"Das kann doch nicht wahr sein!" Fassungslos starrte der Hokage der dritten Generation den Ninja an, der ihm Bericht erstattet hatte. Bis dahin hatte Sarutobi gedacht, die Kristallkugel wäre kaputt, doch dieser Bericht war eine grauenvolle Bestätigung.

Das Ergebnis der Suche nach Naruto war verheerend: Takeshi hatte ein Loch im Herz, das nicht mehr geheilt werden konnte. Und Mizuki... Von ihm hatten die Suchtrupps nur Fetzen gefunden, die auf einer großen Fläche verteilt waren. Und überall war Blut.

Naruto hingegen war spurlos verschwunden. Wer weiß, was er wohl tat? Vor allem der Gedanke, dass er immer noch diese gefährliche Rolle hatte, ließ es dem Hokage eiskalt den Rücken herunterlaufen.

"Tja, Hiruzen, hättest du besser auf mich gehört und den Jungen direkt getötet!" Der Hokage kannte diese Stimme nur zu gut. Sie war voller Genugtuung. Dann trat sein alter Weggefährte Danzou neben ihn. "Wir können von Glück sagen, dass du die 'Operation Uchiha' nicht verhindern konntest, 'Hokage'!" Er sprach das letzte Wort voller Verachtung aus.

Auch Sarutobi erinnerte sich genau. Vor zwölf Jahren war Danzou, genau wie der Rest des Rates, besessen davon gewesen, Naruto umzubringen. Doch damals hatte der Hokage noch die Macht gehabt, ganz alleine den Rat in seine Schranken zu weisen. So konnte er den Mord an dem kleinen, unschuldigen Baby Naruto verhindern. Doch Danzou hatte ihm dies niemals vergeben und gemeinsam mit dem Feudalherren ein Gesetz durchgesetzt, das die Macht des Hokage einschränkte und dem Rat mehr Mitspracherecht zusicherte. Offiziell, so hieß es, wurde die Demokratie dadurch gefördert.

"Wir müssen den Notstand ausrufen!", rief Danzou aufgebracht. "Dieser Fuchs muss zur Strecke gebracht werden, bevor sich die Katastrophe von vor zwölf Jahren wiederholt!"

"Nein, das muss nicht sein!", sagte der Hokage bestimmt. Er glaubte noch an das Gute in Naruto, trotz allem. Und über den Notstand hatte Sarutobi als Hokage immer noch die Kontrolle, nicht Danzou oder sonst wer.

"Du bist wahnsinnig!", brüllte Danzou. "Was denkst du dir eigentlich dabei?"

"Ich möchte nicht beschönigen, was heute passiert ist.", erklärte der Dritte ruhig und sachlich. "Aber es ist nicht von der Hand zu weisen, dass Takeshi und Mizuki eine Teilschuld an der Katastrophe haben. Sie haben den Jungen zur Weißglut getrieben. Wenn wir Naruto finden, können wir ihn sicher zur Vernunft bringen. Gewiss hat der Neunschwänzige in ihm die Kontrolle übernommen. Darum wird die Sache vor der Öffentlichkeit fürs Erste geheim gehalten. Nur die Familien der Verstorbenen werden informiert."

"Das kann nicht dein Ernst sein.", murmelte der Einäugige entsetzt. Er konnte es nicht fassen. "DU BIST DOCH BLIND VOR GUTGLÄUBIGKEIT!"

"ICH BIN IMMER NOCH HIER DER HOKAGE!", brüllte Sarutobi. Dann wandte er sich zur Tür und ging. Für ihn war die Diskussion beendet. Danzou blieb schockiert und wütend zurück.

Naruto schlich, immer noch die Rolle auf dem Rücken, durch die Straßen. Er war nervös, hatte Angst, gesehen zu werden. Der Junge bereute seine Taten nicht, im Gegenteil, er fühlte sich großartig, doch wusste Naruto auch, dass er nun wie der Verbrecher, der er war, gesucht werden würde. Mit diesem Dorf hatte der Jinchuuriki es sich verscherzt. Seis drum, dachte Naruto. Wer wollte schon in einem Dorf leben, wo er sein ganzes Leben mit Füßen getreten wurde?

Dennoch. Er wollte wieder den Kick des Tötens spüren. Das Einzige, wofür sich das Leben noch lohnte.

"Und, findest kein Opfer?", spottete der Fuchs in ihm. "Es gibt hier doch tausende Menschen und sie gehören alle dir!"

"Halt die Klappe!", zischte Naruto. "Ich kann bestimmt nur eine begrenzte Anzahl töten, bevor ich zuviel Aufmerksamkeit erregt habe. Ich muss mir genau überlegen, WER meinen Zorn verdient!"

"Bist ja ein ganz Wählerischer!", schnurrte der Fuchs verspielt.

Plötzlich fiel Narutos Blick auf ein Haus, das wie die anderen friedlich in der Reihe lag. Sein Herz schlug schneller, da Naruto das Haus kannte. Hier hatte Takeshi-Sensei gewohnt, als er noch am Leben gewesen war, zusammen mit seiner Familie!

Langsam formte sich ein Entschluss im Kopf des Blonden. Takeshi war viel zu schnell gestorben! Er hatte nicht einen Bruchteil von Narutos Leid ertragen müssen, was den Jinchuuriki im Nachhinein ungemein ärgerte. Genau, seine Rache wollte Uzumaki an der Familie seines Senseis fortsetzen!

Erst langsam, dann immer schneller, ging Naruto auf die Tür zum Haus von Takeshi zu. Ohne, dass er etwas dafür tun musste, flackerte die Fuchsaura um ihn herum auf.

Als er vor direkt vor der Tür stand, waberte wilde Freude in Naruto auf. Er dachte an das Gesicht, dass Takeshi machen würde, wenn er noch leben und erfahren würde, was Uzumaki gleich tat! Dann trat Uzumaki die Tür ein. Sie sprang aus ihren Angeln und landete krachend und zerschmettert auf auf dem Boden. Dann trat Uzumaki über die Türschwelle.

Naruto ging durch den Flur und öffnete die Tür zum Wohnzimmer. Dort saßen sie: Die Familie des verhassten Sensei!

Da war einmal die Frau von Takeshi. Sie hatte lange, blonde Haare. Naruto kannte sie flüchtig vom Sehen her, doch sie hatte ihn wie alle anderen gemieden, wofür er sie hasste.

Dann war da der Sohn des Senseis, der ungefähr sechs Jahre alt zu sein schien. Der erinnerte Naruto an sich selbst, als er noch kleiner war.

Und schließlich war da seine Tochter, sie war in Narutos Alter. Der Jinchuuriki kannte dieses Mädchen, sie ging in die selbe Klasse wie er. Naruto fand sie recht hübsch, doch er verachtete sie, weil Takeshi-Sensei sie als seine Tochter immer bevorzugt hatte.

Die drei hatten bisher mit betrübter und versteinerter Miene im Wohnzimmer gesessen, sie alle hatten verweinte Gesichter, woraus zu schließen war, dass sie bereits wussten, was geschehen war. Als Naruto eintrat wandten sie sich geschockt zu ihm um. Die Tochter stieß einen spitzen Schrei aus. Die Mutter starrte fassungslos zu dem Uzumaki.

Dann sprang sie auf. "DU WARST ES! DU MÖRDER!" Und rannte auf ihn zu.

Narutos Mund kräuselte sich zu einem Lächeln. Dann rammte er ihr seine Faust mit voller Kraft ins Gesicht. Durch die reine Gewalt des Schlages schnellte der Kopf von Takeshis Frau mit einem hässlichen Krachen zurück. Genickbruch.

Naruto verfiel wieder in sein wahnsinniges, ausgeflipptes Lachen. Er hielt sich sogar den Bauch deswegen.

Dann wandte er sich zu den Kindern um, die versteinert da standen und mit geweiteten Augen zu ihm hinstarrten.

"Wer ist der Nächste?", fragte er mit einem gehässigen Grinsen. Dabei knackte er mit den Knochen.

"Warum?", stammelte das Mädchen. "Warum tust du uns das an?"

"Weil...", sagte Naruto offen. "...euer Vater ein totales Arschloch war!" Er genoss seine Überlegenheit in vollen Zügen.

"SO SPRICHST DU NICHT VON MEINEM VATER!", brüllte der kleine Sohn und rannte auf Naruto zu.

"NEIN! LAUF WEG!", schrie seine Schwester, doch zu spät.

Naruto hatte den Kleinen bereits zu fassen bekommen und drückte ihn an die Wand.

Ämusiert lachte Naruto. Dann hob er die Hand, um das Kind zu töten.

"Tu das nicht.", flehte die Schwester zitternd. "Naruto... Bitte... Er ist doch nur ein Kind!"

Als ob ihn das aufhalten würde! Seine Augen weiteten sich vor Mordlust und Wahsinn, sein Grinsen wurde noch grausamer.

"Los... lassen!", schrie der Junge und zappelte, Naruto verstärkte daraufhin seinen Griff.

Die Schwester hatte indes ein Messer genommen, das auf dem Tisch lag und rannte auf den Psychopaten zu.

Doch dieser hob seine Hand und feuerte eine Welle reinen Chakras ab, wodurch das Mädchen weg- und voll gegen die Wand geschleudert wurde und anschließend zu Boden fiel.

Dann wandte sich Naruto wieder dem Jungen zu. Er packte dessen Kopf und riss ihn vom Körper! Dann warf er die Leiche achtlos weg.

"NEEEEIIIIN!", brüllte die Tochter von Takeshi und hielt sich die Hände vor die Augen, begann zu schluchzen.

"Keine Sorge, Kleine.", sagte Naruto, plötzlich lag falsche Wärme in seiner Stimme. "Du wirst sie ja bald wiedersehen."

"Erhebende Darbitung...", erschallte plötzlich Kyuubis Stimme in Narutos Herz. "...doch du musst die Kleine vergessen! Wir kriegen Besuch! Und mit allen Besuchern zusammen können es nichtmal wir zwei aufnehmen!"

"Was?" Tatsächlich! Uzumaki hörte genau hin und hörte Schritte, die sich rennend näherten.

"Worauf wartest du noch? Lauf oder es geht uns beiden schlecht!", zischte der Fuchs.

Dies ließ sich der Junge nicht zweimal sagen. Blitzschnell wandte er sich dem großen, geschlossenen Fenster im Wohnzimmer zu. Naruto warf sich mit ganzer Kraft dagegen und brach auch voll durch. Im gesamten Raum flogen die Glassplitter herum.

Uzumaki landete im Hintergarten des Hauses. Doch blitzschnell rappelte er sich auf und raste wie ein Irrer durch die Gärten. Riss einfach alles nieder, was ihm den Weg versperrte, sei es ein Zaun, eine Gartentonne oder sonst was. Die Rolle war immer noch auf seinen Rücken geschnallt.

So rannte Naruto Uzumaki, bis er an die Stadtmauer des Dorfes kam. Rasch hatte er sie erklommen und floh in den Wald. Nur weg von hier! Sonst stellten sie wer weiß was mit ihm an!

Im selben Moment, wo Naruto, vom zerschmetterten Fenster aus gesehen, außer Sichtweite war, stürmten seine Verfolger in die Wohnung.

Es waren: Der Hokage persönlich, Danzou und ein gutes Dutzend ANBUs. Sie waren so schnell wie möglich hierhergeeilt, nachdem aufmerksame Nachbarn Alarm geschlagen hatten.

"Was zur Hölle ist hier passiert?", rief einer der ANBU fassungslos.

"Dieses Schwein!", heulte ein weiterer und schlug mit der Faust gegen die Wand. Diese bekam daraufhin Risse.

"Beruhige dich!", warnte ein dritter ANBU. "Wir sind immer noch im Dienst!"

"Mein Gott!" Der Hokage starrte entsetzt auf das grauenvolle Massaker, das ohne Zweifel von Naruto angerichtet worden war.

"Wie viele Menschen müssen noch sterben, bis du aufwachst, Hiruzen?", knurrte Danzou.
Der Angesprochene schwieg.

"Hat es dir die Sprache verschlagen?", schnaubte der Einäugige. "Der Feudalherr wird sicherlich zustimmen, dem Hokage alle Macht zu entziehen!"

Was hatte er nur angerichtet? Trotz allem, was passiert war, hatte der Dritte dieses Monster noch in Schutz genommen! Immer glaubte er bis zum Schluss an das Gute im Menschen! Auch bei seinem Schüler hatte er diesen Fehler gemacht!

"Wir gehen zum Radio-Sender!", sagte der Dritte schließlich kalt. "Ich möchte eine Bekanntgebung machen!" Zu den ANBU gewandt sagte er: "Ihr macht euch unverzüglich auf die Suche nach Uzumaki und bringt ihn mir, tot oder lebendig!"

Naruto hatte sich währenddessen irgendwo im Wald versteckt. Im Moment schien es für ihn sicher zu sein. Dennoch, die Tatsache, dass er, der über eines der mächtigsten Wesen überhaupt verfügte, den Schwanz einziehen, weglaufen musste, nervte ihn unglaublich an.

Er musste noch stärker werden, denn so etwas sollte sich nie wiederholen.

Also warf der Junge einen Blick auf die Schriftrolle, die Mizuki durch ihn bekommen wollte. Er rollte sie aus und sah sich die Jutsus, die draufstanden, etwas genauer an.
Fantastische Fähigkeiten wurden dort beschrieben, ein Jutsu, mit dem man Tiere beschwören konnte, Rasengan, eine Technik, die einen Ball aus reinem Chakra erschaffen konnte, der eine unglaubliche Zerstörungskraft entwickelte, und viele andere wunderbare Techniken.

Schließlich stieß Naruto auf eine Fähigkeit, die ihm besonders gefiel: Ein Kyuubi-Siegel-Öffnungs- und Schließtechnik. Er setzte sich und begann zu lesen:
"Je nachdem, wie weit das Siegel des Kyuubi geöffnet ist, steigt die Macht seines Jinchuuriki und die Zahl der Schwänze, die es zeigt. Von einen Schwanz bis drei ist der Jinchuuriki vom Chakra des Fuchses umgeben, seine Kraft steigt proportional mit der Schwanzzahl.

Aber ab vier Schwänzen wird der Jinchuuriki vom Chakra gefangen und mutiert zu einem 'Mini-Kyuubi', verliert völlig den Verstand, zerstört alles und jeden um sich herum und schädigt auch seinen eigenen Körper. Bis zu acht Schwänzen steigt die Macht weiter.

Wenn der neunte Schwanz erscheint, stirbt der Jinchuuriki und der Kyuubi wandelt wieder frei auf Erden."

Nach dieser schauerlichen Beschreibung folgte die Anleitung eines Jutsus, mit der Naruto die Kraft bis zum dritten Schwanz freisetzen und nach Belieben wieder verschließen konnte. Er begann zu üben.

Naruto hatte es nach mehreren Stunden geschafft. Er hatte seine Kraft bis zum dritten Schwanz hochgefahren. Das Gefühl war überwältigend. Naruto hatte das Gefühl, er könnte Bäume ausreißen und Berge versetzen!

Ein Schrei des Entsetzens ließ den Jinchuuriki aus seiner Trance erwachen. Als Naruto aufsah erblickte er einen ganz normalen Reisenden, der zitternd vor ihm stand.

Der dämonische Junge begann zu lachen, formte eine riesige, rote Hand aus reinem Chakra und schnappte sich sein Opfer damit.

Ungefähr zur selben Zeit war in Konoha im Radio folgende Meldung durch den Hokage persönlich zu hören.
"Hiermit erkläre ich Naruto Uzumaki zu einem Verbrecher der Kategorie S! Alle ANBU haben die Pflicht, ihn in ihrem Bingo-Buch ganz oben einzutragen! Desweiteren sind alle Redeverbote bezüglich Naruto Uzumaki und seiner Verbindung zum neunschwänzigen Fuchs, der vor zwölf Jahren Konoha angegriffen hat, bedingungslos aufgehoben! DER, DER DIESEN GOTTVERDAMMTEN FUCHS ZUR STRECKE BRINGT, EGAL AUS WELCHEM DORF ER AUCH IMMER STAMMT, BEKOMMT EIN HOHES KOPFGELD AUSGEZAHLT UND EINEN EHRENTITEL VON KONOHA AUSGESTELLT! Ich entschuldige mich außerdem dafür, dass ich die Gefahr, die von diesem Untier ausgeht, nichtzeitig erkannt habe."

Der Hokage atmete schwer. Er hatte seiner Wut ein wenig Luft gemacht. Er würde ja selbst auf die Suche gehen, wenn er nicht so alt wäre...

"War doch gar nicht so schwer.", sagte Danzou aufmunternd. "Keine Sorge, wir kriegen diese Bestie. Sie wird getötet und damit wäre das Kyuubi-Problem endgültig erledigt. Wäre nur noch zu klären, was mit Sasuke Uchiha passieren soll..."

"Sasuke wird nicht angerührt!", schnaubte Sarutobi. "Ich habe Itachi versprochen, ihn zu beschützen. Itachi ist ein grundanständiger Junge, der seinen eigenen Clan für das Dorf töten musste! Solange ich Hokage bin, wird seinem Wunsch entsprochen!"

"Sagt derselbe, der gerade den letzten Willen des Vierten mit Füßen getreten hat.", warf Danzou ein.

"SCHWEIGE ENDLICH, DANZOU!", brüllte der Dritte. "Dieser Junge ist eine Abscheulichkeit geworden. Selbst der Vierte müsste dem zustimmen. Was Sasuke angeht, ich bezweifle, dass du Itachis Rache überleben würdest, sollte sein Bruder getötet werden."

Dem hatte auch der kaltherzige Danzou nichts hinzuzufügen. Dennoch lächelte er zufrieden. Endlich hatte Sarutobi eingesehen, dass der Kyuubi eine Bedrohung war, die ein für alle Mal beseitigt werden musste. Die Dinge liefen für ihn so gut, wie schon lange nicht mehr.