Darth Sidious hatte den Umzug von Orsis nach Coruscant von langer Hand geplant und vorbereitet. In der Hüttenstadt, einem Industriegebiet des Hauptstadtplaneten, gab es einen hochaufragenden Wolkenkratzer - das Li-Merge-Gebäude. Von dort aus hatte man nicht nur einen ausgezeichneten Blick über jenen Teil des Hauptstadtplaneten, sondern Sidious konnte von seinem dort befindlichen Büro aus gar den Jedi-Tempel sehen. Seit Jahrzehnten diente das LiMerge-Gebäude als geheime Zentrale des Ordens der Sith und nun sollte eine neue Generation dieses geheimen Ordens hier einziehen.

Seit einigen Monaten hatte Sidious einen Wohnraum für Maul sowie einen Trainingsraum herrichten lassen, wo sein junger Schüler wieder mit Kampfdroiden und anderen Raffinessen trainieren und seinen Körper stählen konnte. Der Sithmeister ging davon aus, dass der Schüler durch die räumliche Nähe zum Erzfeind in seinem Training noch besser voranschreiten würde, als er es ohnehin tat.

Maul hatte inzwischen auch erfahren, dass sein Meister unter seinem bürgerlichen Namen Palpatine für dessen Heimatplaneten Naboo sowie den Chommell-Sektor, worin sich Naboo befand, einen Sitz im galaktischen Senat innehatte und von dort aus viele Geschicke der Galaxis direkt beeinflusste. Umso mehr ärgerte sich Maul darüber, dass er von seinem kleinen Wohnraum aus keinen Blick auf den Jeditempel hatte wie sein Meister in dessen Büro. In der ersten Woche nach seinem Übersiedeln von Orsis bekam Maul zunächst keine Missionen, dafür jedoch den Auftrag, sich auf Coruscant umzusehen, um sich mit dem Hauptstadtplaneten vertraut zu machen. Genau diese Aufgabe ermöglichte es ihm, hin und wieder etwas Zeit abknapsen, um Sachen zu erledigen, die ihm am Herzen lagen, aber seinen Meister nichts angingen.

Kilindi hatte keine Schwierigkeiten, mit dem perfekt gefälschten Pass in das Raumschiff auf dem Raumhafen des Planeten Orsis zu gelangen. Der Flug verlief ohne weitere Zwischenfälle. Die Einreisekontrolle in Coruscant verlief schnell und reibungslos. Auf Orsis hatte es Kurse über das Hacken von Computern ebenso wie über das Erstellen von falschen Dokumenten gegeben oder wie man Beamte dazu bringen konnte, ihre Staatsloyalität für eine Weile zu vergessen oder wie man andere informellen Netzwerke, sprich Banden oder Kopfgeldjäger nutzen konnte. Die Ausbildung war darauf angelegt gewesen, dass sich die Krieger von morgen problemlos durch die Galaxis bewegen konnten, möglichst ohne dabei Spuren zu hinterlassen und dem Gegner immer einen Schritt voraus zu sein, wenn sie ihre Aufträge geräuschlos und effizient erledigten. Und diese Ausbildung zahlte sich nun aus.

Kilindi atmete auf, als sie nach der Landung den Raumhafen mit seinen strengen Einreisekontrollen hinter sich gelassen hatte und nun auf eine Straße trat, um sich herum ein Meer glitzernder Wolkenkratzer, Reklameleuchten und leuchtende Skycars, die auf vorgeschriebenen Bahnen zwischen den Häusern entlangschwebten. Ein bisher nie gekanntes Gefühl von Freiheit bemächtigte sich ihrer.

Auch eine Wohnung zu mieten war kein Problem – zumindest nicht in der Gegend, die ihr Maul genannt hatte. Es gab genügend Apartments, die sowohl vom Senatsgebäude als auch von der Hüttenstad aus gut und unauffällig zu erreichen waren, weil sie in riesigen Hochhäusern lagen, zu denen es mehrere Zugänge gab. Maul war nicht knauserig mit Geld gewesen und so konnte Kilindi nebst einer Vorauszahlung der Miete für das nächste halbe Jahr kurz nach ihrer Ankunft auch ein paar Möbel und andere Einrichtungsgegenstände besorgen, um aus dem Apartment mit den nackten Ferroconcrete-Wänden ein einigermaßen gemütliches Heim herzurichten.

Kilindi wartete. Es blieben noch vierzehn Minuten bis zur vereinbarten Zeit. Draußen war es bereits dunkel geworden. Die Tagesgäste von Framm's Bar verließen den Ort, der unversehens schummriger und schäbiger zu wirken begann, sobald die vorübergehende Leere ihn erfüllte. Die junge Nautolanerin hatte sich einen Bribb-Saft bestellt und schaute diskret um sich. An einem Tisch spielten zwei Aqualishaner der Quara-Rasse Karten. In der Ecke gegenüber saß ein Liebespärchen einer Kilindi unbekannten Spezies auf der Eckbank und küsste sich. Es hätten Togruta sein können, hätten sie nicht eine lilane Hautfarbe gehabt und eine dreizackige Montralkrone, welche wie die drei Lekkus einen hell-lilafarbenen Ton aufwies. Eine Gruppe von Menschen betrat das Etablissement, um sofort zur Bar zu strömen. Kilindi sah, dass sie Blaster an den Hüften trugen, die aussahen, als würden sie häufig benutzt werden. Sie unterhielten sich auf Corellianisch.

„Einen Coradiser, aber einen Doppelten!", forderte ihr Anführer lautstark auf Basic vom Bartender, einem Ithorianer, welcher einen Apparat auf seinen Rücken geschnallt hatte, durch welchen er Basic zu sprechen in der Lage war.

„Na, Hübsche?", sagte einer der Männer, ein blonder Mensch, zu Kilindi. „Soll ich für dich auch was best …?"

Die Frage blieb dem Menschen im Halse stecken. Kilindi sah an seinen entsetzten Augen, dass sich etwas Unerwartetes ereignet hatte.

Jemand tippte ihr von hinten auf die Schulter. Kilindi fuhr herum - zum Zentrum des Grauens, welches die blauen Augen des Menschen erfüllte.

„Pünktlich auf die Minute", sagte Maul.

Jetzt erst realisierte Kilindi, dass die Treffzeit da war. Sie durfte sich nicht derart ablenken lassen! Einer der Corellianer sagte etwas Spöttisches zu seinem blonden Kumpel, während Kilindi Maul in Augenschein nahm. Er war in seinen schwarzen Umhang gehüllt, wie vor einer Woche auf Orsis. Heute hatte er zudem noch die Kapuze tief ins Gesicht gezogen. Unter dem Rand jener Kapuze glühten die gelben Augen hervor. Er hob seine Hand und bedeutete ihr, ihm nach draußen zu folgen. Zu zweit verließen sie Framm's Bar, während weitere Nachtschwärmer an ihnen vorbei ins Lokal strömten.

„Zeig es mir!", forderte Maul und Kilindi wusste, dass das Apartment gemeint war.

Mit klopfendem Herzen ging sie voran. Mauls Schritte verstummten und Kilindi warf einen schnellen Blick nach hinten über ihre Schulter. Das, was sie jetzt von Maul sah, war lediglich ein flüchtiger Schatten. Sie wunderte sich, wie unauffällig Maul in seinem schwarzen Umhang plötzlich wirkte, wo er doch sonst mit seiner imposanten Gestalt mit dem Hörnerkranz und den schwarz-roten Tätowierungen selbst im kosmopolitisch-multikulturellen Coruscant eine auffällige Erscheinung sein müsste.

„Geh einfach weiter!", hörte sie ihn sagen.

Es dämmerte ihr, dass sie außerdem so tun sollte, als wäre sie allein. Also tat sie genau das. Etwa hundert Meter vor dem Eingang verzögerte Maul seinen Schritt. Kilindi wusste, dass er das deshalb tat, damit es für Passanten nicht offensichtlich war, dass er ihr folgte. Also ging sie allein ins Apartment im Vertrauen darauf, dass er sie aufspüren konnte. Es dauerte keine fünf Minuten, da stand er vor ihrer Tür und klopfte leise.

Sie standen einander gegenüber und sprachen kein Wort. Kilindi merkte, dass die Erregung in ihr hochstieg.

Maul nahm ihre Hände: „Du hattest mir doch auf Orsis vor der Gora eine Überraschung versprochen. Jetzt ist es an der Zeit, sie mir zu zeigen."

Kilindi merkte, dass ihr das Blut in den Kopf schoss. Ärger wallte in ihr auf.

„Ja, das wollte ich - zusammen mit Daleen!", sagte sie mit leisem Vorwurf in der Stimme und entzog sich ihm.

„Hat sie dir mehr bedeutet als … ich?", fragte Maul lauernd.

Sie erkannte, dass das Gespräch abzudriften drohte. Also entschied sie, sachlich zu bleiben:

„Was ist mit Daleen passiert? Sie war meine beste Freundin!"

„Was geschehen ist, ist geschehen", erwiderte Maul, „Du musst mir glauben, dass ich keine andere Wahl hatte. Entweder nur du oder gar niemand."

Kilindi schluckte. Maul hatte ihr soeben gestanden, dass sie außer ihm die einzige Überlebende von Orsis war. Sie dachte an seinen Meister, ob und wann er wohl hinter ihr Hiersein kommen könnte. Sie überlegte, wie viel Zeit ihnen eigentlich blieb – zumindest für heute.

Als hätte Maul ihre Zweifel gespürt, ging er zur Tür. Was, wenn er nie wieder zurückkehren würde? Was, wenn er …?

Sie ging ihm nach, fasste seine Hand.

„Wie viel Zeit haben wir?", fragte sie.

Maul wandte sich zu ihr um. „Genug."

Kilindi schob alle Bedenken und Zweifel beiseite und machte einen Schritt auf ihn zu. Um Mauls Mund erschien die Andeutung eines Lächelns. Er griff auch nach ihrer anderen Hand und zog sie zu sich heran.

„Dann lass dich überraschen", sagte sie und streckte ihm ihren Mund entgegen.

Seine roten Lippen trafen ihre grünen – zum allerersten Kuss. Er ließ ihre Hände fahren und warf seinen schwarzen Umhang ab. Seine Hände fuhren langsam und genüsslich durch ihre vielen grünen Lockententakel, um zu fühlen, wie weich und elastisch sie waren.

„Ich liebe dich", murmelte er, während er weiter in ihren langen, grünen Lekkus herumwühlte. Kilindis Hände tasteten zu seinem Gürtel, um ihn zu öffnen. Kaum war er offen, glitten die Lagen schwarzen Stoffes, die von ihm zusammengehalten worden waren, zur Seite und Kilindi erhaschte einen verschämten Blick auf seinen Körper, den jetzt nur noch eine Unterhose bedeckte.

„Zieh sie aus", sagte Maul, an sich nach unten schauend, wo sich bereits etwas aufstellte.

Kilindi streifte bedächtig die Unterhose über die Beule nach unten. Er hob ein Bein an, um aus der Unterhose herauszusteigen. Mit dem anderen Bein warf er die Unterhose von sich weg, dann griff er Kilindi an den Schultern, um sie wieder zu sich heraufzuziehen. Sie umschlang ihn und presste ihren Körper gegen seinen, während sich ein ganz bestimmter Körperteil Mauls fordernd gegen ihre Mitte presste. Ihre Lippen waren jetzt genau vor seinem Hals und sie küsste ihn.

Jetzt konnte Maul nicht mehr an sich halten. Er drückte ihr noch einen Schmatzer auf den Ansatz einer ihrer oberen Kopftentakel, dann warf er sie auf das Bett und riss ihr die Kleider vom Leib. Kilindi beeilte sich, ihm dabei zu helfen, damit die Kleider heilblieben. Als sie völlig nackt war, vergrub er seinen Kopf zwischen ihren Brüsten, um sie zu küssen, zu kneten … und dann alles andere, was er küssen, was er berühren wollte.

Ihre Hände fuhren an seinen Hüften entlang, da spreizte er ihre Beine. Kilindi hatte in den letzten Tagen viel zu viel Angst gehabt, um jetzt davor Angst zu haben, was Maul mit ihr machen würde. Trotzdem erzitterte sie, als Maul in sie eindrang – und das nicht vor Angst. Ganz im Gegenteil dazu, was Daleen und andere Mädchen auf Orsis immer für Schauergeschichten über Sex erzählt hatten, empfand sie Mauls Eindringen als absolut perfekt. Auch sein Kuss vorher, seine Berührungen, waren ihr angenehm gewesen. Er hatte so eine samtige Haut, die sie schon früher gerne angefasst hätte, nicht nur im Rahmen der gemeinsamen Trainingsübungen. Und jetzt, wo sie so lange darauf hatte warten müssen, war diese Vereinigung für sie nur umso schöner.

Maul war überrascht, wie einfach und unkompliziert diese neue körperliche Nähe mit Kilindi für ihn war. Jetzt endlich war sie sein und niemand würde sie ihm mehr wegnehmen können. Er hielt sie an ihren Schultern fest, um ihr Gesicht zu sehen, wie sich ihre Augen halb schlossen, um ihn versonnen und verzückt anzusehen, wie er sich über ihr auf und ab bewegte. Er musste nach einer Viertelstunde eine Pause einlegen, nicht, weil er so erschöpft gewesen wäre, sondern, damit es nicht zu schnell vorbei sein würde. Sie umschlangen sich und küssten sich auf den Mund, lagen eine Weile still aufeinander, dann begann Maul von neuem, sich in Kilindi hineinzubohren. Kilindi fühlte sich federleicht unter ihm. Sie betrachtete seinen perfekt geformten Körper, jede einzelne Muskel fein herausgearbeitet – noch viel schöner als bei einer dieser alderaanischen Statuen … deren Modelle sicherlich nicht auf Orsis trainiert hatten.

Maul hielt in seinem Stoßen inne, dann bäumte er sich auf. Kilindi fühlte, wie sich der heiße Saft in mehreren Schüben in sie entleerte. Dann fiel er auf sie herab und umschlang sie, sein Gesicht in ihrer Halsbeuge vergrabend. Er fand es erstaunlich, wie diese warme, übermächtige, pulsierende Wärme auf einmal für diese Stunden alles andere mit Leichtigkeit beiseite schob, was bisher in seinem Leben wichtig war.

„Ich liebe dich auch", hauchte Kilindi, bevor sie einschlief.

Maul sah seine eingeschlafene Geliebte an. Er hatte sich oft genug von Sidious Vorträge über die „Regel der Zwei" anhören dürfen. Dass die Meister-Schüler-Beziehung von keinem Dritten gestört werden durfte. Sidious hatte ihm bereits im Raumhafen von Orsis, direkt nach Beendigung der Talzin'schen Entführung, enthüllt, dass er ein Lord der Sith war. Maul wusste, dass er als Sith nie würde heiraten dürfen; das gab es bei den Sith genauso wenig wie bei den Jedi. Allerdings stand nirgendwo geschrieben, wie Sith-Lords nach dem Erreichen der absoluten Macht zu leben hatten. Der eine oder andere Schüler auf Orsis war gar schon verlobt gewesen und hatte stolz Fotos von seiner Freundin herumgezeigt. Was sprach eigentlich dagegen, auch als Sith-Lord irgendwo eine heimliche Geliebte zu haben und diese ab und an zu besuchen, ohne dass dabei viel Aufsehen erregt wurde? Ob sein Meister wohl auch eine Geliebte hatte? Maul konnte sich das nicht vorstellen. Sidious hatte immer abfällig über Beziehungen zwischen Mann und Frau oder auch nur über Freundschaften gesprochen.

„Liebe ist das Brot der Armen und der Schwachen", pflegte der Sithlord amüsiert zu sagen. „Starke und mächtige Wesen sind darauf nicht angewiesen. Im Gegenteil: Zu viel Anhänglichkeit führt zur Barmherzigkeit und macht angreifbar. Das darf ein wahrer Sith nie zulassen"

Auf jeden Fall wurden Sith dazu angehalten, ihre Gefühle der Dunklen Seite in Energie der Macht umzuwandeln. Aber nirgendwo stand geschrieben, dass nur der Hass ein solch allmächtiges Gefühl sein konnte. Ab jetzt würde er, Maul, sich dazu ermächtigen, eine heimliche Geliebte zu haben. Eine geheime Stärke, gegen die selbst Darth Sidious machtlos war. Selbstermächtigung, ohne erst um Erlaubnis zu bitten, gehörte bei den Sith ebenso dazu wie das uneingeschränkte Benutzen der Macht. Das war natürlicher Wettbewerb – das Leben eben. Irgendwann schlief Maul über diese Gedanken ein…

Am nächsten Morgen um vier Uhr Standardzeit hörte Kilindi ein Komlink klingeln. Maul erhob sich aus dem bequemen, großen Doppelbett und eilte in den Flur, um dort augenscheinlich mit seinem Meister zu reden. Kilindi drehte sich mit einem Seufzer auf die andere Seite und versuchte, einige Worte ihres Geliebten aufzuschnappen. Ihr war schlagartig klar, dass Mauls Meister immer der Dritte im Apartment sein würde, auf dessen Anrufe man immer gefasst sein musste. Kaum hatte Maul das Gespräch mit seinem Meister beendet, ging er unter die Dusche, zog sich an und verließ sie.

Maul besuchte Kilindi ein, zweimal in der Woche für eine Stunde bis zu einem halben Tag. Kilindi musste feststellen, dass die Anrufe seines Meisters häufig im ungünstigsten Moment kamen, so dass sie oft innerlich fluchte. Eine unsichtbare, effiziente Kontrolle. Kilindi hatte häufig das Gefühl, dass Mauls Meister einfach nur anrief, um zu kontrollieren, was sein Schüler in der neuen Umgebung so trieb, um sich seiner zu versichern. Die Anrufe waren kurz und was Maul sagte, selten aufschlussreich. Aber wahrscheinlich war es auch besser, nicht zuviel zu wissen von dem, was er tat. Meist war er danach sofort verschwunden und tauchte dann für gewöhnlich erst nach zwei bis drei Tagen wieder in ihrem Apartment auf. Und so hatte Kilindi genügend Zeit, sich nach einer Arbeit umzuschauen.

Das Schild „Other People's Secrets" war eher unscheinbar, doch sah Kilindi, dass in der Detektei die Leute ein und ausgingen.

Ein Nikto begrüßte sie, um sie zum Chef zu bringen. Sie fühlte sich beinahe wie früher auf Orsis, als sie den grünen Falleener hinter dem Schreibtisch sitzen sah.

„Gestatten, Lor Nekka, Chef von „Other People's Secrets", stellte er sich vor.

Er beugte sich über ihre Bewerbungsunterlagen. „Sie haben also auf der Akademie von Orsis gelernt."

„Ja", bestätigte Kilindi.

„Wissen Sie, was vor einer Woche dort auf Orsis passiert ist?"

Sie schüttelte energisch den Kopf, so dass ihre Kopftentakel hin und her wogten. Ihr kam in den Sinn, dass der Mann auf der anderen Seite des Schreibtischs Trezza als Speziesgenossen möglicherweise gekannt haben mochte.

Der Falleener schaute erneut auf ihre Unterlagen, dann sah er ihr direkt in die schwarzen Augen. „Dann haben Sie auch Erfahrung in Beschattung, Ermittlung und Personenschutz?"

„Und Kommunikationstechnik, Raumschiffwartung, Waffenkunde, Überlebenstraining und …", sie machte eine Pause, „Ausschaltung von natürlichen Organismen, die Unsicherheitsfaktoren darstellen."

Lor Nekkas schwarze Augen glänzten. „Hmmm, für gewöhnlich sagen wir zu letzterem ‚Jagderfahrung'."

Kilindi brachte ein abgeklärtes Lächeln zustande. „Wenn Sie das so nennen."

Der Falleener schaute wieder auf Kilindis Bewerbung herunter, dann blickte er sie an. „Mir ist egal, wie etwas genannt wird. Hauptsache, der Job wird erledigt. Da wäre zum Beispiel jetzt, dass eine Ehefrau ihren Mann der Untreue überführt haben möchte und das möglichst vor dem gemeinsamen Urlaub in zwei Wochen. Glauben Sie, Sie bekommen das hin?"

„Ich denke schon", erwiderte Kilindi optimistisch.

„Sie sind eingestellt", entschied Lor Nekka.

Und so bekam Kilindi eine Anstellung in der Privatdetektei, wo man nicht allzu viele Fragen zu ihrer Person stellte, sondern froh war, eine offensichtlich fähige Bewerberin einstellen zu können. Von da an bestand der Alltag Kilindis darin, fremdgehende Eheleute zu beschatten, Beweisfotos zu knipsen oder Archive nach belastendem Material zu durchforsten, wenn bestimmte Leute von Rang und Namen gut dafür bezahlten. Manchmal waren auch zeitlich befristete Personenschutzaufträge dabei. Auf jeden Fall war das ein Job, der Kilindi zumeist freie Zeiteinteilung garantierte, so dass sie in der Regel verfügbar war, wenn Maul ein paar Stunden seiner Zeit für sie erübrigen konnte. In der Regel waren sie dann im Apartment oder aber sie hielten sich entfernt voneinander an bestimmten Sehenswürdigkeiten Coruscants auf, um dann später im Apartment ihre verschiedenen Eindrücke und Erfahrungen an diesem Ort miteinander auszutauschen.

Oder Kilindi erzählte Maul von ihrer Arbeit, was Maul offensichtlich interessierte und gelegentlich belustigte, denn er hatte in seinem bisherigen abgeschotteten Leben wenig mit den Trivialitäten und Problemen der gewöhnlichen Zivilisten zu tun gehabt. Maul hingegen erzählte seiner Geliebten nie von seiner Arbeit. Er löschte stets sofort nach Erhalt oder Absenden die Einträge auf seinem Komlink, die auf Nachrichten oder Anrufe von oder zu seiner Geliebten hindeuteten. Und am Abend wurde sowieso der gesamte Nachrichten- und Anrufverlauf gelöscht, darauf legte sein Meister viel Wert. So vergingen die Tage und Kilindi war so glücklich wie noch nie in ihrem Leben. Sie hatte das Gefühl, jetzt endlich erwachsen zu sein und tun und lassen zu können, was sie wollte, solange das Maul nicht gefährdete. Sie war glücklich verliebt. Die Arbeit machte ihr Spaß. Sie blühte auf.

Aus Neugier suchte Kilindi eines Tages nach Informationen über die letzten Tage der Militär-Akademie von Orsis. Und so erfuhr sie, dass es offiziell überhaupt keine Überlebenden an der Akademie gab und das waren immerhin über zweihundert Leute gewesen. Die als überfordert und unterbesetzt bekannte Polizei auf Orsis hatte zwei Monate nach dem Massaker an der Militär-Akademie ihren Abschlussbericht fertiggestellt. Nicht alle Leichen hatten identifiziert werden können, weil es außer Maul noch mehrere andere Kadetten gab, deren Patrone dafür gesorgt hatten, dass es keine Akte über ihre Zöglinge gab und die sich auch nicht bei der Polizei gemeldet hatten, um sich nach dem Verbleib ihrer Schutzbefohlenen zu erkundigen. Zumal die Akten im Büro von Meister Trezza von einem Feuer zum großen Teil unbrauchbar gemacht worden waren.

Es hatte auch ein paar Tage gedauert, bis man die Rodianer Hubnutz und Fretch am Ufer des nahegelegenen Meeres gefunden und identifiziert hatte. Bis dahin hatte die Polizei angenommen, dass diese Verschwundenen die Urheber des Massakers waren. Als dann noch die blutverschmierte Kleidung einer Frau, nicht jedoch ihre Leiche nahe der beiden Rodianer gefunden wurde, konnte man sich keinen Reim auf die Geschehnisse machen. Man legte sorgfältig Akten über die Tatorte, Leichen und Fundstücke an und dann landete das Ganze bei den anderen vielen Akten ungeklärter Kriminalfälle im Polizeiarchiv des Planeten Orsis.

Kilindi erschrak bei dem Gedanken, dass es gut war, wenn es keinerlei potentielle Mitwisser ihrer geheimen Liaison mit Maul gab, die der Polizei oder gar Mauls Meister irgendwelche Hinweise hätten geben können. Sie schämte sich für diese Gedanken. Und sie ekelte sich vor dem, was Maul auf Orsis angerichtet hatte. Sie hatte zwar auch schon Leute getötet, aber das war nur die Familie auf Orvax IV gewesen, der sie als Sklavin gedient hatte. Jene Familie hatte sie jahrelang gequält und tyrannisiert. Es war tiefe Nacht gewesen. Alle hatten geschlafen - alle bis auf Kilindi, die raus auf die Toilette im Hinterhof musste. Und dann lag da auf einmal dieser Vibrodolch auf einem Tisch herum, der eigentlich weggeschlossen gehörte. Der Vater der Familie hatte seinen Sohn bereits des Öfteren ermahnt, die Waffen wegzuschließen, wenn sie nicht gerade im Gebrauch waren … bis zu jener Nacht. Kilindi Matako hatte nicht lange überlegt, als sie die im fahlen Mondlicht gleißende, leicht geschwungene Klinge entdeckte – so leicht geschwungen wie der Mond von Orvax IV am Himmel, der sie beleuchtete. Da hatte sie einfach zugegriffen – ihre Chance ergriffen und hatte sich ins nächste Zimmer begeben, wo jemand schlief.

Es wäre ihr hingegen nie in den Sinn gekommen, so viele Leute auf einmal zu töten, mit denen sie obendrein noch mehr oder weniger guten persönlichen Kontakt hatte und zu denen keinerlei oder nur wenig Feindschaft bestand – von den gemeinen Rodianern Fretch und Hubnutz einmal abgesehen. Allerdings war sie auch noch nie in einer Situation gewesen, einen derartigen Befehl erhalten zu haben. Dabei wusste sie ganz genau, dass ihre Ausbildung darauf angelegt war, auch solche monströsen Befehle zu befolgen. Und Mauls Meister war einer, der solche Befehle offensichtlich mit Leichtigkeit erteilte. Sie hatte Angst vor ihm. Und hoffte gleichzeitig, nie wieder Angst vor dem Mann haben zu müssen, den sie liebte und der sie liebte.

Elf Monate später

Darth Sidious war zufrieden mit seinem neuen Leben in Coruscant. Unter seinem bürgerlichen Namen Palpatine und als Senator für den Chommell-Sektor erschlossen sich ihm viele Einflussmöglichkeiten und Kontakte. Durch sein freundliches, umgängliches Wesen, gepaart mit der reifen Weisheit eines älteren Mannes Ende Vierzig hatte er rasch viele gute Bekannte gefunden bzw. Leute, die etwas von ihm wollten. Unter seinen engeren Bekannten war auch Padmé Amidala, die Königin von Naboo, die ihn häufig in politischen Fragen um Rat ersuchte. Eigentlich war sie wie Wachs in seinen Händen, wäre da nicht ihr Onkel gewesen.

„Mir gefällt nicht, dass du dich derart häufig mit Palpatine triffst", sagte Veedo Naberrie zu seiner Nichte, als diese mal wieder von diesem hoffnungsvollen und agilen Senator sprach, der auf Coruscant nicht nur im Senat so geschätzt und beliebt war.

„Aber Onkel", versuchte ihn Padmé zu beschwichtigen. „Palpatine kennt nicht nur Naboo, sondern auch Coruscant. Er weiß, wie man Dinge bewegt. Und er hat Einfluss. Genug, um endlich die Handelsföderation dazu zu bringen, uns endlich die Einfuhrzölle zu bezahlen, die unserem Planeten rechtmäßig zustehen. Wir brauchen ihn."

„Kindchen, du kennst Palpatine nicht so, wie ich ihn kenne. Dieser Mann geht über Leichen. Und er lächelt dabei, als wäre er auf einen Miso-Wurm getreten und hätte dabei gerade noch vermieden, auf dessen Glitschigkeit auszurutschen. Dabei ist er es, der so glitschig ist. Einfach nicht zu greifen. Er hat mit seinem Podrenner zwei unschuldige Leute zu Tode gerast. Er hatte dabei überhaupt kein schlechtes Gewissen. Und sein Vater hat alles vertuscht!", ereiferte sich Veedo Naberrie.

„Aber das sind doch alles Jugendsünden", versuchte Padmé den Senator in Schutz zu nehmen.

„Palpatine hat mehrere Beamte bestochen und die gesamte Erbschaftssteuer unterschlagen, als seine Familie unter höchst mysteriösen Umständen im Weltraum zu Tode kam. Glaubst du wirklich, er würde auch nur eine Sekunde zögern, dich töten zu lassen, wenn er das als nützlich erachtet?"

„Er unterstützt unsere Politik. Und gerade in der Politik braucht es nun mal Durchsetzungsvermögen. Da können wir keine normalen Duckmäuser gebrauchen. Wir bräuchten noch viel mehr Palpatines", sagte Padmé mit Nachdruck.

„Ich sehe schon", seufzte ihr Onkel resigniert. „Du willst es einfach nicht wahrhaben. Und du glaubst also wirklich, dass alles vorbei sein wird, wenn Palpatine es schaffen würde, Vizekönig Nute Gunray dazu zu bringen, seine Handelsföderation anzuweisen, Naboo die ganzen fälligen und überfälligen Zölle zu bezahlen?"

„Natürlich", erwiderte Padmé im Brustton der Überzeugung. „Dann werden endlich Frieden und Gerechtigkeit in der Galaxis herrschen!"

Veedo Naberrie zuckte kraftlos mit den Schultern. „Du bist gerademal vierzehn Jahre alt, mein Kind. Diese Blockade und deren mögliche Aufhebung ist erst der Anfang. Irgendetwas hat Palpatine vor. Und ich werde schon bald herausfinden, was er im Schilde führt. Wir sehen uns dann morgen", verabschiedete er seine Nichte, die alsbald sein Hotelzimmer verließ, um eilig dem Senatsgebäude zuzustreben.

Kilindi war mit ihrem Klienten gerade in dessen Hotelzimmer, um mit ihm die Sicherheitsvorkehrungen zu besprechen, die sie für die Erledigung seiner Angelegenheiten an diesem Tag zu treffen hatten. Gerade begutachtete sie das Gepäck ihres Schutzbefohlenen.

„Diesen Koffer müssen wir hierlassen", sagte sie bedauernd.

„Aber da sind die Geschenke für meine Familie drin!", protestierte der Klient.

„Das ist ja auch nur für den Notfall, der hoffentlich nicht …"

Ein Zischen verhinderte Kilindis vollständige Antwort. Jenes Zischen war von der Tür her zu vernehmen, was darauf schließen ließ, dass jemand gerade ein Lichtschwert gezündet hatte. Sie hatte dieses Geräusch schon lange nicht mehr gehört. Kein Wunder, waren Lichtschwerter doch der intergalaktischen Kampfelite, den Jedi, vorbehalten. Das letzte Mal hatte sie dieses Zischen auf Orsis gehört, als die wenigen Trainingslichtschwerter, die dort wie Reliquien gehütet worden waren, zu bestimmten Zeiten an die besten Kadetten verteilt wurden, damit sich diese daran erprobten. Sie war damals auserwählt worden … sie und Maul.

Dem hellen Zischen jenseits der Tür folgte ein tiefes, gefahrverkündendes Brummen. Für den Bruchteil einer Sekunde überlegte Kilindi, wie viele Jedi es wohl auf Coruscant gab, die gerade in einer Mission unterwegs waren und ob es eine Wahrscheinlichkeit oder ein Motiv dafür gab, dass die Jedi vorhatten, ihren Klienten in ihre Gewalt zu bringen. Es entsprach ganz gewiss nicht der Art der Jedi, dass sein Hotelzimmer durchwühlt worden war und eine Aufforderung hinterlassen wurde, er habe sofort aus Coruscant zu verschwinden. Genau deshalb hatte der Mann die Detektei kontaktiert und diese hatte sofort Kilindi zu seinem Schutz abgestellt.

Ohne sich auch nur nach dem umzusehen, was an der Tür gerade geschah, fuhr sie herum, schlug einen Haken an die Fensteröffnung, ließ das am Haken befestigte Seil herab. Nur eine halbe Sekunde später packte sie ihren Schutzbefohlenen, um sich rasch mit ihm an der Außenwand des Hotels in die Tiefe abzuseilen. Während sie dies tat, nahm sie aus den Augenwinkeln ein rotes Lichtfeld wahr, welches sie von der Tür kommend erreicht hatte, bevor sie sich ihm an der Hotelwand entlang nach unten wieder entziehen konnte.

Endlich hatte sie den Boden erreicht. Der Mensch, den sie hielt, der an ihr hing, war recht schwer, so dass ihre Hüfte, an welcher sie ihn vermittels eines Halteseils gesichert hatte, schmerzte. Kilindi ignorierte den bald vorübergehenden Schmerz. Ihr Dienst-Skycar wartete bereits auf sie. Sie hieß ihren Klienten vor ihr aufzusteigen, dann sprang sie ebenfalls auf ihr Dienstfahrzeug auf. Sie rasten über den offenen Platz hinweg hinter einen Müllcontainer, der genügend Deckung bot, aber auch genügend Sicht auf etwaige Verfolger ermöglichte. Kilindi würde, sobald sie den unheimlichen Verfolger abgeschüttelt hätte, den Mann umgehend zu einem sicheren Versteck bringen, wo er dann auf sie warten würde, während sie die ihm drohende Gefahr ausschaltete. Danach würden sie die nächsten Schritte seines Aufenthaltes planen. Oder aber sie würde dafür sorgen, dass der Mensch sicherheitshalber schnell wieder auf seinen Heimatplaneten zurückzukehren konnte.

Aus der Deckung des Containers schaute sie unauffällig zum Hotelfenster zurück. Dort machte sich eine schlanke Gestalt in einem schwarzen Kapuzenmantel daran, mit einem Fernglas den Weg zu verfolgen, den die Zielperson genommen hatte, um zu entkommen. Am Gürtel des Spähenden sah sie einen Griff baumeln, der der Griff eines Lichtschwertes sein musste – ein sehr langer Griff. Kilindi hatte das Gefühl, dass die Gestalt genau in ihre Richtung schaute, obwohl ihr Gesicht fast gänzlich von der schwarzen Kapuze bedeckt wurde. In Windeseile seilte sich der in Schwarz gehüllte Verfolger an Kilindis Seil ab und lief schnurstracks auf den Müllcontainer zu, hinter welchem die beiden Geflüchteten ... Sein Laufschritt war schnell – so schnell, dass ihr Verfolger auch für geübte Augen kaum mehr wahrnehmbar war; er glich einem flüchtigen Schemen. Kilindi kannte diese Art des Sichverbergens. Sie hatte sie nach ihrem Fortgehen aus Framm's Bar kennengelernt. Und jetzt, wo er stetig und unaufhaltsam näherkam, erkannte sie auch, wen man ihr und ihrem Klienten auf den Hals gehetzt hatte.

Kilindi bedeutete ihrem Klienten, auf sie zu warten und lief allein eine Gasse entlang, um im nächsten Hauseingang zu verschwinden. Von dort aus beobachtete sie in aller Seelenruhe, wie die Gestalt sich hinter dem verdutzten Menschen auf das Skycar schwang. Es war genau dieselbe luftige, geschmeidige Bewegung, in welcher er sich damals vor einem knappen Standardjahr hinter sie auf jenes Skycar gesetzt hatte, um mit ihr zum Meer zu fahren - hinten auf dem Gepäckträger die Leichen der beiden Rodianer. Jetzt hingegen würde es möglicherweise nur eine Leiche geben.

Kilindi schaute dabei zu, wie Maul mit seiner Beute davonbrauste. Dann wartete sie eine Weile, um zu überlegen, was nun zu tun sei. Schließlich hielt sie ein Gleitertaxi an, um zur Detektei zurückzufahren.

„Sie kommen früher zurück als erwartet", begrüßte Lor Nekka sie.

„Das Hotelzimmer war leer", begann sie zu erzählen. „Und als ich wieder nach unten ging, war Dienst-Skycar gestohlen worden."

Der Falleener zuckte mit den Schultern. „Es müsste schon seltsam zugehen, wenn es da keinerlei Zusammenhang gäbe."

„Davon gehe ich aus. Natürlich werde ich den Schaden ersetzen. Ich werde Überstunden machen. Es tut mir leid."

„Haben Sie irgendeine Nachricht von unserem Klienten erhalten?"

„Dann hätte ich es Sie sofort wissenlassen."

„Davon gehe ich aus."

„Da wäre noch etwas", begann sie.

Lor Nekka horchte auf. „Sprechen Sie!"

„Ich möchte bis auf weiteres keine Personenschutzaufträge mehr für Politiker wahrnehmen."

Lor Nekkas Brauen hoben sich in Erstaunen. „Aber die Sache mit Senator Orn Free Taa vor zwei Wochen haben Sie ganz ausgezeichnet gemeistert. Er hat sogar persönlich hier angerufen und sich bedankt! Was können Sie denn dafür, dass es sich der Klient jetzt anders überlegt hat und das Skycar fort ist? Das ist keine Katastrophe", meinte er beschwichtigend.

Kilindis Miene wurde eindringlich. „Das hier war größer als irgendein Beschützerauftrag. Es geht um Dinge, in die wir uns nicht einmischen sollten. Und es ist auch besser, wenn wir so wenig darüber wissen, wie es nur irgend geht."

Lor Nekkas schwarze Augen weiteten sich in Erkennen. „Wenn das so ist, dann müssen Sie das Skycar selbstredend nicht ersetzen."

„Ich danke Ihnen."

Lor Nekka war angetan von Kilindis Art, ihm von den Vorkommnissen zu berichten und derart Rücksicht auf die eher dünne finanzielle Decke einer kleinen Firma wie der seinen zu nehmen. Als ein Mann mit Erfahrung spürte er, dass hinter dem augenscheinlichen Versagen seiner Mitarbeiterin etwas steckte, über das man besser nicht sprechen sollte. Gerade bei Klienten wie jenem, die im gehobenen Politik- und Wirtschaftsbereich angesiedelt waren, musste man immer mit vielen Undurchsichtigkeiten rechnen, die man zu respektieren hatte, wollte man selbst keine Schwierigkeiten bekommen. Es gab ohnehin noch genug in der Detektei zu tun. Er würde schon eine andere Lösung für Aufträge dieser Art finden.

Am Abend, als Maul in ihr Apartment kam, hatte Kilindi sein Lieblingsgericht gekocht und war ziemlich aufgekratzt. Ihr Liebster bemerkte das, sagte jedoch nichts. Er rührte das Essen nicht an, sondern zog Kilindi sofort an sich, hob sie hoch, trug sie ins Schlafzimmer und warf sie auf das gemeinsame Bett. In dieser Nacht liebten sie sich besonders leidenschaftlich. Irgendwann in der Nacht hörte Kilindi, wie Maul in die Küche schlich, um sich dort über das vorbereitete Essen herzumachen. Er brachte ihr etwas davon ans Bett und sie schlang es hinunter.

Da sagte Maul plötzlich mit leiser, aber bestimmter Stimme: „Liebes, du solltest keine Personenschutzaufträge für Politiker mehr annehmen. Das ist sicherer für uns."

„Ich habe genau das heute Nachmittag mit meinem Chef besprochen. Er ist einverstanden", antwortete Kilindi stolz lächelnd wie eine Schülerin, die gerade ihrem Lehrer die einzig richtige Antwort gegeben hatte und dafür nun eine gute Note erwartete. Maul lächelte seiner Geliebten zurück und schloss sie in seine Arme. Dann liebten sie sich erneut, bis Mauls Komlink klingelte.

Meister Sidious war zufrieden mit seinem Schüler. Maul führte seine Aufträge immer schnell und ohne Spuren zu hinterlassen aus. Nach und nach wurden viele kritische Stimmen, die die schleppenden Verhandlungen des galaktischen Kanzlers Valorum mit der Handelsföderation kritisierten, leiser oder verstummten ganz. Mal war es ein Senatorenmitarbeiter, mal ein Senator selbst, der auf einmal spurlos verschwand und meist nie wieder auftauchte, es sei denn als Leiche an den heruntergekommensten Orten des Hauptstadtplaneten, die man sich denken konnte.

Vor dem Verschwinden dieser Unglücklichen waren anonyme Schreiben im Büro der betreffenden Parlamentarier eingegangen, die die wachsende Macht der Handelsföderation beschworen und Kooperation forderten. Deshalb ging die Polizei von Coruscant davon aus, dass es sich bei den Attentätern um Agenten der der Handelsföderation handelte. Allerdings ließen sich nicht alle potentiell Betroffenen von den mittlerweile serienmäßigen Anschlägen einschüchtern. So auch nicht die junge Besucherin im kleinen Büro des Senators von Naboo:

„Senator Palpatine, ihr müsst mir versprechen, dass es der Handelsföderation nicht gelingen wird, Naboo dazu zu zwingen, auf die Einfuhrzölle aus dem Gebiet der Handelsföderation zu verzichten", sagte Padmé Amidala fast schon flehend.

Palpatines besorgter Blick spiegelte die Gefühle der jungen Königin. „Meine Liebe, Ihr wisst genauso gut wie ich, dass ich das nicht kann. Nicht in meiner Position, nicht ohne einen starken Kanzler, der uns dabei Rückendeckung geben würde, Nute Gunray und seinesgleichen in den Arm zu fallen und diese unselige Blockade unseres Heimatplaneten endlich zu beenden."

„Wenn doch nur Onkel Veedo hier wäre", flüsterte Padmé. „Er könnte uns helfen. Aber er ist jetzt bereits seit drei Tagen verschwunden. Nach Naboo ist er auch nicht zurückgekehrt. Was sollen wir jetzt nur machen? Selbst die Polizei weiß nichts. Das ist einfach unerträglich. Könntet Ihr vielleicht noch einmal bei den Ermittlern nachstoßen?", fragte sie bekümmert.

Palpatines Züge wurden schlaff. „Meine Königin, es schickt sich nicht, dass sich ein Senator in die Polizeiarbeit auf Coruscant einmischt."

Padmés Blick wurde aufbegehrend. „Aber Veedo Naberrie ist der Botschafter unseres Heimatplaneten. Wir müssen ihm helfen, wenn es die Justiz hier nicht kann!"

Palpatines Stimme wurde salbungsvoll. „Majestät, ich verstehe Eure Besorgnis um das Verschwinden Eures Onkels. Aber solch eine Einmischung könnte als politische Erpressung und als Eingriff in die unabhängige Justiz gewertet werden", entgegnete Palpatine warnend. „Die Handelsföderation würde das sofort als Trumpf gegen uns ausspielen, wenn sie davon erfährt. Das können wir nicht riskieren!"

„Ihr seid so weise, das habe ich gar nicht bedacht", sagte Padmé traurig, bevor sie sich vom Senator ihres Heimatplaneten verabschiedete.

Eine Standardwoche später wurde der Leichnam von Veedo Naberrie auf einer illegalen Müllkippe in den Unteren Ebenen des Hauptstadtplaneten gefunden. Ein Müllmann hatte ihn entdeckt, als er dort Müll entsorgen wollte. Sein Pflichtbewusstsein, den Fund einer Leiche melden zu müssen, hatte über die Anweisung, den Müll dort ungesehen und rechtswidrig zu entsorgen, gesiegt. Ungefähr zur selben Zeit tauchte auch das verschwundene Dienst-Skycar der Firma „Other People's Secrets" wieder im Firmenhof auf, ohne, dass an dem Gefährt irgendwelche Fingerabdrücke oder andere Spuren zu finden waren, welche Aufschlüsse über die Umstände der Entführung und späteren Ermordung von Veedo Naberrie zuließen.