„Dani, glaubst du wirklich, dass das eine gute Idee ist?" Unsicher betrachtete Phee das Informationsmaterial, dass Dani auf dem Couchtisch verteilt hatte.
Bei dem Wettbewerb war der Hauptpreis, dass ein Teeniestar bei einem Fotoshooting das selbst entworfene Stück trug und der Gewinner mit einer Begleitperson seiner Wahl dabei sein durfte. Außerdem wurde noch versprochen, dass der Gewinner „einer waschechten Star-Designerin" eine Woche über die Schulter gucken konnte.
Im Grunde ein Trip nach L.A., bei dem ein bisschen hinter die Kulissen von Star Girl geschnuppert werden konnte.
Mit einem Grinsen drehte Dani sich zu ihrer Freundin um und nippte zufrieden an ihrem Saft. „Chérie, wenn ich mir nicht sicher wäre, würde ich dich nicht mitnehmen, oder?"
„Ich mein doch nicht, dass du mich mitnimmst. Es ist bloß… Ist es wirklich so gut, wenn ich dahin gehe? Ich meine, du bist dafür ja praktisch geschaffen." sagte Phee vorsichtig. Dani war immer für Neues zu begeistern und manchmal war es gar nicht so einfach mit ihrer Energie mitzuhalten. „Vielleicht solltest du lieber Florence mitnehmen." Danis große Schwester und mindestens genauso auf Mode versessen wie Dani selbst.
Obwohl bei dem Kompliment ein geschmeicheltes Lächeln über Danis Gesicht huschte, war sie sofort wieder tiefernst als sie sprach. „Also willst du wirklich deine beste Freundin allein lassen, Phee?"
Mit einem dramatischen Seufzer wischte sie eine eingebildete Träne weg und warf ihr langes Haar über die Schulter (eine Bewegung, die sie wochenlang vor dem Spiegel geübt hatte. Lange Haare erfordern starke Nackenmuskulatur).
„Das wichtigste Ereignis meines Lebens und du verrätst mich, weil du Angst hast, in L.A. auf Sightseeing-Tour zu gehen?" Ihre Unterlippe zitterte.
Phee, die an Danis Fähigkeit, mitten im Satz ihr komplettes Benehmen zu ändern, gewöhnt war, schüttelte bloß den Kopf. „Erstens hoffe ich nicht, dass das tatsächliche das wichtigste Ereignis deines Lebens wird, weil du dafür noch viel zu jung bist. Sonst hast du ja danach nichts Besonderes mehr", erwiderte sie trocken, „Und zweitens mache ich mir Gedanken, dass ich bloß im Weg bin."
„Spinnst du?" Dani riss die blauen Augen auf „Sag das ja nicht! Wie soll ich denn ohne dich klarkommen?" Sie schob die Unterlippe vor und gab Phee ihren besten Kulleraugenblick. „Du weißt doch, was für einen Orientierungssinn ich hab!"
Phee lachte wider Willen. Sie wusste ganz genau, dass Dani verstand, was sie meinte, aber wie so oft wurde ihre Unsicherheit mit einer einzigen Bemerkung einfach weggewischt.
„Außerdem hast du doch die Fotos für den Wettbewerb gemacht. Sag bloß nicht, du bist nicht das geringste bisschen neugierig darauf zu sehen, wie ein Profi das so macht."
„Na ja, irgendwie schon…" druckste Phee herum und zupfte nervös an einer Strähne ihres hellbraunen Haars. Andererseits machte ihr der Gedanke, in so eine große Stadt zu gehen, ziemlich Angst. L.A. war doch für eine ziemlich hohe Kriminalitätsrate bekannt, oder? Sie wollte ihrer Freundin wirklich nicht die Freude verderben, aber bei dem Gedanken von zwei Mädchen in einer Großstadt, ganz alleine… Sie schluckte.
Fröhlich klatschte Dani in die Hände und riss sie damit aus ihrer Grübelei. „Na siehst du! Jetzt müssen wir noch überlegen, was wir zum Anziehen mitnehmen und die Sache ist geritzt!"
Phee hüstelte ein bisschen. „Also, ich glaube, dass ich erstmal meine Eltern um Erlaubnis fragen muss." Und die würden das sowieso nicht erlauben. Damit hat sich das Ganze sowieso erledigt, dachte Phee, nicht ganz ohne ein bisschen zufrieden zu sein, wenn sie ehrlich war.
„Ich fass es nicht", murmelte Phee vor sich hin.
Sie blickte aus dem Fenster neben ihr und betrachtete die Wolken, die wie Berge aus zarter Zuckerwatte aussahen.
„Das hast du schon mal gesagt", bemerkte Dani, "So ungefähr fünfzig mal."
„Ich weiß. Und ich kann es immer noch nicht glauben, dass du meine Eltern überredet hast und wir jetzt wirklich im Flugzeug sitzen."
Mit gespielter Empörung sah Dani sie an. „Überredet? Danielle Milhaud überredet nicht, sie lässt ihren Charme spielen." Mit einem Augenzwinkern nahm sie die Kopfhörer, die an die Sitzlehnen angeschlossen waren und wandte sich einer Folge von „Bezaubernde Jeannie" zu.
„So kann man es auch ausdrücken", brummelte Phee. Danis eigene Eltern hatten gelassen reagiert und ziemlich schnell eingewilligt, die Mädchen fahren zu lassen. Phees Eltern dagegen hatten, wie erwartet, abgelehnt. Dani hatte es sich jedoch in den Kopf gesetzt, dass Phee und niemand anderer mitkommen musste, und hatte ihre Eltern irgendwie komplett verzaubert oder ihre Gehirne zu Forschungszwecken an Aliens verkauft oder so, sonst hätten sie sicherlich nicht ihre Erlaubnis gegeben. Ihre sonst so überbesorgten Eltern waren plötzlich ganz sicher, dass sie reif genug war, um einmal quer über den Kontinent zu reisen.
Phee selbst hätte das nie geschafft, es sei denn vielleicht, sie hätte alle Register gezogen. Aber das hätte sie sich nie getraut.
Plötzlich genervt drückte sich das kleine Mädchen aus ihrem Sitz hoch und drängte sich an Dani vorbei auf den Gang. So schnell sie konnte, ging sie zur Toilette und sperrte sich ein.
Dort betrachtete sie einen Moment lang ihr Spiegelbild. Ihre Haare hingen ihr in langweilig Hellbraun ums Gesicht und ihre Augen waren ein so merkwürdiges Gemisch aus Grau und Hellgrün, dass sogar interessant aussehen hätte können, wenn es nicht so milchig gewesen wäre. Sie streckte dem Bild die Zunge raus.
„Ja, genau, warum nicht?" fragte sie laut. „Schicken wir doch zwei Mädchen ohne Erwachsenen in eine gefährliche Stadt und sehen, was dabei rauskommt."
Als Phee den beißenden Ton in ihrer eigenen Stimme hörte, zuckte sie zusammen. Es war ungerecht gegenüber ihren Eltern und auch Dani, wenn sie sich so aufführte. Ihre Eltern hatten wirklich nichts Unverantwortliches getan, wenn sie ihre sechzehnjährige Tochter zu einer beaufsichtigten Reise ließen.
Im Grunde war es das ja auch gar nicht. Woher kamen also das Widerstreben und die plötzliche schlechte Laune? Es war Danis große Reise, und als ihre beste Freundin sollte sie eigentlich voll hinter ihr stehen. Warum fiel ihr das im Moment so schwer?
Phee klatschte sich etwas kaltes Wasser ins Gesicht, um sich wieder unter Kontrolle zu kriegen und seufzte. Egal was es war, sie würde sich Dani zuliebe zusammenreißen.
Am Flughafen (sehr zu Danis Enttäuschung nicht der berühmte LAX mit seiner futurisch anmaßenden Architektur) wurden sie von brüllender Hitze begrüßt. Na gut, vielleicht nicht gerade brüllende Hitze, aber immerhin kamen sie vom tiefsten Winter in strahlend warmes Sonnenwetter. „Meine Güte", schnappte Phee nach Luft, „Das ist definitiv was anderes als Winter in Virginia."
„Das wollen wir doch hoffen." Die Mädchen drehten sich nach der fremden Stimme um.
Vor ihnen stand eine hübsche Frau mit dunklen Haaren. „Seit ihr Danielle…" Sie sah auf das Klemmbrett, das sie in der einen Hand trug. „Danielle Milhaud und Euphenia Carter?"
„Ja, das sind wir." Dani strahlte die Frau an. „Ich bin Dani. Hi."
Die Frau lächelte. „Ich bin Amanda Reynolds von Star Girl. Aber das dachtet ihr euch vielleicht schon." Scherzhaft wedelte sie mit dem Plakat, dass sie in der anderen Hand hielt. Darauf stand mit großen, pinken Buchstaben das Logo der Zeitschrift und direkt darunter „Willkommen in L.A." und die Namen der Mädchen. Die vollen Namen. Phee schluckte.
„Sagt einfach Mandy zu mir. Und du bist Euphenia, richtig?" wandte Mandy sich an Phee.
„Äh, Phee. Einfach nur Phee."
„Schön euch kennen zu lernen. Dann wollen wir mal zusehen, dass ihr euer Gepäck kriegt, was?" Ohne eine Antwort abzuwarten, lief Mandy mit großen Schritten los.
Dani und Phee sahen sich vielsagend an. „Schwer beschäftigter Großstadtmensch", flüsterte Dani. „Ob sie wohl Zeit zum Atmen hat?" wisperte Phee zurück. Die beiden kicherten albern und eilten dann der ungeduldig winkenden Frau hinterher.
Nachdem sie ihr Gepäck beisammen hatten, wurden sie aus dem Flughafen gescheucht.
„Ich hoffe, der Karren ist groß genug für die Koffer", meinte Mandy und beäugte ihr Gepäck. „Der Wagen, mit dem ich euch abholen sollte, steht leider in der Werkstatt." Etwas piepste. Mandy zog ihr Handy aus der Tasche. „Entschuldigt."
Sie eilten über den Parkplatz, während Mandy wild gestikulierend mit jemandem diskutierte, der irgendetwas nicht pünktlich liefern konnte. „Es interessiert mich nicht, ob es Kunst ist", fauchte sie in den Hörer. „Wir haben eine Abmachung. Entweder halten Sie sich daran und kriegen Ihr Geld, oder Sie kriegen Ärger. Ist das klar?"
Phee zuckte zusammen, als Mandy ihr ultramodernes Handy mit Touchfunktion mit Wucht in ihre Handtasche pfefferte.
„Sie ist hart", sagte Dani anerkennend.
„Ob das so gut für uns ist…" murmelte Phee leise, darauf Bedacht, keine Aufmerksamkeit zu erregen und Mandys Zorn auf sich zu ziehen.
Dani lachte. „Ach komm, sei nicht so pessimistisch. Ist doch gut, wenn wir eine starke Frau haben, hinter der wir uns im Zweifelsfall verstecken können."
Phee hätte beinahe geschnaubt. Sie kannte keinen Menschen, der es sowenig nötig hatte, sich hinter jemandem zu verstecken wie Dani. Außer vielleicht Danis Eltern. Und ihrer großen Schwester. Aber das waren ja auch ihre Verwandten, die zählten nicht.
„So, hier sind wir auch schon", riss Mandy Phee aus ihren Gedanken. Als diese aufblickte, klappte ihr erstmal die Kinnlade runter. Vor ihnen stand ein sündhaft teuer aussehender Wagen mit verdunkelten Fenstern, der vor Klasse und Eleganz nur so funkelte.
„Mal sehen, wie wir euer Gepäck hier unterkriegen." Allerdings hatte er einen sehr kleinen Kofferraum. Mandy runzelte die Stirn. „Ihr habt ganz schön viel mit, was?"
„Na ja, wir sind ja auch eine Woche unterwegs." verteidigte Dani sich und Phee.
Mandy lachte. „Ich meinte damit auch eigentlich, dass ihr gepackt habt wie richtige Mädchen." Sie zwinkerte ihnen zu. „Was ja auch gar nicht falsch ist. Ihr seid jetzt schließlich in L.A." Phee fand, dass Mandy vielleicht doch ganz sympathisch sein könnte, und lächelte ihr vorsichtig zu.
Nachdem sie das Gepäck notdürftig auf den Kofferraum und den restlichen Platz im Auto verteilt hatten, sahen die Mädchen zum ersten Mal im Leben etwas von der Stadt der Engel.
„Oder auch der Stadt der Aliens", meinte Mandy lachend, „Wenn New York der Welt gehört, und Chicago den Amerikanern, dann gehört L.A. eindeutig den Außerirdischen." Damit begann eine Führung durch die Geschichte und Eigenheiten der Stadt in so vielen Details, dass Phee sich kaum die Hälfte merken konnte.
Dani hatte schon nach wenigen Minuten abgeschaltet und starrte mit großen Augen aus dem Fenster. Um nicht unhöflich zu wirken, stellte Phee immer wieder kleine Zwischenfragen, auf die sie immer einen ganzen Schwall neuer Informationen bekam.
Irgendwann fiel selbst Mandy nichts mehr ein, und sie schaltete das Radio ein. Während hinter den Fenstern die Landschaft vorüber zog, sanken Phees Augen trotz aller Anstrengung immer wieder zu. Schließlich gab sie es auf und ließ sich von Bob Marley ins Reich der Träume begleiten.
„Phee! Wach auf!" Unsanft wurde Phees Arm gerüttelt. „Noch fünf Minuten", murmelte sie. Sollte ihr Bruder doch selbst mit Nunchuk Gassi gehen.
„Phee! Komm schon, wir sind da!" Da? Wo war da? Verwirrt öffnete sie die Augen.
„Oh, Dani, du bist's", murmelte Phee verschlafen und setzte sich auf, „Dachte, du wärst Nick."
Dani rollte mit den Augen. „Sehr schmeichelhaft, mich für deinen Bruder zu halten." Sie riss die Tür auf und stieg aus. „Komm raus da, Phee, dann siehst du, wo wir wohnen."
Blinzelnd kramte Phee Jacke und Rucksack zusammen und kroch ans Tageslicht. Sie standen auf dem Parkplatz eines großen Gebäudes, dass sie nach einigen Momenten als Hotel erkannte. Mandy drückte ihr ihren Koffer in die Hand. „Wir müssen pünktlich einchecken, sonst ist das Zimmer weg", drängte sie zur Eile.
Vor dem Eingang blieb Phee stehen und schielte nach oben. Groß und golden thronte da der Schriftzug des Hotels. Palm Woods also. Hoffentlich hielt die Fassade, was sie versprach. Langsam ging sie Mandy und Dani hinterher und betrat das Hotel.
Die Eingangshalle sah gut aus, mit gemütlichen Sitzecken und einer eleganten Rezeptionstheke. Mit zielstrebigen Schritten ging Mandy darauf zu und drückte nachdrücklich auf eine altmodisch wirkende Klingel. Nichts rührte sich.
Mandys Augenbraue zuckte leicht, aber sie sagte nichts. Ungeduldig drückte sie mehrere Male hintereinander. Wieder passierte nichts. Gerade drehte sie sich zu den Mädchen um, die wartend hinter ihr standen, als eine riesenhafte Gestalt unter der Theke hervorsprang und mit einem Hammer herumfuchtelte. Entsetzt schrie Mandy auf, und auch Dani entfuhr ein Schreckenslaut. Phee ihrerseits guckte einfach nur verdattert. Der Mann, der sich vor ihnen aufgebaut hatte, hatte mehr Haare auf dem Kopf als Dani und sie zusammen.
Mandy schrie immer noch und bewegte sich keinen Millimeter.
Da kam unter der Theke ein kleines Mädchen hervor, zog sich an der Platte hoch und versetzte ihr eine schallende Ohrfeige.
Sofort klappte Mandys Mund zu und sie betrachtete das Kind vor ihr mit großen Augen. „Danke…glaub ich." Ihre Stimme zitterte leicht. Dani kicherte nervös und auch Phees Mundwinkel zuckten. Die ganze Situation war einfach zu merkwürdig.
Das Mädchen zuckte mit den Schultern und strich sich die langen rotbraunen Haare aus dem Gesicht. „Keim Problem, gehört zum Service. Die Gäste müssen sich immer wohl fühlen können. Und wenn Sie eine Panikattacke haben, fühlen Sie sich ja auch nicht wohl."
Mandy fuhr sich über die perfekt sitzenden Haare. Als sie sprach, hatte sie ihre Stimme wieder voll unter Kontrolle. „Du arbeitest hier? Bist du dafür nicht etwas zu jung?"
Mit einem beinahe herablassenden Ausdruck sah das Mädchen Mandy an. „Ich helfe Buddha Bob hier ein bisschen mit der Arbeit, mehr nicht", sie zeigte auf den Mann mit dem Hammer.
Er hob die Hand und seine Lippen schienen sich unter dem Vollbart zu seinem Lächeln zu verziehen.
Von irgendwoher erklang eine sonnig klingende Gitarrenmelodie, die in Phee plötzlich die Sehnsucht nach einem ruhigen Nachmittag am Strand weckte.
„Hey, Guitar Dude", das Mädchen nickte jemandem zu.
„Hey Katie, Buddha Bob. Wie gefällt euch meine Buddha-Bob-Titelmelodie?" fragte eine angenehme Stimme hinter ihnen. Langsam drehte Phee sich um. Da stand ein Junge mit Gitarre in der Hand und grinste. Seine Haare fielen ihm locker auf die Schultern und verdeckten seine Sonnenbrille, die wiederum seine Augen verdeckte. Phee schüttelte innerlich den Kopf. Warum trug jemand in einem Gebäude eine Sonnenbrille? Sie warf Dani einen Blick zu, aber die starrte den Jungen einfach nur an.
„Eine Titelmelodie für mich?" Der Riese klang gerührt. „Klar, Mann. Deine Arbeit muss auch mal gewürdigt werden." Der Junge hob seine Hand und Buddha Bob klatschte ein.
„Apropos Arbeit", sagte Mandy mit säuerlicher Stimme und wandte sich Katie zu, „Gibt es hier eigentlich auch einen Rezeptionisten?"
Über Katies Gesicht huschte ein beinahe schon bösartiges Lächeln, dann war sie schlagartig ernst. „Das mache ich heute. Mr. Bitters, der Manager, ist… unabkömmlich."
Ohne auf Mandys Protest zu achten, begann sie etwas in den Computer einzutippen. „Sie haben reserviert?" fragte sie ganz im geschäftigen Ton einer Person, die weiß, was sie tut.
Mit einem Seufzer der Resignation begann Mandy, die benötigten Daten herunter zu leiern.
Phee nutzte die Pause, um mit Dani zureden. „Ein bisschen…äh…komisch sind die Leute hier schon, oder?" Komisch kam noch nicht mal annähernd nah dran. Schräg (Guitar Dude)oder absolut durchgeknallt (Buddha Bob) passte wohl besser. „Findest du?" seufzte Dani. „Also ich find es hier ganz wundervoll." Vom träumerischen Unterton ihrer Freundin irritiert, folgte Phee Danis Blick.
„Nein, Dani, bitte sag, dass das nicht wahr ist", stöhnte Phee auf, „Dieser Guitar Dude? Wirklich?" Ungläubig sah sie Dani an. Die hing mit ihrem Blick komplett an Guitar Dude, der sich auf einem der Sofas zu ein paar Leuten gesetzt hatte. „Wir sind nur eine Woche hier, Dani."
Etwas ärgerlich sah Dani sie an. „Weiß ich doch. Aber gucken darf man ja wohl, oder?"
Ein katzenhaftes Grinsen schlich sich auf ihr Gesicht. „Und vielleicht auch mal…"
„Nein!" unterbrach Phee sie streng und kreuzte die Arme vor der Brust. „Gucken ja, anfassen nein, erinnerst du dich noch?" Mit Schmolllippe sah Dani sie an. Phee schüttelte bloß den Kopf. „Es war deine eigene Regel. Keine Ablenkung von der Arbeit und so."
Wahrscheinlich sahen sie beide grade ziemlich albern aus. Das große Mädchen, das mit bettelndem Blick auf die Kleinere hinunterblickte, die mit ihrem besten „Pfui, das darfst du nicht"-Blick dagegenhielt. Unwillkürlich zuckten ihre Mundwinkel. Dani schien den gleichen Gedanken zu haben, denn sie kicherte ein bisschen. Die beiden sahen sich an und begannen lauthals zu lachen.
„Also gut, nicht anfassen", gluckste Dani, „Sonst gehen die Ausstellungsstücke noch kaputt." „Den Schaden zahlt keine Versicherung", prustete Phee und hielt sich beinahe erschrocken über das Geräusch die Hand vor den Mund. Sie sah zu Dani auf und eine Lachsalve war nicht mehr aufzuhalten.
„Mädchen, was macht ihr denn da?" Etwas hilflos betrachtete Mandy die beiden. Dani kicherte. „Museum…Gucken", stotterte sie in einem verzweifelten Versuch, einen Satz zu formen. Phee wischte sich die Tränen aus den Augen und rang nach Luft. „Der…Der Schaden", brachte sie hervor.
Mandy blickte von einer zur anderen, wechselte einen Blick mit Katie, die nur mit den Schultern zuckte, und sah dann seufzend auf ihr Klemmbrett. „Ich zeig euch jetzt einfach euer Zimmer, damit ihr auspacken könnt, okay?"
Phee hatte ihre Atmung wieder halbwegs unter Kontrolle und nahm ihren Koffer in die Hand. Sie bemühte sich, Dani nicht anzusehen, weil sie genau wusste, dass dann das Ganze wieder von vorne anfangen würde.
Als sie zu den Aufzügen ging, wurde ihr bewusst, dass ihr Lachanfall für Aufmerksamkeit unter den Hotelgästen in der Lobby gesorgt hatte. Sie spürte, wie sie langsam aber sicher, rot wurde. Schnell sah sie auf den Boden, um ihr brennendes Gesicht vor den Blicken zu verbergen.
Unglücklicherweise hingen ihr aber die Haare vor die Augen, sodass sie das Paar Füße vor sich erst sah, als ihr Kopf mit etwas kollidierte. Einen Moment lang starrte sie einfach nur auf die abgewetzten Sneaker, dann wurde ihr langsam bewusst, was passiert war. Sie hob den Kopf und falls weit aufgerissene Augen für Überraschung standen, dann stand sie einem Jungen mit sehr überraschtem Gesichtsausdruck gegenüber.
„Tut mir leid", stotterte Phee, „Hab dich nicht gesehen." Der Junge runzelte die dunklen Augenbrauen und sah jetzt etwas verwirrt aus. Als Phee sich umsah, realisierte sie, dass die Lobby bis auf die Sofas so gut wie leer war. Sie hätte ihn sehen müssen. Innerlich ohrfeigte sie sich. Sonst war sie doch auch nicht so tollpatschig.
„Äh, hab nicht aufgepasst", erklärte sie hastig, „Tut mir echt Leid." Damit ging sie um ihn herum und rauschte auf die Aufzüge zu, wo Mandy mit ungeduldigem Gesichtsausdruck und Dani mit breitem Grinsen auf sie warteten.
Sobald sich die Türen hinter ihr schlossen, brach Dani in lautes Gelächter aus. „Ich hab dich nicht gesehen? Phee, du bist wirklich die einzige, die ich kenne, die blind an einem gutaussehenden Typen vorbeiläuft. Oder sogar in ihn rein."
Genervt von sich selbst, aber auch von Danis Taktgefühl (sprich, keinem), verschränkte Phee einfach nur stumm die Arme.
„Guck nicht so. Der war doch eigentlich voll dein Typ", lachte Dani, „Er hat in so einem dicken Schmöker gelesen. Deswegen ist er dir nämlich auch nicht ausgewichen."
Mit einem Augenrollen ließ Phee sich dazu herab, ihr zu antworten. „Woher willst du denn wissen, dass er mein Typ ist?" Sie fühlte sich nicht sonderlich wohl dabei, ihre Präferenzen in Sachen Jungen vor Mandy, also praktisch einer Fremden zu diskutieren, aber sie wusste, dass Dani nicht lockerlassen würde, bis sie eine Reaktion bekam.
„Buch, ordentlich angezogen, typischer netter Junge von nebenan", war Danis einfache Antwort.
„Dir ist die Hitze zu Kopf gestiegen", sagte Phee ausweichend und zog die Augenbrauen hoch.
„Hitze? Was für eine Hitze? Chérie, ich wurde heiß geboren!"
Erleichtert über die Chance auf ein anderes Gesprächsthema, begann Phee einen freundschaftlichen Streit darüber, ob der Hitzefaktor ihrer Freundin wörtlich oder im übertragenen Sinne zu verstehen war. Zwar hatte sie ein bisschen schlechtes Gewissen, dass sie Dani ausgewichen war, doch so sehr sie ihre Freundin mochte, sie sprach einfach nicht gern über private Dinge, wenn andere mithören konnten.
A/N: LAX: offizielle Abkürzung für „Los Angeles International Airport"
Das mit L.A., NYC und Chicago ist laut meiner Mutter eine relativ gängige Redewendung in den USA. Ich übernehme keine Garantie *lach*
an meine liebe Reviewerin Sophie loves Music and Writtin: Vielen Dank erstmal fürs Review! Ich hoffe doch, die Frage, worum es geht ist beantwortet. zumindest ein bisschen, alles kann ich ja auch nicht verraten :D
