Ich poste gleich mal das 2. Kap mit :)
Hoffe es gefällt euch^^
Lg Marit:*
Kapitel 2 – Überraschung
"Ich weiß, dass du Phoenix liebst, aber mir wäre es lieber, wenn ich dich auch in meiner Nähe wüsste oder zumindest an einem geeigneteren Ort..." Sie wollte, doch nicht etwa, dass ich zu Charlie zog, oder? Nein, sie wusste, wie sehr ich Forks hasste. Aber was dann?
"...und deswegen haben Phil und ich beschlossen, dich auf ein Internat zu schicken..." Internat?
Was? Sie wollte mich auf ein Internat stecken? Mich loswerden? Geschockt starrte ich sie an.
"Was? Aber, ich dachte...du...ich...du willst mich auf ein Internat schicken? Mum, ich..." Aus meinem Mund kam nur stockend etwas raus. Mir fehlten die Worte. Ich war viel zu mitgenommen von der tollen Überraschung.
"Ich weiß, meine Süße. Das ist alles sehr ungewohnt und überraschend für dich, das verstehe ich, aber es die beste und einfachste Lösung." Die beste und einfachste Lösung. Mich auf ein Internat zu stecken? Das war doch nicht ihr Ernst!
"Aber Mum, ich könnte doch einfach mit euch kommen, dann bräuchtet ihr auch nicht ein teures Internat für mich zu bezahlen", versuchte ich sie zu überrreden.
"Was wäre dann mit der Schule? Wenn du mit uns kämest, könntest du keine normale Schule besuchen und würdest deinen Abschluss nicht machen. Das kommt nicht infrage! Und mach dir wegen dem Geld keine Sorgen. Phil verdient bei seiner neuen Stelle fast doppelt so viel wie vorher." Sie wollte das wirklich durchziehen. Anscheinend war alles schon beschlossene Sache.
"Mum. Warum kann ich nicht hier bleiben?" Ein letzter Versuch der Überredung konnte ja nicht schaden.
"Dann wärst du ja ganz allein hier. Was ist, wenn du dich verletzt oder hier eingebrochen wird? Du weißt, dass es hier in der Gegend schon öfter passiert ist. Ich möchte dich nicht allein in einer so großen, gefährlichen Stadt wissen! Bella, bitte. Stell dir doch nur mal vor, wie toll es auf so einem Internat sein kann. Außerdem scheint in Boston doch oft die Sonne. Es richtig warm dort, so wie du es gern hast."
"Was soll an einem Internat toll sein?" Meine Skepsis und mein Missvetrauen waren nicht zu überhören.
"Naja, du lernst dort neue Leute kennen und es ist eigentlich gar kein richtiges Internat. Eigentlich ist es eine Tagesschule, weißt du? Die Wilbraham & Monson Academy in der Nähe von Boston hat eine Internatnatmöglichkeit und das wäre wie geschaffen für uns beziehungsweise für dich." Meine Mum war vollends überzeut von dieser Sache. Ich dagegen konnte sie nur entgeistert angucken. Tagesschule mit Internatmöglichkeit? Auch das noch! Da liefen doch bestimmt nur irgendwelche versnobten Typen rum, die mit Geld um sich werfen konnten, weil ihre Väter und Mütter ihnen alles in den Hintern steckten!
"Aber Mum..."
"Kein aber, Süße. Es ist nur zu deinem Besten. Wir haben dich auch schon dort angemeldet. Nach den Ferien geht's los. Sei so nett und freu dich wenigstens ein kleines bisschen. Mir zuliebe. Was meinst du wie schwer es mir fällt, dich loszulassen. Du warst doch immer meine kleine Bella..." Jetzt standen ihr auf einmal Tränen in den Augen.
"Hör bitte auf zu weinen, Mum, sonst wein ich gleich mit!" Und schon kullerten sie bei Mum runter. Ich merkte auch schon, wie meine Augen feucht wurden. Und nicht mehr lange und auch mir liefen die ersten Tränen die Wangen hinunter.
"Tut mir leid,", murmelte meine Mutter, "es ist nur... du bist jetzt fast erwachsen und ich..." Weiter kam sie nicht, sie schluchzte laut auf und jetzt liefen bei uns beiden Sturzbäche.
Es dauerte eine halbe Ewigkeit, bis wir uns beruhigten. Aber danach waren wir beide gefasster.
"Ich werde immer dein kleines Mädchen sein, Mum." Und schon wieder rollte eine Träne meine Wange hinab, aber Mum wischte sie weg.
"Ich weiß, aber...ich muss lernen, dich loszulassen und es fällt mir so unendlich schwer." Mum ergriff meine Hände, die in meinem Schoß lagen und drückte sie. "Du wirst mir so fehlen, meine Süße, ich weiß gar nicht wie ich das alles schaffen soll, ohne dich." Da hatte sie recht. Meine Mum tat immer die unmöglichsten Sachen, wenn ich nicht da war. Es kam mir manchmal so vor, als müsste ich sie erziehen und nicht sie mich.
"Du schaffst das schon, Mum, da bin ich mir sicher. Ansonsten hast du ja noch Phil. Der wir dir schon helfen." Es tat mir weh, sie so zu sehen. Sie sollte glücklich sein und wenn es sie glücklicher machte, wenn ich auf dieses Internat ging, dann tat ich es gern für sie. Sie hatte es einfach verdient, mit Phil ein besseres Leben zu führen, mehr wünschte ich mir nicht.
"Ich bin so froh, dass du nicht sauer auf mich bist." Meine Mum machte sich ständig Sorgen um mich. Wenn sie doch nur endlich begreifen würde, dass sie auch mal etwas für sich tun sollte. Ich war alt genug, um allein zurecht zu kommen, warum sollte ich ihr dann böse sein? Sie hatte ihr halbes Leben damit verbracht, mich großzuziehen. Jetzt hatte ich die Möglichkeit ihr dafür zu danken, indem ich aufs Internat ging.
"Mum, das macht mir nichts aus, wirklich. Ich bin nur etwas überrascht und ein wenig geschockt, mehr nicht. Ich hab damit überhaupt nicht gerechnet. Und glaub mir, ich vermisse dich genauso, wie du mich." Ich hoffte nicht, dass sie wegen mir ein schlechtes Gewissen bekam.
"Wirklich? Es macht dir nichts aus? Du bist dann ganz allein, ohne mich, deinen Vater oder Phil. Es macht dir gar nichts aus?" Meine Mum sah ein wenig erleichtert aus, aber auch ein wenig schuldbewusst.
"Mum! Ich war schon öfter mal ein paar Wochen allein. Dann werde ich das wohl auch schaffen! Klar werde ich euch vermissen, aber Mum...ich bin kein Kind mehr. Ich kann auf mich allein aufpassen! Außerdem werden wir uns ja nicht für immer verabschieden. Spätestens an Weihnachten sehen wir uns wieder. Ja?"
"Natürlich! Was denkst du denn. Und wenn Phil ein Heimspiel hat, komm ich dich auch besuchen. Und dann können wir zusammen shoppen gehen oder einfach mal quatschen oder..." Jetzt lachte sie wieder. Zum Glück. Ich hätte es nicht länger ertragen können, in ihr trauriges Gesicht zu sehen.
"Wann geht's denn los?", war meine nächste Frage. Wenn ich zum neuen Schuljahr schon auf dieses Internat ging, konnte es ja nicht mehr lange dauern.
"Nächste Woche. Phil und ich haben schon eine tolle Wohnung für uns gefunden. Für dich hab ich mir auch schon einige Infos und Bilder vom Schuldirektor geben lassen. Ich hab sie auf deinen Schreibtisch gelegt. Du wirst sehen, es wird dir gefallen."
Den restlichen Abend redeten wir nur noch darüber, wie es in Boston werden könnte. Als es später wurde ging ich in mein Zimmer. Als wir hergezogen waren, durfte ich es mir selbst einrichten. Seitdem hatte ich nie etwas verändert. Es würde mir sehr fehlen. Auf dem Schreibtisch sah ich die Unterlagen, von denen meine Mutter vorhin erzählt hatte. Ich ergriff sie und schmiss mich mit ihnen auf mein Bett. Dabei knarzte es ein wenig. Auch dieses Knarzen würde ich vermissen. Ich hatte es immer gehasst, aber jetzt würde ich es wahrscheinlich nie wieder hören. Das machte mich irgendwie traurig.
Auf den Bildern sah man zunächst das ganze Gebäude, dann einzelne Fachräume. Auf vielen anderen sah man Schüler beim Sport, beim Musizieren oder beim Experimentieren in den Naturwissensschaftsräumen. Sie schienen alle Spaß zu haben. Aber das waren ja nur Momentaufnahmen. Ob es mir auch Spaß machen würde? Ich war nicht der Mensch, der schnell Freundschaften knüpfte. Hier zu Hause hatte ich deswegen auch nur sehr wenige und war mehr oder weniger Außenseiterin. Es würde auf jeden Fall schwer werden, dort neue Freunde zu finden. Vielleicht irrte sich meine Mutter ja auch und es würde furchtbar werden. Vielleicht würde ich wieder Außenseiterin sein und überhaupt keine Freunde finden. Ich hoffte so sehr, dass meine Mum recht hatte.
Ich schlief diese Nacht sehr unruhig. Woran es lag, wusste ich nicht genau, aber am nächsten Morgen fühlte ich mich mehr als nur geschlaucht. Natürlich konnte es unter anderem am Jetlag liegen, aber dafür war gestern zu viel Aufregendes passiert, im wahrsten Sinne des Wortes.
Meine Mum ließ mich ausschlafen. Überhaupt ließ sie mich in den nächsten Tagen in Ruhe. Sie war mit dem Packen der Kartons beschäftigt. So hatte ich viel Zeit zum Nachdenken. In nur wenigen Tagen würden wir nach Boston aufbrechen und ich hatte noch so einiges zu tun. Ich konnte natürlich nicht alles mitnehmen, also musste ich mein Zimmer ausmisten und alles Unwichtige wegschmeißen oder verschenken. Wusste Charlie eigentlich, dass wir umzogen und dass ich auf ein Internat gehen sollte? Vermutlich nicht. Meine Mutter hatte es wahrscheinblich so geplant, dass er davon erst erfahren würde, wenn es schon geschehen war. Sie hatte keine Lust auf irgendwelche Diskussionen mit ihm. Außerdem bestände die Möglichkeit, dass er von ihr verlangen würde, mich bei ihm in Forks wohnen zu lassen und dort zur schule zu gehen. Da bevorzugte ich doch lieber das sonnige Boston mit Internat als in Forks vor Langeweile und Depressionen wegen dem ständigen Regen umzukommen.
Es war soweit. Morgen ging es nach Boston. Mein Zimmer und das gesamte restliche Haus waren mittlerweile leergeräumt und sahen einfach nur traurig aus. Nur die wichtigsten Sachen waren noch nicht in Kartons verpackt.
Und? Was sagt ihr?
