+Kapitel 2

„Wage es nicht noch einmal irgendjemanden in mein Haus einzulassen, ohne mich vorher um Erlaubnis zu fragen oder du wirst Bekanntschaft mit dem Cruciatus machen, bis du dein unwertes Leben aushauchst."

Lucius musste sich zusammenreißen den besagten Fluch nicht gleich auf das zitternde Häufchen Elend anzuwenden, welches da vor seinen Füßen lag und sich vor Schmerzen krümmte.

„Ja, Meister!", stieß er hervor und hoffte inständig nicht noch einmal getreten zu werden und in der Tat ließ Lucius von ihm ab.

Nicht, weil er Erbarmen mit dieser elenden Kreatur gehabt hätte, sondern weil er heute noch verdammt viel zu tun hatte.

„Verschwinde und mach dich an die Arbeit!", knurrte er, während auf den Schwenk seines Zauberstabs hin eine Tasse Kaffee auf dem Tisch erschien. Nur zu gern folgte Gibbli dem Befehl seines Herrn, welcher sich in diesem Moment in einen der bequemen Sessel niederließ.

Während Lucius den für seinen Geschmack viel zu starken Kaffee trank und hoffte, dass die Müdigkeit, die noch immer auf ihm lastete durch das Koffein endlich verschwinden würde, überlegte er, was heute noch alles zu tun war.

Punkt eins auf dem Tagesplan würde sein, dem Ministerium einen Besuch abzustatten und herauszufinden, für welches Datum die Hausdurchsuchung angesetzt war, insofern überhaupt eine solche beschlossen worden war.

Der Todesser konnte sich des Gefühls nicht erwehren; irgendetwas stimmte hier nicht. Diese Aurorin…… sie führte etwas im Schilde und er würde herausfinden was.

Fudge würde ihm die Auskünfte, die er haben wollte, geben, daran bestand nicht der kleinste Zweifel und sollte wirklich eine Hausdurchsuchung angesetzt sein, dann würde Lucius dafür sorgen, dass bis dahin nichts mehr in seinem Haus war, was ihn nach Askaban bringen könnte.

Mad Eye Moody, einer der berühmtesten Auroren in der Zaubererwelt, saß missmutig hinter seinem Ebenholzschreibtisch und wusste nicht, wie er die Zeit totschlagen sollte. Eigentlich war er längst reif für die Pensionierung und hätte diese auch genießen können, hätte Dumbledore ihn nicht vor einigen Jahren aus dem Ruhestand zurückgeholt. Erst um in Hogwarts Verteidigung gegen die Dunklen Künste zu unterrichten - dabei hatte es kleinere Komplikationen mit einem Todesser gegeben - und anschließend wieder als Auror da er der Meinung gewesen war, er bräuchte eine zuverlässige Ansprechperson im Ministerium und Mad Eye wäre genau der Richtige für diesen Job, zumal dieser auch noch Mitglied im Orden des Phönix war.

Der Schulleiter von Hogwarts war also der Grund, warum Mad Eye im sehr späten Winter seines Lebens immer noch hinter einem Schreibtisch saß, Akten wälzen und sich mit den kleinen Problemen des Arbeitsalltags rumschlagen musste.

Zugegeben…. damals war ihm Dumbledores Angebot gerade recht gewesen. Die Langeweile, die nach seiner Pensionierung bei ihm Einzug gehalten hatte, hatte Mad Eyes Verstand irgendwann dazu gebracht überall Todesser zu sehen. Diese…. Paranoia war irgendwann soweit gegangen, dass er seine Mülltonne auf harmlose Muggel losgelassen hatte.

Ja – ihm war das Angebot Dumbledores damals gerade richtig gekommen um die Langweilig zu vertreiben und wieder einen klaren Verstand zu bekommen. Und jetzt….. jetzt saß er hier und langweilte sich schon wieder.

Mad Eyes trübe Gedanken wurden schlagartig unterbrochen, als Yara Bown – eine sehr junge und viel versprechende Aurorin – mit wehendem Umhang in sein Büro gerauscht kam. Blinzelnd schreckte der alte Todesser-Jäger aus seinen Überlegungen auf.

„Mad Eye…. wir müssen reden." Yara sah irgendwie…. aufgeregt aus.

Eine Bewegung seines Zauberstabs reichte aus um die Tür, welche die junge Frau in ihrer Eile offen stehen gelassen hatte, zu schließen. Er bedeutete ihr sich zu setzen und war froh, endlich von den unzähligen Akten abgelenkt zu werden. „Also Yara… was gibt es?" Mad Eye musterte die Aurorin vor ihm mit seinem normalen Auge.

Sie war noch nicht lange beim Ministerium – gerade mal einige Monate – hatte sich jedoch bereits gut eingelebt und verstand sich prächtig mit den anderen Auroren, vor allem aber mit Mad Eye. Er war es auch, der sie geprüft hatte und von seinem Urteil hatte abgehangen, ob Yara für das Ministerium als Aurorin tätig werden durfte. Es war nicht übertrieben zu sagen, dass er begeistert von den Fähigkeiten der jungen Frau war, welche für ihn eine der besten Auroren seit langem war.

Nachdem sie ihren Abschluss in Hogwarts gemacht hatte – wobei sie eine Klasse übersprungen hatte – war sie in der Welt herumgereist und dann ganz plötzlich verschwunden.

Natürlich hatte man angenommen, sie sei das Opfer einiger Todesser geworden, doch wie sich vor einigen Monaten herausgestellt hatte, lebte sie, mehr noch… war acht Jahre lang von Abraxas, dem berühmtesten und – Mad Eyes Meinung nach – weltbesten Auror, ausgebildet worden. Niemand kannte den richtigen Namen oder gar das Alter dieses Aurors, ebenso wenig wie den Aufenthaltsort, aber Mad Eye sah sofort, dass Yara die Wahrheit sprach. Er hatte Abraxas in jungen Jahren gekannt und einige Zeit hatten sie eng zusammengearbeitet… er kannte seine Vorgehensweise, seine Vorlieben im Kampf gegen die Todesser und Voldemort. Ohne Zweifel hatte er an Yara, welche mehr als doppelt so lange ausgebildet worden war, wie „normale" Auroren, sein Meisterwerk vollbracht.

„Es geht um den Auftrag, den du mir zugeteilt hast, Mad Eye." Die Worte der jungen Frau rissen ihn erneut aus seinen Gedanken. „Entschuldige, ich dachte gerade über etwas nach.", murmelte er, als er die hochgezogene Augenbraue der Aurorin bemerkte.

„Du sprichst von der kinderleichten Aufgabe Lucius Malfoy endlich nach Askaban zu schaffen?" Ein Lächeln umspielte die Lippen des alten Aurors, als er den Blick Yaras bemerkte.

„Kinderleicht?", rief sie aus und es klang schon fast empört. „Ich komme gerade von seinem Landsitz…!" Spätestens jetzt war Mad Eyes Interesse gänzlich geweckt. „Und? Was ist dabei herausgekommen?" Allein die Tatsache, dass sie es geschafft hatte ohne eine Eskorte von Ministeriumsleuten in Lucius Malfoys Haus einzudringen, war eine Meisterleistung für sich.

„Nichts, das ist ja das Problem!", knurrte Yara und man sah ihr deutlich an, wie gereizt sie war. Vielleicht war ihre jugendliche Ungeduld der einzige Manko, welches sie noch hatte.

„Einer seiner Hauselfen hat mich eingelassen….", fuhr sie fort und Mad Eye empfand sogleich Mitleid für diese arme Kreatur, die inzwischen mit Sicherheit eine neue Definition von Schmerz hatte.

„Ist er erschienen?", forschte Mad Eye nach, den es in keiner Weise verwundert hätte, wenn Malfoy gar nicht erst aufgetaucht wäre. Die junge Aurorin nickte leicht. „Ja, aber er wäre es wohl nicht, hätte er gewusst, dass ich auf ihn warte." Fragend lag Moodys normales Auge auf ihr, während das andere gerade durch seinen Hinterkopf stierte. Yara hatte sich an das unheimliche Schauspiel gewöhnt und nahm es nicht weiter zur Kenntnis.

„Er schien wohl noch geschlafen zu haben, als ich angekommen bin. Sein Hauself versicherte mir, dass er ihn geweckt hätte, doch scheinbar hatte unser Todesser seine Begründung nicht gehört, denn er wusste ganz offensichtlich nichts von meiner Anwesenheit."

Der alte Auror, dem es sichtlich schwer fiel zu glauben irgendjemand könnte Lucius Malfoy unvorbereitet erwischen, hakte nach: „Und wieso bist du dir da so sicher?" Ernst sah sie ihn an. „Nun… ich nehme nicht an, dass Mr. Malfoy jeden Auror des Ministeriums im Bademantel in Empfang nimmt?!"

Glücklicherweise saß Mad Eye in seinem bequemen Ohrensessel, sonst hätte er vor maßloser Fassungslosigkeit wohl Bekanntschaft mit dem Boden gemacht. Das ihm sein magisches Auge nicht aus dem Kopf fiel war alles, als er Yara mit geweiteten Augen ansah. „Du meinst….?" Sie nickte bekräftigend. „Er hatte nur einen Bademantel an!"

Das war zuviel für Mad Eyes normalerweise eiserne Selbstbeherrschung. Der alte Auror brach in schallendes Gelächter aus, als er sich dieses Bild vor Augen rief. Der große Lucius Malfoy stand im Bademantel vor einer Aurorin des Ministeriums. Göttlich!

Yara verstand absolut nicht, was daran so komisch sein sollte. Wütend fauchte sie Moody an, welchem bereits die Lachtränen über die zerfurchten Wangen liefen.

„Ich teile deinen Sinn für Humor offensichtlich nicht ganz, Mad Eye, denn ich verstehe wirklich nicht, was daran so unglaublich komisch ist."

Trotz der Wut in ihrer Stimme, gelang es dem Auror noch immer nicht, zu seiner Ernsthaftigkeit zurück zu gelangen.

„Mad Eye!", grollte sie und funkelte ihn zornig an. Beschwichtigend hob er die Hand und wischte sich die Tränen aus den Augenwinkeln.

„Kindchen, du bist einzigartig." Irritiert sah Yara ihn an. „Seit Jahren schafft es niemand Lucius Malfoy auch nur einen falschen Schritt nachzuweisen. Egal wo oder wann man auf ihn trifft, er ist immer perfekt. Nicht einmal eine Haarsträhne liegt falsch und du bist erst einige Wochen im Dienst und erwischst den ach so vollkommenen bösen Zauberer im Bademantel."

Ein erneuter Lachanfall schüttelte Mad Eye.

„Umso peinlicher für mich, dass er mir selbst in dieser Aufmachung noch überlegen war!", zischte Yara, diesmal galt die Wut in ihren Worten allerdings Malfoy und nicht Moody.

„Wie meinst du das?", forschte Mad Eye nach, wischte sich die Lachtränen aus dem Gesicht und rang um eine ernste Miene.

Yara atmete tief durch. „Ich denke nicht, dass er mir geglaubt hat." Mad Eye nickte nachdenklich. „Unseren Plan können wir nur durchführen, wenn Lucius der Meinung ist, es stehe wirklich eine Hausdurchsuchung an." Beide schwiegen.

„So wie ich unseren Freund kenne wird er Fudge Druck machen." Mad Eye wandte sich an Yara. „Wir müssen den Minister einweihen, damit unser Plan nicht schon scheitert, noch bevor er richtig begonnen hat. Sei so gut und ruf ihn her. Wenn wir Glück haben war Malfoy noch nicht bei ihm."

Sie erhob sich und ging schnellen Schrittes davon.

Mad Eye lächelte, während er ihr hinterher sah. Er war sich sicher…. diese Aurorin würde vollbringen, was bisher keiner der Todesser-Jäger fertig gebracht hatte. Sie würde Lucius Malfoy endlich überführen.