**Höhere Gewalt**

So überfällig dieses Treffen auch gewesen sein mochte, Thrawn war fast schon froh wieder auf die Chimaera zurückzukehren. Sie war sein wahres Zuhause und Teenager waren nun wirklich nicht seine Expertise. Das Wiedersehen mit Leia wiederum war um ein vielfaches einfacher ausgefallen als er befürchtet hatte. Thrawn betrat den Hangar und starrte ins Leere. Vielleicht hätte er seinen Com-Link doch nicht deaktivieren soll.

„Thrawn an die Chimaera. Wo ist die Raumfähre?"

ISD Chiemera an Grand Admiral Thrawn." Die Verbindung war schlecht und durchzogen von Störgeräuschen. „Sir, können Sie mich hören? Der Myrtol Raumhafen hat uns vorübergebend die Landeerlaubnis verweigert. Es zieht ein ziemlich heftiger Schneesturm auf – keine Raumfähre darf innerhalb der nächsten 12 Stunden landen oder starten."

Na wunderbar. „Hier Thrawn. Was ist mit der ISS2? Dem Advanced Shuttle? Würden ihre Schilde einem Schneestorm standhalten?"

Es folgte eine kurze Pause. „Negative, Sir. Außerdem sind wir noch in der Testphase."

Thrawn schüttelte ungläubig den Kopf. Jedes mal wenn er Leia Organa traf, endete der Tag in einem Alptraum. Erst wurde er von den Vong entführt und jetzt war er allen Anschein nach gefangen in einem Schneesturm. Eigentlich war er nicht abergläubisch, aber Leia und er – zusammen-, schienen kein gutes Karma zu haben.

„Verstanden. Sagen Sie Captain Pellaeon, dass ich mich in T – 12 Stunden zurückmelde. Die Chimaera gehört bis auf weiteres ihm. Thrawn out."

Wohin war Leia gegangen? Hangar 22? Er war sich nicht sicher, ging aber in Richtung der weiter abgelegenen Hangars. Vielleicht war der Falcon ja schon gelandet und durfte nur nicht wieder starten. Mit ein wenig Glück könnte er vielleicht dort bleiben, bis der Sturm vorüber war. Auch wenn er kaum Verlangen danach hatte Solo wiederzusehen. Und wenn der Falcon auch keine Landeerlaubnis bekommen hatte, dann musste er sich zumindest um Leia und Victoria kümmern. Thrawn erreichte Hangar 22 und … nichts.

„Leia?" Keine Antwort.

Er hatte ihre Com-Frequenz nicht und sie auch nicht die seine. Zu gefährlich und jetzt zu ärgerlich. Ihr Treffen hier war alleine über Verbindungsmänner auf Coruscant koordiniert worden.

„Leia?" Erneut keine Antwort. Vielleicht war es die falsche Hangarnummer gewesen.

Er ging zurück zum Haupteingang, zum Informationsschalter. Heute schien ausgesprochen wenig los zu sein. Wahrscheinlich waren bereits alle wegen des Schneesturmes Zuhause. Wonach wollte er eigentlich fragen? Solo hätte niemals unteren seinem wirklichen Namen hier eingecheckt. Das Ganze hatte eigentlich wenig Sinn. Plötzlich war er an der Reihe.

„Entschuldigung. Ich suche eine Frau: menschlich, ca. 1,64m, braunes Haar und ihre Tochter: 14 Jahre, halb Chiss, hell-blaue Haut, schwarzes Haar. Haben Sie sie vielleicht gesehen?"

Die ältere Roderianerin schaute ihren Gegenüber leicht ungläubig an. „Also Schätzcken, sehe ich so aus als hätte ich Zeit mir jeden der hier durchwandert anzuschauen? Hier kommen jeden Tag Tausende durch und ick bin im Dauerstress. Also wenn's nichts anderes wissen wollen. Juten Tag! Ach ja, der Sturm kommt übrigens in ca. 45 Minuten an und die Schutzräume hier darf nur das Bodenpersonal benutzen. Also machen's dass Sie hier rauskommen. Verstanden?"

Thrawn war in Versuchung die Dame um eine Durchsage zu bitten, aber auffälliger hätte er sich ja kaum verhalten können und vermutlich war ohnehin alles in Ordnung. Die Zwei saßen wahrscheinlich schon längst im Falcon und spielten Holo-Schach oder sahen sich einen Film an. Dennoch fühlte er sich nicht besonders wohl bei dem Gedanken nicht zu wissen, wo die Zwei sich aufhielten.

„Ja, danke."

Leia konnte es kaum glauben. Ein Schneesturm! Han hatte keine Landeerlaubnis und stammelte immer etwas von `riesigem Sternenzerstörer´, während Thrawn weiß Gott wo war. Er hatte bestimmt eine Starterlaubnis bekommen! Leia schüttelte den Kopf. Der Mann brachte Unglück. Einfach nur Unglück.

Was nun? Leia schaute zu ihrer Tochter hinüber. „Ok, Schatz – wir müssen uns jetzt nach einem Hotel oder irgendeiner Unterkunft umsehen. Das ist bestimmt nicht das erste Mal dass so was hier passiert. Ich bin mir sicher, die sind auf Schneestürme vorbereitet. Keine Angst. "

Victoria hoffte, dass ihre Mutter dass nicht nur sagte, um sich selber zu beruhigen. Der Raumhafen war beängstigend leer. Wann würde der Sturm hier eintreffen? Die einzigen Leute hier schienen Angestellte zu sein und einige Stadtbewohner, welche noch die letzte Chance nutzten auf dem Raumhafen Einkäufe zu tätigen und… „Dad!" Victoria griff ihre Mutter am Arm und zog sie nach rechts. „Mom! Sieh nur! Sieh nur!" Sie zeigte zum Informationsstand und tatsächlich, Thrawns Leute schienen auch keine Landeerlaubnis bekommen zu haben.

„Dad!" Thrawn wusste für eine Sekunde nicht worüber er mehr überrascht war, darüber, dass er die Zwei tatsächlich wiedergefunden, oder darüber dass Victoria ihn `Dad´ gerufen hatte. Es war erste Mal seit 10 Jahren gewesen dass sie ihn so genannt hatte. Und damit wahrscheinlich das erste Mal wirklich bewusst. Das allein war die Reise wert gewesen. Er war ihr Vater und nicht Han Solo.

Victoria zog ihre Mutter hinter sich her. „Wir sind auch nicht rausgekommen!" strahlte sie und schien nicht besonders betrübt über den Schneesturm zu sein. „Hast du uns gesucht?" fragte sie enthusiastisch und blickte fragend zum Informationsstand.

„Allerdings. Aber dass ist nun ja nicht mehr nötig." Sein Blick richtete sich auf Leia. „Sieht so aus als säßen wir hier fest." Sie verschränkte die Arme vor dem Körper und presste ihre Lippen zusammen.

„Ja, sieht ganz so aus."

Leia konnte nicht anders als die ganze Sache kritisch zu beäugen. Wenn sie es nicht besser Wissen würde, hätte sie schwören können, dass Thrawn die ganze Sache inszeniert hatte, aber wozu? Außerdem konnte nicht mal er das Wetter beeinflussen. Das hier war einfach nur höhere Gewalt. Nichts weiter.

Die Hotels in der Nähe des Raumhafens waren schäbig und das war noch nett ausgedrückt und auch das Drogen- und Rotlichtviertel schien nicht weit entfernt zu sein. Mit anderen Worten – es war ein typisches Hafenviertel.

„Können wir nicht was Anderes finden?"

Thrawn versuchte vergebens mit seinem Kommunikator eine Verbindung zum HoloNet aufzubauen. „Ja, wenn du weißt wo halbwegs akzeptable Hotels sind."

„Beim Restaurant habe ich eins gesehen, das war…"

„…mindestens 30 Minuten von hier entfernt und definitiv außerhalb meiner Preisklasse." Er zog eine ID-Card aus der Tasche.

Name: Fibrax'Safreg

Geschlecht: männlich

Rasse: Chiss

Heimatplanet: Csilla

Geboren: 7 BBY

Beruf: Restaurateur

Eine gute Fälschung.

„Ich kann wohl schlecht als mein wahres Ich mit euch Zweien dort einchecken. Außerdem könnte ich mir vorstellen, dass man uns erkennen würde." Er schüttelte den Kopf. Leia seufzte. Er hatte recht, und sie hatte noch nicht mal an einen gefälschten Ausweis gedacht. Sie war solche Aufregungen einfach nicht mehr gewohnt.

„Es hat keinen Zweck. Ich bekomme einfach kein stabiles Signal. Der Sturm blockiert alles. Wir sehen uns einfach noch ein wenig um und nehmen dann das Erstbeste was wir bekommen können." Er sah sich kurz um. „Außerdem würde ich vorschlagen, dass wir noch was zu Essen und zu Trinken kaufen."

„Aber der Sturm soll doch in 12 Stunden schon wieder vorbei sein?" Leia sah Thrawn fragend an.

„Vielleicht. Andererseits wenn all die Leute hier einkaufen als wenn kein Morgen gegeben würde, schlage ich vor, dass wir es ihnen nachtun. Für gewöhnlich haben die Eingeboren ein besseres Gespür für solche Sachen. Wir können es ja immer noch wegwerfen."

Er reichte Victoria einige Credits und zeigte auf einen kleinen Supermarkt. „Kaufe nur das was du kennst und vor Allem etwas zu Trinken, ich weiß nicht ob man das Leitungswasser hier trinken kann. Deine Mutter und ich werden uns ein paar der Hotels in der Nähe ansehen. Wir treffen uns gleich hier wieder." Er machte eine Handbewegung und plötzlich tauchte Rukh auf dem Nichts aus. Leia hatte ihn fast schon vergessen. Er machte seine Sache wirklich gut.

„Du wirst meine Tochter begleiten."

„Natürlich, mein Herr." Rukh verbeugte sich tief und folgte dann Victoria, welche das Prinzip von `unauffälligem Bodyguard´ nicht ganz verstanden zu haben schien, neben ihm herging und freudig auf den Noghri einredete.

Thrawn lachte leise, schüttelte ungläubig den Kopf und wandte sich dann an Leia. „Wir sollten uns beeilen."

Die ersten zwei Hotels stellten sich als Bordelle heraus und das dritte war so dreckig, dass Leia sich weigerte es zu überhaupt zu betreten. Doch in einer Nebenstraße fand sich endlich eine halbwegs seriös wirkende Unterkunft. Das `O´ in der `Hotel´-Leuchtschrift funktionierte nicht mehr und die runtergekommene Rosenmuster-Tapete im Eingangsbereich hatte, wie das gesamte Hotel, offensichtlich ihre besten Zeiten hinter sich.

„Nicht gerade das `Hotel Imperial´, aber etwas Besseres werden wir heute Abend vermutlich nicht mehr finden."

Leia nickte. Sie würde ja nur 12 Stunden hier ausharren müssen. Von schlafen hatte kein Mensch was gesagt. „Gut, du checkst ein und ich hole Victoria."

Als Leia mit Victoria und einem schwerbeladenen Rukh zurückkam, wedelte der Rezeptionist ihr schon mit dem Schüssel entgegen. Es war ein fliegendes, graues Wesen mit großen, blauen Augen. Dennoch sah es irgendwie nett aus.

„Zimmer 312. Ihr Mann ist schon oben und wir kümmern uns um das Feldbett."

„Feldbett?" wiederholte Leia ungläubig. Und der Kerl dachte, dass sie verheiratet waren. Das wurde ja alle Tage noch schöner.

„Ja, wir sind vollkommen ausgebucht! Sie haben das letzte Zimmer bekommen. Aber für Notfälle wie diesen haben wir immer Feldbetten im Keller!" Er strahle Leia und Victoria an. „Und lassen Sie mich bitte bei den Taschen helfen". Er griff nach Rukhs Tüten und flog mit ihnen fröhlich-pfeifend die Treppen nach oben. Der Schneestürm bescherte diesem Wesen vermutlich das Geschäft des Jahrhunderts.

Als Leia das Zimmer betrat verschwandt Rukh lautlos in eine dunkle Ecke neben dem Zimmereingang.

„Willst du nicht mit hineinkommen?"

„Mir ist es nicht gestattet ohne Genehmigung die Gemächer meines Herrn aufzusuchen. Ich bewachte sie nur." Leia nickte.

„Was, wenn du etwas zu Essen oder Trinken benötigst?"

Rukh nickte, was wohl einem `Danke´ gleichzusetzen war. „Ich mache meine Arbeit schon seit langer Zeit, Lady Organa-Solo. Macht euch um mich keine Gedanken." Leia lächelte, nickte ihm dann zusichern zu und ging hinein.

Zimmer 312 war nicht viel besser als der Rest des Hotels. Eine Hausstauballergie würde hier vermutlich tödlich enden. Leia schlug auf das Kissen, welches auf dem Sofa vor dem Holo-TV lag und hustete auf, als eine Staubwolke ihr entgegenschlug. Sie wedelte sie mit Hand fort und sah Thrawn gequält an.

„Wie kommt es dass ich immer die schäbigsten aller Unterkünfte genießen darf, wenn ich mit dir zusammen bin?"

Ihr Raum bestand aus einem Wohnzimmer - was gleichzeitig auch eine Küchennische beherbergte - mit einem Kamin, einem alten Holo-TV, einem Tisch, einem Sofa und einem Sessel. Ein `Bad´, was den Namen nicht wirklich verdiente, da es nur aus einer Dusche, einem WC und einem Waschbecken bestand und alles so dicht beieinander war, dass es vermutlich ins Klo regnetet, falls man tatsächlich mutig genug war die Dusche zu nutzen und einem kleinen Schlafzimmer mit einem Doppelbett. Na wunderbar. Aber da sie eh nicht schlafen würde, war das auch egal.

Anstatt zu antworten half Thrawn Victoria in der `Küche´ die Tüten auszupacken. Vielleicht hätte er den Teenager doch nicht einkaufen gehen lassen sollen. Ihre Einkaufen bestanden zu 90% aus Chips und anderem Süßkram.

„Ich hoffe das war eine Spontanentscheidung und spiegelt nicht deine Essgewohnheiten wieder." Victoria grinste. „Du hast gesagt ICH soll einkaufen was ICH kenne."

Er hob eine Augenbraue und betrachte ihre Ausbeute skeptisch. „Hmm. Das habe ich wohl." `…und ich werde es nicht wieder tun´ schwebte unausgesprochen mit.

Plötzlich klopfte es an der Tür. Das fliegende Wesen und zwei Humanoide trugen ein Feldbett aus Metall und Bettzeug hinein. Dann kam ein drittes, eher dümmlich wirkendes Wesen hinein, dass aussah als würde es aus einem einzigen lila Fellball bestehen. Es trug einen Korb mit Holzscheiden bei sich und stellte ihn neben dem Kamin ab.

„Lass mich raten? Keine Heizung?" frage Leia, doch bereits ihre Stimmlage verriet, dass es keine wirklich Frage war.

„Nein. Aber der Kamin ist super! Funktioniert immer! Und wenn Sie mehr Holz brauchen, wir haben genug um Keller! Die Tür links neben der Rezeption. Bedienen Sie sich einfach!" Was für ein Luxus-Hotel dies doch war! Man durfte sich so viel Holz wie man wollte – eigenhändig- aus dem Keller holen! Leia hätte vermutlich gelacht, wenn ihr nicht zum Weinen zu Mute gewesen wäre.

„So, das wär's. Falls Sie noch irgendetwas benötigen sollten, dann benutzen Sie einfach das Interkomm. Die Rezeption ist auf der 1." Das fliegende Wesen grinste wieder breit und die skurril wirkende Mannschaft machte sich daran das Zimmer wieder zu verlassen.

„Danke." Dann fiel die Tür wieder ins Schloss.

Grandios!

Leia konnte den Dreck einfach nicht sehen und fing an die Kissen und das Bettzeug aus dem Fenster heraus auszuschütteln. Noch war der Schneestürm schließlich nicht da und früher oder später würde sie sich hinsetzen müssen. Thrawn hatte mittlerweile damit begonnen das Feldbett hinter dem Sofa aufzubauen und Victoria hatte – mal wieder typisch – den Fernseher in Angriff genommen.

„Guck mal, Mom. Die haben 200 Holos zur Auswahl und jedes kostet nur 3 Credits. Man gibt einfach den Code mit der Fernbedienung ein und bezahlt dann beim Auschecken!" Ihre Augen glitten über die Liste. „Die meisten sind ziemlich alt…aber es sind auch ein paar Klassiker dabei. Die kann man sich immer ansehen!"

Plötzlich schrillte ein Alarm auf und etwas wie eine zweite Metallmauer schob sich von oben nach unten über die Häuser der Stadt. Vermutlich eine Art Schutzmauer. Schneestürme waren wohl nichts all zu Ungewöhnliches hier. Leia hatte gerade noch genug Zeit das Kissen wieder hineinzuziehen, als auch ihr Fenster sich verdunkelte und nichts als graues Metall zu sehen war. Thrawn kam auf sie zu und begutachtete das Material. Er fuhr abschätzend mit seinen Fingern darüber und sah sie dann zuversichtlich an.

„Durastahl. Vermutlich mit verschiedensten Isolationskunststoffen vermischt. Das müsste halten. Aber es wird vermutlich dennoch sehr kalt werden. Ich hole besser noch mehr Holz, bevor die anderen Gäste den gleichen Gedanken haben." Noch bevor er die Tür erreicht hatte, fing die Beleuchtung an zu flimmern und etwas krachte mit ungeheurer Wucht gegen die Durastahlverkleidung des Hotels. Leia hätte schwören können, dass das Hotel für eine Sekunde gebebt hatte und bemerkte erst jetzt, dass ihre Finger sich am Fensterrahmen festkrallten. Der Schneesturm hatte sie erreicht. Und so hatte es die Kälte. Binnen Sekunden sank die Zimmertemperatur merklich um einige Grad ab.

„Ich mache dann besser den Kamin an."

Mit dem Kamin und dem Holo-TV als einzige Lichtquellen des Raumes und der Wärme des Kamins, war die Situation nicht mehr ganz so schlimm. Thrawn hatte die sauber wirkenden Bettlaken über Sofa und Sessel geworfen und die Drei sahen nun einen Film den Victoria sich aus der hausinternen Holo-Liste ausgesucht hatte. Es war eine romanische Historienkomödie in der ein etwas schusseliger, aber reicher Legionär sich in eine intelligente, aber arme Spice-Schmugglerin verliebte. Einige Dialoge waren ganz amüsant, aber insgesamt war der Film furchtbar vorhersehbar und naiv.

„Und wie hat es euch gefallen?" Victoria ließ endlich die Chipstüte los und sah ihre Eltern auffordernd an. Diese schienen irgendwie weniger begeistert zu sein.

„Sag nicht es hat euch nicht gefallen? Das war doch total lustig! Und Robert Gray war doch total süß, oder Mom?"

Leia die mit ihr auf dem Sofa saß verzog das Gesicht. „Naja, ich weiß nicht… Vielleicht bin ich auch nur etwas zu alt für solche Filme. Hauptsache dir hat es gefallen." Wie konnte ihre Mutter den Film NICHT mögen? Der hatte vor ein paar Jahren sogar den Coruscant Cosmic Cinema Award gewonnen!

„Dad?"

„Ich glaube das war mit Abstand der schlechteste Film den ich je gesehen habe. Ab dem Moment wo er ihr den Heiratsantrag gemacht hat, war es wirklich ausgesprochen…schlecht." sagte er in seiner vollkommen perfekt modulierten, emotionsfreien Stimme. Und Leia lachte. Sie konnte sich nicht zurückhalten. Wenn sie Luke erzählen würde, dass sie mit Thrawn `Liebe, Laster und Legionen´ gesehen hatte! Niemand würde ihr das glauben! Sie selber konnte es kaum glauben! Aber dass er diesen Film schrecklich fand, konnte sie sich gut vorstellen. KEIN Mann fand diesen Film gut.

„Also am besten fand ich die Szene in der er ihr erklärte, warum er nicht mehr ohne sie leben kann und sich dann in der nächsten Sekunde selbstlos vor den Gleiter wirft!" Leia konnte einfach nicht aufhören zu lachen.

„MOM!" Victoria verschränkte die Arme vor der Brust. „Also ich fand den gut!"

„Solche Männer gibt es nicht, Schätzchen! Die sind Fiktion."

„Das sagst du nur, weil du alt und verbittert bist!"

Thrawn schaute Victoria leicht entsetzt an, so was konnte sie doch unmöglich zu ihrer Mutter sagen. Doch Leia schien es wenig auszumachen.

„Ja mein Schatz, alt und verbittert, aber leider auch viel weiser als du und deine Mutter. Und deshalb…" sie nahm ihr die Liste aus der Hand. „…werden wir jetzt auch den zweiten Film aussuchen."

„Ich gucke aber keine Dokumentation über Krankheiten oder Genozid im Akara-Sektor." grummelte Victoria und griff nach dem Fruchtsaft.

„Nach dem Kitsch den wir gerade über uns ergehen lassen mussten, wirst du dir alles angucken, mein Fräulein." Sie hielt die Liste zur Seite, so dass auch Thrawn hineinschauen konnte.

„Ich habe für heute eigentlich genug Holos gesehen. Außerdem sagen mir die Titel nichts." Große Lust zu einem weiteren Film hatte Leia eigentlich auch nicht, doch gab es nicht viel Anderes zu tun und so hatten sie immerhin schon drei Stunden totgeschlagen. Sie sah ihn für einen Moment schweigend an. Für ihn war das Ganze vermutlich um einiges schlimmer als für sie. Er konnte sich nicht mit ihnen unterhalten – nicht wirklich. Und sie war es zumindest gewohnt mit einem Teenager zu leben. Sie sah sich kurz um. Gab es sonst noch etwas was man tun konnte? Ihr viel nichts ein. Sie hatten nicht viel gemein.

„Irgendwelche genialen Ideen, Admiral?"

„Nein, leider nicht." Er griff nach der Liste. „Katies erster Kuss, Wachgeküsst, Nichts kann uns trennen, …" erschaute die Zwei etwas gequält an. „Den Titeln nach zu urteilen, könnten einige dieser Holos problemlos als neue imperiale Verhörtechnik eingesetzt werden. Das ist als müsste man sich entscheiden zwischen schlecht und noch schlechter." Leia lachte erneute. Dann blickte er zurück auf die Liste. „Hier, Nummer 16, `Die Todesliste´."

„Das war ja klar." grummelte Victoria und begann den Code einzutippen, aber auch sie grinste über beide Ohren. `Die Todesliste´ Oh je.

Nach einer guten halben Stunde hatte Victoria genug gesehen, um zu wissen dass Actionfilme mit politischem Handlungsrahmen nicht ihr Ding waren. Außerdem fielen ihr langsam aber sicher die Augen zu.

„Ich glaube lege mich hin." Sie kramte in ihrer Tasche. Vielleicht würde sie noch etwas Musik hören bevor sie einschlief.

„Bekomme ich das Bett? Da ist es leiser." Sie zeigte auf das Holo.

„Das war der Plan. Du und deine Mutter, ihr bekommt das Bett und ich bleibe hier."

„Ok. Ich hoffe ich kann so schlafen. Ich habe noch nie mit all meinen Klamotten geschlafen." Sie kramte erneut in ihren Taschen und lege dann all die potentiellen harten Störgegenstände auf die Küchenablage.

„Gute Nacht."

„Nacht, mein Schatz." Leia schaute ihr nach, senke dann den Kopf zurück auf das Sofa und sah Thrawn an. „Weißt du, als sie Klein war wollte sie immer einen Gutenachtkuss haben und jetzt stellt sie sich furchtbar an, wenn ich auch nur in ihre Nähe komme. Als ob ich eine furchbare Krankheit übertragen würde…"

„Ich denke das ist normal. Sie will nicht mehr wie ein Kind behandelt werden und ist doch noch nicht erwachsen…Eine schwierige Zeit. Besonders für die Eltern. Einen Aufgabe die ich sicherlich weniger gut meistern würde als du."

„Es gibt Tage an denen weiß ich auch nicht wirklich was ich tue." gestand Leia und griff nach der Chipstüte.

„Aber du hast du ein gutes Vorbild in Bail und Breha Organa. Mein eigener Vater starb als ich noch recht jung war und meine Mutter war … sagen wir einfach sie tat was sie konnte, war jedoch oftmals überfordert mit meinem Bruder und teilweise wahrscheinlich auch mit mir."

„Glaube mir, in dem Alter sind alle Eltern sind mit ihren Kindern überfordert…Sie ist dir übrigens sehr ähnlich."

Er sah sie fragend an. „Und diese Feststellung beruht worauf?"

„Ganz einfach, all die Dinge die ich weder mir noch meiner Familie zuordnen kann, muss sie von dir haben."

„Ah…Gehe ich recht in der Annahme, dass, wenn ich dieser eigentümlichen Logik folge, all die deines Erachtens negativen Charakterzüge von mir stammen?"

Leia grinste. „Natürlich." Dann nippte sie kurz an ihrem Glas und lachte dann leise. „Nein, sie hat auch ein paar gute Eigenschaften von dir: Sie ist wissbegierig und liebt Bücher. Sie saugt sie auf wie ein Schwamm. Wir haben hier keine Bücher, aber wenn es welche gäbe, würde sie sie lesen. Sie ist eigensinnig, mag Herausforderungen und genießt es zu gewinnen. Sie muss immer gewinnen. Das ist jetzt vielleicht keine gute Eigenschaft, aber ich bin mir sicher dass hat sie von dir."

„Ja, das klingt vertraut."

Leia lachte. „Hab ich's doch gewusst." Sie deutete auf den nun leeren Platz neben sich. „Komm, setz' dich zu mir. Es sieht schrecklich aus wenn du zwei Meter entfernt in deinem Sessel sitzt. Außerdem ist mir kalt."

„Und da dachte ich schon du hättest womöglich uneigennützige Motive." Er stand auf und warf ein paar mehr Holzscheide ins Feuer, bevor er sich zu ihr setzte und sie an sich zog. Leia war tatsächlich eiskalt. Instinktiv rieb er kurz ihre Oberarme, schien dann eine bessere Idee zu haben, stand erneut auf und kam mit der Decke vom Feldbett wieder.

„Hier." Leia warf sich die Decke dankbar um und rollte sich so gut es ging darin ein.

„Ich hatte schon immer einen niedrigen Blutdruck", erklärte sie „und wenn ich zu wenig Schlaf bekomme, dann wird mir erst recht kalt."

„Du solltest dich hinlegen", sagte er deutet Richtung Schafzimmer. Doch Leia hob nur fragend eine Augenbraue und sah ihn an, als ob er nicht ganz bei Trost sei. „In das Bett? Nein, danke. Die ganze Wohnung ist ekelig. Wenn ich einschlafe laufen wahrscheinlich irgendwelche Viecher über mich." Thrawn lächelte müde und fühlte wie sie sich an ihn lehnte. Die Situation war schon schlimm genug, dann konnten sie zumindest das Beste daraus machen. Also hob er seinen linken Arm und drehte sich leicht nach rechts, so dass beide gemütlich das Holo schauen konnten, während Leia ihn als Kopfkissen missbrauchte. Nun ja, `missbrauchte´ hatte vielleicht einen etwas zu negativen Beigeschmack, wenn man bedachte, dass ihm diese Position nicht gerade unangenehm war und so schmiege sie sich an seinen Oberkörper und er fühlte wie sich ihr Körper langsam aufwärmte.

Das Holo war im Vergleich zum ersten gar nicht so schlecht. Es ging um Politik und Auftragsmord. Auf der Liste befanden sich vor allem Homosexuelle und Nichtmenschen, die dem Regime nicht genehm waren. Ein ausgesprochen regimekritischer Film und Thrawn wunderte sich dass er nicht der Zensur zum Opfer gefallen war. Er überprüfte das Cover. Vielleicht war er in den Kernwelten niemals erschienen.

„Ist es illegal in der Navy schwul zu sein?" frage Leia ungläubig, als das Mordkommando eine Ausbildungsschule für Navy-Kadetten stürmte, die allen Anschein nach homosexuell waren.

„Wie bitte?"

„Leia zeigte auf den Bildschirm. Na sieh' doch."

„Man sollte nicht alles glauben was man im Holo-TV sieht, Prinzessin." Thrawn schüttelte den Kopf und schaute zu ihr hinüber. „Es wird nicht gerne gesehen, aber ungewöhnliche sexuelle Neigungen rechtfertigen keinen Mord."

Das Thema schien Leia zu interessieren und er sah förmlich wie die kleinen Rädchen sich in ihrem Geiste in Gang setzten. Plötzlich setzte sie sich wieder aufrecht hin und sah ihn interessiert von der Seite an. „Gibt es viele Schwule beim Militär?"

„Wie bitte?" Thrawn lachte. „Die Anzahl homosexueller Soldaten in meiner Flotte war bisher nicht von Bedeutung für mich - und wird es aller Wahrscheinlichkeit nach auch in Zukunft nicht sein. Also bitte entschuldige meine Ignoranz diesbezüglich. "

Sie neigte ihren Kopf leicht zur Seite. „So was musst du doch wissen! Ich meine, ich kann mir das gut vorstellen. Das wäre doch perfekt – nur Männer, die sich wahrscheinlich während der Grundausbildung die Quartiere und Duschen teilen."

„Leia, muss ich mir Sorgen machen? Männer die sich die Dusche teilen?" Er versuchte sie aufzuziehen, doch Leia ließ nicht locker. „Hör' auf damit. Ich meine es ernst."

„Ich frage mich manchmal ernsthaft was in deinem Kopf vor sich geht, Leia…" Er lächelte, holte tief Luft und zog sie dann zurück in seine Arme. „Es gibt bestimmt…Einige. Und mir es mir ehrlich gesagt egal, solange sie ihre Arbeit machen. Wenn es im gegenseitigem Einverständnis geschieht und es ihnen gefällt – Warum nicht? Die offizielle Stellungnahme des Imperators würde vermutlich etwas anders ausfallen. Allerdings ist mir bisher noch nicht zu Ohren gekommen, dass jemand aufgrund seiner sexuellen Orientierung benachteiligt wurde…Was nicht heißen will, dass es nicht vorgefallen sein kann. Aber falls einer der Moffs oder jemand in der Admiralität jemals Probleme damit gehabt hat, hat er es wohl ohne viel Aufsehen geklärt. Wie gesagt, mir ist es egal."

Wahrscheinlich eine ganz gute Einstellung, dachte Leia und spürte wie sie einmal mehr an ihm abrutschte. So wirklich gemütlich war das auch nicht. „Dennoch…Ich kann mir das nicht wirklich vorstellen."

„Das brauchst du ja auch nicht. Was meinst du viel viele Chiss es sich nicht vorstellen könnten mit einer Menschenfrau zusammen zu sein? Eine ganze Menge würde ich meinen. Aber ich habe meinen Gefallen daran. Auch wenn ihr teilweise recht anstreng seit und eine Affinität zu absonderlichen Fragen habt." Als er sie dabei ansah, spürte Leia fast körperlich wie die Spannung im Raum anstieg. Die Situation geriet langsam außer Kontrolle und wenn sie sich daran zurückerinnerte wie sie einst für ihn empfunden hatte… dann brauchte dieses Gespräch dringend eine Kehrtwendung.

„Ja, du hast recht" Sie schaute zurück zum Holo. „Glaubst du der Dicke gehört zu den Bösen?"

„Ich sehe das Holo auch zum ersten Mal…aber der Verdacht dräng sich zwangsläufig auf, wegen des Datenkristalles."

Leias nickte und ihr rechter Arme fuhr um seine Taille, als sie erneut abzurutschen drohte. Wenn er sich doch einfach etwas mehr zurücklehnen würde! Das war so einfach nicht bequem und gerade sitzen konnte sie nicht mehr. Dafür war sie definitiv schon viel zu müde. Andererseits konnte sie ihm das ja schlecht sagen, oder er würde noch auf dumme Gedanken kommen. Der Film war eh gleich um.

Thrawn sprühte wie Leias Kopf einmal mehr an ihm abrutsche und diesmal auf seinem Bauch liegen blieb. Sie war eingeschlafen. Er betrachtet sie für einen Moment und strich ihr dann geistesabwesend durchs Haar. Frauen. Man konnte nicht mit ihnen und bestimmt auch nicht ohne sie. Der Film ging seinem Ende zu und Leia wachte genau in dem Moment auf, als Thrawn das Holo mit der Fernbedienung ausschaltete.

„Ich bin eingeschlafen" stellte sie schläfrig fest, setzte sich langsam auf, reckte sich und fuhr sich mit der Hand über die Augen. „Verdammt, und dabei wollte ich doch nicht schlafen."

„Zumindest kann ich dir versichern, dass keine Viecher über dich gekrabbelt sind." Sie lächelte ihn durch halb geschlossene Augen an und für einen kurzen Augenblick hatte Leia das Verlangen einfach auf seinen Schoß zu klettern und ihn zu küssen. Wie unglaublich sich das anfühlen würde… Aber das war wohl eine sehr, sehr dumme Idee. Als sie bemerkte, dass sie ihn bereits zu lange angesehen hatte, brach sie hastig den Blickkontakt, glitt vom Sofa und reichte ihm die Decke „Danke für die Decke. Ich gehe dann mal. Gute Nacht."

„Gute Nacht."

Seine Beziehung zu Leia gab ihm Rätsel auf. Die Situation Gestern Nacht war typisch gewesen. Und er wusste nicht wie er damit umzugehen hatte. Leia war nicht die einzige Frau in seinem Leben gewesen, doch sie war die Mutter seines einzigen Kindes. Es war also keine Beziehung die man einfach beenden konnte, wenn einem das Ganze zu kompliziert wurde. Und es war kompliziert. Hier ging es nicht um Sex, auch wenn die physische Anziehung unbestreitlich da war, saß ihm doch der lebende Beweise gerade gegenüber und aß einen Müsliriegel. Und dennoch waren Leia und er wie zwei Magnete die immer kurz bevor sie sich trafen urplötzlich ihre Polarität wechseln und sich dann wieder gegenseitig abstießen. Sie wollte ihn und dennoch würde Leia Organa Solo sich Händen und Füßen wehren, sollte er Anstalten machen sie für sich zu gewinnen. Davon war er überzeugt. Als sie von ihm schwanger war hatte sie Hals über Kopf Han Solo geheiratet! Er schüttelte geistesabwesend den Kopf. Bis heute konnte er nicht ganz nachvollziehen was damals alles vorgefallen war. Und es war durchaus bedenklich, dass es ihn nun so sehr beschäftigte.

„Was um alles in der Welt tut deine Mutter so lange im Bad?"

„Lange? Das ist nicht lange. Glaub' mir."

Mit einem lauten Raunen fuhr die Metallverkleidung des Hotels wieder nach oben und die Sonne erhellte das Zimmer. Kurze Zeit später signalisierte ein Piepen, dass auch das HoloNet wieder funktionierte. Endlich hatte die Zivilisation sie zurück. Thrawn checkte kurz einige Nachrichten und reif dann die HoloNet-Seite des Raumhafens auf. Auch Victoria war binnen Sekunden online und vollkommen in ihren Kommunikator vertieft. „Oh super!" strahlte sie. „Der Raumhafen ist wieder auf!"

Leia sprang zur Seite als die Tür sich, nach mehrmaligen Klopfen, von allein öffnete.

„Hey!" Sie wirbelte herum und riss sich dabei einige Haar mit der Bürste aus. Verdammt, ihre Frisur war heillos ruiniert.

„Was soll das denn werden, Admiral? Susanna im Bade? Wenn ich nicht aufmache, dann hat das für gewöhnlich seinen Grund!"

Da hatte jemand aber heute keine besonders gute Laune. „Susanna im Bade?" Thrawn schaute sie irritiert an.

„Also für jemanden der angeblich so belesen ist, ist das ziemlich arm. Die Bibel, Thrawn. Die Bibel. Ein echter Klassiker. Solltest du mal lesen. Könnte einen positiven Einfluss haben." Sie genoss es sichtlich ihn zu provozieren.

„Ich denke nicht, schließlich kenne ich das Ende schon und es ist ziemlich demotivierend." Konterte Thrawn und lehnte sich an den Türrahmen.

Leia seufzte und drehte sich dann kokett zu ihm um. „Ja, vielleicht. Wie dem auch sei `Susanna im Bade´ ist eine Geschichte in der die hübsche Susanna von zwei älteren Herren beim Baden überrascht wird und diese dann versuchen sie zum Ehebruch zu erpressen… Ich sage nur so viel: Es geht nicht gut für die Zwei aus."

Thrawn schaute sie einfach nur an und räusperte sich dann. „Ähm, sehr interessant. Aber eigentlich wollte ich dir nur sagen, dass das HoloNet wieder funktioniert und die ersten Schiffe wieder laden. Wir sollten zum Raumhafen gehen bevor es zu voll wird. Aber es ist aufschlussreich zu wissen, dass du mir so etwas zutraust." Leia versuchte seinem Blick mit zusammengepressten Lippen standzuhalten, verlor dann jedoch ihren kleinen Zweikampf und senkte als Erste den Blick. „Es tut mir leid. Das war nicht fair. Ich…ich habe einfach nicht genug Schlaf bekommen. Ich kann dann ziemlich launisch sein." Ja, das stimmte, aber das war nicht der Grund warum Leia wütend auf ihn war, eigentlich war sie nicht wütend auf ihn, sondern auf sich selbst, auf das was gestern Nacht beinahe geschehen war. In einem Augenblick der Courage schloss Leia die Tür hinter ihm.

„Nein, es ist nicht nur der Schlaf. Ich will ehrlich mit dir sein. Es fällt schwer wieder mit dir…hier… zusammenzusein. Es gibt einfach zu viele …Erinnerungen und ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll. Also verletzte ich lieber alles und jeden um nicht herum, anstatt womöglich selber verletzt zu werden… So bin ich nun mal…"

Er ging auf sie zu bis Leia sich zwischen ihm und dem Waschbecken gefangen sah. „Ich habe nicht die Absicht dich zu verletzen." hörte Leia ihn leise sagen und ihre Finger hielten sich krampfhaft am Waschbeckenrand hinter ihr fest, als seine rechte Hand nach ihrer Taille griff und er sie behutsam an sich zog. Langsam strich er ihr mit seiner anderen Hand über ihre Wange. Leia hörte förmlich wie ihr Herz in der Burst schlug als sie ihn ansah; sein Gesicht nur Zentimeter von ihrem entfernt und wusste genau was jetzt passieren würde, wenn sie nicht…doch es war bereits zu spät - Er küsste sie, zum ersten mal seit einer gefühlten Ewigkeit. Sacht strichen seine Lippen über die ihren und baten um Einlass und als sie endlich seinen Kuss erwiderte und ihm entgegenkam, wusste Leia wie es sich anfühlte zu fallen, sich vollkommen zu verlieren in einem Kuss. Der anfangs vorsichtige Kuss gewann schnell an Intensität und Leidenschaft und fast schon unterbewusst bemerkte Leia wie sie langsam vollkommen die Kontrolle verlor und vermutlich war es gerade dieses Gefühl der Leidenschaft und des vollkommenen Kontrollverlustes was Leia wieder zu Sinnen kommen lies.

„Ich kann nicht." erklärte sie atemlos und stieß ihn von sich. Schnell drehte Leia sich um, hielt sich am Waschbeckenrand fest und starrte fast schon ängstlich auf den Fußboden. Sie musste sich wieder fangen, ihren Geist klären. Als sie wieder aufblickte, streifte ihr Blick kurz die mitleiderregende Gestalt welche ihr aus dem Spiegel entgegensah. Sie musste hier raus! Schnell griff sie nach ihrer Haarbürste, warf sie kraftvoll zurück in ihre Handtasche und drehte sich dann zum Gehen um, doch Thrawn versperrte ihr den Weg.

„Was wird das?" verlangte er zu wissen.

„Ich gehe."

„Nein, du gehst nicht - du fliehst; rennst davon. Wie du es immer zu tun pflegst. Ich bin mir nur nicht sicher, ob du zu etwas rennst was du willst, oder von etwas weg wovor du dich fürchtest es zu wollen."

Sie hatte bereits zu viele Fehler in ihrem Leben gemacht und wollte es nicht noch schlimmer machen.

„Ich bin dir keine Rechenschaft schuldig. Du bist nicht mein Mann. Du hattest keine Recht…" flüsterte Leia mit entschlossener Miene und schloss dann kurz die Augen, vermutlich um sich beruhigen und zu verhindern, dass ihre Tochter etwas von ihrem Streit mitbekam. „Geh' mir aus dem Weg." zischte Leia, nun eindeutig wütend. Nach ein paar Sekunden der Stille kam er dann ihrer Aufforderung nach und Leia stürmte aus dem Bad.

„Victoria? Wir gehen!"

Es war dumm gewesen. Er hatte gewusst, dass sie es nicht zulassen würde und dennoch hatte er es versucht. Warum war ihm Rätsel. Er war niemand der kopflos in eine Situation preschte, wohlwissend dass es ein aussichtloser Kampf war. Für gewöhnlich bestimmte die Regeln, bog sie nach seinen Wünschen und Bedürfnissen. Doch hier gelang es ihm nicht. Leia Organa war ein Rätsel für ihn. Wie ein Puzzel, dass er einfach nicht zusammenpasste. Als er dachte dass sie ihn hasste, kam sie mit unmissverständlichen Absichten in sein Bett und wenn er Interesse an ihr zeigte, oder auch nur versuchte nett zu ihr zu sein, stieß sie ihn fort. Es machte ihn wahnsinnig und wahrscheinlich war auch dass der Grund, oder zumindest einer der Gründe, warum er immer wieder zu ihr zurückkam; sie nie ganz aufgegeben hatte. Sie war das Puzzel, das Rätsel, dass er noch nicht gelöst hatte. Die Frau die ihn nicht wollte. Die ihre Hand einem Anderen versprochen hatte, als sie sein Kind erwartete. Die Galaxis mochte Mitleid mit dem gehörnten Ehemann haben, doch aus seiner Perspektive… Er schüttelte den Kopf. Auf Csilla gab es einen sehr passenden Spruch der hieß `Die süße Frucht ist immer die, die gerade weit genug weg genug ist dass man sehen, aber nicht erreichen kann´. Für einen kurzen Moment hatte er gehofft, dass Leia auf seine Frage antworten würde. Ihm endlich erklären würde was er nicht verstand, doch dem war nicht so. Man sagte ihm nach ein genialer Stratege zu sein, doch das hier hatte er ordentlich ruiniert.

Da sie kein Gepäck hatten war das Auschecken relativ schnell vonstattengegangen und auf dem Weg zum Raumhafen sprachen sie kaum ein Wort miteinander. Nur Victoria redete fröhlich vor sich hin und schien von Rukh fasziniert zu sein. Thrawn bestand darauf sie zu begleiten, für den Fall dass der Falcon erneut durch Abwesenheit glänzte. Doch dieses Mal war er dort.

Solo stand unter dem Falcon und kontrollierte seine Außenhülle, als er die Truppe auf sich zukommen sah.

„Na das wurde auch Zeit! Mon Mothma hat bestimmt 200 Nachrichten für dich hinterlassen und du weißt wie sehr ich es hasse mit Politikern zu reden zu müssen." Leia küsste ihn zu Begrüßung auf die Lippen, wobei sie sicherstellte, dass Thrawn einen guten Ausblick auf die Szene hatte. „Ja, das merke ich, Liebling. Jeden Tag."

„Vielleicht hätte ich einen Weg finden sollen Leia noch einen Tag länger hier festzuhalten - womöglich hätte sich die Rebellion dann von selbst aufgelöst."

„Womöglich" erwiderte Han. Er mochte ihn nicht. Das war offensichtlich, doch er war so freundlich wie er es sein konnte, Victoria zu Liebe.

„Leider ist Leia nicht Einzige die Verpflichtungen hat… Ich muss gehen." Er streckte eine Hand nach Victoria aus, welche sie ohne zu zögern ergriff und ihn umarmte. Teenager oder nicht, in diesem Moment fühlte sie sich gar nicht erwachen. Sie würde ihn vermissen. Eigentlich kannte sie ihn nicht gut genug dafür und oftmals hatte sie Angst, dass das Bild das sie von ihrem Vater hatte Risse bekommen würde, würde sie ihn tatsächlich näher kennenlernen. Aber vielleicht waren diese Bedenken auch unbegründet. Schließlich wusste sie, dass er nicht perfekt war. Die meisten ihrer Bekannten verachteten ihren Vater dafür dass er Palpatines Schlachten schlug, oder waren zumindest nicht von ihm begeistert.

„Pass gut auf dich auf, Kleines." Er küsste sie kurz auf die Stirn und entließ sie dann aus seiner Umarmung. „Ja, mache ich."

Sein Blick richtete sich anschließend auf Leia, welche dicht neben Solo stand. „Und du auch." Leia nickte und sah dann zu Boden, ihre Arme immer noch vor der Brust verschränkt.

„Solo." Die zwei Männer schüttelten sich zum Abschied die Hand. „Sehen Sie dass hier besser als die wertvollste Fracht ihres Lebens an."

„Keine Angst. In dieser Angelegenheit sind wir zwei ganz einer Meinung."

Han sah Thrawn noch einen Moment nach, als dieser zusammen mit seiner Leibwache den Hangar verließ. Irgendwie hatte er kein gutes Gefühl bei der Sache.

THE END (for now)

A/N: Hoffe es hat gefallen! Reviews bitte!