Kapitel 2

Felicita McDermod war ein Idealbild des Hauses Ravenclaw, inteligent, zielstrebig. Dabei war sie bei allem Ehrgeiz bemüht, ihre Mitschüler nicht zu vergessen. Es gelang ihr nicht immer, aber oft war sie für andere ein Ansprechpartner, der für Sorgen und Nöte ein offenes Ohr hatte.

Sie erzielte Bestnoten in fast allen Fächern, es gab nur zwei Ausnahmen.
Die erste war Wahrsagen. Sie hatte zwar ein Talent dafür entwickelt, das zu sagen, was Professor Trewlany hören wollte, doch ihr fehlte das Verständnis für dieses Fach, sie einfach keinen Sinn darin irgendwelche Formen und Figuren aus matschigen Teeblättern zu lesen oder zu versuchen künftige Entwicklungen an Sternenkonstelationen festzumachen. Sie war nicht überzeugt von der Thematik und was sie nicht überzeugte konnte sie auch nicht mit aller Ernsthaftigkeit studieren.
Somit war ihre annehmbaren Leistungen für sie wahrhaftig annehmbar.
Die zweite Ausnahme war die Geschicht der Zauberei. Auch hier glänzte sie nicht gerade mit Bestnoten, ganz einfach weil sie die langweiligen Monologe von Professor Binns wirklich nicht fesseln konnten. So folgte sie dem Unterricht nicht immer mit der nötigen Konzentration.

Ganz anders verhielt es sich bei den eigentlichen Kernfächern die auf Hogwarts unterrichtet wurden. In Zauberkunst, Verwandlung und Verteidigung gegen die dunklen Künste erzielte sie häufig ein „ohnegleichen", was ihr oft ein gezischtes "Klugscheißer" von einigen Slytherins einbrachte. Etwas, was ihr herzlich egal war,
Sie war talentiert und mit Fleiß konnte sie auf diesen Gebieten fast alles erreichen.
Doch ihr Lieblingsfach, womit sie eine Ausnahme für alle Nicht-Slytherin-Schüler in Hogwarts bildete, war Zaubertränke.
Dieses Gebiet interessierte und reizte sie vom ersten Tag an. Die Zusammenhänge erschlossen sich ihr wie von selbst und neue Stoffgebiete verinnerlichte sie ohne Nacharbeiten außerhalb des Unterrichts. Den Spaß an diesem Fach konnte ihr auch der stets miesgelaunte, herablassende und bösartige Professor Snape nicht verderben.

Sie war eine beliebte Schülerin, etwas, was sie wohl vor allem ihrer eigentlich immerwährenden guten Laune zu verdanken hatte.
Doch in letzter Zeit war genau die mehr oder weniger aufgesetzt und gut gespielt.

Felicita wurde von schrecklichen Albträumen heimgesucht. Sie waren so real, dass sie häufig, wie in der letzten Nacht, schweisgebadet erwachte.
Das schlimme war aber, das sie keinerlei Vorstellungen hatte woher die Träume kamen. Es hatte irgendwann angefangen, sie konnte nicht einmal sagen wann es gewesen war.
Sie wusste nur, dass die Träume immer häufiger kamen, immer intensiver, brutaler und vorallem realer wurden.
Inzwischen bekam sie wahrlich Angst.
Das war auch der Grund warum die 17jährige jetzt zu Mdm Pomfrey unterwegs war und viel zu spät zum Unterricht im Kerker erscheinen würde.

Mdm Pomfrey begrüßte sie freundlich, als sie die Krankenstation betrat

„Guten Morgen mein Kind, was kann ich für dich tun?"

Felicita brauchte einen Moment um die richtigen Worte zu wählen, es fiel ihr schwer darüber zu sprechen, sie hatte Angst vor dem was die Krankenschwester darauf antworten würde.

„Guten Morgen. Mdm Pomfrey. Wenn ein Mensch Albträume hat, welche Ursachen kann das haben?"

Die Schwester antworte sofort

„Typisch ist es Dinge zu verarbeiten, die man gesehen, oder von denen man gehört hat, auch möglich sind Stress und seelische Belastungen. Eher selten treten in den Träumen verdrängte Erinnerungen zu Tage."

All diese Dinge hatte Felicita schon ausschließen können. Das war der Grund für ihre Sorgen

„Was würden Sie sagen, wenn ich all diese Dinge ausschließen könnte?"

Die Krankenschwester sah die Schülerin besorgt an, sie sah deutlich, wie aufgewühlt das Mädchen war

„Was träumst du denn?" fragte sie dann sanft

„Dinge die so furchtbar sind, das ich kaum darüber sprechen kann."

Ihre Stimme klang zittrig als sie das sprach. Sie zwang sich sichtbar weiterzusprechen

„Ich...Ich träume davon, dass Menschen gequält oder...getötet werden. Ich sehe das Blut, ich rieche es. Das Leid und den Schmerz kann ich fast körperlich spüren.
Es ist alles so real, dass ich beim Aufwachen völlig orientierungslos bin. Heute Nacht war ich selbst in die Geschehnisse in meinem Traum verwickelt. Bis jetzt war ich immer nur unbeteiligter Zeuge, aber heute Nacht war es anders. Ich habe Angst einzuschlafen. Ich habe Angst verrückt zu werden!"

Felicita hatte immer schneller, aber auch immer leiser gesprochen.
Sie stand vor der Schwester, zitternd, mit Tränen in den Augen und wartete auf deren Reaktion.

„Du wirst bestimmt nicht verrückt. Was du mir geschildert hast ist sicherlich ungewöhnlich, aber bestimmt klären wir bald das Problem."

Die Krankenschwester dachte einen Augenblick nach

„Ich werde mich mit einem Kollegen beraten.
Kannst du heute nach dem Unterricht noch einemal zu mir kommen? Bis dahin habe ich bestimmt schon etwas heraus gefunden."

„Natürlich, vielen Dank."

Felicita schaute kurz auf ihre Uhr.

„Ich hätte seit 10 Minuten Unterricht bei Professor Snape, könnten Sie mir eine Bescheinigung ausstellen, dass ich bis jetzt bei Ihnen war?" mit einem leichten Lächeln fügte Sie hinzu „Sie können sich doch vorstellen, wie er auf mein Zuspätkommen reagieren wird."

„Natürlich!" antwortete die Krankenschwester, ebenfalls mit einem Lächeln auf den Lippen.

Felicita verabschiedete sich bis zum Nachmittag und ging dann so schnell wie möglich in die Kerker.
Sie wollte Snape keine Munition für einen Punktabzug liefern, was zwangsläufig passieren würde, wenn sie länger als drei Minuten für den Weg von der Krankenstation bis in den Kerker benötigen würde.

Ravenclaw hatte Punkte dringend nötig, das Haus lag in dem Wettkampf um den Hauspokal derzeit auf einem enttäuschenden 4. Rang.