Kapitel 2:
Der Horror im Auto
Natsuki überlegte sich kurz, wortlos an Shinji's Auto vorbeizugehen, verwarf diese Idee aber nach einem Blick auf ihre Armbanduhr wieder. Sie zu spät dran und konnte es sich nicht erlauben, noch einmal zu spät zu kommen. Sie stieg also in Shinji's Auto und versuchte dabei, sich so unfreundlich und desinteressiert wie möglich zu geben. Shinji startete den Motor und drehte sich dann noch mal zu ihr um, ein freches Grinsen umspielte seine Lippen.
"Da wir zwei schon nun mal alleine in einem Auto sind, möchtest du vielleicht gar nicht mehr zur Schule? Du weißt, ich bin für alles offen!", schlug er schelmisch vor, wurde jedoch sofort unterbrochen. "Halt die Klappe, du Idiot,
und fahr endlich los!", befahl Natsuki ihm brüsk und seufzte genervt. Sie hatte seine zweideutigen Kommentare endgültig satt und fragte sich, wann er endlich aus "diesem Alter", wie sie es gerne nannte, herauskam. So kindisch und nervig
konnte ein normaler 19-jähriger doch unmöglich sein?!
"Wie du willst, Schätzchen", provozierte Shinji sie weiter und setzte endlich das Auto in Bewegung. „Nenn mich nicht so, das habe ich dir schon hundertmal gesagt!", knurrte sie ihn wütend an und warf ihm einen eisigen Blick zu, der allerdings an ihm abzuprallen schien, zumindest änderte es nichts an Shinji's süffisantem Lächeln.
"Du bist sooo arrogant, weißt du das?", informierte sie ihn verärgert und entschied sich dafür, heute kein einziges Wort mehr mit Shinji zu wechseln. Sie war noch keine Stunde wach, schon war ihre Laune mehr als nur im Keller. Ihre Laune war... in den Katakomben von Rom. Und das alles hatte nur dieser Vollidiot zu verantworten!
Shinji bog in die nächste Straße ein. In zwei Minuten würde sie an der Schule sein und darüber hinaus noch toppünktlich!
"Ich weiß...", räumte er ernst ein, nach einigen Sekunden Bedenkzeit angesichts ihrer Vorwürfe, und schaute konzentriert auf die Straße. Natsuki sah ihn verwundert an. Diese neue Ernsthaftigkeit, diese Einsicht überraschten sie und waren ihr völlig neu. "Genau deshalb bist du ja auch so verrückt nach mir", vollendete Shinji seinen Satz, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken. Er
parkte auf einem Parkplatz vor der Schule und sah das Mädchen erwartungsvoll an.
Das war wohl nichts mit Einsicht. Natsuki musterte ihn entgeistert. "Du bist wirklich... argh!" Ihr fehlten die Worte.
Sie schüttelte den Kopf und fasste nach dem Türgriff, um auszusteigen, Shinji aber hielt sie am Handgelenkt fest und als sie sich zu ihm umdrehte, um ihn anzufahren, was das denn solle, lehnte er sich blitzschnell zu ihr herüber und drückte ihr einen schnellen Kuss auf die Lippen auf.
Geschockt drückte Natsuki den jungen Mann energisch von sich weg und in ihrem Blick spiegelte sich blankes Entsetzen wider.
Shinji beobachtete seine Freundin amüsiert, als sie aus dem Auto sprang, ihm ein wutentbranntes "Du bist wirklich total widerlich, Shinji Minazuki! Ich hasse dich!!!" an den Kopf warf und so schnell wie möglich in der Schule ihres Vertrauens verschwand.
Der 19-jährige lehnte sich in seinen Sitz zurück und konnte ein Lächeln nicht unterdrücken.
"Warte nur...", murmelte er noch leise vor sich hin, bevor er wieder den Wagen anließ und den Weg zur Uni einschlug. Er war viel zu spät dran. Aber das war es ihm wert gewesen...
