Vorwort: Und weiter geht's mit Kapitel zwei! Das M-Rating ist übrigens wegen dieses Kapitels (vgl. Warnungen vor dem ersten Kapitel) und eher um auf Nummer sicher zu gehen...


2. Kapitel:

Als Dimitry zu sich kam, roch er etwas Fremdartiges und hörte hinter sich Schritte. Schnell richtete er sich auf und hielt verwundert inne. Wieso war er nicht gestorben? War es lediglich ein Schwächeanfall gewesen? Bekamen Vampire überhaupt Schwächeanfälle und fielen in Ohnmacht? Als Mensch war ihm so etwas nie passiert. Sein Hunger war jedenfalls nicht gestillt und sein Magen knurrte, während ihm dieser Geruch erneut in die Nase stieg…

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Ein Mädchen betrat die stille Waldlichtung, das überaus seltsam gekleidet war. Natürlich wusste er, dass viel Zeit vergangen war seit der Epidemie. Außerhalb seines abgeschiedenen Zufluchtsorts drehte sich die Uhr weiter, inzwischen war das Dorf zerfallen und das Schloss, in dem er früher gelebt hatte, nur noch eine Ruine. Aber solche Kleidung hatte er noch nie gesehen. Kleideten sich die Menschen dieses Jahrhunderts so oder war dieses Mädchen eine Ausnahme? Auch ihre Frisur sah unvertraut aus und doch hatte sie etwas Vertrautes an sich. Er stellte sich höflich vor und unterhielt sich mit ihr. Rasch fand Dimitry heraus, dass sie scheinbar nicht wusste, wie sie in den Wald gelangt war. Ihr Name klang ebenfalls fremd.

Sie war insgesamt eine merkwürdige Person, wie er feststellte. Sie fragte die sonderbarsten Dinge über sein Vampir-Leben und schien trotzdem kaum Angst vor ihm zu haben. Kurz überlegte Dimitry, ob sie sich wohl von ihm wandeln lassen wollte – etwas, das er ihr auf keinen Fall antun würde, sie wirkte allerdings bloß neugierig. Ein verräterischer Teil von ihm fand das fast schade, denn im Laufe der Wandlung zum Vampir hätte er sie beißen müssen und sie roch wirklich gut. Das war ungewöhnlich, denn normalerweise widerte ihn der Geruch von Blut an und er musste sich überwinden, um überhaupt welches zu trinken, selbst wenn es nur von Tieren stammte.

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Er war lange Zeit allein gewesen und so erzählte er ihr schließlich seine Lebensgeschichte. Sie hatte offenkundig Mitleid und pflückte Blumen für die Gräber der verstorbenen Dorfbewohner, obwohl sie diese Menschen gar nicht kennen gelernt hatte. Mary hätte dieses lebhafte Mädchen gemocht, wenngleich es sehr viel hin und her lief und es selten für längere Zeit an einem Ort aushielt. Deshalb schenkte er ihr auch Marys altes Kleid, was sie sehr freute.

Letztendlich fasste er sich ein Herz und fragte sie, ob er von ihrem Blut trinken dürfe. Er war hungrig, so ausgehungert, und ihr Blut roch so unglaublich gut und sie war so nett zu ihm gewesen, dass er letzten Endes schwach geworden war. Sofort peinigten ihn Schuldgefühle und er rechnete fest damit, dass sie ablehnen und vor ihm fliehen würde.

Doch sie überraschte ihn ein weiteres Mal und stimmte zu, obwohl offensichtlich war, dass sie etwas Angst hatte. An die Mauer seines alten Schlosses gelehnt, stand sie im Mondlicht da, trug Marys Kleid und bot ihm ihren blassen Hals an. Nun konnte und wollte Dimitry nicht mehr ablehnen. Vorsichtig legte er einen Arm um ihre Taille, beugte sich über sie und biss mit seinen scharfen Eckzähnen behutsam in ihre Kehle. Schließlich wollte er sie nicht unnötig verletzen.

Ihr Blut schmeckte besser als alles, was er zuvor getrunken hatte. Mühsam löste er sich nach einiger Zeit von dem Mädchen, um ihr nicht zu viel Blut abzunehmen. Er wollte sich für ihr Opfer bedanken, während sie plötzlich blasser wurde. Dimitry war entsetzt! Hatte er zu viel von ihrem Blut genommen? Da bemerkte er, dass nicht nur ihr Gesicht, sondern ihre ganze Erscheinung verblasste, bis sie sich vollständig aufgelöst hatte…