2. Frühmorgendliche Philosophieversuche

Ich danke mal wieder meiner Freundin (du weißt, dass du gemeint bist!) für den Tritt in den Hintern und das Review! ;D
Auch allen anderen hoffentlich viel Spaß beim Lesen...hier kommt der zweite Versuch :)


Bellas Sicht

Drriinngg…ddrriinng…drrriiing…

Stöhnend schlug ich mit meiner Hand blindlings auf meine Umgebung ein, bis das nervtötende etwas aufhörte in meinen Kopf zu hämmern. Meine Lider schienen schwer wie tausend Betonblöcke, und ich rede von richtig großen, trotzdem wurde ich langsam aus der schwarzen, oder hatte sie überhaupt eine Farbe?, Leere gezogen.

Wenn man mich fragt, dann wird das mit dem Schlafen sowieso überbewertet. Scheint ja ein ganz schöner Gedanke zu sein, sich einfach so fallen zu lassen und an nichts zu denken. Allerdings kann ich generell nie einschlafen, sondern liege nur im Bett und warte auf das, was einfach nicht zu kommen vermag. Und bin ich dann doch schon so weit gesunken, dass es mir unmöglich scheint mich aufzurappeln und aufzustehen, dann bekomme ich plötzlich die wildesten Gedanken. Ich verspüre den Drang aufzuspringen und etwas niederzuschreiben oder zu lesen, mir fällt etwas ganz wichtiges ein, was ich noch unbedingt tun wollte. Doch kann ich dies nicht, ich bin wie gelähmt und fühle mich schwer und hilflos.

So viel zum Thema des Einschlafens oder meinen Problemen hierbei.

Dann wäre da noch das zweite Problem in Form des Aufwachens, welches oftmals äußerst grausam von statten geht. So wie in diesem Moment gerade. Der nervenaufreibende Kampf beginnt: Wir sehen hier in der einen Ecke den berühmt-berüchtigten Koloss namens „Tiefes Loch des warmen bequemen Schlummerns" mit seinem Trainer „Dafür ist es jetzt eh zu spät denn du bist wach" gegen den scheinbar übermächtigen Herausforderer „Steh auf und bewege deinen Hintern" mit seinem teuflisch-gemeinen kleinen Assistenten „Die Pflicht ruft". Auf in die erste Runde. Als ich dieses imaginäre Bild im Kopf hatte, wobei der Assistent ein kleiner dicker Typ mit wulstigen Lippen, Schnurrbart und einer schwarzen Sichel aus verschwitzten Haaren auf dem Kopf war, wurde mir Zweierlei klar. Irgendwie und ich weiß wirklich nicht wie das kommt, vielleicht bin ich einfach nur willensstark, hmm nein das kann es nicht sein, oder emotional reif genug, aber ich wusste ich würde irgendwie wieder besseren Wissens aufstehen und meine Aufgaben erfüllen. Des Weiteren traf mich die Erkenntnis, dass ich aufhören sollte vor dem Einschlafen mit Charlie Wrestling zu gucken.

Also was lernen wir daraus? Man sollte mich während des Aufwachens nicht nach meinen Gedanken fragen. Außerdem ist Schlaf eine unnötig komplizierte, aber auch für mich nicht immer vermeidbare Angelegenheit, die es tapfer durchzustehen gilt.

Eigentlich bin ich jedoch im Träumen viel besser als im Schlafen. Nun fragt ihr euch bestimmt „Wie bitte?" und „Was meint die denn damit?" und denkt euch vielleicht, dass ich nicht mehr alle beisammen habe. Kann auch irgendwie sein, dass das stimmt. Ich weiß es nicht. Jedenfalls kann ich stundenlang mit offenen Augen einfach nur daliegen und träumen. Zum Beispiel im Bett oder im Wald hinter unserem Haus und dabei höre ich auch manchmal nur auf die Umgebung um mich herum. Meine Lehrerin hatte mich am Ende des Schuljahres darauf aufmerksam gemacht, ich schien das auch im Unterricht zu tun, obwohl ich eigentlich recht gut in der Schule bin, eher überdurchschnittlich. Aber auch nur da. Ich liebe nun mal Bücher. Und wenn ich ab und zu abschweife, dann könnte sich der Lehrer ja auch mal Gedanken über seine Unterrichtsstrategie machen. Wo wir auch schon bei der Ursache für meinen derzeitigen Zustand wären. Schule.

Manchmal frag ich mich, ob Einzelunterricht besser wäre, schließlich bin ich in mehr als einer Hinsicht nicht normal. Allerdings wird man da vielleicht wirklich versnobt bei und die ganze Aufmerksamkeit liegt auf einem selbst. Was für ein schrecklicher Gedanke! Deshalb bekam ich bei dem Gedanken an die Schule ein mulmiges Gefühl. Man wurde einfach immerzu beobachtet und bewertet. Und ich meine nicht die Lehrer. Ich zählte nie zu den „Coolen", die die Jungs abbekamen und immer super aussahen. Allerdings interessierten mich die „männlichen" Wesen an dieser Schule eher weniger, und warum sollten sie mich schon bemerken? Ich war froh, wenn sie es nicht taten. Denn sonst war ich die verrückte Einsiedlerin, welche mit ihrem Vater irgendwo im Wald wohnte und mit niemandem redete. Abgesehen von meiner Freundin Angela, sie war schüchtern wie ich und nicht sonderlich auf Äußerlichkeiten bedacht, obwohl sie mich als unnatürlich schön bezeichnete. Ich glaube in dieser Hinsicht sah sie die Welt leicht durch eine rosarote Brille, auch wenn sie mir andauernd riet zum Augenarzt zu gehen. Sie war wirklich ein guter Mensch, davon gab es hier nicht viele. Also auf zum Ort der Peinlichkeiten und Langeweile…

Nachdem ich endlich aus dem Bett geschlüpft war, zog ich mir das erstbeste Oberteil (ich war mutig und wählte ein T-Shirt, wobei ich einen kleinen Bitte-gutes-Wetter-Tanz aufführte) und machte mich an das Frühstück. Ich sollte ernsthaft aufhören so viel Nutella zu essen (keine Schleichwerbung beabsichtigt). Hhmm blieb noch Zeit für etwas Mascara (jepp ich weiß inzwischen was das ist…damit war ich in meiner Klasse wohl die Letzte gewesen, aber es war mir einfach egal)? Naja ab und zu kann man das mal draufmachen. Meine Augen sind so ziemlich das einzige an meinem Körper, was mir wirklich gefiel. Wie Schokolade und ich habe echt eine Schwäche für alles was süß ist. Aber im Grunde finde ich alle Augen schön, ob mit oder ohne Schminke haben sie etwas Einzigartiges. Vor einiger Zeit war ein Mädchen tränenüberströmt in den Waschraum gestürzt und hatte verzweifelt geschluchzt, dass sie ihr Mascara vergessen hatte. Offensichtlich traute sie sich so nicht mehr vor die Tür, obwohl mir das auch bei genauerem Hinsehen nicht aufgefallen war. Sie war eine der immerschönen und beliebten Mädchen. Diese Erfahrung hatte sichtlich meinen Horizont erweitert.

Ich blickte mich noch einmal kurz in meinem Zimmer um…oh Mist jetzt könnte ich bestimmt einen erstklassigen Aufsatz mit dem Titel „So erkenne ich, dass mein Kaktus verschrumpelt ist" abliefern, und hüpfte die Treppe hinunter.

Mit einem letzten Blick aus dem Fenster warf ich mir noch meine Jacke über die Schultern, packte meinen Ranzen und öffnete die Haustür. Charlie war schon längst aus dem Haus und ich war auf mich allein Gestellt. Nicht das ich etwas dagegen hatte, ich kannte es nicht anders und im Grunde genoss ich meine Freiheit. Allein konnte ich sein, wer ich wollte.

Als ich die kleine Veranda betrat erfasste ein leichter Luftzug meine Haare. Ich hatte überlegt sie abzuschneiden, jedoch konnte ich mich einfach nicht von meinen langen braunen Locken trennen, egal wie kaputt sie waren. Eigentlich hatte ich auch keine Locken, ich hatte mir nur angewöhnt, sie um meinen Finger zu wickeln, wenn ich nervös war.

Die frische Luft von draußen tat mir gut, sie belebte mich. Ich entschloss mich, zu Fuß zu meiner heiß geliebten Lernanstalt (man bemerke die Ironie), auf die ich jetzt schon seit längerer Zeit meines über 17jährigen Lebens ging, zu wandern. Im Grunde war ich äußerlich wohl 17 Jahre alt, vielleicht wurden es noch 18, das konnte man bei mir nicht so genau sagen und ich hatte recht merkwürdige Wachstumsphasen gehabt. Aber hierzu mehr ein andermal…

Da ich noch etwas Zeit bis zum Schulbeginn hatte (es war der zweite Tag nach den Sommerferien und ich hatte mir den Wecker bewusst etwas früher gestellt) beschloss ich, den umständlicheren Weg zu nehmen. Das tat ich öfter und in diesem Fall hieß es, an den Bäumen empor von Ast zu Ast zu springen. Das war ein weiterer Vorteil dieses Waldes, er war einfach ideal zum Klettern und ich liebte es. Nach der Hälfte des Weges spürte ich einen Regentropfen auf meiner Haut. Viele wären jetzt angewidert und würden mit Quietschstimme „Iihh" schreien, aber ich mochte den Regen, vor allem an so einem verhältnismäßig warmen Tag. Ich hielt langsam inne, streckte meine Zunge aus, genoss den salzigen Geschmack und schloss die Augen. Es waren diese Augenblicke, die das Leben zu etwas besonderem machten. Trotzdem wurde ich an diesem Morgen das Gefühl des dunklen Schattens über mir nicht los. Wie lange würde dieser Augenblick noch anhalten?


Kommentare, Anmerkungen, Drauflosgeplappere, Ideen, Wünsche? Mein Ohr steht offen...naja wie ein normales Ohr halt...und meine Reviewseite auch ;)