Kapitel 2: Helms Klamm

2. März 3019 D.Z. (Ödland)

„Seid ihr von allen guten Geistern verlassen, Weib?" Éomer konnte sehen wie Amáries grüne Augen bei dem Wort Weib fast aus ihrem Kopf zu springen drohten und sie ihn mit einem mörderischen Blick betrachtete, der einen geringeren Mann hätte zurück weichen lassen.

In den vier Tagen in denen er sie kannte, hatte er die meiste Zeit damit verbracht sich mit ihr zu streiten. Éomer konnte sich selbst nicht erklären warum, aber irgendwas an der dunkelhaarigen Waldläuferin brachte sein Blut zum kochen. Gewöhnlich dauerte es keine fünf Minuten und sie waren in ein hitziges Wortgefecht verwickelt das nur den kleinsten Funken bedurfte um über zu kochen. Sehr zur Belustigung seiner Männer, denen sie offensichtlich in der kurzen Zeit ans Herz gewachsen war und die Unterhaltung zu schätzen wussten.

Verräter allesamt, dachte er schnaubend. Nicht mal auf seine eigenen Männer konnte man sich mehr verlassen.

Zugegeben sie hatte sich als nützlich erwiesen. Sie konnte kämpfen, reiten, kleinere Wunden versorgen und scheute sich nicht sich die Hände schmutzig zu machen um zu helfen. Er hatte sie sich nie beklagen hören und von allem was er von seinen Männern hörte war sie genügsam und machte keinerlei Probleme. Im Gegenteil sie hatte sich zudem als hervorragende Fährtenleserin heraus gestellt und es war ihr zu verdanken das sie den zweite Gruppe Uruks aufgespürt hatten.

Nichts desto trotz war er alles andere als begeistert davon das sie alleine ein paar der stinkenden Viechern nach geeilt war ohne auf Verstärkung zu warten.

„Sie wären entkommen, wenn ich ihnen nicht hinterher wäre!" Fauchte sie und konnte ganz offensichtlich nicht erkennen wo sein Problem lag. Zugegeben er auch nicht. Er hätte nicht einen seiner Männer dafür gerügt, hätten sie das gleiche getan. Wohl aber Éowyn. Frauen hatten in einem Kampf nichts verloren – es war viel zu gefährlich!

„Das war leichtsinnig und dumm!"

„Oh, aber in eine Horde Uruks lediglich mit einem Speer bewaffnet hinein zu reiten ist es nicht?"

„Das ist etwas anderes!"

„Oh warum?" Zischte sie. „Weil ihr ein Mann seid?"

„Ganz genau!" Platzte er heraus und konnte der Faust die auf ihn zuraste nicht mehr rechtzeitig ausweichen, bevor sie mit voller Wucht unter seinem Kinn landete und er taumelte.

Für eine Frau hatte sie einen hinterhältigen rechten Haken, der so manchen Mann vor Neid erblassen lassen würde. Allerdings auch einen Wortschatz den mancher Mann noch nicht gehört hatte.

„Ihr arroganter, eingebildeter, nichtsnutziger, un-" Begann sie und endete in einem lang gezogenem Schrei als er sie packte und über die Schulter warf.

„Was fällt euch ein!" Brüllte sie und begann ohne zu zögern auf seinen Rücken ein zuhämmern,der glücklicherweise von seiner Lederrüstung geschützt wurde.

„Lasst mich sofort herunter ihr -" Von da an wechselte sie in eine Sprache die er zuvor noch nie gehörte hatte, aber so schön sie auch klingen mochte ihm war die Beleidigung doch heraus zu hören.

Das Gelächter der anderen Reiter schien ihren Wutausbruch nur zu beflügeln und wahrscheinlich konnte er froh sein, dass sie nicht einfach eins ihrer Schwerter zog und ihn mit scharfer Klinge angriff.

„Éomer," spukte sie seinen Namen förmlich aus, während er seinen Weg mit ihr unter den Augen der anderen fortsetzte. „Lasst mich auf der Stelle hinunter sonst-"

„Sonst was Falawyn?" Zog er sie mit dem Spitznamen auf den er ihr gegeben hatte. Es war ein Wort das die Rohirrim für außergewöhnliche aber sture und widerwillige Fohlen benutzten. Treffend wie er fand. „Wollt ihr weiterhin schwach wie ein Mädchen auf mich einschlagen? Oh das hab ich vergessen...ihr sein ein Mädchen!"

Faeg rhavan!" Keifte sie und dieses Mal gab es kein Vertun das es eine Beleidigung war die da ihren Mund verließ. Dicht gefolgt von einem weiteren Schwall unverständlicher Wörter.

Bado an glamog!" Sie wehrte sich nach Leibeskräften, doch trotz ihrer hochgewachsenen Gestalt und leichter Lederrüstung war sie immer noch leicht genug um sie spielend festzuhalten.

„Ihr solltet euch abkühlen, Herrin. Ich befürchte eurer Gemüt benötigt ein Bad!" Verkündete er ihr mit einem ersticktem Lachen als das Gezappel noch zunahm. Offensichtlich hatte sie erst jetzt bemerkt, dass er sie in Richtung des Flusses getragen hatte.

„Éomer, wenn ihr es wagen sollte-"

Er wagte. Mit einem zufriedenem Lächeln lauschte er als sie mit einem lauten Platschen im Fluss landete bevor er sich herumdrehte und sich aus den Staub machte. Ihr Geschrei und ihre Drohungen es ihm heimzuzahlen übertönten das Gelächter seiner Männer ohne Probleme und verhallte auch nicht so schnell in den nächsten Minuten.

Für den Rest des Tages war es wohl besser ihr aus dem Weg zu gehen.


Obwohl weit hinter ihm konnte er Amáries mörderische Blicke praktisch in seinem Rücken spüren und grinste. Laut Élodain hatte es nach ihrem unfreiwilligen Bad drei Männer gebraucht um sie davon abzuhalten ihm hinterher zu stürmen. Und wie sein Freund ihm beteuerte war er ihm etwas schuldig, ihr jegliche Mordpläne ausgeredet zu haben.

„Mein Herr-" Begann Élodain nachdem er sein Pferd neben ihm in den Schritt einfallen ließ.

„Lass den Unsinn Élodain!" Es gab nur zwei Gründe warum sein Freund ihm bei seinem Titel ansprach. Entweder sie waren unter Fremden oder er wollte ihn ärgern. In der Einöde der Riddermark traf wohl eindeutig letzteres zu.

„Du solltet sie dir nicht zum Feind machen, Éomer. Sie hat ein bemerkenswertes Temperament und unglücklicherweise die Fähigkeiten einem Mann das Leben sehr schwer zu machen, wenn sie es darauf anlegt."

Schnaubend dachte er an den Schwall lautstarker Beleidigungen zurück den sie von sich gegeben hatte.

„Ich rede nicht von ihrer spitzen Zunge, sondern von der Spitze ihres Schwertes. Ich sähe dich ungern aufgespießt, wenn ich einmal nicht in der Nähe bin um dir das Leben zu retten!" Erklärte sein Freund ihm grinsend und erntete nur erneutes Schnauben.

Élodain hatte es sich schon früh zur Aufgabe gemacht sein Leben mit unpassenden Kommentaren zu erheitern. Während die meisten ihn als Herrführer zu schätzen wussten und ihm jederzeit in den Tod folgen würden, war er doch noch immer der Neffe des Königs. Ein Umstand der nie wirklich völlig in den Hintergrund rückte und es ihm nicht immer leicht gemacht hatte. Éomer hatte nie etwas anderes sein wollen, als Reiter der Rohirrim um sein Land zu verteidigen. Sein Leben war draußen, auf dem Rücken eines Pferdes mit Sperr in der Hand und Schwert an der Seite. Nicht in Hallen Meduseld, auf einen Thron.

Doch jetzt mit Théodreds Tod, war er der nächste in der Thronfolge. Kein Umstand der ihn besonders glücklich machte. Damit waren seine Hoffnungen auf ein einfacheres Leben und Familie dahin. Der Tod seines Cousins hatte die Kluft zwischen ihm und seinen Männern nur erweitert.

Sie verehrten und respektierten ihn, aber er konnte niemals nur einer von ihnen sein.

Élodain hatte sich nie sonderlich für seinen Rang interessiert und war ein Freund seit Kindheitstagen. Sein einziger und er wusste ihn zu schätzen.

„Du magst sie!" Unterstellte sein Freund ihm nun und Éomer konnte sich denken wie seine grauen Augen belustigt dabei funkelten.

„Sie ist unvernünftig, aufbrausend und unverschämt, wie kommt du darauf das ich sie mag?"

Grinsend musterte er ihn für einen Moment bevor er seinen Blick wieder nach vorne richtete, doch auch aus den Augenwinkeln konnte Éomer erkennen das er sein Grinsen nicht verlor.

„Und hübsch!" Fügte sein Freund hinzu, doch bevor Éomer auffahren konnte redete er weiter. „Wenn du sie nicht mögen würdet, würdest du nicht so viel Kraft und Zeit darauf verwenden dich mit ihr zu streiten. Neben deiner Schwester scheint sie mir die erste Frau zu sein, die dir die Stirn bietet und sich weder durch deine Titel einschüchtern lässt, noch durch Hoffnungen auf eine gute Partie alles tut was du willst."

„Sie würde sich wahrscheinlich eher die Zunge abbeißen, als mir auch nur zuzustimmen!" Bemerkte er, stimmte Élodain aber im Stillen zu. Bei Amárie musste er wohl nicht befürchten das sie irgendwelche Heiratspläne verfolgte oder vor seiner Befehlsgewalt zurück schreckte. Sie behandelte ihn nicht besser als jeden anderen Mann. Genau genommen wohl eher schlechter als die meisten anderen. Zugegeben nicht ganz ohne Grund.

„Das würde sie. Aber so wie du sie behandelst, sollte dich das nicht verwundern!" Lachte Élodain. „Es war nicht sehr schlau von dir, ihr vorzuwerfen als Frau in die Schlacht zu ziehen. Für ein Mädchen scheint sie sie mir recht wehrhaft," Verkündete sein Freud belustigt und nach einem schnellen Seitenblick zu seiner aufgesprungenen Lippe. „Und treffsicher!"

„Sie ist unberechenbar!" Nicht mal seine Schwester hatte ihm in seinem Leben mehr als eine Ohrfeige verpasst. Ein rechter Haken und dann auch noch von einer Frau, war eine neue Erfahrung und keine sehr angenehme. Dennoch musste er ihr ihren Mut und ihre Willensstärke anrechnen. Selbst die meisten Männer würde es nicht wagen ihn tätlich anzugreifen, ganz zu schweigen von irgend einer Frau.

„Ja das ist sie! Und so wie sie dich mit Blicken durchbohrt solltest du schnell ein paar Orks und Uruks aufspüren, an denen sie ihren Ärger auslassen kann!"


Bis zum Abend hatten sie in der Tat ein paar wenige Orks aufgespürt und vernichtend geschlagen. Aber die Gruppen waren klein, fast so als hätten sie sich verirrt und irrten ziellos über das Land. Seid Éomer Edoras verlassen hatte, war eine Veränderung deutlich zu spüren gewesen. Ein Sturm zog auf, gewaltiger als das Land es zeit Jahren gesehen hatte und schon bald würde sich das Chaos ausbreiten.

Sie hatten ihr Nachtlager aufgeschlagen und während er eine karge Mahlzeit verschlang lauschte er den besorgten Gesprächen seiner Männer. Alle hatten das aufziehende Unheil gespürt und für viele war es der Grund gewesen mit ihm zu ziehen. Aber so deutlich wie am heutigen Tage hatten sie es noch nicht zu spüren bekommen.

„Wie ist Rohan so?" Die Frage kam unvermittelt und als er aufblickte sah er überrascht in das Gesicht von Amárie. Der lange Ritt und die wenigen Orks hatten offenbar ausgereicht um ihr hitziges Gemüt zu dämpfen. Nichts in ihrer Erscheinung ließ darauf schließen, dass sie immer noch Groll gegen ihn hegte. Und Éomer war zu müde als das er bereit gewesen wäre Streit zu beginnen.

Nichts desto trotz überraschte ihn die Frage und sie schien sein Zögern falsch aufzunehmen.

„Verzeiht das ich euch gestört habe."

„Wartet!" Erwiderte er hastig und überraschte sich selbst damit. Tatsächlich blieb sie stehen und nach einem Moment des Zögerns drehte sie sich schließlich herum und setzte sich zu ihm. Ein ungewohntes Schweigen machte sich zwischen ihnen breit, das ihn nervöser machte als er zugeben mochte. Seit sie sich kennen gelernt hatten, hatten sie es keine fünf Minuten ohne Streit geschafft und nun schien es so als wäre keiner gewillt, den derzeitigen Frieden mit unbedachten Worten zu brechen.

„Was möchtet ihr wissen?" Durchbrach er schließlich die Stille.

„Wie ist es dort? Wie sind die Leute? Die Stadt? Stimmt es das ihr selbst eure Pferde beerdigt?"

Verdutzt und überrascht von dem plötzlichen Schwall der Fragen blickte er sie an. Neugierde und Wissenshunger standen ihr deutlich ins Gesicht geschrieben und die Frau vor ihm schien nicht die selbe, die ihm noch am Morgen geschlagen und beleidigt hatte. Doch gleichzeitig erfreute es ihn zu sehen, das eine Fremde ehrlich interessiert an seiner Heimat zu sein schien.

„Es stimmt, das wir die besten und stärksten unserer Pferde mit einem Grab ehren und ihrer gedenken."

„So wie Felaróf?" Hakte sie nach und verblüffte ihn.

„Ihr habt von den Mearas gehört?"

„Mein Onkel hat mir einmal davon erzählt, dass sie die schönsten Pferde Mittelerde sein und das Felaróf der erste war, aber mehr wusste er nicht zu berichten."

Noch immer erstaunt musterte er sie. Im Schein des Feuer war es schwer etwas genaueres auszumachen, aber es war deutlich, dass sie interessiert daran war mehr zu hören.

„Einer der Vorfahren meines Volkes – Léod – Herrscher der Éothéod war bekannt für sein Geschick mit wilden Pferden. In den nördlichen Anduintälern fand er ein weißes Fohlen welches er einfing und das zu einem starken, schönen und stolzen Pferd heran wuchs." Begann er die Geschichte die er und seine Schwester sich jeden Abend hatten erzählen lassen bevor sie sich ins Bett schicken ließen. „Doch anders als die anderen Pferde, ließ sich dieses nicht zu zähmen und als Léod es wagte aufzusitzen, trug das Pferd ihn hinfort und warf ihn ab. Léod starb da er mit seinem Kopf gegen einen Stein schlug und sein Sohn Eorl wollte Rache für seinen Vater."

Amárie hing gebannt an seinen Lippen und er musste beinahe grinsen über so viel kindliche Neugierde für eine einfache Geschichte. Doch Éomer selbst fand Trost in den bekannten Worten und fühlte sich seiner Heimat näher als seit langem, während er ihr von den stolzen Pferden Rohans erzählte.

„Er nannte das Tier Mannsfluch und suchte viele Jahre nach ihm und als er es schließlich fand, rechneten seine Gefährten damit, das er das Tier mit Pfeil und Bogen töten würde. Doch statt zu tun was er Jahre lang erträumt hatte, taufte er das Tier auf den Namen Felaróf und verlangte Wehrgeld für den Tod seines Vaters. Felaróf sollte seine Freiheit aufgeben und sich ihm fügen." Erzählte Éomer und bemerkte das er inzwischen mehrere Zuhörer gefunden hatte. Und obwohl seine Männer die Geschichte ebenso häufig gehört haben mussten wie er, lauschten sie gern.

„Felaróf fügte sich und ließ Eorl fortan ohne Sattel und Zügel auf ihm reiten, jedoch keinen anderen. Man sagt er konnte unsere Sprache verstehen, war Stärker als andere und wusste Gefahr zu wittern, was Eorl oft das Leben rettete."

„Was passierte mit ihm?" Hakte sie nach, als er offenbar nicht schnell genug weiter sprach.

„Er fiel zusammen mit Eorl in der Schlacht im Ödland. Beide wurden zusammen in einem der Hügelgräber vor Edoras beerdigt." Amárie wirkte so niedergeschlagen über den Tod des Tieres das er eilig etwas erfreulich hinzufügte. „Seine Nachfahren leben heute noch in der Riddermark und lassen sich nur vom König der Mark und seinen Söhnen reiten." Das brachte wie erhofft einen erfreuten Ausdruck auf ihr Gesicht zurück und Éomer fühlte sich merkwürdig Stolz über diese kleine Tat.

„Meint ihr ich werde einmal eins zu sehen bekommen?"

„Vielleicht!" Éomer vermochte es nicht über sich zu bringen, seine Hoffnungslosigkeit für die Lage Rohans und allen seinen Einwohnern, ob Mensch oder Tier, in Worte zu kleiden. Der nächste Morgen würde genügend Leid mit sich bringen ohne das er sie heute Abend daran erinnerte.

Offensichtlich zufrieden mit seiner Antwort dankte sie ihm für die Geschichte.

Die nächste Stunde hörte Éomer schweigend zu während einige seiner Männer, offenbar erfreut über die angenehmen Erinnerungen, ihr von ihrer Heimat erzählten. Sie erzählten ihr von alten Legenden und einfachen Dingen wie dem Aussehen der Häuser und der Kleidung der Leute, doch die Waldläuferin schien alles gierig in sich aufzusaugen und fand eine Menge Fragen von denen er nie gedacht hatte, das sie jemanden interessieren konnten.

Doch als er in dieser Nacht die Augen schloss, träumte er zum ersten Mal seit langer Zeit wieder von der Schönheit seiner Heimat, statt der Dunkelheit die sie befallen zu haben schien.


3. März 3019 D.Z. (Ödland)

Bis zum späten Nachmittag des nächsten Tages passierte nichts weiter. Weder entdeckten sie Orks auf den Ländereien noch anderes Geviehs. Nicht einmal Éomer und Amárie stritten sich, wie in den vergangenen Tagen ununterbrochen. Doch Élodain reichten fünf Tage in ihrer beider Gesellschaft aus um zu wissen, das der neu gefundene Friede zwischen den beiden nicht lange halten konnte.

So lange sie zu Pferd unterwegs waren, schafften sie es in der Regel sich aus dem Weg zu gehen und sich anzuschweigen, sobald sie jedoch ihr Lager aufschlugen war es vorbei mit der Ruhe. Inzwischen hatte er den Eindruck, dass der Rest der Männer sich diesen Pausen schon entgegen sehnten. Fest stand jedenfalls das sie beide unfreiwillig unterhaltsam waren und somit einen der schlimmsten Gegner hier draußen erschlugen: Langeweile.

Die war sicher nicht mehr aufgekommen, seit die Waldläuferin und der Dritte Marschall der Riddermark aufeinander getroffen waren.

Élodain grinste, als er vom Pferd sprang und Éomer beobachtete wie er seinen Blick suchend über die Reiterschar gleiten ließ. Wahrscheinlich war ihm selbst nicht bewusst, dass er das vom ersten Tag ihrer Ankunft getan hatte.

Éomer und er waren seit Kindheitstagen an befreundet und er kannte ihn gut. Théodens Neffe war ein sturer, grimmiger Mann der loyal zu seinem König stand und ein guter Herrführer war. Häufig fehlte ihm die Geduld mit Menschen, die er seinen geliebten Pferden entgegen zu bringen vermochte und nur selten war er gezwungen Kompromisse zu schließen, statt einfach seinen Willen durchzusetzten.

König Théoden, sein Sohn und Éowyn waren gewöhnlich die einzigen mit denen er sich wirklich auseinander setzten musste, aber selbst seine Schwester bot ihm nicht so störrisch die Stirn wie Amárie es tat. Wahrscheinlich weil Éowyn den Dickschädel ihres Bruders zu gut kannte um sich all zu oft daran die Zähne auszubeißen.

Amárie jedoch war mindestens ebenso stur wie der Marschall selbst und ließ sich weder durch seine Stellung, noch durch seine Person einschüchtern. Élodain konnte nur hoffen, dass sie länger mit ihnen reisen würde. Es war längst überfällig das sein Freund jemanden fand der ihn auf Trab halten konnte.

Éomer mochte zwar über sie fluchen und sich mit ihr streiten, aber Élodain wusste das er sie mochte. Ob er es zugab oder nicht spielte keine Rolle. Éomer liebte Herausforderungen und schätzte einen starken Willen, ebenso wie Mut und Geschick. Amárie besaß all das und sicherlich mehr. Zudem war sie hübsch anzusehen, mit ihrem mitternachtsschwarzem Haar und den grünen Augen die Funken zu sprühen schienen, wenn sie sich aufregte.

Mehr als ein Mann in der Reiterschar warf ihr mehr als nur einen flüchtigen Blick zu, wenn auch nur weil sie nicht häufig eine Frau mit solch dunklem Haar zu Gesicht bekamen. Die Frauen aus Rohan waren zu meist goldblond oder besaßen helles braunes Haar, jedoch hatte er noch keine getroffen deren Schopf so düster wie die Nacht selbst war.

Für eine Frau war sie außerdem recht hochgewachsen, sogar ein wenig größer als die Frauen seines Volkes und besaß den schlanken und trainierten Körper einer Person die es gewohnt war zu kämpfen und im freien zu leben.

In ihrer momentanen Lage konnten sie sich glücklich schätzen, über eine Frau gestolpert zu sein, die sich zu verteidigen wusste.

Für den Moment schob er seine Gedanken beiseite und machte sich daran sein Pferd zu versorgen bevor er sich anderen Aufgaben zuwendete die erledigt werden mussten. Ein paar der Männer die ausgeschickt worden waren um zu jagen, waren am frühen Morgen zu ihnen gestoßen und er musste zusehen, dass die Beute gerecht verteilt wurde.

Es war sicherlich über eine Stunde später als er schließlich, angelockte von Lärm, zu seinem Pferd zurück fand. Er seufzte als er näher kam. Die Stimmen kannte er.

Wie nicht anders zu erwarten, waren Éomer und Amárie damit beschäftigt sich anzubrüllen. Élodain musste sich regelrecht nach vorne durch kämpfen um einen genaueren Blick auf die Dinge zu erlangen.

„Worum geht es dieses Mal?" Fragte er einen ihm nur flüchtig bekannten Reiter.

„Spielt das bei den beiden eine Rolle?"

„Nein, wohl eher nicht!"

Aus den Wortfetzen war jedenfalls nichts deutliches heraus zu hören, aber so wie sie dastanden war klar das keiner von ihnen nachgeben würde und Amárie konnte sich glücklich schätzen, wenn sie nicht wieder im Fluss landen würde.

Ein paar Minuten später wurde es den meisten wohl zu bunt und sie wandten sich kopfschüttelnd aber grinsend wieder ihren Aufgaben zu.

„Jemand sollte sie mal übers Knie legen!" Schnaufte ein Mann nicht weit von ihm entfernt und Élodain grinste als er die Antwort eines anderen hörte.

„Ich bin sicher das haben schon viele versucht. Entweder sie sind gescheitert oder sie haben es nicht überlebt. Meine Münzen liegen auf letzterem."

„Sie ist eine Frau, sie sollte sich daran erinnern wo ihr Platz ist und ihre Zunge hüten!"

Élodain war klar, dass nicht alle begeistert von ihr sein konnten und der ein oder andere Schwierigkeiten hatte sich damit abzufinden, dass sie nicht wie andere Frauen Heim und Herd als ihre Aufgabe ansah.

„Ich verstehe nicht warum der Marschall sich das von ihr gefallen lässt."

„Und was sollte er dagegen tun?" Der zweite Mann schien die Meinung seines Kameraden nicht zu teilen. „Worte und Drohungen scheinen bei ihr keine Wirkung zu haben und ein Bad im Fluss vermag ihr Temperament nur kurzzeitig abzukühlen."

„Vielleicht sollte er sie lieber ersäufen!" Schnappte der andere und Élodain ließ seinen Blick kurzzeitig von dem streitenden Pärchen zu den beiden Männern schweifen.

„Du solltest deine Zunge im Zaum halten, sonst könnte sie dir verloren gehen. Sie mag ein hitziges Gemüt besitzen und ein ungewöhnliches Leben für eine Frau gewählt haben, doch sie versteht ihr Handwerk. Sie hat bereits mehr als einem von uns beiseite gestanden und weiß ihren Aufgaben ohne Gezeter nachzukommen. Das ist mehr als man von anderen sagen kann."

Der andere schien nicht begeistert von der Ansprache doch schien die Wahrheit der Worte nicht abstreiten zu können, auch wenn sie ihm nicht gefiel.

„Wie könnt ihr es wagen! Ihr wollt von Königen abstammen? Jeder Stallbursche weiß sich besser zu benehmen als ihr!"

Amáries fauchende Stimme durchschnitt die Luft wie eine Klinge und er war dabei sich wieder dem Spektakel vor ihm zu widmen, als hinter ihm Gemurmel und Rufe laut wurden. Auch Éomer und Amárie schienen den plötzlichen Stimmungsumschwung wahrzunehmen, denn das Gezeter verstummte. Einen Augenblick später standen beide neben ihm und Éomer setzte an sich nach dem Grund der Unruhe zu erkundigen als sich plötzlich die Schar der Männer vor ihnen teilte um einen einzelnen Reiter hindurch zu lassen.

Élodains Augen wurden groß, denn er kannte Reiter und Pferd. Gandalf der Graue ritt, von keinem geringeren als Schattenfell getragen, auf sie hinzu. Hastig machte er einen Schritt zurück und zu seiner Überraschung folgte Amárie seinem Beispiel, auch wenn sie mit großen Augen das Mearas betrachtete, von dem man ihr erst gestern Nacht berichtet hatte.

Doch anders als sonst, schien sie nun darauf bedacht Éomers Position vor einem Fremden zu stärken und sein Ansehen nicht durch widerwilliges Verhalten in Frage zu stellen. Sie wusste also sehr wohl, wenn es an der Zeit war den Mund zu halten.

„Éomer, Eomunds Sohn," Begann der graue Zauberer als er nahe genug an sie heran geritten war und seinen irritierten Blick von Amárie abwandte. „Euer König braucht euch. Er befindet sich zu dieser Stunde in Helms Klamm und ist umzingelt von Feinden, die ihn in Zahl und Stärke überlegen sind."

Élodain versteifte sich und er konnte sehen wie Éomer das gleiche tat. Helms Klamm? Vor einer Woche waren sie noch zu Hause gewesen, wie hatten sich die Dinge so schnell zuspitzen können?

„Helms Klamm?" Erkundigte sich jetzt auch Éomer.

„Ja, aber es bleibt keine Zeit für Erklärungen! Ihr und eure Männer werden gebraucht. Ohne euch ist alle Hoffnung verloren!"

Hoffnung, das Wort schien immer wieder aufzutauchen.


4. März 3019 D.Z. (nahe der Hornburg)

Sie waren die ganze Nacht durch geritten immer weiter Richtung Hornburg. Amárie hatte sie nie gesehen, aber viel von der Festung der Pferdeherrn gehört und wünschte sich sie könnte sie unter einem besseren Stern sehen, als dem der derzeit über ihren Köpfen zu stehen schien.

Sie ritt dicht an der Spitze des Heeres, beinahe in gleicher Höhe wieder Marschall selbst. Jetzt wo Nachtschattens Wunde verheilt war, war die Stute begierig die Führung zu übernehmen und ließ sich nur schwer im Zaum halten. Offensichtlich mochte er es nicht den anderen hinterher zu rennen, sondern führte lieber den Zug an. Diese Position war jedoch bereits vergeben für Schattenfell, dem Pferd des Zauberers.

Wann immer ihr Blick ihn streifte, konnte sie die Augen kaum von ihm abwenden, so schön war er. Sie war ein wenig verwirrt, hatte Éomer ihr nicht noch am gestrigen Abend berichtet, dass nur der König selbst oder seine Söhne eins der Mearas zu reiten vermochten? Und Amárie hatte keinen Zweifel das das silberfarbenes Pferd von Felaróf selbst abstammte.

Seufzend strich sie sich eine immer noch feuchte Strähne ihres Haares aus dem Gesicht und lies sie hinter ihrem Ohr verschwinden. Es hatte die ganze Nacht über geregnet, doch jetzt in den frühen Morgenstunden schien plötzlich die Sonne wieder hervor zubrechen. Ein trügerischer Lichtblick auf das was kommen mochte.

An der Aufregung der Männer erkannte sie das sie nicht mehr weit entfernt sein konnten und wirklich, schon eine halbe Stunde später bemerkte sie das das was sie für weit entferntes Donnergrollen gehalten hatte nicht Nachzügler des Gewitters waren sondern Schlachtlaute.

Schreie, Brüllen, Donnern und Splittergeräusche durchzuckten die Luft und während sie sich die Kapuze vom Kopf schob versuchte sie gleichzeitig ihre Anspannung und Furcht mit fort zuschieben. Was immer auch auf sie warten mochte sie konnte es sich nicht leisten ihre Angst die Oberhand gewinnen zu lassen.

Nichts desto trotz wünschte sie sich, ein wenig besser gerüstet zu sein, als sie es derzeit war. Die leichte Lederrüstung die sie der Zeit über ihrer robusten Tunika und Lederhose trug, bedeckte zwar ihren Oberkörper und reichte bis hin zur Mitte ihrer Beine doch war sie kein Vergleich zu einem gut gefertigten Kettenhemd und oder Rüstung aus dicken, unnachgiebigem Leder.

Sie überlegte ob sie nach einem Helm fragen sollte, doch entschied sich schnell dagegen. Sie würden auf den Pferden in die Schlacht ziehen und sie hatte nicht genug Übung darin um sich gleichzeitig erlauben zu können, ihren Blickwinkel durch einen Helm einengen zu lassen.

Etwas neidisch beliebäugelte sie Éomers und Élodains Speere die gut und treffsicher vom Pferd aus zu nutzen waren. Ihre eigene Stärke lag im Bogenschießen und im Umgang mit ihren beiden Kurzschwertern. Ersteres besaß sie derzeit nicht und wäre äußerst ungünstig einsetzbar, wenn man bedacht das sie dafür die Zügel loslassen musste und letzteres breitete ihr das gleiche Problem. Zumindest konnte sie nur eins der beiden Schwerter einsetzen solange sie auf Nachtschatten saß und irgendwas sagte ihr das es auf dem Rücken des Pferdes drei Mal sicherer war, als auf dem Boden. Eine halbe Stunde später wusste sie auch woher das Gefühl kam.

Als Gandalf davon sprach, das König Théoden von einer Übermacht umzingelt wurde war sie davon ausgegangen das er von tausenden Sprach. Aber das was sie sah als sie an den steilen Hängen zur rechten der Hornburg ankam ließ ihr das kalte Grauen den Rücken hinunter laufen. Sie blickte nicht auf tausende, sondern auf zehntausende Feinde hinab.

Die Ausrufe der Männer um sie herum und das nervöse Trippeln der Pferde sagte ihr deutlich, dass niemand von ihnen jemals solch eine gewaltige Streitmacht zu Gesicht bekommen hatte. Ihre Atmung beschleunigte sich ganz von alleine und ihre Augen versuchten hektisch die Geschehnisse vor ihr einzufangen. Doch alles was sie sehen konnte war ein schwarzer See voller Feinde. Das Kriegsgebrüll der Krieger und die Schreie der Verletzten und Sterbenden mischte sich mit den grauenvollen Kreischen der schwarzen Armee die sich ihres Siegs gewiss zu sein schienen.

„Bereit?" Éomers Stimme durchdrang ihr Grauen und sie blickte ihn flüchtig an bevor sie sich wieder auf das konzentrierte was vor ihr lag. Jeden Augenblick würden sie wie Wellen gegen eine steinerne Klippen schlagen. Sie mussten sich nur noch sammeln.

„Dafür mich auf dem Rücken eines Pferdes einen Abhang hinunter zu stürzen, in ein Meer voller Uruks und Trollen? Nein!"

„Angst?"

„Vor den Feinden?" Fragte sie trocken und versuchte ihr Pferd zu beruhigen, das offensichtlich anders als sie die Schlacht kaum erwarten konnte. „Nein! Aber vor dem Abhang!"

„Nachtschatten wird euch sicher hinunter tragen!" Versicherte er ihr mit ernster Stimme und sie konnte nur hoffen das er recht hatte.

„Rim galu! Viel Glück!" Sie blickte ihm an und er nickte bevor er sich mit gezogener Waffe seinen Reitern zuwandte.

„Rohirrim!" Donnerte seine Stimme in der nächsten Sekunde und Amárie zog ihr Schwert, während sie leise ein Gebet zu sprach.

„Forð Eorlingas! Für den König!"

Als könnte er verstehen, was Éomer sprach, preschte Nachtschatten den Hang hinunter -dem Mealas hinterher wie sie bald feststellte. Seine Schritte waren weit und sicher und langsam wandelte sich ihre Furcht vor dem Abhang in Furcht vor das was vor ihm lag: Die Linie der Feinde die sie nicht nur bemerkt hatten sondern auch mit allen Mitteln gegen sie vorgingen.

Pfeife, Bolzen und Speere sausten an ihr vorbei -einige so knapp das sie das Surren in der Luft neben sich hören konnte doch es gab nichts was sie dagegen unternehmen konnte.

Kurz bevor sie mit der ersten Welle der Reiter auf Sarumans Armee traf, fragte sie sich was sie eigentlich hier tat? Wie war aus einer Wanderung nach Rohan ein Angriff auf ein gigantisches Heer voller Feinde geworden?

Dann hatte sie keine Zeit mehr über irgendetwas nachzudenken und ihre Reflexe sowie ihr Überlebenstrieb übernahmen die Kontrolle über sie. Die Wucht mit der sie in durch die Reihen brach, war beinahe genug um sie aus den Sattel zu katapultieren, doch sie drückte ihre Schenkel fest gegen Nachtschattens Seite und hielt sich störrisch.

Ihr Handgelenk schmerzte als ihr Schwert immer wieder auf Widerstand traf und aufschlitze was auch immer ihr in den Weg kam.

Erst als sie den Mund wieder schloss bemerkte sie, dass sie sich den anderen mit ihren Kampfschreien angeschlossen hatte und zugegeben es gab einem die Kraft die man brauchte um den Irrsinn zu vergessen.

Amárie vertraute Nachtschatten genug um sich aufs kämpfen zu konzentrieren und ihr den Rest zu überlassen. Nicht das sie eine große Wahl hatte. Immer und immer wieder trieb sie ihr Schwert in die Leiber von Orks, Uruks und anderen Gestalten die sie noch nie zuvor gesehen hatte. Sie trat und schlug nieder wer auch immer sich in ihren Weg stellte, während ihre Stute unerbittlich voran stürmte als gäbe es am anderen Ende ein besonderen Leckerbissen.

Die Reihe der Rohirrim war keine klare Linie mehr und doch mähten sie durch die Reihen ohne Erbarmen zu zeigen. Das Blatt hatte sich zu ihren Gunsten gewendet und ihr eintreffen schien auch den verbliebenen Kämpfern in der Hornburg die Kraft zu geben die sie brauchten.

Sie konnte Éomer und Élodain zu ihrer rechten Brüllen hören und als sie ihren Blick schweifte für einen winzigen Augenblick zu ihnen herüber und kostete sie fast ihren Arm. In letzter Sekunde riss sie ihre Hand zurück und trat der einäugigen Grünhaut mit voller Wucht ins Gesicht. Ihr Knie erhob protestierend Einwand doch tat was sie wollte bevor sie es Nachtschatten in die Flanke drückte um ihn nach rechts zu treiben.

Die beiden Rohirrim waren damit beschäftigt einen Troll mit Schwert und Speer zu attackieren der standhafter zu sein schien als einige der anderen. Was ihr jedoch Sorgen bereitete war das Vieh das hinter ihnen mit einer Axt auf sie zu gerannt kam. Sie konnte weder sagen was es war noch wollte sie es herausfinden. Das einzige was sie wirklich interessierte war das weder Éomer noch Élodain die Gefahr bemerkt zu haben schienen.

Sie wünschte sich nichts sehnlicher als einen Bogen herbei doch ihr Wunsch blieb unerfüllt. Hektisch blickte sie sich nach etwas vergleichbaren um, denn sie wusste das sie nicht schnell genug sein würde um es mit ihrer Klinge aufzuhalten. Nicht weit von ihr entdeckte sie einen Speer, noch in den Körper eines Uruks gerammt, aber er würde genügen.

„Heja!" Während sie Nachtschatten zur Eile antrieb wechselte sie ihre Schwert in die linke Hand so das sie mit ihrer rechten nach der Waffe greifen konnte. Mit einem Ruck riss sie den Speer hinaus und schickte ein Stoßgebet an Orome das er ihren Arm mit sicherem Geschick leiten würde und schleuderte ihn so stark sie vermochte. Ihre Augen wurden große als er nur um Haaresbreite an Éomers Kopf vorbei flog, der erschrocken sein Haupt weiter zurück riss. Doch als hätten die Valar ihre Gebete erhört, traf der Speer sein Ziel sicher genug um es nach hinten zu katapultieren.

Amárie konnte gerade noch sehen wie der Marschall seinen Blick von ihr zu dem nun toten Gegner hin und her springen ließ bevor ihre Aufmerksamkeit wieder von den Dingen neben sich in Anspruch genommen wurden. Ihr Schwert wechselte ihre Hand ein weiteres Mal und ehe sie sich versah steckte es erneut in der Brust eines Gegners.

Die Schlacht mochte sich zu ihren Gunsten entscheiden, aber noch waren viele Kreaturen Mordors am Leben und würden nicht ruhen, bis der letzte Hauch fauligen Lebens aus ihnen gewichen war.


Es war Stunden später als sie sich schließlich ihren Weg zur Hornburg bahnte. Die Schlacht war gewonnen, die Luft geschwängert von Tod und Rauch sowie den Stöhnen der Verletzten und Sterbenden. Während andere über das Schlachtfeld streiften um nach Freunden und Kameraden zu suchen, denen sie noch beistehen konnten, war sie von Nachtschatten hinab gestiegen und blickte sich nach rechts und links nach Feinden um die sich noch bewegten.

Éomer, Élodain und einige andere der Rohirrim taten es ihr gleich und ließen ihre Speere und Schwerter in Kehlen und Leiber versinken um sicher zu gehen, das sie am Boden liegen blieben. Amárie fühlte sich müde und erschöpft, ihr Bein und ihre linke Schulter schmerzten von einigen unbedeutenden Treffern und Streichen, doch sie wusste das zum ausruhen noch nicht die Zeit gekommen waren.

Die Männer schwiegen und sie war dankbar dafür. Der Lärm um sie herum war mehr als genug für ihre Ohren, die immer noch vom Gebrüll der Schlacht zu klingeln schienen und sie hätte auch nicht gewusst was sie sagen sollte.

Viele der Männer, mit denen sie die letzten Tage verbracht hatte, hatten nicht überlebt und einige würden ihnen noch folgen.

Es war einige Zeit später und sie hatten den Eingang der Burg fast erreicht, als sie eine Stimme hörte, deren Klang sie zuletzt vor Jahren vernommen hatte.

„Lothdúlin!" Ihr Kopf schnellte in die Höhe und blickte sich hastig nach der Quelle der Stimme um.

„Lothdúlin! Man ceril hí?" Amárie zuckte zusammen. Oh, das klang gar nicht gut. Innerhalb von Sekunden hatte sich die Tonlage von Erstaunen zu Verärgerung gewandelt.

Inzwischen hatte sie angehalten und bemühte sich unter dem Tadel nicht zusammen zu zucken. Bis schließlich eine Hand auf der Schulter sie zur Seite blicken ließ. Élodain stand hinter ihr und deutete auf auf eine sich nähernde Gestalt, während Éomer sie mit hoch gezogenen Augenbrauen anblickte. Sie konnte es ihm nicht verübeln und senkte ihren Blick frustriert.

Einen stillen Fluch vor sich hin murmelnd blickte sie schließlich auf, nur um in das unsterblich schöne Gesicht ihres Onkels zu blicken, der sie streng musterte.

Verdammte Elben! Mussten sie so verdammt schnell laufen können?

„Mae govannen, Rúmil!"

„Lothdúlin, man -!" Doch bevor er sie erneut fragen konnte, was sie verdammt noch mal hier tat, satt sich wie eine zerbrechliche Sterbliche zu verstecken, fiel sie ihm um den Hals und drückte ihn an sich. Von allen Elben die sie kannte, war Rúmil immer der gewesen der am ehesten verstanden hatte, wie viel Trost eine schlichte Umarmung zu spenden vermochte.

Ein paar Sekunden später erwiderte er ihre Umarmung und sie seufzte erleichtert auf. Nach alledem was passiert war, tat es gut ein vertrautes Gesicht zu sehen.

„Mae govannen, Lothdúlin."

TBC