Kapitel 1: Mercurius Arthur Thoresdale

Die goldenen Lettern waren schwer zu entziffern und offensichtlich dem Zahn der Zeit anheim gefallen. Doch jemand hatte offensichtlich mit einem Anti-Witterungs-Zauber versucht, die verblichenen Überreste zu retten. Einige Buchstaben waren noch einigermaßen lesbar. Sie lauteten:

MER U IU A THO E DA

ZT R W L E

War er endlich am Ende seiner Suche angelangt? War dies tatsächlich das geheime Versteck des größten Zauberers, den die Zauberergemeinschaft je hervorgebracht hatte? War dies das Versteck von Mercurius Arthur Thoresdale? Marcus fühlte, wie sein Herz bebte, als er nach der Kiste griff. Er spürte, wie sein Herz das Blut in jede noch so kleine Ader pumpte, als er mit den Fingern über die Lettern strich und die ausgeblichenen Buchstaben im Holz nachfühlte. Wieder blitzte es mit donnerndem Getöse.

Sein Herz tat einen Sprung! Er begann vor Aufregung zu zittern und auf seiner Stirn bildeten sich kleine Schweißperlen. Dies war wahrhaftig Mercurius Thoresdales letzte Zufluchtsstätte! Er hatte es geschafft! Nach all den Strapazen und Zweifeln war seine Suche also doch nicht vergebens gewesen. Nun würden sie wieder aufatmen können. Sie würden es also doch noch rechtzeitig schaffen.

Die Zeile unter dem verehrten Namen konnte er nicht entziffern. Das Holz war an dieser Stelle zu verwittert, als dass er etwas hätte erfühlen können. Doch das kümmerte ihn nicht. Diese Kiste war der Beweis, den er gesucht hatte. Und möglicherweise barg sie auch das Wissen, dass sie brauchten, um das Mospandreddon-Ritual umzukehren. Wieder blitze es und Marcus zuckte unwillkürlich zurück als der Donner in dem Moment einsetzte, als seine Hände den halbrunden Deckel der Kiste umschlossen.

"Immer mit der Ruhe! Ist doch nur ein Gewitter!", beruhigte er sich selbst und wandte sich wieder der Kiste zu. Er untersuchte den Deckel. Es waren keine Griffe zu finden. Er versuchte, die Kiste zu öffnen, doch sie war offenbar fest verschlossen. So sehr er es auch versuchte, er konnte seine Finger nicht in den kaum vorhandenen Spalt zwischen Deckel und Kiste bekommen. Er richtete seinen Zauberstab auf den eingekerbten Deckel.

"Alohomora!"

Nichts geschah.

"Hätte ich mir denken können!", sagte er mit einem Lächeln. "Aber einen Versuch war es wert!" Er sah die Kiste an, als hätte sie ihn gerade zu einem Duell herausgefordert. "Du willst also Krieg? Den kannst du haben!" und richtete erneut seinen Zauberstab auf die rebellische Kiste. Er versuchte es mit einem Explosionszauber.

Es knallte und der Deckel rüttelte bedrohlich an seinen unsichtbaren Fesseln und das Holz splitterte an einigen Stellen. Zur selben Zeit hatte es wieder unter ohrenbetäubendem Donner geblitzt, so dass Marcus einige Schritte nach hinten stolperte und sich erschreckt umsah. Doch im Raum war es zu dunkel, als dass er etwas hätte erkennen können. Das einzige was ihm auffiel war, dass der Raum, in dem er sich befand, riesig sein musste, denn der Blitz hatte keine Wände und keine Decke erkennen lassen. Er richtete seinen Blick wieder auf die Kiste, doch diese war weiterhin verschlossen und schien sonst unversehrt.

"Also gut! Ich sehe schon, dass hier rohe Gewalt nicht viel hilft!" sagte Marcus mit leicht enttäuschtem Unterton.

Er wies mit seinem Zauberstab auf die Kiste, konzentrierte sich auf sie und zitierte die Apocamyst-Formel: "Offenbare dein Geheimnis!"

Doch nichts geschah.

Er untersuchte die Kiste genauer, konnte aber kein Schloss oder einen Öffnungsmechanismus finden. Aber irgendwie musste die Kiste doch zu öffnen sein! Sollte seine Aufgabe an einer störrischen Holzkiste scheitern? Alles schien darauf hinzudeuten, dass das, wonach er suchte, in dieser Kiste verborgen lag. Da fiel ihm plötzlich sein alter Lehrer für Zaubersprüche Professor Salacadabra ein. In einer recht langweiligen Stunde über die verschiedenen magischen Präsenzen von magischen Gegenständen hatte jemand spöttisch nach dem praktischen Sinn von magischen Präsenzen gefragt. Verärgert hatte Professor Salacadabra dem Schüler die enorme Wichtigkeit der magischen Präsenzen verdeutlicht. Die rasselnde Stimme des Professors rang ihm im Kopf: "Stellen Sie sich vor, Sie benötigten dringend ein bestimmtes Elixier, doch der Zugang dazu ist Ihnen versperrt, zum Beispiel durch eine verschlossene Tür oder durch eine andere magische Barriere, die nicht mit einfachen Zaubersprüchen oder Gewalt zu öffnen ist. Anhand der magischen Präsenz des Gegenstands, den sie benötigen, können Sie diesen zum Beispiel lokalisieren und allein durch die Struktur seiner magischen Präsenz vor Ihnen morphodiktieren. Oder Sie können die magische Präsenz der Tür untersuchen, um so den Zauber oder Mechanismus zu finden, der die Tür öffnet. Magische Präsenzen können Ihnen so das Leben retten. Mithilfe der magischen Präsenz kann man starke magische Gegenstände oder Zauber entdecken. Viele magische Gegenstände sind oft als unscheinbare Dinge getarnt. Denken Sie zum Beispiel an Portschlüssel! Durch ihre magische Präsenz kann man solche Gegenstände enttarnen!"

Marcus konnte sich nicht erklären, wieso ihm das gerade jetzt einfiel und warum er sich überhaupt noch daran erinnern konnte. Doch dann fiel ihm ein, dass er Daphnes ersten Liebesbrief in genau dieser Stunde gelesen hatte. Sonst hätte er solch eine Erinnerung wohl kaum im Gedächtnis behalten, dachte er schmunzelnd. Aber möglicherweise war die magische Präsenz sogar des Rätsels Lösung! Ein Versuch war es auf alle Fälle wert!

Wieder richtete er seinen Zauberstab auf die Kiste, doch diesmal konzentrierte er sich auf die magische Präsenz der Kiste. Er schloss die Augen. Die Kiste besaß eine unglaublich starke sphärische Kraft. Sie begann vor Marcus' innerem Auge enorm schnell in überdimensionale Höhen und Breiten zu wachsen. Sie schien in allen nur möglichen Farben zu schillern, ja sie schien völlig neue Formen von Farben mit unglaublicher Tiefe und Kraft zu kreieren. Von dieser Kiste ging jetzt eine ungeheure Macht aus, die alles zu verschlucken schien. Sie sog den Raum um sich herum auf wie ein trockener Schwamm, den es nach Wasser dürstet. Schon schienen die flackernden, strahlenden Lichtflammen der Kiste sich über seinen Geist zu stülpen und ihn in sich aufzunehmen. Mit Mühe musste er sich davon abhalten, die Augen zu öffnen. Denn öffnete er jetzt seine Augen, dann würde er der magischen Präsenz der Kiste erlauben, sich für immer vor ihm zu verschließen und ihm so den Zugang zu ihren Geheimnissen zu versagen. Doch diese unscheinbare Kiste offenbarte sich ihm nun in ihrer wahren Gestalt. Sie besaß eine ungeheure magische Macht, die ihm überaus erbitterten Widerstand leistete mit einer Kraft, die alles, was er bisher erlebt hatte, wie kleine, unbedeutende Mückenstiche erscheinen ließ. Er musste alle seine Kräfte zusammen nehmen, um nicht von der gigantischen Kraft und Fülle dieser Präsenz zerschmettert zu werden. Solch eine Kraft und solch einen erbitterten Widerstand hatte er bisher noch nicht erlebt! Eine Niederlage gegen diese Macht würde nicht ­– wie bei einfachen magischen Präsenzen – mit ein paar Tagen starker Kopfschmerzen enden. Diese Macht war kurz davor, seinen Geist in sich aufzunehmen! Wenn er diesen Kampf nicht gewann, würden starke metapsychische Schäden seines Geistes die Folge sein, wenn nicht sogar schlimmer. Schon begannen die Farben vor seinem inneren Auge zu verschwim­men und an Konturen und Klarheit zu verlieren; er hatte Schwierigkeiten, die magische Präsenz vor seinem inneren Auge zu fokussieren. In den unscharf flimmernden, verschwommenen Farben tauchten Bilder auf. Zuerst waren es nur unscharfe Schatten. Doch schon bald begannen sie sich schärfer aus dem Gewirr aus ineinander fließenden Farben und unscharfen Konturen hervorzuheben. Ihm schien, als käme aus dem Farbenchaos jemand auf ihn zu. Er konnte nicht genau erkennen, wer es war, doch die Art, wie dieser jemand auf ihn zuging, schien ihm allzu vertraut. Und dann hätte er vor Schreck beinah die Augen geöffnet.

Es war Daphne. Daphne lächelte ihn an. Sie ging näher auf ihn zu. Langsam, sehr langsam, kam sie näher. Sie legte ihre Arme um seinen Hals. Gleich würde sie ihn küssen. Doch plötzlich rannen Tränen aus ihren Augen und sie sah ihn böse an. Sie wandte sich von ihm ab und begann haltlos zu weinen. Ihr ganzer Leib zitterte davon. Unter Tränen und unterbrochen von vielen schweren Schluchzern rief sie schrill: „L-l-lass mich i-in Ruhe! Ich will n-ni-nichts mehr mit dir z-zu tun haben! G-g-geh doch zu deiner M-margaret! D-die ist dir j-ja offens-si-sichtlich mehr wert als ich!" Doch mit einem Mal lachte sie wieder und strahlte ihn an. Sie hielt ein riesiges Lebkuchenherz in der Hand auf dem in weißem Zuckerguss „Ich liebe Dich mehr als alles auf der Welt!" geschrieben stand. Was sollte das alles? Was war hier los? Was machte Daphne hier? Daphne konnte doch unmöglich hier her kommen können! Er hatte sie sicher bei Rubin untergebracht! Hatte er sich etwa in Rubin getäuscht? Hatte er sie hierher gebracht? Aber das erklärte trotzdem nicht ihre komischen, plötzlichen Stimmungsschwankungen. Aber Rubin würde ihn nie hintergehen! Rubin war sein bester Freund! Aber wie konnte dann Daphne hierher gelangt sein können? Und dann fiel es ihm wie Schuppen von den Augen. Dies passierte nur in seinem Geist! Es waren Illusionen! All das waren verschiedene Begegnungen mit Daphne gewesen, an die er sich jetzt erinnerte. Doch schon begannen die Erinnerungen zu verblassen. Daphne verschwand im Farbennebel und mit ihr wurden die Erinnerungen an sie schwacher. Schon konnte er sich nicht mehr genau an ihr Gesicht erinnern. Was passierte hier? Dann begann es ihm zu dämmern: Die magische Präsenz begann ihm seine Erinnerungen zu entreißen und in sich aufzunehmen! Er begann vor ihr zu schrumpfen. Kälte- und Hitzeschauer durchfluteten gleichzeitig und im Wechsel seinen Körper und er begann am ganzen Leib zu zittern. Es schüttelte ihn immer heftiger, als aus der stetig wachsenden Sphäre der magischen Präsenz immer stärker schlagende Impulse wie Fausthiebe auf ihn einzudreschen begannen. Ein Stoß traf ihn mit solcher Wucht, dass er einige Schritte nach hinten taumelte und beinah zu Boden fiel. Doch instinktiv fing er die Stöße ab und festigte seinen Stand. Gleichzeitig umfasste er intuitiv seinen Zauberstab und richtete ihn energischer denn je auf die Kiste.

„Konzentriere dich! Reiß. Dich. Verdammt noch mal. Zusammen!", dachte er streng. Er fühlte sein Blut stärker denn je durch seine Adern pulsieren. Mit solcher Wucht schlug sein Herz, dass seine Brust jeden Moment zu bersten schien. „Konzentriere dich!" Und da fielen ihm auch wieder die UnZuBeGruns (die Unbedingt ZuBeachtenden Grundsätze) für magische Präsenzen ein und er begann sie laut zu rezitieren: „Bewahre deine Identität! Definiere und diktiere sie der magischen Präsenz! Erinnere dich deiner Wurzeln und Bande, wen du einer magischen Präsenz gegenüber trittst!"

Schlagartig kam ihm wieder alles zu Bewusstsein. Daphne war in Sicherheit. Sie war bei Rubin und würde dort bleiben, bis er wieder zu Rubin zurückkehrte. Rubin würde ihn niemals hintergehen. Sie waren seit ihrer Kindheit die besten Freunde und würden es immer sein. Wie hatte er überhaupt an ihm zweifeln können? Das war die magische Präsenz gewesen, die ihm solche Illusionen vorgegaukelt hatte. Doch das war jetzt vorbei. Er wusste nun wieder wer er war und mit welcher Macht er es zu tun hatte. Er konzentrierte sich jetzt mit aller Kraft, die er aufbringen konnte, auf die magische Präsenz. Gleichzeitig achtete er jedoch darauf, nicht zu vergessen wer er war. Er würde dieser Präsenz zeigen, was es bedeutete sich mit Marcus Wrathtone anzulegen. Die Farben begannen wieder klarer und die Konturen schärfer zu werden. Das bis eben noch vollkommen verschwommene und formlose Bild in seinem Kopf begann langsam Form und Gestalt anzunehmen. „Denk an etwas Schönes!", dachte er. Vor einigen Sekunden, als er nicht mal imstande war, einen einzigen klaren Gedanken zu fassen, wäre das noch ein Ding der Unmöglichkeit gewesen. Doch jetzt fühlte er sich wieder gestärkt und sicher durch sein wiederkehrendes Selbstgefühl. Er dachte an sein schönstes Erlebnis. Er dachte daran, wie er Daphne seine Liebe gestanden hatte und sie ihn angestrahlt und mit Küssen bestürmt hatte. Mit dieser Erinnerung im Kopf richtete er seine Konzentration nun auf die immer gefügiger werdende magische Präsenz.

Legilisecrum!", rief er.

Die magische Präsenz leistete keinen Widerstand mehr. Ihre Macht war gebrochen. Er hatte gewonnen. Er konnte nun erkennen, was sich in der Kiste befand und welche Zauber die Kiste verschlossen hielt. Doch als ihm klar wurde, was in der Kiste verschlossen war, ließ er vor Schreck seinen Zauberstab fallen und öffnete die Augen.

In dieser Kiste befand sich ein Geist. Es war jedoch nicht irgendein Geist. Dies war Mercurius Arthur Thoresdale! Ein starker Geister-Bannfluch hielt ihn in der Kiste gefangen. Die Kiste selbst war noch mit einem Anti-Öffnungszauber versehen, der jeden Öffnungszauber unwirksam machte. Daher hatten der Alohomora- und der Explosionszauber auch nichts ausrichten können. Doch er wusste die Gegenflüche, die nötig waren, um die Kiste zu öffnen und Thoresdales Geist zu befreien. Er hob seinen Zauberstab auf und richtete ihn auf die Kiste.

Proparafortem!"

Aus dem Zauberstab drang ein feuriger Lichtstrahl, der die Kiste erfasste und sie in dasselbe Licht tauchte. Mit einem Krachen sprang der Deckel der Kiste auf und offenbarte ihr Inneres.

„Na endlich!" drang eine tiefe, rauhe Stimme aus der Kiste. In diesem Moment erhellte ein gleißender Blitz unter ohrenbetäubendem Donner den immens großen Raum und Marcus – geblendet – musste für einen Augenblick seine Augen schließen. Im selben Moment durchfuhr es ihn eiskalt, als wäre er aus einer Wüste direkt zum Nordpol appariert. Als er im nächsten Moment seine Augen wieder öffnete, war die Kiste leer. Wie war das möglich? Mercurius sollte eigentlich durch einen Geister-Bannfluch in der Kiste festgehalten werden. Wie hatte er aus der Kiste entfliehen können? Die Eiseskälte, die er eben gefühlt hatte, musste davon herrühren, dass Mercurius durch ihn hindurchgeschwebt sein musste. Verwundert sah er sich um. Nach dem grellen schockartigen Licht des Blitzes, schien die Dunkelheit noch undurchdringlicher. Dass er sich den Blitz gerade nicht einfach eingebildet hatte, bezeugten die blass türkis schimmernden Abbilder des Blitzes, die nun vor seinen Augen hin- und hertanzten.

"Lumos!" flüsterte er. Ein kleiner Lichtschein ging jetzt von der Spitze seines Zauberstabes aus und erhellte die unmittelbare Umgebung um ihn herum.

„Mr. Thoresdale?" rief Marcus in die erdrückende Stille. Niemand antwortete. „Mr. Thoresdale?" rief Marcus wieder. „Wo sind Sie?" Wieder keine Antwort. Offensichtlich war er fort. Marcus musste ihn finden! Dieser einst so große Auror war der einzige, der ihnen im Kampf gegen Nasreddin helfen konnte. Er tastete sich zurück zu der Tür, durch die er gekommen war. Er fühlte nach der Klinke und drückte sie herunter. Die Tür öffnete sich. Hinter ihr war nur Dunkelheit. Hatten nicht vorhin noch ein paar Fackeln den Gang erleuchtet? Er schritt in die Finsternis und plötzlich verschwand die Dunkelheit und er befand sich wieder in dem Gang, in dem er die Tür entdeckt hatte. Ein paar Fackeln erhellten den Gang. Was für eine merkwürdige Magie war hier im Gange? Was ging hier vor? Darum würde er sich später kümmern, dachte er sich. Jetzt musste er erst mal Thoresdale finden. Er rannte den Gang entlang, bis er an eine Treppe gelangte, die an einer Luke endete. Er stieß die Luke auf und stieg aus dem Gang in ein kleines Kellergewölbe. Als er die Luke hinter sich schloss, fügte sie sich nahtlos in den Boden ein, so dass niemand, der nicht genau hinschaute, dort nach einer Luke gesucht hätte. Marcus hatte das Gefühl, als ob er irgendetwas Wichtiges vergessen hätte, aber er kam nicht drauf, was es war und beschloss, sich später darüber sein Gehirn zu zermartern. Er verließ das Gewölbe auf dem Weg, auf dem er das Gewölbe vorher gefunden hatte. Er befand sich in einem Keller unterhalb des stattlichen Herrenhauses, dass Mercurius Arthur Thoresdale einst bewohnt hatte. Als er schließlich den Salon erreichte, hörte er in der Ferne ein kaltes, raues Lachen. Es kam von draußen. Er rannte nach draußen. Es stürmte und gewitterte immer noch. In nur wenigen Sekunden war Marcus bis auf die Knochen durchnässt. In der Ferne sah er eine schimmernde Gestalt durch den Regen schweben.

„Mr. Thoresdale!" rief Marcus. „Kommen Sie zurück! Ich brauche Ihre Hilfe!" Doch der Geist schien ihn nicht zu hören. Marcus rannte in seine Richtung, doch er rutschte aus, verlor das Gleichgewicht und fiel mit dem Gesicht vorüber in eine Schlammpfütze. Über und über mit Schlamm besprenkelt, rappelte er sich wieder hoch und rief dem sich immer weiter entfernenden Geist hinterher: „Mr. Thoresdale, kommen Sie zurück! Das Schicksal der zaubernden Gemeinschaft liegt in Ihren Händen!"

Als Antwort kam nur wieder dasselbe schaurige Lachen, das er vorhin gehört hatte. Marcus rannte wieder los. Er konnte es nicht zulassen, dass der Geist von Mercurius Arthur Thoresdale so einfach verschwand, jetzt, wo er doch so weit gekommen war! Doch in diesem Mistwetter war ein schwebender Geist einem sich auf zwei Beinen fortbewegenden Menschen haushoch überlegen. Schon bald hatte Marcus ihn aus den Augen verloren. Was jetzt? Es blieb ihm nichts anderes übrig, als zum Ministerium zurückzukehren und zu berichten, was er gefunden hatte. Allzu begeistert würden seine Kollegen wohl nicht sein. Er hatte die Gelegenheit, Nebukadnezar endlich zu schlagen, vermasselt.