RÜCKBLICK

Beltane*

Es war eine Laune gewesen, die Ron und sie dazu gebrachte hatte, den ersten Jahrestag über Voldemorts Sieg auf diese Art und Weise zu begehen.

Anfangs waren sie zu zehnt gewesen, aber dann sagte einer nach dem anderen ab.

Harry blieb zu Hause als Molly Weasley Ginny den Besuch verbot, Neville hatte andere Termine, George musste auf das Geschäft aufpassen, so blieben nur Ron und sie, Seamus und Parvati und natürlich Luna, deren Idee das Ganze war. Und eigentlich wollte Hermine auch nicht mehr mitgehen, aber das hatte Luna nicht zu gelassen.

„Du musst kommen und mit Ron den Vollmond erleben."

„Du meinst die Orgie? Ron will warten bis wir verheiratet sind. Es ist doch sinnlos nur da zu sitzen und ins Feuer zu starren."

„Auch das Herumsitzen kann wichtig sein. Du wirst zu Dir selbst finden. Und überhaupt, hast Du etwas Besseres vor? Zumal es viel mehr als eine Orgie ist. Niemand muss Sex haben. Man kann tanzen und einfach nur Spaß haben."

„Luna, ich kann auch woanders am Feuer sitzen und mich betrinken."

So einfach wollte sie es ihrer Freundin nicht machen.

„Sei nicht albern. Du weißt, dass es um viel mehr geht. Du hast die Chance mit dem Geist der Götter zu verschmelzen, ihre Hoffnungen für Dich zu erfüllen. In den letzten Jahren war das Fest abgesagt und deshalb wird es in diesem Jahr viel größer sein. Ich freue mich darauf meinen Seelenverwandten zu finden."

„Deinen Seelenverwandten bei Vollmond? Und was ist daran so toll?"

Luna verlor langsam die Geduld.

„Das versuche ich Dir doch die ganze Zeit zu erklären. Wenn sie Sonne untergeht, werden die Feuer entzündet. Das ist der Moment wo Deine Magie freigesetzt wird. Und dann trifft das Mondlicht auf Deine Magie und Deine Aura wird freigesetzt. Sie umhüllt Dich. Du wirst keine Gesichter sehen, sondern nur noch die Farbe, die Aura Deines Seelenverwandten. Der Mond zeigt Dir Deine Farben."

„Was meinst Du mit meiner Farbe?"

„Ach Hermine, Du willst mich nicht verstehen. Wenn Dich die Götter erwählen, dann siehst Du die wahre Seite Deines Gefährten. Und nur Du erkennst ihn. Für alle anderen wird seine Ausstrahlung unsichtbar sein, aber Du wirst ihn in der Menge erkennen. Nur Du hörst seine Stimme."

„Ich dachte wir reden über Seelenverwandtschaft?"

Luna schüttelte den Kopf.

„Nein, das ist etwas ganz anderes. Der Mond kennt Deinen Gefährten bevor Ihr Euch erkennt."

„Ich verstehe wirklich nicht was Du meinst."

„Ok, ich gebe auf. Du scheinst Dich einfach nicht dafür zu interessieren. Die tiefen Geheimnisse alter Magie, die unbekannten Dinge, die noch eindeckt werden müssen ..."

Hermine lachte auf.

„Ok, Ok, ich verstehe. Wenn Ron gehen will, dann gehen wir."

Und so kam es.

Wie Luna es prophezeit hatte, machte es von Anfang an Spaß. Die Musik, das Essen und selbst das Einkaufen in den bunten Zelten.

Je mehr Zeit verging, desto gespannter wurde die Stimmung. Ältere Hexen und Zauberer schritten durch die Menge und gaben den Neulingen Hinweise wie man sich verhalten sollte und welche Zaubersprüche mit welchen Bewegungen harmonierten.

Ron und Hermine waren ein wenig angeheitert. Sie machten sich einen Spaß daraus, dass sie einander sicher an Rons orangefarbenen Trikot erkennen würden und sie würde die Farbe des Bucheinbandes der neuesten Ausgabe von „Hogwarts. Eine Geschichte" annehmen. Sie hielten sich an den Händen und waren ein wenig nervös wegen der Aussicht, dass sie sich vielleicht doch nicht erkennen würden.

Dann ging die Sonne unter, die Feuer wurden entzündet und fast tausend Zauberer erhoben ihren Zauberstab und riefen „Signiversicolori!"

Hermine war geblendet. Um sie herum wogte ein Farbenmeer, Tausende von Farben. Farben, die sie nie zuvor gesehen hatte. Ron war Braun mit goldenen Streifen. Seamus war Zinnoberrot mit gelbbraunen Flecken. Parvati war wunderschönes Indigoblau mit feurigem Orange. Luna sah aus wie das blaue Mittelmeer, wenn sie sich bewegte.

Hermine hielt ihre Hand vor ihr Gesicht und sah ... eine Hand. Während die anderen waren nur noch aus Farbe bestanden, schien sie keine Farbe auszustrahlen. Enttäuschung machte sich in ihr breit, bis sie hörte, dass die anderen genau dasselbe empfanden.

"Oh, man kann seine Farben niemals selbst sehen", sagte eine bernsteinfarbene Frau in ihrer Nähe lachend.

"So wie niemand sonst Euer Inneres sehen kann. Nur eine besondere Person erkennt Euch."

Als sie sicher waren, dass nichts falsch an ihnen war, redeten sie alle auf einmal. Versicherten sich gegenseitig, dass sie alle die gleichen Dinge sahen.

Parvati informierte Hermine darüber, dass sie Dunkellila schien, mit roten und grünen Streifen.

„Verdammt, warum habe ich so eine langweilige Farbe."

Ron versuchte sie damit zu trösten, dass ihn das überhaupt nicht stören würde.

Umständlich legte er seinen Arm um sie und gemeinsam sahen sie wie Parvati, Luna und Seamus um das Feuer zu tanzen begannen.

Hermine und Ron lehnten sich an einen großen Stein, tranken ihr Ale und beobachteten die Menge, als ein violetter Arm nach Ron griff und ihn mit sich zog.

Anfangs fand sie das noch lustig, aber dann verlor sie ihren Freund aus den Augen. Sie stand auf um einen besseren Blick auf die Tanzenden zu haben, aber so sehr sie sich auch bemühte, Ron blieb verloren.

Vielleicht sollte sie mittanzen und Ron so finden, aber ihr Inneres war dagegen. Sie gehörte nicht in diese Gruppe.

Als sie die Menge betrachtete, fühlte sie eine angenehme Wärme über ihren Körper gleiten. Es war nur ein kurzer Moment, der schnell wieder verging. Dann beim zweiten Mal blieb das Gefühl und Hermine sah sich nach der Quelle um.

Schließlich sah sie einen Mann, 30 Meter entfernt auf der anderen Seite des Feuers. Sie wusste, es war ein Mann, auch wenn sie seine Gesichtszüge nicht ausmachen konnte. Er war groß, fast hager, und er schien dunkelgrau mit silbernen Blitzen. Sein Anblick beruhigte sie und auch ohne seine Augen zu sehen, wusste sie, dass er sie ansah. Ob er sie ebenso spürte? Unsichtbar in der Menge verborgen, traute sie sich ihn ebenfalls anzusehen.

Plötzlich bewegte er sich, ging ein paar Schritte auf sie zu und blieb dann kopfschüttelnd stehen.

Schließlich drehte er sich um und Hermine verlor ihn aus den Augen. Alle Wärme war plötzlich verschwunden und sie fühlte sich allein. Sie musste zu ihm.

Er würde die Menge meiden, das wusste sie. Aber die Menge machte es ihr schwer ihn wieder zu finden. Sie war zu klein um über die Köpfe der Hexen und Zauberer zu blicken. Es hatte keinen Zweck, dachte Hermine, die allen Spaß an diesem Fest verloren hatte.

So entfernte sie sich vom Feuer, suchte die Dunkelheit und lehnte sich an einen einsamen Baum.

Sie schloss ihre Augen und hielt ihr Gesicht dem Mond entgegen. Das Mondlicht berührte sie, umschmeichelte ihren Körper.

Plötzlich veränderte sich etwas. Die Wärme war wieder da. Sie öffnete ihre Augen, drehte sich um und da stand er. Zehn Schritte von ihr entfernt im Schatten, aber die silbernen Blitze machten ihn für sich sichtbar. Sie ging einen Schritt auf sie zu, er trat einen Schritt zurück.

Hermine blieb stehen und sie sahen sich an. Dann drehte er sich um und verschwand in der Dunkelheit der Nacht. Ohne zu zögern folgte sie ihm. Er führte sie tiefer in die Dunkelheit und trotzdem spürte sie keine Angst, nur die Erwartung auf das was kommen würde.

Plötzlich war er hinter einem Felsen verschwunden. Dort blieb er stehen und wartete auf sie. Dann stand sie plötzlich vor ihm und er zog sie zu sich heran. Seine Berührung war wie Feuer. Er hob seine Hand und fuhr an ihrem Gesicht entlang. Sie wollte das gleiche tun, aber er zuckte zurück. Plötzlich war sie wieder unsicher, was hatte sie falsch gemacht?

Als wenn ihr Gegenüber ihrer Enttäuschung spürte, nahm er sie in den Arm und zog sie zu sich heran.

Sie spürte seinen Körper und wusste dass er nur eine traditionelle Beltane-Robe trug.

"Wer bis Du?", fragte sie. Sie sah ihn verwirrt an.

Ihre Stimme schien zu zerfallen, wie ein Echo ertönte sie von allen Seiten. Was geschah mit ihr? Sie klang jünger, aber trotzdem viel erwachsener als sonst.

„Mondmagie", erklärte er und auch seine Stimme hatte ein Echo, klang aber trotzdem tief und männlich.

"Das verstehe ich nicht", sagte sie.

"Hat es dir keiner erklärt? Warst Du noch nie hier?"

"Nein, das ist mein erstes Mal."

Er starrte sie lange Zeit an, aber die Stille war nicht unangenehm.

"Deine Farben sind schön", sagte er schließlich mit Ehrfurcht in der Stimme.

"Wirklich? Meine Freunde haben mir gesagt, dass sie ziemlich aufdringlich sind."

"Sie können Dich nicht wirklich sehen. Ich sehe grün, hellgrün. Du bist die Farbe frischen Grases, das goldgelb in der Sonne scheint."

Seine Stimme war berauschend.

"Das hört sich wunderschön an", flüsterte sie.

"Du bist schön", sagte er. "Es ist lange her, seit ich solche Schönheit gesehen."

Er streichelte ihre Wange und sie lehnte sich in seine Berührung.

"Du siehst aus wie-"

"Ich weiß, wie ich aussehe", sagte er abwehrend.

"Du bist wunderschön", sagte sie trotzdem.

Sie spürte seinen intensiven Blick und errötete vor Verlegenheit.

Er beugte sich zu ihr hinunter und berührte ihre Lippen.

Sie fühlte wie ihre Magie erwachte und staunte. Seine Berührung fühlte sich vertraut und fremd an. Sie presste die Lippen fester gegen seine.

Sein Atem war süß, und seine Lippen schmeckten wie der Met den er zuvor getrunken hatte.

Sie legte ihre Arme um ihn, wollte, konnte ihn nicht loslassen. Sie hatte ihn zuvor verloren und das durfte ihr nicht wieder passieren.

Er überlies ihr die Initiative, überlies es ihr seinen Körper zu erkunden. Ihre Berührungen ließen ihn erschaudern, aber er stieß sich nicht zurück.

Sie hatte eine Macht über ihn, die ihm Angst machte, sich aber auch wundervoll anfühlte.

Sie war so vertraut und doch ein Rätsel für ihn.

„Warum trägst Du keine traditionelle Roben?", fragte er sie atemlos und schob sie ein wenig von sich.

„Ich hatte nicht geplant an den Fest teilzunehmen", antwortete sie ohne ihn loszulassen.

Dieser Mann hier fühlte sich so wunderbar an, ganz anders als Ron.

Plötzlich wurde ihr klar, dass sie einen Fremden küsste und berührte. Sie hatte in keinem Moment an Ron gedacht.

„Ich bin mit meinem Verlobten Ron hier."

Sie wusste sofort, dass sie das falsche gesagt, hatte als er erstarrte. Er würde ihr den Rücken kehren und sie ihn wieder verlieren.

"Bitte", flüsterte sie. "Geh nicht. Küss mich noch einmal. Ich habe so etwas noch nie zuvor gefühlt." Ihre exotische Stimme umschmeichelte ihn.

Vorsichtig berührte seine Brust, als wäre er ein wildes Tier, das sofort die Flucht ergreifen würde.

Doch stattdessen, zog er sie wieder in seine Arme. Zärtlich begann er sie zu küssen und mit jedem Kuss wuchs seine Begierde.

Hermine wusste nicht was sie machen sollte, denn Ron hatte darauf bestanden, dass sie als Jungfrau in die Ehe ging. Dadurch sollte ihre Verbindung besonders stark sein, aber so konnte sie auch keine Erfahrungen ihre Sexualität betreffend machen.

Wie es schien erahnte der Fremde ihre Gedanken, denn er lachte leise auf. Von einem Moment zu anderen änderte sich die Stimmung, er übernahm die Führung. Sie würde die seine sein.

In der Vergangenheit hatte er sich an keinem Ritual teilgenommen, aber diesmal nahm er das Angebot an.

Mondmagie, dachte sie und aus diesem Wissen schöpfte sie den Mut, seine Robe zu öffnen und ihn zu berühren. Ihre kleine Hand umfasste seinen Penis und für einen Moment hielt er den Atem an.

Dann umfasste er ihre Brüste und küsste sie durch ihre Kleidung.

Schließlich hob er wieder den Kopf und ihre Lippen trafen sich. Hermine öffnete den Mund und lies seine Zunge ein. Nach einer Weile hielt er es nicht mehr aus und legte seine Hand auf ihre. Er zeigte ihr was ihm gefiel.

Beide wussten, dass sie einander gehören würden.

Hermine fühlte wie sich ihre Magie ausbreitete und sah wie sich ihrer beiden Auren vermischten.

Ihre Hand bewegte sich schneller und er konnte seine Erregung nicht mehr kontrollieren.

Mit einem lauten Stöhnen kam er.

Es war ein berauschendes Gefühl ihn so zu sehen.

Er nahm ihre Hand und wischte sie mit seiner Robe ab.

„Die Göttin muss mit Dir zufrieden sein", sagte er geheimnisvoll, richtete sich auf, strich die Robe glatt und zog sie zu sich heran.

„Es gibt viele Ritualplätze. Komm nur zu diesem."

Er gab ihr einen letzten Kuss und entfernte sich schnell von ihr. Sie wollte ihn fragen was er damit meinte, aber bevor sie etwas sagen konnte, disappierte er vor ihren Augen.

In demselben Moment in dem er verschwand, brach der Zauber. Sie war plötzlich allein und brach in Tränen aus.

Verwirrt machte sie sich auf den Weg zu ihrem Zelt. Dort würde sie sich säubern. Der Gedanke, dass die Freunde sie so finden würden – mit den Samen eines Fremdens auf ihr, war unerträglich.

Das Fest ging noch bis in den Morgenstunden die Sonne wieder aufging und die Magie des Mondes gebrochen wurde.

Für Hermine Granger hatte das Ritual geendet als ihr fremder Gefährte verschwand.


Wikipedia:

Im Neuheidentum wird der Name Beltane oder Beltaine für eines der acht Jahresfeste verwendet. Obwohl sich der Feiertag einiger Merkmale (etwa der Freudenfeuer) des gälischen Beltane bedient, ist es sowohl hinsichtlich der Bedeutung (Betonung der Fruchtbarkeit) als auch der Rituale (Tanz um den Maibaum) näher mit dem germanischen Mai-Feiertag verwandt. Einige Heiden feiern Beltane, in dem sie den Akt zwischen dem Herrn und der Herrin des Mai aufführen. Gerald Gardner, einer der wichtigsten Initiatoren des Wicca, bezieht sich mit der Bezeichnung „Vorabend des Mai" auf Beltane.

Viele Neuheiden begehen Beltane (zusammen mit den Festen Imbolc (Vollmond des 2. Mondes), Lughnasadh (Schwarzmond des 8. Mondes) und Samhain (Schwarzmond des 11. Mondes) nicht nach dem absoluten Datum, sondern dem Mondkalender. Danach fällt Beltane nicht auf den 1. Mai, sondern auf den Vollmond des 5. Mondes (5. Vollmond nach dem Julfest). Andere halten sich an den Jahreslauf der Sonne und feiern Beltane analog zur Sonnwende um den 21./22. April.


Nächstes Kapitel:

Wann wird Hermine den Fremden wiedersehen ?


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