden werden.