Disclamer: Alle Figuren gehören der wunderbaren JKR, ich verdiene kein Geld mit der Geschichte.
II. Niemand mag mich
Nach dem Abgang von Hermine lief Harry in Richtung Große Halle, mit der Hoffnung, Ron vielleicht einmal alleine antreffen zu können. Doch irgendwie schien das Glück nicht auf seiner Seite zu stehen, denn nachdem er auch nur ein paar Schritte in die Große Halle gesetzt hatte, hörte er schon von weitem ein lautes Quietschen. Er schaute auf und sah, wie Lavender sich, wieder einmal, an Ron festklammerte. Der Grund des hohen Quietschens schien ein silbernes Armband zu sein, das sie vermutlich soeben von Ron geschenkt bekommen hatte. Harry verdrehte die Augen und stöhnte. Er konnte es in keiner Weise nachvollziehen, wie Ron es freiwillig mit so einer Frau aushielt. Trotz der Abneigung gegen Lavender beschloss er, sich für das Abendbrot zu den beiden zu setzen. Harry hatte davor kurz die Möglichkeiten, die er hatte, abgewogen, doch als er Hermine sah, die ihn, neben Ginny sitzend, wütend anschaute, entschloss er sich schnell für das andere Übel. „Hey Ron, Lavender", begrüßte er die beiden, als er an ihrer Tischseite angekommen war. „Ist bei euch noch frei?". Lavender machte sogleich den Mund auf, aber Harry lies sie nicht zu Wort kommen. „Hey Ron, wir müssen uns dann jetzt bald mal zusammen setzten wegen der Auswahlspiele für unsere Quidditchmannschaft! Das erste Spiel lässt bestimmt nicht lange auf sich warten und wir können nicht auf das Glück hoffen, dass wir zuerst gegen Hufflepuff spielen. Wenn die Slytherins unser erster Gegner sind, müssen wir fit sein und eine funktionierende Mannschaft haben!" Lavender schnappte erneut nach Luft, um zu ihrem Satz anzusetzen, doch diesmal war es Ron, der ihr zuvorkam. „Weißt du, Mann, ich war in den letzten Tagen ziemlich beschäftigt. Vielleicht schaffen wir es ja noch diese Woche". Schon wieder überkam ihn eine Hitzewelle. Harry wischte sich den Schweiß, der ihm auf der Stirn stand, mit dem Pulliärmel ab. Er seufzte. „Ron, du weißt selber, dass morgen der letzte Schultag ist und dann sind auch schon Ferien. Und soweit ich weiß, gehst du über die Ferien nach Hause. Und du weißt auch, dass ich über die Ferien hier bleibe. Hermine hat mich in den Sommerferien so lange beredet, dass ich ein zusätzliches Fach gewählt habe und du weißt auch, dass ich dafür einen ewig langen Aufsatz schreiben muss. Das heißt, ich muss das Ganze in den Ferien machen und mir bleibt deswegen in den Ferien auch keine Zeit, mich um Quidditch zu kümmern. Es bleibt uns also nur der heutige Abend und morgen Abend." Harry merkte, wie er sich in Rage redete. Ihm wurde schon wieder schwindelig. Er hörte ein Japsen von gegenüber und schaute auf.
Es war Lavender, die es kaum fassen konnte, dass man sie so lange ignoriert hatte. „Oh, naja, weißt du, ich fahr doch schon morgen Abend nach Hause, hab ich wohl vergessen, dir zu sagen", sagte Ron zerknirscht. „Dann eben heute Abend, Ron". Bevor Ron auch nur einen Ton sagen konnte, platzte es aus Lavender heraus. „Won-Won, du weißt genau, dass das unser letzter Abend ist, bevor du in die Ferien gehst. Wir sehen uns eine ganze Woche nicht", rief sie mit schriller Stimme. „Aber Lavender, Harry hat doch gesagt, dass das der letzte Abend ist, an dem wir uns treffen können." „Lass dir doch nicht immer alles von Harry vorschreiben!", zischte Lavender wütend. „Harry, das ist unser letzter Abend, und wenn es jetzt nichts wichtiges mehr gibt…". Sie schaute Harry auffordernd an und nickte mit dem Kopf Richtung Ausgang der Großen Halle. Verärgert stand Harry auf. „Dann… sehen wir uns also nach den Ferien". Im Augenwinkel sah er, wie Ron entschuldigend mit den Schultern zuckte. Er verdrehte die Augen und schaute zu Hermine hinüber in der Hoffnung, dass sie sich inzwischen vielleicht beruhigt hätte. Sie saß einige Meter von Ron entfernt und tuschelte leise mit Ginny über ein Mädchen, das letzte Nacht in einem der Jungenschlafsäle erwischt wurde. Normalerweise sah man Hermine beim Essen fast immer mit einem dicken Buch in der Hand, doch an diesem Abend schien sie völlig in das Gespräch mit Ginny vertieft zu sein. Harry bemerkte jedoch, dass sie angespannt versuchte, nicht in seine Richtung zu schauen. Er fasste sich an die Stirn, seine Kopfschmerzen hatten sich den Tag über verstärkt und inzwischen pochte es auch an seinen Schläfen. Er seufzte wieder. Er würde den Abend also alleine verbringen. In einem letzten Funken von Hoffnung schaute er Ginny an, doch die schien von Hermine bereits alles erzählt bekommen zu haben, denn auch sie sah ihn verärgert an. Hatte sich denn die ganze Welt gegen ihn verschworen? Harry hatte inzwischen das Gefühl, dass ihn heute niemand mochte.
Er macht sich auf den Weg zu seinem Schlafsaal, als er kurz vor dem Portraitloch zu seinem Gemeinschaftsraum angerempelt wurde. „Pass doch auf, Potter!". Er drehte sich um und sah Draco vor sich stehen. „Lass es für heute gut sein, Malfoy. Ich hab keine Lust, mich mit dir anzulegen. Mir geht es den ganzen Tag schon mies, und da brauch ich dich nicht noch dazu, dass du mir noch mehr Kopfschmerzen bereitest. Ich will einfach nur in mein Bett, also geh mir aus dem Weg und mach jemand anderen runter." Gerade als er sich an Draco vorbeidrücken wollte, sagte dieser leise mit einem Lächeln: „Potter, entspann dich mal. Nur weil dich deine zwei Anhängsel heute nicht den ganzen Tag begleiten, musst du nicht gleich so aus der Haut fahren.". Draco schaute sich Harry genauer an. „Du siehst heute ganz schön scheiße aus, Potter. Hat dir das schon mal jemand gesagt?". „Danke für deine Beobachtungen. Charmant wie immer, Malfoy. Und jetzt weg da!". Mit einem „uuuh" und einem gespielt erschrockenen Gesichtsausdruck zog Malfoy davon. Harry meinte noch, er hätte gehört, wie Draco sagte: „Aber 'nen sexy Hintern hast du trotzdem". Er schüttelte den Kopf. Als ob Malfoy so etwas sagen würde. Harry schob es auf seine heutige Angeschlagenheit, wahrscheinlich war er einfach nicht ganz auf der Höhe und der Tag war anstrengend genug, da konnte man sich schon mal verhören. Er stieg, immer noch kopfschüttelnd, durch das Portraitloch. Zu Harrys Erleichterung war er der einzige im Gemeinschaftsraum. Das kam ihm ganz gelegen, denn er hatte keine Lust, von irgendjemandem auf die miserable VgddK-Stunde angesprochen zu werden und so machte er sich auf den Weg zu seinem Schlafsaal. Als Harry endlich im Bett lag, war er doch ganz froh, dass der Tag sich endlich dem Ende neigte. Zuerst seine Kopfschmerzen am Morgen, dann die Tatsache, dass er sich mit Hermine verkracht hatte und sich im Unterricht daneben benommen hatte und dann die Sache mit Ron. Harry legte seine Brille auf den Nachttisch und dachte nach. Warum musste Lavender denn auch immer Ron belagern? Seit sie da war, lief Ron nur noch mit einem verklärten Gesichtsausdruck in der Gegend rum und wenn er dann mal die Zeit hatte, mit Ron zu reden, erzählte ihm dieser immer, wie toll es doch war, eine Freundin zu haben. Er wollte endlich diese eine Sache loswerden. Harry war dieses Thema mehr als unangenehm, zumal er es sich selbst noch nicht so ganz eingestehen wollte. Wenn Ron es wüsste und Harry sicher wäre, dass er es auch akzeptieren würde, wahrscheinlich wäre es ihm dann viel leichter ums Herz. Vor lauter wäre, würde, könne wurde Harry ganz schläfrig und dämmerte in einen unruhigen Schlaf.
