Kapitel 2

Es dauerte nicht einmal den Bruchteil einer Sekunde und das Jahrelange harte, erbarmungslose Training sowie der angeborene Instinkt des Jägers übernahmen die Kontrolle über das Handeln der Winchesterbrüder.

Nur ein einziger, kurzer gegenseitiger Blick und sie hatten sich wortlos verständigt. Während Sam entschlossen um die Theke rannte, entschied sich Dean für den direkteren Weg. Mit einem gewaltigen Satz schwang er seinen Körper kraftvoll und geschmeidig wie eine Raubkatze über den Tresen um auf der anderen Seite sicher auf seinen Beinen zu landen.

Sam ergriff ein einfaches Küchenmesser das er aus dem Augenwinkel erspäht hatte und stand aufmerksam vor der immer noch leicht hin und her schwingenden Tür. Der plötzliche Adrenalin-Schub stand ihm förmlich im Gesicht geschrieben. Seine Lunge atmete heftig und trieb den Brustkorb sichtbar auf und ab. Das Herz pumpte auf Hochtouren um Sams angespannten Körper, der sich rasant auf einen Kampf vorbereitete, mit ausreichendem Sauerstoff zu versorgen. Das Messer zum Schlag bereit sah er schweigend zu Dean herunter, der sich über Lily gebeugt hatte, um sich kurz zu vergewissern, dass sie keine Verletzungen hatte. Durch ein fast unmerkliches Nicken signalisierte ihm der Ältere, dass die junge Frau in Ordnung war. Entschlossen richtete er sich auf um sich, gemeinsam mit seinem Bruder, dem zu stellen was hinter dieser Tür lauerte.

Die Jäger standen, jeder mit dem Rücken an einem der Pendeltürflügel. Ihre Gesichter waren angespannt und konzentriert. Wieder übernahm der Ältere wortlos das Kommando und auf einen kurzen Augenwink hin stürmten sie die Küche. Mit einem explosiven Tritt bahnten sie sich den Weg durch die Küchentür. Krachend rissen die Scharniere unter der geballten Kraft und ließen beiden Hälften der Tür zu Boden stürzen.

Ein beißender, schwarzer Qualm erfüllte sofort ihre Lungen und machte jeden Atemzug zur Tortur. Schützend hielten sich Dean und Sam die Arme vor ihre Gesichter und kniffen die Augen zusammen um die brennenden Tränen zurück zu halten. Dean hatte sich mit wenigen Schritten zu einem kleinen Fenster durchgekämpft. Mit seinem rechten Ellenbogen schlug er die Scheibe ein. Nur langsam löste sich der Rauch durch den entstandenen Gegenzug auf und gab zögerlich den Blick in die Küche frei. Die Brüder verharrten in konzentrierter Abwehrhaltung ihre Arme zum Schutz der Gesichter erhoben - auf alles vorbereitet, sich Rücken an Rücken gegenseitigen Deckung gebend.

Nach wenigen Minuten wurde die Luft wieder einigermaßen erträglich und die Sicht klarer. Deans Blick flog vorbei an Regalen die überquollen mit Töpfen, Pfannen und Plastikdosen auf den Grill. Ein kurzes Aufstöhnen entwich ungewollt seinen Lippen. Sein Magen wollte sich umkrempeln. Mit zusammengepressten Augen wandte er seinen Blick angeekelt ab.

„Was ist Dean? – Bist du ok?" Sam konnte das Szenario nicht sehen. In seiner heiseren Stimme schwang Unsicherheit dabei bewegten sich kleine Fältchen sorgenvoll unter seinen wirren Haarfransen.

„Wie Schrecklich …" die mühsam hervor gepressten Worte seines Bruder veranlassten Sam sich zu drehen. Ein kurzer Blick über Deans Schulter, dann schob auch er sich bestürzt seinen Handrücken vor das Gesicht und ein leises Stöhnen huschte ebenfalls über seine Lippen. Der Jüngere schloss kurz die Augen um seinen Verstand die Chance zu geben den Anblick zu verarbeiten. Eine Sekunde später, nachdem der Schreck verflogen war, erfasste er mit gewohnter Professionalität die monströse Situation.

Ein zusammengebrochener, verdorrter Körper lag, halb auf dem Grill, vor ihnen. Die rechte Gesichtshälfte brutzelte auf den kleinen blauen Flammen und verursachte den beißenden, nach angebranntem Fleisch stinkenden Qualm. Die Beine des Mannes waren offensichtlich in den Kniegelenken gebrochen. Verkrampft umschlossen die Hände des Toten die glühenden Stäbe des Rostes. Das Feuer hatte bereits ihr Fleisch abgesenkt und legte die blanken Knochen frei. Die weiße Kochjacke des Mannes war verrußt und teilweise verbrannt. Am mehreren Stellen entblößte sie einen bräunlich verfärbten Körper der mit einigen merkwürdigen violetten Flecken übersät war.

„Gott …!" flüsterte Sam und wagte einen zaghaften Schritt in Richtung des Geschehens. Immer wieder hielt er seine Hand vor den Mund als müsste er befürchten jeden Augenblick seinen Mageninhalt auf den Fußboden zu ergießen.
„Hast du so was schon mal gesehen?" Deans Frage rang Sam ein Kopfschütteln ab.
„Ein Arbeitsunfall?" keuchte Sam hinter vorgehaltener Hand.
„Mit gebrochenen Knien?" presste Dean ungläubig seinen Kopf schüttelnd, heraus. Er trat ebenfalls einen Schritt näher und betrachtete aufmerksam den Toten. Seine Augenbrauen zogen sich erstaunt in die Höhe. „Kann ein Körper so schnell verbrennen das er nach wenigen Minuten wie ein Stück Dörrfleisch aussieht?" fragte Dean zweifelnd.
Sam war nun ganz an den Grill getreten und stieß mit seinem Messer unschlüssig gegen den leblosen Körper. Fast lautlos glitt dieser vom Grill um knisternd in sich zusammen fallend, auf dem Boden zu landen.
„Als wäre er schon Jahre tot" Sams erstaunte Blicke erfassten Dean. Dieser hob ratlos seine Schultern als er zurückblickte.

Nach wenigen Sekunden entspannten sich jedoch Gesichter der Brüder. Die Erfahrung lehrte ihnen, dass sie heute zu spät waren. Wer oder was auch hier getobt hatte, es war weg.

„Wir können hier nichts mehr tun. Lass uns wenigstens dem Mädchen helfen" sagte Dean und wandte sich mit besorgtem Blick zu Lily, die immer noch bewusstlos am Boden lag. Er ging zu ihr zurück und sank auf seine Knie um vorsichtig ihren Kopf anzuheben. Sanft versuchte Dean sie anzusprechen und schaute dabei in ihr puppenhaftes Gesicht das völlig entspannt war. Vorsichtig strich er die widerspenstige Haarsträhne aus ihrer Stirn. „Gott – ich kenn nicht mal deinen Namen" dachte Dean und spürte wie sich sein Herzschlag beschleunigte. Der Anblick ihres schönen Gesichtes verzauberte ihn in nie gekanntem Ausmaß. Behutsam, als hätte der Jäger Angst sie zu zerbrechen, nahm er ihren Körper in seine Arme und hob sie vom kalten Boden.
„Was hast du vor" frage Sam, dabei beobachtete er fasziniert und ungläubig das fremdartige Verhalten seines Bruders. „Ich werde sie auf die Bank legen" antworte Dean und wandte sich in die Richtung der Sitzbänke im Gastraum. Mit einem Ruck war er auf den Beinen. „Auf dem Steinboden holt sie sich noch den Tod!" Mit einem Gesicht das sich nicht zwischen Rechtfertigung und Verlegenheit entscheiden konnte, sah Dean seinen Bruder an.
Verwirrt nickte Sam und ergriff sein Handy um die Nummer des Notrufes zu wählen.

Er rannte wie ein gehetztes Tier ohne ein Ziel erreichen zu können. Die Menschen auf der Straße flogen wie graue Schatten an ihm vorbei. Einige von ihnen hatte Ron bei seiner panischen Flucht umgerissen. Aber der Küchenjunge nahm es nicht wahr. Menschen, Autos, Reklameschilder einfach sämtliches Leben das an diesem Morgen in dieser Stadt wimmelte, verwandelte sich in ein Gemisch aus farbig pulsierenden Klecksen und weit herkommenden, unwirklich klingenden Geräuschen. Ron konnte nicht schnell genug laufen um den schrecklichen Bildern in seinem Kopf tobten, zu entkommen.
Irgendwann sackte er in einer unbelebten engen Nebenstraße erschöpft zusammen. Sein Herz raste wild gegen seine Rippen und er rang keuchend nach Luft. Ron fühlte einen stechenden Schmerz in seiner Seite. Sein Hals brannte wie Feuer durch die hastig eingeatmete trockene und staubige Stadtluft. Mit aufgerissen Augen starrte er ins Leere und fuhr sich verzweifelt mit seinen Händen durch die blonden lockigen Haare um diese marternde Angst zu vertreiben. Das Erlebte erdrückte schwer seinen Verstand. Ron hatte das Gefühl unter dieser unerträglichen Last zu zerbrechen.
Mit einem gequälten, heiseren Schrei versuchte sich sein Körper vergeblich von der Erinnerung zu befreien, bevor der junge Mann verstummte und apathisch hin und her pendelnd den Zugang zur Realität verlor

*** *** ***

Angezogen durch die blitzenden Lichter des Krankenwagens und die Anwesenheit der Polizei hatte sich mittlerweile eine Unmenge von Schaulustigen vor dem kleinen Drive in Restaurant versammelt. Polizisten sperrten mit gelbem Signalband den Tatort ab. Sie waren sichtlich überfordert damit die neugierige Meute in Schach zu halten.

Die Winchester´s standen etwas abseits vom hektischen Treiben und beantworteten die Fragen eines Beamten.
„Nein – leider haben wir nicht gesehen wie es passiert ist" sagte Sam mit einem bedauerlichen Gesichtsausdruck. Seine Stirn zog sich in Falten als er auf den Polizisten herab blickte. „Wir haben nur den Schrei gehört und dann kam dieser Junge aus der Küche gestürzt" fügte er hinzu.

„Welcher Junge" fragte der Beamte interessiert. Sam hob seine Augenbrauen und holte Luft um zu Antworten.

„Keine Ahnung – er war nicht über 20 und recht zierlich - wir kennen ihn nicht" übernahm Dean das Gespräch. „Er kam aus der Küche und hat meinen kleinen Bruder fast über den Haufen gerannt" die Ironie in seinen Worten war unüberhörbar, dabei sah Dean spöttisch zu Sam herauf. Dieser biss sich auf die Unterlippe und sah seufzend, mit verdrehten Augen entnervt in die Höhe.

Der Police Officer konnte sich Angesichts von Sam´s Größe ein Grinsen ebenfalls nicht verkneifen. „Nun meine Herren, bitte bleiben Sie in der Stadt und wenn ihnen noch etwas einfällt dann rufen Sie mich an" sagte er und schob Dean seine Visitenkarte zu, bevor er sich umdrehte und zu Tatort ging.
„Machen wir" rief der Ältere dem Officer nach. Dabei schielte dabei auf das Visitenkärtchen in seiner Hand „Officer Miller"

Kaum hatte sich der Beamte entfernt, verpasste Dean seinem Bruder einen kräftigen Stoß in die Seite. „Bist ein bisschen aus der Form was?" lachend wandte er seinen Blick in Richtung Boden und schüttelte seinen Kopf.

„Alter" Sam holte tief Luft. Das konnte er unmöglich auf sich sitzen lassen. „Der Typ war schwerer als er aussah und als er stolperte hat er noch mal ordentlich einen Zahn zugelegt!" vorwurfsvoll hoben sich seine schmalen Augenbrauen. Dean erhob ungläubig nickend den Kopf. Ein schelmisches Funkeln in seinen Augen ließ den Jüngeren innerlich brodeln.

Die Sanitäter fuhren Lily auf einer Trage vorbei. Sie war wieder bei Bewusstsein und ihr Gesicht schimmerte blass in der Sonne. Dean trat einen Schritt in diese Richtung um einen der beiden Rettungshelfer an der Schulter zu ergreifen. „Wie geht es ihr?" fragte er leise.

„Sie hat einen leichten Schock ist aber in Ordnung. Wir werden sie eine Nacht zur Beobachtung in der Klinik behalten" Dean nickte erleichtert. Er beugte sich etwas herunter zu Lily und fragte leise „ist wirklich alles OK?" Die Frau lächelte und Dean konnte auf ihren Lippen das Wort „Danke" ablesen. Als sie in den Wagen gehoben wurde, hob Dean seine Hand um ihr, bevor sich die Türen des Krankenwagens schlossen, zum Abschied kurz zu winken.

Sam stand im Hintergrund, beide Hände in den Hosentaschen vergraben beobachtete er fasziniert seinen Bruder. Ein verklärtes Lächeln umspielte seine Lippen. „Sie heißt übrigens Lily" rief er Dean scheinheilig zu und pendelte dabei leicht mit seinen Oberkörper ohne dabei die Hände aus den Taschen zu nehmen.

Mit einen energischen Räuspern wendete sich Dean wieder an seinen Bruder „Ich glaube wir sollten das checken – das könnte was sein"
Der Jüngere nickte – er sah dabei auf den Boden um sein heimliches Grinsen zu verbergen. Dabei fuhren seine schmalen Finger durch die langen Haare, die ständig seine Augen verdeckten um dann verlegen am Hinterkopf zu kratzen. Die Jäger entfernten sich aus der Ermittlungszone und schritten auf ihren Wagen zu.
Am Impala angelangt konnte Dean die bohrenden Blicke seines Bruders nicht mehr ertragen. „Was ist?" Er schlug mit den Händen auf das Wagendach und schaute Sam genervt an.
„Das frage ich dich!" Sam hatte ebenfalls die Arme auf das Dach gelegt und musterte Dean mit seinen blaugrauen Augen eindringlich. Als keine Antwort kam griff er nach der Klinke und schwang sich mit einem betonten Seufzen in das Auto.
Nachdem die Brüder die Türen des Impalas geschlossen hatten konnte sich Sam einfach nicht mehr zurück halten. „Du magst sie …" platzte es aus ihm heraus. Sein Rücken drückte sich erwartungsvoll gegen den Ledersitz. Mit herausfordernden Augen sah Sam zu Dean herüber.
Dieser kramte scheinbar uninteressiert im Handschuhfach nach einer Kassette und murmelte vor sich hin.
Ist das so offensichtlich? Dachte sich Dean und spürte wie eine leichte Hitze in ihm aufstieg. Sie ließ bestimmt sein Gesicht erröten.
„Wen?" fragte er knapp.
„Lily …! – Komm schon Dean… Ich sehe doch wie du sie ansiehst." Ein heimliches Grinsen breitete sich erneut in Sams Gesicht aus als seine Augen erwartungsvoll den großen Bruder fixierten.
Dean holte tief Luft und schob eine Kassette in den Schlitz des Radios. Dann drehte er, mit einem Hüsteln hinter vorgehaltener Hand, den Zündschlüssel und trat das Gaspedal durch. Im Auto dröhnte AC/DC als er das Lenkrad scharf einschlug und den Rückwärtsgang einlegte. „Ich kann dich nicht verstehen die Musik ist zu laut" schrie er seinem Bruder entgegen.
Sam wandte sich mit einer abwertenden Handbewegung lachend ab, schüttelte seinen Kopf und sah auf die Straße wo sich so viele neugierigen Menschen versammelt hatten.
Mit quietschenden Reifen schoss der Impala rückwärts aus der Parklücke blies ein paar blaugraue Wölkchen in die Luft und bog in die nächstgelegene Straße ein.

*** *** ***

Die Luft im Motelzimmer war stickig heiß. Obwohl die Klimaanlage seit Stunden unüberhörbar laut summte gelang es ihr nicht die Temperatur auf erträgliche Werte zu senken. Die zugezogenen zerschlissenen Vorhänge ließen nur ein spärliches Licht in den Raum fallen. Eine alte vergilbte Blumentapete kräuselte sich an einigen Stellen von den Wänden und hinterließ kahle unansehnliche Stellen auf dem grauen Putz. Man hatte wohl versucht mit notdürftig zusammen gewürfelten Möbelstücken jene Stellen zu verstecken. Dieses Motel hatte seine besten Tage schon lange hinter sich genau wie sein Besitzer.

Sam saß in leicht gekrümmter Haltung seit Stunden an dem kleinen dunkelbraunen Tisch und starrte auf seinen flimmernden Laptop. Dabei huschten seine Finger immer wieder flink über die Tastatur und erzeugten ein leises Klicken das vergebens versuchte den nervenden Ton der Klimaanlage zu unterbrechen. Sein Hemd lag auf einem der beiden Betten fein säuberlich zusammen gefaltet.
Die schwüle Hitze hatte sein Shirt zu einer feuchten Kompresse werden lassen, die auf seiner Haut klebte. Die Konturen seiner Muskeln erzeugten bei jeder Bewegung unterschiedlich Schatten auf dem sonst eintönigen blaugrauen Stoff. Sam kniff seine brennenden Augen zusammen und legte stöhnend den brummenden Kopf in seine Hände. Das unbequeme Sitzen hatte längst seine Rückenmuskulatur verkrampft und sein Körper ermahnte schmerzend eine Auszeit.
Mit einem langen Gähnen streckte Sam sich nach hinten und hob die Arme in die Höhe um die Hände über seinen Kopf zusammen zu falten. Als er sich wieder nach von beugte, strich seine rechte Hand durch die langen verschwitzen Haare die ständig in seinen Augen hingen. Aber die widerspenstigen Fransen weigerten sich gegen den Versuch gebändigt zu werden und fielen augenblicklich wieder in ihr geordnetes Chaos auf seiner Stirn zurück.

Entmutigt und müde schlug Sam das Cover seines Laptops zu. Er hatte jedes Archiv durchforstet, war jedem noch so wagen Hinweis nachgegangen. Alles ohne Erfolg. Es gab Nichts das Vergleichbar war mit dem was die Brüder heute Morgen erlebt hatten. Kein einziger ähnlich verwirrender Arbeitsunfall hatte sich weiter in dieser Stadt ereignet.
Ein verzweifelter Anruf bei Bobby hatte auch nichts gebracht außer der freudigen Gewissheit dass es ihm gut ging und der vagen Hoffnung der alte Jäger würde sich melden sobald er bei seinen Recherchen etwas heraus finden würde.

Ruckartig schnellte Sam von seinem Stuhl in die Höhe. Mit seinen Handflächen schlug er zornig rechts und links neben seinen Laptop auf die Tischplatte, die sich augenblicklich mit einem Knarren beschwerte. Er wendete sich ab und ging in die Mitte der Zimmers um ratlos an die Decke zu starren. Die Silhouette des jungen Jägers zeichnete sich im schwachen Licht der Fenster ab. Gegen die alten, kleinen Möbel wirkte er wie ein Riese.

Ein kühles Bier zu Entspannung wäre jetzt eine gute Idee.
Sam ging zum Kühlschrank um ihn zu öffnen. Nachdem er eine Pappschachtel mit seltsam anmutendem Inhalt bei Seite geschoben hatte, ergriff er eine der Flaschen die als einziges den erleuchteten Innenraum des Gerätes ausfüllten.
Seufzend ließ sich Sam auf sein Bett fallen und wurde im gleichen Moment von der Kuhle die sich spontan in der Matratze bildete fast in die Tiefe gerissen. Mit rudernden Armen und Beinen fing er sein Gewicht wieder auf und öffnete kopfschüttelnd die Flasche. Der kühle Schluck tat ihm gut, vermochte aber nicht das Pochen hinter seinen Augen zu mildern.
Vielleicht hatte ja Dean mehr Erfolg als ich, dachte er und stellte die Flasche neben seinen Fuß auf den durchgetretenen Bettläufer.

Ein stechender Schmerz zwang ihn augenblicklich mit beiden Händen seinen Kopf zu stützen. Flammen schienen ihm die Augen aus den Höhlen zu brennen. Stöhnend beugte Sam sich nach von, verzweifelt bemüht eine Körperhaltung zu finden die diese Schmerzen aufhob. Das Stechen kehrte zurück und schwoll periodisch zu kaum noch ertragbarer Intensität an. Die Kontrolle verlierend sank Sam vom Bettrand gleitend, auf seine Knie, den tobenden Kopf immer noch krampfhaft in seinen Händen vergraben. Keuchend vor Schmerzen kniff er die Augen zu und schlug mit der Stirn vor seinen Knien auf den Boden. Vor seinen Augen tanzten alptraumhafte Bilder die sich auflösten und wieder neu zusammensetzten. Sie wurden abwechselnd zerrissen von Dunkelheit und grellen schmerzenden Lichtern. Klagende Laute erfüllten seine Ohren und ein Gefühl ohnmächtiger Angst griff nach seinem wild schlagenden Herzen. Mit zusammengepressten Lippen riss Sam seinen Kopf vom Boden und bäumte sich heiser schreiend auf. Als er mit einem dumpfen Schlag rücklings auf dem Boden landete irrten seine Augen weit geöffnet durch das Zimmer.

Aber die Bilder die Sam sah kamen nicht aus diesem Raum …

**** Fortsetzung folgt ****