Er lachte immer noch und zerstrubbelte ihr Haar. "Tust du wohl!"
"Ey, du Troll! Gleich knallt's"
"Meinst du ich habe Angst vor dir?"
"Ja! Allerdings! Ich sehe dich ja schon zittern, du Wurm!"
"Uuuhhh", er schlackerte mit den Beinen und sie knuffte ihm schmerzhaft in den Magen.
"Okay okay... Ich gebs ja zu. Ich habe Angst vor dir." Er grinste sie an und hielt ihre Arme fest. Dann lachten sie beide.
Sie beruhigten sich allmählich und der Regen wurde etwas schwächer.
Sirius grinste, als er hinausblickte und Tonks sah es. Sie blickte ihn fragend an.
"Meinst du, der kleine Scheißer da draußen würde blöd gucken, wenn wir uns daneben stellen würde und ihn mal ordentlich nass machen, wenn wir mit rumhüpfen?"
Sie hob eine Augenbraue. "Und ich dachte, du wärst erwachsen."
"Das bin ich ja auch. Ich würde quasi nur MITrausgehen, um auf meine kleine Cousine aufzupassen."
"Ha-ha"
"Was ist? Kommst du mit? Oder hast du Angst, dich schmutzig zu machen." Er hielt gespielt entsetzt eine Hand vor dem Mund. "Huh! Sag mir nicht, du bist eine Pussy!"
"Natürlich nicht, du Dandy!"
"Aye. Dazu stehe ich."
Er grinste und stand auf, nahm schließlich ihre Hand und scheuchte sie zum Kleiderschrank.
"Mach dich fertig, aye? Ich hol dich in fünf Minuten ab!"
Dann verschwand er um sich schnellstmöglich Klamotten anzuziehen.
Tonks schnappte sich einen Pullover und eine Hose, zog zügig ihren schwarzen engen Mantel drüber und rannte dann hinaus.
Flaxen machen war ihr größtes Hobby! Und dann auch noch mit ihrem Cousin...
Sie sauste so schnell hinaus, dass er fast mit ihm zusammenstieß.
Er lachte, nahm ihre Hand und rannte mit ihr die Treppen runter, fing sie auf, als sie mal wieder stolperte und dann standen sie auch schon draußen.
Die Straße vor ihnen glänzte feucht und die Pfützen breiteten sich über dem ganzen Asphalt aus. Der Weg war kaum gefahren und dennoch war die Struktur der Oberfläche leicht gewölbt und löcherhaft.
Die beste Vorraussetzung für ein Pfützenparadies.
Und ehe sie sich versah, war sie auch schon klatschnass. Sirius war mit voller Wucht vor ihr in eine Pfütze getreten und das schmutzige Wasser spritzte über ihre Kleider.
"Na warte, Black!"
Sie rannte ihm hinterher und verhinderte seinen Fluchtversuch. Mit voller Karacho stampfte sie in das Nasse und traf seinen Pullover. Der kleine Junge guckte blöd aus seiner feuchten Wäsche.
Tonks lachte angesichts des nassen Mannes, der vor ihr stand, doch ihre Heiterkeit half ihr bei seinem nächsten "Angriff" auch nicht weiter.
Er schlang die Arme um sie, hielt sie von hinten fest und sprang mit ihr in die Pfütze. Es ließ sich nicht vermeiden, dass beide klatschnass wurden.
"Iiiiiiiih...", quietsche sie auf, doch er machte weiter. Der Regen wurde stärker und somit wurden sie nicht nur von unten genässt, sondern auch von oben. Der Regen prasselte auf ihre braunen Haare und der Duft der in ihren Spitzen hing wurde kräftiger. Er nahm einen Hauch von Vanille und Honig war und da war noch etwas... etwas ganz Besonderes!
Er fühlte sich frei und vollkommen zufrieden. Man hatte aufgehört nach ihm zu suchen, denn man nahm an, dass er am anderem Ende der Welt war und die Mütze aus deinem Kopf verbarg sein Gesicht. Zudem waren hier nur Ordensmitglieder anwesend.
Was er allerdings nicht sah, war ein Mann der am Fenster stand und sie beobachtete. Doch das Haus war außer Sicht und sie KONNTEN den Mann nicht sehen.
Voller Heiterkeit begannen sie, im Regen zu tanzen. Ein heißer Tango, obwohl es ziemlich kalt war... Sie war ein Stück kleiner als er und sah deshalb zu ihr auf. Meine Güte, wann hatte er zum letzten Mal so eine hübsche Frau gesehen?
Sie war nass, wahrscheinlich bis auf ihre Unterwäsche, ihre nassen Haare fielen in ihre Stirn und wirkten leicht unordentlich, ihre Haarspitzen streiften seine Hand, die auf ihrem Rücken ruhte. Doch wovon er so fasziniert war, sie hatte graue Augen. Seine Augen. Diese wunderschönen Augen und dann auch noch braune Haare. Eine lustige Kombination...
Seine eigenen Augen waren etwas trüber und dunkler, die Zeiten von Askaban ließen sich nicht aus ihnen verbannen und trugen ihre Spuren, doch seit er frei war, war er wesentlich entspannter und seine Freunde halfen ihm wieder glücklicher zu werden... Remus, Harry, die Weasley... die Streitereien mit Snape, diesem grässlichem Schmierlappen und Tonks! Seine Cousine! Die einzige aus seiner Familie, mit der er klar kam. Abgesehen von Andromeda. Tonks raubte ihm einfach den Verstand. Er schmerzte ihn, dass sie seinen Freund Remus liebte, dennoch stand sie jetzt mit IHM hier draußen und nicht mit Remus...
Ein Niesen riss ihn aus seinen Gedankenzügen. Er sah auf sie herab und lächelt. "Wir sollten reingehen. Sonst wirst du noch krank..."
Er legte einen Arm um sie und führte ihn rein. Sie dachte daran, dass er nur ihr Cousin war und das war auch im Moment ganz gut so. Würde sie es zulassen, dass er sie berührte, wenn sie wusste, dass er solch Gefühle für sie empfand?
Sie gingen wieder rein und im Flur stand ein leicht verärgerter Remus.
"Du solltest nicht rausgehen, Siri-"
Doch er konnte nicht zuende sprechen. Der Anblick beider nassen Geschöpfe verschlug ihm den Atem.
Tonks lächelte ihn kurz an, ihre Wangen waren gerötet und auf ihren Wimpern tanzten kleine Wassertröpfchen. Dann zog sie ihren Mantel aus, erzählte etwas von, dass sie bis auf die Wäsche nass sei, womit sich Sirius verdacht bestätigte und ihr Blick streifte den Spiegel. Sie erstarrte!
Sie hatte in der Hektik vergessen ihre Gestalt zu ändern! Nein! Das konnte doch nicht wahr sein.
Sie nahm ihre Füße in die Hand und rannte die Treppe hoch! Ihr kam es vor, als wenn sie ohne T-Shirt rumgerannt wäre oder gleich splitternackt.
Wenn Sirius ihre richtige Gestalt sah, war es noch nicht so schlimm... aber Remus? Oh Merlin...
Sie konnte auch nicht sagen, warum sie sich so anstellte, aber ihre eigene Gestalt war etwas ziemlich intimes, etwas persönliches. Hörte sich das verrückt an? Bestimmt war es das auch!
Sirius blickte Tonks verdattert hinterher, hörte das wässrige Quietschen ihrer Schuhe, wenn sie auftrat und sah dann wie sie verschwand.
Remus erwiderte seinen Blick und fragte dann zerknirscht, "Was ist denn jetzt los? Hast du sie verärgert?"
"Nein, das habe ich nicht. Ich weiß auch nicht." Er konnte es sich denken, doch, dass Tonks wegen so etwas einen Aufstand machte? Nein, bestimmt nicht.
Remus reichte ihm ein Handtuch, das er hervorzauberte. "Trockne dich erst mal ab... ich setze Teewasser auf."
Dann verschwand er in der Küche. Kaum war er weg, tauchte Kingsley vor seine Nase. Er kam von draußen, das sah man eindeutig. "Ist Nymphadora hier? Ich brauche ein paar Auroren für einen Einsatz!" Er wirkte ziemlich verstreut.
"Sie ist oben", antwortete er schließlich und Kingsley rannte hoch.
Einen Moment später erschien er, mit Tonks im Schlepptau unten, brummelte Kommandos und Befehle zu, während sie ziemlich überrascht dreinblickte. Anscheinend hatte sie damit nicht gerechnet, so plötzlich beholt zu werden. Sie hatte nicht mal Zeit, um sich umzuziehen.
Kingsley warf ihr ihren Mantel zu und zog sie aus dem Haus..
Was sie wohl erwarten würde?
